Kunden em pfehlungen
Rezensionen von KimVi:
Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint
The Other Couple - Böses Erwachen von Naughton Sarah J.
Asha schwebt im siebten Himmel, denn sie hat ihren Traummann gefunden und geheiratet. Oliver sieht gut aus, trägt sie auf Händen und ist außerdem in seinem Job so erfolgreich, dass er äußerst vermögend ist. Doch bereits auf der Hochzeitsfeier beschleicht Asha das Gefühl, dass Oliver Geheimnisse vor ihr hat.
Er verhält sich seltsam distanziert. Asha schiebt das auf den immensen Stress, unter dem Oliver steht und hofft, dass die luxuriösen Flitterwochen, die die beiden in einem Resort in Vietnam verbringen, dafür sorgen, dass die Spannungen zwischen ihnen nachlassen. Doch alles kommt ganz anders als gedacht, denn Asha erwacht in diesen Flitterwochen im Krankenhaus. Oliver ist tot und Asha kann sich an nichts erinnern! Was ist passiert?
Die Geschichte um Asha und Oliver wird in unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Dabei betrachtet man abwechselnd die Hochzeitsfeier der beiden, die Flitterwochen in Vietnam und die Ereignisse nach Olivers Tod. Der Einstieg ins Geschehen gelingt mühelos, denn die Autorin schafft es vom ersten Moment an, eine beklemmende Atmosphäre heraufzubeschwören, die in jedem einzelnen Handlungsstrang spürbar ist. Da die Wechsel der Handlungsstränge oft mit Cliffhangern verbunden sind, gerät man bereits früh in den Sog der Ereignisse, da man unbedingt erfahren möchte, was passiert ist und warum es überhaupt dazu gekommen ist.
Man hat beim Lesen das Gefühl, dass die beiden sich wirklich lieben. Doch dann sorgen Kleinigkeiten dafür, dass man sich nicht sicher ist. Und wenn sich dieses Gefühl einmal eingeschlichen hat, dann ist man hin- und hergerissen. Man weiß nicht, was man glauben soll und wem man hier vertrauen kann. Ist es tatsächlich alles so, wie Asha es schildert oder ist man durch die eingeschränkte Perspektive beeinflusst? Gibt es die Bedrohungen von außerhalb überhaupt oder ist Asha paranoid? Diese Zweifel sorgen dafür, dass man ganz in die beklemmende Atmosphäre und die damit verbundene unterschwellige Spannung eintauchen kann.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Handlungsorte und Charaktere werden so lebendig beschrieben, dass man sich alles mühelos vorstellen kann. Gemeinsam mit Asha macht man sich auf die Suche nach der Wahrheit. Dabei kommt es zu einigen Überraschungen, sodass man beinahe bis zum Schluss im Dunkeln tappt und die beklemmende Atmosphäre genießen kann.
Ich habe die bedrohliche Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Seite genossen. Denn dadurch bin ich früh in den Sog der Ereignisse geraten und mochte das Buch erst aus der Hand legen, als ich am Ende angekommen war. Ich habe beim Lesen eigene Überlegungen angestellt, die ich, durch die überraschenden Wendungen, immer wieder über den Haufen werfen musste, um neu anzusetzen. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Rezensionen von heinoko:
Hühnersuppe für die Seele
Vom Zauber der Freundschaft von Irmtraud Tarr
„Hühnersuppe für die Seele“ – diese Kapitelüberschrift beschreibt auf perfekte Weise das vorliegende Buch. Es ist ein Kleinod, das es verdient, Satz für Satz, sozusagen löffelweise, verinnerlicht zu werden, es zu genießen und zu spüren, wie sich seine stärkende Kraft im Inneren ausbreitet.
