Kunden em pfehlungen
Rezensionen von inya:
auch noch heute relevant
Die Kunst des stilvollen Wanderns von Stephen Graham
Dieses Buch ist ein Muss für alle Wanderfans. Denn diese Anleitung für das stilvolle Wandern, wurde bereits zum ersten Mal vor 100 Jahren veröffentlicht und fand ganz sicher auch unter diesen Lesern hohen Anklang. Stephen Graham beschreibt so zusagen die Does and Dont`s des Wanderns und ist dabei sehr detailreich und bespricht viele verschiedene Themen, wie die richtige Wanderausrüstung, aber auch wie man von den Bauern das ein oder andere Mittagessen für umsonst als Wanderer abstauben kann.
Obwohl dieses Buch schon so "alt" ist, lässt es sich sehr angenehm lesen und hat viele interessante und auch teilweise witzige Passagen. Ich finde auch die Gestaltung als Hardcover sehr gelungen und es ist ein tolles Geschenk für alle Wandersleute und die, die es noch werden wollen.
Rezensionen von Ele:
Das Geheimnis von Lockwood Manor
Die stummen Wächter von Lockwood Manor von Jane Healey
Die stummen Wächter von Lockwood Manor, Roman von Jane Healy, 384 Seiten, erschienen im Hanser-Verlag.
Die mysteriösen Erlebnisse von Hetty Carthwright, zu Beginn des 2. Weltkriegs, auf Lockwood Manor.
Zum Schutz der erwarteten deutschen Bomben wird die Säugetierabteilung des Naturhistorischen Museums von London, nach Lockwood Manor evakuiert.
Die Kuratorin Hetty begleitet die Exponate, den Eisbären, den Jaguar, das Okapi, die Kolibris und andere Ausstellungsstücke, in das verwinkelte und mysteriöse Herrenhaus. Doch hier erwarten andere Bedrohungen und Gefahren, es verschwinden Tiere um an anderer Stelle wieder aufzutauchen, nachts ist das Haus erfüllt von mysteriösen Gestalten und Geräuschen. Alle Bewohner ausgenommen Lucy stehen ihr feindselig gegenüber. Gibt es auf Lockwood Manor ein unheilvolles Geheimnis?
Das Buch ist in 46 Kapitel aufgeteilt, es handelt in zwei Erzählsträngen aus der Ich-Perspektive, zum einen die Erlebnisse von Hetty, abwechselnd mit den kursiv verfassten im Tagebuch-Stil und kursiv hervorgehobenen Ansichten der Tochter des Hauses, Lucy. Der Schreibstil ist zwar bildhaft und flüssig, dennoch, und trotz des unheimlichen Plots, konnte mich das Buch nicht fesseln.
Zu Beginn kam ich aufgrund des unterhaltsamen Erzählstils gut in Lesefluss, doch im Laufe der Lektüre habe ich das Buch nur noch ungern zur Hand genommen. Die Autorin hat es nicht geschafft mich zu erreichen. Trotz einiger leichter Gruseleffekte kam einfach keine Spannung auf. Am Ende habe ich mich gequält das Buch überhaupt zu beenden. Sämtliche Charaktere sind unsympathisch. Allen voran z.B. der Hausherr, Major Lockwood, ein Despot und schlechter Mensch. Auch seine Haushälterin oder seine „Gespielinnen“ waren steif und undurchschaubar. Die beiden Hauptcharaktere blieben blass und unsympatisch eine Entwicklung war nicht erkennbar. Hetty, verkrampft und halbherzig, dilettantisch versuchte sie den Kampf gegen Windmühlen, den Verfall ihrer geliebten Sammlerstücke zu verhindern. Lucy, die Tochter des Majors, ein wenig verrückt und ihr Handeln für mich nicht nachvollziehbar. Hinter das wirkliche Geheimnis von Lockwood Manor bin ich nicht gekommen. Auch der Schluss hat mir nicht gefallen. Die Liebesgeschichte die sich nebenher entwickelte, war für mich uninteressant. Die Story um die frühere Hausherrin, Mutter von Lucy und Frau des Majors blieb mir komplett verschlossen. Hat Lucy sich, die Verrücktheit und Schikanen ihrer Mutter eingebildet? Hat sie das aus der Sicht des Kindes falsch interpretiert? Oder war alles die Schuld des Vaters? Selbst eine weitere Frauenfigur, nämlich die Mutter des Majors wurde ab und an erwähnt, hatte aber keine Rolle in der Geschichte. Ich habe leider vom Buch mehr erwartet und vergebe enttäuschte 2 von 5 Sternen, für die bildhafte und ausschmückende Erzählweise, wie z.B. auf Seite 163: Lockwood mit seinem verwinkeltem Labyrinth aus Zimmern war eine klaustrophobische Welt en miniature, in der die alten Hierarchien noch galten und wo man den Eindruck gewinnen könnte, seine Bewohner wären ganz allein auf der Welt und der Krieg wäre nur ein Traum.
