Kunden em pfehlungen
Rezensionen von anushka:
Aufrüttelnd, aber nicht so anspruchsvoll wie gedacht
Das Haus der Frauen von Laëtitia Colombani
Paris heute: Durch ein tragisches Ereignis wird die Anwältin Soléne aus der Bahn geworfen. Um wieder einen Sinn im Leben zu finden, erklärt sie sich widerwillig bereit, Schreiberin in einem Frauenhaus zu werden. Zwischen zahlreichen Selbstzweifeln lernt Soléne die dort lebenden Frauen und ihre teilweise schrecklichen Geschichten immer besser kennen und merkt, dass ihre Tätigkeit viel mehr ist, als Briefe schreiben für Frauen, die das selbst nicht können.
Paris, 1925: Ebenfalls nach einem Sinn für ihr Leben sucht die junge Blanche Peyron. Sie schließt sich der Heilsarmee an und setzt sich für die Obdachlosen und Armen ein, die gerade durch den ersten Weltkrieg und Wirtschaftsprobleme entstanden sind. Nicht wenige davon sind Frauen. Nach vielen und kraftraubenden Anstrengungen gelingt es ihr, einen Zufluchtsort für Frauen zu gründen,der auch fast 100 Jahre später noch bestehen soll.
"Das Haus der Frauen" ist nach "Der Zopf" das zweite Buch der Französin Laetitia Colombani und wurde in Frankreich groß gefeiert. Auch in Deutschland kletterte es schnell die Bestsellerliste hoch. Ich habe das erste Buch noch nicht gelesen, aber sehr viele positive Stimmen dazu wahrgenommen. Mit diesen Vorschusslorbeeren bin ich mit großen Erwartungen an das Buch herangegangen. Auch, weil mir die optische Gestaltung außerordentlich gut gefällt und das Thema so ein relevantes ist. Ich war dann doch ein wenig enttäuscht, weil ich ein tiefgründigeres, und vielleicht auch anspruchsvolleres, Buch erwartet hatte. Andererseits kann ich mir auch vorstellen, dass das Buch auf diese Art mehr Leute erreicht. Gerade die verschiedenen Geschichten der Frauen sind berührend und aufrüttelnd. Sie machen deutlich, aus was für verschiedenen Gründen Frauen letztlich so einen Zufluchtsort aufsuchen, was sie hinter sich gelassen haben und wie weit außen am Rand der Gesellschaft die Frauen stehen, die es besonders schlimm erwischt hat. Tatsächlich habe ich mich nach dem Lesen dabei ertappt, mich zu fragen, was die eine oder andere Bettlerin in der U-Bahn oder vor dem Kaufhaus schon erlebt und durchgemacht hat. Dennoch habe ich auch hieran Kritik, denn viele der Schicksale stehen beispielhaft und dadurch mitunter etwas schablonen- und klischeehaft für verschiedene Arten von Schicksalen. Hier wurde meiner Meinung nach Potential verschenkt. Soléne wirkte hier eher wie das verbindende Element, konnte mich aber nicht für sich gewinnen. Auch die eigentliche Geschichte des Frauenhauses stand eher im Hintergrund und Blanche wirkte in diesem Buch eher wie schmückendes Beiwerk. Auch über sie hätte ich gern noch mehr erfahren.
Insgesamt hätte man aus dem Stoff mehr herausholen können. Der Stil war für mich nicht so poetisch, wie ich es gern gehabt hätte, las sich aber flüssig und die Handlung konnte mich für viele Figuren und vor allem ihre Schicksale einnehmen. Es ist also durchaus eine lohnende Lektüre, wenn auch mit Abstrichen.
Rezensionen von KimVi:
Solider Krimi, bei dem die Spannung leider auf Sparflamme kocht
Gerecht ist nur der Tod von Judith Bergmann
Auf dem Weg zum Traualtar wird der prominente Unternehmer Hajo Reimer mit einem gezielten Schuss getötet. Hauptkommissar Schellenberg nimmt mit seinem Team die Ermittlungen auf. Dabei werden sie von der Journalistin Ina Reich, die früher als Psychologin gearbeitet hat, begleitet. Ina soll nicht über den Fall selber schreiben, sondern ist im Auftrag des Polizeipräsidenten dabei, um zu beobachten, welchen seelischen Belastungen die Teammitglieder während einer solch intensiven Ermittlungsarbeit ausgesetzt sind.
