Kunden em pfehlungen
Rezensionen von xdeano:
Mehr Frust als Thrill
Killer Trail - Dreh dich nicht um von Eliza Jabore
Mein Dank geht an Netgalley und den Verlag, die mir ein Exemplar zur Verfügung gestellt haben.
Zu Beginn möchte ich gleich festhalten, dass sich das Buch gut lesen ließ. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, auch wenn er eher simpler gehalten wurde.
Zudem hat mir auch das Setting gut gefallen.
Ich bin ein großer Fan von Thrillern, die in Wäldern/Bergen stattfinden. Leider wurde das volle Potenzial der rauen Natur meiner Meinung nach aber nicht ausgeschöpft.
Die Story entwickelt sich schnell, was ich bei dieser geringeren Seitenanzahl aber auch erwartet habe. Man kann hier auf jeden Fall von „fast-paced“ sprechen.
Während ich Jade ganz erträglich fand — auch wenn ihre Handlungen und Gedanken (besonders zu Beginn) nicht nachvollziehbar waren —, war mir Steph mehr oder weniger egal, und Zoe empfand ich als absolut unausstehlich.
Ich denke, ich habe schon sehr lange keine so starke Abneigung gegenüber einem Protagonisten empfunden wie es bei ihr der Fall war. Jedes Mal, wenn sie gesprochen hat, konnte ich mir ein Augenrollen nicht verkneifen.
Man muss der Autorin also lassen, dass sie wirklich Talent dafür hat, Charaktere zu kreieren, die die Leser:innen hassen werden.
Leider hat mir diese enorme Abneigung und das doch sehr überzogen dumme Verhalten die Geschichte etwas kaputt gemacht.
Es ist schwer, die Handlung zu genießen, wenn man keinen Charakter wirklich sympathisch findet und nicht mit ihnen mitfiebern kann.
Nach knapp 40 % war ich dann zeitweise schon so genervt, dass ich überlegt habe, das Buch abzubrechen oder zumindest zu pausieren.
Meine Neugier auf die Auflösung hat dann aber doch überwogen.
War es das letztendlich wert? Nicht wirklich.
Jede einzelne Entwicklung, jeder Twist, war vorhersehbar. Gerade wenn man viele Thriller liest, wird man hier nichts Überraschendes finden.
Ich wusste von Anfang an, in welche Richtung es geht, und habe auch Recht behalten.
Das Ende war für mich persönlich auch einfach nicht befriedigend und hat sich nicht vollständig angefühlt, auch wenn keine Fragen offenblieben. Es wirkte etwas gehetzt.
Abschließend kann ich sagen, dass mich "Killer Trail" – der englische Titel 'Backstabbers' ist meiner Meinung nach weitaus treffender, warum man einen englischen Titel mit einem anderen englischen Titel ersetzt, leuchtet mir nicht ganz ein – nicht abholen konnte.
Es war zwar kein schlechtes Buch, aber eben auch kein besonders gutes.
Da es mich aber doch so weit unterhalten konnte, dass ich wissen wollte, wie es ausgeht, sind es doch noch 3,25 Sterne geworden, was letztendlich aber auch an der positiven Länge und dem soliden Schreibstil lag.
Thriller-Neulinge oder Leute, die nichts gegen schreckliche Protagonisten haben, könnten hiermit aber ihre Freude finden.
Ich bin auf jeden Fall bereit, noch ein Werk von der Autorin zu lesen.
Mittelmäßig
Meeresdunkel von Till Raether
Meeresdunkel von Till Raether ist so ein Buch, bei dem ich wirklich hin- und hergerissen war – und ehrlich gesagt auch bis zum Schluss nicht ganz weiß, ob ich es mochte oder nicht.
Der Schreibstil ist… gewöhnungsbedürftig. Sehr abgehackt, sehr kurz, fast schon spröde. Das passt zwar irgendwie zur Atmosphäre, hat mich aber oft eher rausgebracht als reingezogen.
Und diese ganzen gezwungen wirkenden Anglizismen? Warum? Jugendsprache schön und gut, aber es war dann doch zu viel des Guten.
Positiv fand ich dagegen die kurzen Kapitel – die lassen sich angenehm weglesen und geben dem Ganzen zumindest ein bisschen Tempo. Auch die Entscheidung, die Geschichte nur aus drei Perspektiven zu erzählen, war gut. Mehr hätte das Ganze wahrscheinlich nur noch chaotischer gemacht.
