Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Brigittte:
Wunderschön illustriert
Heute fahren wir nach Anderswo von Klaus Baumgart
Als Oma, die mit ihren Enkeln schon viele Bilderbücher entdeckt hat, wurde ich hier wirklich überrascht. Schon beim Auspacken staunte ich: so ein großformatiges, richtig schön dickes Kinderbuch hatte ich gar nicht erwartet. Allein das in den Händen zu halten, war schon etwas Besonderes. Aber richtig begeistert war ich dann nach dem gemeinsamen Lesen.
Dieses Buch schenkt einem dieses zarte, warme Gefühl von Fantasie und Kreativität, das einen sofort ansteckt. Man möchte am liebsten selbst Stifte und Papier holen und direkt loszeichnen. Am besten natürlich mit Elfenkreide! Die Illustrationen sind einfach großartig. Sie sprechen Kinder unmittelbar an – meine Enkel waren ganz still, haben aufmerksam zugehört und sind völlig in die Geschichte eingetaucht. Man merkt richtig, wie ihre eigenen Gedanken wuchsen. Besonders gelungen finde ich die Kombination aus Kinderzeichnungen und den beiden Kindern im Buch. Diese Idee passt wunderbar zum Thema Fantasie und lässt die Geschichte noch lebendiger wirken. Es zeigt so schön, wie wertvoll und einzigartig die Vorstellungskraft von Kindern ist.
Für uns war dieses Buch nicht nur eine Geschichte, sondern eine kleine Reise – voller Wärme, Kreativität und Staunen. Ein Bilderbuch, das man immer wieder zur Hand nehmen möchte.
Rezensionen von MarcoL:
Intensiv mit einem packenden Epilog! Große Leseempfehlung!
Einmachglas von Demian Cornu
Fünfzehn Schüler*innen der Abschlussklasse bereiten sich für ein Theaterstück vor, das sie am letzten Schultag aufführen sollen. Vier davon sind für die Technik zuständig, die anderen stehen auf der Bühne, alles unter der Leitung des Lehrers Herr Keller. Die Lust dazu hält sich in Grenzen, aber sie lernen auf ihre Einsätze.
Siebzig Tage haben sie Zeit – und genau da fängt dieser Roman an. Siebzig Tage vor dem Epilog, beginnend mit Lisa. Abwechselnd kommen die Schüler*innen zu Wort, für maximal zwei Seiten. Im Wechsel erzählen sie von sich, von ihrem Leben, ihren Ängsten, Sorgen, von der Familie, und natürlich auch von den Vorbereitungen zur Theateraufführung.
Am Anfang ist dieser schnelle Wechsel zwischen den Handlungsträger*innen etwas anstrengend, aber man kommt schnell in einen Flow und fiebert darauf hin, wie es in den einzelnen „Minigeschichten“ weitergeht. Jedes Mädchen, jeder Junge, hat seinen eigenen Rucksack zu tragen – und dieser Inhalt wird nach und nach vor uns ausgeschüttet.
Es gibt welche, die keinen Vater haben, und darunter natürlich leiden. Andere werden zuhause verprügelt. Manche sind sanft, andere können sich nur über verbale oder sogar körperliche Gewalt äußern. Alle verstecken irgendwas vor den anderen, denn es könnte ja peinlich sein. Nur nicht zu viel von sich preisgeben ist die Devise, am besten cool sein. Besonders ein Junge führt ein Doppelleben als erfolgreicher Influencer, versteckt sich nicht nur vor seinen Mitschüler*innen, sondern auch vor seinem Vater. Allein diese Episoden sind sehr berührend und lassen tief blicken.
Alles in allem ist es ein Sammelsurium aus Gefühlen und Situationen, das mit dem Wort „Leben“ beschrieben werden kann. Der Theatertermin rückt näher, und wir merken, was die Proben in den jungen Menschen bewegen und auslösen. Sie beginnen sich leicht zu verändern, anzupassen.
Und je mehr Licht in das Leben der Einzelnen kommt, desto mehr keimt beim Lesen der Verdacht, dass das wahre Theater nicht auf der Bühne stattfindet, sondern im Klassenzimmer.
