Kunden em pfehlungen
Rezensionen von dorli:
Gut Greifenau - Goldsturm
Gut Greifenau - Goldsturm von Hanna Caspian
„Gut Greifenau - Goldsturm“ ist der vierte Band der großen Familiensaga über die fiktive Grafenfamilie von Auwitz-Aarhayn aus der Feder von Hanna Caspian.
Da „Goldsturm“ direkt an den vorhergehenden Band anknüpft und Hanna Caspian weitestgehend auf Wiederholungen und Rückblenden verzichtet, halte ich es für ratsam, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da das Wissen über die vorherigen Ereignisse den Lesegenuss dieser Fortsetzung noch erhöht.
Die Handlung dieses Bandes beginnt am 02. Oktober 1919 und erstreckt sich über vier Jahre. Die Menschen leiden unter den Folgen des Krieges. Vor allen Dingen die wirtschaftliche Belastung aufgrund von Reparationszahlungen gemäß dem Vertrag von Versailles prägt den Anfang der 1920er Jahre in Deutschland. Man steuert auf eine Hyperinflation zu, die Arbeitslosigkeit, explodierende Preise, Löhne, die nichts mehr Wert sind und Hungersnot im Gepäck hat.
Hanna Caspian beleuchtet in „Goldsturm“ die Auswirkungen der Inflation für alle Bevölkerungsschichten und zeichnet damit ein facettenreiches und vor allen Dingen sehr glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit. Gekonnt verknüpft die Autorin viele wahre Begebenheiten aus den ersten Jahren der Weimarer Republik mit abwechslungsreichem fiktiven Geschehen und lässt ihre Figuren die Höhen und Tiefen der Zeit durchleben.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Kampf um den Erhalt des Gutes Greifenau – keine leichte Aufgabe für Konstantin, denn zusätzlich zu der ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage setzen ihn sowohl die neuen Steuergesetze wie auch die Ansprüche seiner Brüder finanziell mächtig unter Druck.
Neben den der allgemeinen Situation geschuldeten Problemen spielen natürlich auch die persönlichen Angelegenheiten der Akteure wieder eine große Rolle. Hanna Caspian versteht es dabei ganz ausgezeichnet, die ganz unterschiedlichen Lebenswege ihrer Protagonisten mitreißend darzustellen. Katharina möchte trotz Mutterschaft ihren Traum vom Medizinstudium verwirklichen. Hausdiener Caspers versucht, seine Wettleidenschaft in den Griff zu bekommen. Eugen ist eifersüchtig und beschließt, neue Wege zu gehen. Julius’ Begeisterung für Autorennen endet fast mit einer Katastrophe. Diese und viele weitere mit Schicksalsschlägen, Konflikten und Intrigen gespickten Ereignisse halten das Geschehen lebendig und sorgen durchweg für spannende Unterhaltung.
„Gut Greifenau - Goldsturm“ hat mir sehr gut gefallen. Es hat wieder Spaß gemacht, die Greifenauer auf ihren Wegen zu begleiten und ihr Miteinander und ihr Gegeneinander zu beobachten.
Rezensionen von Nele33:
Krimi mit Humor
Rupert undercover - Ostfriesische Mission von Klaus-Peter Wolf
Rupert undercover-Ostfriesiche Mission macht Lust auf Nordsee und lässt sich locker leicht lesen.
Rupert, bekannt als Polizeikommissar aus den Ostfriesenkrimis von Klaus-Peter Wolf, träumt schon lange von einer Karriere beim BKA, doch diese haben seine Bewerbungen schon des öfteren abgelehnt-ihm fehle die nötige Qualifikation.
