Kunden em pfehlungen
Rezensionen von C. P.:
Klischees statt Spannung
Whitefeather (Legende der Schwingen 1) von K.T. Meadows
Eine Fantasyserie über Engel? Das hat mich neugierig gemacht. In dieser Welt wachsen sämtliche Kinder, die aller Wahrscheinlichkeit nach Blut der Serafim in sich tragen, in besonderen Dörfern auf, bevor sie sich, einem Initiationsritus gleich, von der Klippe stürzen und, mit Engelsflügeln in weiß oder schwarz versehen, in die entsprechenden Engelsstädte aufmachen.
Sehr viel mehr war dem Klappentext nicht zu entnehmen, entsprechend war ich gespannt, was mich wohl erwartet.
Leider gestaltete sich der Roman längst nicht so spannend, wie erhofft. Es gibt eine ménage à trois der drei Freunde Liz, Fab und Lijan, bei denen man nie so recht weiß, wer denn da nun auf wen steht und auf wen eifersüchtig ist. Sowohl die Personen wie auch die Engelsstädte sind leider sehr klischeehaft und konnten mich einfach nicht überzeugen. Während die schwarzen Engel mutig und kriegerisch, zugleich aber auch lasterhaft und chaotisch sind, ist bei den weißen Engeln alles überkorrekt und steif, voller Regeln und Symmetrie und - da dachte ich, ich les nicht richtig - bei denen wird tatsächlich kontrolliert, ob sie ihr Zimmer aufgeräumt haben! Echt jetzt?! Liz gestaltete sich als mädchenhaft zurückhaltend und naiv, lässt andere über sich entscheiden und wird gleich als rebellisch tituliert, als sie es wagt, mal ein paar Fragen zu stellen. Zudem nervten mich ihre Gedankenspiralen im Sinne von "Oh Gott, ich will ihn küssen" o.ä., während die Männer das ohne groß nachzudenken einfach machten - was Liz natürlich in weitere Gedankenspiralen stürzte. Klischee pur. Und selbst der Ritus, von der Klippe zu springen, erschien mir recht fragwürdig, denn wer das Pech hat, doch nicht von den Engeln abzustammen - nunja...
Von der Spannung her dümpelt der Roman das erste Drittel gemächlich vor sich hin, man bekommt ein Klischee nach dem nächsten serviert, bevor endlich mal etwas passiert. Aber da muss ich sagen, wurd mir zuviel in einen Pott geworfen bis hin zu Taten, welche andere begangen haben sollen und die nun für irgendwelche Schicksale verantwortlich sein sollen - ohne jetzt allzu viel zu verraten. Kurz: Auch wenn interessante Ansatzpunkte vorhanden sind, an dem System schwarz/weiß zu zweifeln, wirkt doch alles recht unausgereift und nicht stringent genug, um mich wirklich überzeugen zu können. Auf die Fortsetzung werde ich daher auch verzichten.
Rezensionen von C. P.:
Vulkanmomente
Die Unausstehlichen & ich (Band 2)- Freunde halten das Universum zusammen von Vanessa Walder
Enni hat sich entschieden, im Internat Saaks zu bleiben. Schließlich hat sie dort das erste Mal in ihrem Leben echte Freunde gefunden. Und Freunde sind wichtig. Doch dann geschehen mehrere Ereignisse, für die Enni verdächtigt wird. Aber sie war es nicht. Ehrlich! Werden die anderen ihr glauben? Oder droht nun der Schulverweis? Dazu kommt, dass ihr Pflegebruder von seinen Eltern ausgerissen ist, um zu Enni zu gelangen.
Noah scheint jedoch wie von der Bildfläche verschwunden, und nicht nur Enni macht sich große Sorgen, sondern natürlich auch ihre Pflegeeltern. Da hat Enni eine geniale Idee - werden ihre Freunde ihr dabei helfen, auf der Schule zu bleiben und ihren Bruder zu finden?
Auch der zweite Band um Enni ist wieder in Briefform geschrieben, diesmal jedoch an ihren Bruder Noah. Mit einem ganz besonderen Blick auf die Dinge erzählt sie von den Geschehnissen auf der Schule ebenso wie von Erinnerungen aus ihrem früheren Leben. Dabei gibt es wieder die für sie typischen, ausgekritzelten Schimpfwörter, die man sich beim Lesen manchmal denken kann und die das Leseerlebnis zu etwas Besonderem machen.
