Kunden em pfehlungen
Rezensionen von katis zettelchen:
Recommendation for fans of German baked goods
German Baking von Dr. Oetker Verlag
German baked goods are famous around the world. I met people in Dublin and in Boston, in Tampa and in Nashville who asked me about Blackforest Cake, Nut Triangles, Apple Strudle and Christmas cookies of all kinds. We were an international group of students at university, and each brought frequently something from their own culture to the table.
I brought my family’s apple cake. That this is typically German is also reflected in this book with no less than 11 apple cake recipes! And always a favorite. Scrolling through the book and baking several of the recipes (also the Black Forest “gateau” how it is called in here) I have to say that it well reflects German baking. The bread section is a bit small, but big enough for several try-outs – and the German variety on breads would require a book by itself, anyway. The recipes are pretty well translated, sometimes one stumbles across some regionalities or some phrases that sound a bit German, but that could also add to the charme of the book. I very much appreciate the conversion tables at the end, very useful! All in all – if you want to show off German heritage or experience German culture through baking, I can highly recommend this book.
Ich habe 12 Jahre in den USA gelebt und regelmäßig in Irland gearbeitet und oft deutsche Kuchen zu Potluck Parties mitgebracht, immer ein Renner. Ob Schwarzwälder Kirsch oder Apfelkuchen, die Vielfalt von Weihnachtsplätzchen oder Stollen, den ich im Herbst gebacken habe und der bis Weihnachten ziehen musste – die Backwaren haben immer Freude gemacht. Ich finde, das Buch reflektiert die Vielfalt gut. Es gibt ein paar Übersetzungsstolperer, aber das macht nichts, es klingt manchmal ein bisschen deutsch übersetzt, passt aber zur Authentizität der Rezepte und stört nicht. Gut finde ich die Umrechnungstabelle am Ende, sehr wichtig! Ich habe einige Rezepte nachgebacken, z.B. die Schwarzwälder Kirschtorte, die Florentiner, den Rhabarberkuchen und die Sachertorte. Bei letzterer hätte ich noch Orangenlikör dazugegeben, aber das ist persönliche Präferenz und ich habe viele Amerikaner getroffen, die sich scheuen mit Alkohol zu backen, weil sie die Kinder dann nicht mitessen lassen. Also wahrscheinlich hier besser ohne Alkohol. Die Rezepte funktionieren, sind vielleicht manchmal für den amerikanischen Durchschnittsbäcker etwas schwierig, aber der komplette Laie würde das Buch sowieso nicht kaufen. Es ist eine schöne Geschenkidee für amerikanische Freunde, ich werde es verschenken und bin schon gespannt auf die Ergebnisse.
Spannend, aber nicht immer logisch und nachvollziehbar
Das letzte Buch von Marceau Miller von Marceau Miller
Ein Roman ohne Autor? Ein Buch im Buch? Mehrere Erzählstimmen? Das hat mich neugierig gemacht. Der Plot ist gut – ein erfolgreicher Autor verunglückt wenige Tage nach der Veröffentlichung seines neuesten Buches tödlich beim Freiklettern. Als Leser wissen wir von Anfang an, dass dort am Felsen noch jemand war (kein Spoiler, ist wirklich gleich am Anfang) – und damit wissen wir ein bisschen mehr als die Ich-Erzählerin, seine Frau.
Das Buch im Buch gibt es, aber nicht so, dass man den Autoren bzw. die Autorin auf dem Buchdeckel weglassen müsste, das ist hier für mich eher Marketingtrick. Im Französischen ist der Titel etwas anders, „Le roman de Marceau Miller“, das würde wörtlich übersetzt im Hinblick auf den Inhalt für mich besser funktionieren. Aber egal, es geht ja um die Geschichte zwischen den Deckeln. Es ist eine rasante Geschichte, die einem schneller vorkommt, als die Zeit im Roman vergeht, am Ende sind es mehrere Wochen. Plottwists, Szenenwechsel, Personal, alles gut angelegt, doch mir agiert die Protagonistin unausgewogen rational und irrational, ihre plötzlichen Wutausbrüche finde ich unnötig und störend. Ihre Beziehung zu den anderen Figuren, ihren Freunden und ihren Kindern und im Rückblick zu ihrem Mann, bleibt merkwürdig distanziert, ich kann sie nicht wirklich greifen. Darum sind einige Geschehnisse für mich unlogisch oder konstruiert. Leider ist mein Französisch nicht gut genug, um den Roman im Original zu lesen, vielleicht liegt es manchmal an der Wortwahl. Insgesamt ein spannender Krimi, der sehr gute Anlagen hat, aber leider insgesamt für mich nicht rund ist.