Nun bekommt Rupert aber genau an seinem Geburtstag die Chance sein Können unter Beweis zu stellen. Er sieht einem Gangsterboss zum verwechseln ähnlich. Entgegen der Meinung seines Team, allen voran seine Chefin Ann-Kathrin, stimmt Rupert dem Undercover Einsatz zu. Ohne große Aufklärung ist Rupert schnell auf sich allein gestellt- und Rupert wäre nicht Rupert, wenn es an der ein oder anderen Stelle nicht etwas zu schmunzeln gäbe. Er findet gefallen an seinen Möglichkeiten als Gangsterboss, an dem Geld und endlich kann er mal der Chef sein.
Was ziemlich gemütlich beginnt entwickelt sich schnell zu einem spannenden Krimi mit einer gehörigen Portion Humor.Das Finale ist super ausgearbeitet und macht Lust auf den nächsten Undercover Solo Einsatz von Rupert. Zum Ende hin überzeugt er auch seine zweifelnden Kollegen.
Dieser Krimi beschreibt die Orte und Begebenheiten an und in der Nordsee so wirklichkeitgetreu, dass ich zeitweise das Gefühl hatte, selbst über eine der Inseln zu laufen und einzukehren.
Eine klare Leseempehlung und 4****
Rezensionen von KimVi:
Bewegende Familiengeschichte
Nebelkinder von Stefanie Gregg
1945 muss Käthe mit ihren Töchtern Ana und Leni aus Breslau fliehen. Sie werden dabei von ihrer Schwester Selma und deren Sohn begleitet. Die Familie hat Glück. Sie ergattern Plätze im letzten Zug. Doch schon bald müssen alle feststellen, dass die Reise äußerst gefährlich ist und ihnen, körperlich und seelisch, einiges abverlangt.
Besonders Käthe muss einen hohen Preis dafür zahlen und wird dabei stark traumatisiert. Deshalb muss die 13-jährige Ana viel zu früh Verantwortung für sich, ihre jüngere Schwester Leni und auch für die Mutter übernehmen. Viele Jahre später steht Anas Tochter Lilith vor einer großen Entscheidung. Ausgerechnet sie, die während ihrer Kindheit von Ana stets auf Distanz gehalten wurde, soll den Sohn ihrer kürzlich verstorbenen, besten Freundin aufnehmen. Lilith weiß nicht, ob sie dieser Verantwortung gewachsen ist. Denn wie soll sie selbst Liebe, Nähe und Geborgenheit vermitteln, wo sie all das in ihrer Kindheit schmerzlich vermissen musste? Ist sie dazu überhaupt in der Lage? Ana ergreift die Initiative und fährt mit Lilith nach Breslau. Auf dieser Reise öffnet sie sich endlich und lässt Lilith an ihren stets verdrängten Erinnerungen und Gefühlen teilhaben....
Als "Nebelkinder" bezeichnet man in der Psychologie die Generation der Kriegsenkel. Das sind Kinder, die nach dem Krieg geboren wurden und von denen man meinen könnte, dass sie mit den damaligen traumatischen Ereignissen bewusst nichts mehr zu tun hätten. Doch in der Realität sieht es oft ganz anders aus. Denn auch das Leben dieser Generation kann durch diese Last beeinflusst werden.
In diesem Roman wird die berührende Familiengeschichte von Käthe, ihrer Tochter Ana und deren Tochter Lilith erzählt. Die Handlung trägt sich auf unterschiedlichen Zeitebenen zu. Im aktuellen Handlungsstrang beobachtet man Ana und ihre Tochter Lilith. Das Verhältnis zwischen den beiden scheint sehr unterkühlt zu sein. Mit einer Reise an den Ort von Anas Kindheit, will diese nun das Eis zum Schmelzen bringen und Lilith endlich von der Vergangenheit, die bisher verdrängt und verschwiegen wurde, erzählen. Deshalb gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit der drei unterschiedlichen Frauen, die doch so viel gemeinsam haben. Diese Rückblicke sind nicht immer chronologisch angeordnet, aber so gekennzeichnet, dass man alles mühelos zuordnen kann.
