Kunden em pfehlungen
Rezensionen von C. P.:
Spannende Abenteuerserie mit U-Boot
Code Genesis - Sie werden dich finden von Andreas Gruber
Eigentlich ist Terry West ein ganz normaler Teenager, allerdings lebt die Vierzehnjährige mit ihrem Onkel Simon sowie Cousin Ethan auf einem Forschungs-U-Boot und bereist die Weltmeere! Mit dabei: Frettchen Charlie. Terrys Mutter starb vor 10 Jahren unter mysteriösen Umständen, ihren Vater kennt sie nicht.
Als Terry das frühere Haus ihrer Mutter besucht, entdeckt sie zufällig deren verstecktes Forschungslabor. Und gerät damit ins Visier einer mächtigen Frau: Valerie de Boes, Inhaberin eines riesigen Pharmakonzerns. Es dauert nicht lang, und Terry und ihr Onkel sind vor gefährlichen Feinden auf der Flucht. Was ist so wichtig an den damaligen Forschungsergebnissen von Amanda West, dass de Boes selbst vor Mord nicht zurück schreckt, um diese in ihre Finger zu bekommen? Um dies heraus zu finden, beschließen Terry und ihr Onkel, selbst nach den Spuren von Amandas Arbeit zu suchen. Ein gefährlicher Wettlauf gegen Valerie de Boes beginnt…
Nachdem ich bereits mehrere Erwachsenenbücher von Andreas Gruber kenne war ich
auf sein neues Jugendbuch gespannt. Das Thema ist gut gewählt, es geht um Forschungsergebnisse einer Biologin, welche irgendwie in Bezug zu „Code Genesis“ stehen und die einer mächtigen Frau sehr wichtig sind. So wichtig, dass Terrys Mutter damals sterben musste? Es gibt also mehrere Rätsel zu lösen: Was geschah wirklich mit Terrys Mutter und woran forschte sie? Und wer ist Terrys Vater? Erschwert wird diese Schnitzeljagd dadurch, dass die Gegnerin über Geld, Technologien und skrupellose Killer verfügt.
Auch die Charaktere gefallen mir. Terry ist ein Teenager frei von Prinzessinnen-Allüren, ihr Cousin ein Technik-Nerd und ihr Onkel ein sympathischer Forscher samt U-Boot. Unterstützt werden sie von Johann, der bereits seit mehreren Generationen für Familie West arbeitet und bei dem man erst so nach und nach herausfindet, was dieser Mann alles für Fähigkeiten hat. Immerhin war er in seiner Jugend mal auf die schiefe Bahn geraten. Seine verborgenen Talente erinnern mich ein wenig an Batmans Butler Alfred. Schmunzeln musste ich bei dem Namen Valerie de Boes, der ist ebenso Programm wie bei Cruella deVille. Und Frettchen Charlie lockert so manche Situation gekonnt auf.
Code Genesis ist ein spannendes Abenteuer, bei welchem die Guten von den Bösen auf der Jagd nach Forschungsergebnissen gnadenlos verfolgt werden. Eine abenteuerliche Jagd nach Antworten, welche Simons U-Boot wohl von Band zu Band um den gesamten Globus führen wird. Mir hat der Einstieg sehr gefallen und ich werde Terry und Co. auf jeden Fall weiter begleiten.
Rezensionen von Bibliomarie:
Wiedergefundene Wurzeln
Was uns erinnern lässt von Kati Naumann
In ihrer Freizeit sucht Milla nach „Lost Places“ und im ehemaligen Grenzgebiet der DDR, unweit des Rennsteigs macht sie eine sensationelle Entdeckung. Mitten im Wald findet sie Bauschutt und eine Falltür die zu einem Keller führt. Geschirr, Leinen, Silberbesteck – alles mit dem Namen Hotel Waldeshöh.
Aber auch alte Schulhefte findet sie, mit den Namen Andreas und Christine Dressel.
Es gelingt ihr Christine ausfindig zu machen und sie erfährt von Dressels Forst und der Geschichte des Hotels und der Familie.
