Kunden em pfehlungen
Rezensionen von KimVi:
Ernstes Thema, locker und humorvoll umgesetzt
Als die Drehbuchautorin Rahel Wald langsam erwacht, kann sie gar nicht einordnen, was los ist und wo sie sich überhaupt befindet. Es ist unfassbar laut, sie kann nicht sprechen und überall sind Schläuche. Ihr kommt der Gedanke, dass sie sich von einer kleinen Operation erholt, doch die Realität sieht anders aus.
Denn Rahel war und ist krank. Und zwar richtig! Sie lag im Koma und schwebte tagelang zwischen Leben und Tod. Doch mit der Rückkehr aus dem Koma, hat Rahel es noch längst nicht geschafft. Denn sie muss sich von der anderen Seite aus wieder ins richtige Leben kämpfen. Einfache Handlungen, wie atmen, essen, stehen und gehen sind keine Selbstverständlichkeit mehr und müssen neu erlernt werden. Es gibt immer wieder Rückschläge. Auch wenn Rahel tief betroffen ist und lernen muss, worauf es im Leben wirklich ankommt, versucht sie, ihre Geschichte mit Biss und einem Augenzwinkern zu erzählen....
Die Geschichte wird in der Ich-Form, aus der Sicht von Rahel, geschildert. Auch wenn ihr Körper ihr nicht mehr gehorcht und man vom ersten Moment an das Gefühl hat, dass Rahels Leben gerade völlig auf den Kopf gestellt wurde, spürt man, was für ein sympathischer, kämpferischer und humorvoller Mensch sie ist. Man kann sich von Anfang an mit ihr identifizieren und sich deshalb ganz darauf einlassen, gemeinsam mit ihr in den Kampf um die Rückkehr in ein normales Leben zu ziehen.
Der Schreibstil ist äußerst locker und humorvoll. Rahel versteht es, den Leser zu unterhalten. Obwohl das Thema sich normalerweise nicht dazu eignet, es so witzig darzustellen, trifft Rahel genau den richtigen Ton. Man kann gemeinsam mit der sympathischen Erzählerin ganz unterschiedliche Gefühle durchleben. Dabei schmunzeln, lachen, zornig oder fassungslos werden, aber sich auch manchmal verstohlen ein paar Tränchen aus den Augenwinkeln wischen. Auch wenn Rahel versucht, alles mit Humor zu nehmen, merkt man doch, dass es oft ganz anders in ihr aussieht und dass der Humor wohl nur ein Versuch ist, nicht ganz die vermeintliche Kontrolle zu verlieren. Rahel wirkt lebendig, sodass man sich ganz auf ihre Geschichte einlassen und mit ihr mitfiebern kann.
Ich habe mich bei diesem Roman, der eigentlich ein recht ernstes Thema hat, ausgesprochen gut unterhalten. Denn ich konnte mich ganz auf Rahels Schilderungen einlassen. Ich habe mit ihr gelacht, geweint, bin wütend geworden und musste mir, zugegebenermaßen, dass ein oder andere Tränchen aus den Augen wischen. Dabei ist es der sympathischen Erzählerin außerdem gelungen, mich ganz nebenbei zum Nachdenken anzuregen und deshalb empfehle ich dieses Buch sehr gerne weiter.
Rezensionen von Almuth-Rexer@web.de:
Starker erster Fall
Die Stille des Todes von Eva Garcia Saenz
Vitoria im Baskenland ist der Schauplatz dieses spannenden Krimis. Während der Feierlichkeiten zum Dia del Blusa werden in der Kathedrale zwei Leichen gefunden: ein Mann und eine Frau, völlig nackt und die Hände wie in einer zärtlichen Geste auf die Wange des anderen gelegt. Inspector Unai López de Ayala, Profilingexperte bei der Kriminalpolizei in Vitoria, erinnert sich sofort an eine Serie von gleichartigen Verbrechen, die vor 20 Jahren die Stadt erschütterten.