Es gelingt der Autorin hervorragend, die Strapazen der Flucht so intensiv zu beschreiben, dass man alles lebhaft vor Augen hat und die mörderische Tortur, mit all ihren Gefahren, nachvollziehen kann. Viel zu schnell muss die 13-jährige Ana erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. Durch die unterschiedlichen Handlungsstränge erfährt man nach und nach, wie es dazu kommen konnte und welche Aus- und Nachwirkungen Krieg und Nachkriegszeit für die drei Frauen hatten. Denn jede einzelne trägt eine Last auf den Schultern, die für die anderen nicht unbedingt wahrzunehmen ist. Obwohl ihre Schicksale dadurch untrennbar miteinander verknüpft sind.
"Nebelkinder" ist eine intensiv erzählte Familiengeschichte, die berührt und zum Nachdenken anregt.
Rezensionen von gletscherwoelfchen:
Romantasy vom Feinsten!
Lioness von Tailor Kathy
Nachdem die junge Borka bei einem verheerendem Feuer ihre Familie verliert, wächst sie in einem kleinen Löwenrudel auf. Der Wald schenkt ihr Kraft und der Zusammenhalt mit der Löwenfamilie könnte größer nicht sein. Doch diese trügerische Idylle wird unterbrochen, als Menschen ihre neuen Eltern gefangen nehmen.
Am Königshof sollen diese in einem Kampf um Leben und Tod mit dem Prinzen antreten und nur Borka kann sie noch retten. Indem sie in die Leibgarde des Mannes eintritt, der ihr ihre Liebsten genommen hat...
Aufmerksam geworden auf dieses Buch bin ich vor allem durch das phänomenale Cover. Obwohl ich es normalerweise nicht so gerne habe, wenn Gesichter darauf zu sehen sind - ich bin der Meinung, dass dieser Umstand dem Leser oftmals schnell die Vorstellungskraft nehmen kann - finde ich es hier jedoch sehr passend.
Und auch die ersten Seiten der Geschichte konnten diesen durch und durch positiven Eindruck aufrechterhalten. Der Schreibstil der Autorin liest sich sehr locker und flüssig und ich denke, dass vor allem etwas jüngere Leser Gefallen daran finden werden. Besonders beeindruckt hat mich jedoch die Art und Weise, wie sie ihren Figuren Leben einhaucht.
Durch diese Lebendigkeit macht es unheimlich viel Spaß, die Handlungen der einzelnen Charaktere mitzuverfolgen. Sie wirken real und authentisch, allen voran die Protagonistin Borka.
Mit ihrer starken und unnahbaren Art macht sie die Geschichte zu etwas ganz Besonderem. Es ist herzzerreißend, wie sie für ihre Geliebten einsteht und wie ihr kein Weg zu lang oder schwer ist, um ihnen zu helfen. Was mich ein wenig an ihr gestört hat, war ihre wilde Seite. Dafür, dass sie viele viele Jahre fernab jeglicher Zivilisation in mitten eines Löwenrudels verbracht hat, erschien sie mir an einigen Stellen zu domestiziert und an die Gepflogenheiten der Menschen gewöhnt. Ich hätte sie mir ein wenig rauer und löwenhafter gewünscht.
Das haben aber die zahlreichen Nebencharaktere wiedergut gemacht. Ich finde, dass sie wunderbar ausgearbeitet wurden und mochte es, wie jeder einzelne seine ganz eigene, außergewöhnliche Art hatte. Besonders gerne mochte ich die Löwen. Diese Tiere faszinierten mich durch eine herzzerreißende Menschlichkeit und ich habe mich über jede einzelne Szene gefreut, in denen ihnen eine wichtige Rolle zukommt.