In Rückblenden erzählt die Autorin von der Kriegszeit und den Anfängen der DDR. Wie schwierig es für die Familie Dressel im Grenzgebiet wurde. Eingeschlossen im Sperrgebiet und immer von der Ausweisung bedroht werden die Jahre 1957 bis 1977 prägend für die Familienmitglieder. Kein Gang ins nächste Dorf ohne Passierschein, kein Spaziergang im umgebenden Wald ohne die ständige Angst auf Grenzbeamte zu treffen, abgeschnitten von der Umgebung hoffen die Dressels immer noch, das Haus zu erhalten, vielleicht als Ferienheim für den FDGB, zumindest als Heimat. Aber die Schikanen werden immer perfider, der Überwachungsstaat hat sich perfektioniert und schon lange ist Freundschaft keine Garantie mehr für Loyalität.
Diese Familiengeschichte ist warmherzig erzählt. Die Nachkriegszeit und die Geschichte der frühen DDR wird hier im Einzelschicksal lebendig. Dabei gelingt es der Autorin Gegenwart und Vergangenheit zu verschmelzen und ihren Hauptfiguren Milla und Christine so viel Leben einzuhauchen, dass ich meinte, sie sprechen und erzählen zu hören. Wie die beiden Frauen zu Freundinnen werden und wie sie gemeinsam an eine Zukunft von Dressels Forst glauben, gefiel mir außerordentlich gut. Dabei kommen sie Geheimnissen auf die Spur, die Familie bis ins Mark erschüttern.
Ein ruhiger dahinfließender Erzählstil passt zu diesem Roman, es ist anrührend, aber ohne falsche Sentimentalität geschrieben. Eine schöne und bereichernde Lektüre.
Rezensionen von simone.h1:
Telefonat
Kaschmirgefühl von Bernhard Aichner
Ein Mann ruft bei einer Telefonsexhotline an und es stellt sich bald heraus, dass er nicht die typischen Absichten hat. Daraus entwickelt sich ein reges und persönliches Gespräch zwischen den beiden Protagonisten in mehreren Abschnitten, das man bei einem solchen Anruf nicht erwartet...
Das Buch ist durchgehend in einer direkten Reden zwischen den beiden handelnden Personen geschrieben, sodass man als Leser im Prinzip "Mithörer" des Telefonats ist.
Diesen gewählten Stil finde ich sehr besonders und passt er perfekt. Die Charaktere sind sympathisch und zugänglich, auch wenn man sie nicht genau einschätzen kann.
Die Auflösung war für mich wirklich unerwartet, auch wenn sie nach meinem Geschmack ein wenig zu schnell abgehandelt wurde. Alles in allem handelt es sich um ein gelungenes Büchlein, dass mich sehr gut unterhalten hat!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Fesselnd bis zu letzten Seite
Blutlauenen von Christof Gasser
Die Journalistin Cora Johannis hat ein freies Wochenende, da Tochter Mila zu ihrem Vater nach Argentinien reist. Da passt es doch gut, dass sie ihre Jugendfreundin Ludevine, genannt „Lüdi“, trifft, die sie einlädt, gemeinsam mit den anderen Schulkollegen ein verlängertes Wochenende auf der Berghütte Blutlauenen zu verbringen.
Oder?
„Im Sommer und im Herbst vermochte die wildromantischen Berglandschaft und der Lauensee eine ganze Anzahl Wanderer anzuziehen, die auf ihrer Tour in die Lenk oder rund um Wildhorn hier durchkamen.“
Obwohl Cora ein flaues Gefühl bei dieser Einladung hat, sagt sie spontan zu. Sie hat ja genug Lesestoff dabei, sollte das Wiedersehen mit der alten Clique nicht ihren Erwartungen entsprechen. Ihr Chefredakteur hat ihr eine Geschichte über in der Schweiz verschwundenes Nazi-Gold zur Recherche aufs Aug‘ gedrückt.
Der Helikopter bringt die Teilnehmer stilgerecht auf die einsame Berghütte, die sich als komfortables Chalet, mitten im Naturschutzgebiet, entpuppt. Die Idylle trügt und bevor der Leser noch alle Mitspieler kennenlernen kann, gibt es die erste Leiche. Plötzlicher Herztod, konstatiert René Gamper, der Arzt in der Runde. Doch das wird nicht der einzige Tote bleiben. Der nächste wird gleich einmal mit einem Kissen erstickt.
Während man noch ein wenig schockiert ist, verschlechtert sich das Wetter und die Menschen auf Blutlauenen sind von der Umwelt abgeschnitten. Als zusätzlich noch der Strom ausfällt, liegen die Nerven ziemlich blank.
