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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von katis zettelchen:

Kleine Reise in den dunklen Schwarzwald

Schattengrünes Tal von Kristina Hauff

Ein kleiner Ort im Schwarzwald, alteingesessene Familien, Familienquerelen, Freud und Leid und ein neuer weiblicher Gast im Hotel. Hauff führt gut in ihre Geschichte ein, die Umgebung, Tal und Berg, die Charaktere. Geschickt wird unterschwellig Spannung aufgebaut, die Beziehungen der Personen zueinander angelegt, es liest sich flüssig und schnell und macht Spaß.

Als sich die Lage zuspitzt und es dramatischer wird, bleiben Handlung und Figuren leider etwas oberflächlich und klischeehaft. Es ist immer noch ein netter Roman im Schwarzwald, aber der Anfang versprach mehr. Empfehlenswert als schnelle Sommerlektüre.

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Sehr lesenswerte Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher Ideologien

Nazi und Kommunist von Torsten Harmsen

Zwei Menschen, beide um 1900 geboren, erzählen immer abwechselnd ihre persönliche Geschichte bis in die frühe Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs. Der Autor Torsten Harmsen fungiert eher als Herausgeber und Lektor. Die beiden kennen sich nicht, sie haben beide mit Harmsen gesprochen. So viel zum Gerüst.

Es ist hochinteressant, die beiden Leben parallel zu erleben, sie erklärte Nationalsozialistin, er Kommunist. Ich habe schon Bücher gelesen, in denen Kommunisten ihr Leben im Widerstand und unter Verfolgung unter den Nazis beschrieben haben, aber noch keines, in dem eine Nationalsozialistin so offen ihre Entwicklung, ihre Einstellung, ihren Glauben erzählt hat. Sie steht nicht für alle Nationalsozialisten, aber sie ist eine Frau, die mehr ist als eine Mitläuferin, aber keine Täterin im Sinne einer KZ-Aufseherin, sie ist Lehrerin und bildet Schülerinnen zu Lehrerinnen aus, d.h. sie vermittelt die nationalsozialistische Ideologie und das von ganzem Herzen. Sie stellt sich später einige Fragen, sie will Verantwortung übernehmen für das, was sie geglaubt und getan hat, was mehr ist als die meisten eingestehen. Sehr interessant als Grundlage für Diskussionen um Mitschuld, Verantwortung, Schuld usw. Die Erzählung des Kommunisten hat mich weniger überrascht, eben weil es auch nicht der erste Bericht dieser Art ist, den ich gelesen habe. Mich hat auch bei diesem Mann wieder beeindruckt, wie aktiv und weiträumig vernetzt die Kommunisten auch im Dritten Reich waren. In seinem Bericht werden sehr viele Namen von Genossen und Menschen genannt, denen er begegnet ist. Mir sagen die meisten nichts, das Einzige, was ich an dem Buch bemängele, ist, dass es keine Liste der aufgeführten Personen am Ende gibt. Sehr gut hat mir die zeitliche Gegenüberstellung der Kapitel gefallen, ganz besonders spannend die Schilderungen der letzten Monate des Krieges und der Wochen danach, spannend ist auch, dass die beiden in ihrem Wunsch einer „Volksgemeinschaft“ gar nicht so weit voneinander entfernt sind, sie den Gedanken nur ganz unterschiedlich weitergedacht haben. An dieser Stelle ist das Buch auch hochaktuell. Das hat mich sehr an die Tagebücher meiner Tante erinnert. Das Buch liest sich flott, bietet viel Stoff für Diskussionen und ist unbedingt lesenswert.

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Vom inneren und äußeren Druck schwanger zu werden

Hello Baby von Kim Eui-kyung

Jede Frau setzt sich irgendwann damit auseinander, will man Kinder oder will man keine. Die Gesellschaft spaltet sich in Frauen mit und ohne Babywunsch. Es gibt für beides sehr viele unterschiedliche Gründe: eigene Wünsche, Karriere, Familie, Gesellschaft. Die Uhr tickt für alle Frauen auch heute noch, obwohl man sich in jungen Jahren Eizellen entnehmen und einfrieren lassen kann - eine teure, aufwändige, schmerzhafte Prozedur ohne Erfolgsgarantie.