Im Laufe von Borkas Reise an der Seite des Prinzen treten sie teilweise ein wenig in den Hintergrund, was mich persönlich aber nicht weiter gestört hat. Zu einnehmend dafür waren die tollen Umgebungsbeschreibungen und natürlich spannende und überraschende Wendungen. Als Leser fiebert man bis zum Schluss mit Borka mit und hofft, dass sie und ihre Löweneltern alles unbeschadet überstehen. Getoppt wird all das noch einmal von einigen erschütternden Geheimnissen und Intrigen sowie einer sanften und berührenden Liebesgeschichte.
Ich bin begeistert von "Lioness" und kann es jedem Romantasy-Liebhaber nur empfehlen! Das Buch konnte meinen hohen Erwartungen definitiv standhalten und ich habe während des Lesens stets gehofft, dass es nicht so schnell zu Ende geht.
5/5 Sterne
Rezensionen von manu63:
Der letzte Fall
DUNKEL von Ragnar Jonasson
Dunkel ist der Auftaktband zur Huldar Trilogie des Autors Ragnar Jonasson. Hulda Hermannsdóttir ist Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, sie soll frühzeitig in Pension gehen weil sie Platz für einen jüngeren Kollegen machen soll. Sie schafft es ihrem Vorgesetzten einen letzten Fall abzuringen und sucht sich den Cold Case zum Tod einer Asylbewerberin mit Namen Elena aus.
Als Hulda dem Rätsel auf die Spur kommt, merkt sie nicht, dass sie sich selber in große Gefahr begibt.
Der Autor schildert Huldar als verbitterte 64 jährige Frau die in ihrem Leben etliche Schicksalsschläge verkraften musste. Ihre Karriere hat immer darunter gelitten das sie eine Frau ist und nicht richtig in dem Männerkreis im Revier Fuß fassen konnte. Viele Gedanken von Huldar bewegen sich um ihr verkorkstes Leben und wie sie so geworden ist. Der eigentliche Fall rund um Elena ist eher Bei-als Hauptwerk. Die Grundstimmung der Geschichte ist düster und deprimierend und das Ende für mich überraschend. Da dies ein Auftakt zu einer Trilogie ist finde ich es nicht so toll, das der Autor das Ende quasi an den Anfang setzt. Das hatte ich in letzter Zeit schon einmal bei einem Roman und ich hoffe nicht, das dies der neue Trend wird, da mir diese Abfolge nicht zusagt. Insgesamt kein spannender Thriller sondern eher eine Rückschau auf ein nicht sonderlich tolles Leben.
Rezensionen von BarbaraM:
Hier werden Kinder wirklich zu „Baumexperten“
Wieso? Weshalb? Warum? Band 52 - Alles über Bäume von Susanne Gernhäuser
Das Buch „Alles über Bäume“ aus der Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ von der Autorin Susanne Gernhäuser und dem Illustrator Guido Wandrey ist 2020 im Ravensburger Verlag erschienen. Das Pappbuch in der Größe 24,5 x 1,7 x 27,8 cm umfasst 16 Seiten.
Hier können Kinder wirklich mit Begeisterung entdecken und lernen.
Die Zeichnungen sind klar und kindgerecht und laden zum genauen Betrachten ein, der Text ist für Grundschulkinder gut verständlich (in jüngerem Alter muss sicherlich noch vieles vereinfacht und nochmals genau erklärt werden) und die Klappen machen neugierig und hinter ihnen verstecken sich zusätzliche Informationen.
Die Reihe "Wieso?Weshalb?Warum?" ist informativ, kindgerecht, lässt Kinder lernen und weckt die Freude am Entdecken - einfach toll! Viele Kinderfragen werden hier beantwortet.
Das Thema "Bäume" ist so faszinierend und spannend für Kinder und toll gewählt und die Inhalte gehen vom Thema „Was ist ein Baum?“, über die Unterschiedlichkeiten und den Lebensraum von Bäumen zum Lebenskreislauf von Bäumen. Außerdem wird auf die Suche gegangen nach Holz in unserem Alltag und auch der Umweltschutzaspekt wird miteinbezogen. Besonders begeistert hat uns auch das Kapitel über Bäume und ihre Rekorde. Wir wissen jetzt wie die dicksten Bäume heißen und auch wie die Baumriesen genannt werden und die Faszination zum Thema „Bäume“ wurde bei meinen Kindern und mir richtig geweckt.
