Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Pink Anemone:
Abgefahrener und wendungsreicher 2. Teil der Reihe mit ganz fiesem Cliffhanger
The Fourth Monkey - Das Mädchen im Eis von J. D. Barker
Dies ist der 2. Band der Sam Porter-/Fourth Monkey-Reihe und bevor man diesen liest sollte man unbedingt den 1. Band der Reihe lesen.
Nicht nur damit man gewisse Zusammenhänge besser verstehen kann, sondern da dieser Teil im wahrsten Sinne eine Fortsetzung ist und man dadurch ziemlich böse zum 1. Band gespoilert wird.
Diese Reihe lebt von überraschenden Wendungen und diese sollte man sich nicht vermiesen lassen.
Hierbei möchte ich auch gleich vor möglichen Spoilern in dieser Rezension warnen, wobei ich versuche diese in Grenzen zu halten.
An all diejenigen, welche bereits den 1. Band "Geboren, um zu töten" kennen, wünsche ich viel Vergnügen, denn Anson Bishop is back und das brutaler und hintertriebener denn je.
❆❆❆
"Ein paar Schritte, und vor ihm tauchte das Mädchen auf. Über ihr war das Eis durchsichtig wie Glas. Sie sah mit leerem Blick zu ihm hoch. Ihre Haut war bleich und leicht bläulich verfärbt - außer rund um die Augen, dort war die Haut dunkellila. Ihre Lippen waren leicht geöffnet, als wolle sie ihm etwas sagen - etwas, was nun nie ausgesprochen würde."
(S. 17)
Seit den furchtbaren Ereignissen bei denen der Fourth Monkey Killer Chicago in Atem hielt, sind vier Monate vergangen. Der Ermittler Sam Porter hat diesen Psychopathen, dessen realer Name Anson Bishop ist, mehr oder weniger freiwillig laufen lassen. Noch immer plagen ihn Albträume von ausgeschabten Augäpfeln und das schlechte Gewissen. Doch ihm bleibt nicht viel Zeit dies zu verarbeiten, denn ein neuer Serienkiller ist in der Stadt.
Die 15-jährige, vor zwei Wochen als vermisst gemeldete Ella Reynolds wird in einem zugefrorenem See gefunden. Das Verwirrende daran - der See ist schon seit Monaten gefroren, also wie kommt das Mädchen unter das Eis? Als kurz darauf ein weiteres Mädchen vermisst gemeldet wird, ist schnell klar, dass der selbe Täter dahinter stecken muss.
Während Porter und sein Team versuchen diesen Täter zu fassen, beschäftigt er sich privat weiter mit dem 4MK (Fourth Monkey-Killer). Auch diesen will er schnappen, denn er hat mit ihm noch eine Rechnung offen und selbst eine Suspendierung hält ihn nicht auf. Tja, und Bishop scheint sich auch nicht unbedingt auszuruhen.
Wir haben es hier also diesmal mit zwei Fällen, sprich zwei Handlungssträngen zu tun und lesen aus mehreren Perspektiven.
Der erste Handlungsstrang verfolgt den aktuellen Fall, wobei wir dem Ermittler-Team über die Schulter blicken, Einsicht in die verstörende Perspektive des Täters, sowie die der Opfer erhalten. Vor allem Letztere sind beklemmend und stecken voller Angst. Man leidet mit ihnen, zittert mit ihnen vor Kälte und Angst und driftet auch mit ihnen in die erlösende Dunkelheit.
Bei mir kam aber auch Mitleid mit dem Täter auf, denn dieser ist auf der Suche nach etwas und scheint nicht von grundauf böse zu sein, obwohl seine Taten eine ganz andere Sprache sprechen. Somit war ich hin und hergerissen.
"Die Insekten fraßen seine Gedanken. Das wusste er jetzt. Sie ernährten sich von seinem Gedächnis. Nur deshalb hatte er solche Probleme, sich zu erinnern. Sie fraßen, vermehrten sich, und je zahlreicher sie wurden, umso mehr juckte es - erst waren es nur wenige gewesen, inzwischen waren es unzählige."
(S. 353)
Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit der Suche nach dem 4MK und hierbei lesen wir nicht nur aus Sam Porters Sicht, sondern auch aus der Perspektive von Special Agent Pole vom FBI. Dieser ist einer der wenigen, der auf Porter und dessen Bauchgefühl hört. Im Gegensatz zu ihm versucht er Bishop jedoch auf offiziellem und legalem Weg aufzustöbern.