Damals waren vier Doppelmorde begangen worden, zwei Neugeborene, zwei Fünfjährige, zwei Zehn- und zwei Fünfzehnjährige waren in genau derselben Stellung tot aufgefunden worden. Der Täter, auf den alle Indizien hinwiesen, war ausgerechnet Tasio Ortiz de Zárate, der berühmteste und beliebteste Archäologe des Landes. Überführt und festgenommen wurde er von seinem Zwillingsbruder Inspector Ignacio Ortiz de Zárate! Tasio sitzt seit nunmehr zwanzig Jahren für diese Verbrechen im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses, hatte aber immer seine Unschuld beteuert. Ist der erneute Doppelmord, dieses Mal an zwei Zwanzigjährigen, von einem Nachahmungstäter verübt worden. Oder hat Tasio aus dem Gefängnis heraus den Mord in Auftrag gegeben?
Für Inspector Ayala und seine Kollegin Esti beginnt ein nervenaufreibender Fall, der beide auch privat an ihre Grenzen bringt.
Der Krimi beginnt mit einem ungewöhnlichen Prolog: Ayala erzählt in der Ich-Form, wie er mit einer Kugel im Kopf auf das Geschehen zurückblickt. Doch dies nimmt keineswegs zu viel vorweg. Die Ermittlungen führen Inspector Ayala und seine Kollegin immer wieder auf neue Spuren. Tasio bietet aus dem Gefängnis heraus Ayala sogar seine Mithilfe an, doch weiß der Inspector nicht, ob er ihm trauen kann. Genauso wird man als Leser immer wieder auf neue Verdächtige und falsche Spuren gelockt, was die Spannung stetig hochhält.
Eingeschoben sind Kapitel, die ein Geschehen aus den 70er Jahren um Doctor Urbina und seine verbotene Leidenschaft für eine Patientin erzählen. Erst nach und nach setzen sich die Mosaiksteinchen dieser Vorgeschichte zu einem schlüssigen Zusammenhang mit der eigentlichen Handlung zusammen.
Verwirrend sind zu Beginn die vielen baskischen Begriffe und die zahlreichen und sehr langen Namen, Abhilfe schaffen hier aber ein Personenregister und ein Glossar am Ende des Buches. Teils merkwürdig, teils etwas hölzern empfinde ich manche Dialoge. Überraschend, allerdings auch etwas überladen ist die Auflösung am Ende. Hier hätten etwas weniger Verwicklungen gereicht. Gut gefallen hat mir die Beschreibung der historischen Bauwerke der Stadt Vitoria, der Atmosphäre, besonders während der Feierlichkeiten, aber auch die Schilderung des Lebens auf dem Lande, was der Krimihandlung eine charakteristische, unverwechselbare Note gibt.
,,Die Stille des Todes“ ist der starke erste Fall für Inspector Ayala, zwei weitere Bände erscheinen bald.
Rezensionen von BarbaraM:
Ein informativer, kreativer, inspirierender Bauerngarten-Glücksgriff!
Bauerngartenglück von Walburga Schillinger; Charlotte Pohse
„Bauerngarten-Glück – Ernten und Genießen rund ums Jahr“ von Wallburga Schillinger und Charlotte Pohse ist 2019 im Ulmer Verlag erschienen und umfasst in der Taschenbuchausgabe 192 Seiten.
Dieses Buch macht so unglaublich viel Lust, sofort mit dem Anlegen, Gärtnern und Genießen in einem Bauerngarten anzufangen.
Ich habe so viele Informationen und tolle Ideen erhalten und ich bin mir sicher, dass ich dieses Buch noch unzählige Male in Händen halten werde.
Den sechs großen übergeordneten Kapiteln ist ein Vorwort und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Anlegen eines eigenen Bauerngarten voran- und ein Serviceteil mit Bezugsadresse etc. nachgestellt.
Die sechs großen Kapitel bgleiten den Leser rund um sJahr und hier sind immer zwei Folgemonate in einem Kapitel zusammengefasst. Sie sind immer nach der gleichen Art und Weise aufgebaut:
1. Gartenpraxis: Hier geht es um Planung und Vorbereitung der anfallenden Arbeiten.
2. Die eigene Kinderstube: Aussaat, Samen, Sorten sind hier im Blickpunkt.
3. Ab in den Boden: Arbeiten im Blumen-, Kräuter-, Gemüsebeet und im Obstgarten sind hier das Thema.
4. Charlottes Mischkulturbeet: Jetzt geht Charlotte mit ihrem Mischkulturbeet voran .
5. Do it yourself: Hier werden viele Anregungen zum Selbergestalten gegeben.
6. Die Guten ins Töpfchen: Leckere Rezepte, Tipps zum richtigen Erntezeitpunkt und zum Konservieren der Ernte warten hier auf den Leser.