Der Druck auf Frauen ist enorm und steigt mit dem Warten auf die Schwangerschaft, wodurch sie sich in einen Teufelskreis begeben, denn Stress wirkt kontraproduktiv oder besser ‚kontrazeptiv‘.
Dieser Roman erzählt von sechs Frauen in Seoul und ihrer Zeit vor der Schwangerschaft. Sie sind alle sogenannte Spätgebärende, haben einen mehr oder weniger definierten Kinderwunsch, fühlen sich bedrängt von ihrer Familie und müssen gleichzeitig die Versuche, schwanger zu werden vor ihren ArbeitgeberInnen und KollegInnen verheimlichen, da sie sonst als arbeitsscheu gelten, sie sind angespannt bis verzweifelt, jahrelang in Behandlung. Sie freunden sich an, weil sie genau das verbindet, sie schaffen sich eine Safe Space, in der sie über alles reden können und in der sie sich gegenseitig unterstützen. In diesen Raum kommen weder Ehemänner, noch Eltern, Schwiegereltern oder KollegInnen. Eingriffe, Krankenhausaufenthalte, Erwartungen, Hoffnungen, gescheiterte Hoffnungen, Abgänge, Fehlgeburten – das alles hat nichts Romantisches, es wird realistisch erzählt und doch kommt eines immer wieder durch, die liebevolle Sehnsucht dieser Frauen nach ihrem Baby, dem sie „einfach in die Augen schauen und [das sie] begrüßen“ möchten.
Es ist ein wichtiges Buch über den Weg zur Schwangerschaft. Es behandelt ein Thema, das viele betrifft und das immer noch verschämt tabuisiert wird. Ich habe einige Frauen getroffen, die ihre Kinder über IVF bekommen haben, die sich scheuen, offen darüber zu reden, die es ihren Kindern nicht erzählen – und das sind nur die, bei denen die Prozedur erfolgreich war. Es gibt so viele, die keine Kinder bekommen können, aber gerne würden und sich nicht trauen, damit offen umzugehen, selbst hier und heute. Es geht in diesem Buch nicht darum, dass alle Frauen Mütter werden sollen und Mutterschaft wird auch nicht glorifiziert, sondern es geht um die Frauen, die wollen, aber die nicht leicht und nicht von alleine schwanger werden können. Ich kenne kaum Frauen, die sich für Mutterschaft entscheiden und dann sofort schwanger werden. Auch ohne IVF kann ich mich gut mit den Frauen identifizieren, die immer wieder auf den Schwangerschaftstest starren und hoffen, dass zwei Balken entstehen.

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Was wurde aus den Kindern der Fischerinsel der 70er Jahre?

Die Kinder von der Fischerinsel von Andreas Ulrich

Im Plauderton erzählt der Autor von der Lebensgeschichte der Kinder, die gleichzeitig mit ihm auf der Fischerinsel lebten und mit ihm in eine Klasse gingen. Sie alle haben eines und manchmal nur das gemeinsam – sie lebten auf der Fischerinsel. Sie haben sich, wie üblich nach der Schule, meist aus den Augen verloren, sind weggezogen, ihren eigenen Weg gegangen.