Hierbei kommt es zu einer wahren Schnitzeljagd, denn Bishop liebt Rätsel und andere auf falsche Fährten zu führen, während er die Strippen in der Hand hält. Des Weiteren bekommen wir auch wieder Einblick in seine Tagebücher.
"Die Elektroden des Elektroschockers bissen sie in den Nacken - zwei Metallzähne, die so unerträglich wehltaten, dass es ihr schier durch jede Faser schnitt, als glitte eine KLinge von ihren Zehen bis in die Fingerspitzen. Sie verdrehte die Augen, und die Beine gaben unter ihr nach. Binnen eines Wimpernschlags war ihr Schrei verstummt, und um sie herum wurde es still."
(S. 86)
Dieser Band ist ein absoluter Pageturner und von Anfang bis Ende mit überraschenden Wendungen gespickt. Eine Story, welche spannend, brutal und verstörend ist, trifft auf Sprachgewalt, welche für diesen Autor typisch ist. J.D. Barker schafft es in Bezug auf Folter- und Tötungsmethoden, sowie bezüglich Wendungen den ersten Band zu toppen - alles noch ausgefeilter und noch komplexer, sodass man bis zum Ende hin nicht weiß wohin er uns führen möchte.
Die Figuren sind hervorragend gezeichnet und sie laden einen regelrecht ein mit ihnen zu gehen. Vor allem, wenn man aus der Sicht der Ermittler liest, hat man das Gefühl selbst ein Teil des Teams zu sein. Dies wird vor allem durch so manche witzigen und typischen Dialoge zwischen den Kollegen begünstigt, bei denen man merkt, dass sie schon lange zusammenarbeiten und einen vertrauten Umgangston pflegen. Hierbei hat man also auch durchaus Grund zwischendurch zu schmunzeln.
"Hier sind die Leute so arm, dass sie ihr Müsli mit der Gabel essen, um Milch zu sparen. Und für eine Schießerei im Vorbeifahren nehmen sie den Bus."
(S. 274)
Am Ende schafft es der Autor die beiden Fälle auf spektakuläre Weise miteinander zu verweben und nicht selten blieb mir vor Überraschung die Spucke weg.
Wie nicht anders zu erwarten, endet auch dieser Band mit einem verdammt miesen Cliffhanger, denn Bishop ist noch lange nicht fertig und scheint erst so richtig warm zu werden. Manchen könnte das Ende also sauer aufstoßen und auch ich raufte mir die Haare, jedoch mit einem fiesen Lächeln im Gesicht. Immerhin bedeutet das, dass der Autor noch lange nicht mit Porter und Bishop fertig ist.
Fazit:
War ich vom 1. Band schon begeistert, so bin ich von diesem hier regelrecht überwältigt.
Dieses Buch wurde zu einem der wenigen, die mich vor Spannung nicht schlafen ließen, selbst wenn ich am nächsten Tag früh aufstehen musste. Das lag natürlich auch an den kurzen Kapiteln, welche immer mit einem Cliffhanger enden. Hierbei sollte man anmerken, dass J.D. Barker wahrlich the Master of Cliffhanger ist, der selbst mich vergessen ließ an meinem Kaffee zu nippen.
Tja, und nun hoffe ich, dass der. 3. Teil so schnell als möglich erscheint, denn die Spannung wie es weitergeht ist kaum auszuhalten.
Rezensionen von dorli:
Tod an der Seebrücke
Tod an der Seebrücke von Gerd Kramer
Husum. Die Kommissare Flottmann und Hilgersen werden an einen Tatort in einer Schobüller Nobelvilla gerufen. Die Spurenlage und das Video aus einer Überwachungskamera lassen den Mord an dem 25-jährigen Sohn des Villenbesitzers Wilhelm Küster vermuten, doch von dem offenbar erstochenen Alexander fehlt jede Spur…
Zur gleichen Zeit entdeckt die Ärztin Lena Abendroth in einer vor einem Laden für Geschenkartikel ausgestellten Skulptur aus Strandgut einen menschlichen Oberarmknochen.
Als Lena sich die Figur nach einer Stöberrunde im Laden noch einmal genauer ansehen will, wurde diese bereits verkauft. Lenas Spürsinn ist geweckt…
„Tod an der Seebrücke“ ist bereits der dritte Fall für den aus dem Rheinland stammenden Hauptkommissar Waldemar Flottmann und dem Husumer Kommissar Gustav Hilgersen, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.
