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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von clematis:

Unter falschem Namen

Sturmtage von Sibel Daniel

Obwohl sich die Naziherrschaft in Deutschland immer mehr zuspitzt, übernimmt Johanna den Platz ihres Bruders und reist unter falschem Namen von Oslo nach Berlin. Sie sammelt Informationen, knüpft Kontakte und erfährt, in welches Lager ihre frühere Freundin Ruth deportiert worden ist. Während sie viel länger in Deutschland bleibt als geplant, verändert sich ihre Familiensituation in Norwegen drastisch.

Auch wenn dieser zweite Teil der Trilogie einige wesentliche Informationen zum Vorgeschehen liefert, ist es meiner Meinung nach doch ratsam, die Bücher hintereinander zu lesen. Die Handlung knüpft an im Jahre 1938 und wird von denselben Figuren getragen, welche wir bereits kennengelernt haben. Die Atmosphäre dieser furchtbaren Zeit fängt Sibel Daniel wieder gekonnt ein, das Misstrauen unter der Bevölkerung ist sehr gut spürbar. Was ist ernst gemeint, wann könnte man in eine Falle tappen? Schwierig ist das Abwägen, wem man sein Vertrauen schenken darf, besonders, wenn man schon einmal in einer engen Beziehung verraten worden ist. Was schuldet man seiner Familie, wie verhält man sich gegenüber besten Freunden? Viele Fragen stellen sich einer mutigen Johanna, die alsbald an den Geschehnissen zu zerbrechen droht. Der Wechsel zwischen spannenden und ruhigeren Szenen löst eine fesselnde Dynamik aus, die Neugierde auf den abschließenden Teil ist jedenfalls groß.

Ein angenehmer Schreibstil ohne reißerische Elemente, klug aufgebaute Szenen und eine detaillierte Recherche bilden die Basis für diese Reihe aus der Zeit des Nationalsozialismus, bestens geeignete für Leser von Romanen, welche auf wahren Begebenheiten fußen, auch wenn die Handlung selbst frei erfunden ist.

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Rezensionen von Lilli33:

Beziehungsdrama mit Thrillerelementen

Ultramarin von Ann-Christin Kumm

Beziehungsdrama mit Thrillerelementen

Schon lange ist Lou in Raf verliebt, aber Raf entzieht sich ihm immer wieder. Doch Lou kann einfach nicht von ihm lassen, auch wenn Raf ihm noch so weh tut. Zusammen mit Rafs Schwester Sophie verbringen sie seit Jahren die Sommer miteinander. Doch dieses Mal kommt statt Sophie Nora mit nach Dänemark - eine unbekannte Variable in der Beziehung, die alles durcheinander bringt.

Ann-Christin Kumms Debütroman ist interessant aufgebaut und auch durchaus lesenswert. Die toxische Beziehung zwischen Raf und Lou ist bedrückend. Man will die beiden mal so richtig durchschütteln, damit sie künftig die Finger voneinander lassen. Für meinen Geschmack wurden die Figuren ein bisschen zu schwarz-weiß dargestellt.

Der Schreibstil ist eigentlich sehr ansprechend, teilweise fast poetisch. Aber beim Hörbuch fielen mir sich wiederholende Formulierungen besonders auf: …sagte ich, … sagte Raf, … sagte er. Das mag eventuell als Stilmittel gedacht sein; mich hat es gestört.

Da Lou als Ich-Erzähler von den Ereignissen im Sommer in Dänemark erzählt und auch immer wieder in vergangene Jahre zurückspringt und dabei die Entwicklung der Beziehung zu Raf beleuchtet, hatte ich viel mehr Emotionen erwartet. Die Erzählung ist jedoch eher lakonisch und distanziert.

Das Hörbuch erschien im März 2026 bei Der Audio Verlag. Es ist ungekürzt und hat eine Lauflänge von 6 h 10 min. Gesprochen wird es von Jannik Schümann.

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Rezensionen von PMelittaM:

Kleopatras Geschichte - von ihr selbst erzählt

Kleopatra von Saara El-Arifi

Kleopatra, berühmt und berüchtigt, jede:r kennt ihren Namen, doch über die wahre Persönlichkeit weiß wahrscheinlich niemand Bescheid, denn, wie so oft, haben auch hier die Sieger die Geschichte geschrieben.

Die Geschichte beginnt 51 v. Chr. Kleopatras Vater stirbt, und sie wird mit 18 Jahren Pharaonin.