Und das Theaterstück dann selbst – der Epilog, auf den die Zeitlinie zuschreitet – wird dann zum absoluten Wow-Erlebnis. Mehr wird nicht verraten.
Es ist ein absolut fesselnder Roman, ein Psychogramm mit tiefen Einblicken und Wahrheiten. Wunderbar erzählt und in Szene (Worte) gesetzt von Demian Cornu
Ganz große Leseempfehlung
Rezensionen von Phija:
Bitte gebt mir mehr davon!
The Girls Ghostbusting Agency - Crazy Spooky Love von Josie Silver
Was würdest du tun, wenn du Geister sehen könntest? Ich würde vermutlich durchdrehen. Für Melody Bittersweet ist dies jedoch Alltag. Geister wahrnehmen zu können, liegt bei ihr in der Familie. Anders als ihre Mutter und Großmutter will sie nicht nur Nachrichten von Verstorbenen an ihre Hinterbliebenen überbringen, sondern sie will lieber Geister loswerden.
Gemeinsam mit ihrer wundervollen Freundin Marina macht sie sich selbstständig und gründet die Girls Ghostbusting Agency. Es dauert nicht lange, bis der erste Auftrag eintrudelt: Drei Geisterbrüder, einer wurde ermordet, jedoch von wem?
Dieses Buch hat so viel Herz, Wärme und Humor – das war wirklich große Klasse! Ich hab mich im Buch wirklich von Seite eins an wie zu Hause gefühlt. Die Charaktere von Melody an über Babs den Bus bis zu Artie dem Handlanger. Alle habe ich geliebt. Zwischen all dem Witz ist dann auch sehr geschmeidig noch eine sich langsam aufbauende Enemies-to-lovers eingearbeitet. Tatsächlich habe ich es sehr genossen, dass diese mehr nebenher lief und der Fokus wirklich auf der Ghostbusting Agency und dem Fall liegt. Der Cozy-Crime-Fall hat zwar nicht unbedingt durch unvorhergesehene Plottwists geglänzt, sondern auch hier ging es mehr um die Personen bzw. die Geister. Auch das hat aber meinen Geschmack voll getroffen. Das Buch lebt davon, dass ständig einfach etwas unvorhergesehen Witziges passiert und irgendwie alles einfach schiefgeht. Murphys Law at its best.
Was soll ich sagen – ich glaube, man hört es ganz gut raus – ich hatte einfach eine wirklich tolle Zeit mit dem Buch! Jede und jeder, der als Kind Fan der "Gespensterjäger" war, wird dieses Buch lieben, versprochen!!!
Rezensionen von gabiliest:
Von der Macht der Fantasie
Heute fahren wir nach Anderswo von Klaus Baumgart
Mit dem Bilderbuch “Heute fahren wir nach Anderswo“ erzählt der SPIEGEL Bestseller-Autor und Illustrator Klaus Baumgart eine einfühlsame Geschichte, die zeigt, dass Langeweile gar nicht langweilig sein muss. Denn es braucht oft nur einen kleinen Anstoß, damit Kinder in das Reich der Fantasie eintauchen und dort die tollsten Abenteuer erleben.
Klaus Baumgart ist ein vielfach preisgekrönter Autor und hat unter anderem auch die erfolgreiche Kinderbuchreihe “Lauras Stern” geschrieben und illustriert, doch bei “ Heute fahren wir nach Anderswo” hat er sich Hilfe bei den Illustrationen geholt, diesmal sind sie in Zusammenarbeit mit seinem Enkel Oscar entstanden.
Auch der kleine Junge im Buch heißt Oscar, und er hat entsetzliche Langeweile. Was könnte er nur machen? Da fällt ihm gar nichts ein. Doch plötzlich ist Elfi da, mit ihrer Elfenkreide malt sie ein schönes rotes Auto. Ob Oscar mit auf die Reise geht? Natürlich, denn da gibt es viele Abenteuer. Doch wo geht die Reise hin? Nach “Anderswo” antwortet Elfi, und schon sausen sie los. Auf ihrem Weg treffen sie einen Drachen, eine freundlichen Riesen und viele verschiedene Tiere. Am Abend ist Elfi verschwunden, doch ein kleines Stück Elfenkreide hat sie dagelassen. Ob Oscar mit ihrer Hilfe Elfi wieder finden wird?