Gerd Kramer beginnt diesen Krimi mit einem genauso spannenden wie grausamen Prolog: Sabrina erwacht aus tiefer Bewusstlosigkeit. Die schwer verletzte Frau liegt in einem Boot und sieht zwei Gestalten vor sich. Statt Sabrina zu helfen, holt einer der Männer mit einem Metallrohr aus und schlägt zu – mehr erfährt der Leser an dieser Stelle nicht. Ob der Mann tatsächlich Sabrina erschlagen oder womöglich seinen Kumpel niedergestreckt hat, bleibt zunächst einmal offen.
Im Folgenden erwartet den Leser ein raffiniert gestrickter Krimi – der vermeintliche Mord in der Küster-Villa und mehrere Todesfälle werfen im Handlungsverlauf immer neue Fragen auf, die dem Leser reichlich Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Hintergründe, mögliche Zusammenhänge und die Identität des Täters geben. Mehrere Handlungsstränge, unterschiedliche Schauplätze und häufige Perspektivewechsel sorgen zudem für ein lebhaftes und abwechslungsreiches Geschehen.
Neben Flottmann und Hilgersen, deren frotzelnde Wortgefechte durchweg für gute Unterhaltung sorgen, ist auch der hochsensible Musiker Leon Gerber wieder mit von der Partie und unterstützt die Kommissare bei ihren Ermittlungen. Außerdem gibt es bei der Kripo Husum einen Neuzugang: Rita Förster. Rita ist Spurensicherungskraft und wurde vom Autor mit einem eigenwilligen Charakter ausgestattet. Auch wenn Flottmann glaubt, dass sie und er keine Freunde werden, passt die resolute Vierzigjährige prima ins Team.
Gerd Kramer kann auch mit einer großen Portion Lokalkolorit punkten. Viele in die Handlung eingeflochtene Besonderheiten Nordfrieslands sorgen für eine herrliche Nordseeküstenatmosphäre und runden das Geschehen in diesem Küstenkrimi prima ab.
„Tod an der Seebrücke“ hat mir sehr gut gefallen – ein kurzweiliger Krimi, der mit einer fesselnden Handlung und einem typisch norddeutschen Humor punkten kann.
Rezensionen von Jules118:
Ein spannender neuer Fall
Messer Ein Fall für Harry Hole. Gebunden. von Nesbø Jo
„Denn Glück ist etwas anderes als Zufriedenheit. Glück ist unnatürlich.“
Dieses Zitat fasst das Leben von Harry Hole sehr gut zusammen. Seine Frau Rakel, die Liebe seines Lebens, hat ihn vor die Tür gesetzt. Um den Schmerz zu vergessen, fängt er wieder an zu trinken. Auch in der Arbeit darf er sich nur noch um bereits abgeschlossene Fälle kümmern.
Doch dann wendet sich das Blatt und sein Leben beginnt sich zu einem noch größeren Albtraum zu entwickeln, aus dem es kein Erwachen gibt.
Seit Jahren schon bin ich ein begeisterter Leser von den Büchern von Jo Nesbo. Deswegen habe diesem auch entgegengefiebert.
Harry Hole ist in einer schlechten Verfassung und Jo Nesbo beschreibt ihn so gut, dass man direkt ein Bild vor Augen hat.
In seinen Ermittlungen gibt es sehr viele Variablen und noch mehr Verdächtige. Doch wer hatte wirklich ein Motiv für den Mord?
Die Beweggründe für den immer schlimmer werdenden Strudel um Harry Hole sind absolut nachvollziehbar, auch wenn natürlich seine Maßnahmen zur Verdrängung mehr als nur fragwürdig sind.
Bis zum Ende ist das Buch wirklich spannend. Sicher sind ein oder zwei kleine Stellen dabei, die sich etwas ziehen, aber nichts was wirklich störend ist. Hauptsächlich betrifft das die Passagen aus der Vergangenheit, die aber durchaus wichtig für die Handlung sind.
Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen.
Rezensionen von nil_liest:
Ein Science-Fiction Roman in einem anachronistischen Gewand
Der Metropolist von Fried Seth
Abgefahren! Der Roman „der Metropolist“ sprengt die herkömmlichen Grenzen der gängigen Genre! Bei der erfreulichen Lektüre dachte ich so manches Mal das ist futuristische Science Fiction und dann las es sich teilweise wie ein Agententhriller aus den 50er Jahren, auf anderen Seiten hatte es etwas komödiantisches wie Men in Black.