Die Autorin, sowohl als Lehrtherapeutin als auch als Konzertorganistin vielseitig das Leben betrachtend, lässt uns teilhaben an den vielfältigen Formen der Freundschaft. Der Verlag beschreibt den Inhalt so: „Es gibt viele Arten von Beziehungen, doch wirkliche Freunde sind etwas ganz Besonderes. Sie schaffen Vertrauen, geben Sicherheit und schützen uns, besonders dann, wenn das Leben hart zupackt. Mit ihnen reden wir über Dinge, die uns tief im Inneren beschäftigen, und mit ihnen genießen wir im besten Fall sogar die Fähigkeit des gemeinsamen Schweigens. Freunde wirken sich nachweislich positiv auf die Lebensqualität aus und sind die beste Medizin gegen Einsamkeit…“
Das Buch ist nicht nur eine Seelenwärmflasche, es ist auch ein kluges Buch. Nicht nur wissensklug und lebensklug, sondern auch und vor allem herzensklug. Ein Buch, das man reichlich verschenken möchte – an Freunde, mit vielen Unterstreichungen, oder an Menschen, die keine Freunde sind, auch mit vielen Unterstreichungen… Es betrachtet aus vielen verschiedenen Blickwinkeln das Thema Freundschaft. Die Autorin setzt in diesem Buch auch ihren persönlichen Freunden ein Denkmal. Und das sind sehr individuelle Denkmäler, analysierend, reflektierend, immer wohlwollend-warmherzig, auch bei schwierigen Entwicklungen. Jeder einzelne Satz ist durch-dacht, durch-fühlt. Und anhand dieser privaten Geschichten verstehen wir intuitiv, was Freundschaft wirklich ist: gezeigte Wertschätzung. Der Jung’sche Begriff des „Schatten“, also dessen, was man (auch) ist, aber keinesfalls sein will, was wir als schweren Sack mit uns schleppen, nicht wahrhaben wollen, wirkt meist unbewusst in unsere Freundschaften hinein. Ein Glücksfall, wenn es uns gelingt, mit Freunden über solche Aspekte zu sprechen, in Ehrlichkeit unseren Projektionen auf die Spur zu kommen. Und so wichtig: Älterwerden schützt nicht vor neuen Freundschaften – im Gegenteil, neue Freundschaften schützen vor dem Älterwerden. Deshalb nicht aufhören, einander Lebenszeit zu schenken, denn das ist das wertvollste Freundschaftsgut. Und sich ernst zu nehmen, ohne sich zu wichtig zu nehmen, auch das lehren gute Freunde. Und noch vieles mehr. Wie dieses Buch.
Rezensionen von Harakiri:
Mit Elisa und Marisol auf Kuba
Nächstes Jahr in Havanna von Chanel Cleeton
Marisol soll im Jahr 2017 den Wunsch ihrer Großmutter Elisa erfüllen, nach der Flucht im Jahre 1959, wieder in ihre Heimat Havanna zurückzukehren. Doch Kuba ist immer noch sehr unruhig und so gerät sie auf den Nachforschungen nach ihrer Familiengeschichte in Gefahr. Nicht zuletzt durch Luis, der bereits vom Geheimdienst überwacht wird.
Eigentlich eine schöne Familiengeschichte – wenn da nicht zu viel Politik mithineinspielen würde. Der Hintergrund Kuba ist total schön, ich habe es sehr schön gefunden, von den Familien und der Umgebung zu lesen. Dass es in Kuba heute noch so schlimm zugeht, wusste ich nicht, fand das aber durchaus auch sehr interessant. Allerdings war die Handlung von den politischen Einschüben doch teilweise etwas zäh gestaltet und die Umsetzung hätte ich mir etwas flüssiger erhofft.
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, Elisas Suche nach ihrem Vater, dazu die Briefe und Sichtweise ihrer Großmutter aus dem Jahr 1959 und ihre Liebe zu Pablo. Die Liebesgeschichten zwischen Elisa und Marisol weisen durchaus gewisse Parallelen auf, was durch die zweigleisige Handlungsebene noch mehr verdeutlicht wird. Sehr schön fand ich auch die Beschreibungen der Landschaft. Die machten richtig Lust auf Urlaub in Kuba.
„Nächstes Jahr in Havanna“ ist Teil 1 der zweibändigen Kuba-Saga. Am 09. Dezember 2019 erscheint mit „Wir träumten von Kuba“ ein zweiter Teil. Hier erfährt man wohl, was es mit Beatrix rätselhafter Aussage in diesem Band „ich wollte Fidel töten“ auf sich hat und ich wäre da gerne wieder mit auf Reisen.
