Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Wohldosiert wie ein würziger Gin
Der Gin des Lebens von Carsten Sebastian Henn
Nachdem ich Ende 2019 gemerkt habe, dass es von Gin nicht mehr nur zwei, drei Marken gibt wie noch in den 90ern- und 00er-Jahren und es durchaus geschmackliche Unterschiede gibt, dazu noch entscheidend ist, mit welchem Tonic man welchen Gin trinkt, bin ich dem Gin verfallen.
Äusserst spannend finde ich, dass er durch verschiedene Zugaben von Botanicals (Gewürze, Kräuter, Obst, etc.
) ganz unterschiedlich schmeckt. Diese Zutaten sind enorm wichtig, deshalb hat fast jeder Gin mindestens eine Zutat, die nicht bekannt gegeben wird. Eine Geheimzutat - und genau um diese geht es in "Der Gin des Lebens".
Bene öffnet Jahre nach dem Tod seines Vaters dessen letztes Vermächtnis - eine Flasche selbstgebrauter Gin. Er ist hin und weg und merkt auf den ersten Schluck, dass dieser Gin etwas Besonderes ist. Mit dem könnte man Geld verdienen, nur fehlt das genaue Rezept - das Bene im englischen Plymouth vermutet, da sein Vater jedes Jahr einige Wochen dort verbrachte. Also fährt er hin und stellt schnell fest, dass auch Cathy, in dessen B&B er wohnt, sich auch fürs Gin brennen interessiert. Es scheint so, als ob ihre beiden Väter gemeinsam das ultimative Rezept heraus gefunden haben, doch auch vom Gin von Cathys Vater gibt es leider kein Rezept mehr. Fortan machen sich Cathy und Bene gemeinsam auf die Suche nach den Geheimzutaten.
Sie scheinen nicht die Einzigen zu sein, denn jemand sabotiert die beiden extrem. Und nicht erst, seit vor einigen Wochen eine Leiche in Cathys Garten gefunden wurde. So wird aus der Suche nach der Geheimzutat zugleich eine Suche nach dem Mörder - wie sich herausstellt, ist der Bettler im Garten nicht der einzige Mord in der Geschichte.
Dieser neu Kriminalroman von Carsten Sebastian Henn ist wie ein guter Gin komponiert: er ist unterhaltend und spannend. Die Figuren haben alle ihren berechtigten Auftritt, einige skurille wie Ferdinard McAllister und Schwimmerin Eudora, zwielichtige Gestalten wie Phil, Ex-Lover Andrew, die drei Damen vom The Admiralty und Matt, Cathys Bruder, der manchmal er selbst, manchmal Freibeuter Francis Drake oder Seeoffizier William Bligh ist und am allermeisten einfach nur besoffen. Das hört sich schräg an, hat aber tragische Hintergründe, die im Laufe der Geschichte erläutert werden.
Auch der Humor kommt nicht zu kurz - Leser, die bereits Bücher des Autors gelesen haben, wissen das. Was in einigen seinen Krimis zu überspitzt rauskommt, ist hier sehr wohl dosiert.
Halt genau wie auch ein guter Gin sein muss: von einigen Zutaten reicht auch wenig, zu viel davon würde den Gin verderben. Vielleicht hätte der Krimi noch ein, zwei Alkoholprozente mehr gebraucht, nach etwa der Hälfte tauchten genau diese Anzahl an Längen auf, bei denen der Leser darauf wartet zu erfahren, was nun als Nächstes passiert.
Zwischendurch fliesst durch die Notizen von Archie Callaghan immer wieder Wissenswertes zur Geschichte dieser Spirituose ein. Wer sich mit Gin noch nicht auskennt - spätestens nach der Lektüre des Krimis ist es soweit. So bekommt man 2 in 1, Krimi plus ein Ginhandbuch. Am Ende des Buches ist sogar ein Rezept für einen Bathube-Gin angegeben, damit kann man sich seinen eigenen Gin herstellen. Desweiteren einige Rezepte, die zeigen, wie Gin auch zur Aromatisierung von Speisen eingesetzt werden kann.
Fazit: Wohldosiert wie ein würziger Gin - deshalb empfehle ich den Krimi nicht nur Gin-Begeisterten, sondern auch allen Krimilesern und umgekehrt.
4 Punkte.
Rezensionen von Petra Gruber:
Die Normalität der Gewalt
Milchmann von Anna Burns
Anna Burns hat mit diesem Roman 2018 den Man Booker Prize gewonnen, eine hohe literarische Auszeichnung, allerdings kein Garant für Lektüre nach meinem Geschmack. Der Klappentext sprach mich allerdings an und die Leseprobe gefiel mir sehr. Da spielte das Cover mit dem schönen Sonnenuntergang, der mir viel zu lieblich erschien für die Geschichte, die ich erwartete, auch keine Rolle mehr bei der Entscheidung.