Ein Memoir, kein Roman, wieder ein Stückchen älter und weiser
Alt genug von Ildikó von Kürthy
Kein Schutzumschlag, holzhaltiges Papier, die Rohversion des Buches passt zum Inhalt. Kürthy hat diesmal keinen Roman geschrieben, sondern wie sie selbst sagt, ein Memoir. Das gefällt mir, Inhalt und Form. Das Papier der letzten Romane war mir zu glatt, das hier hat mehr Haptik, wie der Inhalt. Ich bin drei Wochen älter als Kürthy und die letzten Jahrzehnte mit ihr und ihren Romanen älter geworden.
Ich konnte und kann mich mit vielem identifizieren, worüber sie schreibt, sie gibt mir ein Gefühl von Gemeinschaft, ein Anspruch, den sie an ihre Werke stellt – wie sie hier schreibt. Im Duden gibt es nur das Pluralwort Memoiren, sie wählt den (nicht vorhandenen) Singular, „ein Stückchen aus meinem Leben.“ Sie erzählt von einem Lebensabschnitt, dem Jetzt, in dem sie „alt genug“ ist – umrahmt von einem Partybesuch – Episoden aus ihrem Leben zu den Themen, Älterwerden, Selbsteinschätzung und -akzeptanz, Schreiben, Beziehungen und Freundschaft, Ängste und Komfortzonen usw. – der Tenor dieser Episoden ist nicht neu, bezieht sich diesmal nur auf reale Personen und viel auf sie selbst und mit weniger Augenzwinkern als wir es von ihr gewohnt sind. Der Monolog ist manchmal ein bisschen nervig, auch weil sie sich häufiger wiederholt, aber ich erkenne mich selbst darin und kann sie verstehen. So wie ich an manchen Stellen die Augen rolle, ertappe ich mich häufig dabei, wie meine Familie oder auch Freunde mit den Augen rollen, wenn ich rede und rede und sie und mich nerve, aber gleichzeitig fühle, dass endlich mal gesagt werden muss, was ich zu sagen habe. Mir gefallen ihre Zeilen über das Schreiben, an dieser Stelle verwebt sich das Memoir mit ihren anderen Romanen – alles, was sie erlebt, macht sie zum Thema, d.h. sie erlebt und beobachtet ihr Erleben zur selben Zeit, steht sozusagen neben sich – mir geht es genauso. Und dieser Satz ist das, was sie, glaube ich, am liebsten hört und der Grund, warum ich ihre Bücher mag.
Eine Zeitreise in die Jugend und ins Jahr 1969
Das Ende vom Lied von Michael Wildenhain
Eine interessante Coming-of-Age Story aus dem Jahr 1969, das „wie kein anderes für den Übergang einer Welt [steht], die noch den Traditionen des Vorkriegs verpflichtet war, hin zu einer Wirklichkeit, die über die Jahre in mehr und mehr disparate Partikel zerfällt.“ Es geht unter anderem um vom Krieg traumatisierte Eltern, das Leben im geteilten Berlin, grausame Jugendgangs, erste Liebe, Studentenunruhen und den Beginn von Terrorismus, eine spannende Mischung.
Der Ich-Erzähler ist 12/13 Jahre alt, seine Welt komplex. Er ist smart, aber wächst in einer schwierigen Umgebung auf, in der Ehe der Eltern kriselt es, sein Bruder ist im Internat, er schließt sich aus Selbstschutz einer Jugendgang an, in der grausame Rohheit herrscht. Er ist sehr wach, beobachtet sehr genau, seine Wahrnehmung ist überdurchschnittlich, aber auch altersgemäß. Wildenhain gelingt es, seine Sprache authentisch klingen zu lassen, was auf den zweiten Blick verwundert, denn der Roman ist sehr komplex aufgebaut. Die Gedanken des Protagonisten springen von Träumen zu Rückblicken, Rap-Einlagen, Dialogen, Beschreibungen, sachlichen Einschüben. Das ist spannend und anstrengend, teilweise liest es sich sehr zäh. Stilistisch erinnert mich der Stil an Brechts Episches Theater mit Brüchen, Verfremdungen, Stilmix. Der Roman macht nicht Spaß, aber er fesselt.