Rezensionen von buchina:
Ruhiger Roman in Zeiten des Umbruchs
Der Empfänger von Ulla Lenze
Im Mittelpunkt des Romans steht Josef Klein, dessen Name Programm ist. Ein etwas kleiner unscheinbarer Mann, der in seinem Leben durch Zufall und auch Naivität in das Spionageprogramm der Nazis rutscht. Josef hat es immer in die weite Welt gezogen. Er wandert nach dem Ersten Weltkrieg nach Amerika aus und fühlt sich in New York gleich zu Hause.
In einer Druckerei findet er einen Job und durch sein Hobby das Funken auch eine Freundin. Aus der Politik hält er sich raus, auch wenn mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland sich auch das Leben der Deutschen in Amerika ändert. Sich raushalten geht nicht mehr, man muss sich entscheiden. Josef tut dies nicht und wird in die Machenschaften der Naziunterstützer hineingezogen.
Neben diesem Handlungsstrang wechselt es immer wieder in die Zeit vor seine Abreise nach Amerika, seine Rückkehr nach Deutschland und zu seiner erneuten Auswanderung. Die Wechsel werden durch die Überschriften über den einzelnen Kapiteln mit Zeit und Ortsangabe erleichtert. Josef ist und bleibt der Angelpunkt. Die anderen Charaktere sieht man nur durch seine Augen, seinen Bruder, seine Freundin, sympathische Charaktere, die mir aber immer etwas blass blieben. Auch Josef selbst ist ein ruhiger Charakter, der selten größere Gefühle zeigt. So blieb die ganze Geschichte ruhig, trotz der Brisanz des Themas. Das hatte für mich etwas Besonderes, hier gibt es keine actionreiche Agentengeschichte, sondern eine Geschichte eines Mannes, der seinen Platz sucht und sich von außen treiben lässt. So empfand ich es, denn ich hatte das Gefühl, Josef braucht immer wieder einen Anschubser.
Josefs Beziehungen zu seiner Freundin und seinem Bruder sind für mich die Highlights des Romans, geprägt von den leisen Tönen, aber dennoch von tiefen Gefühlen. Auch die Beschreibungen von New York und Nachkriegsdeutschland sind gelungen. Ich fühlte mich richtig in die Zeit versetzt und konnte Josefs Liebe zu New York sehr gut nachvollziehen.
Insgesamt ein ruhiger und tiefgründiger Roman, dessen Ende mich nur etwas hilflos zurückließ. Vielleicht ist Josef am Ende wirklich angekommen, aber ich hätte noch ein paar mehr Seiten gebraucht.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Überzeugt!
Der tote Carabiniere von Dino Minardi
Fünf Monate ist seit dem Mord an einem Studenten, Pellegrinis 1. Fall vergangen. Commissario Marco Pellegrini ist frühmorgens, nach dem obligaten ersten Caffé in der Bar, auf dem Weg nach Como runter.
Doch die Funicolare fährt nicht weit - ein toter Mann liegt auf den Gleisen. Marco kennt ihn, es ist Carabiniere Bianchi.