Natürlich mussten wir das Buch nochmals und nochmals lesen und entdecken.
Das Buch ist in meinen Augen geeignet für Kinder ab 5-6 Jahren.
Wir haben es sehr genossen und werden es sicherlich noch zig-mal lesen und betrachten.
Sicherlich macht dieses Buch auch ganz viel Sinn in einer Klassen- oder Schulbücherei und kann vielfältig eingesetzt werden.
Eine ganz klare Leseempfehlung!
Rezensionen von Gaby 2707:
Voller Humor und Lebensklugheit
Ich habe jetzt genau das richtige Alter von Adrienne Friedlaender
Ich hatte das Glück Adrienne Friedlaender auf der LitLove 2019 persönlich bei einem Frühstück kennenzulernen. Nach einem sehr interessanten Gespräch habe ich mir sofort dieses Buch gekauft.
Ab der ersten Seite war ich begeistert von diesem humorvoll geschriebenen Buch. Die Autorin gibt hier sehr persönliche Einblicke in ihre derzeitige Lebenssituation und wie es dazu kam.
Sie, die nach 2 gescheiterten Ehen und vier Jungs endlich wieder ihr Liebesleben auf Trab bringen will, versucht so einiges um ihren Traummann zu finden und kennenzulernen. Wie die meisten Frauen hadert sie mit ihrem Aussehen (Winkearme, Taille nach vielen Salami-Pizzen usw.) worüber sich die Herren der Schöpfung bei sich selbst so gar keine Gedanken machen.
In 19 Kapiteln erzählt sie von ihrem Weg zu einem Blind Date, vom Ende der Enthaltsamkeit, was sie auf Dating-Plattformen alles erlebt hat; fragt sich, warum wir in der Schule so wenig vom realen Leben lernen; beleuchtet das Scheitern einer Ehe zwischen Wünschen, Wahrheit und Windeleimern; fragt sich und den Leser: Gehen oder Bleiben in einer Ehe; erzählt von ihrem ersten Mal alleine sein an Feiertagen; den Gedanken, die einem kommen, wenn der Ex das erste Mal wieder neu verliebt ist; über Traummänner und wie man ihn schließlich doch noch findet. Für jede Frau sind ja ca. 1000 dieser Männer für jede Frau auf der Erde unterwegs. Um seinen Deckel zu finden muss man nur ganz genau hin schauen.
Mit ganz viel Witz, absolut ehrlich und ungeschönt erzählt sie, wie sie die Zeit nach ihren Scheidungen überlebt hat und heute eigenständig mit ihren Jungs in einem Haus lebt. Wie sie gelernt hat um Hilfe zu bitten und auch Vieles heute selbst erledigen kann. Sie macht Mut nicht in einer Ehe, die keine mehr ist, zu versauern. Das Leben hat neben Männern noch so viel Anderes und Schönes zu bieten.
Ein tolles Buch für Frauen; für Männer, die mehr über Frauen wissen wollen und für die beste Freundin. Ich kann es nur empfehlen.
Rezensionen von Caroline :
Island scheint nicht immer idyllisch zu sein
DUNKEL von Ragnar Jonasson
Klappentext:
Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, soll frühzeitig in Ruhestand gehen, um Platz für einen jüngeren Kollegen zu machen. Sie darf sich einen letzten Fall, einen Cold Case, aussuchen – und sie weiß sofort, für welchen sie sich entscheidet. Der Tod einer jungen Frau wirft während der Ermittlungen düstere Rätsel auf, und die Zeit, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, rennt.