Spannend sind diesmal vor allem die Vorfälle in der Schule, welche Enni angelastet werden und bei denen man als Leser miträtselt, wer denn wohl der Täter gewesen sein könnte. Ebenso hat der Zusammenhalt der Freunde ein sehr hohen Stellenwert, der nicht nur Enni, sondern auch mich sehr begeistert konnte.
Das Buch ist spannend, unterhaltsam und liebenswert emotional. Es machte regelrecht Spaß, das Buch zu lesen, Ennis Abenteuer und Gedanken zu verfolgen und wie in einem Krimi die Täter ausfindig zu machen. Hinzu kommt, dass das Buch wieder wunderschön illustriert ist.
Ein hervorragender zweiter Band rund um Enni und ihre Freunde, der jetzt schon Lust auf Band 3 macht.
Rezensionen von inya:
Mysteriöse Machenschaften
Wozu wir fähig sind von El Omari Laila
Dies ist der erste Collegeroman den ich gelesen habe und ich muss sagen, dass ich ihn sehr mitreißend und spannend fand. Er dreht sich um eine Clique bestehend aus jungen Studenten, die eigentlich keine Sorgen haben, denn sie sind jung, beliebt und Geld spielt auch keine große Rolle.
Doch eines Tages treffen zwei neue Gesichter in der Stadt und in der Clique auf und alles scheint sich auf einmal zu verändern und das nicht zum Guten.
Plötzlich wankt das Leben der jungen Studenten und es kommen verschiedene Dinge aus der Vergangenheit zum Vorschein, die man lieber nie wieder erwähnt hätte.
Der Roman ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und ein nicht allzu anstrengendes Lesevergnügen.
Rezensionen von Heyn Leserunde, Nico Strahl:
Verlust der Heimat
Ich bleibe hier von Marco Balzano
Jeder kennt die romantische Postkartenidylle vom halbversunkenen Kirchturm im Reschensee.
Aber kaum einer kennt die Geschichte dahinter.
Eine Geschichte über Enteignung, Trauer und Wut zur Zeit des Faschismus in Südtirol.
Unbedingt lesen!
Rezensionen von PeLi:
etwas realistischer wäre schön gewesen
Schwestern im Tod von Minier Bernard
1993 werden die Leichen der beiden Schwestern Alice und Ambre von einem Kanufahrer am Ufer der Garonne entdeckt. Die beiden sitzen sich gegenüber, angebunden an einem Baum und beide tragen Kommunionkleider. Die Art der Inszenierung erinnert an das erfolgreichste Buch des Krimiautors Erik Lang "Die Kommunikantin" von dem die beiden Studentinnen große Fans waren.
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Der Autor selbst gerät während der Ermittlungen schnell unter Verdacht. Doch dann bringt sich ein Kommilitone der beiden Studentinnen um und hinterlässt einen Abschiedsbrief, in dem er den Mord an den beiden zugibt. Damit ist für die ermittelnden Beamten der Fall klar. Der junge Polizist Martin Servaz glaubt als einziger nicht an die alleinige Schuld des Selbstmörders, doch dem jungen Polizisten fehlt der Einfluss, um diesen Fall weiter zu bearbeiten. Also wird die Akte "Alice und Ambre" geschlossen.
Inzwischen sind 25 Jahre vergangen und Kommisar Martin Servaz hat Karriere bei der Polizei gemacht. Nun wird er zu einem Tatort gerufen, bei dem eine Frau in ihrem eigenen Zuhause von giftigen Schlangen getötet wurde. Als Servaz und sein Kollege am Tatort ankommen, schrillen sofort alle Alarmglocken, denn die tote Frau trägt ein Kommunionkleid. Und ihr Mann ist Erik Lang, der Autor, dessen Buch " Die Kommunikantin" schon bei den Ermittlungen 1993 eine wichtige Rolle spielte.
Wer hat die Frau des Autors getötet? Und warum trug auch sie ein Kommunionkleid?