Stark geschrieben, wie gehen wir mit Leerstellen in unserem Lebensbild um?
Ich möchte zurückgehen in der Zeit von Judith Hermann
Eine Frau in den 50ern, die versucht, ihren Großvater und seine nationalsozialistische Vergangenheit greifbarer zu machen und das Schweigen in der eigenen Familie zu überwinden. Damit kann ich mich zu 100% identifizieren. Für mich ist dieser Roman sehr spannend – sowohl inhaltlich als auch formell.
Drei Teile, Radom – der Ort in Polen, an dem ihr Großvater stationiert war, Neapel – wo ihre Schwester mit Familie wohnt und Tidslomme (Zeittäschchen) – ein kleiner Appendix über das Verschwinden der Schwiegereltern der Erzählerin. Die Suche nach der Wahrheit über den Großvater wird zum Umgang mit Erinnerung, Vergessen und Verdrängung, darüber, wie unterschiedlich Menschen traumatische Erlebnisse oder verstörendes Wissen verarbeiten und über Wissenslücken, die nicht gefüllt werden können und die man letztlich ertragen muss. Wenn jede Person in der Familie einen Zeitstrahl anfertigen würde mit den Erinnerungen an die eigene Vergangenheit oder auch an das, was davor lag und was man nur aus Erzählungen kennt, würden ganz unterschiedliche Ergebnisse entstehen, denn für jeden ist etwas anderes wichtig und jeder hat seine eigene Perspektive. Erinnern wir uns irgendwann noch direkt an unsere Vergangenheit oder erinnern wir uns nur noch daran, was wir einmal erzählt haben, ein Foto, eine Bemerkung und die Erinnerung ist dann sozusagen aus zweiter Hand? Gerade im Umgang mit der Vergangenheit unserer Familien im Nationalsozialismus ist die Realität so schwer zu greifen – nach dem Krieg wurde so viel verschwiegen und verdrängt, dass die Wahrheit teilweise aus der Erinnerung gelöscht wurde, es entstehen absichtliche und unabsichtliche Leerstellen. Wie geht man damit um, wenn man immer wieder gegen Wände läuft? Die Schwester der Erzählerin ist Archäologin in Pompeji, sie deckt Momente auf, die in der Zeit fixiert wurden, sie nennt das „geschlossene Funde“, die durch eine plötzliche Katastrophe entstehen. Demgegenüber steht das Leben des Großvaters, der wahrscheinlich an Ghettobildung und Massenhinrichtungen beteiligt war. Geblieben sind ein paar Alltagsgegenstände, Fotos, ein paar Einträge im Bundesarchiv und einige Erinnerungen, die die Mutter preisgibt. Die Erzählerin versucht eine Geschichte zu finden, der Vergangenheit Sprache zu geben, doch muss sie lernen, mit Leerstellen zu leben. Ein Satz, der mir im Gedächtnis bleibt, weil mir die Situation sehr bekannt ist: „Ich dachte an die Unnachgiebigkeit meiner Mutter, an ihre erbarmungslose Fähigkeit zum Rückzug, ihre Art, sich in einen Stein zu verwandeln, nicht mehr ansprechbar zu sein.“ Ist die Lektüre des Romans befriedigend? Ja und nein, denn sie gibt nicht der Vergangenheit die Sprache, aber der Suche nach Wahrheit. Ich fühle mich dennoch sehr motiviert, weiter nach der Wahrheit zu suchen, auch wenn vieles wahrscheinlich inzwischen nicht mehr auffindbar ist.
Ein Buch, das mit der Lektüre immer größer wird
Alma von Federica Manzon
Ein großartiges Buch über die Kriege zum Ende Jugoslawiens und über die Sinnlosigkeit von Kriegen im Allgemeinen. Ich bin 58 Jahre alt, ich habe von Tito gehört und von Srbenica, von Karadzic und Mladic und den Prozessen in Den Haag, und in diversen Tatorten, die in Wien spielen von untergetauchten serbischen Kriegsverbrechern.