Man erfährt viel über den historischen Hintergrund, ihre Familie und Beziehungen, ihre politischen Probleme und Erfolge.

Saraa El-Arifi lässt Kleopatra in Ich-Form selbst erzählen, sie hat, sieht man sich die Quellen und ausgewählte Literatur im Anhang an, vielfältig recherchiert, doch, auch sie musste sicher interpretieren und konnte ihrer dichterischen Freiheit freie Bahn lassen, viele Zeugnisse, vor allem von Kleopatra selbst, gibt es nicht. Zu Beginn des Romans lohnt es sich, die Anmerkungen der Autorin zu lesen. Dass auch Fiktion im Spiel ist, sieht man unter anderem daran, dass sie einen mystischen Aspekt hinzugezogen hat, denn sie gibt den Ptolemäern eine göttliche Gabe, die allerdings bei Kleopatra vermisst wird, weshalb sie auch zeitweise von ihrem Volk nicht anerkannt wurde. Bezüglich dieser Gabe gibt es gegen Ende des Roman eine überraschende Wendung, die mir persönlich gefallen hat, und die einiges erklärt.

Die Ich-Form passt hier meiner Meinung nach sehr gut, man ist nahe dran an Kleopatra, die auch hin und wieder die Lesenden selbst anspricht. Kleopatra kann dadurch ihre Intentionen bezüglich ihrer Handlungen erläutern, und man erhält auch bessere Einblicke in die Beziehungen zu ihrer Familie und ganz besonders auch zu ihren beiden berühmten und mächtigen Geliebten, Julius Cäsar und Marcus Antonius.

Die Autorin erzählt eingängig und bildhaft, der Roman lässt sich zügig lesen und hat mich gut unterhalten, ich habe Kleopatra schon in Büchern, Filmen und anderen Medien getroffen, und so natürlich ein bestimmtes Bild von ihr, auch optisch, gleiches gilt auch für Cäsar und Antonius. Der Roman hat einen durchaus feministischen Touch, was man auch in manchen der Fußnoten erkennen kann. Kleopatra war eine starke Frau, eine Herrscherin, die wusste, was sie wollte, und die versucht hat, ihr Land zu schützen und zu bewahren, auch wenn sie sich dafür mit dem Ausland verbinden musste. Ich glaube, dass sich meine Sicht auf sie gewandelt, neue Facetten bekommen hat, und bin jetzt schon gespannt darauf, wann und wie ich sie wieder treffen werde.

Mich hat der Roman gut unterhalten, man darf natürlich nicht alles auf die Goldwaage legen, doch so oder so ähnlich könnte es gewesen sein. Besonders gut gefällt mir die Prämisse unter der Kleopatra ihre Geschichte erzählt, diese erfährt man erst sehr spät. Für mich ist der Roman gut geeignet, sich ein etwas anderes Bild der Pharaonin zu machen, und womöglich angeregt zu werden, sich weiter mit ihr zu beschäftigen.

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Rezensionen von Philiene :

Eine Frau geht ihren Weg

Die Briefträgerin von Francesca Giannone

Anna zieht mit ihrem Mann Carlo in dessen Heimatort im Süden Italiens, aber eigentlich will Anna hier gar nicht sein. Doch dann wird die Stelle des Briefträgers frei und Anna bewirbt sich. Doch das geht doch nicht. Anna ist eine Frau und es sind die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts, da wird in dem kleinen Ort in Italien doch eine Frau keine Briefträerin.

Aber Anna pfeift auf alle Widerstände und bekommt den Job...

Der Roman erzählt vom Leben im Dorf, von den Menschen, von der Liebe, von Hoffnung und Ausgrenzung. Die Geschichte ist authentisch erzählt und ich bin komplett in der Geschichte abgetaucht. Die Autorin erweckt das Dorf und seine Bewohner zum Leben, sie beschreibt eindrucksvoll die Gefühlswelt ihrer Charaktere und das Zwischenmenschliche im Dorf.
Gleichzeitig ist Annas Geschichte die einer starken und besonderen Frau, die einerseits ihren Weg geht und in der aber auch eine große Trauer herrscht, mit der sie umgehen muss.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter.