Eine Wahrheit, für die Hulda ihr eigenes Leben riskiert …
Vom Ende zum Anfang: Band 1 der außergewöhnlich erzählten Thriller-Trilogie um die originelle und vielschichtige Protagonistin Hulda.
Zuerst möchte ich mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken. Ohne deren Hinweis auf dieses Buch wäre es mir entgangen und das wäre sehr schade gewesen.
Island kannte ich bisher nur aus Liebesromanen und als Sehnsuchtsort für einen meiner nächsten Urlaube. Natürlich wusste ich, dass es jede Menge guter isländischer Schriftsteller(innen) gibt, aber noch hatte ich kein Buch von ihnen gelesen.
Mit Ragnar Jonasson habe ich eine ausgezeichnete Wahl getroffen. "Dunkel" ist der erste Teil einer Trilogie, die rückwärts erzählt wird. Wir begleiten die Kommissarin Hulda bei ihrem letzten Fall vor ihrer Rente.
Die rüstige Dame kann sich gar nicht vorstellen in Pension zu gehen und noch dazu einige Wochen früher als geplant, kränkt sie sehr. Um die letzten verbliebenen Tage sinnvoll zu nutzen, sucht sie sich einen "Cold Case" aus, rund um eine tote Asylantin. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Ich kann mich nicht erinnern, jemals über eine "ältere" Kommissarin gelesen zu haben. Meist sind des ganz junge oder mittelalte und vor allem zerstörte Ermittler.
Hulda selbst ist gar keine so große Ausnahme. Sie trauert ihrer Karriere hinterher. Sieht sich als Opfer der männlichen Seilschaften aber dennoch als Wegbereiterin für ihre weiblichen Kolleginnen. Die Zeit nach ihrem Dienst fürchtet sie, denn ihre Arbeit gab ihr Struktur im Leben.
Während ihrer Ermittlungen erzählt Hulda von sich, ihrer Familie und einer möglichen Zukunft. Diese Entwicklung fand ich ungemein spannend, überraschend und auch schockierend. Somit rückte die eigentliche Suche nach Hinweisen in den Hintergrund und dennoch niemals in Vergessenheit. Das Ende war einfach großartig. Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet.
Der etwas betagteren Protagonistin ist der langsamere Erzählrhythmus geschuldet. Mich hat das nicht gestört. Der zögernde Aufbau erhöhte die Spannung unmerklich und die Lösungen platzen ins Geschehen.
Mich hat das Buch überzeugt. Am Ende gibt es eine Leseprobe zum zweiten Teil und diese macht schon Lust weiterzulesen.
Hulda Trilogie:
Dunkel
Insel (erscheint am 13.07.2020)
Nebel (erscheint am 21.09.2020)
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Signora Sommer muss bleiben
Signora Sommer tanzt den Blues von Kirsten Wulf
Ich kenne die Apulien-Krimis von Kirsten Wulf. Da es davon gerade keinen Nachschub gibt, war ich neugierig auf ihren neuen Roman, in der die Autorin einen ganz anderen Weg beschreitet.
Wem wollt auf diesem Weg begegnen? Wollt ihr die trauernde Laura, die in einem inneren Loch lebt, aber in einer grossen, schönen Wohnung mitten in Rom? Oder lieber Samy, die gerne aufräumt und putzt, aber nach einem strengen Stundenplan lebt und ihr ganzes Leben auf Instagram zeigt? Oder doch die bunte, wilde, singende, tanzende und oft einen über den Durst trinkenden Fra(ncesca)?
Ihr bekommt sie alle drei in "Signora Sommer tanzt den Blues".
Und dies, obwohl Fra zu Beginn die einzige der drei Frauen ist, die tanzt. Als sie eines Nachts besoffen nach Hause kommt, irrt sie sich in der Türe. Nur um einige Minuten später wieder an der falschen Tür zu klingeln. Ein Wasserrohrbruch macht ihre Wohnung unbewohnbar, sie hofft auf Asyl bei Laura, die in der Etage oberhalb von Fra wohnt. Fra ist begeistert von deren Wohnung und möchte gar nicht mehr weg. Bald darauf sind sie zu dritt, denn Fra's Untermieterin, die amerikanische Studentin Samy braucht auch einen Schlafplatz.