Dann geht es Schlag auf Schlag, wie bei Max und Moritz: „Dieses war die zweite Leich‘ und die dritte folgt zugleich!“
Nun ja, die dritte Tote stürzt bei einem Spaziergang rund ums Haus zu Tode. An der Unfallversion gibt es berechtigte Zweifel.
Wer hat es auf die Clique abgesehen? Kann es der in der Nähe lebende Einsiedler, der vor Jahren Frau und Kind brutal abgeschlachtet hat und nach der Verbüßung seiner Haftstrafe wieder in diese Gegend gezogen ist, sein? Nur, warum und wieso? Weit und breit ist kein Motiv zu erkennen. Oder ist es einer der dienstbaren Geister von Blutlauenen? Oder gar jemand aus der Clique?
Ein fesselnder Showdown bringt die schlüssige Lösung dieses Falles.
Meine Meinung:
Autor Christof Gasser ist wieder ein beklemmender Krimi, der an der Grenze zum Thriller schrammt, gelungen. Er verbindet mehrere Handlungsstränge zu einem dichten Kriminalfall. Jeder der Teilnehmer wird kurz mit seiner eigenen, persönlichen Geschichte vorgestellt. Es scheint, als hätte jeder oder jede in irgendeiner Art Schuld auf sich geladen, die hier nun abgetragen werden soll. Da sind zum Beispiel die beiden, die die wahre Geschichte um das verschwundene Nazi-Gold aufdecken wollen oder diejenige, die mit ihrem Escort-Service eine junge Frau ins Unglück gestürzt hat. Alle Fäden laufen bei einer Person zusammen. Ist das des Pudels Kern (wie Geheimrat Goethe seinen Faust sagen lässt)?
Die Stimmung auf der Berghütte wird von Stunde zu Stunde explosiver. Alle sind verdächtig. Doch ebenso könnte jeder das nächste Opfer sein. Christof Gasser hat hier eine Situation, die einer Agatha Christie würdig ist, geschaffen. Die Situation in der einsamen Berghütte, den Elementen ausgeliefert und ohne Verbindung zur Außenwelt zu sein, ist schon unheimlich genug. Dann noch die Mordserie. Der packende Schreibstil tut sein übriges, dass die Leser dieses Buch nicht aus den Händen legen kann.
Sehr spannend sind auch die kursiv geschriebenen Abschnitte, die mit der entsprechenden Jahreszahl versehen, den Konnex zur jeweiligen Person in der Berghütte bilden. Das Rätsel wie und wohin das Nazi-Gold verschwunden ist, wird den Lesern durch einen Rückblick eröffnet. Damit setzt sich der Autor mit der doch unrühmlichen Vergangenheit der Schweiz während der Nazi-Zeit auseinander. Denn wirklich „neutral“ waren die Eidgenossen nicht. Sie haben Geldgeschäfte mit jedermann getrieben, ob jüdischer Emigrant oder Nazi-Bonze war einerlei, Hauptsache, die Kassa stimmte. Auch als Umschlagplatz von Devisen und Waffen war die Schweiz bekannt und beliebt. Damit hat sie sich nicht wirklich mit Ruhm bekleckert, denn nebenbei wurden Flüchtlinge und Emigranten wieder zurück nach Nazi-Deutschland und damit in den sicheren Tod geschickt.
Der Showdown, mit dem der Autor diesen Krimi enden lässt, ist voller Raffinesse. Da zieht Christof Gasser gekonnt alle Register.
Die Charaktere sind komplex angelegt. Auch Cora Johannis hat so ihre Ecken und Kanten, die manchmal selbstsüchtig erscheinen.
Fazit:
Ein fesselnder und rasanter Krimi, der sich auch kritisch mit der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine Frau als Vice-Questore?
Venezianische Rache von Daniela Gesing
Venedig und seine Bewohner stöhnen unter der drückenden Hitze. Luca Brassoni freut sich, mit seiner Frau Carla und dem kleinen Sohn Luis in die Ferien fahren zu können.
Leider macht ihnen ein Mord an Paolo Grande, einem Künstler, vorerst einen Strich durch die Rechnung. Wurde Paolo deswegen getötet, weil er Tintorettos Gemälde des Jacopo Soranzo zerstört hat?