Rezensionen von rewareni:
Einfach Liebe
Nächstes Jahr in Havanna von Chanel Cleeton
Was verbindet man wohl mit dem Begriff ,,abgeranzte Liebe``? Diese Frage haben sich sechs Autorinnen und ein Autor in der Anthologie ,, Abgeranzte Liebe´´ gestellt und bieten dabei dem Leser 12 Kurzgeschichten, die von tiefgründig und emotional bis traurig und hoffnungsvoll reichen.
Alle Mitwirkenden haben einen tollen Schreibstil und jeder beschreibt in seiner Geschichte sehr schön und auch intensiv die Gefühle ihrer Protagonisten.
Ich möchte zwei Geschichten stellvertretend für alle anderen herausnehmen, weil wirklich alle gut waren.
,,Heißes Fett´´ von Sarah Stano erzählt die Geschichte von hart arbeitenden Menschen auf einem Hof, die ihre Hoffnung auf ihren einzigen Sohn legen, dass er einmal das Familienunternehmen übernimmt. Was passiert aber, wenn sich die Wünsche und Bedürfnisse voneinader unterscheiden und man schmerzhaft erfährt, dass man gewisse Dinge jemanden nicht mehr sagen kann weil es zu spät ist.
,,Plan B´´ von Susanne Pawlik ist eine berührende, traurige, aber trotzdem wunderschöne Geschichte, wie zwei Menschen in einer schwierigen Situation zusammenhalten und versuchen ihr Leben, trotz eines schweren Verlustes, in den Griff zu bekommen.
Alle Geschichten sind sehr intensiv geschrieben und liebevolle Details, die eine Szene beschreiben, lassen im Kopfkino wunderschöne Bilder entstehen. Man hat das Gefühl, dass man Gerüche aus der Küche riecht, dass man die Schönheit der Natur sieht und dass man die seelischen Schmerzen der Protagonisten auch spürt.
Egal ob heimliche und unerfüllte Liebe im Raum steht oder durch Alkoholeinfluss eine Seelenverwandtschaft gesucht wird, immer steht ein Mensch im Mittelpunkt, der man durchaus selbst sein kann, ein Familienmitglied oder ein Freund.
Die beiden Herausgeberinnen und auch Autorinnen in dem Buch Helen Klaus und Sarah Stano, haben gemeinsam mit den anderen AutorInnen eine Vielfalt an Geschichten aufgezeigt, wie facettenreich mit dem Thema Liebe umgegangen werden kann. Am Ende findet man von jedem eine kurze Autoreninformation, was ich sehr nett finde.
Ein gelungenes Projekt von jungen NachwuchsautorInnen, wo man schon gespannt sein kann auf die nächste Anthologie.
Rezensionen von Gaby 2707:
Ein spannender Blick zurück...
Unbarmherzig (Ein Gina-Angelucci-Krimi 2) von Inge Löhnig
Zwei Jahre Elternzeit , die sie mit ihrer kleinen Tochter Chiara verbracht hat, sind für Gina Angelucci vorbei. Nur bleibt ihr Mann Kommissar Konstantin „Tino“ Dühnfort zuhause und probiert sich an Hausarbeit und Vaterpflichten aus. Gina kehrt an ihren alten Arbeitsplatz zu den ungelösten Fällen bei der Münchner Kripo zurück.
Als in dem kleinen Dort Altbruck nördlich von München menschliche Knochen gefunden werden, erwacht ihr Ehrgeiz und sie will den Toten einen Namen und den Angehörigen Klarheit über ihre Vermissten geben.
Dies ist der zweite Fall, in dem sich Inge Löhnig der Partnerin meines Lieblingsermittlers gewidmet hat. Ich habe Gina, als ich sie kennengelernt habe, sofort ins Herz geschlossen und habe mich sehr gefreut, hier mit ihr auf Ermittlungstour gehen zu dürfen. Trotz aller Widerstände gelingt es der beharrlichen und ehrgeizigen Ermittlerin den gefundenen Knochen ein „Gesicht“ und einen Namen zu geben. Die Angehörigen haben nun endlich Gewissheit über den Verbleib ihrer Liebsten.
