Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Phija:

Kein Strom. Kein Handy. Keine Gefühle?

DunkelZone von Vojtech Matocha

Könntest du dir vorstellen, auf Fortschritt zu verzichten? Wenn du im fiktiven Prašina, einem Viertel in Prag, leben würdest, dann würde dir nichts anderes übrigbleiben. Denn in dieser sogenannten DunkelZone funktioniert nichts. Kein Strom, keine Motoren, keine Handys – alles wird funktionslos, sobald du das Viertel betrittst.

In dem Jugendbuch "DunkelZone" beginnt sich dieser Bereich plötzlich immer stärker auszubreiten. Jirka und seine Freunde En und Tonda versuchen herauszufinden, was dahintersteckt, und geraten so in ein actiongeladenes Abenteuer. Diese Grundidee und der Schauplatz in Prag haben mich gleich sehr neugierig auf das Buch gemacht. Zurückgelassen hat es mich jedoch mit sehr gemischten Gefühlen.

Der Kern der Geschichte ist wirklich überzeugend. Tatsächlich hat es dieses Jugendbuch bei mir geschafft, mich dazu zu bewegen, Fortschritt nochmal aus einem ganz neuen Blickwinkel zu reflektieren. In der Hinsicht bietet der Roman wirklich einen Mehrwert.
Eine wirkliche Schwäche sind für mich allerdings die Figuren. Alle drei verbleiben für mich unglaublich flach. Auch jetzt habe ich kaum eine Ahnung, wer sie überhaupt sind und vor allem, warum sie eigentlich miteinander befreundet sind. Die angedeutete Liebesgeschichte empfand ich insbesondere deswegen leider ziemlich erzwungen. Noch merkwürdiger als das empfand ich aber, wie sich die Figuren verhalten haben. Jirka, En und Tonda handeln immer ziemlich rational und sind kaum oder nur unglaublich kurz davon bewegt, wenn irgendjemand stirbt oder verschwindet. Leider haben die Figuren so kaum eine Möglichkeit geboten, irgendeine Verbindung zu ihnen aufbauen zu können.
Dies wurde auch erschwert durch den eher nüchternen Schreibstil. Der Autor kreiert eine sehr einzigartige, düstere und wirklich actionreiche Atmosphäre, die jedoch durch die fehlende Bindung zu den Figuren leider kaum rüberkam. Es gab eben niemanden, für den ich wirklich mitfiebern konnte oder wollte. Abgesehen davon empfand ich einige Stellen, dafür dass es ein Buch für 11-Jährige sein soll, fast etwas zu düster und gewaltvoll. Ohne irgendwie zu spoilern, lässt sich schon sagen, dass Jirkas Gegenspieler schon zu vielem bereit sind.
Was der Erzählstil aber wirklich bilderstark rüberbringt, ist das Setting. Auch wenn ich nie in Prag war, habe ich doch das Gefühl, einen gewissen Einblick in seine Straßen erhalten zu haben. Schön wäre es an der Stelle gewesen, wenn es bspw. eine Übersicht gegeben hätte, wie man tschechische Namen und Orte ausspricht. Hiervon würden gerade jüngere LeserInnen profitieren, die das nicht so schnell googeln können.

"DunkelZone" ist der erste Band einer Reihe und ich bin ehrlich, leider habe ich wenig Interesse, weiterzulesen. Zu meinem Glück endet dieser Band auch so, dass man es theoretisch dabei belassen kann. Ich denke, für Action-Fans, die weniger Wert legen auf facettenreiche Figuren und spürbare Beziehungen, ist das Buch möglicherweise wirklich ein Highlight. Mich konnte es leider nicht vollends überzeugen, aber trotzdem werde ich wahrscheinlich bei der nächsten (etwas beängstigenden) KI-Weiterentwicklung an "DunkelZone" zurückdenken.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija

Blumen blühen, Blumen verblühen, Blumen blühen

Und es wird trotzdem wieder Sommer werden von Sebastian Becker

Ich habe "Und trotzdem wird es wieder Sommer werden" um 20:13 Uhr eingewickelt in meiner Bettdecke begonnen. Gegen 21:34 Uhr musste ich auf Klo und habe eine Pokemonkarte, die auf meinem Nachttisch steht, als Lesezeichen benutzt. Um 22:02 Uhr, während ich eine Schale Schoko-Cornflakes löffelte, habe ich es beendet.