Am liebsten würde Marco selbst direkt anfangen zu ermitteln, doch dies ist Sache der Carabinieri - und Maggiore Visconti und Pellegrini sind sich gar nicht grün.
Als Visconti die Ermittlungen schleifen lässt, wächst Pellegrinis Unruhe. Da er zum untätigen Zuschauen verdonnert ist, spürt man diese richtiggehend. Irgendwann hat er genug. Als Brunatesi hat er eh das Gefühl etwas machen zu müssen, und so tauscht er das Kommissariat mit der Bar - jetzt kommt Leben in die Sache.
Von Marcos Team tritt diesmal nur Claudia Spagnoli auf, dafür verstärken sich die im ersten Band bereits angesprochenen Familienprobleme. Doch am Ende des Krimis hat Marco nicht nur selbige fürs Erste entschärft, sondern auch den Fall souverän gelöst.
Dieser Fall machte Spass. Dino Minardi legt einige Motive vor, so dass es an Pellegrini ist, allen Fährten nachzugehen und die richtige Spur zu erwischen. Auch die Leser werden zum Miträtseln animiert.
Die Unstimmigkeiten, die ich im vorherigen Band kritisierte, sind hier nicht vorhanden, so dass man sich auf einen runden und ausgewogenen Fall mit einer Prise Galgenhumor am Ende freuen kann. Somit konnte sich Dino Minardi mit "Der tote Carabiniere" enorm steigern.
Fazit: Dieser zweite Band hat mich überzeugt - er ist bedeutend stimmiger und interessanter als der erste Band.
5 Punkte
Rezensionen von Marie aus E.:
Spannend und informativ
Beute von Meyer Deon
Das war mein erster Deon Meyer Thriller, aber ganz bestimmt nicht mein letzter.
Anfangs habe ich etwas gebraucht, bis ich in das Buch hineingekommen bin. Zwei scheinbar erst mal zusammenhanglose Erzählebenen, einmal ein Mord in Südafrika und einmal das Leben eines einsamen Möbelrestaurators in Frankreich, mit vielen (süd-)afrikanischen und französischen Namen und Begriffen und mir unbekannten Charakteren waren doch erst einmal anspruchsvoll für den Einstieg.
Der Spannungsbogen baut sich erst allmählich auf - insgesamt eher kein Thriller der Art, die einem atemlos durch das Buch hetzten lässt.
Begeistert hat mich hier die für mich perfekte Balance aus Thriller und Hintergrundinfos, das Buch bewegt sich in der politischen Landschaft Südafrikas und man bekommt einen Einblick in Korruption und State capture (hilfreich ist hier das Glossar am Buchende, das ich leider erst nach Beendigung des Buches entdeckt habe). Ich habe sehr viel für mich Neues erfahren und während des Lesens auch viel gegoogelt, weil es so interessant war.
Auch die beiden Ermittler samt ihrem Privatleben haben mir sehr gut gefallen, vermutlich wäre es noch schöner, die Entwicklung über mehrere Bände zu verfolgen, aber auch ein Spontaneinstieg mit diesem Band war problemlos. Es ist kein witziges Buch, aber manchmal kommen schon auch Sprüche wie auf die Frage eines Professors ob sie einen bestimmten Krimischriftsteller nicht kennen: "Wir lesen keine Krimis, Prof. Die sind uns ein bisschen zu ...larifari" Köstlich!
Spannend, informativ, aktuell: ein Thriller mit Anspruch, absolut lesenswert.
Rezensionen von C. P.:
Willkommen in der magischen Welt Willow
Beute von Meyer Deon
Sprayerin Lilly und ihr bester Freund Jonah geraten durch ein Portal in ihrem Wandbild in die magische Welt Willow. Zunächst wirkt es auf die beiden, als wären sie bei den Elben von Herr der Ringe gelandet, nur ohne spitze Ohren. Leider gibt es aber auch jemanden, der ihr Erscheinen für seine Zwecke nutzen will, wodurch nicht nur Lilly und Jonah in Gefahr geraten, sondern auch die Familie, welche die beiden bei sich aufgenommen hat.
