Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Manfred Fürst:
Typischer Schwedenthriller
Zehn Stunden tot von Ahnhem
Schwedische Thriller sind aktuell „eigen“. Stefan Ahnhem folgt der Tradition seiner skandinavischen Autorenkollegen und wählt als einen seiner Aufhänger - zwar nicht das zentrale Thema - den neonationalistischen Rechtsradikalismus und die Pädophilie. In Schonen, Schauplatz des Thrillers, der südlichsten Provinz Schwedens ist für „Schwedendemokraten“ (SD) das Sammelbecken von Rechtradikalen und Neonazis.
Die SD hat in Schonen gesamtschwedisch den höchsten Stimmenanteil an dritter Stelle aller Parteien. In plakativer Überzeichnung stellt Ahnhem die Gesinnung der schwedischen Neonazis dar, fehlt nur noch das eine Argument der Fremdenfeindlichkeit, dass demnächst die Scharia über Schweden (und dann natürlich über ganz Europa) hereinbricht.
Davon, dass „10 Stunden tot“ der 4. Band in der „Fabian-Risk-Reihe” ist (und mir die ersten 3 Bände unbekannt sind) habe ich diesen Band „unbeeinflusst“ gelesen. Der 4. Band der „Fabian-Risk-Reihe” deutet direkt auf den Hauptprotagonisten Fabian Risk (Polizei Göteborg) hin, dessen dienstlichen und außerdienstlichen Ermittlungen, welche bei weitem spannender sind, hin. Diese Ermittlungen zum Tod von Inga Dahlberg (zweifelsfrei ist Molander der Mörder) und von Einar Stenson (Schwiegervater von Molander) gegen seinen Kollegen Molander bilden den roten Faden des Thrillers. Es obliegt dem einzelnen Leser zu bemängeln, dass diese Mordfälle unaufgeklärt bleiben und zu vermuten, die Fortschreibung der Ermittlungen im Band 5 sei eine Marketingmaßnahme.
Molander ist ein ebenso technisch versierter und brillanter Tatortermittler wie ein gefährlicher, gewalttätiger und skrupelloser Gegner für Risk. Dieser ist ihm hartnäckig auf der Spur, hoffentlich ist er clever genug, Molander zur Strecke zu bringen. Fabians Familie mit Sonja und den Kindern Matilda und Theodor ist familiären Spannungen und Zerreißproben ausgesetzt: Matilda, die traumatisierte Tochter „spielt“ mit Freundin Esmeralda OUIJA (Brett mit Alphabet und Ziffern, um mit Geistern Kontakt aufzunehmen) und ruft Geist GRETA an. Theodor ist Neonazimitläufer.
Der Buchtitel „10 Stunden tot“ bezieht sich auf die 10 Stunden, die Gertrud in Paris „abgehen“, die Zeit, die Molander für sein Alibi bräuchte.
Ikosaeder, ein Polyeder mit 20 gleichseitigen Dreiecken, ist das totbringende „Lieblingsspielzeug“ des Würfelmörders. Ein Psychopath, der ebenfalls im nächsten Band auf seine „Erlösung“ wartet. „MOTIV X“, der schwedische Originaltitel bezieht sich auf die nicht abgebildete 10 auf dem Ikosaeder, an dessen Stelle ist dort ein X abgebildet.
Es ist Sache des Lesers wegen dieser zwei ungelösten Stränge „Gram“ auf Ahnhem zu haben, weil man gezwungen sein könnte den 5. Band zu kaufen. Mich hat das Lesen und die vielen Stränge herausgefordert, einige Fälle wurden gelöst, die besagten zwei nicht. Ahnhem gibt es selbst zu, dass er manchmal die vielen Stränge entwirren musste. Ich fühle mich weder „bedrängt“, noch „gezwungen“ den 5. Band zu kaufen. Ich gestehe dem Autor zu, den Plot in seinem Sinne zu gestalten und maße mir nicht an, die Darstellung der Ermittlungsmethoden der schwedischen Polizei zu kritisieren oder schlauer zu sein als diese. Das nenne ich literarische Freiheit des Autors. Der Plot ist „vielgleisig“ wie auf dem Cover dargestellt, einige Gleise führen ans Ziel, bei den anderen muss man weiterfahren. Der Schreibstil ist in Ordnung, gut zu lesen, spannend, der Schluss überraschend versöhnlich was Familie Risk betrifft.