(Interessanterweise passt im Nachhinein betrachtet das Cover hervorragend, da ein Sonnenuntergang gleich in zwei Szenen eine wichtige Rolle spielt.)
So begann ich mit der Lektüre. Dass die im Klappentext angekündigte Geschichte, dass eine junge Frau (unsere Protagonistin und Ich-Erzählerin) von einem wesentlich älteren Mann und Paramilitär (dem Milchmann) gestalkt wird und dies ein Gerücht auslöst, das immer größer wird und sich immer mehr aufbauscht, nur den Rahmen bildet, ist schnell klar. Denn beim Erzählen ihrer Geschichte, die auch die Geschichte ihrer Stadt, ihres Landes, ihrer Zeit (70er in Nordirland) ist, schweift die Protagonistin immer weit ab, lässt uns an ihren Gedanken teilhaben, beschreibt die Lebensumstände, die Einstellung der Menschen, wie ihre Gesellschaft funktioniert. Das ist durch die langen Sätze und vielen Aufzählungen oft anstrengend zu lesen und durch den Inhalt oft schwer zu ertragen. Es geht um Bigotterie, um Gewalt, um Frauenfeindlichkeit, um Intoleranz, um fehlendes Vertrauen in Medizin, Staat, aber auch in Freunde und Familie, es geht um Auswüchse, die auf dem Nährboden eines kriegerischen Konfliktes und einer autoritären Gesellschaft, blühen und gedeihen.
In diesem Umfeld, in dieser Gesellschaft, gerät die Protagonistin, obwohl (manche sagen weil) sie sich so bemüht, nicht aufzufallen, zwischen die Fronten. Und als Leser verfolgen wir, wie sich die Schlinge zuzieht, wie sie verzweifelt versucht, alles auszusitzen.
Ein Happy End gibt es nicht, aber vielleicht so etwas wie einen leichten Beginn einer Veränderung. Doch hier liegt auch mein Hauptkritikpunkt an der Geschichte. Für meinen Geschmack war das Ende zu konstruiert, so als ob die Autorin am Ende zu schnell die vielen losen, verwirrten Fäden verknüpft hätte. Das ging mir dann zu schnell. An manchen Stellen fand ich auch die Abschweifungen, Sätze und Beschreibungen etwas zu viel des Guten, obwohl mir der Stil generell ja gut gefiel.
Sehr interessant fand ich, dass in dem ganzen Roman keine Namen vorkommen. Die Protagonistin nennt alle mit Ausdrücken, die sie charakterisieren und in der Familie wird einfach aufgezählt. Da gibt es Schwester 1-3, Schwager 1-3, Milchmann, Vielleicht-Freund, älteste Freundin, Tablettenmädchen,… Das erzeugt eine ganz eigene Stimmung, weil man bei manchen rätselt, woher der Name kommt und auch weil klar wird, dass der echte Name in dieser Gesellschaft verborgen bleibt. Ob aus Schutz, da ja alle eng mit den Paramilitärs verbunden sind oder aus Gewohnheit, man erfährt es nicht.
Ein spannender, hochliterarischer, sehr anspruchsvoller Roman. Kein schönes und unterhaltsames Buch, aber eine Lektüre für alle, die sich beim Lesen gerne auch etwas anstrengen und nicht nur reine Unterhaltung suchen. Mir hat es mit ein paar Abstrichen sehr gut gefallen.
Rezensionen von spozal89:
Baustellen-Liebe
Wieso? Weshalb? Warum? Band 7 - Fahrzeuge auf der Baustelle von Andrea Erne
Die Bücher der Wieso-Weshalb-Warum Reihe liebt mein Sohn total. Egal ob die Bücher von 2-4 oder von 4-7, es sind bisher alle super gut angekommen. Mein Sohn ist drei Jahre und auch wenn in diesem Buch für ihn noch ein bisschen viel Text steht, schaut er es sich dennoch super gerne an und ist von den Bildern total begeistert.
Da wir in einem Neubaugebiet wohnen, sind wir von Baustellen umgeben und da ist dieses Buch perfekt, um alles zu verarbeiten, was um einen herum passiert. Vor allem die Bagger haben es ihm angetan und da gibt es in dem Buch ja eine Menge Wissen dazu. Die Seiten sind liebevoll und umfangreich aufgebaut und vor allem auch für Kinder verständlich erklärt (da es wie gesagt sehr viel Text ist, lasse ich bei meinem Sohn einfach ein bisschen was weg bzw. erkläre es nochmal mit eigenen Worten). Die Klappen sind gut eingesetzt und erwecken so auch nochmal eine gewisse Neugier und regen das Kind zum mitmachen an. Toll fand ich, dass auch Baustellen aufgezeigt werden, die man eher selten sieht, wie z.B der Tunnelbau oder Großbaustellen. Die Infos dazu fand sogar ich interessant und konnte dabei noch was lernen.