Inhaltlich hatte ich allerdings ein ziemliches Problem: Bis etwa zur Hälfte ist das hier einfach ein reines Familiendrama. Und nicht mal ein besonders spannendes. Für einen Thriller passiert erschreckend wenig. Die ersten 50 % ziehen sich ziemlich, und ich hab mich mehr als einmal gefragt, wann jetzt endlich mal irgendwas kommt. Spannung? Kaum vorhanden. Emotionen? Leider auch nicht wirklich. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass die Figuren auf eine Prügelei stärker reagieren als auf eine Leiche – was irgendwie alles ziemlich irrational wirken lässt.
Und dann sind da noch die Figuren. Generell verhalten sich die Erwachsenen hier oft kindischer als die eigentlichen Kinder – die übrigens für mich das Beste am ganzen Buch waren. Die waren zumindest noch halbwegs glaubwürdig.
Juri ist zwar "speziell", aber gerade ihn fand ich ziemlich unterhaltend.
Trotz allem hatte das Buch aber diesen seltsamen Sog: Es war nicht wirklich spannend, aber ich wollte trotzdem wissen, wie es ausgeht. Selbst 90 Seiten vor Schluss hatte ich noch absolut keine Ahnung, worauf das Ganze hinausläuft – und das ist immerhin etwas, was ich positiv anrechnen muss.
Die Rückblenden bzw. die Nebenstory aus dem Jahr 1995 haben mir tatsächlich noch am besten gefallen. Da hatte ich das Gefühl, dass endlich mal so etwas wie Atmosphäre und Interesse aufkommt.
Das Ende… schwierig. Einerseits: Es ergibt Sinn, es beantwortet die offenen Fragen und ist definitiv unvorhersehbar. Andererseits wirkt es extrem konstruiert und ziemlich weit hergeholt. Und vor allem: Es hat mich emotional komplett kaltgelassen. Selbst die letzten Seiten haben bei mir nichts mehr ausgelöst.
Normalerweise inhaliere ich den letzten 50-70 Seiten, und muss mich zwingen, nichts zu überfliegen, da ich einfach so aufgeregt und geladen bin. Bei "Meeresdunkel" habe ich selbst auf den letzten Seiten noch Pausen eingelegt.
Unterm Strich habe ich das Gefühl, dass das Buch sein eigenes Genre verfehlt. Als Familiendrama hätte es vermutlich besser funktioniert – aber als Thriller fehlt es einfach an Spannung, Emotion und Dringlichkeit. So bleibt ein Roman, der interessante Ansätze hat, mich aber letztlich eher frustriert als überzeugt zurücklässt.
Da ich dem Buch aber das tolle Setting, die Unvorhersehbarkeit, die vier interessanten/sympathischen Charaktere (Juri, Esmé, Finn und Freddy), und dieses seltsame Sog-Potenzial anrechne, gibt es immerhin noch 3/5 Sterne. Absolut kein Hit, aber ich hab auch schon schlechteres gelesen.
Wer eher mit der Erwartung an ein Familiendrama an diese Geschichte rangeht, könnte sich einiges an Enttäuschung ersparen, und vielleicht eine ganz gute Zeit mit dieser Geschichte haben.
Außergewöhnlich
REM von Annika Strauss
„REM“ von Annika Strauss und Sebastian Fitzek ist ein Buch, das sich nicht ganz so leicht in eine Schublade stecken lässt.
Ich bin ohne jegliche Erwartungen oder Ideen an diese Geschichte herangetreten, und war dann doch sehr überrascht, wie sich das ganze entfaltet hat.
Schon zu Beginn fällt auf, dass der klassische Horror, den man vielleicht erwartet, zunächst ausbleibt.
Der Gruselfaktor bleibt eher zurückhaltend und ist nur bedingt vorhanden. Jedoch gibt das Buch relativ gute Gore-Szenen her.
Stattdessen entwickelt sich die Geschichte mehr in Richtung Sci-Fi-Thriller, was eine spannende, wenn auch etwas unerwartete Wendung ist.
Die Figuren haben mir im großen und ganzen gut gefallen, auch wenn manche von ihnen eher nur Mittel zum Zweck waren. Besonders Alysee als Hauptprotagonisitn hat mich angesprochen. Eine wirkliche taffe Figur, die gegen ihre größten Ängste angekämpft, und sich nicht unterkriegen lässt.