Als dann noch Paolos Ex-Freundin einem tätlichen Angriff zum Opfer fällt, ist guter Rat teuer und der Urlaub rückt in weite Ferne.
Brassoni und seine Team läuft die Zeit davon. Erschwerend kommt hinzu, dass die Questura personell stark unterbesetzt ist und so ziemlich alle am Limit arbeiten. Besonders Maurizio Goldini ist nicht ganz bei der Sache, hat er doch private Probleme.
Obwohl Brassonis neue Chefin „Zivilisten“ bei den Ermittlungen nicht gerne sieht, gestattet sie Lucas Cousin, den Journalisten Stefan Mayer, seine guten Verbindungen in Venedig zu nutzen. Und Mayer, den alle Welt nur „Caruso“ nennt, heftet sich auf eine vielversprechende Spur, die zu einer prominenten Familie Venedigs führt …
Meine Meinung:
Dies ist nun schon der 6. Fall für den sympathischen Ermittler Luca Brassoni. Neben dem alt bewährten Stammteam hat die Autorin diesmal eine neue Figur eingeführt: Patrizia Bertuzzi, die als Vertretung des erkrankten Vice-Questore Roberto Morandi fungiert. Sie ist ehrgeizig und pflegt einen komplett anderen Führungsstil, an den sich alle erst gewöhnen müssen. Ein weiteres neues Mitglied in der Riege der Ermittler hat vier Beine, hört auf den Namen „Picco“ und lockert den stressigen Alltag in der Questura auf. Ja, Picco schafft es, der strengen Chefin ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.
Die Einführung der neuen Chefin gefällt mir sehr gut. Hier werden die Hierarchien neu verteilt, was vor allem in Italien, dem Land der Machos, ein bisschen für Aufsehen sorgt.
Dieser Fall ist von Beginn an spannend. Es gibt einige Wendungen, die dafür sorgen, dass Leser und Ermittler ein wenig aufs Glatteis geführt werden, bis zu einem schlüssigen Ende kommt.
Ich hatte recht schnell den Riecher in die richtige Richtung, doch der letzte Haken vor der Enthüllung des wahren Täters, war dann doch fast eine Überraschung.
Der Schreibstil von Daniela Gesing ist flüssig und leicht zu lesen. Geschickt bettet sie die Handlung in die Lagunenstadt ein. Wir können mit den Ermittlern die Serenissima erkunden und entdecken immer wieder etwas Neues abseits der touristischen Trampelpfade. Dieser Venedig-Krimi passt gut in das Urlaubsgepäck, vor allem, wenn die Reise nach Venedig geht.
Fazit:
Wieder ein gut lesbarer Venedig-Krimi, der ohne großes Blutvergießen auskommt. Gerne gebe ich wieder 5 Sterne.
Rezensionen von heinoko:
Fesselndes Lesevergnügen
Sündenkammer von Catherine Shepherd
Zwei Zeitstränge, 500 Jahre auseinander, und doch irgendwie auf mystische Weise verbunden. Ein neuer Zons-Thriller, fesselnd wie gewohnt bei dieser Autorin. Auch dieses Mal bin ich atemlos durch das Buch durchgerauscht, habe mich gegruselt, erschreckt, gewundert, geekelt, habe gerätselt, war verwirrt und wurde immer planloser – und am Ende restlos überrascht.
Ich zitiere den Klappentext, weil er den Inhalt perfekt darstellt: „Gegenwart: Kommissar Oliver Bergmann wird am frühen Morgen zu einem Tatort mitten im Wald gerufen. Noch bevor er das Opfer sieht, kann er riechen, was passiert ist. Trotzdem erstarrt er beim Anblick des völlig verkohlten Körpers auf einem Scheiterhaufen. Die junge Frau wurde bei lebendigem Leib verbrannt. Die Presse spricht bald von einem Hexenfall, denn die Spurensicherung stößt auf ein rotes Haar. Doch dann erhält Oliver ein Paket mit einer geheimnisvollen Nachricht vom Täter und ahnt, dass viel mehr dahintersteckt. Er hat es mit einem Serienkiller zu tun, der die Welt von der Sünde reinwaschen will.