Ich folge dem Account von Tschief aka. Sebastian Becker schon eine ganze Weile und war 2025 auch auf seiner Lesetour. Dementsprechend wusste ich sehr genau, was mich erwarten wird und dass ich es mögen werde. Das Buch ist kein Roman mit einer klassischen Handlung. Wenn ich es beschreiben müsste, würde ich sagen, dass es eine Gedanken- oder Erinnerungssammlung ist, welche Einblicke in den Trauerprozess um seinen Vater gewährt. Kurze Kapitel erzählen, teils fragmenthaft, aus dieser Zeit. Es wird einem dabei nicht aufgedrängt, etwas mitnehmen zu müssen. Es gibt einige Angebote, jedoch bleibt es einem am Ende selbst überlassen. Zwischen den kurzen Kapiteln finden sich immer wieder seine typischen handschriftlichen Gedankenfetzen, bei denen ich gerne einen Moment länger verweilt bin als nötig.
Auch wenn ich das Buch an einem Stück gelesen habe, weil mich die Stimmung so völlig in Beschlag genommen hat, ist es nichts, was man zwangsläufig tun muss oder kann. Das Buch hat seine schweren und leichten Momente. Es ist bedrückend und hoffnungsspendend. Ich habe geweint und gelächelt. Zwischenzeitlich hatte ich aber auch das Gefühl, kaum atmen zu können. Für mich war es eine intensive emotionale Reise, welche auf eine Art und Weise bereichernd war, für die mir die richtigen Worte fehlen.
Auch wenn der Tod des Vaters im Vordergrund steht, geht es doch, aus meiner Sicht, ums Leben in engem Schulterschluss mit dem Tod. Es gab einen Satz, den musste ich mir mit einem blauen Textmarker fett markieren: "Wer jeden Morgen aufsteht und daran denkt, dass er heute sterben könnte, steht irgendwann gar nicht mehr auf" (S. 136). Der Tod gehört dazu und das muss man einfach akzeptieren. Die Trauer gehört zum Leben dazu und auch das muss man akzeptieren. Aber im Leben gibt es eben immer noch das Leben. Ich glaube, genau das ist auch das, was ich heute aus dem Buch mitnehme. Leben, leben wollen und das Leben mit meinen Liebsten zu genießen. In einem anderen Moment in meinem Leben würde ich vielleicht was anderes mitnehmen.

Genau das habe ich an "Und es wird trotzdem wieder Sommer werden" so geliebt: Es ist unbequem. Es ist schwer. Aber es bereichert das Leben. Vor allem aber habe ich das Gefühl, etwas zu haben, was mir hilft, wenn es bei mir so weit ist und ich um einen geliebten Menschen trauern muss. In meiner Naivität denke ich, dass es mir Halt geben wird. Und wenn nicht, kann ich dieses wunderschöne Hardcover immer noch nehmen und gegen die Wand werfen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija

Nicht allein, aber trotzdem einsam.

Dabei waren wir uns immer so nah von Jette Kötschau

Es gibt einige ehemalige Freundinnen, die ich vermisse. Denen ich mal ganz nah war. Welche mir jetzt fern sind, teilweise fremd. In meinem Fall gibt es für diese Veränderung keine konkreten Gründe, außer das Leben und welche Wege es eben manchmal geht. Gerade deswegen habe ich mich von "Dabei waren wir uns immer so nah" sehr gesehen gefühlt.

In dem Roman begleiten wir Henri, Merle und Kathi, welche sich während ihres Studiums kennenlernten und sich gleich freundschaftlich verliebten. Doch Jahre später, zwischen Partnerschaften, Familienproblemen, Mutterschaft und Lebensentscheidungen, verliert sich das, was sie einst verbunden hat. Und so stellt sich die Frage: Was bedeutet uns eigentlich Freundschaft? Wie lassen wir alte wieder aufleben und wie finden wir vielleicht auch neue?