Und dann ist da noch das starke Gefühl der Zuneigung Lilly gegenüber, welches Jonah schon so lange in seinem Herzen trägt...
"Shine" ist ein Wohlfühl-Romantasy-Abenteuer. Lilly und Jonah waren mir gleich sympathisch und ihre Liebesgeschichte kommt ohne jeglichen Kitsch aus. Auch Willow mit seinen Bewohnern lädt regelrecht zum Verweilen ein. Was ich beim Lesen vermisste waren ein paar überraschende Wendungen, die das Buch spannender gemacht hätten. Wer gut und wer böse ist war doch recht schnell klar, da gab es keine Überraschungen oder Intrigen, entsprechend empfand ich den Verlauf als etwas vorhersehbar. Spaß macht der Roman aber trotzdem, es ist ein richtiges Wohlfühlbuch zum sich drin verlieren.
Rezensionen von Katharina Obenholzner:
Lustiges Team & schöne Geschichte
Mord auf Portugiesisch von Elderen Heidi van
Die Geschichte ist vielleicht nicht die spannendste Kriminalgeschichte unter allen Kriminalromanen, aber darum geht es auch gar nicht. Die Leserin bekommt einen ausführlichen Einblick in das Leben der Familie des Inspektors und in dessen Leben. Inspektor Valente ermittelt dabei in einem Mordfall und wird unterstützt vom Polizeischwein Raquel, die während des Lesens für ein paar Lacher sorgt mit ihrer lustigen und liebenswerten Art.
Am Ende stellt sich heraus, wer den Mord begangen hat und wie verworren das Leben des Opfers eigentlich war. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil der Krimireihe, den ich als große Portugalliebhaberin unbedingt lesen möchte (aber auch, weil mir die Charaktere sehr ans Herz gewachsen sind, vor allem das Polizeischwein Raquel).
Rezensionen von heinoko:
Die mittelalterliche und die moderne Pest
Todgeweiht von Catherine Shepherd
Zwei Zeitstränge, 500 Jahre auseinander, und doch irgendwie auf undurchsichtige Weise verbunden. Ein neuer Zons-Thriller, fesselnd wie gewohnt bei dieser Autorin. Auch dieses Mal bin ich atemlos durch das Buch durchgerauscht, habe mich gegruselt, erschreckt, gewundert, geekelt, habe gerätselt, war verwirrt und wurde immer planloser – und am Ende restlos überrascht.
Doch bei diesem 10. Zons-Thriller kam noch ein weiteres Element hinzu, nämlich die erschreckende Brisanz durch die Parallelität zwischen geschilderter Pest und Corona! Nie konnten wir die geschilderte „Pestordnung“ besser verstehen als in einer Zeit, in der wir wegen Corona unserer gewohnten Freiheit beraubt sind.
Über die Handlung kann man kaum etwas erzählen, ohne zu viel zu verraten. Gegenwart: Der sympathische Kommissar Oliver Bergmann ist wieder reichlich gefordert. Eine angeschwemmte Frauenleiche, laut Autopsie vom Mörder mehrere Tage vor dem Tod gequält, ein abgetrennter Finger, der niemandem zu gehören scheint, mehrere verschwundene junge Frauen, ein Pizzabote, in dessen Lieferung ein Zettel mit „Henkersmahlzeit“ zu finden ist – rätselhafte Geschehnisse, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Vergangenheit: In größter Eile werden Vorbereitungen getroffen, die Pest, die vor den Toren der Stadt Zons lauert, von der Stadt fernzuhalten. Als jedoch innerhalb der Stadtmauern der Wirt Gottfried tot vor seinem Wirtshaus gefunden wird mit einer Pestbeule am Hals, zugleich aber mit merkwürdig verrenkten Gliedern, breitet sich die Angst in der Stadt aus. Bastian Mühlenberg gibt sich jedoch mit dem vermeintlich Offensichtlichen nicht zufrieden, insbesondere als ein weiterer Toter gefunden wird.