Rezensionen von AndFe1:
Fahrzeuge auf der Baustelle
Wieso? Weshalb? Warum? Band 7 - Fahrzeuge auf der Baustelle von Andrea Erne
In diesem Buch erfahren wir Wissenswertes rund um Fahrzeuge auf der Baustelle. Welche verschiedene Baufahrzeuge gibt es? Wer liefert verschiedene Rohstoffe? Warum sind Bagger Alleskönner? Wie wird eine Straße gebaut? Wie entsteht ein Tunnel? Wie kommen Rohre in die Erde? und vieles mehr.
Meine Jungs (5 und 7,5) sind von diesem Buch begeistert, es wird immer wieder hervorgeholt und angeschaut.
Es viele gibt interessante und spannende Dinge zu entdecken. Die Texte sind verständlich geschrieben und alles ist gut erklärt. Die detailreichen Bilder laden die Kinder zum Anschauen ein und die Klappen zum Öffnen kommen gut an. Durch die stabilen Seiten kann auch so schnell nichts kaputt gehen.
Ein schönes Buch für Entdecker.
Rezensionen von Petra:
Probleme
Was lange liebt, wird endlich gut von Mallery Susan
Klappentext
Für ihre Familie geben diese Frauen alles! Gabby hat ihren Beruf zurückgestellt, bis ihre Zwillinge fünf geworden sind. Hayley hatte schon mehrere Fehlgeburten, ist aber nicht bereit aufzugeben. Und Nicole will ihren Sohn Tyler nach der Scheidung unbedingt vor einer Enttäuschung schützen und kann sich zunächst auf keine neue Beziehung einlassen.
Für die drei Freundinnen kommt jedoch alles anders als geplant. Aber auch wenn das Leben mit so manchen Überraschungen aufwartet, halten sie zusammen. Denn gerade darin liegt der Schlüssel zu ihrem Glück …
Meinung
Drei Freundinnen und ihre großen Probleme, Teenagerschwangerschaft, Fehlgeburten, Wiedereinstieg in den Beruf und ein neuer Mann das Leben und das Buch lassen nichts aus.
Für mich war es überfrachtet, es wurde bei allem nur an der Oberfläche gekratzt und dann kam auf einmal die heile Welt wieder zum Vorschein.
Es lässt sich leicht lesen, da ist die Autorin eine Meisterin ihres Fachs. Aber es hat mich nicht berührt, obwohl einige Themen auch meine waren. Die Charaktere waren zu sehr auf das jeweilige Thema/Problem zu geschnitten, sie waren für mich sehr einseitig gezeichnet.
Es ist der zweite Band der Serie und alle Charaktere kommen im ersten Band vor. Man kennt sie also alle schon, aber es ist nicht zwingend notwendig das erste Buch gelesen zu haben. Es ist gelungen sie unabhängig von einander zu halten..
Rezensionen von heinoko:
Spannendes Kammerspiel
Das Echo deines Todes von Sophie Kendrick
Den Thriller habe ich an einem Tag durchgelesen. Er liest sich leicht und flüssig und behält über alle Seiten hinweg eine permanente Spannung, zwar nicht nervenzerfetzend, aber doch so intensiv, insbesondere gegen Ende hin, dass man das Buch nicht weglegen möchte.
Es geht um vier ehemalige Freundinnen, die vor 16 Jahren direkt nach ihrem Abitur zuletzt einen gemeinsamen Urlaub auf einer einsamen Insel in Schweden verbracht hatten.
Dieser Urlaub endete tragisch, denn eine von ihnen verschwand damals spurlos. Die Lebenswege der jungen Frauen gingen im Laufe der Jahre auseinander. 16 Jahre später erhält jede von ihnen einen mysteriösen Brief ohne Absender, in dem sie aufgefordert werden, nach dieser langen Zeit erneut für ein Wochenende zusammen zu kommen, und zwar genau auf dieser einsamen Insel in Schweden, auf der sie damals den Albtraum erlebt hatten.