Jette Kötschau schafft es durch ihren Schreibstil, uns ganz nah an die einzelnen Figuren ranzuholen. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive von einer der drei Frauen. Sie alle führen völlig verschiedene Leben und beschäftigen sich mit verschiedenen Themen. Auch wenn bspw. Themen wie Mutterschaft noch lange kein Teil meiner Lebensrealität sind, habe ich all diese Gefühle, Gedanken, Ängste, Sorgen wirklich intensiv spüren können. Ich glaube, es lag daran, dass der Roman einfach aus dem Leben erzählt. Es passiert nichts "Aufregendes", nichts, was so nicht wirklich passieren könnte. Herni, Merle und Kathi sind drei Frauen, die theoretisch meine Nachbarinnen sein könnten. Aber auch wenn nichts "Aufregendes" passiert, ist der Roman weder zäh noch langweilig. Die Emotionen, die das Buch auslöst, und das Mitfiebern mit den Frauen, sorgte bei mir dafür, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Dadurch, dass es auch ein eher kurzes Buch war, konnte ich es einfach in einem Rutsch durchlesen. Ein besonderes Highlight war für mich das Ende, denn es war auch einfach alltäglich.

Ich denke, es gibt viele Menschen, die sich in diesem Buch wiederfinden können. Viele Menschen, die sich nach dem Buch vielleicht etwas weniger einsam fühlen. Und ich wünschte, jeder würde dieses Buch lesen, um etwas mehr zu sein wie Hanna (wer das ist, werdet ihr selbst lesen müssen). Ich habe "Dabei waren wir uns doch so nah" wirklich geliebt. Ich habe die Schwere geliebt. Ich habe die Leichtigkeit geliebt. Und ich habe geliebt, dass ich mich bei dem Kölner-Setting gleich zohus gefühlt habe :)

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija

Bleibst du still oder sprichst du drüber?

Silent Whispers - Wie Stimmen im Wind von Sophia Como

Giulia und Scott wollen beide ihre Vergangenheit lieber verdrängen. Doch als sich ihre Wege schicksalhaft kreuzen, scheint dieses Vorhaben wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen. Und so stellt sich die Frage: Ist geteiltes Leid halbes Leid oder macht es das nur schlimmer?

"Silent Whispers" ist ein Buch, bei dem es mir unglaublich schwerfällt, Sterne zu vergeben.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich den Schritt bei dieser Rezension gerne übersprungen, denn keine Zahl wird dieser Geschichte so wirklich gerecht. Warum, werde ich nun weiter ausführen:
Die Themen des Buches sind heftig. Triggerwarnungen sind vorhanden und sollten wirklich beachtet werden, wenn es Themen in deinem Leben gibt, die dir ein ungutes Gefühl geben könnten. Jedoch sind es eben Themen, die besprochen werden müssen, ganz ohne Scham, da sie mitten in unserer Gesellschaft stattfinden. Da ich allerdings keine betroffene Person bin, kann ich mir in dem Punkt nicht anmaßen, einzuschätzen, ob die Repräsentation gelungen ist oder nicht. Ich kann nur sagen, dass ich es als wichtig erachte, dass darüber gesprochen und nicht weiter weggeschaut wird. Alleine deswegen würde ich für dieses Buch eigentlich schon eine Empfehlung aussprechen.
Die Figuren und die Liebesgeschichte haben mir persönlich gut gefallen. Giulia und Scott sind beides spannende Charaktere, welche sich selbst im Verlauf von ihren Fesseln befreien. Das anzusehen, war wirklich auf eine gewisse Art heilend und hat mich sehr berührt. Das Tempo hat mir abgesehen vom Schluss wirklich gut gefallen. Am Ende haben sich für mein Empfinden die Ereignisse aber etwas zu sehr überschlagen.
Mein größtes "Problem" war jedoch meine eigene Erwartungshaltung an diese Geschichte. Das Marketing rund um dieses Buch hat für mich klassischen New-Adult-Booktok-Charakter, insbesondere durch die angepriesenen Tropes. Jedoch hat sich die Geschichte für mich nicht so ganz danach angefühlt. Ganz genau kann ich ehrlicherweise nicht sagen, woran das lag und warum es mich gerade bei der ersten Hälfte des Buches so irritiert hat. Vielleicht lag es am sehr poetischen, bildhaften, detailverliebten Schreibstil, welcher mich eher an zeitgenössische Literatur erinnert hat. Vielleicht lag es aber auch an der Atmosphäre, die etwas distanzierter war, wie ich es sonst aus dem Genre kenne. Vielleicht auch am Tempo der Geschichte, was teils jugendbuchhaften Charakter hatte? Vielleicht lag es auch an was ganz anderem. Hätte ich einen Gegenvorschlag, in welchem Genre dieses Buch sonst einzuordnen wäre? Leider nein. Ich habe das Gefühl, dass sich die Geschichte ziemlich auf der Kippe bewegt zwischen zeitgenössischer Literatur und TikTok-fähiger Romance. Und warum nicht mal etwas mischen und probieren? Schließlich ist das auch immer die Chance für etwas ganz großes.