Es ist bewundernswert, wie Catherine Shephard es mit jedem neuen Buch in unveränderter Bestform schafft, den Leser zu packen, ihn mit allen Sinnen in die Geschichte hineinzuziehen und ihn mit gemeinen Cliffhangern zu quälen. Man eilt von Kapitel zu Kapitel und tappt in alle von der Autorin ausgelegten Fallen, bis man am Ende durch ein fulminantes Ende restlos überrascht wird. Die Protagonisten sind wie immer absolut stimmig dargestellt, die erzählte Geschichte ist nachvollziehbar. Rundum: Auch dieser neue Titel von Catherine Shepherd lässt den Leser alles um sich herum vergessen – ein Lesevergnügen!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein Krimi aus der Klassischen Musik
Das Gift der Engel von Oliver Buslau
Der Musikkritiker Nikolaus Alban aus Godesberg erhält von einem nächtliche Besucher ein Kuvert mit einem Ausschnitt einer Partitur überreicht. Wenig später sitzt der Überbringer wegen des Verdachtes seinen Freund, einen angesehenen Urologen, ausgerechnet mit einer Beethoven-Büste erschlagen zu haben, im Gefängnis.
Albans Freund, KHK Kessler will den Mord an dem Urologen als aufgeklärt zu den Akten legen.
Neugierig geworden versucht Alban das Geheimnis der Arie zu ergründen. Die scheint aus dem Barock zu sein, weil sie zahlreiche Element enthält, die Georg Friedrich Händel zugeschrieben werden könnten. Eine verschollene Oper Händels? Ein Jahrhundertfund, der einen unschätzbaren Wert haben könnte?
Alban, der mit drei weiteren Freunden, unter anderem KHK Kessler, Hausmusik betreibt, versucht, die Arie bei einem dieser Hausmusikabende singen zu lassen. Die Sopranistin ist begeistert, kann aber die hohen Koloraturen nicht bewältigen.
Weil Kessler nicht auf seine Hinweise, vielleicht doch den falschen eingesperrt zu haben, reagiert, beginnt Alban selbst zu ermitteln und stößt auf eine Reihe von Verbrechen. Die Freundschaft zwischen Alban und Kessler wird dabei auf eine harte Probe gestellt.
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist vor allem für Liebhaber der Klassischen Musik außerordentlich interessant. Oliver Buslau ist ja
selbst Musikwissenschaftler und weiß daher, wovon er schreibt. Seine Erklärungen sind auch für Unkundige gut lesbar und subtil in die Handlung eingewoben. Das gefällt mir besonders gut, wenn dem Leser quasi „Unterricht“ erteilt wird und der es gar nicht bemerkt.
Ich hatte allerdings recht bald eine Vermutung, denn die Parameter Barockmusik, Händel, unsingbare Koloraturen und ein Urologe ließen mich sofort an Kastraten denken. Diese barbarische Verstümmelung von jungen Sängerknaben war im Barock sehr häufig zu finden. (siehe dazu auch „Die Hyazinthenstimme“ oder „Farinelli“)
Der Krimi ist durch viele unvorhersehbare Wendungen spannend und überrascht mit einem gut konstruierten Schluss.
Leider muss ich das Cover kritisieren: Der einzige Zusammenhang mit Beethoven ist die Mordwaffe. Ich hätte mir Georg Friedlich Händel als Cover gewünscht, passt der doch zum Thema viel besser.
Fazit:
Ein fesselnder Krimi, der Einblicke in die Klassische Musik gibt.
Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Aufwühlend und fesselnd
Die Unwerten von Volker Dützer
Man schreibt das Jahr 1939. Eine Halbjüdin zu sein und an Epilepsie zu leiden ist in der Nazizeit in ganz Deutschland eine tödliche Konstellation. Es sind Gerüchte im unheimliche Umlauf, die so keiner wirklich glauben mag. Menschen, die dem Reich nicht nützlich sind, verschwinden einfach. Wohin? Darüber wird nur ganz leise geflüstert.