7. Was die Oma schon wusste: Zum Abschluss warten die Autorinnen hier mit altem Gärtnerwissen auf.
Den Autorinnen gelingt es mit ihrem persönlichen und dabei unglaublich informativen Schreibstil, dem Leser ihre Leidenschaft für das Gärtnern in einem Bauerngarten nahe zu bringen. Ihnen gelingt dies auf sehr angenehme, lebendige, praxisnahe und anschauliche Art und Weise. Viele Tipps, Tricks und Rezept- und Kreativideen lassen das Buch zu einem absoluten Leseerlebnis werden.
Besonders hervorzuheben sind auch die wunderschönen, natürlich gehaltenen, bunten Zeichnungen und die vielen Fotos. Die ganze Gestaltung und das Layout sind qualitativ hochwertig und gut durchdacht und man merkt als Leserin, dass in der Umsetzung sehr viel Herzblut steckt und es sich vielerlei Gedanken darum gemacht wurden.
Fazit: Hier handelt es sich um einen umfassenden Ratgeber zum Thema „Praxiswissen aus dem Bauerngarten“, der Anfängern einen tollen Einblick gibt, aber auch erfahrenere Gärtner können von diesem Buch, den Tipps, Tricks und enormen weitergegebenen Wissen profitieren.
Dieses Bauerngarten-Glück-Abenteuer hat mich absolut überzeugt und gefällt mir außerordentlich gut.
Rezensionen von canchita:
Zu oberflächlich
Bauerngartenglück von Walburga Schillinger; Charlotte Pohse
Die Geschichte von Rahel Wald und wie sie es nach einer Sepsis mit Organversagen und mehrtägigen Koma wieder ins Leben zurück schafft hat mich sehr interessiert. Vor allem die Tatsache, dass die Geschichte nicht unbedingt mit der eigentlichen Heilung endet, sondern auch beschreibt wie schwer es nach einer langen Krankheit wieder in die Welt der Gesunden zurück zu kehren.
Einem Bekannten von mir ist etwas sehr ähnliches passiert, eine Blutsepsis mit mehreren Tage auf der Intensivstation (nur ohne Koma), ich wusste gar nicht, dass dies ein wohl recht häufiges Szenario ist.
Das Buch selbst hat mir dann aber nicht sehr gut gefallen, zu oberflächlich und oft lächerlich sind die Beschreibungen von Rahel. Zu sehr ist sie das arme Opfer und alle müssen sich um sie kümmern. Erst zum Ende hin übernimmt sie Verantwortung für ihr Leben, aber bis dahin zieht sich das Buch sehr lange hin.
Rezensionen von csac:
Ein Ausflug auf die Alm - ein Kinderbuch für alle Sinne
Ein Ausflug auf die Alm von Hubert Flattinger
Zusammen mit seiner Mama besucht Lukas Tante Sarah auf der Alm. Von der Wanderung über duftende Wiesen, vorbei an grasenden Kühen, der Ankunft auf der Hütte bis hin zur herzhaften Jause, Lukas erlebt das Leben am Berg mit allen Sinnen. Viel Wissenswertes erfährt er dabei über das Leben der Tante hier auf der Alm.
So muss sie ihre Kühe täglich melken, um aus der Milch den würzigen Almkäse herzustellen, Kräuter für den Brotaufstrich sammeln, Zäune instand halten und Wandergruppen bewirten. Bis zum Almabtrieb im Herbst bleibt die Tante auf der Alm. Und auch wenn es manchmal einsam ist, kann sie sich doch "keinen schöneren Ort der Welt vorstellen".
Beim Lesen des Buches glaubt man als Leserin beinahe, das Läuten der Kuhglocken zu hören, die würzige Luft zu riechen und die endlosen Bergketten vor sich zu sehen. Gleichzeitig wird schon den Jüngsten bewusst, wie wichtig das frische Gras, Kräuter und großräumige Weideflächen für die Tiere und in weiterer Folge auch für die damit verbundenen Erzeugnisse sind.