Natürlich ist dieser Weg ein bisschen ungewöhnlicher, denn die unmittelbare Nähe zur deutsch-deutschen Grenze und die Wiedervereinigung 1989 sind Markierungspunkte, die ihr Leben direkt beeinflussten. Die Fischerinsel mit ihren neu gebauten sechs Hochhäusern mit 20 Stockwerken war durch ihre Bewohner ungewöhnlich: eine dicht aufeinander lebende Mischung aus prominenten Künstlern, hochrangigen Politfunktionären, ausländischen Diplomaten und ‚normalen‘ Menschen – von Freigeistern bis Stasiangehörigen. Was brisant klingt, wird hier als Alltag dargestellt – meistens kannte der Einzelne nur seine unmittelbaren Freunde und Bekannten, von den schillernden Bewohnern hatte man eher gehört. So erzählt der Autor in kurzen Kapiteln, was er in Interviews mit den ehemaligen Kindern erfahren hat, meist vom DDR Alltag ohne diesen (für die Wessis) genauer zu erklären oder nostalgisch zu verklären. Es bleibt ein bisschen oberflächlich. Ich finde nicht, dass es immer um Maulwürfe und Stasi gehen muss, aber ich habe den Alltag meiner Verwandten wachsam erlebt, nicht so unbefangen, wie er hier auch in Retrospektive noch dargestellt wird. Ich hätte mir mehr Reflektion gewünscht. So bleibt es beim unterhaltsamen Plauderton. Ich bin im Westen aufgewachsen, hatte aber viel Familie in Berlin und dem Rest der DDR, die wir regelmäßig besuchten. Daher fällt es mir leicht, Bilder vor Augen zu haben, wenn ich diese Erzählungen lese. Ich könnte mir vorstellen, dass das der jüngeren Generation oder denen, die nie ‚drüben‘ waren, schwerer fällt. Das Buch ist gute Unterhaltung. Die Lektüre macht Lust darauf, nachzufragen und so bin ich einigen im Buch erwähnten Personen und Themen selber nachgegangen - nicht die schlechteste Wirkung eines Buches. Es liest sich leicht und flüssig. Ich kann es denen empfehlen, die mit etwas Vorbehalt einen kleinen Einblick in den DDR Alltag bekommen möchten, denen, die sich erinnern wollen, und denen, die sich einfach für Berliner Stadtgeschichte interessieren.

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Ein Familienbild, das nicht den Klischees entspricht

Die Summe unserer Teile von Paola Lopez


Ich mag Bücher, die generationenübergreifend die Geschichte von Frauen erzählen, in diesem Fall drei Generationen, Großmutter, Mutter und Tochter. Primär liegt der Fokus auf dem Leben der Tochter, einer in Berlin lebenden Informatikerin. Neben der Jahrzehnte umfassenden Geschichte von Krieg, Flucht, Umzug, Neuanfang, Lebenskrisen, die mir oft nahe ging, geht es im Kern um die Beziehung zwischen diesen drei Frauen.

Es sind keine „normalen“ Mutter-Tochter-Beziehungen, wenn es so etwas überhaupt gibt. Sie sind einander fremd, finden nicht immer die richtigen Worte, es kommt zu Urteilen und Missverständnissen und sie finden nicht zueinander. Ich stelle mir die Frage, ob sie das überhaupt wollen, jede lebt ihre eigene Geschichte. Was sie gemeinsam haben, ist der Drang nach Unabhängigkeit, einem selbstbestimmten Leben. Das ist ihnen für sich selbst und für die nachfolgende Generation wichtig, sie unterstützen sich finanziell sehr, um das zu erreichen. In diesem Roman wird ein anderes Mutter-Tochter-Verhältnis präsentiert, es muss nicht die enge Beziehung sein, in der man zumindest oberflächlich alles voneinander weiß und eng zusammenlebt. Ich finde mich nicht in allem wieder, aber ich finde die Thematisierung sehr gut und wichtig. Die Darstellung ist meist realistisch, und kann vielen dabei helfen, sich nicht schuldig zu fühlen. Ich bin im Roman ein paarmal über die Handlungslogik gestolpert, aber er enthält viele schöne Sätze, die bei mir bleiben, zum Beispiel: „Alle sind davon überzeugt, dass man reden, reden, reden muss. Dass sich alles klären lässt, wenn man nur lange genug darüber spricht […] Manche Dinge lassen sich nicht durch Reden in alle Einzelteile zerlegen, betrachten und schlussendlich lösen. Liegt ein verknotetes Tau zu lange auf dem Meeresgrund, so wird es von Algen überwachsen. […] Das salzige Meerwasser greift das verknotete Seil an, das Seil wird spröde. Der Knoten lässt sich nicht auseinanderklauben. […] Der Knoten wird ein Zuhause für kleine Krebstiere, für Lucys Unabhängigkeit, für ihr erwachsenes Selbst.“