Alles in allem, auch wenn der letzte Abschnitt nun irgendwie kritisch klingen mag, ist das Buch eine Empfehlung, gerade für die nun kommenden etwas kälteren Herbstmonate. "Silent Whispers" ist eine Liebesgeschichte, die alles andere als schnell vergessen ist. Gerade in der schnelllebigen Zeit ein doch gutes Zeichen, oder?

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija

Lächeln. Immer lächeln.

Keine Angst, Darling von Vera Buck

Bleibt man als große Schwester nicht immer die Beschützerin? Auch wenn sich deine kleine Schwester am anderen Ende der Welt mit ihrem Ehemann in eine Gated Community zurückgezogen hat? Auch wenn sie als Tradwife-Influencerin mit dir keine Gemeinsamkeit mehr teilt? Ist es nicht trotzdem normal, durchzudrehen, wenn sie plötzlich wie von Erdboden verschluckt ist? Paula in “Keine Angst, Darling” würde vermutlich auf alles mit “Ja” antworten.

Gleich von Seite eins an wurde ich von dem Buch in seine intensive, bedrückende Atmosphäre aufgesogen. Stück für Stück setzt sich dann im Verlauf die Wahrheit immer wieder neu zusammen. Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich aus der Perspektive der beiden Schwestern, welche ergänzt wird durch Notizbucheinträge, Transkripte von Tiktoks oder Podcasts. Gerade diesen Mix habe ich unglaublich positiv wahrgenommen, da man dadurch selber etwas stärker miträtseln konnte. Eigene Annahmen werden dann immer mal wieder über den Haufen geworfen und führen so zu kleinen überraschenden Twists. Und gerade durch diese unterschwellige, aber nicht abreißende Spannung glänzt das Buch. Es arbeitet, zumindest aus meiner Sicht, nicht auf den einen großen Plottwist hin, sondern legt stärker seinen Fokus auf den Verlauf. Da insbesondere häusliche Gewalt und das Leben von Tradwife-Influencerinnen im Fokus stehen, führt diese Art des Erzählens zu einer wirklich realitätsnahen und gerechten Bearbeitung beider Themen. Insbesondere bezüglich Tradwifes hat mir dieses Buch einen ganzen Kosmos eröffnet, welchen ich bisher nur gestreift hatte. Das Einzige, was ich an dem Thriller etwas schade fand, war, dass ein, zwei Stränge etwas im Sand verlaufen sind und auch nach dem Ende noch Fragen aufwerfen.

“Keine Angst, Darling” ist ein Thriller mit hochaktuellen Themen, welcher besonders durch seine beklemmende Atmosphäre glänzt. Wer also nach einem eher ruhigen und intensiven Genrevertreter sucht, wird mit diesem Buch garantiert glücklich werden!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija

Schockierend, aber zu welchem Preis?

Perfect Little Monsters von Cindy R. X. He

Ich bin ehrlich, ich weiß überhaupt nicht, was ich von "Perfect Little Monsters" halten soll. Der Anfang hatte mich eigentlich total abgeholt. High-School-Setting. Ein Mord. Besprechen von Themen wie Mobbing, Depression und Suizid. Vor dem Ausgangspunkt hätte es ein wirklich guter und wichtiger YA-Thriller werden können.