"Schwestern im Tod" war für mich das erste Buch von Bernard Minier und ich hatte, nach der wirklich spannenden Leseprobe, sehr große Erwartungen. Leider wurden diese hohen Erwartungen nicht erfüllt. Den ersten Teil, in dem es um den Mord der beiden jungen Mädchen ging, fand ich noch sehr spannend. Der neue Fall, in dem es dann um den Tod von Erik Langs Frau ging, war allerdings dann nicht nur langatmig, sondern auch noch total unglaubwürdig. Ich habe zum Beispiel bis zum Schluss nicht verstanden, warum auch sie ein Kommunionkleid trug. Außerdem fand ich einfach vieles total überzogen. Es kann ja sein, dass es solche seltsamen Menschen gibt, aber so viele auf einem Haufen? Die Auflösung des ersten Mordes konnte ich ja gerade noch nachvollziehen, aber alles, was mit dem zweiten Mord zu tun hatte, war einfach nur völlig an den Haaren herbeigezogen und für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Schade, denn die Idee fand ich richtig gut sie und hätte auf jeden Fall das Potential für einen super Psychothriller gehabt.
Rezensionen von Castilleja:
Vivian
City of Girls von Elizabeth Gilbert
Vivian Morris wird in den 1940er Jahren nach New York zu ihrer Tante Peg geschickt. Vivian war für die "alte Welt" wohl zu rebellisch, sie hat sich nicht einfügen können in die vorgesehene, für sie viel zu strikte Lebensplanung. So hat sie auch das College abgebrochen und kommt dann in das turbulente New York, wo ihre Tante ein kleines Revuetheater leitet.
Das ist doch mal etwas ganz anderes! Und Vivian kommt hier mit ihren Nähkünsten gerade richtig. Doch es geht nicht nur um die Arbeit, sondern auch um das Lebensgefühl und das Abenteuer, einfach zu leben, zu fühlen. Als Leser begleitet man Vivian über viele Jahre, die Geschichte wird rückblickend erzählt. Und so ist auch nicht alles glänzend in New York, gerade während der Jahre, in denen die USA in den Zweiten Weltkrieg involviert sind. Allerdings hat das Buch zwischendurch auch so einige Längen und wer hier Tiefgang erwartet, der wird sicherlich enttäuscht werden. Dennoch konnte es mich unterhalten.
Rezensionen von Claudia R:
Humor und Charme ...
Ein Schotte kommt selten allein von Karin Müller
Klappentext:
Zu ihrem vierzigsten Geburtstag bekommt Janne von ihren Freundinnen eine Busreise nach Schottland geschenkt. Der absolute Albtraum! Denn obwohl Janne Schottland liebt, findet sie, dass eine Busreise höchstens etwas für Senioren und Langweiler ist. Und spätestens als sie eingeklemmt zwischen dem überkorrekten Reiseleiter und lauthals singenden Outlander-Fans sitzt, ist sie sich sicher: NIE WIEDER Busreise! Doch dann schaut Janne beim Whisky-Tasting etwas zu tief ins Glas und landet prompt im falschen Bus: neben dem unglaublich netten Schotten Alex.
Und plötzlich findet Janne Busfahren gar nicht mehr so furchtbar ...
Cover:
Das Cover wirkt sehr humorvoll und idyllisch. Der Hintergrund und die Landschaft vermitteln Urlaubsfeeling pur. Dazu passt auch sehr gut der Reisebus im Hintergrund und viele kleine Details runden dieses Cover sehr gut ab.
Meinung:
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig. Es lässt sich sehr gut lesen und birgt sehr viel Humor und Charme in sich.
Janne hat sich schon immer einen Urlaub in Schottland gewünscht und als großer Outlander-Fan hatte sie da so ihre ganz eigenen Gedanken und Ideen, wie sie dort ihre Zeit verbringen wollte. Am liebsten allein und als Rucksacktourist. Doch zu ihrem Geburtstag bekommt sie von ihrer Familie und Freunden eine Pauschalreise dorthin geschenkt und schon beginnt die Busreise, die anfänglich so garnicht ihr Fall ist. Denn sie hatte es sich anders vorgestellt und nun ist sie mit einer Horde fremder Menschen auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Traumurlaub, der sich nun mehr uns mehr zu einem Albtraum entwickelt. Doch dann trifft sie auf Alex und kurze Zeit später bei einem Stopp gelangt sie in den falschen Bus, doch zu viel sei an dieser Stelle nicht verraten. Denn ich möchte hier nicht zu viel vorweg nehmen.