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Eine deutsche Frauengeschichte einfach und realistisch

Schwebende Lasten von Annett Gröschner

Das Leben als Blumenstrauß
Es ist die Geschichte einer eher unscheinbaren Frau, die oft übersehen wird, und gleichzeitig die Geschichte Deutschlands aus der Sicht einer einfachen Frau aus Magdeburg. Genau das mag ich an diesem Buch. Ihr Horizont ist relativ klein, sie kommt kaum aus Magdeburg heraus.

Der Plot ist nicht ungewöhnlich. Sie heiratet, hat Kinder, sie wechselt die Berufe oder Jobs, um ihre Familie zu ernähren. Ihr Mann ist nicht besonders nett, aber sie bleibt bei ihm und kümmert sich um ihn. Sie überlebt den Krieg und lebt danach in der DDR, nach der Wende im Gesamtdeutschland. Ihre Geschichte ist nicht spektakulär und wird daher nicht oft erzählt. Aber ist es wahrscheinlich die Geschichte der meisten Frauen, typisch und lebensnah. Was für mich heraussticht, ist die Szene, in der sie den Luftangriff auf Magdeburg erlebt – ich habe noch nie so nah und anschaulich und schrecklich über die Bombardierung aus der Luft gelesen. Die Männer sind in dem Roman die Nebenfiguren, natürlich tragen sie zum Plot bei, aber der Fokus liegt auf dem Leben der Frauen: der Protagonistin, ihrer Töchter und Enkelinnen, ihrer Schwestern und Schwiegermutter. Es geht um Familie und Freundschaft, nicht immer nett, nicht immer harmonisch, realistisch. Und dann dreht sich der Roman noch um einen mysteriösen Mann, der plötzlich auftaucht und wieder verschwindet, der nett ist und respektvoll und der ihr die Postkarte eines Blumenstraußes schenkt, der so wild zusammengestellt ist, wie das Leben, aus Blumen, die nicht gleichzeitig am selben Platz blühen, die aber zusammen ein harmonisches oder zumindest komplettes Bouquet ergeben. Er gibt der Geschichte einen Rahmen, der meines Erachtens nicht nötig gewesen wäre, aber auch nicht von der Hauptgeschichte ablenkt.
Die Sprache im Roman ist unschnörkelig wie die Protagonistin, es wird nicht immer chronologisch erzählt, manchmal ist der thematische Zusammenhang wichtiger als die Chronologie. Das verwirrt kurz, aber ändert nichts am Gesamteindruck. Der Roman liest sich gut, eine Frauengeschichte, unspektakulär und eindringlich. Er hat mir gefallen.

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Virginia Woolf weiter geführt, unterhaltsam und inspirierend

Ein Raum zum Schreiben von Kristin Valla

Was ist es, was Virginia Woolf meint, wenn sie „A Room of One’s Own” fordert? Die Erzählerin des Romans ist etwas salopp gesagt, eine Schriftstellerin, die nach der Baby-/Kinderpause und einem festen Job, der regelmäßiges Gehalt einbringt, wieder zum kreativen Schreiben zurückfinden will. Sie nimmt uns mit auf ihre Suche nach einem Ort, an dem sie schreiben kann, doch ist es wirklich dieser Ort zum Schreiben, den sie sucht? Sie kauft ein heruntergekommenes Haus in Südfrankreich und wird besessen von Instandsetzung, Design, Erhaltung, Handwerkern, Innenarchitekten … Mit dem Lesen entsteht bei mir die Sehnsucht, auch einen Raum zu schaffen, ich überlege, was ich brauche, konkret und immateriell, so wie die Erzählerin.