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Rezensionen von Herwig Oberlerchner:

Die Liebe des Kolibri

Der Kolibri von Sandro Veronesi

Marco verliert in seinem Leben viele Menschen unter dramatischen Umständen, zuerst als Jugendlicher die Schwester (Suizid), dann später die Eltern (Krebs) und auch seine Tochter (Kletterunfall). Seine Enkelin zieht er alleine und hingebungsvoll auf, er sieht sie als Vertreterin jenes neuen Menschen, der vielleicht diesen Planeten retten kann.

Die vielen Verluste übersteht er, weil er immer wieder jemanden findet, dem er seine ganze Liebe schenken kann. Wie ein Kolibri hält er sich so in Schwebe und überlebt, erhält aber auch Unterstützung von einem warnenden Psychoanalytiker und einem Unglücksbringer, der ihm zweimal Glück bringt, bis das Unglück ein letztes Mal über ihn hereinbricht.
Ein Buch und ein Leben, zusammengeklebt aus Briefen, Erinnerungen, Zitaten, Anleihen, Märchen, Wundern, Mythen und dem Rätsel der Liebe.

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Rezensionen von Gute_Laune:

Wer in der Zukunft lebt, verpasst die Gegenwart

Der Rikscha-Fahrer, der dir das Glück zeigt von Biyon Kattilathu

Rahul ist Rikscha-Fahrer in Neu Delhi. Doch er ist viel mehr, denn er möchte, dass seine Fahrgäste glücklicher gehen, als sie kamen. Für jeden hat er ein kleines Geschenk beim Abschied. Auf den Fahrten erfährt er viel über seine Fahrgäste, aber auch über sich selbst. Und umgekehrt ist das genauso.

Es ist einfach wunderschön, wie die kleinen Episoden mit den Fahrgästen wie Du und ich so viel Weisheit vermitteln. Weisheit über das Leben, die innere Einstellung, Zufriedenheit, Glück, Liebe und all die Dinge, die man so leicht übersieht und vergisst. Nach einer Fahrt mit Rahul ist man glücklich, erleichtert, bereichert und irgendwie ein bisschen ein besserer Mensch.

Sehr bewegend und stimmig finde ich Rahuls Erlebnisse, als es ihm selbst gar nicht gut geht und viel für ihn auf dem Spiel steht. Das geht ans Herz, übermittelt aber eine wichtige Botschaft. Ja, vermutlich muss man sich öffnen wollen, um diese auch zu verstehen und Rahuls ganze Geschichte ohne böse Gedanken annehmen zu können.

Die Zeichnungen, Illustrationen sind zauberhaft und passen perfekt zu den Texten. Ich hatte das Gefühl, jedes einzelne der Geschenke selbst bekommen zu haben. Ich fühlte mich fast überladen, aber jetzt sind sie in meinem eigenen Koffer der kleinen Schätze und warten auf neue Besitzer. Vielleicht finde ich sie ebenso intuitiv, wie Rahul sie fand.

Die Sätze in großer Schrift möchte man sich auf Kärtchen schreiben und jeden Tag eines davon zur Motivation aufstellen. Das macht das Buch zu einem Kunstwerk, das die Seele streichelt, sensibilisiert, die Augen öffnet und tatsächlich glücklicher macht. So großartig! Auch zum Verschenken ideal. Ein echtes Kleinod. Ganz klar, es bekommt von mir die vollen fünf Sterne!

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Rezensionen von Zaubermasu / Sandra Hennig:

So ein starker Roman

Das kleine Hotel am Getreidemarkt von Gerda Stauner

Nach dem ich von Gerda Stauner den Roman „Wo ist das Glück noch mal?“gelesen hatte, war ich jetzt unheimlich neugierig auf den Roman „Das kleine Hotel am Getreidemarkt“ und bin direkt mit dem Buch gestartet.
Gerda Stauner besticht mit einem Schreibstil, der von der ersten Seite an packt und einen einfach mitreißt, so dass ich direkt in die Geschichte rund um das Hotel eingetaucht bin.

Starke Akzente auf wunderschöne Details setzt die Autorin gekonnt und beschreibt so bildhaft, dass ich immer ein klares ( und wunderschönes ) Bild vor Augen hatte.
Was anfänglich als Geschichte über das Gotel am Getreidemarkt beginnt, entwickelt sich im Laufe des Buches weiter : starke, mit Tiefe geprägte Charaktere und vielschichtige Situationen, die zeitlich aktuell sind, lassen diesen Roman auf mehreren Ebenen nachhaltig wirken und auch nach Beenden des Buches im Kopf bleiben.
Ich hatte eine wundervolle Lesezeit mit dem Buch von Gerda Stauner und bin einfach mitgerissen worden, in eine Welt, die spannend, emotional und auch herzlich war – und da hat Gerda Stauner ein richtig tolles Buch geschrieben, dass ich von Herzen gerne weiter empfehle !
Der Roman „Das kleine Hotel am Getreidemarkt ist am 11. März 2026 beim Gmeiner Verlag erschienen.