Kompliment an Lilja, sie fackelt die Neonazischeune ab und rächt sich damit für den Überfall.
Die Fangemeinde von Stefan Ahnhem wird jubeln und gespannt auf Band 5 der „Fabian-Risk-Reihe” warten.
Rezensionen von LEXI:
SOMETHING NEW – eine Modenschau der besonderen Art
Das Leben ist nie perfekt von Katie Ganshert
„Auf Ivy Clark. Ein schönes Gesicht. Ein toller Körper. Und ein leeres Herz.“
Ivy Clark arbeitet seit zehn Jahren als Model und wird von ihrem Onkel Bruce Olsen, New Yorks einflussreichsten Agenten, betreut. Doch Ivys Karriere befindet sich bereits auf dem absteigenden Ast. Als Bruce ein Angebot aus Greenbriar in South Carolina erhält, schickt er Ivy daher sofort in das kleine Inselstädtchen.
Ivy soll das neue Gesicht für elegante und ungewöhnliche Kreationen einer Boutique für Brautmodelkollektionen werden, die sich „Something New“ nennt. Doch bei der Auftraggeberin handelt es sich um Marilyn Olsen, die Witwe von Ivys leiblichem Vater James, der seine uneheliche Tochter zeitlebens abgelehnt hatte. Ivy ist gezwungen, sich der unangenehmen Situation zu stellen und legt ein distanziertes und professionelles Auftreten an den Tag. Doch in Greenbriar wird sie nicht nur mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, sondern darüber hinaus auch mit Menschen, die sich von ihrem wunderschönen Äußeren und ihrer glamourösen Fassade nicht blenden lassen. Ivy ist zutiefst verunsichert, denn niemand soll ihr verletztes Innerstes und die große Leere in ihr entdecken. Dass darüber hinaus der talentierte Modefotograf Davis Knight nicht auf Ivys Verführungskünste reagiert, sondern viel zu tief in ihr Innerstes blickt, verunsichert die junge Frau und wirft sie vollends aus der Bahn. Ihrem Glauben an Geld, Ruhm und Schönheit steht Davis‘ tiefer, unerschütterlicher Glaube an Gott, der nach und nach auch den Schutzwall um die verletzte junge Frau durchdringt. Wird dieser Auftrag Ivys Karriere wieder in Schwung bringen, oder sie endgültig beenden und sie der einzigen Perspektive berauben, die sie jemals zu haben glaubte?
Was angesichts des Coverfotos und der Beschreibung eine leichte Sommerlektüre vermuten lässt, entpuppte sich rasch als tiefgründiger Roman um die verletzte Seele eines Kindes, das väterliche Liebe vermissen und viel zu schnell erwachsen werden musste. Katie Ganshert beschreibt die steile Karriere eines jungen Mädchens, dessen perfektes Äußeres sie in der Modewelt rasch nach oben brachte. Sie beschreibt das Leben hinter den Kulissen und die Erkenntnis, dass Schönheit nur allzu vergänglich ist und keine echte Basis im Leben sein kann.
In Ivy Clark erschuf die Autorin eine Protagonistin, die ihr ganzes Leben lang vergeblich nach Liebe und Anerkennung rang und von ihrem Agenten und der Männerwelt stets als Objekt behandelt wurde. In eindrucksvollen Worten und in einem wunderschönen Schreibstil berichtet Katie Ganshert von James und Marilyn Olsen, die durch James Affäre mit einer anderen Frau unverhofft zu einem Kind kommen. Ein Kind, das James nicht anzunehmen, und schon gar nicht zu lieben vermag. Ivys tiefe seelische Verletzungen und ihre enttäuschte Hoffnung auf die Liebe ihres Vaters stehen Marilyns sanfte, aber hartnäckige Versuche entgegen, die Liebe dieses Kindes zu erringen.