Sie erzählt von ihrer Zeit in Frankreich und ihrer Zeit in Norwegen, alleine und mit ihrer Familie, vom Schreiben, vom Suchen und Finden und von vielen literarischen Frauen weltweit, die ihre Räume suchten, kreierten, hart dafür arbeiteten und oft fanden. Die Kreativität bezieht sich hier auf das Leben selbst, nicht nur auf das literarische Werk, Schriftstellerin zu werden und zu bleiben. Der Roman ist unterhaltsam und inspirierend, er macht Mut und Lust auf ganz viel Kreativität, den Ballast aufzuräumen, sich zu befreien, Plätze für sich und die Familie zu bauen und zu schreiben.

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Wenn man in drei Tagen erwachsen wird

Das Leben fing im Sommer an von Christoph Kramer

Manchmal konzentriert sich das Leben auf ein paar einzelne Tage, an denen sich ganz viel ändert und die einem ein Leben lang im Gedächtnis bleiben: eine Party, eine Begegnung, ein Roadtrip, ein Wagnis, ein Kuss … Wenn diese Tage dann noch so wichtig im Lebenslauf sind, weil man an ihnen die Schwelle vom Jungen zum Mann, vom Kind zum Erwachsenen überschreitet, werden sie zum Stoff für eine dichte, dynamische Sommergeschichte.

Der Roman liest sich so weg, er ist unterhaltsam, die Charaktere lebensnah, die Situationen universell vertraut. Wer erinnert sich nicht daran, wie man die Blicke der / des Angebeteten in der Schule interpretiert hat, was man alles gemacht hat, um zu der angesagten Party eingeladen zu werden, die Unsicherheiten, wie unreine Haut oder Schüchternheit, die einem immer wieder im Weg standen? Der Sprachstil ist eher einfach, aber liest sich flüssig, natürlich lebt das Buch auch davon, dass der Autor ein bekannter Fußballweltmeister und beliebter TV-Kommentator ist. Am Ende steht ein Disclaimer, dass die Handlung im Roman frei erfunden ist, das hätte ich bei dem Inhalt auch geschrieben, außerdem gilt natürlich auch hier, „Never let the truth get in the way of a good story.“ Was ich damit sagen will, ist, dass es auffällige Ähnlichkeiten zwischen dem Protagonisten und dem Autoren gibt, was vielleicht nicht mehr als eine charmante Spielerei ist, aber es funktioniert, die Lesefreude zu erhöhen. Alles in allem ein nettes Sommerbuch, das man auch jetzt schon in Vorfreude auf den Sommer lesen kann. Ich würde sagen, das Buch ist ab 14 gut zu lesen.

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Wie geht man mit seiner eigenen Vergangenheit um?

Unter Grund von Annegret Liepold

Wann beginnt Schuld? Gibt es Unschuld? Kann man sich von seinem eigenen jüngeren Selbst distanzieren? Auf mehreren zeitlichen Erzählebenen erzählt die Protagonistin im Rückblick von ihrer Jugend, in der sie in die rechts-radikale Szene gerutscht ist. Ich war gespannt zu lesen, wie sie damals radikalisiert wurde und gleichzeitig, wie sie sich 15 Jahre später im Rückblick sieht.

Man merkt die Diskrepanz zwischen ihrem jüngeren und ihrem älteren Selbst, die Essenz des Romans liegt für mich in dieser Spannung. Wie geht sie als ältere (immer noch junge) Frau mit ihrer ruhmlosen Vergangenheit um, hier passiert ein Wandel. Der erste Wandel 15 Jahre zuvor von der einsamen, etwas außenstehenden Jugendlichen, die eine Gemeinschaft unter Rechten findet, ist für mich etwas zu kurz gekommen; sie gerät mir zu naiv und unreflektiert in die Szene und wenn es so ist, dann fehlt mir die Auseinandersetzung der Erzählerin heute mit ihrem Selbst von damals. Vom Klappentext hatte ich erwartet, dass ich mehr über ihre Radikalisierung erfahre. Gelungen finde ich die Darstellung des Landlebens, der Dorfgemeinschaft, des Vereinswesens, die gleichzeitige Einmischung in die Angelegenheiten anderer und das Heraushalten aus allem, was unbequem wird, die eingeschränkten Möglichkeiten, eigene Wege zu gehen, wenn man nirgendwo dazugehört.
Insgesamt bin ich etwas zwiegespalten bezüglich des Romans. Ich finde die Thematik aktuell und sehr wichtig, der Roman liest sich flüssig, mir gefallen die unterschiedlichen Erzählebenen, aber mir fehlt eine tiefere Auseinandersetzung mit den Beweggründen für die Radikalisierung und Reaktionen der Protagonistin auf die Aktionen ihrer neuen rechten Freunde, sowohl damals als auch heute. Die Auflösung des Familiengeheimnisses finde ich unbefriedigend – soll man es als Grund für ihre Radikalisierung lesen oder als Grund, sich zu distanzieren? Auch hier fehlt mir die Greifbarkeit. Insgesamt ein interessantes Debut mit einem guten Thema und einer guten Idee. Ich gebe das Buch meiner 17jährigen Tochter, um zu sehen, was sie sagt. Vielleicht habe ich zu viel erwartet, ein bisschen getriggert durch die Ähnlichkeit des Titels mit „Über Menschen“ von Juli Zeh. Aber es wird eine gute Grundlage für ein Gespräch mit ihr.