Untermalt wird der informative und lehrreiche Text durch ansprechende und farbenfrohe Illustrationen von Sabine Penz.
Fazit: Wieder ein Buch der Marke „Qualität Tirol“, das Bewusstsein schaffen möchte für Themen wie Regionalität, Zurück zu den Ursprüngen und umweltbewusstes Handeln.
Das Bilderbuch ist gut für Kinder ab dem Kindergartenalter geeignet, bietet sich aber auch als Einstimmung auf eine Wanderung im Volksschulalter an.
Rezensionen von nil_liest:
Ein neuer Klassiker!
Wenn der Bauernhof erwacht von Grimm Sandra
Ein neuer Klassiker!
Ein Thema das die Allerkleinsten alle begeistert ist: Bauernhof mit all seinen Tieren. Schön, dass es passend dazu ein weiteres Pappbilderbuch auf dem Markt gibt. “Wenn der Bauernhof erwacht” von Sandra Grimm und Kathrin Wessel aus der
Edition Piepmatz aus dem Ravensburger Verlag greift das altbekannte Thema auf, aber stilistisch frischer.
Denn die Bilder sind einfach strukturiert und schon für sehr kleine Kinder ansprechend. Und als Vorleserin muss ich gestehen, dass ich es angenehm finde auch mal wieder ein Pappbilderbuch ohne Reime vorzulesen! Apropos Text, er hält sich in Grenzen und das ist auch gut so, denn die Illustrationen laden zum ersten eigenen erzählen ein was alles entdeckt werden kann.
Da ist zwar die einfach strukturierte Geschichte, aber die kann man bei den ersten Malen getrost links liegen lassen und wird erst später interessant. Daher ein Buch für die Allerkleinsten zum “lange-was-von-haben”! Daher gerne schon ab 12 Monate und ab 2 Jahren dann mit Geschichte.
Mir gefallen die übersichtlichen Seiten und das stabile Format!
Rezensionen von Stinsome:
Großartige Leseprobe, danach leider sehr schwacher Plot, der aus unnötigem Hin und Her besteht.
Wenn der Bauernhof erwacht von Grimm Sandra
Klappentext
Als Adele für die Hochzeit ihres Vaters in ihre Heimatstadt zurückkehrt, weiß sie, dass es kein einfacher Besuch werden wird. Sieben Jahre ist es her, dass sie fortging. Sieben Jahre, seit sie den größten Fehler ihres Lebens begangen hat. Nun muss sie dem Mann gegenübertreten, der ihr damals die Welt bedeutet hat.
Augenblicklich kommen die Gefühle wieder hoch, noch intensiver und heftiger als zuvor. Doch eine Liebe zwischen ihnen ist unmöglich ... oder?
Meine Meinung
Mit der Bewertung dieses Buches tue ich mich tatsächlich etwas schwer. Nach Lesen der Leseprobe war ich von der Geschichte sofort angefixt und wollte unbedingt weiterlesen. Leider habe ich während des Lesens immer mehr gemerkt, dass es sich nicht so entwickelt, wie ich mir das nach der Leseprobe gewünscht habe. Für mich hat die Autorin eine falsche Richtung eingeschlagen, weshalb mir das Buch letztendlich nur mittelmäßig gut gefallen hat.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und ist neben der neugierig machenden Leseprobe das Beste an der Geschichte. Locker und leicht gehalten, gelegentlich durchzogen von amüsanten Dialogen, die gut unterhalten und den Leser auch zum Grinsen bringen.
Neben einem gut zu lesenden Schreibstil braucht ein gutes Buch jedoch auch sympathische Charaktere und einen bestenfalls spannenden, zumindest aber unterhaltsamen Plot. Hier fangen die Probleme an. Nachdem mich Adele in der Leseprobe noch mit ihrem Humor begeistern konnte, war sie später eigentlich kaum der Rede wert. Sie wurde zu einer durchschnittlichen Protagonistin, die man zwar durchaus sympathisch findet, die aber kaum heraussticht und noch dazu immer wieder recht schnell nachgibt. Das hat dem Buch deshalb geschadet, weil sie aufgrund dessen auch nicht den schlechten Eindruck des männlichen Protagonisten ausgleichen konnte: Pete ist in der Gegenwart über vierzig Jahre alt (der Altersunterschied zwischen ihm und Adele ist es, der die Beziehung der beiden - laut Klappentext - so "unmöglich" macht) und verhält sich wie ein 14-Jähriger in der Pubertät. Stimmungsschwankungen und unverständliche Wut stehen bei ihm an der Tagesordnung. Weil sein Alter so rein gar nicht zu seinem unreifen Verhalten gepasst hat, konnte ich nicht mit ihm warm werden. Er war ziemlich anstrengend.