Ina wird allerdings nicht vom gesamten Team mit offenen Armen empfangen. Hauptkommissar Schellenberg geht mit der Situation professionell und gelassen um, doch seine Partnerin Bulut zeigt Ina Reich vom ersten Moment an, dass sie nicht willkommen ist.....
Die Handlung wird in der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Ina Reich geschildert. Doch Ina Reich macht es einem beim Lesen nicht leicht, in ihre Haut zu schlüpfen. Trotz der verwendeten Perspektive, betrachtet man das Geschehen distanziert und relativ emotionslos. Man hat außerdem den Eindruck, dass Ina nicht richtig gefestigt ist, denn sie nimmt ständig Tabletten und ist häufig ein wahres Nervenbündel. Die Gründe dafür erfährt man zunächst nicht und das macht es schwer, sich in der Haut der Protagonistin wohlzufühlen. Durch die Erzählperspektive hat man außerdem eine eingeschränkte Sicht auf die Gesamthandlung und muss mit dem auskommen, was Ina erfährt und preisgibt.
Der Schreibstil ist recht locker und lässt sich dadurch flüssig lesen. Die Beschreibungen von Handlungsorten und Protagonisten sind gelungen, sodass man sich alles mühelos vorstellen kann. Allerdings wirken die Charaktere, ausgenommen Hauptkommissar Schellenberg, nicht sonderlich sympathisch. Das trägt zusätzlich zu der Distanz, die man beim Lesen wahrt, bei. Der Fall selber gibt einige Rätsel auf. Durch Inas Beobachtungsposten ist man bei den Ermittlungen dabei. Dennoch baut sich keine große Spannung auf. Die Handlung plätschert eher gemächlich vor sich hin. Täter und Motiv sind nicht so leicht zu enttarnen, dennoch dürften erfahrene Krimileser schon früh eine Ahnung haben, wer hinter allem stecken könnte. Da die Autorin ihre Spuren aber geschickt auslegt, kann man sich nicht sicher sein. Zum Ende hin stellt sich dann auch endlich die bis dahin vermisste Spannung ein.
Ein solider Krimi, den man eher distanziert betrachtet und bei dem die Spannung eher auf Sparflamme kocht.
Rezensionen von PeLi:
Ist Kiribati noch zu retten?
Land unter bei Samuel von Weber Susanne
Samuels Vater ist Klimaforscher und von ihm hat Samuel auch von Kiribati erfahren. Das ist eine Inselgruppe im Pazifik und sie droht, bald völlig unterzugehen, denn durch die Erderwärmung steigt der Meeresspiegel immer weiter an. Weil Samuels Vater jetzt eine neue Arbeitsstelle beim Klimaforschungsinstitut hat, zieht die Familie von einem Ende Berlins ans andere und deshalb müssen Samuel und seine Schwester Kiara in eine neue Schule.
Dort fühlt sich der Junge zunächst gar nicht wohl, denn da gibt es einen ziemlich gemeinen Mitschüler. Aber Samuel ist ein richtig cooler Erfinder und so lässt er sich was einfallen, um sich gegen den bösen Bela zu wehren.
Und dann überlegt er, ob er nicht vielleicht etwas erfinden könnte, das Kiribati vor dem Untergehen retten könnte. Ob ihm für dieses große Problem wirklich eine Lösung einfällt?
Ein schönes Kinderbuch über ein ganz wichtiges Thema . Es erklärt den jungen Lesern, warum es so wichtig ist, dass sich jeder Gedanken um die Umwelt macht. Die kleinen Zeichnungen helfen dabei, das Thema anschaulich zu vermitteln . Obwohl es in diesem Buch hauptsächlich um das Umweltthema geht, ist es aber kein trockenes Sachbuch. Eine spannende und trotzdem informative Geschichte für Kinder ab 8 Jahren.
Rezensionen von BarbaraM:
Ein wirklich informativer, kreativer und inspirierender Wildpflanzen-Glücksgriff!