Zons 1500: Der Novize Balthasar liest nachts heimlich in einem verbotenen Buch aus der Klosterbibliothek. Währenddessen scheint sich der Geist des verstorbenen Totengräbers aus seinem Grab zu erheben und auf dem Kirchhof umherzuirren. Als am nächsten Morgen ein toter Knabe vor den Toren der Stadt liegt, weiß Stadtsoldat Bastian Mühlenberg nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Er verfolgt die Spuren des Mörders bis ins Franziskanerkloster, aber die Mönche schweigen sich aus. Dann wird ein weiterer Knabe ermordet, und Bastian entdeckt eine geheime Kammer sowie ein Buch, das ihn zum Täter führt. Doch er hat keine Idee, wie er das Böse aufhalten soll.“
Es ist bewundernswert, wie Catherine Shephard es mit jedem neuen Buch in unveränderter Bestform schafft, den Leser zu packen, ihn mit allen Sinnen in die Geschichte hineinzuziehen und ihn mit gemeinen Cliffhangern zu quälen. Man eilt von Kapitel zu Kapitel und tappt in alle von der Autorin ausgelegten Fallen, bis man am Ende durch ein fulminantes Ende restlos überrascht wird. Die Protagonisten sind wie immer absolut stimmig dargestellt, die erzählte Geschichte ist nachvollziehbar. Rundum: Auch dieser neue Titel von Catherine Shepherd lässt den Leser alles um sich herum vergessen – ein Lesevergnügen!
Rezensionen von heinoko:
Ein perfekt durchkomponierter Thriller
Sündenkammer von Catherine Shepherd
Er hat es also wieder getan! Mein Lieblings-Autor legt mit dem vorliegenden Titel ein weiteres Buch aus seiner Feder vor, das alles hat, was zu einer überaus spannenden fiktiven Geschichte gehört und dessen dystopische Elemente so nah an der möglichen Realität sind, dass es den Leser auf besondere Weise erschauern lässt.
Der Klappentext erzählt nicht zu viel und nicht zu wenig: „Auf der einen Seite: ein Mord in Koblenz. Eine Schönheitsklinik in den Alpen. Und eine Gruppe sehr reicher, sehr mächtiger Männer, die bereit ist, andere sterben zu lassen, um selbst am Leben zu bleiben. Auf der anderen Seite: die junge Laborantin Jule Rahn und der zwangsversetzte Kommissar Lucas Prinz. Beide fest entschlossen herauszufinden, was sich hinter den Machenschaften dieser Männer verbirgt. Gemeinsam kommen die beiden einem Verbrechen auf die Spur, dessen Ausmaß sie fassungslos macht. Und dessen Drahtzieher haben nicht vor, die beiden am Leben zu lassen ...“
Mehr muss man über den Inhalt auch nicht berichten. Viel wichtiger ist mir, ein weiteres Mal die Fähigkeit des Autors zu bewundern, einen perfekt durchkomponierten Roman geschrieben zu haben, dessen Spannungsbogen von Anfang bis Ende gehalten bzw. gegen Ende noch gesteigert wird. Mit Jule Rahn lernen wir eine verhuschte, unscheinbare Frau kennen, die sich aufgrund eines Kindheitstraumas mit scheinbar Sicherheit gebenden Zwangshandlungen durch ihren Alltag hangelt. Der Leser entwickelt dank der einfühlsamen Schilderungen des Autors viel Sympathie und Mitgefühl für Jule, insbesondere als sie im Laufe der Handlung von einem entsetzlichen Geschehen ins nächste katapultiert wird, dabei aber auch eine erstaunliche innere Entwicklung erfährt. Kommissar Lucas Prinz dagegen ist so eine Art Schimanski-Verschnitt, auch er im Leben mehrfach gescheitert, ein Nestbeschmutzer mit Schrottkarre. Dennoch gewinnt auch er zunehmend die Sympathie des Lesers, denn seine Handlungen werden letztlich von einer inneren moralischen Instanz bestimmt, die dem Leser Achtung abringt. Insgesamt überaus packend umgesetzt wird das Thema der Sehnsucht des Menschen nach ewiger Jugend, das nur noch übertroffen wird von der Gier nach Geld und Macht.
Fazit: Ein rundum gelungener, spannender-packender und perfekt durchkomponierter Thriller rund um ein zwar fiktives, aber dennoch brisantes Thema.