Doch ich persönlich merkte schnell, dass ich mit dem Schreibstil so gar nicht warm wurde. Alles wirkte sehr nüchtern, roh und auf mich irgendwie unfertig. Konversationen wirkten irgendwie künstlich und Situationen wenig bildhaft. Die Wahrnehmung des Schreibstils ist aber natürlich eine sehr subjektive Sache, die jeder anders wahrnimmt.
Wirklich problematisch empfand ich jedoch den Umgang mit den Themen rund um mentale Gesundheit. Gut, dass darüber gesprochen wird, jedoch habe ich leider das Gefühl, dass das Buch weiter Depressionen und andere psychische Erkrankungen stigmatisiert. Chancen auf Heilung scheinen zudem auch abwegig. (Leider kann ich an der Stelle auf die Art und Weise der Stigmatisierung nicht tiefer eingehen, da dies spoilern würde.) Als Thriller, welcher in den Anmerkungen stehen hat, dass er explizit Suizid und Depressionen Gehör verschaffen will, empfinde ich den Umgang einfach als schade. Die angedeutete Message, wie schlimm Mobbing ist und was das mit Opfern anstellen kann, wird spätestens mit dem Plottwist von einem unnötigen Extrem zunichte gemacht, weshalb ich mich nicht mal an dem so wirklich erfreuen konnte. Gerade da es ein YA-Thriller ist, sollte man die Themen, so wie sie besprochen werden, nicht in der Form so stehen lassen.
Weiter empfand ich auch die Charaktere leider als sehr eindimensional. Es wird viel mit den High-School-Klischees gespielt, was ja auch ok ist, jedoch hätte ich es schön gefunden, wenn bspw. die Mobber auch eine gewisse Tiefe bekommen hätten. Die Tiefe muss sie ja nicht gleich entschuldigen, davon hab ich auch die Nase voll, aber ein Haufen von grundlos bösen Cheerleadern ist für meinen Geschmack etwas platt. Auch alle anderen Figuren waren irgendwie ein bisschen nichtssagend. Immer wenn sie mal etwas Tiefe hätten gewinnen können, war das Kapitel vorbei.
Das Einzige, was ich wirklich schön fand, ist, dass am Ende die Message vermittelt wird, dass jugendliche Lebensrealitäten genauso ernstzunehmend sind wie die von Erwachsenen. Aber genau deswegen bin ich irgendwie fast schon verärgert, dass der Roman genau diese einfach nicht aufgezeigt hat.

Aufgrund dessen kann ich für junge Lesende wirklich keine Empfehlung aussprechen. In dem Buch passiert zu viel, mit dem junge Erwachsene nicht allein gelassen werden sollten. Ich konnte leider den Hype und die vielen guten Bewertungen nicht so wirklich nachvollziehen. Wenn du es aber lesen solltest, kann ich dir versprechen, dass du auf jeden Fall darüber reden willst. Und ist das nicht eigentlich Sinn und Zweck von Literatur?

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija

Vielleicht ein bisschen zu cozy?

Cursed for Good - Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen. von Amy Coombe

Sucht man nach einer Definition für das Wort "cozy", wird man vermutlich auf dieses Buch stoßen. Ich meine, was schreit mehr nach Wohlfühlen als verflucht zu werden und nun in einer Buchhandlung festzustecken? Nichts. Genau das passiert Prinzessin Tandy in "Cursed for Good". Zum Glück ist sie aber nicht allein: Die liebenswerte Teenie-Drakonin Sasha und der mysteriöse (und zugleich sehr attraktive) Pirat Bash leisten ihr Gesellschaft.

Die ersten hundert Seiten war ich wirklich von den Socken gehauen. Das Erzähltempo, der Witz, die Originalität, die Cozyness – alles war wirklich 10/10. Alle Charaktere sind gleich super sympathisch, wirken total vielschichtig und haben Probleme, bei denen man gleich richtig mitfühlt. Gerade Sasha hat mein Herz gleich zu Beginn geklaut. Sie ist ein so authentischer und liebenswürdiger Teenager, der der Geschichte unglaublich viel Leben schenkt. Das Setting ist sehr atmosphärisch beschrieben und man kann wirklich mit Haut und Haar in die fantastische Welt von Flüchen, Blaukappen und einem alten Buchladen eintauchen. Das Buch hat mir dieses Gefühl wiedergegeben, das ich als Kind verspürt habe, wenn ich ein Märchenbuch aufgeschlagen hatte.
Nach diesen ersten hundert Seiten wurde es dann leider, leider, leider einfach sehr repetitiv. Auch wenn es eine cozy Romantasy sein soll, muss doch irgendwie irgendwas passieren und nicht der Buchladen zum dritten Mal umgeräumt werden. Auch wenn die Dialoge weiterhin unterhaltsam waren, hatte es mir irgendwie nicht gereicht, um mit der selben Freude, die ich am Anfang hatte, weiterlesen zu können. Das Ende war dann auch sehr erwartbar und mir persönlich etwas zu schnell abgefrühstückt.