Zwölf ungezähmte Pflanzen fürs Leben von Engelmann Monika; Riedmair Hildegard; Langguth Jeanette; Kainz Ulrike; Maier Angela; Demmel Rita; Schwarzenberger Aki; Plank Brigitte
„Zwölf ungezähmte Pflanzen fürs Leben: Wie die Brennnessel und ihre Freunde auszogen, um zu zeigen, was in ihnen steckt!“ ist 2020 im Löwenzahn Verlag erschienen und umfasst in der gebundenen Ausgabe 200 Seiten. Verfasst wurde diese Buch vom sogenannten “Kräuterkollektiv“. Hierbei handelt es sich um die acht kompetente Kräuterfrauen Monika Engelmann, Rita Demmel, Ulrike Kainz, Jeanette Langguth, Angela Maier, Brigitte Plank, Hildegard Riedmair und Astrid Schwarzenberger.
Dieses Buch macht so unglaublich viel Lust, sofort mit dem Kennenlernen, Entdecken, Sammeln und Verarbeiten von Wildkräutern und -pflanzen anzufangen. Ich habe so viele Informationen und tolle Ideen erhalten und ich bin mir sicher, dass ich dieses Buch noch unzählige Male in Händen halten werde.
Das Buch ist nach folgendem Schema aufgebaut:
Jede der Autorinnen hat sich einer oder zweier Wildpflanzen angenommen und stellt diese immer nach der gleichen Art und Weise zunächst in Form eines Pflanzenportraits, dann mit feinen Verarbeitungsvorschlägen und zum Schluss einigen Seiten zum Thema „Heilkraft“ vor. Auch die Autorinnen werden jeweils portraitiert.
Die Kapitelüberschriften lauten wie folgt:
1. „Große Brennnessel – Feurige Aphrodite“ von Aki Schwarzberger
2. „Frauenmantel – Der umhüllende Beschützer“ von Angela Maier
3. „Giersch – Wilder Frechdachs“ von Brigitte Plank
4. „Gundermann – Just magic!“ und
5. „Schwarzer Holunder – Hüter der Schwelle“ von Hildegard Riedmair
6. „Kornelkirsche – Die Dirndelkönigin, eine herbe Schönheit“ und
7. „Löwenzahn – Der Sonnyboy“ von Jeanette Langguth
8. „Rose – Im Gleichgewicht sein“ und
9. „Schafgarbe – Tausendblättrige Gesundmacherin“ von Monika Engelmann
10. „Schlehe – Die beschützende Fee“ und
11. „Spitzwegerich – Hilfreicher Kumpan für unterwegs“ von Rita Demmel
12. „Vogelmiere – Lass mich dein Glücksbringer sein!“ von Ulrike Kainz
Ein zusätzliches Kapitel ist mit dem Namen „Hamstergeheimnisse“ betitelt. Hier findet der Leser wichtige allgemeine Hinweise zur Ernte, zum Trocknen und Aufbewahren.
Den Autorinnen gelingt es mit ihrem persönlichen und dabei unglaublich informativen Schreibstil, dem Leser ihre Leidenschaft für die unterschiedlichen Wildpflanzen nahe zu bringen. Ihnen gelingt dies auf sehr angenehme, lebendige, praxisnahe und anschauliche Art und Weise. Viele Tipps, Tricks und Rezept- und Kreativideen lassen das Buch zu einem absoluten Leseerlebnis werden. So geht es beispielweise von der Männermarmelade mit Brennnesseln, über eine Frauenmanteltortilla und einem frischen Gundermann-Wiesenschluck zum Holunderbeeren-Chutney und Kornelkirsch-Plätzchen, vom Holunder-Erkältungstrunk, Schlehenkern-Kissen, heilenden Vogelmieren-Auflagen über Rosenblüten-Hautöl, erfrischendem Holunder-Fußbad, Badesalz mit Gundermann zur Frauenmantel-Tinktur und zur aktivierenden Brennnessel-Haarkur.
Es ist wirklich unglaublich, wie viele tolle Informationen und Anregungen dieses Buch enthält.
Besonders hervorzuheben sind auch die wunderschönen, natürlich gehaltenen, bunten Zeichnungen und die vielen anschaulichen Fotos. Die ganze Gestaltung und das Layout sind qualitativ hochwertig und gut durchdacht und man merkt als Leserin, dass in der Umsetzung sehr viel Herzblut steckt und es sich vielerlei Gedanken darum gemacht wurden.
Außerdem möchte ich noch positiv anmerken, dass das vorliegende Buch auf höchstem ökologischen Standard gedruckt wurde, ausschließlich mit Substanzen, die wieder in den biologischen Kreislauf rückgeführt werden können.