Rezensionen von dorli:
Das Pergament
Sündenkammer von Catherine Shepherd
Marseille. Bei Bauarbeiten werden unversehrte antike Amphoren entdeckt. Eines der Gefäße enthält eine Schriftrolle, deren Alter auf 2000 Jahre geschätzt wird. Die Keltologin Davina Martin bekommt den Auftrag, das Pergament zu übersetzen. Die Entzifferung des altgriechischen Textes hat eine rätselhafte Begleiterscheinung: Davina träumt nachts von einer jungen keltischen Frau - im Traum kann Davina am Leben der Fürstentochter Meduana teilhaben…
Davina macht im Verlauf der Handlung eine enorme Wandlung durch.
Zu Beginn der Geschichte ist sie ganz die nüchterne Wissenschaftlerin, doch ihre Träume werden für sie zu einschneidenden Erlebnissen, die sie ihre eigene Spiritualität entdecken lassen.
Davinas Träume sind auch die Verbindung zu dem zweiten Handlungsstrang, in dem Katja Brommund den Leser auf eine Zeitreise zu den Kelten während des Gallischen Krieges mitnimmt. Man lernt Meduana kennen, eine geweihte Priesterin und Kriegerin des Stammes der Carnuten. Meduana wird als einziges Kind des Fürsten Gobannix auf eine genauso abenteuerliche wie gefährliche Mission geschickt, die sie bis nach Rom führt…
Katja Brommund schildert Meduanas Wege sehr intensiv und äußerst detailreich. Historische Namen und Bezeichnungen machen die Geschichte sehr authentisch, aber für einen Laien auch schwer zu lesen. Ich musste oft Begriffe im Glossar nachschlagen, was meinen Lesefluss extrem gehemmt hat.
Rituale, Symbolik, Zeremonien, Visionen und Weissagungen – die Welt der Kelten ist vielfältig. Es gibt in diesem Roman Passagen, die mich begeistert haben, in denen ich mit Meduana mitgefiebert und Davina interessiert über die Schulter geschaut habe. Genauso gab es aber auch Abschnitte, in denen ich angesichts der vielen Details einfach den Faden verloren habe. Selbst wenn ich der Handlung gut folgen konnte, hatte ich immer wieder das Gefühl, nicht mittendrin im Geschehen zu sein. Mir haben der Schwung und auch die Spannung in der Geschichte gefehlt.
Man spürt auf jeder Seite, wie viel Recherchearbeit und Herzblut die Autorin in dieses Buch gesteckt hat. Für Leser, die bereits einige Kenntnisse über die Kelten haben und mit deren Strukturen vertraut sind, wird dieser Roman sicherlich zu einem spannenden Abenteuer - mich konnte „Das Pergament“ leider nicht so begeistern, wie ich es erhofft hatte.
Rezensionen von Gaby 2707:
Manche Dinge ändern sich nie
Und plötzlich Liebe von Myriam Klatt
Das sieht auch die 28-jährige „Maja“ Isabella Maria Agathe Böhm schlussendlich ein. Die Architekturstudentin wollte nur ein bisserl Geld nebenher verdienen. Nun verkauft sie, die unter Flugangst leidet und bei der sich alles nur um Beständigkeit dreht, als Angestellte in einem Reisebüro Abenteuerreisen.
Sie selbst ist bisher nur bis Titisee-Neustadt gekommen. Und das soll bitte auch so bleiben. Bis ihre hochschwangere Chefin Bettruhe verordnet bekommt und nicht selbst zu einem Vertragsabschluss nach Bolivien reisen kann. Da muss, ob sie will oder nicht, Maja ran. Dass da ihr Langzeitfreund Stephan, dessen Traum Richtung Patagonien geht, sauer ist, kann ich gut verstehen.
In diesem Roman geht es darum, sich selbst zu finden, sich seiner Wünsche und Träume bewusst zu werden. Und damit tut sich Maja anfangs sehr schwer. Immer alles jedem recht machen, alle Bedürfnisse befriedigen – nur nicht die eigenen. Es ist schön zu lesen, wie sich die Schranken in Majas Kopf langsam lösen und sie endlich mal an sich selbst denken kann.
Mir gefallen neben Maja und Stephan auch die anderen Personen in dieser Geschichte sehr gut. Da sind z.B. ihre Freundinnen: Übermutter Nadine mit ihren Zwillingen Ina und Ole und Katharina, die genau weiß, wie man Maja manipulieren kann und sie immer nur ausnutzt. Wer solche Freundinnen hat, braucht eigentlich keine Feinde. Aber auch Majas geschiedene Eltern, ihre Chefin Antonia in Berlin und Tour-Guide Nilo und Lara in Bolivien haben ihren ganz eigenen Charme und bereichern die Geschichte ungemein.
