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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Tobias Kallfell:

Selbstfindung

Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo

Marlene hat große Schwierigkeiten damit, zu entspannen und eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen. Im Urlaub weiß sie nichts mit sich anzufangen. Freizeit kann sie nichts abgewinnen. Sie muss das Gefühl haben, gefordert zu werden. Die Arbeit geht ihr über alles. Dem beruflichen Erfolg ordnet sie ihr restliches Leben unter.

Produktivität und Effizienz sind für sie von Bedeutung. Und wenn es um die Quartalszahlen geht, ist sie überaus erfolgreich. Nur die Personalführung bereitet ihr Probleme. Ihr fehlt es an sozialer Kompetenz. Sie verhält sich ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber distanziert und agiert unsensibel. Es fällt ihr schwer, sie zu motivieren. Mit Lob ist sie zu sparsam. Kurzum: Zwischenmenschliches fällt ihr schwer.


Als ihr Chef Marlene in Aussicht stellt, die Unternehmensführung als CEO der Aviola zu übernehmen, sobald er in den Ruhestand geht, knüpft er das Angebot an eine Bedingung. Sie soll ein Achtsamkeits-Coaching absolvieren, um ihr „Problemfeld“ der Personalführung zu bearbeiten. Er verlangt von ihr, dass sie die Sache ernst nimmt und sich darauf einlässt. Doch man merkt, dass sie der Angelegenheit mit vielen Vorbehalten begegnet. Mental Health und Lifestyle-Themen steht sie skeptisch gegenüber.


In einem weiteren Blickwinkel wird uns die Perspektive des Unternehmens-Coaches Alex vermittelt (die Blickwinkel von Alex und Marlene werden im Wechsel präsentiert). Er schult Führungskräfte, doch seine Firma schreibt rote Zahlen. Grund dafür ist, dass ihm seine positive Energie und Begeisterung abhandengekommen ist. So erfahren wir, dass er zwar schon bekannte Persönlichkeiten betreut hat, doch bei allem Erfolg musste er auch persönliche Krisen überstehen. Er fiel schon mehrfach in ein Loch mit dunklen Gedanken, aus dem er sich mühsam herauskämpfen musste. Kurzum: Seine Coaching-Seminare laufen nicht mehr so erfolgreich wie früher. Marlene ist für ihn eine große Chance. Sollte er erfolgreich mit ihr arbeiten, winkt eine lukrative und langfristige Zusammenarbeit mit der Aviola.


Der Erzählton ist zu Beginn humorvoll. Marlenes Seltsamkeiten werden auf amüsante Art und Weise geschildert. Und schon das erste Zusammentreffen von Alex und Marlene wird herrlich konfrontativ eingefangen (Marlene entpuppt sich als äußerst schlagfertig und widerspenstig). Und als Leser stellte ich mir folgende Fragen: Wird sich Marlene auf die Inhalte des zweiwöchigen Intensivkurses einlassen? Und (wie) wird sie sich ändern? Was wird sie während ihres Coachings erleben? Wird Alex zu alter Form zurückfinden?


Im weiteren Handlungsverlauf erfahren wir dann, welchen Wandel Marlene durchläuft. Anfangs fällt es ihr schwer, sich zu öffnen. Sie sieht keine Notwendigkeit darin, an sich zu arbeiten. Sie will sich nicht ändern müssen. Doch eine existenzielle Notsituation führt dazu, dass sie beginnt, erlernte Muster in Frage stellt. Die Erfahrung der eigenen Verletzlichkeit führt dazu, dass Marlene Vertrauen fasst und sich mitteilt. Doch mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Der Ton wird nach meinem Gefühl ernsthafter. Wir lernen eine andere Seite von Marlene kennen. Und der Autor lässt sich darüber hinaus noch einiges einfallen, um die Handlung abwechslungsreich zu gestalten (vgl. Klappentext: „ein schüchterner Hausmeister“ und „ein dreizehnjähriges Mädchen“). Alex lernen wir im Folgenden als sehr fürsorglichen, warmherzigen und hilfsbereiten Menschen kennen, der sich gern um andere kümmert und ihnen in schwierigen Lebensphasen zur Seite steht. Und wir begleiten ihn bei der Lösung eines Gewissenskonflikts. Einerseits soll er Marlene dabei helfen, zu sich selbst zu finden, andererseits riskiert er damit seine potentielle Zusammenarbeit mit der Aviola.


Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen (wie auch schon andere Bücher des Autors). Maxim Leos Schreibstil liest sich wie gewohnt angenehm und flüssig. Und ich finde toll, dass Leo nach „Der Held von Bahnhof Friedrichstraße“ und „Wir werden jung sein“ wieder eine neue inhaltliche Richtung einschlägt. Das Einzige, was ich bemängeln könnte, ist der Umstand, dass die Wandlung von Marlene zu glatt, zu schnell und mit zu wenig Reibung vonstattengeht.

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Rezensionen von Katrin:

Wie ein Vogel im Käfig

Where We Belong von Wiktoria A. Wieczorek

Das Cover zeigt ein junges Pärchen, welches genau die Geschichte widerspiegelt. Die Farben sind gedeckt und es ist nicht aufdringlich. Der Farbschnitt ist eher schlicht aber alles in allem ist es ein wunderschönes Buch.

Story:
Nessy hat gerade ihr Abi gemacht und beginnt ein Architekturstudium.

Sie wohnt mit einer Freundin in einer WG und hat eine Arbeit die ihr Spaß macht.

Zeitcut. Zofia (sie nennt sich später Nessy) ist 15 Jahre alt und gerade aus Polen nach Deutschland gezogen. Am Gymnasium wird sie ausgegrenzt bis sie Jonas kennenlernt. Ihr Alltag ist nun nicht mehr grau und sie öffnet ihr Herz - für Nils. Eine Lüge lässt alles aus den Fugen gleiten und sie muss das Gymnasium verlassen.

5 Jahre später... sie ist auf einer Party und plötzlich steht Nils vor ihr. Ihre Welt gerät ins schwanken. Er war der Grund warum sie gehen musste. Sie gerät in Panik und flüchtet, doch wenige Tage später ist sie im Hörsaal und ihr Tutor ist natürlich er. Nils versucht mit ihr zu reden, sich zu entschuldigen, nur ob das genug ist?
Dann taucht auch noch Jonas auf. Ein Gefühlschaos entflammt.
Gibt es eine zweite Chance für die Freundschaft oder die Liebe?

Fazit:
Ich mochte die Geschichte von Anfang an. Der Schreibstil ist sehr kurzweilig und als ich dann auch noch feststellte, dass die Autorin auf Instagram ist und ich ihr tatsächlich auch schon länger folge, gefiel es mir noch besser.
Eine klare Leseempfehlung!

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Rezensionen von wolkenbücherwelt / Mythynk:

Rache, Risiko und ein Spiel im Nebel

The Crane and the Nightjar von Ada Bailey

Der Einstieg konnte mich wirklich packen - düster, mystisch angehaucht und mit dem Versprechen einer rauen Fantasy-Geschichte. Auch das Tempo zu Beginn hat mir gefallen - wir lernen Crane und Zara ohne große Umschweife kennen, auch wenn „kennenlernen“ fast schon zu viel gesagt ist, denn Fragen gibt es von Anfang an natürlich mehr als Antworten.

Leider konnte das Buch meine anfängliche Faszination nicht ganz so halten. Während ich anfangs noch sehr gut durch die Seiten geflogen bin, hat es mich besonders in der Mitte ein wenig verloren - und auch zwischendrin immer mal wieder. Der Schreibstil, der zu Beginn noch angenehm „schlicht“ wirkte - also nicht überladen und eigentlich passend für das Setting - war mir auf Dauer dann doch nicht bildlich genug und stellenweise etwas zu „holprig-knapp“. Ein wenig mehr Umschreibungen hätte es insgesamt runder gemacht.

Crane und Zara sind beide interessante Charaktere (Crane vielleicht noch einen Hauch mehr) aber irgendetwas hat mir hier trotzdem gefehlt. Vor allem die Dynamik zwischen den beiden blieb für mich schwer greifbar, geradezu distanziert. Auch den Romance-Anteil konnte ich bis zum Ende hin nicht wirklich spüren, obwohl ich ein großer Fan von Slow Burn bin - hier fehlte mir jedoch irgendwie einfach die knisternde, verständliche, sich richtig anfühlende Chemie. Und das Thema „morally grey“ blieb für mich deutlich hinter meinen Erwartungen zurück - wurde aber dennoch stimmig eingebaut.