Fazit: Hier handelt es sich um einen umfassenden Ratgeber zu den Wildpflanzen Große Brennnessel, Frauenmantel, Giersch, Gundermann, Schwarzer Holunder, Kornelkirsche, Löwenzahn, Rose, Schafgarbe, Schlehe, Spitzwegerich und Vogelmiere der Laien einen tollen Einblick gibt, aber auch erfahrenere Profis können von diesem Buch, den Tipps, Tricks und enormen weitergegebenen Wissen profitieren.
Dieses Wildkräuter-Abenteuer hat mich absolut überzeugt und gefällt mir außerordentlich gut.
Schee war’s <3!
Rezensionen von Petra Sch.:
Eine etwas andere Liebesgeschichte...
Kann mein Herz nicht mal die Klappe halten? von Julia Greve
4,5 Sterne
Kurz zum Inhalt:
Nina ist seit 15 Jahren mit Steffen verheiratet, die beiden haben zwei Töchter im Alter von 8 und 11 Jahren. Die beiden verstehen sich gut, haben ein neues Familien-Projekt (Vorgarten umgestalten) - eigentlich läuft alles super, außer im Bett.
Nina nimmt daraufhin ihren Mut zusammen und schlägt Steffen vor, dass jeder seinen größten erotischen Wunsch aufschreiben soll, in der Hoffnung, wieder zueinander zu finden.
Steffens Wunsch lässt ihr erstmal den Mund offen stehen. Doch sie lässt sich darauf ein, ohne zu wissen, dass dies ihrer aller Leben verändern wird...
Meine Meinung:
Das Buch hat mich von Anfang an total in seinen Bann gezogen, denn ich kann mich absolut in Nina und ihre Eheprobleme mit Steffen hineinversetzen. Es ist flott geschrieben, wunderbar erfrischend, mit einer guten Portion Witz, behandelt aber ein allgegenwärtiges ernsteres Thema mit viel Emotion - die Differenz des Verlangens nach Sex bei Ehepartnern.
Die Personen sind lebendig und authentisch beschrieben und man kann sich total mit ihnen identifizieren.
Ich fand es sehr mutig von Nina, diesen einen nächsten Schritt zu gehen. Nicht nur, sich gegenseitig die Wünsche aufzuschreiben, sondern auch, dass sie den Wunsch ihres Mannes mitmacht! Das zB würde ich NIE machen...
Deshalb konnte ich Ninas Verhalten und ihre Handlungen oft nicht nachvollziehen und hätte sie soo gerne mal geschüttelt...
Die Fettnäpfchen, in die Nina tritt, und die Bewältigung dieses ganzen Problems ist sehr humorvoll beschrieben.
Das Buch hat aber auch viel Tiefe, denn aus dem Mut heraus, die Ehe retten zu wollen und sich deshalb auf Dinge einzulassen, die der Partner sich heimlich erträumt, man selber aber so gar nicht mag, erfordert viel Kraft.
Diese Geschichte lässt einen über die eigene Partnerschaft nachdenken: wie weit würde ich gehen, die sexuellen Wünsche des Partners zu erfüllen, um die Beziehung zu retten? In der Voraussicht, dass es weder so noch so für beide Partner das Optimum ist?
Die Farben des Covers sind fröhlich und der gechillte Mann und die aufgeregt herumhängende Frau sind ein richtiger
Eyecatcher machen einen auf das Buch neugierig!
Fazit:
Eine gelungene Mischung aus Humor, Sexyness und Familienproblem-Bewältigung - die mich überrascht, zum Schmunzeln und zum Nachdenken gebracht, und insgesamt sehr gut unterhalten hat.
Rezensionen von C. P.:
Das Buch bringt frischen Wind in die Welt der Fantasie
Kinder des Windes von Springorum Björn
Lola war schon immer etwas anders: Sie spürt, wenn der Wind ihr etwas sagen will und kann sich unbemerkt fortbewegen, als hätte sie sich kurzzeitig in Luft aufgelöst. Das hat sie natürlich bei den anderen Kindern schnell zur Aussenseiterin gemacht. Bis Pablo bei der jungen Spanierin auftaucht und ihr erzählt, dass sie wie er ein Kind des Windes ist – und damit in großer Gefahr.