Mein Resümee ist: hier passt keine Schublade und die Klappentextüberschrift passt extrem gut mit „Pulp Fiction meets Science Fiction“.
Seth Fried, der unter anderem auch für den New Yorker schreibt, schickt in seinem Roman in nicht allzu ferner Zukunft den streberhaften Henry Thompson der Infrastrukturbehörde auf eine Mission nach Metropolis. Metropolis gerät ins Wanken, es gibt Anschläge und die Tochter des Bürgermeisters verschwindet. Nun soll Thompson mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz OWEN die Stadt retten. Leider ist OWEN exzentrisch, versoffen und Vorschriften respektiert er auch nicht. Alles in der Tat eine explosive Mischung auf sehr unterhaltsame Weise!
Weder zu technisch, noch zu düster wie viele Science Fiction Romane geht es hier zu. In der Tat gibt es eine künstliche Intelligenz, aber auch noch ausgedruckte papierhafte Memos. Dann wird immer noch geraucht und die Führungspositionen sind alle von Männern besetzt, wenn das nicht anachronistisch ist, dann weiß ich auch nicht. Gepaart ist das Ganze mit aberwitzigen Situation, die nicht vorhersehbar sind. Genau diese irre Mischung macht den Roman aus und lesenswert.
Weniger auf den Text bezogen, aber für mich als Leser immer auch wichtig ist die Seitengestaltung. Wenig Schrift pro Seite in großer Schriftgröße, ein handliches Softcover-Taschenbuch. Da hat der Heyne Verlag ein wirklich gutes Stück Arbeit produziert. Auch das Cover ist überzeugen!
Fazit: Wer also das nächste Mal in einer Buchhandlung steht, gerne etwas Spannendens lesen möchte, aber es kann gerne mal „anders“ sein – bitte zugreife.
Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.
Rezensionen von Anja:
etwas Anderes vorgestellt
Die One-Pot-Challenge von Sarah Schocke; Jumbo Schreiner; Martin Kintrup; Sandra Schumann
Auf den ersten Blick wirkt die Aufmachung des Buches ganz lustig. Drei Köche/innen stellen sich der Herausforderung, One-Pot Gerichte mit einer vorgegebenen Zutat zu kreieren und wählen dafür Topf, Pfanne oder Blech.
Insgesamt enthält das Buch 60 Rezepte zu 20 vorgegebenen „Grundzutaten“.
Der Sinn der „Challenge“ ist mir dabei leider nicht klar geworden.
Nach jeder Zutat begründen die Köche/innen ihre Wahl. Allerdings variieren sie dabei nicht etwa zwischen Topf, Blech und Pfanne, sondern jeder behält sein jeweiliges Küchengerät bei. Diese wiederholte Auflistung wäre daher nicht nötig gewesen.
Zudem gibt es auch keinen Challengegewinner. Jumbo lobt jedes Gericht, beschreibt, was daran besonders ist, und setzt es ganz oben auf das Treppchen.
Hinzu kommt, dass ich von One-Pot-Rezepten auch einfach aufgrund anderer Bücher eine andere Vorstellung hatte. Beispielsweise hat ein auf dem Blech fertig aufgeschichteter Burger für mich nichts mehr mit One-Pot zu tun, da hier viele Handlungsschritte nacheinander ablaufen, bis dieser dann auf dem einen Blech steht.
Und so geht der Aufwand bei vielen Gerichten über das schnell-in-einem-Topf hinaus.
Hinzu kommt, dass bei vielen Rezepten eine kleine Menge einer bestimmten Zutat benötigt wird. Seien es (für mich) eher ungewöhnliche Gewürze oder einfach kleine Mengen Gemüse, z.B. Kohl, sodass man dann schauen muss, was man mit dem Resten macht...
Ein paar Rezepte finde ich ganz interessant und möchte sie noch weiter ausprobieren.
Fazit
Insgesamt habe ich mir unter One-Pot einfach etwas anderes vorgestellt.
Die Challenge an sich erfüllt für mich keinen Zweck, da alle Gerichte hochgelobt werden und die wiederholte Auflistung der Wahl von Blech, Topf und Pfanne unnötig Platz kostet, der gern für weitere Rezepte hätte benutzt werden können.