Auf zwei Zeitebenen, einmal im Hier und jetzt, einmal 1944 kurz vor Kriegsende – diese Kapitel sind in kursiv dargestellt - bei den Zwangsarbeitern einer Munitionsfabrik im Norden von München, begegne ich in dem kleinen Ort Altbruck Menschen, die bis heute ihre nationalistische Gesinnung nicht abgelegt haben. Gekonnt verwebt die Autorin ihre sehr guten Recherchen zu Zwangsrekrutierungen von osteuropäischen Arbeitskräften mit den Problemen zweier heute noch zerstrittenen Familien. Sehr berührt hat mich Ginas Besuch in Lettland. Aber dazu will ich hier nicht mehr verraten.
In diesem Krimi geht es sehr ruhig zu, was aber nicht heißt, dass er nicht spannend ist. Ich fand es sehr spannend zu lesen, was die Gerichtsmedizin aus über 90 Jahre alten Knochen alles heraus finden kann. Ich fand es spannend zu lesen, wie Gina ein kleines Puzzlestückchen nach dem anderen findet und die Teile dann auch noch richtig zusammen setzen kann. Die Spannung ist hintergründig immer präsent und hat mich festgehalten.
Die Menschen, die hier mitspielen, haben teilweise noch Erinnerungen an die damalige Zeit, sperren diese aber in sich ein. Sie wirken durch ihre Gefühle und Gedanken, die hier sehr klar beschrieben werden, menschlich, nahbar und ich kann mich gut in sie hinein versetzen.
Gina und Tino haben aber auch ihre privaten Probleme. Hier hin Form einer Stalkerin, die das Glück der Beiden bedroht. Und dann ist da die Frage: soll Chiara in die Kinderkrippe oder soll man sie selbst betreuen bis sie in den Kindergarten kommt. Der fast normale Alltag eines jungen Elternpaares mit einer kleinen behinderten Tochter.
Da der Fall in sich abgeschlossen ist, kann er auch ohne Kenntnis des Vorgängerbuches gelesen werden. Es macht nur noch mehr Spaß, wenn man einige der Protagonisten schon kennt und ihren Weg bis hierher verfolgt hat.
Inge Löhnig hat mir mal wieder einen Krimi vorgelegt, bei dem es schwer ist, das Buch aus der Hand zu legen. Spannend, sehr gut recherchiert, interessant, unterhaltsam – genau so wie ich mir eine gute Geschichte vorstelle. Meine absolute Leseempfehlung!
Rezensionen von Pink Anemone:
Völlig anders als erwartet und dennoch interessant, ergreifend und vor allem informativ.
Die Menschheit hat den Verstand verloren von Lindgren Astrid
"Im Augenblick herrscht Verdunkelung in der Stadt, und es ist tausend Mal schlimmer als beim letzten Mal, denn da glaubte man ja nicht, dass es jemals ernst werden würde."
(1940 - S. 49)
Astrid Lindgren begleitete mich schon als Kind mit ihren Büchern. Doch nicht Pippi Langstrumpf war meine Lieblingsfigur und Heldin, auch nicht Madita oder der kleine Michl.
Zu meinen Lieblingen zählte damals Ronja Räubertochter. Vermutlich weil ich mich mit diesem Wildfang am ehesten identifizieren konnte.
Diese Autorin schuf wunderbare Kinderbücher mit starken und eigenwilligen Kinder- und vor allem Mädchenfiguren. Mädchen mit eigenen und starken Persönlichkeiten und die selbstbestimmt ihren Weg gehen und sich nicht unterkriegen lassen, auch nicht von Erwachsenen.
Astrid Lindgren war jedoch nichtt nur eine begnadete Schriftstellerin, sondern vor allem eine Frau, die sich für Frauenrechte stark machte, öffentlich das damalige Gesellschaftsbild bezüglich Frauen anprangerte und vor allem trat sie für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern ein.
Dieses Buch habe ich im Rahmen einer Klassiker-Leserunde gelesen und es ist völlig anders als erwartet. Hier erhält man keine allzu persönlichen Einblicke in Astrid Lindgrens Leben während der Zeit des 2. Weltkrieges, sondern in die historischen Ereignisse aus Sicht einer Unbeteiligten.