Der Autor hat für dieses Buch wirklich wunderbare Ideen verarbeitet. Lola, die am südlichsten Zipfel Spaniens aufwächst, kann von Zuhause bis nach Afrika rüberschauen. Dort trifft sie eines Tages auf weitere Kinder des Windes, die wie sie von einem der Winde gejagt werden. Gemeinsam wollen sie diesen machthungrigen Wind aufhalten, seine bösen Pläne vereiteln, wofür sie die Kathedrale des Windes finden müssen, welche sich irgendwo in der Wüste verborgen hält. Dabei stellen sich ihnen unterschiedliche Hindernisse in den Weg wie Windriesen, ein Dschinn oder auch mal ein Sandsturm.
Die Idee hat mir gefallen. Es gibt verschiedene Winde, die ihre Kinder in menschlichen Familien aufwachsen lassen, magische Lebewesen sowie Windmagie. Von der Persönlichkeit der Winde, welche schon vor den Göttern da waren, erfährt man leider recht wenig, ebenso wie über die Wächter der Winde, was doch recht schade war. Die Abenteuer der Kinder sind spannend, abwechslungsreich und schön erzählt, nur zum Ende hin waren mir einige Szenen zu schnell beschrieben, da hatte ich Schwierigkeiten, mir alles bildlich vorzustellen. Alles in allem ist das Buch ein wunderschönes Abenteuer mit ein paar erfrischend neue Ideen.
Rezensionen von rewareni:
Alt und krank
Leichte Böden von David Fuchs
Der Lehrer Daniel kehrt nach vielen Jahren wieder aufs Land zurück. Eigentlich wollte er nur sein altes Auto holen, das er bei seinen Verwandten Klara und Alfred abgestellt hatte. Doch schon bald muss er erkennen, dass sich vieles geändert hat. Nicht nur, dass Alfred dement ist und auf ständige Hilfe seiner Frau Klara angewiesen ist, wohnt auch der Nachbar Heinz bei ihnen, der nur mit Hilfe eines Sprachcomputers kommunizieren kann.
Daniel trifft auch auf seine Kindheitsfreundin Maria wieder mit der er gerne seine Zeit verbringen würde, doch sein ehrgeiziges Ziel ist,seinen Angehörigen um jeden Preis zu helfen. Dass das nicht so leicht ist, wie er es sich vorgestellt hat und auf wie viele Widerstände er dabei stoßen würde, hätte er zu Beginn nie gedacht. Und schon bald muss Daniel erkennen, dass seine Hilfe bei einigen gar nicht erwünscht ist.
Der Autor David Fuchs greift in seinem Roman ,,Leichte Böden“ ein sehr wichtiges Thema auf. Was passiert, wenn man alt wird und man nicht mehr für sich selbst sorgen kann und ein Angehöriger bis zur Selbstaufopferung sich um diese Person kümmern will? Die Geschichte rund um Klara, Alfred und Heinz zeigt, wie schwierig es sein kann, wenn eine Person für alles zuständig ist. Klara wirkt zwar manchmal stur und hart und will sich nicht immer helfen lassen, aber sie ist eine Frau, die genau weiß was sie will. Dabei zeigt der Autor sehr schön und auch emotional, wie die Verbindung zwischen ihr und ihrem schwer dement kranken Mann Alfred ist. Hautnah erlebt der Leser dabei mit, wie sie psychisch und physisch immer wieder an ihre Grenzen gerät. Auch wenn Daniel helfen will und mit guten Ratschlägen kommt, möchte Klara selbst bestimmen, was sie für richtig hält. Auch wenn es ein ernstes Thema ist hat es der Autor geschafft selbst in berührenden Szenen einen feinen Humor hinein zu bringen, sodass man einfach schmunzeln musste und die Tragik leichter zu ertragen war. Nach und nach erfährt man auch, was in der Vergangenheit passiert ist und warum das Verhältnis zwischen Heinz und seiner Tochter Maria so unterkühlt ist. Besonders witzig und sympathisch beschreibt der Autor immer wieder die Szenen zwischen Daniel und Maria, wenn sie sie ihre Kindheitserinnerungen auffrischen oder sich gegenseitig necken. Da steckt so viel Lebensfreude darinnen, dass diese Momente eine willkommenen Abwechslung sind. Eine spannende Geschichte, wo man als Leser selber nicht weiß, was richtig und was falsch ist. Wie weit kann und soll man sich in ein anderes Leben einmischen? Wann ist der richtige Zeitpunkt um Hilfe anzunehmen? Viele Fragen also, die nicht leicht zu beantworten sind. ,,Leichte Böden“ ist ein wunderschöner, berührender Roman der zu Herzen geht.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine gelungene Fortsetzung
Karl Valentin ist tot von Sabine Vöhringer
Nicht nur Karl Valentin (1882-1948) ist tot, sondern auch der Schüler Fabian Brühl, der, weil er zum Abi nicht zugelassen worden ist, Selbstmord verübt und ein Jahr später auch Marianne Eichstätt, jene Lehrerin die maßgeblich an Fabians Scheitern Schuld trägt. Eichstätt stirbt während eines Brandes im strengen Karl-Valentin-Gymnasium.