Rezensionen von Tara:
Sprache ist mehr als nur Kommunikation
Alles außer fern von Konrad Ksenia
„Alles außer fern“ ist ein eindrucksvolles Buch der russischen Autorin und Deutschtrainerin Ksenia Konrad, das ich interessant fand und das mich so einige Male zum Schmunzeln gebracht hat.
Nachdem die Autorin von Russland nach Tirol gezogen ist, stellt sie fest, dass sie zwar die Sprache beherrscht, aber dennoch vor so einigen kleinen und großen Unwägbarkeiten steht.
In diesem Buch erfährt man eine Menge aus dem Leben der Autorin und über ihre Arbeit als Sprachtrainerin. Ihre Anekdoten sind interessant und oft auch sehr amüsant. Man macht sich kaum eine Vorstellung davon wie schwierig es ist die Deutsche Sprache zu erlernen und wie absurd die Regeln und die vielen Ausnahmen jemanden der das lernen muss, erscheinen mögen.
„Deutsch kommt mir sehr oft wie ein Puzzle oder wie Lego vor, die Wörter sind wie Bauklötze: Etwas wird zusammengelegt, zusammengeführt, zerlegt, aufeinandergestapelt, aufgebaut, umgebaut. Im ungünstigsten Fall ist das wie eine große Baustelle, die noch dazu in einem denkbar schlechten Moment in vollem Gange ist, wie zum Beispiel mitten in der Touristensaison bei uns im Bezirk, wenn man eifrig und voller Engagement mit der Renovierung beginnt. Und zwar so, dass die verwirrten Touristen in Panik nach der Umfahrung suchen müssen, weil das Umleitungsschild leicht schief hängt und der Pfeil in den Asphalt zeigt oder genau in die Straßenrichtung mit dem Fahrverbot.“
Dieser und viele andere Sätze haben mich schmunzeln und staunen lassen.
Mir hat das Buch einen völlig neuen Blick auf die Probleme der Migranten und unsere Sprache gezeigt. Man spürt, dass Ksenia Konrad ihre Arbeit liebt und ihre Erzählungen sind so lebendig und ungewöhnlich, dass dieses Buch einfach ein tolles Leseerlebnis ist.
Rezensionen von Castilleja:
Atme
ATME! von Judith Merchant
Von Judith Merchant habe ich vor einigen Jahren bereits "Loreley singt nicht mehr" gelesen und musste mich - damals wie auch dieses Mal - erst ein wenig "einlesen" in die Art zu erzählen und den Schreibstil. Der Leser ist oftmals etwas verwirrt und weiß nicht so recht, was ihn erwartet.
Und vor allem, ob er der Protagonistin trauen kann, oder aber nicht.
Allein schon die Ausgangssituation mit den zwei Frauen, in Bens Leben, die sich zusammen tun, als er verschwindet, ist nicht ganz alltäglich. Der Leser erfährt immer mehr Details und die Anzahl der Fragen erhöht sich stetig. Was ist hier passiert? Welche Absicht steckt dahinter? Wem ist zu glauben?
Ein Psychothriller mit einem ausgeklügeltem Verwirrspiel, bei dem die Beteiligten bei mir jedoch viel an Sympathie eingebüßt haben, was es mir auch an manch einer Stelle schwer gemacht hat. Psychologisch raffiiniert mit einem überraschenden Ende.
Rezensionen von Castilleja:
Bauernhof
Wenn der Bauernhof erwacht von Grimm Sandra
Dieses Buch ist genau das Richtige für meine kleine Nichte. Hier gibt es viel zu entdecken für die Kleinsten und die Zeichnungen mit den vielen Tieren gefallen ihr sehr; vor allem die Seite mit den Schafen hat es ihr angetan. Ich finde es auch angenehm, dass die Schrift nicht immer gerade verläuft, sondern mal in Kurven oder auf und ab.
Nicht nur die Tiere, die auf dem Bauernhof leben, sondern auch beispielsweise ein Maulwurf taucht hier auf; einen Maulwurfshügel haben die Kinder ganz bestimmt schon mal entdeckt und so kann gut angeknüpft werden an das Vorwissen beziehungsweise die Neugierde und Spannung geweckt werden, wenn gemeinsam nach einem Maulwurfshügel gesucht wird. Die Größe der Tiere und weiteren Elemente ist gut gewählt und die Pappe schön fest.