Dazu hat auch der Plot beigetragen: Der Klappentext verrät schon, dass etwas in der Vergangenheit vorgefallen ist, das zwischen Adele und Pete steht und eine Wiederbegegnung problematisch macht. Meiner Meinung nach ist die Autorin hier jedoch völlig falsch an die Geschichte herangegangen, denn das große Mysterium wird schon in der Leseprobe aufgelöst und ist letztendlich kaum der Rede wert. Problematisch ist das, weil Pete eine riesige Sache daraus macht und sogar noch nach sieben Jahren unglaublich nachtragend ist. Aufgrund dessen ist sein Verhalten schwer nachvollziehbar. In meinen Augen schadet es auch Spannung und Handlung, dass dieses Ereignis im Grunde genommen so unbedeutend für den Verlauf der Geschichte ist, denn eigentlich war das ja die Grundidee. Es wurden falsche Erwartungen geweckt – und ich bin aufgrund dessen leider ziemlich enttäuscht. Zudem wird viel zu oft in die Dramenkiste gegriffen, um ein unnötiges Hin und Her heraufzubeschwören und ein Zusammenkommen künstlich hinauszuzögern. Ich finde, man hätte mehr aus der Story herausholen können. Für mich bleibt die Leseprobe das Highlight des Buches.
Fazit
Bricht mit den Erwartungen des Lesers, das stellt sich aber als nachteilig für die Geschichte heraus. Man hätte mehr herausholen können. Da auch die Protagonisten nicht zu überzeugen wissen, sondern im Falle von Pete sogar anstrengen, hat mich das Buch nach der großartigen Leseprobe leider enttäuscht. Schade! Von mir gibt es 3 Sterne wegen Leseprobe und Schreibstil.
Rezensionen von C. P.:
Mord und Ethik in naher Zukunft
Becoming Elektra (Elektra, Bd. 1) von Christian Handel
Um den Tod der 17-jährigen Elektra zu vertuschen, heuert ihr Vater Isabel an, in die Rolle seiner Tochter zu schlüpfen, da Isabel seiner Tochter zum Verwechseln ähnlich sieht. Der Hintergrund ist, dass die Verlobung Elektras bevorsteht, eine Verbindung, welche den Vätern des Paares starke wirtschaftliche sowie politische Vorteile bringen wird.
Was er Isabel jedoch zunächst verschweigt: Elektra starb nicht bei einem Unfall, sondern wurde ermordet. Und der Täter könnte es jetzt auf Isabel abgesehen haben, die sich als Elektra ausgibt…
Der Coming-of-Age-Thriller spielt rund 60 Jahre in der Zukunft. Entsprechend kommen im Roman ein paar technische Fortschritte und Erfindungen vor, welche ich ganz interessant fand, wie z. B. die IntelliLenses oder die Magnetaxen. Ansonsten sind die Personen aber relativ ähnlich denen unserer Zeit. Es gibt jedoch noch weitere technische Entwicklungen, welche eine ethisch vielleicht nicht ganz so korrekte Richtung eingeschlagen haben. Da möchte ich jetzt nicht allzu viel verraten, um niemanden zu spoilern und den Aha-Effekt vorwegzunehmen, den ich selbst beim Lesen hatte. Doch es hat seinen Grund, warum Isabel Elektra so ähnlich sieht.