Was ich dagegen aber wirklich spannend fand, war das Magiesystem und die Grundidee der Welt. Wir befinden uns schnell in einem gefährlichen Spiel um Freiheit und Überleben, in dem Misstrauen eine große Rolle spielt und nie ganz klar ist, wem man eigentlich trauen kann. Diese düstere, teils bedrückende Atmosphäre hat für mich gut funktioniert und zieht sich auch durch große Teile der Geschichte.
Niemand ist hier wirklich perfekt - alles fühlt sich wie ein falsches, makabres Spiel an: jeder gegen jeden und gleichzeitig geht es doch irgendwie um Freiheit, um mehr, um sich selbst… vielleicht auch um andere, vielleicht sogar um alle und vielleicht um so viel mehr…

Immer wieder gab es dann Momente, die mein Interesse geweckt haben, stark formuliert waren -nur um mich an anderer Stelle wieder etwas zu verlieren - wie ein kleiner Schlagabtausch, ein Auf und Ab. Manche Entwicklungen gingen mir zu schnell, während mir gleichzeitig an vielen Stellen mehr Details und Tiefe gefehlt haben. Gerade die Welt an sich - da hätte ich mir einfach mehr, viel mehr Hintergrund gewünscht. Mehr Einblicke, mehr Lebendigkeit.
Auch die Perspektivwechsel haben mir grundsätzlich gefallen, weil sie einfach andere Einblicke geben - aber dann waren sie mir stellenweise fast wieder etwas zu viel. Hier hätte ich mir gewünscht, öfter länger bei einer Figur zu bleiben. Und der Plot-Twist konnte mich nicht ganz so überraschen - gut gefallen hat er mir trotzdem!!

Zusammenfassend lässt mich die Geschichte - auch wenn vieles noch offen ist oder vielleicht gerade deswegen - nicht ganz los. Vielleicht, weil ich finde, dass noch so viel Potenzial darin steckt. Ich bin neugierig, wie es weitergeht und hoffe, dass Band zwei mehr Tiefe, mehr Details und vor allem mehr greifbare Momente für Alles und gerade für Zara und Crane mit sich bringt.

Also.. insgesamt ist es für mich ein solider Auftakt, der mich nicht durchgehend überzeugen konnte, bei dem ich aber über einiges hinwegsehen kann, weil mein Interesse genug geweckt wurde, um weiterzulesen!

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Rezensionen von Ruth:

Großer Antikriegs-Roman

Im ersten Licht von Norbert Gstrein



„Adrian war selbst nicht im Krieg gewesen, aber dreimal im Lauf seines Lebens hatte er es mit jungen Männern zu tun, die im Krieg gewesen waren und die dann sein weiteres Leben jeweils für lange bestimmten.“ Mit seinem ersten Satz legt Norbert Gstrein gleich das alles bestimmende Thema seines Romans fest.

Mit Adrian, seinem Protagonisten, genau ein Jahr jünger als das Jahrhundert, geht der österreichische Autor durch die gewaltsame, von Kriegen bestimmente Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts. Obwohl selbst kein Kriegsteilnehmer, ist Adrian Zeit seines Lebens vom Krieg fasziniert. Dass er nicht, wie die meisten seiner Generation, auf den Schlachtfeldern des Ersten großen Krieges kämpfen muss, hat er seinem Vater zu verdanken. Der, ein einfacher Postbeamter und überzeugter Sozialist, will seinen Sohn vor diesem Los bewahren und haut Adrian mit einer Axt in den Unterschenkel. „In den Krieg zu gehen war nur etwas für Dumme und nichts für seinen Sohn…“ Adrian hinkt seitdem und wird die fehlende Kriegserfahrung immer als einen mit Scham und Schuldgefühlen belasteten Mangel empfinden.
Die drei jungen Männer, die für Adrians Leben bestimmend waren, geben dem Roman Struktur. Chronologisch werden sie in den ersten drei Kapiteln vorgestellt.

Den Beginn macht Ernest Eller, Sohn einer wohlhabenden Adelsfamilie, der mit einer grauenhaften Gesichtsverletzung aus dem Krieg heimkehrt. Seine Eltern verstecken ihn mit ähnlich versehrten Leidensgenossen in ihrer Sommervilla im Salzburger Land und erklären ihn offiziell, auch für seine Verlobte, für tot. Adrian wird viele Tage in der Villa verbringen, wird zum Vertrauten des „ jungen Herrn“. Nach dem Suizid von Ernest Eller nimmt sich dessen aus England stammende Mutter um Adrian an und ermöglicht ihm ein Lehramtsstudium.