Die Geschichte ist spannend und humorvoll erzählt. Auch die bildlichen Beschreibungen und auch die Landschaft kommen hier nicht zu kurz. Man bekommt Urlaubsfeeling und befindet sich in einem spannenden Wohlfühlroman mit sehr viel Humor und Charme.
Janne macht es einem nicht gerade leicht, da sie ein sehr wechselhafter und teils auch chaotischer, besserwisserischer und tollpatischer Charakter ist. Das macht sie aber auch sehr authentisch und sympathisch.
Auch die anderen Charaktere sind sehr gut durchdacht und sehr gut entwickelt. Vor allem Alex war mir von Anfang an sehr sympathisch. Aber auch quengelige und skurrile Charaktere finden hier ihren Platz, denn auf einer Bustour trifft man auf sehr viele und auch auf sehr unterschiedliche Personen und Charaktere und auch dies wurde hier sehr gut herübergebracht und machte die Geschichte sehr authentisch.
Die Geschichte war sehr gut durchdacht und auch die Handlungen fand ich ich sehr nachvollziehbar und werden am Ende sehr gut aufgeklärt und dort fügen sich dann auch alle Stränge und offene Fragen sehr gelungen und stimmig zusammen.
Die Kapitel haben eine angenehme Länge und auch die kleinen Einfügungen von Jannes reiseblog fand ich sehr gut gelungen. Die Erzählweise ist sehr passend. So erlebt man die Gedankengänge und Fragen die sich Janne stellt sehr gut mit, da die Geschichte aus Jannes Sicht in der Ich-Perspektive erzählt wird.
Toll fand ich auch die unterschiedlichen Charaktere und sie Dialekte, sie haben das Ganze sehr abwechslungsreich und humorvoll gestaltet.
Zwischenzeitlich bleiben viele Fragen offen und es geht nur sehr langsam voran. So hat es an manchen Stellen einige Längen. Diese werden aber durch sehr viel Humor und Emotionen wieder weg gemacht und das Ende setzt einen wundervollen Schlusspunkt. Das Ende finde ich sehr gut gelungen und hier werden die verschieden Fäden und noch offenen Fragen sehr schlüssig zusammengefügt und sehr stimmig beendet.
Eine sehr unterhaltsame, gefühlvolle, emotionale, humorvolle und spannende Geschichte, mit tollen Charakteren, die durch ihre Vielfalt und Humor überzeugen konnten.
Fazit:
Ein Wohlfühlroman mit sehr viel Humor und Charme.
Rezensionen von Manfred Fürst:
Der Sensenmann, der vor einem Sarg mit einer Frau tanzt
Letzter Tanz von Jeffery Deaver
Nach dem „The Bone Collector“ (1997), deutsche Version „Der Knochenjäger“ (2000) nun der zweite Thriller aus der Rhyme/Sachs-Reihe „Letzter Tanz“. Viel phantasieanregender ist der englische Originaltitel „The Coffin Dancer“, jemand, der vor dem Sarg tanzt. Der Serienmörder oder besser der Berufskiller hat nämlich ein Tattoo am Oberarm: Der Sensenmann, der vor einem Sarg mit einer Frau tanzt.
Ein Learjet 34A explodiert beim Landeanflug. Dabei kommt ein Zeuge ums Leben, den der New Yorker Staatsanwalt für den Prozess gegen Hansen, Drogenschmuggler … brauchte; getötet von einem Auftragskiller.
Lincoln Rhyme analysiert ein paar Sandkörner mit einem Durchmesser von 0,05 mm. Der genialste Forensiker des Landes, in seiner Art atemberaubend wie einschüchternd, ist nach einem Arbeitsunfall C4 querschnittsgelähmt.