Klaus Baumgart hat ein fröhliches Bilderbuch gestaltet, mit freundlichen Figuren und vielen phantastischen, bunten Illustrationen. Am Anfang des Buches zeigt schon der Vorsatz, dass hier ein Kind mitgezeichnet hat. Das Zusammenspiel der perfekten Grafik mit den Kinderbildern macht den besonderen Charme dieses hochwertig ausgestatteten Buches aus, das durch sein großes Format beeindruckt. Die große Schrift und die kindgerechten kurzen Texte machen das Buch für Kindergartenkinder interessant, empfohlen wird das Buch ab vier Jahren. Je mehr Oscar und Elfi in ihre Phantasiewelt eintauchen, desto vielfältiger sind die Illustrationen, denn im Land der Phantasie ist alles möglich. Wo dieses Land ist? Natürlich dort, wo die kleinen Lesenden wollen, denn es ist einfach “Anderswo”.
Klaus Baumgart hat mit “Heute fahren wir nach Anderswo” ein kluges und heiteres Buch vorgelegt, das den Wert der Freundschaft hervorhebt und die Kinder ermutigen will, Neues zu wagen. Auch wenn Träume manchmal zerrinnen, ergibt sich daraus vielleicht eine neue und unerwartete Gelegenheit. Ich habe das Buch mit meinem vier Jahre alten Enkel gelesen und wir waren begeistert, denn etwas Besseres, als die kleinen und großen Lesenden mit auf eine Fantasiereise zu nehmen, kann ein Bilderbuch nicht erreichen. Daher empfehlen wir dieses zauberhafte und einfallsreiche Buch allen, die bereit sind, Türen in spannende Fantasiewelten zu öffnen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Penibel recherchiert und gekonnt erzählt
Der Schrein der Könige von Sabine Weiß
Sabine Weiß entführt uns in ihrem historischen Roman „Der Schrein der Könige“ in das mittelalterliche Köln, das sich damals noch Cölln schreibt.
Bevor wir uns gemeinsam mit dem Verduner Goldschmied Nicolaus in Köln niederlassen dürfen, machen wir noch einen Abstecher nach Mailand, wo Kaiser Friedrich Barbarossa seinem Heerführer und Erzbischof von Köln, Rainald von Dassel, die (angeblichen) Gebeine der Heiligen Drei Könige zum Geschenk macht.
1164 kommen die als Reliquien verehrten Knochen in Köln an. Nun gilt es, einen Goldschmied zu finden, der würdigen Schrein zu gestalten vermag.
Nicolaus von Verdun, der Schöpfer des Verduner Altars in der Stiftskirche von Klosterneuburg (Niederösterreich) verlässt nach tragischen familiären Verlusten Verdun, um in Köln den Auftrag für den Dreikönigsschrein zu gestalten. Dass er von den alteingesessenen Goldschmieden nicht mit offenen Armen empfangen wird, ist leicht erklärbar und einsichtig: Sie fürchten um ihre Aufträge. Da tritt Bruder Ägidius, den alle Welt Jilles nennt, auf den Plan: Er verschafft Nicolaus, trotz zahlreicher Widerstände und Intrigen, den Auftrag, der Nicolaus bis zu seinem Lebensende beschäftigen wird. Bei jedem Wechsel der Herrschaft, sei es im Deutschen Kaiserreich oder im Bistum ist Nicolaus zu seinem Ärger gezwungen, Änderungen am Schrein vorzunehmen. So verlangt Kaiser Otto auf dem Schrein abgebildet zu werden. Das nachträgliche Einfügen der Figur Ottos bringt die ausgeklügelten Proportionen in Unordnung und Nicolaus zur Verzweiflung.
