Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gaby 2707:
„Was man nie hatte, kann man auch nie vermissen“
Alles, was passiert ist von Yrsa Daley-Ward
Als Jugendliche reist die schwangere, gerade mal 14-jährige Marcia Daley-Ward zu ihren Eltern in den hohen Norden von England nach Chorley. Um ihren eigenen Weg zu gehen, weg von ihren Eltern, arbeitet sie als Krankenschwester in zwei Schichten, bald nicht mehr fähig, ihre beiden Kinder, die der ersten Schwangerschaft gefolgt sind, zu betreuen.
So werden Yrsa und ihr kleiner Bruder Roo zu den streng gläubigen Großeltern abgeschoben und führen hier ein Leben, das durch Verbote geprägt ist. Kino, Partys, Schmuck, Halloween, Kaffee und Fleisch werden strikt abgelehnt. Mit 17 begehrt Yrsa, der man immer wieder sagt, wie schön sie ist, auf. Sie beschließt nicht zu studieren, sondern will Modell, Schauspielerin oder Sängerin werden. Dabei gelingt es ihr aber nicht, die Kontrolle über ihr Leben zu bekommen. Alkohol, Drogen und größtenteils ältere Männer bestimmen ihr Leben. Erst nach dem Krebstod ihrer Mutter findet sie langsam zu sich selbst und nimmt ihr Leben in die Hand.
Es hat schon ein paar Seiten gedauert bis mich an den so poetischen, alles auf den Punkt bringenden, so ganz anderen Schreibstil gewöhnt hatte. Aber dann hat er mich einfach gefesselt. Oft legt sie mir zu einem Thema nur ein paar knappe Sätze vor. Mal deutet sie nur an, vieles bleibt unklar und ich muss mir selbst meine Gedanken machen.
Yrsa Daley-Ward beschreibt ihr bisheriges Leben ohne Schnörkel, beschönigt nichts, fördert bei mir Bilder ihres Lebens zutage, die für mich oft nicht leicht zu verdauen sind. Vor allem die Berichte ihrer Kindheit als schwarzes Mädchen in einer weißen Gesellschaft haben mich stark beschäftigt. In kurzen knappen Sätzen lässt sie mich teilhaben, an dem, was sie alles erlebt hat, was ihr widerfahren ist. Egal ob gut oder schlecht. Nichts wird beschönigt. Ich erlebe ihren Schmerz, aber auch ihr Glück.
Eine so ganz anders erzählte Lebensgeschichte einer jungen Frau, die trotz der widrigsten Umstände ihr Leben meistert und zu sich selbst findet.
Keine alltägliche Lektüre, aber wenn man sich auf sie einlässt absolut lesenswert.
Rezensionen von Buechertraeumerin:
Vielfältige Rezeptauswahl mit Gelinggarantie
Brot backen mit Christina von Christina Bauer
"Brot backen mit Christina" ist ein gelungenes Backbuch, in dem die Autorin Christina Bauer 50 verschiedene Brotrezepte vorstellt.
Zunächst folgt ein sehr interessanter und aufschlussreicher Teil über Warenkunde und über die Zubereitung von Grundteigen, wie Hefe- oder Sauerteig. Auch die Tipps zur Problemlösung, wenn zum Beispiel der Teig sehr klebt, sind sehr hilfreich.
Danach folgt ein Rezeptteil, der wie folgt untergliedert ist:
- Brote ganz klassisch
- Alles Vollkorn
- Brote mit Sauerteig
- Brote mit wenig Hefe und viel Zeit
- Brote ohne Kneten
- Brot einmal anders
- Süße Brote
Die Rezepte sind sehr vielfältig, übersichtlich und gut strukturiert. Auch ein Backanfänger wird mit diesem Buch sehr gut zurechtkommen.
Das Buch enthält sehr schnelle und einfache Rezepte, wie auch etwas zeitaufwändigere und schwierigere Brotrezepte. Alle Brote, die ich bisher ausprobiert habe, sind gut gelungen und haben sehr gut geschmeckt.
Die Gestaltung und Aufmachung des Buches finde ich sehr ansprechend, mit vielen farbigen und qualitativ hochwertigen Bildern, sowie einem edlen Einband.
Fazit: Ein sehr gelungenes und ansprechendes Brotbackbuch mit vielfältiger Rezeptauswahl, auf die ich auch in Zukunft gerne zurückgreifen werde.
Rezensionen von LEXI:
Meine Kartoffeln sind mein Vermächtnis!
Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel von Glaister Seni
„Wenn ich sterbe, wird meine Arbeit das Einzige sein, was von mir übrigbleibt. Meine Kartoffeln sind mein Vermächtnis. Ich habe ihnen jede wache Minute gewidmet, und meine nützlichsten Tage liegen bereits weit hinter mir. Ich will etwas hinterlassen, ich will der Welt zeigen, dass es die Mühe wert war.
Ich will mit dem Wissen sterben, dass ich etwas verändert habe. Ist das zu viel verlangt? Bin ich zu vermessen?“
Mr. Doubler ist nicht nur der zweitgrößte Kartoffelbauer der Grafschaft, sondern darüber hinaus ein absoluter Experte, was Kartoffeln betrifft. Die jahrzehntelangen Forschungen und Experimente des intelligenten und belesenen Mannes waren nicht vergebens, Doubler fehlt letztendlich nur noch die wissenschaftliche Bestätigung seiner Arbeit. Sein Vermächtnis bedeutet dem zurückgezogen lebenden Mann alles, er träumt davon, etwas von Dauer zu hinterlassen. Nachdem seine beiden erwachsenen Kinder Camilla und Julian ihr eigenes Leben fernab der Mirth Farm führen, zog Mr. Doubler sich mehr und mehr von der Gesellschaft anderer Menschen zurück und verließ sein Grundstück nicht mehr. Die Farm ist für ihn der ideale Ort zum Leben und Arbeiten, er fühlt sich in seinem selbst gewählten Einsiedlerleben und mit seinen gewohnten Alltagsritualen wohl. Der Lichtblick eines jeden Tages stellt das Mittagessen mit seiner Haushälterin Mrs. Gracie Millwood dar, die nicht nur eine ausgezeichnete und kluge Zuhörerin, sondern auch Mr. Doublers einzige Ansprechpartnerin und Freundin ist. Die pragmatische und resolute Frau besitzt eine ausgezeichnete Menschenkenntnis und die anregenden Gespräche sind Höhepunkte in Doublers Alltag. Er legt viel Wert auf ihre Meinung, ihre Besuche verleihen dem Alltag des Kartoffelbauern Struktur und Sinn. Als Mrs. Millwood aufgrund einer ernsten Erkrankung wegbleibt, wird dem Mann schmerzlich bewusst, wie schrecklich er die Frau vermisst. Doch Mrs. Millwoods Tochter Midge kümmert sich um Mr. Doubler und gemeinsam mit ihrer Mutter bringt sie den Mann dazu, sich nach und nach aus seiner selbst gewählten Einsamkeit zu befreien.
Seni Glaister hat mit ihrem Roman ein richtiges Juwel erschaffen. In wunderschönem Schreibstil und mit großen Emotionen blättert sie behutsam die Geschichte des Mr. Doubler auf. Das Buch basiert zu einem nicht unerheblichen Teil auf Interaktionen und Gespräche der handelnden Figuren, deren Anzahl überschaubar gehalten wurde. Der Fokus liegt auf dem eigenwilligen Protagonisten Mr. Doubler, der hervorragend charakterisiert wurde und mich voll und ganz zu überzeugen vermochte. Die liebenswerte Mrs. Millwood fungiert als wichtigste Nebenfigur im Buch, sie agiert geschickt und mit sehr viel Einfühlungsvermögen auch noch von ihrem Krankenbett aus. Sie schafft es gemeinsam mit ihrer Tochter Midge, positiv auf Mr. Doubler einzuwirken und ihn Schritt für Schritt aus seiner sozialen Isolation zu befreien. Mr. Doubler begegnet durch eine ehrenamtliche Mitarbeit bei einem Tierschutzverein auf der Grove Farm schließlich Mrs. Millwoods Bekannten und wird – auf seine Weise – für andere zum Segen. Sämtliche Charaktere mit Ausnahme von Mr. Doublers Sohn Julian sowie seinem Kontrahenten Mr. Legion Peele sind mir im Verlauf des Buches geradezu ans Herz gewachsen.
Nicht nur der einnehmende Schreibstil, sondern vielmehr auch die liebevoll charakterisierten Figuren und die Handlung dieses Buches haben mir ausgezeichnet gefallen. Der Protagonist besitzt umfangreiche Kenntnisse in Bereichen, in welche auch der Leser interessante Einblicke erhält. Diese Geschichte lebt von tiefgründigen Gesprächen voller Klugheit, Wärme und Lebensweisheit. Man darf keine temporeiche oder gar rasante Erzählung erwarten. Die Autorin vermittelt dem Leser vielmehr auf eine ruhige, gemächliche Art und Weise die stille, und doch so reichhaltige und tiefgründige Welt ihres Protagonisten. Familiäre und zwischenmenschliche Konflikte, große Lebensweisheiten und eine Prise Humor bilden gemeinsam den Stoff für ein Buch, das noch lange nach der Lektüre nachwirkt.