Deshalb so versucht Hannah Bloch ihre Krankheit zu verheimlichen. Doch als sie in der Schule zusammenbricht, meldet sie ein linientreuer Lehrer. Sie wird zu einer Untersuchung vorgeladen und statt eines wohlwollenden Arztes, wird sie von Dr. Joachim Lubeck als „nicht abrichtbar“ beurteilt. Lubeck ist ein schwacher Mann, ein gewissenloser Opportunist, der von Hannahs Mutter Malisha besessen ist. Sie soll seine Geliebte werden, obwohl er sich damit des Verbrechens der „Rassenschande“ schuldig macht. Als sie sich weigert und der Vergewaltigung nur knapp entkommt, schwört Lubeck Malisha und Hannah ewige Rache...
Meine Meinung:
Volker Dützer ist hier ein Krimi gelungen, der unter die Haut geht.
Da ist zum einen Hannah mit ihrer Odyssee und zum anderen das Netz der Fluchthelfer, das immer löchriger wird, weil die Nazis die Mitglieder verhaften und foltern. Nur ganz wenige bleiben standhaft wie Malisha und die bezahlt mit ihrem Leben.
Doch auch bei den Nazis ist nicht alles so eitel Wonne wie der Führer es gern hätte. Es geht um Gier, um Macht und deren Erhalt. So schreckt Brunner nicht vor dem Mord an seiner eigenen Ehefrau zurück - Lubeck ist ein williger Helfer.
Geschickt flicht er historische Details ein. So erwähnt er, dass die „Aktion T4“ kurzfristig eingestellt werden musste, nachdem die Bevölkerung auf die systematische Ermordung von Kranken und Behinderten aufmerksam wurde. Wenig später geht das Morden mit unerbittlicher Härte weiter. Ein interessanter Aspekt, der mir so nicht geläufig war, ist die Ermordung von Wehrmachtssoldaten die schwer traumatisiert in Lazaretten lagen und nicht mehr an die Front zurück wollten. Sie wurden ebenfalls als „lebensunwert“ eingestuft.
Das Buch ist kaum aus der Hand zu legen. Der Autor gönnt weder seiner Hauptfigur Hannah eine Ruhepause noch seinen Lesern. Immer, wenn man glaubt, Hannah könnte jetzt einmal in Sicherheit sein (wobei Sicherheit ja relativ ist), taucht Lubeck wieder der Teufel aus der Schachtel wieder auf.
Wie viel kann ein Mensch aushalten? Am Beispiel von Hannah ist Antwort - sehr viel. Und immer wieder sind es klitzekleine Zufälle, die Hannah das Überleben ermöglichen.
In seinem Nachwort beschreibt der Autor was ihn bewogen hat, genau dieses Buch zu schreiben. Können die Verbrechen der Nazis Stoff für Belletristik sein?
„Nun könnte man mir vorwerfen, dass die Euthanasie kein Thema für die Belletristik ist, aber ich bin anderer Meinung. Um Menschen schwierige Themen nahezubringen, ist der erhobene Zeigefinger meines Erachtens kein gutes Mittel. Warum nicht die zeitgeschichtlichen Aspekte und Hintergründe in eine spannende Geschichte verpacken und damit den Leser zur Beschäftigung mit diesen Inhalten anregen? Schließlich geht es im Roman wie in der Realität um Menschen und deren Lebenswege.“
Ja natürlich können (und vielleicht müssen) Romane sich mit diesen Themen beschäftigen. Damit können mehr Menschen erreicht werden als mit Sachbüchern. Und jeder Leser, der sich anschließend mit dem Thema „Nazi-Verbrechen“ auseinander setzt und vielleicht doch zu einem Sachbuch greift, ist einermehr der genau hinsieht, damit solche Verbrechen nicht mehr passieren.
Ich warte mit Spannung schon auf den nächsten Fall mit Hannah Bloch.
Fazit:
Ein aufwühlendes Buch, das sich mit einem der vielen Verbrechen der Nazis beschäftigt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.