Gleichzeitig erfahren wir einiges über das Leben in Köln. Die Durchlässigkeit der Stände ist kaum gegeben. Ein Tagelöhner bleibt (fast) immer ein Tagelöhner. Die Handwerker sind in Gilden zusammengeschlossen und man heiratet untereinander, um Kunden und Reichtum zu mehren, weshalb es Nicolaus von Verdun schwer hat, in Köln Fuß zu fassen. Nur dem grenzenlosen Ehrgeiz des (realen) Rainald von Dassel und dem fiktiven Jilles ist es zu verdanken, dass Nicolaus den Schrein entwerfen darf.
Neben dem Hauptstrang um Nicolaus und den Schrein, erfahren wir einiges über die politische Lage dieser Zeit. So gibt es immer wieder Hinweise zu den weltlichen Herrschern und zu den geistlichen Führern, die allerdings ihr eigenes Süppchen kochen, und ihren Kämpfen. Es ist die Zeit der Kreuzzüge, die Hunderttausenden das Leben kosten, nur um den Wahn, „Jerusalem von den Heiden zu befreien“, zu erfüllen. Einer dieser Kreuzzüge beschert uns den Bericht über Richard Löwenherz, der vom Babenberger Herzog Leopold auf der Rückkehr vom Heiligen Land gefangengenommen wird und nach der Zahlung eines exorbitanten Lösegeldes frei gelassen wird. Die Sage um Richard und seinem Sänger Blondel, der seinen König in der Burg Dürnstein ausfindig gemacht hat, ist wohl bekannt.
Die Verquickung von Fakten und Fiktion rund um die Erschaffung des Dreikönigsschreins ist sehr gut gelungen, obwohl die Seitenblicke auf das Weltgeschehen außerhalb Kölns das eine oder andere Mal für einige Leserinnen und Leser vielleicht zu üppig ausgefallen sein mögen. Ich persönlich mag das, wenn das Rundherum in einem historischen Roman einbezogen wird. So kann ich mir ein umfassendes Bild der Zeit und der Umstände, in denen ein historischer Roman spielt, machen.
Über Nicolaus von Verdun (geboren zwischen 1130-1140 und gestorben nach 1205) ist nicht allzu viel bekannt, weshalb die Autorin ihrer Fantasie ziemlich freien Lauf lassen kann.
Die Charaktere sind sehr fein ausgearbeitet und wirken authentisch. So werden die innerfamiliären Konflikte zwischen dem realen Nicolaus, seinem fiktiven Sohn Louis und Nicolaus Bruder Charles gekonnt dargestellt.
Sehr gut hat mir auch der Einblick in die Arbeit der Goldschmiede gefallen. Da ich selbst einige Kurse im Goldschmieden absolviert habe, sind mir die Schilderungen sehr vertraut: Altgold, Altsilber einschmelzen, Draht ziehen oder Bleche hämmern - lauter Aufgaben, die der Meister seinen Lehrlingen anvertraut. Die eigentliche Arbeit, die das wirkliche Können des Nicolaus beweist, ist ja der Entwurf der Figuren und deren Herstellung. So wird dann an den Figuren deutlich zu sehen sein, dass nicht nur Nicolaus an dem Schrein gearbeitet hat, sondern andere Kölner Goldschmiede. Jene von Nicolaus wirken lebendig.
Wie wir es von Sabine Weiß gewöhnt sind, verbraucht sie viel „Personal“, das in einem Personenverzeichnis gelistet ist. Historische Persönlichkeiten werden als solche gekennzeichnet. Am Ende des historischen gibt es ein Glossar sowie Anmerkungen der Autorin.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und gekonnt erzählten historischen Roman rund um die Entstehung des Dreikönigsschreins im Dom zu Köln, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Anno:
Bitte alles einsteigen
#PurpleVibes von Nicole Mahne
Für Lynn sind die Öffis ein Graus. Was genau vorgefallen ist, dass sie jetzt nicht mehr in der Lage ist einzusteigen, wird nur am Rande erwähnt. Doch, dass es sie einschränkt und belastet, das wird trotzdem rasch klar. Aus ‚therapeutischen Gründen‘ besucht Lynn daher irgendwann regelmäßig die Haltestelle.