Fazit: Mit „Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel“ hat die Autorin ein sehr gefühlvolles und tiefgründiges Buch geschrieben. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der durch die liebevolle Unterstützung wohlmeinender Menschen nach und nach seiner selbst gewählten Isolation entkommt. Ich war begeistert, wurde zum Nachdenken angeregt, zum Schmunzeln gebracht und war an mancher Stelle zu Tränen gerührt. Ein überwältigendes Lese-Highlight, das ich von ganzem Herzen weiterempfehle!
Rezensionen von LEXI:
Aus zwei mach vier. Die Lebensbilder von Werner und Reinhard Seidel.
Doppelt durchs Leben von Elke Ottensmann
„Doppelt durchs Leben zu gehen bedeutet für Werner und Reinhard viel mehr als verwechselt zu werden. Ihre Eltern und ihre großen Brüder umhüllten sie von Anfang an mit Liebe, Glauben und Musik. Die Geborgenheit ihres Elternhauses tragen die Zwillingsbrüder noch heute wie einen Schatz in ihrem Herzen, wie auch die Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, wie nur Zwillinge sie haben können.
“
Der Klappentext dieses Buches beschreibt den Inhalt von Elke Ottensmanns Neuerscheinung bereits sehr treffend. Die Autorin widmet sich auch in diesem Buch der Familie Seidel, konzentriert sich jedoch diesmal auf die Zwillinge Werner und Reinhard. Sie schildert die unfassbare Überraschung der Eltern und Verwandten, als nach der Geburt des kleinen Werner plötzlich noch dessen Zwilling Reinhard zur Welt kommt und die Familie nun anstatt zwei, plötzlich vier Kinder bereichern.
In eindrucksvollen Worten und sehr einnehmendem Schreibstil berichtet Elke Ottensmann von einer harmonischen Kindheit in Polen und dem Aufwachsen in einem liebevollen und von christlichen Werten geprägten Elternhaus. Sie gibt ihrer Leserschaft Einblick in die Erlebnisse, die Entdeckungen und natürlich auch die Streiche der Zwillinge, die nach der Vertreibung aus Schlesien im Jahre 1950 eine neue Heimat in einem kleinen Dorf im Schwarzwald fanden. Die Ereignisse der langen Jahre, aber auch die einzelnen Familienmitglieder, wurden detailliert und liebevoll beschrieben. Viele kleine Anekdoten brachten mich zum Schmunzeln, die Korrespondenz mit dem ältesten Sohn Günter, der niemals aus dem Krieg zurückkehrte, stimmt traurig und nachdenklich.
Ein ganz besonderes Extra stellen die vielen Schwarz-Weiß-Aufnahmen dar, die das Leben von Werner und Reinhards auf diese Weise dokumentieren. Besonders berührend fand ich das Foto eines handschriftlichen Briefes, den der damals achtjährige Werner in kindlicher Schrift an seinen Bruder an der Front richtete. Die tiefe Liebe innerhalb der Familie durchdringt die gesamte Handlung und kommt besonders in der kursiv gedruckten brieflichen Korrespondenz und Gedanken und Gefühlen Arthurs und Walters zum Ausdruck. Der christliche Glaube zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, er hat in der Familie Seidel ebenso wie die Liebe zur Musik einen sehr hohen Stellenwert. Vereinzelt bringt die Autorin auch Gedichte und Lieder, die für ihre Familie wichtig waren, ins Buch ein.
Die textliche und grafische Gestaltung hat mir außerordentlich gut gefallen. Der Großdruck und der großzügige Zeilenabstand erleichterten meinen Lesefluss ungemein. Meine Aufmerksamkeit wurde sofort auf die harmonische Gestaltung des hochwertigen Covers mit dem hinreißenden Foto von Werner und Reinhard an ihrem ersten Schultag und die zarten Blüten im Hintergrund gelenkt. Ein edles Lesebändchen in grüner Farbe stellt ein ganz besonderes Extra dar.