Rezensionen von manu63:
Nette Familiengeschichte
Der Gutshof im Alten Land von Micaela Jary
Der Gutshof im Alten Land geschrieben von der Autorin Michaela Jary entführt die Leser ins Jahr 1919 und ins Alte Land. Der Gutsherr Edzard von Voss liegt im Sterben und würde gerne seinen Sohn Lennart vor seinem Tod noch einmal wieder sehen, der ist jedoch genauso wie der ältere Sohn Gerrit vermisst.
Plötzlich steht ein Kamerad von Lennart vor der Türe und hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem vermissten Lennart. Die Scharade beginnt, der Kamerad gibt sich auf Wunsch der Ehefrau von Edzard als der verschollene Sohn aus. Die Geschichte könnte gut enden wenn es nicht eine unerwartete Wendung geben würde.
Die Geschichte selber hat nicht viel Tiefgang und dümpelt die meiste Zeit ein wenig vor sich her, dafür sind die einzelnen Charaktere interessant und welche Auswirkungen sie auf die Scharade haben. Vordergründig steht kein einzelner Protagonist im Vordergrund sondern sie stehen eher gleichberechtigt nebeneinander. Das Alte Land wird gut beschrieben und auch die Auswirkungen des Krieges geraten immer wieder in den Fokus. Großartige Spannungsbögen hat die Geschichte nicht, sie ist eher nett und fast beschaulich, was gerade auch die Landschaftsbeschreibungen bewirken.
Insgesamt eine eher ruhige Geschichte die man zur Entspannung gut lesen kann und bei der man nicht atemlos jede Seite umblättert,
Rezensionen von Petra Gruber:
Ein Roman wie ein Wimmelbild
Der Sprung von Simone Lappert
Auf dem Cover sieht einem das Portrait einer jungen, nachdenklichen Frau entgegen, gemalt in Grüntönen. Schön sieht es aus, elegant und einladend im typischen Diogenes-Stil. Die Autorin sagte mir nichts, der Titel ist kurz und prägnant, könnte aber zu vielen Geschichten passen.
Doch gleich auf der ersten Seite geht es um diesen Sprung, wie er sich anfühlt, was in der Springerin vorgeht.
Gefesselt liest man mit, hofft, dass es nur eine Wunschvorstellung ist oder dass irgendetwas ihren Fall bremst und sie rettet. Nur das erfährt man hier noch nicht.
Und dann geht es los, episodenhaft werfen wir Leser*innen einen Blick in die Leben ganz vieler verschiedener Menschen. Da ist der Polizist Felix im Café von Roswitha, Maren, deren Beziehung sich anders entwickelt hat, als sie es erhofft hatte und deren Partner Hannes immer kälter und zwanghafter wird, Henry, der Obdachlose, der sich bemüht, Struktur in seinem Leben zu behalten, Finn, der Fahrradbote, der eigentlich auf große Reise gehen möchte, doch seit er die Gärtnerin Manu kennengelernt hat, sich gar nicht mehr so unwohl fühlt in dieser Stadt. Sie, und noch einige mehr, bilden den Mikrokosmos dieses Romans, am Anfang muss man manchmal zurückblättern, um zu schauen, wer wer ist oder ob vielleicht wieder ein neuer Charakter auftritt, das hat was von Detektivspielen. Ich mag das nicht ungern.
Mit der Zeit verweben sich die einzelnen Geschichten immer mehr, berühren sich, hängen zusammen. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, alleine auf einem Dach. Will sie sterben? Was macht sie auf dem Dach? Erzählt wird ein Zeitraum von 3 Tagen, der Tag vor dem Drama, der Tag des Beginns des Dramas und der Tag danach. Am Ende hat sich für alle von ihnen etwas geändert, nicht in diesem Esoterik- oder Kitschromansinn eines Happy Endes für alle, aber eine Verschiebung, Bewegung weg vom Stillstand, und in Wirklichkeit hört der Roman genau hier auf und lässt offen, wohin die Veränderungen führen.
Ich habe „Der Sprung“ verschlungen, mochte die vielen Charaktere, fand die Dramaturgie unglaublich spannend und auch wenn die Zusammenhänge natürlich schon sehr konstruiert sind, ging die Idee auf und erschien mir schlüssig und gut gemacht. Manche Szenen hatten fast etwas von einem Wimmelbild, z.B. im kleinen Laden, in dem die meisten Figuren einmal am Rande vorkommen.