Als dann noch Conny Bergmüller, eine weitere Lehrkraft verschwindet, vermutet Tom Perlinger eine Zusammenhang und beginnt mit seinem Team auch in diese Richtung zu ermitteln. Dabei sticht er in ein Hornissennest in dessen Zentrum der Direktor der Schule steht. Manfred Strebel ist ein selbstgerechter unbarmherziger Schuldirektor, der mit dem Kultusministerium bestens vernetzt ist, und den Kriminalbeamten das Leben schwer macht.
Doch nicht nur Strebel dringt ungebeten in Toms Leben ein, sondern auch sein Widersacher, der Immobilienspekulant Ivan Maslov und seine Helfershelfer sowie sein ehemaliger Freund Claas tauchen wieder auf und spielen einmal mehr eine große Rolle.
Meine Meinung:
Mit diesem dritten Fall hat Autorin wieder einen komplexen, vielschichtigen Krimi geschaffen. Man kann ihn natürlich ohne Vorkenntnis der beiden anderen lesen („Die Juwelen der Lola Montez“ bzw. „Das Ludwig-Thoma-Komplott“), dennoch rate ich dazu die Vorgänger zu lesen, da einige Charaktere rund um Tom Perlinger immer mit dabei sind, unter anderem sein ehemals bester Freund Claas Buchowsky und beider Intimfeind, der Immobilienspekulant Ivan Maslov. Außerdem brächte man sich um das Lesevergnügen zweier München-Krimis.
Gut gefallen hat mir, wie die Autorin die Figur des Volksschauspielers Karl Valentin in die Geschichte eingebunden hat. Ich bin ja kein wirklicher Fan von ihm, da mir seine Auftritte ein wenig zu schrill sind. Doch die vielen Zitate mit seinen oft philosophischen Ansätzen sind subtil im Krimi verwoben. Die Hintergrundinformationen zu Karl Valentin werden elegant dargereicht. Onkel Hubertus sei Dank!
Sabine Vöhringer spricht auch ein ernstes, aktuelles Thema an: Leistungsdruck in der Schule und nicht immer empathische Lehrkräfte oder Direktoren.
Anhand der Familie Anzinger, deren beide Töchter in diese Schule gehen und unter dem Druck leiden und Sascha Brühl, Fabians Vater, wird deutlich, wie Schule Familien zerstören kann. Carla Anzinger hungert sich (beinahe) zu Tode, weil sie sich eine Mitschuld an Fabians Tod gibt. Die beiden Väter versuchen gegen den diktatorischen Direktor vorzugehen. Nachdem die üblichen Mittel scheitern, greifen sie zu härteren Maßnahmen. Keine gute Idee, aber durchaus verständlich. Wer wollte nicht schon einmal die Schule sprengen oder abfackeln?
Da es noch einige angesprochene, aber nicht ausgesprochene Themen gibt, wird es mindesten noch einen weiteren Fall für Tom Perlinger geben. Immerhin, Maslov wäre auch noch unschädlich zu machen. Nachdem jetzt Tom und Claas wieder zusammenarbeiten können, besteht die Möglichkeit dazu.
Für Leser, die neu sind gibt, es am Ende ein Personenverzeichnis. Der skizzierte Stadtplan hilft, sich in München zwischen Sendlinger Tor und Bayrischer Staatsoper zurecht zu finden.
Fazit:
Ein vielschichtiger, komplexer Krimi, der an bekannten Plätzen der Münchener Altstadt spielt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Verlorene Freunde in der Formel 1
Verlorene Freunde von Brümmer Elmar; Kräling Ferdi
„Bei Lotus werde ich Weltmeister oder ich bin tot“ Diese Zitat von Jochen Rindt erfüllt sich am 5. September 1970. An diesem Tag verunglückt er in Monza tödlich. Weltmeister wird er posthum, da er in diesem Jahr die meisten Rennen gewonnen hat.