Später, als Adrian in Wien an einem Gymnasium Geschichte und Englisch unterrichtet, trifft er auf Martin Baumgartner, dem das mittlere Kapitel gewidmet ist. Bei ihm werden Adrians detaillierte und begeisterte Schilderungen der Schlachten des letzten Krieges auf fruchtbaren Boden fallen. Martin Baumgartner, in dem sich die Figur Kurt Waldheims spiegelt, wird aus Begeisterung für das Heer zum Nazi. Bei einem Fronturlaub besucht der ehemalige Schüler seinen früheren Lehrer und erzählt von Erschießungen im Osten, an denen er beteiligt war. Adrian wird so zu einem frühen Mitwisser von Kriegsverbrechen, doch er schweigt. Aber die Geschichte wird er nie mehr loswerden.

Frauen spielen in diesem Buch, das so sehr den Krieg ins Zentrum stellt, eine Nebenrolle - was nicht verwundert. Kriegsführung war und ist auch heute noch vorrangig ein Handwerk der Männer, Frauen müssen deshalb am Rande bleiben. Außerdem ist Adrian ein Mensch, der sich nur schwer auf Beziehungen einlassen kann. Zögerlich und verstockt strapaziert er die Geduld der Frauen, mit denen er liiert ist. So verlässt ihn seine erste Freundin Karla, ebenso Ehefrau Elfriede. Sie, die wie Adrian auch Geschichte unterrichtet, lässt sich nach dem Krieg von ihm scheiden.

Erst mit Mitte Fünfzig erlebt Adrian eine späte Liebe zu einer Engländerin, die ihren, im Ersten Weltkrieg als Deserteur verurteilten und hingerichteten Bruder, rehabilitieren will. Um diesen Teddy geht es im dritten Teil des Buches. Der zeigt Adrian, „ dass es immer auch eine andere Möglichkeit gab, schließlich konnte man sich jederzeit entscheiden, nicht mehr mitzumachen, welches Risiko auch man dafür in Kauf nehmen musste.“
Die Gespräche mit Vivian und ihre gemeinsamen Spaziergänge in den Downs helfen den beiden, ihre eigenen Kriegstraumata hinter sich zu lassen.
Die Downs, auf die schon im vorangestellten Zitat von Virginia Woolf hingewiesen wird, ziehen sich als zentrales Motiv durch den Text. Für Frau Eller sind sie ein Sehnsuchtsort und Adrian spaziert im dritten Teil durch diese Landschaft. Sie ist als Kontrast zu den Schlachtfeldern zu lesen und ermöglicht Adrian einen Perspektivwechsel. Mit dem Blick übers Meer kann Adrian mit Abstand auf seine Heimat und dessen Geschichte blicken.

Der Text ist voller Andeutungen, Verweisen und durchgängigen Motiven. Auch der sprechende Name „Adrian Reiter“ ist wohl überlegt. Der Zugang zur Adria, zum Meer wird mit Weite, Weitblick, mit Leichtigkeit verbunden. Und das alles ist verschwunden nach dem verlorenen Krieg und dem Ende der k.u. k. Monarchie. „ Wenn uns wenigstens die Adria geblieben wäre. Das Meer würde uns zu sanfteren Menschen machen.“ heißt es gleich zu Beginn im Roman. Und der Nachname „Reiter“ für einen, der nie in einem Sattel saß, aber fasziniert war von der Eleganz der k.u.k. Kavallerie, passt gleichfalls.
Im titelgebenden „Ersten Licht“ waren sowohl die Angriffe im Ersten Weltkrieg, wie auch die Erschießungen im Zweiten und die Hinrichtung des englischen Deserteurs, allesamt schicksalhafte und tragische Momente im Morgengrauen.

Im Epilog besucht der 80jährige Adrian die Lesung eines jungen Autors, in dem man unschwer Norbert Gstrein erkennen kann. Der aber wird der Einladung von Adrian nicht nachkommen, obwohl ihm dieser seine Geschichte verspricht.
In diesem letzten Teil wird auch explizit der Bezug zu Kurt Waldheim hergestellt. Steht doch der ehemalige österreichische Bundespräsident für das Beschönigen und Verdrängen der Nazi- Vergangenheit.