Und just hier, an einem Ort, wo Lynn sich so unwohl fühlt, da trifft sie auf ein Mädchen- Purple- und ist fasziniert. Fasziniert von ihren Haaren und fasziniert von ihrem Auftreten. Im Gegensatz zu ihr scheint dieses Mädchen völlig unerschrocken. Und doch ist sie auch empathisch. Sie nimmt Lynn an wie sie ist und macht aus ihrer Angst keinen Elefanten.
Mir hat dieses Buch enorm gut gefallen. Es ist ein Buch, dass sich eigentlich an jüngere Leser richtet, aber auch ich hatte Spaß daran es zu lesen. Die Geschichte an sich ist rasch erzählt und wartet jetzt nicht gerade mit krassen Twists auf, dafür aber ist sie ruhig und berührend. Trotz der Thematik lies sich das Buch leicht und flüssig und punktet auch sehr mit seine authentische Erzählweise. Purple bleibt lange irgendwie mystisch und bewusst nicht gut greifbar, was sie zu einem sehr interessanten Charakter werden lässt. Lynn aber gefiel mir auch sehr gut. Sie ist anfangs noch gefangen in alten Verhaltensmustern, die Erlebnisse mit Purple aber setzen etwas in ihr in Gang. Und mitzuerleben, wie sie sich dabei verändert und reift ist sehr schön.
Definitiv lesenswert, diese lila Haltestellenstory mit Kaugummi, Teddy und Herz.
Rezensionen von DoraLupin:
Wieder unterhaltsam zu lesen
Die Rätsel meines Großvaters von Masateru Konishi
Da ich bereits den ersten Teil als Hörbuch genießen dufte und mir dieser gut gefallen hat, wollte ich nun unbedingt wissen wie es mit den Protagonisten weitergeht und welche spannenden Fälle sie diesmal lösen müssen! Ich hatte ein paar sehr unerhaltsame Stunden mit diesem Buch und fand die Lektüre lesenswert, gerade wenn einem der erste Teil gut gefallen hat.
Diesmal versuchen Kaede und ihr Großvater neue Fälle zu lösen und mit fantasievollen Geschichten den Geheimnissen der Menschen auf die Spur zu kommen. Mal geht es um das Verschwinden eines Weihnachtsmanns, mal um eine mysteriöse Suizidserie. Doch auch im privaten Umfeld der beiden häufen sich unbegreifliche Ereignisse, und ein alter Widersacher taucht wieder auf. Kann das ungleiche Detektiv-Duo die Rätsel lösen, die die Welt ihnen stellt, und sich selbst in Sicherheit bringen?
Der Schreibstil ist sehr gut zu lesen, locker und leicht, dabei strahlt er aber auch eine Ruhe aus die das Buch warmherzig zu lesen macht. Anders als bei anderen Krimis steht nicht die Spannung im Vordergrund, sondern das Rätseln und Gedankenspiele. Mir hat dies schon im ersten Teil sehr gut gefallen und auch diesmal konnte mich das Buch in seinen Bann ziehen.
Der Autor schafft es die beiden Protagonisten Kaede und ihren Großvater authentisch zu beschreiben, wobei mir vorallem der kluge Großvater immer sehr sympathisch ist. Die Geschichte ist kraftvoll und wirklich schön zu lesen, wenn man keine Action und keinen Thrill, sondern Rätsel, schöne Gespräche zwischen Kaede und dem Großvater und ein wenig Mystik mag. Gerne empfehle ich das Buch weiter.
Rezensionen von katis zettelchen:
Stark geschrieben, wie gehen wir mit Leerstellen in unserem Lebensbild um?
Ich möchte zurückgehen in der Zeit von Judith Hermann
Eine Frau in den 50ern, die versucht, ihren Großvater und seine nationalsozialistische Vergangenheit greifbarer zu machen und das Schweigen in der eigenen Familie zu überwinden. Damit kann ich mich zu 100% identifizieren. Für mich ist dieser Roman sehr spannend – sowohl inhaltlich als auch formell.