Laura, in ihrer Trauer gefangen, lässt es widerwillig geschehen, muss sich erst wieder an Menschen gewöhnen. Seit vor fünf Monaten ihr Partner starb, verliess sie das Haus nur noch zu Arztterminen und dem sonntäglichen Mittagessen bei ihrer Fast-Schwiegermutter. Fra findet es an der Zeit, dass Laura wieder am Leben teilnimmt, zu leben beginnt und unternimmt so einiges, um Laura aus ihrem Loch hervor zu locken.
Die drei unterschiedlichen Frauen tun einander gut, denn alle hinterfragen den Lebensstil der jeweils anderen. Es wird so manches Mal explosiv, oft humorvoll und bleibt dennoch meistens melancholisch.
Diese Melancholie - die übrigens hervorragend zu Trastevere passt - überkommen auch die Leser, wenn sie im zweiten Erzählstrang die Geschichte der Vormieterinnen ab 1945 verfolgen. Auch damals wurde getanzt, heimlich.
Irgendwann am Ende finden die beiden italienischen Geschichten zusammen. Bis es soweit ist, leben die Leser als viertes WG-Mitglied mit unseren römischen Frauen zusammen, fühlen Lauras Schwere, spüren, dass Fra nicht so stark ist, wie sie immer tut, freuen und nerven sich gleichzeitig über Samys Erfolg, lernen den Blues tanzen und Rom von einer anderen Seite kennen.
Kirsten Wulf ist mit "Signora Sommer tanzt den Blues" eine eindrückliche Geschichte über Neuanfänge, Freundschaften und Vergangenheitsbewältigung gelungen. Die Story bezaubert auf eine spezielle Weise, gerade eben auch durch die hier nicht erwähnten männlichen Figuren und besonders durch Fra's Vermieterin, die dem Roman Würze geben.
Fazit: Una storia italiana - besser könnten sie die Italiener auch nicht schreiben.
4.5 Punkte.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Drei Freunde
Bretonisches Vermächtnis von Jean-Luc Bannalec
Drei Freunde - so könnte man das (Arbeits-)Verhältnis von Dupin, Riwal und Nolwenn bezeichnen. Da fehlt natürlich noch Kadeg, doch der ist gerade noch weiter weg als die andern. Der einzige, der die Stellung hält ist gerade Kommissar Dupin, der seine Mitarbeiter und Freunde vermisst, als in Concarneau plötzlich der Arzt aus seinem Haus stürzt und stirbt.
Dupin muss mit den neuen Mitarbeiterinnen Le Menn und Nevou die Ermittlungen beginnen.
Der Tote hinterlässt nicht nur seine Arztpraxis, seine Frau und einen erwachsenen Sohn, sondern auch seine Freunde - ebenfalls ein Dreiergespann. Zusammen mit dem Apotheker und dem Weinhändler investierte der Arzt in einige Unternehmen vor Ort. Machte er sich damit Feinde?
Man hat fast ein bisschen Mitleid mit Dupin, der sein Team vermisst und gleichzeitig die Fast-Schwiegereltern am Hals hat. Der Fall ist extrem knifflig und wiedermal ist es Riwal, der mit seinen geschichtlichen Exkursen die zündende Idee hervorbringt, der den Fall in ein ganz neues Licht stellt.
Ich fand es toll, dass hier ein Fall um eine alte Geschichte, die bereits in einem anderen sehr bekannten Krimi von Georges Simenon erzählt wird, aufgebaut wird. Das ist mal was anderes, und passt hervorragend zu Concarneau.
Fazit: Unterhaltend, kurzweilig und spannend.
4 Punkte.