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Rezensionen von Krani:

Bunt

Exoplaneten von Wendy Bjazevich

Das Thema ist faszinierend: Könnte es Leben wie unseres auf einem anderen Planeten geben? Das Buch richtet sich an Kinder ab zehn Jahren.
Die Techniken, mit denen die Wissenschaft heute nach Exoplaneten sucht, sind recht anspruchsvoll. Doch wer sich für das Thema interessiert und schon weiß, was ein Planet überhaupt ist, kann hier eine Menge erfahren.

Es gibt kurze Texte und prächtige Abbildungen, die vieles gut erklären. Zu Beispiel, dass flüssiges Wasser von großer Bedeutung ist, und dass das keineswegs überall vorkommt. Die heute bekannten Exoplaneten werden klassifiziert und in Illustrationen anschaulich gezeigt, jeweils im Vergleich mit der Erde.
Die bunten Farben und großflächigen Bilder verlocken dazu, immer wieder in die Texte hinein zu lesen. Das ist hilfreich, wenn man nicht auf Anhieb alles versteht. Zentrale Themen wie Statistik und Spektroskopie werden beleuchtet, aber nicht allzusehr vertieft. Ein schöner, kindgerechter Einblick in ein spannendes, hochmodernes Fachgebiet!
Mir fehlte der Gedanke, dass Leben auch ganz anders aufgebaut sein könnte als das unsere.

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Rezensionen von CanYouSeeMe:

Manosphere

Alpha-Boys von Aurel Mertz

Aurel Mertz kannte ich bisher vorrangig aus der Comedy Szene, umso interessanter fand ich zunächst die Thematik des Buches: Ein Blick in die Manosphere. Je mehr ich gelesen habe, desto klarer wird, dass es durchaus möglich ist, einen humoristischen und ernsten Blick auf dieses Thema zu vereinen. Mertz berichtet durchaus lakonisch, dennoch geprägt von Witz und Charme von eigenen Erlebnissen auf einer Rundreise durch die Manosphere.

Die einzelnen Kapitel sind kurzweilig und lassen sich flüssig lesen. Ich habe einige Ausschnitte aus dem Hörbuch (gelesen vom Autor selbst) gehört und tatsächlich kann dies helfen den Humor besser zu verstehen/wahrzunehmen. Beim reinen Lesen könnten humoristische Bilder an einigen Stellen misinterpretiert werden. In diesem Buch geben sich Humor und bitterer Ernst mehrfach die Klinke in die Hand, so dass es Aurel Mertz gelingt trotz gesellschaftskritischen Perspektiven zu unterhalten. An einigen Stellen konnten aufgrund eigener Erfahrungen tatsächlich Vorurteile abgebaut, an anderen Fassaden entlarvt werden. Diese Mischung liest sich unterhaltsam und ist meiner Meinung nach ein gutes Buch, um un diese Thematik einzusteigen. Eine ausführliche theoretische Untermauerung findet sich in diesem Buch nicht, wenngleich einige Querverweise gegeben werden.
"Alpha-Boys" ist für mich eine gelungene Perspektive auf Männlichkeit. Die persönlichen Erzählungen wirken authentisch und nahbar, zeitgleich hilft die spitze Humoristik eine gewisse Distanz herzustellen.

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Rezensionen von gabiliest:

So wie du bist, so bist du richtig

Ferri von Gertraud Mesner; Beate Welsch

Die bekannten Autorinnen Gertraud Mesner und Beate Welsch haben mit “Ferri: Mutig ist, wer Hilfe holt” ein kluges und unterhaltsames Kinderbuch für Kinder ab vier Jahren vorgelegt. Das schöne Hardcover dieses großformatigen Bilderbuchs zeigt schon die Hauptfigur der Geschichte, den Fisch Ferri, der mit den anderen Meerestieren fröhlich herumschwimmt.