In Davis Knight steht Ivy ein männlicher Protagonist zur Seite, der seinerseits eine schwere Last aus der Vergangenheit zu bewältigen hat. Davis gab nach einem schrecklichen Ereignis vor zwei Jahren seine größte Leidenschaft auf und beendete seine erfolgreiche Karriere als hoch begabter Modefotograf. Die Menschen in seinem Umfeld zweifeln jedoch an der Richtigkeit seiner Entscheidung. „Gott hat dir einen besonderen Blick für seine Schönheit geschenkt. Du siehst Dinge, die wir anderen nicht sehen. Das ist eine wichtige Gabe. Also halte die Augen offen. Fang Gottes Schönheit ein und zeige sie dann der Welt. Denn diese Welt leidet, Davis. Die Menschen sind orientierungslos und suchen nach etwas Besonderem. Gott will, dass du ihnen hilfst, es zu sehen.“
Die Autorin hat sowohl bei der Charakterzeichnung der handelnden Personen, als auch in der Darstellung ihrer Gedanken, Glaubenssätze und Emotionen ausgezeichnete Arbeit geleistet. In einfühlsamen Worten und in einem behutsamen Tempo erzählt Katie Ganshert ihre Geschichte, die durch zahlreiche liebenswerte Nebenfiguren bereichert wird. Mein Herz flog der kranken kleinen Twila Welch zu, deren größter Traum eine Modelkarriere darstellt. Jordan Ludd, der sich nach seiner großen Liebe verzehrt, galt meine Sympathie, und Davis Schwester Sara Knight meine Bewunderung. Die anziehende Persönlichkeit mit ihrer großen inneren Schönheit, ihrer Lebensfreude und ihrem Lächeln spielt eine nicht unwesentliche Rolle in dieser Geschichte. Meine Favoritin und ganz persönliche Protagonistin war jedoch Marilyn Olsen, die mit ihrer liebevollen sanften Art und ihrer großzügig verschenkten Zuneigung hartnäckig um Ivys Liebe kämpft und dabei niemals aufgibt. Marilyns Bestreben, das ungeliebte Mädchen zu einer geliebten Tochter zu machen, rührte mich an mancher Stelle zu Tränen.
Fazit: „Das Leben ist nie perfekt“ wartet mit einer zutiefst berührenden und tiefgründigen Geschichte auf, deren zentrale Themen Liebe und Vergebung darstellen. Verletzungen aus der Vergangenheit müssen bewältigt und überwunden, die Prioritäten der handelnden Figuren in deren Leben überdacht und neu gesetzt werden. Der Glaube durchdringt das gesamte Buch und offenbart sich in Gesprächen und Gebeten, wird vor allem jedoch durch das Vorleben christlicher Werte seitens der handelnden Figuren vermittelt. Dieser Roman weist alle Faktoren auf, die ich an christlichen Romanen so sehr schätze – und ich kann dieses wunderschöne Buch uneingeschränkt weiterempfehlen.
Rezensionen von S.:
Konrad irrte sich
Fünf Sterne für dich von Charlotte Lucas
„Geben Sie mir ein Produkt und ich schreibe die gewünschte Bewertung“, das ist Konrads Brötchenerwerb. Leider übertreibt er es, als er auf dem Elternabend in der Schule seiner Tochter deren Klassenlehrerin gering bewertet, sie als Mäuschen einstuft und das Pamphlet in ihre Hände fällt. Eigentlich fand Pia diesen Konrad ganz nett, aber nun sinnt sie auf Rache.
Schwierigkeiten für sie auch an anderer Front: Selbstzweifel an ihrer Eignung als Lehrerin, zumal ihre Klasse einen neuen Mitschüler mobbt und ihr Teamkollege alles andere als hilfreich ist. Warum verhält sich Konrad so eigenartig? Warum erzählt er seiner Ziehtochter Mathilda nicht, was mit ihrer Mutter geschah? Charlotte Lukas spricht eine Vielzahl an Problemen an, lässt ihre Helden Lösungen suchen ( und auch finden?), bezieht „Jugendsprech“ in Form von authentischen Klassenchats ein und beschreibt unterschiedlich sympathische Charaktere. Überkandidelte Schulmütter und eigenartige Direktoren bekommen ihr Fett weg. Genauso wie zynische Kollegen. Der Titel deutet es an: ein Happyend ist in Sicht! Locker und leicht zu lesen, schöne Urlaubslektüre.