Jochen Rindt ist einer von 19 tödlich verunglückten Formel 1 Fahrern, denen dieses Buch gewidmet ist.
Auf 144 Seiten, in umgekehrter Reihenfolge ihres Todes, würdigen die beiden Autoren folgende Rennfahrer:
Michele Alboreto (2001)
Ayrton Senna (1994)
Stefan Bellof (1985)
Manfred Winkelhock (1985)
Rolf Stommelen (1983)
Gilles Villneuve (1982)
Harald Ert (1982)
Ronnie Peterson (1978)
Carlos Pace (1977)
Tom Pryce(1977)
Graham Hill (1975)
François Cevert (1973)
Joseph Siffert(1971)
Pedro Rodriguez (1971)
Jochen Rindt (1970)
Piers Courage (1970)
Gerhard Mitter (1969)
Jim Clarke (1968)
Graf Berge von Trips (1961)
Trotz der vielen Todesopfer im Automobilsport hat dieser nichts von seiner Faszination verloren. Nach wie vor riskieren junge Männer ihr Leben. Wofür? Für Geld? Ruhm? Glamour?
Und die Zuschauer an der Rennstrecke oder daheim vor den Fernsehgeräten? Wie singt Rainhard Fendrich so treffend in seinem Lied „Es lebe der Sport“
„... Autorennen sind da sehr gefragt
Weil hie und da sich einer überschlagt
Gespannt mit einem Doppler sitzt man da
Und hofft auf einen g‘scheiten Busera
Weil durch einen spektaklären Crash
Wird ein Grand Prix erst richtig resch ...“
An dieser Stelle sei Jackie Stewrt zitiert: "Es darf Menschen nicht erlaubt sein, von einem Unfall oder Tod fasziniert zu sein".
Die Fahrer riskieren auf unzureichend abgesicherten Strecken, mit teils abenteuerlichen Konstruktionen sowohl im Training als auch im Rennen in jeder Runde ihr Leben. Das schwarze Kleid für die Frauen und Freundinnen der Rennfahrer ist obligat. Man weiß ja nie ...
Es zeigt sich deutlich, dass viele von Jochen Rindt, Jackie Stewart und Emerson Fittipaldi angeregte und oft erzwungene Sicherungsmaßnahmen Früchte tragen. In der Zeit zwischen 1985 und 1994 stirbt kein Fahrer auf der Rennpiste. Der Tod von Roland Ratzenberger (30.04.1994) und am Tag darauf von Ayrton Senna in Imola holt die Menschen wieder auf den Erdboden zurück.
Ausgerechnet Senna, von dem jeder glaubt, er sei unsterblich, ereilt der Tod.
Autor Elmar Brümmer zeichnet ein einfühlsames Porträt der einzelnen Fahrer, geht auf deren Charakter ein. Manche wie Jochen Rindt oder Jo Siffert bezeichnet er als „Popstars“. Mit tiefer Sachkenntnis berichtet er ohne Voyeurismus über die Unfälle. Bei den meisten ist zu lesen: „Bis heute ist die tatsächliche Unfallursache nicht gänzlich geklärt.“ So zitiert er den genialen Rennwagenkonstrukteur Adrian Newey, der wegen den tödlichen Senna-Unfalls auch vor Gericht stand: „ich glaube nicht, dass jemals jemand erfahren wird, was exakt bei diesem Unfall passiert ist.“
Rund 75 teils großformatige Bilder ergänzen den Text. Diese Fotos stammen großteils aus dem Archiv des renommierten Motorsportfotografen Ferdi Kräling. Diese beeindruckenden Bilder lassen bei mir (Jugend)Erinnerungen aufkommen. Beim Tod von Jochen Rindt war ich zehn Jahre alt und fasziniert von den Männern, die in ihren Boliden „im Kreis fuhren“ (© Niki Lauda).
Dieses hervorragend verarbeitete Buch ist eine Hommage an jene 19 Rennfahrer, die während ihrer Karriere tödlich verunglückt sind. Sei es auf der Rennstrecke oder auf dem Weg dorthin.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Max Leitner, Beruf: Ausbrecherkönig
Max Leitner von Clementine Skorpil
Die österreichische Autorin Clementine Skorpil nimmt sich in diesem Roman der Lebensgeschichte eines Mannes, der Jahre lang die Behörden in Österreich und Italien in Atem gehalten hat, an. Dabei verknüpft sie eindrucksvoll Dichtung mit Wahrheit.