Vom Aussehen abgesehen sind die beiden Frauen jedoch sehr verschieden. Elektra kam aus reichem Haus, während Isabel und ihre Schwester in eher bescheidenen Verhältnissen aufwuchsen. Dadurch sieht sich Isabel genötigt, innerhalb kürzester Zeit sowohl technisch viel nachzuholen als auch die ganzen Personen in Elektras Umfeld und deren Eigenarten möglichst schnell auswendig zu lernen, da niemand den Rollentausch merken soll. Einzig Elektras engste Verwandte sind eingeweiht, und nicht jeder von ihnen ist begeistert, dass nun eine Fremde Elektras Platz einnimmt. Entsprechend wenig Unterstützung bekommt sie zunächst. Und zwischen all diesen Anforderungen, sich Dinge, Personen und Ereignisse zu merken, sich nicht zu verraten und die vorwurfsvollen und ablehnenden Blicke anderer Familienmitglieder zu ertragen, lastet auf Isabel das Wissen, dass sie vielleicht jemand umbringen will. Deswegen versucht sie herauszufinden, wer das wohl sein könnte und warum.
Mir hat das Buch sehr gefallen. Die Schwerpunkte liegen darauf, wie Isabel möglichst schnell Elektras Part einnehmen soll, ohne sich zu verraten und in den ethischen Überlegungen bezüglich dessen, was Elektras Vater plant und was er beruflich macht. Etwas, was auch das Leben von Isabel und ihren Freunden stark betrifft. Isabels Versuche, Elektras Mörder herauszufinden bzw. wer nun ihr nach dem Leben trachten könnte fielen für meinen Geschmack leider etwas gering aus. Da hätte ich mir etwas mehr Eifer gewünscht sowie mehr Misstrauen bei dem Wissen, dass ein Mörder auf sie lauert. Zumal der Roman als Thriller beworben wird. Stattdessen ließ sie diesen Punkt sehr schleifen.
Das Buch ist aus Isabels Sicht geschrieben. Der Schreibstil des Autors ist wie gewohnt sehr angenehm und er hat ein Händchen dafür, sich in die weibliche Rolle hinein zu versetzen. Der Roman endet mit ein paar offenen Fragen und Andeutungen, was weiterhin geschehen könnte und regt dadurch zu Überlegungen an. Mir persönlich gefällt sowas, da ein Roman dadurch länger in Erinnerung bleibt, wenn mich das Thema über das Ende hinaus beschäftigt. Das macht den fehlenden Eifer Isabels, nach dem Mörder zu suchen, wieder etwas wett, so dass ich dem Buch verdiente 4,5 von 5 Lesesternen gebe.
Rezensionen von Pink Anemone:
Ein herrlich schaurig-spannender Klassiker, der die medizinische Forschung der damaligen Zeit skeptisch betrachtet
Becoming Elektra (Elektra, Bd. 1) von Christian Handel
»Die Insel des Dr. Moreau« von H.G. Wells, einer seiner ersten Ausflüge in das Science Fiction Genre, handelt von einem wahnsinnigen, auf chirurgische Eingriffe spezialisierten Vivisezierer, der in seiner Forschungsstätte auf einer abgelegenen Insel grauenhafte Experimente durchführt, bei dem Versuch Tiere in Menschen zu verwandeln, mit abscheulichen Ergebnissen.
Es ist eine der frühesten und unheilvollsten Darstellungen wissenschaftlichen Strebens die ursprüngliche Welt zu kontrollieren und zu beeinflussen, und letztendlich auch das menschliche Wesen. Die ethischen Fragen, die Wells in seinem Roman aufwirft, sind beinahe ein Jahrhundert vor Beginn der biomechanischen Wissenschaft entstanden und nehmen stetig an Bedeutung zu, da der genetischen Manipulation ein stetig wachsender Stellenwert in der heutigen Zeit zugesprochen wird.
Seit der Erstveröffentlichung im Jahr 1896 hat »Die Insel des Dr. Moreau« Generationen von Lesern fasziniert und mit Abscheu erfüllt...(Klappentext)
➳➳➳➳➳
"SEIN ist das Haus des Schmerzes.
SEIN ist die Hand, die erschafft.
SEIN ist die Hand, die verletzt.
SEIN ist die Hand, die heilt."
(S. 83)
Erzählt wird hier aus der Sicht von Edward Prendick. Dieser befand sich auf Reisen und auf dem Schiff "Lady Vain". Dieses versank nach einer Kollision mit einem treibenden Wrack und fast ein Jahr lang bestand der Verdacht, dass alle Passagiere und die gesamte Besatzung dabei ertranken. Doch Prendick überlebte, da er von dem Schiff "Ipecacuanha" gerettet wurde. Dies scheint jedoch keineswegs Glück gewesen zu sein, denn aufgrund seiner Rettung sah und erlebte er grauenhafte Dinge, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.