Rezensionen von Gaby 2707:
Toni Stieglitz ermittelt wieder
Fünf Sterne für dich von Charlotte Lucas
München – Englischer Garten – hier sitzt auf den Stufen am Monopteros ein Mann – tot.
Matthias Krumbad, 43, Lehrer, hat angeblich junge Mädchen fotografiert. Daher das Wort „Drecksau“ eingeritzt in seiner Brust? Also ein Racheakt? Und was hat das alles mit den anonymen Hinweisen eines Unbekannten auf KO-Tropfen zu tun, die der Polizei zugespielt werden? Das soll Hauptkommissarin Toni Stieglitz zusammen mit ihrer Mannschaft herausfinden.
Dies ist schon der dritte Fall, den ich zusammen mit Toni Stieglitz und ihrem Team lösen darf. Dass die Geschichte auch wieder in München gesettet ist, hat für mich als Münchnerin nochmal einen ganz besonderen Reiz. Ich finde es toll, wenn ich mir bei den örtlichen Beschreibungen immer gleich ein klares Bild vor mein inneres Auge holen kann.
Auch dieser Fall ist von vorne bis hinten logisch aufgebaut. Die Ermittlungen, bei denen ich mich immer mittendrin fühle, gestalten sich anfangs etwas zäh. Ich war der Meinung, immer recht nah am Täter dran zu sein – was aber ein riesiger Irrtum war. Sehr gut gemacht, Frau Obermeier. Aufgelöst hat sich dann alles durch einige Wendungen doch etwas anders als vermutet. Wobei die ganze Szenerie logisch, schlüssig und zu meinem vollsten Verständnis aufgedröselt wurde.
Ich fand es auch diesmal wieder richtig spannend, nicht nur einem rätselhaften Fall zu folgen und mir meine eigenen Gedanken dazu machen zu können. Ich finde es immer wieder spannend, wie Toni Stieglitz mit ihrem Team die einzelnen kleinsten Puzzleteilchen zu einem schlüssigen Bild zusammensetzt. Auch das Toni manchmal nicht an das so Offensichtliche glaubt, rechne ich ihr hoch an. Sie hat damit auch hier mal ihre exzellente Spürnase bewiesen.
Die Betrachtungen im Nachwort finde ich sehr interessant. Hier habe ich einiges gefunden, was ich noch nicht wusste.
Außer dem Ermittlerteam, das ich ja schon kenne, gibt es auch hier wieder viele weitere Personen, die den Fall erst richtig zum Leben erwecken. Auch hier finde ich die meisten mit ihren Charakteren menschlich, wenn auch nicht immer sympathisch, gut vorstellbar gezeichnet. Ganz besonders in Herz geschlossen habe ich Regina Lerchl und ihre Tochter Leonie, die zum Schluss noch eine ganz besonders positive Nachricht bekommen.
Auch der dritte Fall für Toni Stieglitz hat mir wieder sehr spannende, interessante und unterhaltsame Lesestunden beschert. Vor allem mit wenig Blutvergießen. Ich hoffe, dass es bald weitergeht!
Rezensionen von heinoko:
Interessante Familiensaga, suboptimal umgesetzt
Fünf Sterne für dich von Charlotte Lucas
Soeben habe ich das Buch zu Ende gelesen – aber was schreibe ich nun? Ich bin ratlos. Da ist zum einen dieses unsäglich missglückte, fast lächerlich wirkende Cover, bei dem ein Hamburger Gebäude einer gepflegten alten Frau aus dem Kopf wächst. Klar, die Symbolik habe ich schon verstanden, Verbundenheit zur Stadt Hamburg, die Firma steht über allem.
Aber ein Cover soll Kaufimpulse auslösen, nicht Kopfschütteln.