Doch der nicht unbekannte Auftragskiller mit seinem außergewöhnlichen Tattoo ist mit einem Mordauftrag in der Stadt: Der „Totentänzer“, der „Coffin Danzer“. Rhyme muss in fangen – aus ganz persönlichen Motiven. Die Jagd nach ihm beginnt; mit Amelia Sachs, seiner „Lieblingstatortspurensicherin.“
Zwei Erzählstränge wechseln sich ab: Die Suche nach dem Mörder und der Mörder selbst in seinen phantastischen Selbstgesprächen. Aus Stephans Killerhandbuch: „Du infiltrierst die Umgebung deines Opfers. Evaluierst die Hindernisse für den Mord und die mögliche Abwehr. Du delegierst den Job, jedermanns Aufmerksamkeit vom Opfer abzulenken – lässt es so aussehen, als ob du aus einer anderen Richtung angreifst und in der Zwischenzeit hast du dich von hinten an das Opfer herangeschlichen. Dann isolierst und eliminierst du es.“ Wie man sieht, killen kann ganz schön anstrengend sein. Das Match lautet Stephen Kall (Killer) gegen Lincoln Rhyme (Forensiker).
An Spannung kaum zu überbieten: Die Schilderung des Flugs eines Learjets mit einer Bombe mit Höhenzünder an Bord; wie überlebt Pilotin und Copilot die Landung, wenn das Flugzeug nicht unter 1500 Meter sinken darf, um nicht zu explodieren?
Als sich der Leser auf der Zielgeraden bereits mit einer glatten Lösung - was den Täter betrifft - abzufinden schein, müssen diese Überlegungen verworfen werden, der Plot dreht komplett und die finale Auflösung ist genauso überraschend wie genial. Was bei Jeffery Deaver eigentlich zu erwarten war.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine gelungene Fortsetzung
Das schwarze Band von Beer Alex
Man schreibt das Jahr 1921 und Wien wird von einer noch nie da gewesenen Hitzewelle heimgesucht. Zahlreiche Menschen sterben an Dehydrierung. Doch nicht nur natürliche Ursachen kosten einigen Menschen das Leben. Es wird auch weiter gemordet. Kriminalinspektor August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter werden in die Brigittenau gerufen.
Zwei Frauen sind in ihrer Wohnung erschlagen worden, die dritte Mitbewohnerin ist verschwunden. Ist sie die Täterin oder ein Opfer?
Doch bevor die Ermittlungen so richtig in Fahrt kommen, wird August Emmerich zu einem „Benimm-Lehrgang“ in die Schwarzenbergkaserne abkommandiert. Er soll bitte endlich, seine ruppige Art ablegen und nicht immer das sagen, was er sich denkt. Doch als er die anderen Kursteilnehmer sieht und sein Widersacher in der Abteilung „Leib und Leben“ Peter Brühl als Ausbildner erscheint, kommt ihm dieser Kurs ziemlich „spanisch“ vor. Als dann noch ein Kursteilnehmer vor seinen Augen in den Tod gestoßen wird, ist ihm klar, dass hier etwas ganz gewaltig stinkt. Will man seine Karriere bei der Polizei nun endgültig ruinieren oder gibt es ein weit größeres Intrigenspiel mit weit reichenden Folgen für die junge Republik?
Meine Meinung:
Emmerich ist ein „Sau-Prolet“, wie Veit Kolja, sein einstiger Waisenhaus-Kumpel, Unterweltsboss und nunmehriger Neo-Parlamentarier zu sagen pflegt, während Ferdinand (von) Winter als seines Vermögens und Titel verlustiger Adeliger stets höflich und mitunter auch ein wenig zu zurückhaltend auftritt. So würde Ferdinand niemals über den neuen Bundeskanzler Johann Schober sagen, dass „er vielleicht ein guter Polizeipräsident war, aber als Bundeskanzler nichts tauge, weil er wie viele andere ein Geldsack und Emporkömmling sei.“ (S. 15) Ja, Ferdinand würde so etwas nicht einmal denken, geschweige denn, auf einem Empfang laut aussprechen und dabei noch von einigen Leuten belauscht werden.
Doch kann man Emmerich sehr gut verstehen. Er ist eben nicht auf der Butterseite des Lebens aufgewachsen. Derzeit kämpft er mit der steigenden Inflation, die ihm und den drei Kindern seiner ermordeten Freundin kaum das Nötigste zum Leben lassen.
Auch in ihrem vierten Fall für das ungleiche Ermittler-Duo flicht die Autorin wieder historische Fakten ein. So sind die steigende Teuerung, die Wohnungsnot und die unsichere politische Lage ein großes Thema. Interessant auch der Blick auf die wenigen weiblichen Abgeordneten im Parlament. Eine fiktive Figur sticht hier besonders heraus: Adelheid Rupert, die mit ihrer Aktion sogar Veit Kolja einen aufrichtigen Respekt abnötigt (S. 324).