Drei Teile, Radom – der Ort in Polen, an dem ihr Großvater stationiert war, Neapel – wo ihre Schwester mit Familie wohnt und Tidslomme (Zeittäschchen) – ein kleiner Appendix über das Verschwinden der Schwiegereltern der Erzählerin. Die Suche nach der Wahrheit über den Großvater wird zum Umgang mit Erinnerung, Vergessen und Verdrängung, darüber, wie unterschiedlich Menschen traumatische Erlebnisse oder verstörendes Wissen verarbeiten und über Wissenslücken, die nicht gefüllt werden können und die man letztlich ertragen muss. Wenn jede Person in der Familie einen Zeitstrahl anfertigen würde mit den Erinnerungen an die eigene Vergangenheit oder auch an das, was davor lag und was man nur aus Erzählungen kennt, würden ganz unterschiedliche Ergebnisse entstehen, denn für jeden ist etwas anderes wichtig und jeder hat seine eigene Perspektive. Erinnern wir uns irgendwann noch direkt an unsere Vergangenheit oder erinnern wir uns nur noch daran, was wir einmal erzählt haben, ein Foto, eine Bemerkung und die Erinnerung ist dann sozusagen aus zweiter Hand? Gerade im Umgang mit der Vergangenheit unserer Familien im Nationalsozialismus ist die Realität so schwer zu greifen – nach dem Krieg wurde so viel verschwiegen und verdrängt, dass die Wahrheit teilweise aus der Erinnerung gelöscht wurde, es entstehen absichtliche und unabsichtliche Leerstellen. Wie geht man damit um, wenn man immer wieder gegen Wände läuft? Die Schwester der Erzählerin ist Archäologin in Pompeji, sie deckt Momente auf, die in der Zeit fixiert wurden, sie nennt das „geschlossene Funde“, die durch eine plötzliche Katastrophe entstehen. Demgegenüber steht das Leben des Großvaters, der wahrscheinlich an Ghettobildung und Massenhinrichtungen beteiligt war. Geblieben sind ein paar Alltagsgegenstände, Fotos, ein paar Einträge im Bundesarchiv und einige Erinnerungen, die die Mutter preisgibt. Die Erzählerin versucht eine Geschichte zu finden, der Vergangenheit Sprache zu geben, doch muss sie lernen, mit Leerstellen zu leben. Ein Satz, der mir im Gedächtnis bleibt, weil mir die Situation sehr bekannt ist: „Ich dachte an die Unnachgiebigkeit meiner Mutter, an ihre erbarmungslose Fähigkeit zum Rückzug, ihre Art, sich in einen Stein zu verwandeln, nicht mehr ansprechbar zu sein.“ Ist die Lektüre des Romans befriedigend? Ja und nein, denn sie gibt nicht der Vergangenheit die Sprache, aber der Suche nach Wahrheit. Ich fühle mich dennoch sehr motiviert, weiter nach der Wahrheit zu suchen, auch wenn vieles wahrscheinlich inzwischen nicht mehr auffindbar ist.
Rezensionen von xdeano:
Wenn Geheimnisse und Schicksale aufeinandertreffen
Giftiger Grund von Thomas Knüwer
Thomas Knüwers „Giftiger Grund“ ist ein außergewöhnlicher Kriminalroman, der weniger auf traditionelle Ermittlungsarbeit setzt und mehr von Atmosphäre, Charakteren und psychologischer Spannung geprägt ist. Der Einstieg mit drei Unbekannten an einer einsamen Tankstelle und einer Leiche im Kanalschacht weckt bereits Neugier und markiert einen kraftvollen Auftakt.
Die drei Protagonist*innen Charu, Joran und Edda stehen im Fokus, wobei ihre Geschichten aus variierenden Ich-Perspektiven erzählt werden. So lernt man die Figuren sehr gut kennen und gewinnt eine vertiefte Einsicht in ihre Gedanken, Ängste und Geheimnisse. Ein besonders gelungener Aspekt ist, wie sich ihre verschiedenen Lebensgeschichten nach und nach miteinander verknüpfen. Edda ist gerade eine Figur, die einen besonders berührt und lange im Gedächtnis bleibt.