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Plötzlich Schlaganfall – was mache ich als 17jährige mit meiner Mutter?

MAMA SPRACHLOS von Daniela GESSLEIN

Mich hat der Roman in erster Linie wegen des Themas Schlaganfall interessiert. Mir scheint, dass immer mehr Menschen aller Altersstufen einen Schlaganfall erleiden – vielleicht bin ich auch nur sensibilisiert. Mich erschreckt daran die Unberechenbarkeit, dass es jeden, einen selbst und alle in der unmittelbaren Umgebung ganz plötzlich treffen kann, dass sich von einem Moment zum nächsten das Leben komplett verändert.

Das wird in diesem Roman sehr deutlich.
Die Geschichte wird aus der Sicht der 17jährigen Tochter der 39jährigen Mutter, die den Schlaganfall erleidet, erzählt. Man ist als Leserin ganz nah dran und erlebt von Anfang an mit, wie die Mutter plötzlich morgens im Bett verändert ist, die Diagnose, die Zeit in Krankenhaus und Reha, die erste Zeit, in der sie wieder zuhause ist. Man erfährt romanhaft verpackt viel über medizinische Hintergründe ohne dass man medizinisch vorgebildet sein müsste, über Therapien (faszinierend, was es alles gibt) und sehr viel darüber, wie die Familie als engste Gemeinschaft gemeinsam mit Ärzten, Therapeuten und Pflegern mit der neuen Situation umgeht. Der Schlaganfall betrifft nicht nur die Mutter, sondern alle empfinden Angst, Panik, Freude über kleine Erfolge, Frustration. Es ist toll beschrieben und sehr wünschenswert, wie die Familie zusammenhält. Ohne es kitschig zu meinen – mit Liebe, Geduld, einer Portion Optimismus und Loyalität lässt sich vieles bewerkstelligen. Mit der veränderten familiären Situation ändert sich auch das ganze Umfeld: auf der einen Seite findet man neue Freunde, die dieselben Erfahrungen gemacht haben, auf der anderen werden alte Bekannte und Freunde fremd, die keinen Bezug zur neuen Situation finden. Ich hatte mir einen Roman erhofft, in dem ich mehr über Schlaganfälle und seine Folgen lerne und diese Hoffnung ist erfüllt worden. Er liest sich flüssig, die Geschichte ist gut und sehr authentisch erzählt. Manchmal scheinen Ärzte, Pfleger und Therapeuten zu gut um wahr zu sein, ich werde mich weiter erkundigen, wie die medizinische Versorgung von Schlaganfallpatienten generell abläuft. Der Roman liefert auf jeden Fall einen sehr guten Einstieg zum Thema und viele Ansätze für weitere Recherche. Noch eine Anmerkung am Rande: es gibt eine esoterische Nebenhandlung um einen Schutzengel, die mir persönlich etwas zu fantastisch und katholisch christlich ist, doch kann man darüber hinweglesen, wenn man das möchte.

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