Fazit: „Doppelt durchs Leben“ hat mir sehr gut gefallen. Das Buch erlaubte faszinierende Einblicke in das Leben von Werner und Reinhard Seidel, die mich ausgezeichnet unterhalten haben. Der Autorin ist es vortrefflich gelungen, die Geschichte ihrer Familie für spätere Generationen und viele interessierte Leser festzuhalten und deren Erinnerungen dadurch zu bewahren.
Rezensionen von buchina:
Grausamkeit, nüchtern erzählt
Die Nickel Boys,6 Audio-CD von Colson Whitehead
Begeistert von seinem Vorgängerroman „Underground Railroad“ freute ich mich sehr auf die „Nickel Boys“. Auch diesmal hat er sich wieder einer wahren Geschichte aus der Geschichte der USA angenähert, die zeigt wie brutal mit Menschen schwarzer Hautfarbe umgegangen ist und wird.
Die Haupterzählung des Romans spielt in Florida der 60er Jahre.
Protagonist Elwood Curtis, der durch einen dummen Zufall in einem geklauten Auto erwischt wird und deshalb des Autordiebstahls angezeigt wird. Schnell wird er verurteilt und kommt in die Besserungsanstalt Nickel. Dort sind nicht nur Jungs schwarzer Hautfarbe, sondern auch weißer Hautfarbe. Dennoch Elwood und die anderen schwarzen Jungs sind in der Hackordnung ganz unten und werden noch schlimmer behandelt. Es folgen Jahre des physischen und psychischen Terrors.
Ich hatte etwas Angst davor, dass Buch zu lesen, weil schon von Anfang an klar ist, was die Nickelboys aushalten müssen. Aber dank des sehr nüchternen Schreibstils, war es gut für mich zu ertragen und hat mich dennoch berührt. Wie auch in „Underground Railroad“ konnte ich mich nur langsam den Protagonisten annähern, ich konnte sie nur schwer fassen. Der Charakter und die Gefühle zeigten sich erst nach und nach. Die Vielzahl an Nebencharaktere blieben dagegen ein wenig blass und ich hatte auch Probleme sie auseinanderzuhalten.
Ein wenig schwierig, gerade beim Hörbuch, empfand ich die verschiedenen Zeit- und Handlungssprünge. Sie wirkten zum Teil sehr abrupt. Am spannendsten und emotionalsten waren die Zeit in der Nickelanstalt. Die Atmosphäre hat der Autor sehr gut getroffen. Der spätere Wechsel in das neue Leben von Elwood war auch interessant, hat für mich aber sehr an Spannung verloren. Insgesamt hat sich der Autor wieder an einem sehr spannenden Fall aus der Geschichte der USA bedient, der erst vor kurzem bekannt wurde und deren Aufklärung bis heute nicht abgeschlossen ist. Man kennt ähnliche Vorfälle aus katholischen Anstalten auch hier in Europa. Im Fall von den Nickelboys spielt der Rassismus Aspekt eine wichtige Rolle. Um auf die Ungerechtigkeit und Grausamkeit dieser Anstalten hinzuweisen, ist ein Roman nicht die schlechteste Möglichkeit. Colson Whitehead hält damit der amerikanischen Gesellschaft wieder den Spiegel vor das Gesicht. Ich bin sehr gespannt, welcher Ungerechtigkeit der Geschichte sich Whitehead als nächstes widmet.
Noch kurz zum Hörbuchsprecher Torben Kessler, der sich scheinbar auf anspruchsvolle Romane konzentriert hat. Ich mochte ihn bereits als Sprecher von „Ein wenig Leben“. Wie auch die Sprache des Romans eher nüchtern ist, hält sich auch die Stimme von Kessler zurück. Er betont die verschiedenen Charaktere sehr gut, aber übertreibt nicht und passt sich der sachlichen Art des Autors sehr gut an.
Rezensionen von HEYN Leserunde Manfred Angerer:
schauerlich bedrückend
Die Nickel Boys,6 Audio-CD von Colson Whitehead
Ogi ist gefangen in der eigenen Bewegungslosigkeit und (fast) Artikulationsunfähigkeit und somit hilflos denjenigen Menschen ausgeliefert, die sich seiner annehmen. Und das ist letztendlich ausgerechnet die Schwiegermutter, die die Verletzungen der eigenen Tochter aus der Ehe mit Ogi offenbar noch sehr präsent hat.
Die Sprache, vor allem die Knappheit der Schilderungen und dadurch die Dichte des Textes sind faszinierend, der Aufbau der Spannung ist grandios. Nur, berührt hat mich die Geschichte und das irgendwie vorhersehbare Ende nicht.