Worum geht es im Buch? Hamburg 1991 – die Zeit der deutschen Wiedervereinigung und des immer stärker werdenden Konkurrenzkampfes. Adele Bartelsen ist Chefin und Haupteigentümerin tausender BEST-KAUF-Supermärkte. Sie möchte dieses Erbe an ihre Söhne übergeben, doch sowohl Konstantin als auch Gero halten sich aus den Firmengeschäften heraus. Claus, der Älteste, fühlt sich von der Mutter nicht wertgeschätzt und konkurriert stark mit seinem Bruder Hans. Ein scheinbar lukratives Immobiliengeschäft wird an Claus herangetragen, und er sieht darin eine einmalige Chance, sich endgültig zu profilieren und die Achtung aller zu erringen…
Eine Trilogie soll es werden. Viel Arbeit für den Autor, der aufgrund familiärer Verbindung zu einem Gründer der SPAR Supermarkt-Kette zu dieser Aufgabe inspiriert wurde. Mit Sicherheit hat Kai Lüdders sorgfältig und fleißig recherchiert, nicht nur was das Wirtschaftsleben in Deutschland bis 1991 betrifft. In locker eingestreuten Rückblicken erfährt man auch von der Zerstörung Hamburgs im Zweiten Weltkrieg. Das ist zweifelsfrei interessant und lesenswert. Und trotzdem lässt mich das Buch ratlos zurück. Da sind z. B. die von sehr lockerer Hand eingestreuten Zeitsprünge: 1992, 1943, 1991, 1989 – das alles bereits auf den ersten 40 Seiten! Oder die Cliffhanger… Mir kommt es so vor, als habe der Autor die „Tricks“ der erfolgreichen Thriller-Autoren abgeschaut und dabei vergessen, dass sein Buch die Geschichte einer Kaufmannsfamilie ist, also ein Familienroman, der einer weitgehend linearen Erzählweise bedarf. Der Leser wird sowieso schon sehr gefordert durch die ausschweifenden wirtschaftstheoretischen Einschübe, durch die sehr, sehr breit ausgewalzten Gedankengänge mancher Protagonisten, durch die ermüdenden Wiederholungen. Zum Beispiel genügt es dem Leser, einmal zu lesen, dass Konni ein Freigeist ist und der Kunst zugetan. Und es genügt, einmal die aufrechte Haltung Adeles zu beschreiben. Es braucht keine vielfachen Wiederholungen, es braucht keine Verwirrung durch wahllos eingestreute Zeitsprünge. Und, ach ja, immer ist die Mutter schuld, bei den Bartelsen, bei Broderson. Selbst bei Eggemeyer ist Adele schuld. Nein, lieber Autor, so einfach sind Menschen nicht gestrickt.
Fazit: Ein interessanter Plot, suboptimal umgesetzt.
Rezensionen von Emmmbeee:
Kinderwunsch und seine Folgen
Das wilde Leben der Cheri Matzner von Tracy Barone
Miriam und Cici: zwei Frauen, die zur selben Zeit entbinden. Doch die Minderjährige sieht sich als Mutter überfordert und verschwindet gleich nach der Geburt. Währenddessen verliert die italienische Ehefrau des fürsorglichen Solomon ihr Wunschkind und wird auch zukünftig keines mehr bekommen können.
Sol ist verzweifelt und entschliesst sich zu einem barmherzigen Schritt, um Cici aus ihrer Depression zu befreien. Durch die Adoption des mutterlosen Töchterchens von Miriam muss sie nun doch nicht ohne Baby bleiben, und Cheri hat liebevolle Eltern erhalten. Das Kind wächst behütet auf, ist trotzdem tief unglücklich und fühlt sich nirgends zugehörig, bis sein rebellisches Wesen sich endlich entfalten kann und das Mädchen zu einer Frau wird, deren Entwicklung mehr als nur überraschend verläuft.
Besonders die weiblichen Figuren haben sehr unterschiedliche Erwartungen an das Leben. Doch was wird schlussendlich daraus? Eine weitere grosse Frage durchzieht das Buch: Wo bin ich zu Hause, wo gehöre ich eigentlich hin? Doch das nun in gute Bahnen gelenkte Leben der Familie verläuft keineswegs glatt, und meine Sympathien für die einzelnen Figuren haben beim Lesen mehrfach gewechselt. Und was den Kinderwunsch betrifft, so ist das Thema nach den ersten Kapiteln keineswegs abgeschlossen. Die Zeitebenen liegen teils viele Jahre auseinander. Und "wild", naja, wild ist Cheris Leben eigentlich nicht, eher turbulent.