Sehr spannend ist auch der zweite, abermals misslungene Restaurationsversuch von Ex-Kaiser Karl I. in den Krimi integriert.
Gut gelungen ist die langsame Weiterentwicklung Ferdinands, der ja in Abwesenheit von Emmerich, den Doppelmord aufklären soll und dem dabei jede Menge Prügel vor die Beine geworfen werden. Dabei hält er sich an den Rat, den ihm sein Vorgesetzter gegeben hat: „Machen Sie genau das Gegenteil davon, was Sie sonst machen würden.“ Ganz unbeschadet kommt der Assistent natürlich nicht davon. Denn das „Paradies“ ist kein solches sondern der Vorhof zur Hölle, auf den man ihn bei der adeligen Erziehung nicht vorbereitet hat.
Diese Krimi-Reihe besticht durch ihre authentischen Figuren und Beschreibungen des Alltags. Die Zahlen, Daten und Fakten sind penibel recherchiert. Das eine oder andere historische Ereignis ist dem Verlauf des Krimis angepasst worden. Im Nachwort vermerkt Alex Beer, die im bürgerlichen Leben Daniela Larcher heißt, diese Freiheiten.
Dass die Reihe noch nicht zu Ende ist, lässt uns die Autorin auch wissen. August Emmerich erfährt endlich, nach langer Suche, den Namen seiner Mutter bzw. seines Vaters. Darauf freue ich mich, denn die Suche nach dem Vater wird bestimmt kein Honigschlecken.
Ich habe diesen vierten Band nicht aus der Hand legen können und in einer Nacht gelesen.
Fazit:
Spannend bis zur letzten Seite - eine gelungene Fortsetzung der Reihe rund um August Emmerich & Ferdinand Winter. Schade, dass hier maximal 5 Sterne zu vergeben sind.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Fesselnd bis zur letzten Seite
Sturmfeuer von Tim Erzberg
Während einer Segelregatta in der „Optimisten-Klasse“ für Kinder, verschwindet der zehnjährige Nils Michelsen aus seinem Boot. Man hat ihn bei einem Wendemanöver, wie die Auswertung von Videas und Fotos später zeigt, noch im Blick und dann findet man nur mehr das leere Boot. Eine Suchaktion bleibt ohne Erfolg.
Wenig später wird der Vater des Kindes tot am Fuße der Klippen von Helgoland gefunden. Unfall oder Selbstmord? Und warum verhält sich Frau Michelsen so seltsam?
Für Anna Krüger, die Polizistin auf der Insel, sind dies ein wenig zu viele Zufälle. Als sie dann noch den verschwundenen Jungen zu sehen glaubt, beginnt sie intensiv zu recherchieren.
Dabei stößt sie auf ein lange gehütetes Geheimnis, das auch sie in Gefahr bringt.
Meine Meinung:
In diesem zweiten Fall für Anna Krüger und Paul Freitag bleibt die Spannung die ganze Zeit recht hoch. Obwohl ich recht bald die Zusammenhänge zwischen den fett gedruckten historischen Einschüben und dem Tod von den beiden Michelsens in der Gegenwart erkannt habe, hat mich die Auflösung gefesselt.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Jede bzw. jeder hat so sein eigenes Schicksal zu tragen. Anna leidet nach einem traumatischen Erlebnis seit Jahren an schwerer Migräne, die sie „Stalin“ nennt. Ihr Tablettenkonsum steigert sich ins Bedenkliche. Manchmal ist nicht klar, ob sie überhaupt diensttauglich ist. Aufgrund ihren eigenen Dämonen kann sie sich in andere recht gut hineinversetzen.
Tim Erzberg lockt seine Leser immer wieder auf Fährten, die sich als Sackgassen herausstellen.
Sehr gut haben mir die Rückblicke in die letzten Tage und Wochen der NS-Diktatur gefallen. Sind die Spuren des Flächenbombardements der Briten wirklich noch immer auf der Insel sichtbar?
Fazit:
Ein gelungener Regional-Krimi mit interessanten Charakteren, der für spannende Lesestunden sorgt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.