Ein großer Pluspunkt sind die kurzen Kapitel. Sie sorgen dafür, dass man schnell vorankommt und das Gefühl hat, ständig in Bewegung zu bleiben. Das liest sich flüssig und macht es leicht, „nur noch ein Kapitel“ dranzuhängen.
Inhaltlich wirft die Story einige Fragen auf, und es bleibt spannend, ob am Ende wirklich alles schlüssig aufgelöst wird. Allerdings wirkt die Erklärung mancher Zusammenhänge etwas seltsam oder nicht ganz durchdacht, was den Gesamteindruck leicht trübt.
Mit dieser Art von Auflösung habe ich absolut nicht gerechnet. Sie ist zwar für mich etwas over the top und extrem wild, aber dann doch auch schon wieder so verrückt, dass es irgendwie cool war.
Trotzdem: Ich bin nicht enttäuscht darüber, dass sich das Buch nicht wie ein „klassischer Fitzek“ anfühlt. Schließlich handelt es sich um eine Kooperation, und das merkt man auch im Stil. Daher kann ich die negativen Bewertungen diesbezüglich nicht ganz nachvollziehen.
Wer also bereit ist, sich auf etwas anderes einzulassen und keinen reinen Horror erwartet, könnte hier durchaus auf seine Kosten kommen.
Besonders Horror/Thriller Einsteigern könnten hier ihren Spaß finden.
Abschließend kann ich sagen, dass ich eine interessante Zeit mit dem Buch hatte. Es ist eher ein kurzweiliges Werk, aber für das was es ist, fand ich es unterhaltend.
Von mir gibt es 3.75 Sterne (aufgerundet auf 4) , und ich bin offenen, noch weitere Werke von Annika Strauss zu lesen (von Sebastian Fitzek bin ich sowieso schon seit gut 10 Jahren ein großer Fan).
Wenn Geheimnisse und Schicksale aufeinandertreffen
Giftiger Grund von Thomas Knüwer
Thomas Knüwers „Giftiger Grund“ ist ein außergewöhnlicher Kriminalroman, der weniger auf traditionelle Ermittlungsarbeit setzt und mehr von Atmosphäre, Charakteren und psychologischer Spannung geprägt ist. Der Einstieg mit drei Unbekannten an einer einsamen Tankstelle und einer Leiche im Kanalschacht weckt bereits Neugier und markiert einen kraftvollen Auftakt.
Die drei Protagonist*innen Charu, Joran und Edda stehen im Fokus, wobei ihre Geschichten aus variierenden Ich-Perspektiven erzählt werden. So lernt man die Figuren sehr gut kennen und gewinnt eine vertiefte Einsicht in ihre Gedanken, Ängste und Geheimnisse. Ein besonders gelungener Aspekt ist, wie sich ihre verschiedenen Lebensgeschichten nach und nach miteinander verknüpfen. Edda ist gerade eine Figur, die einen besonders berührt und lange im Gedächtnis bleibt.
Das ungenutzte Gelände am Priusring stellt den finsteren Mittelpunkt der Erzählung dar und ist maßgeblich für die bedrückende Stimmung verantwortlich. Die Spannung rührt weniger von actionreichen Szenen her, sondern vielmehr von psychologischen Abgründen, Geheimnissen und der Frage, wie alles miteinander verbunden ist. Auch Themen wie Gewalt, Drogen und herausfordernde Lebenssituationen sind von Bedeutung. Daher ist das Buch an manchen Stellen nichts für schwache Nerven.
Insgesamt verläuft der Roman ruhig und widmet seinen Figuren ausreichend Zeit. Obwohl die Handlung dadurch gelegentlich etwas ausladend wirkt, bleibt das Interesse daran, wie sich die einzelnen Schicksale entwickeln und schließlich zusammentreffen, immer bestehen. Gegen Ende wird das Tempo merklich schneller, und das Finale bringt noch einmal zusätzliche Spannung.
Giftiger Grund ist insgesamt ein psychologisch stimmungsentwickelnder Krimi mit interessanten Charakteren, in dem viel mit Atmosphäre und einem deutlichen psychologischen Element gearbeitet wird, wobei die Charaktere und die düstere Stimmung im Vordergrund stehen. Wer anstelle eines klassischen Ermittlerkrimis mehr an einer durch die Charaktere bestimmten Erzählung mit einer Vielzahl von Perspektiven, mehr an Atmosphäre als an Handlung und einem stimmungsvollen Setting interessiert ist, wird an diesem Krimi seine Freude haben.