In den 90er Jahren lebte ich in den USA und habe nur wenig von den Kriegen mitbekommen. Jetzt wohne ich in Österreich, wo viele Serben, Bosnier und Kroaten leben. Ich weiß also so gut wie gar nichts über die Situation in Jugoslawien in den 70er bis 2000er Jahren. Die Lektüre des Romans war oft ziemlich verwirrend – wenn ich mich am Klappentext orientiert habe – Geschichte von Frau, die nach vielen Jahren ihre Heimatstadt Triest wieder besucht und sich mit Vergangenheit auseinandersetzt. Ich versuchte mich an geographischen Punkten zu orientieren, doch sind sie allgemein gehalten, „die Stadt“, „die Stadt im Osten“, „die Hauptstadt“, „die Insel“ und „drüben“. Manchmal gibt es konkretere Hinweise. Nach Wikipedia-Einträgen zu Jugoslawien, Triest, Tito und Jugoslawien-Kriege wurde es klarer. Wenn ich jedoch nicht mit der Erwartung einer konkreten Stadt gelesen hätte, wäre die Lokalisierung auch egal gewesen. Es geht in diesem Roman konkret um die verwirrende Situation der Region nach dem Tod Titos und nach dem Zerfall des Ostblocks. Es war für alle verwirrend, denn in dem Krieg kämpften plötzlich die, die jahrzehntelang meist friedlich miteinander gelebt hatten, der Krieg hatte territoriale und ethnische Ursachen und war damit unbegreiflich und unübersichtlich. Alma, die Protagonistin steht außerhalb des Ganzen und wird bewusst so gehalten – von ihren Eltern, die den Ballast der Geschichte (Habsburger Monarchie, Weltkriege, Diktatur unter Tito usw) von ihr fernhalten wollen, damit sie frei aufwächst, was sie tut, was sie nicht versteht, was sie verwirrt. Ihre Großeltern versuchen sie mit ihrer Geschichte und Gesellschaft zu beeinflussen, sie genießt das schöne Leben, bleibt aber bei ihrer Mutter. Almas Geschichte ist eine persönliche Geschichte – zwischen Großeltern, Eltern, dem Pflegebruder, Freunden – eingebettet in eine sehr komplexe Situation – der Vater ist selten da, er ist meist „drüben“, ohne dass sie weiß, was er dort macht, die Mutter leidet; der Pflegebruder, zu dem sie sich hingezogen fühlt, ist ihr auch oft fremd; den Freunden öffnet sie sich nie ganz, sie bleibt verschlossen in ihrer Welt. Alma ist bis zu einem Grad unpolitisch, sie betrachtet die Menschen, urteilt nach richtigem und falschem Verhalten. Sie lernt mit der Zeit, dass die Regeln im Krieg andere sind, dass viel geschwiegen und verschwiegen wird aus Selbstschutz oder zum Schutz anderer; es gibt Missverständnisse, es ist oft nicht klar, wer gut und wer böse ist, die Grenzen sind fließend. Der Roman ist aber keine Generalentschuldigung für Kriegsverbrechen und Verrat, keine Carte Blanche für fragwürdiges Verhalten. Er liefert eine Außenansicht (von Triest aus, nicht von Belgrad) zur Entstehung und zum Ablauf eines Krieges, von dem keiner genau weiß, warum er geführt wurde, die manchmal eine Innenansicht wird. Durch die weitgehende Anonymisierung sind die Lokalitäten, die Gruppen austauschbar mit denen anderer Kriege. Auf dem kleinsten Nenner ist es das Unverständnis gegenüber Kriegshandlungen und Gewalt. Almas Mutter arbeitet in einer Nervenheilanstalt, einem „Irrenhaus“, die Grenzen zwischen dem Inneren und dem Äußeren dieser Anstalt verwischen sich.
Dies ist ein Roman, bei dem ich Anlaufschwierigkeiten hatte, der mich aber jetzt nicht mehr loslässt. Er hat einen Platz in meinem Regal gefunden, ich werde ihn wieder lesen und kann ihn jedem empfehlen – mit oder ohne Hintergrundwissen. Nach der Lektüre kann ich den dreiteiligen SRF Podcast „Jugoslawiens Zerfall“ empfehlen.
Rich man poor man im Italien der 60er Jahre
Villa Rivolta von Daniel Speck
Auch in diesem neuen Roman von Speck geht es um eine Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg, die in zwei parallel laufenden Erzählsträngen erzählt wird. Speck kann das, es liest sich sehr gut. Diesmal spielt der Roman komplett in Italien, vorwiegend im Mailänder Raum. Eine arme, eine reiche Familie, eine, die Glück hat und eine Pech.