Alles begann bereits auf der "Ipecacuanha", denn auf ihr befand sich eine seltsame Fracht und ein noch seltsamerer Doktor. Doch wenn es nur das gewesen wäre. Dieser Doktor namens Montgomery ist auf dem Weg zu seiner eigenen Insel - er und diese seltsame Fracht. Die seltsame Fracht sind Tiere aller Art und der Diener Montgomerys ist eine sehr auffällige und vor allem gruselige Erscheinung. Was Montgomery mit dieser Fracht vorhat ist Prendick unklar, doch ihm ist klar, dass mit dem Doktor irgendetwas nicht stimmt.
Der Kapitän will nach einem Streit Prendick nicht mehr weiter auf seinem Schiff haben und so gelangt er gemeinsam mit dem Doktor auf dessen Insel. Abgesehen davon, dass sich hier ein weiterer Doktor befindet, genauso seltsam wie Montgomery, scheinen sich auf dieser Insel einige Kreaturen zu tummeln und bald wünscht er sich, er wäre mit der "Lady Vain" ertrunken.
Wie so mancher Klassiker des späten 19. Jahrhunderts ist auch dieser in Form einer Niederschrift geschrieben, welche auf eine Erzählung beruht - quasi eine Erzählung einer Erzählung. Dies diente vor allem bei Gothic Novels dazu, die Storys realistisch erscheinen und somit unheimlicher erscheinen zu lassen.
"Mir fielen vor alem die merkwürdigen Beinbewegungen der drei verhüllten und bandagierten Matrosen auf - sie waren nicht steif, sondern irgendwie seltsam verdreht, als ob ihre Gelenke an den falschen Stellen säßen."
(S. 39)
Dieser Literaturklassiker, welcher 1896 veröffentlicht wurde, liest sich überraschend flüssig und angenehm, wenn nicht sogar relativ modern. Aufgrund dessen huscht man nur so durch die Seiten, was jedoch auch an der Story selbst liegt.
Obwohl nicht so nervenaufreibend wie ein zeitgenössischer Horrorschocker, kommt durchaus ein beklemmendes Gefühl während des Lesens auf. Dies liegt wiederum an der Thematik der Story - Forschung an lebenden Objekten mit fürchterlicher Auswirkung.
Hier wird natürlich alles eher umschrieben und nie direkt beim Namen genannt, doch trotzdem schafft es der Autor Bilder im Kopf und Gänsehaut auf dem gesamten Körper zu erzeugen. Man hört die Schmerzensschreie, sieht wie das dunkle Blut im Hinterhof abrinnt und die deformierten Körper der Gestalten vor seinen Augen - halb Mensch, halb Tier. Man fragt sich dabei ständig welcher Teil hier überwiegt - der menschliche oder der animalische Anteil.
"Sie mögen einst Tiere gewesen sein, doch ich hatte nie zuvor ein Tier gesehen, das zu denken versuchte."
(S. 97)
H.G. Wells erschafft also ebenso eine gewisse Grundspannung, als auch dichte Atmosphäre.
Die Beschreibungen des Settings kommen hierbei auch nicht zu kurz und entführt einen als Leser auf eine tropische Vulkaninsel mit Sandstrand, Schluchten, dichter Vegetation und Flüssen wie kochendes Wasser, während man von schwefelhaltigem Nebel umgeben ist.
Hier prangert Wells den reißenden Fortschritt auf dem Gebiet der medizinischen Forschung an. Im Hinterkopf taucht daher während des Lesens unweigerlich die Frage auf, wieso man so manche Experimente im Namen der Forschung betreibt, obwohl das Ergebnis für nichts zu gebrauchen ist und niemandem hilft. Dies alles nur weil es möglich ist, weil man es kann.
"War es möglich, dass hier so etwas wie eine Vivisektion an Menschen praktiziert wurde? Die Frage durchzuckte mich wie ein Blitz, der über einen stürmischen Himmel jagt, und plötzlich verdichtete sich das düstere Entsetzen in meinem Verstand zu einer lebhaften Erkenntnis meiner eigenen Gefahr."