Mit seiner Hauptfigur hat Gstrein einen ambivalenten Charakter geschaffen, keinen Sympathieträger. Und obwohl wir alles aus seiner Perspektive erleben, stellt sich keine Nähe zu ihm ein. Seine Fixierung auf Schlachten, Formationen und kriegerischen Entscheidungen ist nicht nur für seine Ehefrau unbegreiflich. Kann man vielleicht noch Verständnis aufbringen für seine jugendliche Schwärmerei für die Kavallerie, ist seine Verklärung des Krieges später nicht mehr nachvollziehbar . Denn er hatte doch mit den Kriegsversehrten in der Villa eindringlich vor Augen, welche verheerenden Folgen ein Krieg hat. Diese jungen Männer sind stolz und siegesgewiss in den Kampf gezogen und an Körper und Seele versehrt zurückgekehrt. Viele von ihnen werden sich davon nie mehr erholen und ihr Leben selbst beenden.
Wie kann Adrian als Lehrer seine Kriegsbegeisterung an Schüler weitergeben?
Adrian ist der typische Mitläufer, der durch Kriegsverherrlichung, Anpassung und Schweigen schuldig wird.

Der Roman fordert einiges von seiner Leserschaft, nicht nur auf emotionaler Ebene. Er zwingt zum Nachdenken, eröffnet immer neue Aspekte. Gstreins lange Satzbögen erfordern Aufmerksamkeit. Dabei ist der Text elegant erzählt und von sprachlicher Brillanz.

Trotz des historischen Stoffes ist der Roman mit seinen Fragen nach Schuld, Mitverantwortung und Mitläufertum angesichts jetziger Kriege erschreckend aktuell. Zeigt er doch, dass keiner unversehrt aus einem Krieg hervorgehen kann.
„Im ersten Licht“ reiht sich somit ein in die großen Werke der Antikriegsliteratur.
Große Leseempfehlung!

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Rezensionen von nessabo:

Gut geplottet, fesselnd geschrieben und hält absolut, was es verspricht

Dire Bound von Sable Sorensen

Sich vor dem Lesen vor Augen zu halten, was das Buch für einen Anspruch hat, halte ich für sehr wichtig. Es ist Romantasy und eben nicht High Fantasy - entsprechend kann ich die Kritik daran, dass es spicy Szenen und einen gewissen Fokus auf die Liebesbeziehung gibt, nicht so recht nachvollziehen. Abgesehen davon wird damit geworben, dass es für Fans von „The Hunger Games“ und „Fourth Wing“ geeignet ist - eine äußerst präzise Einordnung, die ich nur unterschreiben kann und die ihren Leser*innen von Anfang an nichts vormacht.

Die TW hinten sollten wirklich auch ernst genommen werden - ich empfand einige Szenen als arg brutal.

Zwischendrin hatte ich auch immer mal Bedenken, ob mir die Parallelen zu groß sind. Und ja, Innovationen gibt es meiner Meinung nach nicht zuhauf. Allerdings sind alle Elemente gut auf diese Geschichte adaptiert und einfach äußerst packend eingebunden. Ich fand sie damit insgesamt betrachtet fast fehlerfrei rund und habe sie inhaliert.

Ein großes Lob gibt es von mir für queere Nebencharaktere und eine schwerhörige Figur, die auch abseits davon ein interessanter Mensch ist. Außerdem werden Klassenunterschiede scharf thematisiert - hier werden die Parallelen zu „The Hunger Games“ sehr deutlich. Die Charakterentwicklung von Meryn hat mir richtig gut gefallen. An einigen Stellen erinnert sie in ihrer Naivität an Violet aus „Fourth Wing“ und das ist durchaus etwas fragwürdig, nimmt für mein Empfinden hier aber deutlich weniger Raum ein.

Stattdessen muss die Protagonistin lernen, ihre Einzelkämpferinnenrolle abzulegen und sowohl Freund*innenschaften zu knüpfen als auch in Kooperation mit anderen zu arbeiten. Das ist eine tolle Plotgrundlage und ich fand die Beziehungen mehrheitlich glaubwürdig geschrieben.

Da es Romantasy ist, spoilert das natürlich von Anfang an zumindest grob, in welche romantische Richtung das Ganze sich entwickelt. Der erste Teil ist diesbezüglich aber noch sehr sehr Slow Burn, obwohl es dennoch ordentlich Spice gibt. Das passende Maß ist da für jede Person verschieden. Für mich hat es total gepasst (von den üblichen Klischees mal abgesehen) und die Häufigkeit lässt sich meiner Meinung nach damit rechtfertigen, dass hier im Subtext die Veränderung der Beziehung abgebildet wird.