"Krieg und Krieg und wieder Krieg und das ständige Leiden der Menschheit. Und NIEMALS lernt sie etwas daraus, sie begießt die Erde nur immer weiter mit Blut, Schweiß und Tränen."
(1941 - S. 117)
Das Buch beginnt mit einem äußerst interessanten Vorwort, welches allgemeine Einblicke in Schwedens Situation und Stellung während des 2. Weltkrieges gewährt, aber auch kurz auf das Leben und Schaffen von Astrid Lindgren eingeht. Das Vorwort sollte man also auf keinen Fall skippen.
Die Tagebucheintragungen hingegen lassen einen tieferen Blick auf die damaligen Geschehnisse werfen, inklusive der eigenen Gedanken der schwedischen Schrifststellerin. Wie Schweden als neutrales Land zwischen den Fronten der Alliierten, Deutschland und Russland stand, die Angst vor dem Einmarsch der Russen, welche größer war, als die vor den Deutschen und welche Auswirkungen hatte der Krieg zu Beginn auf Schweden? Wie verlief der 2. Weltkrieg allgemein in den skandinavischen Ländern Norwegen, Finnland und Dänemark? Man erfährt aber auch vieles über das allgemeine Kriegsgeschehen. Im Grunde liegt einem hier nichts anderes vor als ein Kriegstagebuch.
Auch in Schweden wurde bereits ab Januar 1940 die Briefzensur vom Parlament genehmigt. Astrid Lindgren war damals in der sogenannten SNUSKAVDELNINGEN beschäftigt, einer Briefzensur der Postkontrollanstalt. Dadurch wanderten viele Briefe, welche Lindgren "filzen" musste, durch ihre Hände und sie bekam tiefe Einblicke in Schicksale fremder Menschen. Dies ist ebenfalls ein Grund, weshalb sie über so manche Geschehnisse besser Bescheid wusste als so manch anderer und dieses Wissen schreibt sie auch in diesen Tagebüchern nieder.
In private Ereignisse der Schrifstellerin erhält man nur spärlich Einblick und obwohl sie durchaus über ihre Gefühle zu diesen Ereignissen Stellung nimmt, bleibt sie hierbei doch sehr distanziert. Sie konzentrierte sich ausschließlich auf die Ereignisse des 2. Weltkrieges. Privates wie z.B. die Erschaffung von Pipi Langstrumpf, welche in diese Zeit fällt, wird kurz und fast nur am Rande erwähnt. Astrid Lindgren dürfte die Tagebücher als reine Erinnerung an den 2. Weltkrieg für die Familie verfasst haben, vielleicht auch bereits hier mit dem Hintergedanken diese irgendwann der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dies würde auch die Zurückhaltung bezüglich ihres Privatlebens erklären.
"Der Frühling in diesem Jahr ist so sonderbar; man muss sich einfach über ihn freuen, aber gleichzeitig ist es noch unerträglicher, daran zu denken, dass Menschen einander töten, während die Sonne scheint und die Blumen sprießen."
(1940 - S. 56)
Das Buch ist reich bebildert und diese Bilder bestehen aus zahlreichen Zeitungsartikeln und Briefabschriften aus ihrer Zeit als Angestellte in der Abteilung für Briefzensur des schwedischen Nachrichtendienstes, wodurch sie sich strafbar machte, da diese niemals kopiert werden durften.
Diese Bilder sind an die Einträge des entsprechenden Jahres angehängt. Die Übersetzung dieser Faksimiles befinden sich dann direkt dahinter.
Weiters sind noch vereinzelt bisher unveröffentlichte Familienfotos, ein Nachwort von Karin Nyman, der Tochter von Astrid Lindgren, ein Quellenverzeichns, sowie ein Personenregister im Anhang enthalten.
Doch auch die Aufmachung des Buches muss hier Erwähnung finden. Es ist qualitativ hochwertig und mit Lesebändchen versehen. Auch ohne Schutzumschlag ist dieses Buch, aufgrund des klassischen Touch, eine kleine Augenweide. Zudem wurde die Aufmachung des schwedischen Originals beibehalten.