Tracy Barone hat in ihrem Erstlingsroman bereits viele Register gezogen, um bei den Lesern gut angekommen. Ein durchgehender Spannungsbogen, eine süffige, erfrischende Sprache, dazu der passende Schreibstil und viele verblüffende Wendungen könnten den Roman zu einem Bestseller machen. Das Coverbild ist den Gemälden von Roy Lichtenstein nachempfunden, was gut zum Inhalt passt.
Ich finde, es ist eine atemlos geschilderte Familiengeschichte, die nach einer Fortsetzung ruft. Empfehlenswert für alle, die immer neue Stories lesen wollen.
Rezensionen von *RC*:
Auf die Brote, fertig, los
Kunstgeschichte als Brotbelag von Marie Sophie Hingst
Ein Buch, das Kunst mit Brotgenuss verbindet. Kunst mit Biss, die man mit gutem Gewissen vernichten darf, weil sie zum Genießen is(s)t...
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Wie aus der Sommerlaune #KunstGeschichteAlsBrotbelag der Autorin Hingst ein geschmackvolles kleines BrotKunstBilderBuch wurde.....
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„Unser tägliches Brot gib uns heute....“, heißt es im Vaterunser-Gebet, und es zeigt die Bedeutung dieses Grundnahrungsmittel in unserem Speiseplan. Aber auch wenn es alltäglich ist, ist Brot dennoch was Besonderes. Dies erweist sich dadurch, dass es hierzulande über 3200 Brotsorten gibt.
Vor einem knappen Jahr – Juli 2018 – hatte Hingst die Idee, Brot künstlerisch zu huldigen und stellte eine Scheibe Brot ins Internet, die belegt war wie ein Bild des Künstlers Piet Mondrian (klassische Moderne). Die Resonanz war unerwartet groß. Und innerhalb kürzester Zeit stellten viele User ihre essbaren, farbenfrohe Brotkunstwerke ins Netz. Nicht nur Bilder, auch Plastiken wurden als vergängliche Kunst präsentiert und immer mehr Hobbykünstler zum Mitmachen animiert.
Animieren, ja das soll dieses kleine, handliche Hardcover-Buch mit seinen gut 100 Seiten. Hier wird auf jeweils einer Doppelseite einem Kunstwerk Platz eingeräumt. Auf der linken Seite sieht man das Original und auf der rechten ist das Brotwerk zu sehen. Manchmal erkennt man sofort am Kunstwerk, wer Pate gestanden ist, manchmal bedarf es viel Fantasie, das Original darin wieder zu erkennen. Aber das ist ja auch die künstlerische Freiheit bei der Interpretation.
Im Buch findet man Kunstwerke aus sämtlichen Epochen und Stilrichtungen, sehr bekannte Künstler mit seinen Meisterwerken (Vincent van Gogh, Joseph Boys, Paul Klee, Leonardo da Vinci, Claude Monet, Albrecht Dürer, Jan Vermeer, Franz Marc, Gabriele Münter etc. ) aber auch eher [mir] unbekannte Werke sind zu sehen und zu bestaunen.
Mir hat das Buch – aber vor allem die Idee die dahinter steckt – gut gefallen. Man erfährt im Vorwort einiges zur Brotgeschichte und die Bedeutung des Brotes sowie zu Entstehungsgeschichte dieses Büchleins. Ich hätte mir einerseits vielleicht etwas mehr Infos zu den „Kunst-Stullen“ gewünscht, aber andererseits Seite hätte mehr Text die Wirkung der Bilder ge- oder sogar zerstört.
Das Buch ist ein gelungenes Bilderbuch - einfach nur zum Anschauen, Entspannen und Staunen. Es ist auch ein ideales Verschenk-Buch, da es in meinen Augen etwas Außergewöhnliches und Innovatives hat. Man kann viel sehen, muss aber nicht alles verstehen! Bei soviel Kreativität kann man sich echt eine Scheibe abschneiden – und vielleicht mal sich selber oder einem lieben Menschen eine schmieren.
Das Auge isst ja mit - Guten Appetit!
4 Sterne ★ ★ ★ ★
Rezensionen von niknak:
Eine Liebe die alles übersteht
Suddenly Forbidden von Ella Fields
Inhalt:
(Klappentext)
Ich dachte, er würde für immer zu mir gehören, selbst als wir gezwungen waren uns zu trennen. Wir hätten einander festhalten sollen, aber es ist trotzdem passiert.