Maja ist eine junge Frau, der ich anfangs immer wieder einen Schubs aus ihrer Verklemmtheit, ihrer Verstocktheit und aus ihrer Liebenswürdigkeit geben wollte. Sie hat mir sehr gut gefallen, vielleicht weil sie so ganz anders ist wie ich. Vielleicht hat mir die Geschichte auch gerade aus diesem Grund so gut gefallen.
Mit einigen unerwarteten Wendungen kommt sogar eine gewisse Spannung in die Geschichte, in der es eigentlich um Liebe und deren Beständigkeit geht.
Mir hat diese Geschichte einige wunderbar leichte Lesestunden geschenkt.
Rezensionen von jiskett:
Trotz eines etwas schweren Einstiegs eine fesselnde Lektüre
Rheinblick von Glaser
Da mir schon "Bühlerhöhe" gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt auf "Rheinblick" und vor allem darauf, wie Glaser die politische Situation im Bonn des Jahres 1972 schildern würde. Die Koalitionsverhandlungen spielen für die Geschichte eine entscheidende Rolle und die Autorin stellt das Ringen um Macht, das Potential für Intrigen und die Frage, wem ein Politiker vertrauen kann, facettenreich und sehr lebendig dar, sodass es leicht ist, trotz der großen Anzahl an erwähnten Personen den Überblick zu behalten - zumindest, nachdem man sich eingelesen hat.
Zu Beginn hat es eine Weile gedauert, bevor die Erzählung mich richtig fesseln konnte; die Autorin stellt zunächst die wichtigsten Personen vor und dadurch bekommt man erst einmal kurze Einblicke in deren Leben. Dies war einerseits interessant, weil so schnell klar war, um wen und was es in dem Buch gehen würde, andererseits musste ich erst ein Gespür dafür bekommen, wer die Charaktere eigentlich sind.
Die Handlung selbst hat mir gefallen. Die einzelnen Handlungsstränge wurden gut verknüpft und reale Vorkommnisse wurden sehr geschickt mit Fiktion verbunden. So ist beispielsweise der Rheinblick, ein Dreh- und Angelpunkt des Romans, nur erfunden, doch er fügt sich problemlos in die politische Szene Bonns ein, sodass man glauben kann, dass sich dort viele wichtige Politiker versammeln und miteinander austauschen. Die Wirtin, Hilde Kessel, war eine vielschichtige Figur mit Ecken und Kanten und ich fand gut, wie sie mit der komplizierten Situation umgeht, in der sie sich plötzlich wiederfindet. Auch die anderen Charaktere waren gut ausgearbeitet, allerdings muss ich sagen, dass ich nicht mit allen etwas anfangen konnte und ich einige sympathischer fand als andere, weshalb ich ihre Kapitel besonders gerne gelesen habe. Durch die häufigen Perspektivenwechsel war es aber möglich, ein komplexes, umfassendes Bild der Situation und der damaligen Zeit zu schaffen.
Das Buch spielt in etwas mehr als zwei Wochen und in diesem Zeitraum passiert sehr viel, fast schon zu viel. Wie bereits erwähnt gibt es mehrere Handlungsstränge, die alle irgendwie in Verbindung stehen, doch neben der eigentlichen Geschichte gibt es noch unterschiedliche Nebenhandlungen, die alle mit einer gewissen Ausführlichkeit thematisiert werden. Dadurch wirkte "Rheinblick" teilweise ein wenig überladen, auch wenn ich die Schilderung immer gelungen und oftmals interessant, wenn nicht sogar spannend fand. Gerade das letzte Drittel war sehr fesselnd, da sich die Situation für einige Charaktere zugespitzt hat und die Protagonisten schwere Entscheidungen treffen mussten.
Insgesamt würde ich das Buch mit 4 Sternen bewerten. Die Erzählung hat meiner Meinung nach ein paar Schwachstellen, doch alles in allem fand ich die Schilderung der komplexen politischen Situation sehr spannend und durch die sehr unterschiedlichen Figuren bekommt man als Leser vielfältige Einblicke, was mir gut gefallen hat.