Fazit:
Wer hier persönliche Einblicke, sowie Einblicke in das Privatleben der Schrifstellerin Astrid Lindgren erwartet wird wohl enttäuscht sein. So mancher hat das Buch in der Leserunde aufgrund dessen abgebrochen. Ich hingegen, bekennender Geschichts-Geek, fand es äußerst interessant einen Blick aus "unbeteiligter" Sicht auf den 2. Weltkrieg zu werfen. Obwohl ich schon viel zu dieser Thematik gelesen habe, war mir die Situation und Stellung der skandinavischen Länder nahezu unbekannt. Es ist also ein äußerst informatives aber auch berührendes Kriegstagebuch aus Sicht des neutralen Schwedens, geschrieben von der bekanntesten Kinderbuchautorin. Dies gestaltet sich gerade deswegen als sehr flüssig zu lesen, da die Autorin bereits vor ihrer Zeit als Autorin den Leser zu fesseln weiß.
Wer also Persönliches von Astrid Lindgren erfahren möchte, ist mit einer Biographie besser bedient. Wer hingegen einen anderen Blick auf die historischen Ereignisse des 2. Weltkrieges werfen möchte, kann sein Wissen diesbezüglich mit diesem Buch bereichern und vor allem erinnert es daran, welch furchtbare Zeit es war, die man gerade aufgrund dieser Gräuel niemals vergessen sollte.
"Der Frieden kann den Müttern nicht ihre Söhne zurückgeben, Kindern nicht ihre Eltern, den kleinen Hamburger und Warschauer Kindern nicht das Leben. Der Hass ist nicht zu Ende an jenem Tag, an dem der Friede kommt, jene, deren Angehörige in deutschen Konzentrationslagern zu Tode gequält wurden, vergessen nichts, nur weil Frieden ist, und die Erinnerung an Tausende von verhungerten Kindern in Griechenland wohnt immer noch in den Herzen ihrer Mütter, falls die Mütter selbst überlebt haben...."
(1943 - S. 242)
© Pink Anemone
Rezensionen von Gaby 2707:
Trotz kleiner Schwächen gute Unterhaltung
Löwenzahnkind von Bengtsdotter Lina
Die 17-jährige Schülerin Annabelle Roos aus der westschwedischen Kleinstadt Gullspång wird vermisst. Kommissarin Charline Lager genannt „Charlie“ und ihr Kollege Anders Bratt werden zur Unterstützung in den Ort geschickt. Dabei hatte sich Charlie vorgenommen, nie wieder in ihre Heimat zurückzukehren.
Nun aber muss sich sich neben ihrer Ermittlungsarbeit auch ihrer Vergangenheit stellen.
Lina Bengtsdotter hat mich relativ schnell in den ersten Fall von Charlie Lager hinein gezogen. Aufgeteilt in vier Handlungsstränge erfahre ich alles aus den letzten Stunden des verschwundenen Mädchens; werde mit der Vergangenheit von Charlie bekannt gemacht, die mit 14 diesen Ort verlassen hat; lerne Rosa und Alice kennen, bei denen mir erst sehr spät klar wird, wie sie in diese Geschichte hinein passen und bin bei den momentanen Ermittlungen dabei.
Mit Charlie, die die Karriereleiter recht flott hochgestiegen ist, bin ich bis zum Schluss der Geschichte nicht richtig warm geworden. Vielleicht auch deshalb, weil Ermittler, die so stark mit ihren eigenen Problemen behaftet sind, nicht mein Fall sind. Teils hat sie mir leid getan, teils habe ich nur gedacht, Mädel, werd doch endlich erwachsen und mal klar im Kopf. Denn egal ob Männer, Alkohol oder Tabletten – sie bekommt von allem nie genug.
Aber auch die weiteren Mitspieler haben nicht das Potential als besonders liebenswert rüber zu kommen. Das mag an der grau in grau dargestellten Umgebung liegen, der Tristesse des Ortes – in der Vergangenheit und heute auch noch. Die Ausweglosigkeit der Jugendlichen hat mich betroffen gemacht und ich kann verstehen, dass der ein oder andere „abhauen“ will. Genau so, wie es Charlie getan hat.