Aber plötzlich ist alles anders. Der fröhliche Ferri singt ein Lied, als der Rochen Rocho beginnt, ihn zu ärgern. Auch andere Meerestiere fangen an, Ferri zu verspotten, keine Hilfe ist in Sicht. Aus Spott werden Drohungen, je mehr Tiere bei diesem bösen Spiel mitmachen, desto lustiger finden sie es. Qualli, der der verzweifelte Ferri leid tut, versucht, ihm zu helfen, verschwindet aber schnell, als Rocho kommt und mit Gewalt droht. Ferri weiß nicht, was er falsch gemacht hat, aber er muss doch schuld sein, dass die anderen Tiere so garstig zu ihm sind. Zu Hause erzählt der traurige Ferri nichts, seine Eltern bemerken nichts von seinem Kummer. Das kann Wali, der kluge Wal, nicht mehr mit ansehen. Glücklicherweise weiß er Rat und kann helfen…

Mit diesem Kinderbuch haben Gertrud Mesner und Beate Welsch in kindgerechter Weise beschrieben, wie Mobbing beginnt und wie sich die Spirale der verbalen und körperlichen Gewalt immer weiter dreht. Das Opfer fühlt sich hilflos, zieht sich zurück und verändert seine Wesensart, aus dem fröhlichen Ferri wird der traurige Ferri. Oftmals übersieht das Umfeld, wie sich das Mobbingopfer fühlt und der Betroffene selbst will nicht über seine Situation sprechen.

Genau dieses Geschehen beschreibt auf gut verständliche Weise die Geschichte von Ferri. Unterstützt wird die Erzählung durch die ganzseitigen farbenfrohen, phantasievollen und ansprechenden Illustrationen von Antje Bohnstedt. Da bereits im Kindergarten, im Alter von ungefähr vier Jahren, die Kinder beginnen, Schimpfwörter lustig zu finden, aber oft nicht daran denken, dass dadurch andere Kinder, aber auch Erwachsene gekränkt werden, ist das Vorlesen dieses Buches die richtige Methode, schon mit jungen Kindern über Mobbing zu sprechen, seien sie Betroffene oder Mitläufer, die Spaß an Beleidigungen und Drohungen haben. Da die Situation von Erwachsenen oft nicht bemerkt wird, weil das Kind zu Hause nicht über seine hässlichen Erfahrungen spricht, ist es gut, wenn alle Personen, die sich um Kinder kümmern, achtsam sind, ob sich ein Kind verändert oder Kummer hat. Als Hilfestellung bieten die Autorinnen im Anschluss an die Geschichte einen Überblick darüber, was Mobbing bedeutet, seine Ausprägungen und Ursachen. Auch das weitere Vorgehen, wenn ein Kind zum Mobbingopfer wird, wird thematisiert.

So bietet “Ferri: Mutig ist, wer Hilfe holt” eine überzeugende Geschichte über Freundschaft und Mut, die Kinder dazu anregen soll, nicht zu schweigen, wenn sie von Mobbing betroffen sind. Auch das Selbstvertrauen der Kinder soll gestärkt werden, damit sie erkennen, dass es keine Schwäche ist, sich Hilfe zu holen. Andererseits ist es wichtig, dass auch schon kleine Kinder verstehen, dass es Grenzen im Umgang mit anderen Menschen gibt. Das Buch nimmt in eine phantastische Unterwasserwelt mit und besticht durch seine hochwertige Ausstattung und das dicke Papier, sodass auch noch Geschwisterkinder mit Ferri Freude haben werden.

Ich habe die Geschichte mit meinem vier Jahre alten Enkel gelesen, der Ferri mochte und von den bunten Bildern begeistert war. Für uns war es das richtige Buch zur richtigen Zeit, denn mein Enkel bringt aus dem Kindergarten gerade Schimpfworte nach Hause, auch auf dem Spielplatz in der Gruppe neigen die Kinder zu Spott. Mit Hilfe des Buches konnten wir gut darüber sprechen, was andere Kinder empfinden, wenn sie gekränkt und zum Außenseiter werden. Wir werden das Buch noch oft zur Hand nehmen, denn um ein grundlegendes Verständnis dafür zu schaffen, wie sich ein Mobbingopfer fühlt, braucht es Zeit und Geduld. Aber die Mühe lohnt sich, Ferri kann dabei sicher helfen. Daher können wir dieses gelungene Buch gerne weiterempfehlen und bewerten es mit fünf Sternen.

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