Zwischen den beiden Familien entsteht eine Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Mädchen. Mehr zum Inhalt wäre gespoilert. Das Buch ist eine weitere Tür zur Speck-Welt, es gibt Überlappungen mit Charakteren aus Bella Germania, das ist nett. Mir gefällt auch der realistische Anteil – die Autos, die in der Fabrik hergestellt werden, gab es tatsächlich, solche Kleinigkeiten machen die Geschichte authentisch. Generell hat mir Bella Germania besser gefallen, es war runder und dynamischer. Villa Rivolta hat ein paar langatmige Stellen, nicht schlimm, aber das Verhältnis der Charaktere zueinander ist nicht immer nachvollziehbar, die Geschichte endet mit offenen Fragen. Vielleicht erfahren wir in einem späteren Roman mehr? Aber der typische Speck-Charme ist da, wenn er erzählt, entstehen Bilder und Filme im Kopf. Man wird in die Story gezogen, man hat Lieblingscharaktere und ist gespannt, wie es weitergeht. Gute Unterhaltung!
Witziger Roman über drei ganz unterschiedliche Büroangestellte
Richtig gutes Essen von Junko Takase
Ich kenne mich mit der japanischen Kultur nicht wirklich gut aus, habe nie dort gelebt. Sie interessiert mich sehr, u.a. durch Marukamis Bücher. Ich interpretiere diesen Roman als sehr ironisch, bin mir aber nicht hundertprozentig sicher – Humor ist kulturgebunden. Vielleicht macht mir gerade deshalb dieses Buch so viel Spaß, ich lese Ironie, aber es bleibt die Spannung, ob es wirklich ironisch gemeint ist.
Eine alltägliche Situation – größeres Büro, Plot dreht sich überwiegend um drei Angestellte, den Genussmenschen, den arbeitsamen Pragmatiker, die missgünstige Aufwieglerin und ihre Dynamik untereinander, ihre Einstellung zu Arbeit, Work-Life-Balance, Ehe - und Essen als Symbol für Genuss und Lebensfreude. Zu vielem habe ich einen Bezug (Büro mit Angestellten verschiedener Funktionen, mitgebrachtes, verteiltes Essen, Essen gehen etc.), anderes ist mir fremd (exzessives Arbeiten, Einstellung zu Ehe, zu Beziehungen usw). Ich lerne einiges über die japanische Büro- und Datingkultur – aber mit Vorbehalt durch die Brille der Ironie. Witzige, überraschende Dialoge.
„Du redest quasi nie über das Essen, das vor dir steht, deshalb muss ich auch nicht jedes Mal so was sagen wie >Lecker< oder >Total zart>, auch wenn es lecker ist, reicht es, das nur zu denken, darüber bin ich echt froh. […] alle haben doch komplett unterschiedliche Vorlieben, selbst wenn alle das Gleiche essen, ist die Art, wie die Zunge den Geschmack wahrnimmt ganz und gar verschieden, aber wir vereinheitlichen es, indem wir >Lecker, lecker< sagen, mir ist klar geworden, dass das richtig belastend ist. Wenn ich mit dir esse, gibt es das zum Glück nicht. Es ist, als würde ich allein essen.“
Sehr frisch erzählt, sehr gut lesbar, lustig, wunderschöne Aufmachung – klare Leseempfehlung.
Collegeroman aus den 1930ern
Was vor uns liegt von Alba de Céspedes
Wenn ich an meine Mutter (*1922) oder Großmutter (*1899) denke, bin ich dankbar dafür, dass ich heute lebe und nicht in ihrer jeweiligen Zeit. Was wurde von ihnen erwartet? Sie sollten heiraten, den Haushalt führen, Kinder bekommen und großziehen. Sie sollten sich um ihre Männer und Familie kümmern, eine höhere Ausbildung, Karriere, Selbstverwirklichung – das alles war ihnen vorenthalten.
Natürlich finde ich, dass Gleichberechtigung ein Grundrecht ist, aber wir sollten auch dankbar für unsere Vorfahrinnen sein, so für unsere Rechte gekämpft zu haben.