In das alte, verwitterte Haus in Lyckebo, wo Charlie ihre Kindheit mit ihrer Mutter verbracht hat, habe ich mich sofort verliebt. Alles andere ist nicht mein Fall.
Die Geschichte selbst ist durch die vielen Kapitel gut lesbar und gut verständlich. Die vier Handlungsstränge fügen sich ganz langsam zu einem dicken Seil zusammen. Das Ende und die Auflösung werden sehr gut nachvollziehbar abgehandelt.
Der Fall der Annabelle Roos handelt von den vielfältigen Problemen der Teenager in Gullspång, von Unfällen und Mord, von Freundschaft und Vergangenheitsbewältigung, von Verlust und Trauer, von enttäuschter Liebe und Resignation.
Obwohl die Geschichte durchgängig eine Düsternis ausstrahlt, habe ich es genossen bei der Auflösung dabei sein zu dürfen. Trotz der zumeist unsympathischen Charaktere habe ich mich gut unterhalten gefühlt und bin gespannt auf den nächsten Fall von Charlie Lager & Co.
Rezensionen von heinoko:
Witzig, frisch, fröhlich
Perfekt für dich von Chantal Schreiber
Das Cover finde ich häßlich, aber das mag daran liegen, dass ich ü60 bin – also nicht zur eigentlichen Zielgruppe des Buches gehöre. Dennoch lese ich ab und zu gerne und neugierig Kinder- und Jugendbücher.
Im vorliegenden Buch (ab 12) geht es um Kim, die am liebsten Fußball spielt und deren großer Schwarm das Mathegenie Danny ist.
Kim ist schlecht in Mathe und braucht dringend Nachhilfe, am liebsten natürlich von Danny. Doch ihre Mutter setzt ihr ungefragt Mila, die Streberin, als Nachhilfelehrerin vor die Nase, was natürlich gar nicht gut gehen kann…
Was mich von der ersten Seite an für das Buch eingenommen hat, ist der Schreibstil. Der Autorin gelingt es perfekt, sich mit viel Humor in das Leben der 13-jährigen Kim hineinzuversetzen und ihren Alltag, ihre schwärmerischen Gedanken, ihren Trotz und alles, was sonst noch zum Erwachsen-Werden gehört, lebendig zu schildern. Frech, ungeheuer witzig und frisch wird erzählt. Und, was ich wichtig finde, die Sprache ist nicht auf „jugendlich“ gemacht, sondern sie wirkt echt, aus dem Leben gegriffen, dabei aber immer ansprechend. Die gelegentlich eingestreuten Kurznachrichten mit Emojis peppen das Buch zusätzlich auf. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Protagonisten liebenswert, besonders Oma Bine und Leo haben es mir in ihrer herzerfrischenden Art angetan. Die erzählte Geschichte nimmt die Achterbahn der Gefühle der Altersgruppe der Zwölf- bis Vierzehnjährigen ernst, lässt nicht aus, dass unbedachte Handlungen durchaus unangenehme Konsequenzen haben können und wie wichtig gerade dann ein verständnisvolles Umfeld ist.
Mir hat das Buch rundum gut gefallen – bis auf das Cover…
Rezensionen von Caro2929:
Einfach wieder super
schleich® Horse Club(TM) - Ein Fohlen für Mia von Chantal Schreiber
Klappentext:
"Mia vergöttert ihr Pony Spotty, aber sie wird langsam zu groß für ihren Liebling. Gleichzeitig trifft ein süßes Fohlen auf dem Lakeside Pferdehof ein. Insgeheim wünschen sich die Horse Club-Mädchen, dass Hannahs Schwester Mia dieses Pferd genauso ins Herz schließen wird wie Spotty.
Doch so schnell geht das nicht …"
Meine Meinung:
Ich habe das Buch gemeinsam mit meiner achtjährigen Nichte gelesen. Und was soll ich sagen, außer, dass uns die Mädels vom Horse-Club ein weiteres Mal hellauf begeistern konnten?
Dieses Mal haben wir uns besonders darüber gefreut, dass wir nunmehr auch Mia (Hannahs kleine Schwester) näher kennen lernen durften.
Der Schreibstil ist einfach wahnsinnig angenehm und die Kapitellänge ist genau richtig.