(S. 71)
Fazit:
Herrlich, beklemmend und gruselig zugleich, wobei dieser Klassiker nichts an Aktualität verloren hat.
Hier wird von Wells die medizinische Forschung äußerst skeptisch betrachtet. Dies kann man durchauch auch in die heutige Zeit transportierten, in der weiterhin fröhlich an Tieren herumexperimentiert wird und die Klonforschung mehr heimlich als offiziell betrieben wird.
Abgesehen davon ist es ein schaurig-spannender Roman, der mich begeistert zurück ließ. Ein Wells eben, der damals seiner Zeit schon weit voraus war. Zur Übersetzung selbst kann ich leider nichts sagen, da ich das Original nicht kenne.
© Pink Anemone
Rezensionen von dorli:
Sterbenstörtchen
Sterbenstörtchen von Beate Ferchländer
Ein kleiner Ort in Österreich nahe der tschechischen Grenze. Hier führt Hanna Stadler seit vielen Jahren die einträgliche Gastwirtschaft der Familie und hofft, dass ihre schwer kranke Mutter ihr den Betrieb in Kürze überschreiben wird. Doch weit gefehlt - die 80-jährige Dolores hat anderes im Sinn.
Sie informiert ihre Töchter Hanna, Gerda und Paula über eine besondere Klausel in ihrem Testament, die besagt, dass nur die Tochter erbt, die ihren nichtsnutzigen Ehemann vor Dolores Ableben loswird. Egal wie.
Nach dieser überraschenden Verkündung beraten die Schwestern über ihr weiteres Vorgehen, denn so ganz Unrecht hat Dolores mit ihren Behauptungen über ihre Schwiegersöhne nicht. Willi ist ein wilder Schürzenjäger, Reinhold ein weltentrückter Alt-Hippie und Alex ein arroganter Schläger. Da für langwierige Scheidungen die Zeit fehlt, muss eine schnellere Lösung her: Gattenmord. Im betrunkenen Zustand klügeln die Schwestern scherzhaft einen Plan aus – und schon kurze Zeit später ist der erste Taugenichts tot…
Beate Ferchländer versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann dieses schwarzhumorigen Krimis zu ziehen. Ein mörderisches Familiendrama, das einmal begonnen, nicht mehr zu stoppen ist.
Die Geschichte wird aus Sicht der mittleren Schwester Hanna erzählt. Schnell ist man mittendrin im Geschehen und erfährt nach und nach von den rücksichtslosen Aktivitäten der Ehemänner und dem bisher tatenlosen Erdulden der Bosheiten durch die Schwestern. Als Leser neigt man zur Schadenfreude, als ein Nichtsnutz nach dem anderen sein Leben lassen muss, denn Dolores hatte Recht, die Kerle sind die reinste Plage. Wer allerdings für die plötzlichen Todesfälle verantwortlich ist, ist nicht so offensichtlich, wie man auf den ersten Blick vermuten mag, auch wenn der engstirnige Chefinspektor Hartinger die Schwestern natürlich fest im Visier hat.
Auch die locker in die Handlung eingeflochtenen alten Briefe von Frieda S., einer zur lieben Freundin gewordenen Kurbekanntschaft von Dolores, haben mich immer wieder schmunzeln lassen. Frieda versorgt Dolores nicht nur mit leckeren Rezepten, sondern erklärt auch ganz nebenbei, wie sie die Männer in ihrem Umfeld „pflegt“.
Jeder der zahlreichen Akteure bekommt schnell ein Gesicht und bringt mit seinen Eigenarten, Besonderheiten und Macken eine Menge Schwung in die Handlung, so dass bis zum dramatischen Finale für beste Unterhaltung gesorgt ist. Am Ende offenbaren sich mehr Lügen und Geheimnisse, als allen Beteiligten lieb ist, aber man ist nach den jüngsten Ereignissen als Familie zusammengewachsen und erträgt diese Unwuchten des Lebens gemeinsam.
„Sterbenstörtchen“ hat mir sehr gut gefallen – ein herrlich schwarzhumoriges Lesevergnügen.