Die Autorin baut mit diesem Plot eine geschickte Szenerie auf, in der sie einem Kammerspiel gleich einerseits die sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und die Interaktionen der ehemaligen Freundinnen lebendig werden lässt, andererseits den Leser immer und immer wieder aufs Neue in die Irre schickt. Die Geschichte kommt erst einmal etwas ruhig daher, nimmt aber dann zunehmend an Fahrt auf. Durch merkwürdige Vorkommnisse auf der Insel wächst das Gefühl einer unerklärlichen Bedrohung bei den Freundinnen und damit die Spannung beim Leser. Die unregelmäßig eingestreuten Vernehmungsprotokolle von damals sind Stück für Stück erhellend, weil sie die psychische Struktur des jeweilig Befragten deutlich werden lassen und Puzzleteile des damaligen Geschehens aufzeigen. Dass Lara, die Ich-Erzählerin, an Asperger leidet und übersensibel auf Reize von außen reagiert, gibt der Geschichte noch einen zusätzlichen Aspekt des Ungewöhnlichen.
Fazit: Ein atmosphärisch dichter, spannender, leicht zu lesender Thriller.
Rezensionen von Heyn Leserunde, Nico Strahl:
Vom Land wie es heute ist
Vom Land von Dominik Barta
Dieser Roman räumt auf mit der ländlichen Idylle, die wir alle noch in unseren Köpfen gespeichert haben.
Aktueller geht es kaum!
Unbedingt lesen!
Rezensionen von HEYN Leserunde Erika Liebminger:
Keine Idylle!
Vom Land von Dominik Barta
Dass das Leben am Land nicht immer eine Idylle ist , beschreibt Dominik Barta auf eindrucksvolle Weise. Es ist das Leben einer Bauernfamilie, das durch die seltsame Krankheit der Mutter erschüttert wird. Die erwachsenen Kinder zeigen sich schockiert, und als der zwölfjährige Enkel sich mit einem jungen Asylanten anfreundet, gerät die nach außen heile Welt ins wanken.
Es sind alte Strukturen, die aufgezeigt werden und erst als sich die Mutter erschießt und nach dem Syrer geradezu eine Treibjagd veranstaltet wird, schreitet der Bauer ein. Alles, außer dem Asylanten, hat es am Land schon immer gegeben. Dominik Barta kennt das Land wirklich.
Rezensionen von begine:
Der Apfelhof
Vom Land von Dominik Barta
Die Schriftstellerin Julie Peters schreibt locker, leicht und gefühlvoll. Der Roman „Ein Sommer im Alten Land“ liest sich angenehm entspannend.
Die Parfümeurin Alice verliert nach einem Autounfall ihren Geruchssinn.
Sie fährt zu ihrer Tante Barbara auf den Apfelhof. Da hat sich einiges verändert, die Tante baut geistig ab.
Mit deren Enkel will sie versuchen den Hof zu retten.
Die Autorin baut etliche Verwicklungen ein, die die Geschichte so richtig spannend machen. Der Roman ist ein richtig schöner Sommerroman für Zwischendurch.
Ich habe ihn gerne gelesen.
Rezensionen von Lilli33:
Einfach schön
Dankbarkeiten von Delphine Vigan
Einfach schön
Inhalt:
Michèle Seld, genannt Michka, ist eine ältere Dame, der es immer schwerer fällt, allein in ihrer Wohnung zu leben. Nach einigen Stürzen und weil auch die sprachlichen Fähigkeiten immer mehr nachlassen, zieht sie in ein Pflegeheim um. Michka hat sich um das Mädchen Marie gekümmert, die im selben Wohnblock lebte und deren Mutter oft durch Abwesenheit glänzte.
Nun ist Marie eine junge Frau und kümmert sich um Michka. Auch Jerôme, der Logopäde, ist von der alten Dame fasziniert.
Meine Meinung:
Abwechselnd erzählt Delphine de Vigan aus der Sicht von Marie und aus der von Jerôme, wie sie die letzten Monate mit Michka erleben. Ihre Gespräche sind von Liebe, Zuneigung und Dankbarkeit erfüllt - in beide Richtungen. Michkas größte Dankbarkeit gilt allerdings einem Ehepaar, bei dem das kleine Mädchen während des Kriegs Unterschlupf fand. Zu gerne möchte sie diesen beiden selbstlosen Menschen dafür danken, dass sie ihr damals das Leben gerettet haben.
Sehr einfühlsam beschreibt die Autorin den langsamen, aber steten Verfall Michkas. Immer mehr Wörter entfallen der Seniorin. Sie ersetzt sie durch ähnlich klingende oder lässt sie auch ganz weg. Was theoretisch lächerlich wirken könnte, da bei den Wortschöpfungen schon auch mal lustige Dinge herauskommen, empfand ich dennoch als ganz sachlich. Diese Gratwanderung ist Delphine de Vigan hervorragend gelungen. Auch die Übersetzerin Doris Heinemann hat hier sehr gute Arbeit geleistet.
Michkas Geschichte hat mich sehr berührt und am Ende auch zu Tränen gerührt. Man muss diese Frau einfach gern haben - ebenso wie Marie und Jerôme.