An die englischen Begriffe haben wir uns mittlerweile gewöhnt und meine Nichte kann sie auch jetzt einordnen, deswegen, wollen wir mal keine Kritik mehr ausüben. Denn wir haben diese Geschichte in unser Herz geschlossen und freuen uns über jedes neue Abendteuer.
Die Geschichte rund um Freundschaft und Zusammenhalt hat uns wieder enorm begeistern können. An den Horse-Club Bücher ist es einfach super, das die Liebe zum Pferd und nicht der Erfolg im Vordergrund steht. Aber auch, dass Pferde nicht das einzige auf der Welt sind und sich die Mädels auch für andere Dinge interessieren und sie sich vor allem immer aufeinander verlassen können.
Das Buch hat einfach alles, was eine spannende Geschichte für pferdebegeisterte Mädchen ausmacht. Die Horse-Club-Mädels lassen das herz meiner Nichte immer höher schlagen.
Fazit:
Klare Leseempfehlung, wir freuen uns auf weitere Abenteuer von Hannah & Co. und natürlich Mia.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Beziehungsstatus: kompliziert
Hochzeit in der kleinen Sommerküche am Meer von Jenny Colgan
Die Hochzeitsglocken läuten auf Mure, gleich zweimal - bloss nicht für Flora. Denn Joel muss als Coltons Anwalt an dessen Seite reisen und hält sich auch noch länger als geplant in New York auf. Beide sind unglücklich damit und geben sich ihren Gedanken hin, beide denken, dass sie den andern nicht verdient haben.
Während Flora denkt, dass sie ja nur eine unglamouröse Inseltochter ist, und eine Beziehung mit dem ehemaligen Chef doch nicht gutgehen kann, denkt derweil Joel, dass eine Person mit einer solchen Kindheit wie er keine Beziehung aufrecht erhalten kann und sich die Liebe von Flora nicht verdient hat. Ausserdem quält ihn ein Geheimnis, über das er aufgrund seiner anwaltlicher Schweigepflicht nicht reden darf. Es hat etwas mit einem Vertrag zu tun, den er für Colton aufsetzen muss.
Ja, und nun denkt der Leser - was das alle sein könnte, ob Colton ein falsches Spiel spielt oder oder... Das Gedankenkarussell dreht sich also auch beim Leser, bis am Ende das Geheimnis aufgelöst wird.
Lorna fühlt sich immer mehr zu Saif hingezogen, er auch zu ihr. Doch dann bekommt er die Nachricht, dass wohl seine Kinder gefunden wurden. Das ändert alles.
Der bis über beide Ohren verliebte Fintan denkt nicht mehr nur ausschliesslich an Käse, sondern auch an Colton. Colton kommt teilweise fast wie Reuben (aus der anderen Serie) sehr egoistisch rüber. Und alle warten auf die hoffentlich baldige Eröffnung von The Rock.
An den Nebenschauplätzen haben sich prominent Jan und Charlie hingesetzt. Jan versprüht wie eh und je ihre Giftigkeit, Charlie hat nicht mehr viel zu sagen. Agot verbringt viel Zeit bei Innes, ich hoffe, dass sich da dann noch etwas ändert im dritten Teil. Das Kind gehört fix auf die Insel.
Jenny Colgan hat viel reingepackt in "Hochzeit in der kleinen Sommerküche am Meer". Das Buch ist vielschichtig, auch wenn mir die vielen Wiederholungen explizit von Joels schwerer Kindheit völlig unnötig erschienen, da sie ja schon im ersten Band erwähnt werden. Dafür fand ich es sehr glaubwürdig, wie die Autorin das Einleben von Einwandererkinder beschrieben hat.
Dieser zweite Band schliesst sich direkt an den ersten Band an, die Geschichte wird tiefer und komplexer und kommt mit all den traumatischen Aufarbeitungen eher traurig daher. Gegen Ende wird der Roman spannend und liebend gern hätte ich gleich im dritten Band weiter gelesen, der leider erst im Oktober erscheint.
Fazit: Viel los auf Mure - emotional tiefer und trauriger als der erste Band.
4 Punkte.