Ich bin bei dem Buch also wirklich hin- und hergerissen. Ich liebe den Schreibstil, die Charaktere, die ganze Atmosphäre, aber gleichzeitig hat die Story für mich merkliche Schwächen, die nicht ganz von all dem Guten wettgemacht werden können. Vielleicht hilft es, wenn man vorher weiß, dass die Story sehr geradlinig und repetitiv ist, man also gar nicht erst etwas anderes erwartet. Deswegen kann ich das Buch leider nur eingeschränkt empfehlen. Ich denke, man muss sich darauf einlassen, dass wenig passiert, und einfach den Vibe genießen. Mir ist das leider nicht ganz gelungen, aber vielleicht ja dir!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija

Wem schenkst du dein Herz?

Les Bouttiers - Wir sind alles von Antonia Wesseling

Der Cliffhanger des ersten Bandes von "Les Bouttiers" war wirklich böse … Nicht nur für Elodie, besonders aber für uns LeserInnen. Ich meine – ein Liebesdreieck, bei dem man sich selbst kaum entscheiden kann? Natürlich wollte ich wissen, wie es weitergeht, und so habe ich mich sehr gefreut, endlich das Buch in den Händen zu halten.

Die Geschichte rund um Elodie, Adam und Gabriel ging nahtlos weiter und gerade durch das "Was bisher geschah …", was dem Buch vorangestellt war, kam ich super wieder rein! Warum ist so was eigentlich kein Standard bei Folgebänden einer Reihe? Das ist so simpel, so genial und so lesefreundlich.

Im Fokus dieses Bandes stehen das Love-Triangle und die Familiengeheimnisse der Bouttiers und Le Blancs. Gerade letzteres hat dafür gesorgt, dass ich bis zum Ende voller Neugier das Buch in die Hand genommen hatte. Mit dem Love-Triangle hingegen hatte ich leider irgendwie so ein wenig meine Probleme. Der Verlauf hat sich teilweise irgendwie etwas künstlich und forciert angefühlt. Insbesondere Elodies Gefühle sind mir ehrlich gesagt teilweise zu schnell verpufft bzw. zu schnell entflammt. Gabriel und Adam empfand ich dabei als deutlich nachvollziehbarer und authentischer.
Etwas schade fand ich es zudem, dass der Modeaspekt für meinen Geschmack etwas zu weit in den Hintergrund gerückt ist. Gerade das hatte mir am ersten Teil so gut gefallen und dafür gesorgt, dass sich die Geschichte von anderen Liebesgeschichten wirklich abhebt.
Auch wenn mir einige Entwicklungen persönlich nicht ganz zugesagt haben, war aber der Schreibstil wie gewohnt super angenehm zu lesen. Ganz ehrlich, der sorgte wirklich dafür, dass ich beim Lesen über all die Punkte, die ich gerade kritisiert habe, hinwegblicken und einfach aus meinem Alltag fliehen. Und das ist wirklich große Kunst.

Wer also den ersten Band genauso wie ich geliebt hat, macht auch mit dem zweiten nichts falsch. "Les Bouttiers – Wir sind alles" beendet die Reihe vielleicht nicht perfekt, aber definitiv würdig! Wer sich jedoch mal wieder nach Frankreich träumen will, wird auch diesen Band lieben.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija

Bist du wach oder halbwach?

Halbwach von Sophia Como

Am Ende des Buches dachte ich: "Verdammt, ich hätte mir mehr Zeit für dieses Buch nehmen sollen." Die Wahrheit ist aber: Ich bin durch die Seiten nur so gerannt, weil ich Angst hatte, dass sie mich zu sehr berühren. Mit "Halbwach" hat Sophia Como wirklich ein emotional unglaublich facettenreiches Buch geschaffen, was mich furchtbar mitgenommen und gleichzeitig geheilt hat.