Wer ist also nun, dieser Max Leitner?
Er stammt aus einer armen Südtiroler Familie und beginnt mit Gleichgesinnten Ende der 1980er Jahre in Südtirol Banken zu überfallen.
Bei einem Überfall auf einen Geldtransporters auf österreichischer Seite, wird er angeschossen und zum ersten Mal zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Er wundert sich, dass ihn die österreichische Polizei nicht er- sondern nur anschießt. Man erklärt ihm diese Vorgangsweise mit dem österreichischen Rechtssystem, dem er sich durch eine Flucht entzieht. In seiner langen „Karriere“ als Ausbrecherkönig bricht er insgesamt fünf Mal und wird letzten Endes doch gefasst. Knapp 30 Jahre bekommt er insgesamt aufgebrummt. Max Leitner sieht sich als Justizopfer. Er hätte niemals auf Menschen gezielt, so seine Argumentation. Unrechtsbewusstein scheint er keines zu besitzen.
Soweit die Kurzbiografie, die die Autorin in einen fesselnden Roman verpackt hat. Dem echten Max Leitner stellt sie den fiktiven Staatsanwalt Fabio Pagano gegenüber, dessen Lebensziel ist, die Mafia zu zerschlagen, 1992 seine Vorbilder Giovanni Falcone und Paolo Borsellino ermordet haben, Max Leitner wieder hinter Gitter zu bringen. Vor allem auch deswegen, weil sich Leitner Mitglieder verschiedener Mafia-Familien bedient, um aus den diversen Gefängnissen auszubrechen.
Neben dem Katz-und-Maus-Spiel Leitners mit den Behörden, gewährt die Autorin auch einen Einblick in die Gefängnisse und in die unterschiedlichen Rechtssysteme.
Bei seiner ersten Verhaftung in Österreich wird Max von der Polizei angeschossen. Als er sich wundert, warum er noch lebt, erklärt ihm ein Polizist, dass Warn- und Streifschüsse sowie Schüsse, „um den Täter unschädlich zu machen, also Knie, Hand et cetera“, zulässig seien. „Aber wenn einer ex geht bei einer Schießerei, hast du nur Scherereien.“ „Dann hat mir also ein Formular das Leben gerettet“, will Max wissen. „Könnte man so sagen“, antwortet der Polizist todernst. (S. 42)
Spannend, weil teilweise selbst erlebt, ist die Zeitreise in die Amtsstuben. Anfang der 1990er Jahre hält die Büroautomation ihren zögerlichen Einzu in die Amtsstuben. War die Jahre zuvor, die mechanische und später dann die Kugelkopfschreibmaschine (wie sie der fiktive Pagano aus eigener Tasche bezahlt) das übliche Werkzeug, so werden die Büros nun mit Computern ausgestattet. Das für uns heute alltäglich Mobiltelefon steckt noch in den Kinderschuhen und ist als „Telefonierknochen“ nun ein Museumsstück.
„Dennoch folgt dieser Roman Max Leitners Spuren, und viele der unglaublichsten Episoden haben sich tatsächlich zugetragen“, schreibt die Autorin im Nachwort (S. 309).
An einigen Stellen ist Max Leitner fast wehleidig. Es sind immer die anderen, die an seinem Schicksal Schuld sind, nie er selbst. Während seines Aufenthaltes in Österreichs bekanntester Strafanstalt Stein, beklagt er: „Einer hat Prostituierte stranguliert. Aber nein, der wurde vor zwei Jahren entlassen, weil er so schön Gedichte geschrieben hat.“ Er meint damit den Frauenmörder Jack Unterweger.
Interessant auch zu lesen, wie Frauen sich zu Gefängnisinsassen hingezogen fühlen, zu Leitner oder eben auch zu Unterweger. Das Macht erotisch ist, ist ja bekannt, aber ein verurteilter Schwerverbrecher?
Fazit:
Ein Roman, der einen, ob an will oder nicht, in den Bann zieht und bei dem schwer zu sagen ist, was Wirklichkeit und was Fiktion ist.