Vielleicht kann aus dem Roman aber die Anregung erkannt werden, sich rechtzeitig um geeignete Pflegepersonen für die Phase der eigenen Hilflosigkeit zu kümmern und/oder sein Leben weitestgehend so zu leben, dass Rachegelüste von Mitmenschen tunlichst vermieden werden.
Rezensionen von heinoko:
Dieses Buch schnürt dem Leser den Hals zu
Wo die Freiheit wächst von Frank Maria Reifenberg
Ein Briefroman – wollen Jugendliche einen Briefroman lesen? Ein Buch, das die schlimmen, die schlimmsten Kriegszeiten unter der NS-Diktatur schildert – wollen Jugendliche das lesen? Ich fürchte nein. Oder nur wenige vielleicht. Denn das Buch ist keine Spaßlektüre. Es ist auch nicht besonders spannend.
Es schnürt dem Leser einfach nur den Hals zu.
Der Verlag bewirbt das Buch so: „Köln, 1942. Lene Meister ist 16 Jahre alt und Auszubildende in einem Friseursalon. Doch der Zweite Weltkrieg raubt ihr viel von dem, was sich ein Mädchen in ihrem Alter erträumt. Ihre Heimatstadt wird seit einem Jahr regelmäßig von Bombenangriffen erschüttert. Lene lässt sich aber nicht unterkriegen und versucht tapfer, die Familie zusammenzuhalten. Mit jeder neuen Todesnachricht von der Front und mit dem allmählichen Verschwinden ihrer jüdischen Freunde beginnt sie mehr am NS-Regime zu zweifeln. In dieser Zeit zwischen Furcht, Verzweiflung und Hoffnung lernt sie Erich kennen und verliebt sich. Bald entdeckt Lene, dass Erich ein gefährliches Spiel spielt. Er gehört zu den Jugendlichen, die nicht in Reih und Glied marschieren wollen: zu den Edelweißpiraten. Sie tragen keine Uniformen und singen ihre eigenen Lieder. Sie beschmieren die Wände mit Anti-Nazi-Parolen und teilen regimekritische Flugblätter aus. Und das alles ist der Gestapo ein großer Dorn im Auge.“
Dieses großartige Buch braucht den ernsthaft interessierten Leser, denn es hat durchaus, zumindest im ersten Drittel, einige Längen, solange die jugendlichen Briefschreiber sich über ihrem Alter angemessene, naiv wirkende Problemchen austauschen. Durch die unterschiedlichen Briefschreiber öffnen sich jedoch zunehmend wechselnde Perspektiven auf das politische und private Geschehen. Köln wird zur Steinwüste, kaum jemand hat noch ein Dach über dem Kopf. Es geht bald nur noch um das nackte Überleben. Bei Kalle, dem kleinen Bruder, hat die Nazi-Gehirnwäsche jeglichen Realitätssinn ausgelöscht. Franz, der große Bruder, marschiert auf Stalingrad zu und erlebt Grauenhaftes, wovon er nur in wenigen dürren Worten berichtet. Rosi schuftet bei Bauern auf dem Land und hat einen distanziert-kühlen Blick auf alles Geschehen. Bei Lene erleben wir eine Wandlung hin zum Erwachsen-Werden, zum Mut, nicht länger zu schweigen.
Dem Autor ist mit den fiktiven unterschiedlichen Briefschreibern und mit der Grundlage sorgfältiger Recherche ein vielschichtiger Blick auf eine entsetzliche, auf eine grauenhafte Zeit gelungen, so intensiv, dass es dem Leser im Verlauf des Buches zunehmend mehr den Hals zuschnürt. Aber meine Frage bleibt dennoch bestehen: Wie viele Jugendliche wollen und werden dieses Buch lesen? Zu wenige, fürchte ich.
Rezensionen von Ewa Wiercinska Leserunde Heyn:
6 Sterne über den Ursprung des Bösen
Wo die Freiheit wächst von Frank Maria Reifenberg
Diese Geschichte entwickelt einen unglaublichen Sog, der einen selbst dann nicht loslässt, wenn man die letzte Seite gelesen hat. Starke Sprache, starke Figuren, Spannung ... sehr Empfehlenswert
im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ewa Wiercinska Leserunde HeynRezensionen von LadyIceTea:
Wird seine Welt ihr schaden?