Dieser frühe Roman von de Cespedes ist kein kämpferischer Frauenrechtsroman, sondern ein Porträt von jungen Frauen in den 1930ern, die zum ersten Mal ihr Zuhause verlassen haben, um zu studieren, mit Träumen von der Zukunft und dem Wunsch nach Selbstbestimmung, nicht anders als heute. Sie kommen aus ganz Italien nach Rom, sind aus unterschiedlichen ökonomischen Verhältnissen, leben in einer Art sehr wohl behütetem Studentenwohnheim im Kloster. Trotz der klösterlichen Einschränkungen genießen sie neue Freiheiten, eine gewisse Unabhängigkeit. Man merkt, dass die Konventionen sich langsam ändern. Die Ehe bleibt aber, wenn man nicht eine reiche Erbin ist, die finanzielle Absicherung #1, die Gesellschaft erwartet Kinder, Küche, Kirche. Der Fokus liegt daher auf der Heirat, sie träumen von Liebe. Eine wohl eher zweifelhafte und kurzfristige Alternative ist es, sich von einem Mann als Mätresse aushalten zu lassen. Alles in allem sind es Frauen mit individuellen Träumen, die versuchen, ihr Leben zu gestalten und das nicht immer innerhalb der Konventionen – für seine Zeit ein gefährliches, feministisches Buch.
Ich mag Alba de Cespedes, dieses ist ihr erster Roman. Er liest sich gut, manchmal im ersten Viertel etwas langatmig, dafür ist besonders das letzte Drittel sehr lesenswert. Die jungen Frauen beenden ihr Studium, die kurze Gemeinschaft löst sich wieder auf, die Frauen gehen in ganz unterschiedliche Richtungen. Alle sind ein bisschen exemplarisch dargestellt, aber das stört mich nicht, ich bekomme einen guten Eindruck von den Möglichkeiten, die diese Frauen haben. Ein unterhaltsames Buch, eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit, die noch nicht so lange her ist.
Meine Lieblingsfigur resümiert: „Ich glaube, irgendwann müssen wir aufhören zu suchen und uns einfach nehmen, wie wir sind. Wir müssen den Mut finden, uns nicht mehr auf andere zu verlassen, sondern endlich erwachsen zu werden, auch wenn der Preis dafür die Einsamkeit ist.“ – Das gilt auch heute noch.
Eine sehr schöne, nicht kitschige, untypische Mutter-Tochter-Geschichte
Onigiri von Yuko Kuhn
Mich hat schon lange kein Buch mehr so berührt, wie dieses. Berührt im guten Sinne. Es ist eine Mutter-Tochter-Geschichte und eine Geschichte über Heimweh, das so stark ist, dass man nicht einmal telefonieren oder einen Film in der Muttersprache sehen kann. Eine Frau fährt mit ihrer zunehmend dementen Mutter noch einmal nach Japan, zur Familie und alten Freunden, ‚das letzte Mal‘ hängt über dem ganzen Besuch und gleichzeitig weiß die Mutter oft nicht, wo sie ist und erkennt auch ihre Tochter zum ersten Mal nicht mehr.
Es ist viel Schmerz und Sehnsucht in diesem Buch und sehr viel Liebe. Es ist ein cross-kulturelles Buch, die Tochter ist halb Japanerin, halb Deutsche. Ihre Eltern haben sich unter dramatischen Umständen getrennt, als sie klein war. Die Mutter blieb in Deutschland, fühlte sich aber nie zuhause.
Das Buch macht traurig und wehmütig und wärmt das Herz durch die Beziehung der beiden Frauen, die Fürsorge der Tochter für die Mutter. Es liest sich wunderbar. Linear begleiten wir die Reise nach Japan, der Erzählfluss wird unterbrochen von ‚Reisbällchen‘ (Onigiri), kleinen vignettenhaften Erinnerungen and das Leben der Mutter in Deutschland, an die deutschen Großeltern, den Vater, die japanische Familie, die Freunde. So entsteht das komplexe Bild einer nicht immer einfachen, aber liebevollen Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Es ist traurig, mitzuerleben, wie sie sich von der Mutter in Teilen langsam verabschiedet, und ermutigend, mit wieviel Geduld und Kreativität sie sich immer wieder Selbstständigkeit und lichte Momente erobert. Was bleibt, wenn man die Heimat verlässt, was bleibt, wenn man alles vergisst?
Mir gefällt Kuhns Schreibstil, nicht übertrieben, nicht schnörkelig, ehrlich und gerade. Ich hoffe, noch mehr von ihr zu lesen.