Schade, dass ich nicht ahnte, dass jemand anderes nur darauf wartete meinen Platz einzunehmen. Sonst hätte ich niemals losgelassen.
Zwei Jahre später sind wir genau dort, wo wir geplant hatten zu sein. Ich habe mein Versprechen gehalten. Er hat es einfach vergessen.
Er hat nicht nur jemand neuen gefunden, sondern diese Neue ist meine ehemalige beste Freundin.
Und ich beginne das College mit gebrochenem Herzen.
Wahrscheinlich sollte jetzt der Part kommen, in dem ich euch erzähle, wie ein anderer toller Typ auftaucht und die Scherben meines Lebens aufsammelt und wieder zusammensetzt. Einer, der mich wieder zum Lachen bringt.
Aber das hier ist nicht diese Art von Geschichte.
Mein Herz mag gebrochen sein. Aber es weigert sich, ihn nicht mehr zu lieben.
Mein Kommentar:
Dies ist mein erstes Buch der Autorin und mich hat ihr Schreibstil sofort überzeugt. Er ist locker und frech, aber auch sehr gefühlvoll und leidenschaftlich.
Suddenly forbidden ist der erste Band einer Reihe. Man lernt bereits alle Protagonisten der nächsten Bücher kennen und auch schon lieben. Ich freue mich schon darauf, die nächsten Teile zu lesen.
Gerade am Anfang der Geschichte teilt sich die Handlung auf. Jedes zweite Kapitel spielt in der Vergangenheit. Dadurch erfährt man sehr viel von den beiden Protagonisten. Man erlebt die prägensten Momente ihrer Kindheit, bishin zu ihrer Trennung. Ab diesen Zeitpunkt spielt die Geschichte nur noch in der Gegenwart. Das Buch ist aus den Ich-Perspektiven von Daisy und Quinn geschrieben.
Die Charaktere sind schön ausgearbeitet und man hat das Gefühl, dass hinter jeder Person so viel mehr steckt. Gerade auch deswegen freue ich mich schon auf die weiteren Bände dieser Reihe, um die Geschichten der anderen Personen zu erfahren.
Daisy Daniels ist eine sehr leidenschaftliche und gefühlvolle Persönlichkeit. Sie ist eine Künstlerin, die in ihren Zeichnungen ihre gesamte Gefühlswelt ausdrückt. Sie hält an einem Versprechen fest, dass Quinn und sie sich im Grundschulalter gegeben haben.
Quinn Burnell spielt American Football. Sein Ziel ist es kurzzeitig in der NFL zu spielen, ehe er in die Farm seines Vaters einsteigt. Er ist ehrgeizig, aber Football ist nicht das wichtigste in seinem Leben.
Die Beziehung der beiden ist wirklich unglaublich schön. Sie sind Nachbarn und die allerbesten Freunde. Bereits in der Grundschule stellt Quinn fest, dass er Daisy heiraten wird, wenn sie groß sind. Die beiden verbindet unglaublich nicht, sie sind wahrlich Seelenverwandt. Sie können nicht ohne einander.
Es kommt immer wieder zu erotischen Szenen zwischen Daisy und Quinn. Diese sind sehr liebevoll und gefühlvoll geschrieben.
Mein Fazit:
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich freue mich darauf die folgenden Bücher der Reihe zu lesen. Ich kann jedem dieses Buch ans Herz legen, der herzergreifende, gefühlvolle und atemberaubende Liebesgeschichten mag.
Ganz liebe Grüße,
Niknak
Rezensionen von Petra Sch.:
Spionagethriller mit Längen
Schatten der Toten von Herrmann Elisabeth
Kurz zum Inhalt:
Judith Kepler arbeitet in Berlin als Tatortreinigerin. Es passiert plötzlich einiges, das ihr Leben auf den Kopf stellt: Ihr Chef liegt im Krankenhaus und möchte, dass sie die Führung übernimmt. Die Halbwaise Tabea, die ihr sehr am Herzen liegt, ist ebenfalls im Krankenhaus und Judith kann ihren Vater nicht erreichen.