My Perfect Ruin von Cherrie Lynn
Nach einer schlimmen Trennung will Rockstar Elijah Vance sich nur noch auf die wenigen Dinge im Leben konzentrieren, die für ihn die Welt bedeuten: seine Musik und seine beiden kleinen Söhne. Er nimmt die beiden mit auf seine zweimonatige US-Tour, doch es gibt ein Problem: ihre Nanny Iris Silverman.
Nicht nur wurde sie von seiner Exfrau beauftragt, Elijah im Auge zu behalten und alles, was ihn um das Sorgerecht bringen könnte, sofort zu melden, sie berührt auch das erste Mal seit einer Ewigkeit sein kaltes Herz.
Elijah Vance ist vielschichtig. Er ist der harte Rockstar, der wütende Ex-Mann und der liebevolle, fürsorgliche Vater. Er will einfach nur für seine Kinder da sein und bekommt von seiner Ex immer wieder Steine in den Weg gelegt.
Iris ist einer dieser Steine. Sie ist das genaue Gegenteil von ihm. Sie ist schüchtern, leise, zurückhaltend, unerfahren. Und sie kennt nur die Geschichten seiner Exfrau.
Beide können sich auf Anhieb nicht leiden. Sie will nicht auf seiner Tour sein und er will sie nicht dabeihaben. Doch beide werden durch seine Söhne vereint.
Während die Geschichte voran schreitet, lernen wir Elijah und Iris immer besser kennen. Mal ist ein Kapitel aus ihrer Sicht, mal eins aus seiner. So erfahren wir viel über die Gefühlslagen der beiden.
Ich fand es vor allem spannend und wichtig zu erfahren, warum Eli so wütend ist und ob er wirklich der Schurke ist, als den seine Ex ihn darstellt. Iris hatte zwar auch ihre versteckte Vergangenheit aber sie war mehr ein offenes Buch. Ich fand es gut, dass man bei ihr eigentlich immer wusste, woran man ist.
Die Charakterentwicklungen in diesem Buch sind stark. Iris taut immer mehr auf und trägt Schicht für Schicht von Elis Panzer ab. Dabei wird sie immer offener aber auch immer mehr in seine Welt verstrickt.
Dass das Leben eines Rockstars nicht einfach ist, wird in diesem Buch gut dargestellt. Und dass alles nicht einfacher wird, wenn man so eine Exfrau wie Heidi hat auch nicht.
Die erotischen Szenen in diesem Buch sind lang aber es gibt nicht viele, was eine gute Mischung ist und sie sind sehr gut geschrieben. Da kommt man schon mal selbst als Leserin ins Träumen.
Die Geschichte spitzt sich immer mehr zu. Der Höhepunkt des Buches ist passend gewählt und auch das Chaos, dass alles zu vernichten droht. Das Ende passt perfekt und rundet das Buch sehr gut ab.
Ich bin wirklich begeistert von diesem Buch. Das einzige, was mich dazu bringt, einen Stern abzuziehen ist, dass ich mir manchmal gewünscht hätte, dass die Geschichte schneller voran geht. Es gab ein paar Seiten, da hat mir irgendwie das Tempo gefehlt. Trotzdem, ist dies ein Buch, welches ich gerne weiterempfehle!
Rezensionen von skiaddict7:
Freundschaft fürs Leben im "Hollow Land"
Bell und Harry von Jane Gardam
Harry ist noch ein kleiner Junge, als seine Eltern beschließen, das geschäftige Treiben in London für den Sommer zu verlassen und nach Yorkshire zu fahren. Dort gibt es nur Moor, Hügel und ein paar Farmen mit Schafen und einzelnen Kühen. Die Hügel sind von ehemaligen Minen durchlöchert, weshalb der Ort auch hollow land genannt wird.
Schnell entwickelt sich zwischen Harry und Bell, dem jüngsten Sohn der Vermieter, eine enge Freundschaft, die das ganze Leben anhalten wird. Sommer für Sommer treffen sich die Familien in Yorkshire und erleben so einige Abenteuer.
Gardam schreibt wunderschön ruhig und poetisch. Das Buch ist überwiegend aus der Sicht von Bell geschrieben, in einer eher kindlichen Sprache aber auch mit einem gewissen Witz und Zynismus, so dass ich häufig über Bells Gedankengänge schmunzeln musste. Jedes Kapitel scheint in einem anderen Sommer zu spielen, und die Jungs erleben so einiges. Gardam schreibt über bedingungslose Freundschaft und Liebe, über das Leben am Land, und über Beziehungen. Ein Wohlfühlroman den ich gerne weiterempfehle!