Das ungenutzte Gelände am Priusring stellt den finsteren Mittelpunkt der Erzählung dar und ist maßgeblich für die bedrückende Stimmung verantwortlich. Die Spannung rührt weniger von actionreichen Szenen her, sondern vielmehr von psychologischen Abgründen, Geheimnissen und der Frage, wie alles miteinander verbunden ist. Auch Themen wie Gewalt, Drogen und herausfordernde Lebenssituationen sind von Bedeutung. Daher ist das Buch an manchen Stellen nichts für schwache Nerven.
Insgesamt verläuft der Roman ruhig und widmet seinen Figuren ausreichend Zeit. Obwohl die Handlung dadurch gelegentlich etwas ausladend wirkt, bleibt das Interesse daran, wie sich die einzelnen Schicksale entwickeln und schließlich zusammentreffen, immer bestehen. Gegen Ende wird das Tempo merklich schneller, und das Finale bringt noch einmal zusätzliche Spannung.
Giftiger Grund ist insgesamt ein psychologisch stimmungsentwickelnder Krimi mit interessanten Charakteren, in dem viel mit Atmosphäre und einem deutlichen psychologischen Element gearbeitet wird, wobei die Charaktere und die düstere Stimmung im Vordergrund stehen. Wer anstelle eines klassischen Ermittlerkrimis mehr an einer durch die Charaktere bestimmten Erzählung mit einer Vielzahl von Perspektiven, mehr an Atmosphäre als an Handlung und einem stimmungsvollen Setting interessiert ist, wird an diesem Krimi seine Freude haben.
Rezensionen von xdeano:
Wenn Geheimnisse und Schicksale aufeinandertreffen
Giftiger Grund von Thomas Knüwer
Thomas Knüwers „Giftiger Grund“ ist ein außergewöhnlicher Kriminalroman, der weniger auf traditionelle Ermittlungsarbeit setzt und mehr von Atmosphäre, Charakteren und psychologischer Spannung geprägt ist. Der Einstieg mit drei Unbekannten an einer einsamen Tankstelle und einer Leiche im Kanalschacht weckt bereits Neugier und markiert einen kraftvollen Auftakt.
Die drei Protagonist*innen Charu, Joran und Edda stehen im Fokus, wobei ihre Geschichten aus variierenden Ich-Perspektiven erzählt werden. So lernt man die Figuren sehr gut kennen und gewinnt eine vertiefte Einsicht in ihre Gedanken, Ängste und Geheimnisse. Ein besonders gelungener Aspekt ist, wie sich ihre verschiedenen Lebensgeschichten nach und nach miteinander verknüpfen. Edda ist gerade eine Figur, die einen besonders berührt und lange im Gedächtnis bleibt.
Das ungenutzte Gelände am Priusring stellt den finsteren Mittelpunkt der Erzählung dar und ist maßgeblich für die bedrückende Stimmung verantwortlich. Die Spannung rührt weniger von actionreichen Szenen her, sondern vielmehr von psychologischen Abgründen, Geheimnissen und der Frage, wie alles miteinander verbunden ist. Auch Themen wie Gewalt, Drogen und herausfordernde Lebenssituationen sind von Bedeutung. Daher ist das Buch an manchen Stellen nichts für schwache Nerven.
Insgesamt verläuft der Roman ruhig und widmet seinen Figuren ausreichend Zeit. Obwohl die Handlung dadurch gelegentlich etwas ausladend wirkt, bleibt das Interesse daran, wie sich die einzelnen Schicksale entwickeln und schließlich zusammentreffen, immer bestehen. Gegen Ende wird das Tempo merklich schneller, und das Finale bringt noch einmal zusätzliche Spannung.
Giftiger Grund ist insgesamt ein psychologisch stimmungsentwickelnder Krimi mit interessanten Charakteren, in dem viel mit Atmosphäre und einem deutlichen psychologischen Element gearbeitet wird, wobei die Charaktere und die düstere Stimmung im Vordergrund stehen. Wer anstelle eines klassischen Ermittlerkrimis mehr an einer durch die Charaktere bestimmten Erzählung mit einer Vielzahl von Perspektiven, mehr an Atmosphäre als an Handlung und einem stimmungsvollen Setting interessiert ist, wird an diesem Krimi seine Freude haben.