Und dann ist das noch Isa Kellermann, eine Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes, die den ehemaligen Spion Bastide Larcan um jeden Preis fassen möchte - dieser ist jedoch Judiths Vater und hält sich derzeit in Odessa auf.
Soll Judith die Vergangenheit ruhen lassen oder ebenfalls nach Odessa reisen?
Meine Meinung:
"Schatten der Toten" ist der dritte Teil um die Tatortreinigerin Judith Kepler. Die Geschichte ist jedoch in sich geschlossen und kann eigenständig gelesen werden. Alle Infos aus dem Vorgängerband werden genauestens beschrieben, da sie für die Geschichte wichtig sind.
Leider war mir aufgrund des Klappentextes nicht bewusst, dass diese ganze Spionagesache so detailliert dargelegt wird. Ich lese zwar immer wieder mal gerne Spionagegeschichten, aber dabei muss es nicht so derart ins Detail gehen. Teilweise war es mir auch zu verworren und ich habe auch nicht alle Zusammenhänge gleich verstanden.
Außerdem hätte man das Buch gut und gern um ein Drittel kürzen können, was auch der Spannung zugute gekommen wäre. Denn diese ausufernden Stasi-und-Geheimdienst-Beschreibungen haben mich oft aus dem Lesefluss gebracht und waren langatmig und zäh.
Auch hätte ich mir gerne gewünscht, mehr über die Arbeit einer Tatortreinigerin zu erfahren; das ging in diesem Buch leider total unter.
Das letzte Drittel des Buches hat mir dann jedoch gefallen, es wurde rasant (die geplante Operation des deutschen Verfassungsschutzes in Odessa) und dramatisch (das schreckliche und grausame Verhalten des ukrainischen Milliardärs Oleg Nikiforov).
Aus der Danksagung der Autorin hätte ich herausgelesen, dass dies der letzte Band um Judith Kepler ist. An und für sich wäre auch alles gut abgeschlossen - doch hat es sich die Autorin nicht nehmen lassen, doch noch etwas einzubauen, das die Geschichte weiterlaufen lassen könnte... Ich bin gespannt, ob es noch einen weiteren Band geben wird.
Das Cover ist eher unscheinbar - sollen die Stufen an die Potemkinsche Treppe in Odessa erinnern, die eine Bedeutung für die Geschichte hat?
Fazit:
Ein etwas anderer Spionagethriller; leider mit zähen Längen in der Mitte, aber einem spannenden Finale.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Zwischen Kultur, Politik und Pastis
Provenzalisches Feuer von Sophie Bonnet
Dieser vierte Fall für Pierre Durand taucht tief ein in die Geschichte der Provence. Ein provenzalisches Feuer wütet, still und leise in den Köpfen einiger Okzitanien-Fans. Doch geht es hier tatsächlich darum, dass einige Menschen sich eine eigenständige Kultur wünschen oder um etwas ganz anderes?
Vielleicht hätte Journalist Maxim Sachet mehr gewusst, doch beim jährlichen Saint-Jean-Fest wird Maxim ermordet und da stellt sich natürlich die Frage, an welcher Geschichte er dran war.
Hat sein Tod etwas mit der okzitanischen Musikszene zu tun oder dem angeblichen Selbstmord eines Schriftstellers vor über vier Jahren?
Dieser wollte Bücher über das Leben in Sainte-Valérie schreiben. Für die einen hätte das mehr Tourismus und mehr Geld bedeutet, für die anderen mehr Tourismus und das Verlieren des dörflichen Lebens. Die meisten wollten nicht, dass über sie geschrieben wird und vielleicht sogar ihre Geheimnisse öffentlich werden. Die Dorfbewohner schweigen, auch der alte Polizist, dessen Stelle Pierre Durand übernahm.
Es ist ein verzwickter Fall für Pierre Durand und seine Kollegen. Zwischen Kultur, Politik und Pastis geht er gründlich jeder Spur nach, muss sich sogar von Madame Duprais chauffieren lassen, aber am Ende löst er das fast perfekte Verbrechen.
Fazit: Spannender vierter Fall für Pierre Durand, bei dem man einiges über die okzitanische Kultur erfährt.
5 Punkte.