Ansonsten lässt sich nicht viel sagen ohne die Handlung zu spoilern. Ich habe selten so viel am Stück gelesen wie hier. Die Welt ist nicht zu komplex und die Handlung hat genau das richtige Tempo für mich. Die Figurentiefe empfand ich als völlig hinreichend, auch wenn mich einige Tropes einfach etwas nerven und ich so manche Männerfigur in ihrer Entwicklung bedaure.

Nichtsdestotrotz ist das Buch besonders in Bezug auf seine weiblichen Figuren voller Power, niedrigschwellig geschrieben und gut geplottet. Ein bisschen ziehe ich von der Wertung ab aufgrund der teils übermäßigen Brutalität und den wenigen unlogischen Stellen. Abgesehen davon empfehle ich es aber auf jeden Fall als eine packende Romantasy, die im Vergleich zu manch anderer für mich deutlich positiver abschneidet. Ich werde mir den zweiten Teil definitiv auch ansehen.

4,5 Sterne

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Rezensionen von Novalie:

Erinnerungen an ein Leben

Sonnenaufgang Nr. 5 von Carsten Henn

Erinnerungen an ein Leben

Jonas hat sein Germanistikstudium abgebrochen und keine Lust, sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Stattdessen will er als Ghostwriter die Biografie der Filmdiva Stella erzählen. Doch die exzentrische Dame, hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie ihr Buch aussehen soll und besteht darauf, aus ihrem Leben nur das Positive zu verewigen.

Aber können wir unsere Geschichte einfach neu schreiben?
Ich fand die Idee des Buches sehr kreativ. Bis zu einem gewissen Grad ist es ja auch verständlich, dass man sich am liebsten an die guten Zeiten erinnert. Das macht oft einfach viel mehr Spaß, aber letztendlich machen uns die guten und die schlechten Seiten gleichermaßen aus.
Stella hat ein bewegtes Leben hinter sich und es scheint mehrere Versionen der Vergangenheit zu geben. Die anderen schrullige Bewohner:innen des Örtchens, haben allerdings auch einiges zu erzählen.
Die Geschichte spielt an einem kleinen, verschlafenen Örtchen, das mit einer malerischen Landschaft besticht, und eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt. Durch die ruhige, poetische Erzählweise und die eigenwilligen Nebencharakter ist das Buch sehr gut als Urlaubslektüre geeignet.
Das Hörbuch hat mir sehr gut gefallen. Es ist perfekt, wenn man reflektieren und über das Leben nachdenken will, ohne sich zu sehr anstrengen zu müssen.

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Rezensionen von Petra:

Antonia

Schwesternland von Katharina Fuchs

Antonia schreibt ihre Masterarbeit über Flucht, neue Heimat und Existenzgründungen anhand dem Beispieleiner Vorfahrin von ihr. Diese Jeanne ist im 17. Jahrhundert als Hugenottin aus Frankreich geflohen und über die Schweiz nach Berlin gekommen. Dort war der Kürfürst begeistert über die neuen Handwerker die neues Leben und Fähigkeiten mitbrachten.

Vor allem waren sie anspruchslos und bescheiden. Während der französische Sonnenkönig sein ganzes Land katholisch haben wollte. Religionsfreiheit hob er auf und die Hugenotten hatten die Wahl zwischen Taufe und Tod. Die Flucht gelang ihnen nur unter sehr erschwerten Umständen.
In zwei Zeitebenen berichtet die Autorin über Antonia ihre Schwestern und ihre Arbeit die sie für Nachforschungen auch nach Lyon führt. Paralell dazu lesen wir über Jeannes Flucht und ihren Neuanfang.
Katharina Fuchs vergleicht das Schicksal und die Ursachen von Migration und ihre Folgen. Am Beispiel der Hugenotten die im Winter über die Berge fliehen, die zwar von der Herrschaft willkommen geheißen aber vom gemeinen Volk als Froschfresser bezeichnet und wegen der Unterstützung beneidet werden, zieht sie Paralellen zu heute,. Damals war es die Freiheit der Religionsausübung, heute sind es Krieg oder Armut als Grund. Sie reißt die Probleme nur an, bekannt sind sie mehr als genug.
Das Buch war unterhaltsam ohne einen moralischen Zeigefinger. Der Eindruck entstand als ob sie aufzeigen will, das wir oft nachplappern was in sozialen Medien oder im Umfeld gesagt wird ohne über die Folgen nachzudenken. Wenn dann jemand wie in diesem Buch Antonia protestiert, wird es überdeutlich.