Sobald ihr jemand emotional zu nah kommt, muss Zoe flüchten. Sie verletzt und sie duckt sich weg. Aber so ist sie eben, oder? Zoe zu begleiten, wie sie sich selbst wahrnimmt, wie sie ihre Realität sieht und verändert, war absolut mitreißend. Es war roh, nahbar und für mich so real. Ihre Bindungsangst wird unverblümt und ohne Kitsch erzählt. (Danke!) Obwohl Sex und körperliche Beziehungen oft im Mittelpunkt stehen, war das Buch nie spicy, was aus meiner Sicht die richtige Wahl für dieses Buch ist. Ebenso hatte die "Lovestory" keinen Rosarote-Brille-Charakter, sondern verkörpert auch hier wieder das Gefühl vom echten Leben.
Neben Zoe sind auch ihre Freund*innen und Mael wirklich feinfühlig gestaltete Figuren, die allesamt die Geschichte bereichern. Neben bzw. mit Zoes Bindungsangst werden auch Themen wie Feminismus, Verlustangst und Familie behandelt. Besonders fesselnd sind dabei die Szenen, in denen Zoe mit ihrer Therapeutin Sandy spricht. Weil - holy shit - gerade diese Momente haben so viel mit mir gemacht. Zoes Emotionen werden dort mit solch einer Gewalt erzählt, dass es mir selbst mehrmals die Kehle zugeschnürt hat.
Am Rande sei auch noch erwähnt, dass das Setting in Frankfurt wirklich eine 10/10 ist. Durch den bildlichen Schreibstil hab ich mich sofort in die Stadt versetzt gefühlt, auch wenn ich selbst bisher nur einmal da war (und das auch schon wirklich einige Jahre her ist).

Ich denke, es wird deutlich: "Halbwach" ist ein absolutes Highlight für mich! Diese Authentizität, mit der erzählt wird, ist wirklich einzigartig und überragend. Es ist eines dieser Bücher, für die ich einfach nur dankbar bin, dass es geschrieben wurde!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija

Welchem Politiker kann man schon die Welt anvertrauen?

00-Laschet von David Safier

Armin Laschet als Geheimagent? Ob das eine so gute Idee ist? In "00-Laschet" ist das (leider?!) Realität. Ich kann mir nur wenige andere vorstellen, die für die Rettung der Welt noch schlechter geeignet wären. Aber durch überzeichnete Charaktere und absurde Situationen entfaltet sich im Laufe der (eher kurzen) Lesezeit eine humorvolle Politsatire und ein gar nicht so übler Agent 00-Laschet.

Durch den sehr lockeren, humorvollen Schreibstil und die sehr kurzen Kapitel lässt sich das Buch wirklich schnell lesen. Es ist weder anspruchsvoll noch beinhaltet es unerwartete Wendungen, sondern überzeugt hauptsächlich durch seinen Humor. Diesen würde ich eher als stumpf bezeichnen, trifft bei mir aber genau ins Schwarze.
Die Rolle, die Laschet hier einnimmt, ist amüsant mit anzusehen und hat mir immer wieder ein Schmunzeln hervorgelockt. Seine Begleitung, die junge Agentin 12, bringt dabei frischen Wind mit. Als junge Leserin, die der Gen Z zugehörig ist, hatte ich fast etwas Sorge, dass das Buch eher Boomer-Humor bedient, doch dem war gar nicht so! Gerade das Aufeinandertreffen der Generationen, was überraschend akkurat und ohne Vorverurteilung von statten ging, war tatsächlich einfach gut geschrieben.
Die Geschichte wird jedoch in ihrem Verlauf immer abgedrehter, schneller und hat am Ende mit der Realität nur noch wenig zu tun. Gerade das ist absolut Geschmackssache. Da ich bei dem Buch mit der Haltung rangegangen bin, einfach gut unterhalten zu werden, war das für mich vollkommen in Ordnung.

Wer also ein Buch sucht, das man einfach mal zwischendurch lesen kann, ohne sich dabei groß anzustrengen, wird mit "00-Laschet" sehr wahrscheinlich glücklich! Damit es keine bösen Überraschungen gibt (18€ sind ja schon nicht ohne), empfehle ich jedem, der etwas unsicher ist, einen Blick in die Leseprobe zu werfen. Dort wird gleich auf den ersten Seiten sehr deutlich, worauf man sich mit "00-Laschet" einlässt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Phija