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Rezensionen von GB:

Unterhaltsame Wissensvermittlung

Der rätselhafte Verwandte aus der Eiszeit von Silke Vry

Bisher kannte ich die Dusty Diggers-Reihe noch nicht. Mir hat diese Art von Sachbuch sehr gut gefallen. Hier wird Geschichte richtig anschaulich erzählt. Es ist nicht, wie sonst oft in Sachbüchern der Fall, eine Sammlung von vielen einzelnen Fakten, sondern es wird die Entdeckung des Neandertalers als Geschichte nacherzählt.

Dabei erfährt der Leser ganz nebenbei viel Wissen über Paläoanthropologie und Evolution. Unterstützt wird die Erzählung durch sehr viele, sehr ansprechende Illustrationen, die die Erzählung noch lebendiger werden lässt.
Das Buch erinnert in seiner ganzen Aufmachung und vom Format her auch eher an ein Lesebuch. Der Umfang schüchtert junge Leser nicht gleich ein. Es wird aber trotzdem sehr viel Wissen auf den 70 Seiten vermittelt. Es war bestimmt nicht der letzte Band dieser Reihe, den ich gelesen habe.

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Rezensionen von GB:

Sommer, Sonne, Meer

Summer Tides von Sarah Fulmar

Das wunderschöne Cover hat mich sofort angesprochen. Der Roman macht gleich gute Laune und Vorfreude auf Sommer, Sonne und Meer mit dem tollen blaugelben Einband mit dem Sonnenuntergang von St.Ives. Die Charaktäre sind alle recht interessant und sehr sympathisch. Scarlett hat sich einen tollen Ort mit vielen nette Menschen ausgesucht, um neu anzufangen.

Aber schon gleich zu Anfang gibt es einige Probleme. Zum Glück ist gerade auch Joah wieder zurück nach Hause nach St. Ives gekommen und kann ihr einige Male aus der Patsche helfen. Die beiden fühlen sich gleich zueinander hingezogen, machen es sich aber beide wegen ihr Vorgeschichte nicht ganz leicht.
Schöne leichte Unterhaltung, sehr zu empfehlen. Auch wenn ich nicht immer alle Handlungen, Entscheidungen und Gefühle der beiden logisch nachvollziehbar fand, hat es den Lesespaß nicht geschmälert. Es war trotzdem sehr schön mitzuerleben, wie die beiden sich immer näher kommen und wie sie ihr Leben meistern

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Rezensionen von Daggy:

Gedichte aller Arten rund um Helgoland

Gedi, Geda, Gedichte von Uwe-Michael Gutzschhahn; Arne Rautenberg; Lena Raubaum; Mona Harry; Michael Augustin; Manfred Schlüter; Nils Mohl

Sowas kommt dabei raus, wenn sich Autorinnen und Autoren auf Helgoland treffen. Erstmal eine Cover mit einem schiefen Leuchtturm und dann viele Gedichte, die sich um das Meer und die kleine Hochseeinsel Helgoland drehen.
Und dann wird James Krüss, der große Kindergedichtschreiber zum 100. Geburtstag geehrt.

Ich kann mich noch erinnern, dass er in meiner Kindheit persönlich im Fernsehen seine Gedichte zum Besten gab und ich habe es geliebt.
So erinnert das Gedicht „Lieselotte Hafenfähre“ von Lena Raubaum an „Henriette Bimmelbahn“. Spannend ist auch was „Am siebzehnten Oktebruar“ laut Mona Harry geschieht. Im „Inselkonzert“ machen laut Michael Augustin viele Tiere Musik. Mit Arne Rautenberg geht es ins „Helgaland“ wo alle Helga heißen. „Helgolands Trottel und Lummen“ sucht Nils Mohl in seinem Gedicht. Über tuschelnde „Miesmuscheln“ dichtet Uwe-Micheal Gutzschhan. Zum Schluss gibt es von Manfred Schlüter einen „Musenkuss“.
Eine wunderschöne Sammlung von Lyrik die Erinnerungen wachruft und mich lächeln ließ. Dazu fröhliche Zeichnungen von der See. So machen Reime Spaß!

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