Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Kate:
actionreich wie im Film
Todeskarussell von Patrick McGinley
Am Berliner Flughafen wird früh am Morgen eine schockierende Entdeckung gemacht. Statt eines Koffers erscheint die Leiche eines Mannes auf dem Gepäckband. Er wurde brutal getötet und hält einen Plüschteddy in der Hand. Die Kriminalkommissarin Kim Sperling übernimmt die Ermittlungen. Dabei stellt sich heraus, dass dieser Mord kein Einzelfall ist, sondern der Beginn einer grausamen Mordserie.
Ich bin bei Todeskarussell etwas hin- und hergerissen. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und auch das außergewöhnliche Setting fand ich spannend. Durch die kurzen Kapitel und das hohe Tempo liest sich das Buch schnell und stellenweise hatte ich tatsächlich das Gefühl, einen Film zu sehen.
Kim Sperling finde ich als Figur interessant und grundsätzlich sympathisch, allerdings wurde ich mit ihr nicht wirklich warm. Ihre ständigen Alleingänge und die vielen Situationen, in denen sie sich unnötig in Gefahr bringt, waren mir irgendwann zu viel. Risikofreudig kann sie gerne sein, aber manches wirkt einfach nur leichtsinnig und gefährlich. Von einer leitenden Kommissarin hätte ich erwartet, dass sie ihre Gefühle besser im Griff hat, vorher etwas gründlicher nachdenkt und dann handelt. Dass sie bisher immer wieder Glück hatte, macht es für mich nicht unbedingt glaubwürdiger.
Gut gefallen hat mir grundsätzlich die Mischung aus Ermittlungsarbeit und Privatleben. Gerade zu Beginn fand ich die beiden Bereiche noch sehr ausgewogen aber die Nebenstory war für mich teilweise sogar interessanter als der eigentliche Fall. Im Verlauf wurde mir die Ermittlungsarbeit allerdings zunehmend zu umfangreich und unübersichtlich. Es gibt unzählige Namen, Verdächtige, Spuren, mögliche Motive und Verbindungen zwischen den Opfern. Das Geflecht wird immer größer und verworrener, sodass ich zwischendurch tatsächlich überlegen musste, wer eigentlich wer ist und was im ersten beziehungsweise zweiten Abschnitt passiert ist. Irgendwann war gefühlt jeder irgendwie in den Fall verwickelt. Dadurch hat sich die Geschichte für mich auch etwas distanziert angefühlt.
Der letzte Abschnitt bringt noch einmal ordentlich Tempo und eine dramatische Auflösung. Einige Wendungen haben mich überrascht, anderes war mir wiederum etwas zu konstruiert und zu sehr auf den großen Effekt ausgelegt. Die endgültige Auflösung fand ich trotzdem gelungen
Den Hass des Täters konnte ich teilweise nachvollziehen, auch wenn das natürlich keine Rechtfertigung für seine Taten ist. Recht und Gerechtigkeit sind nicht immer dasselbe und nicht jedes Verbrechen wird so aufgeklärt, wie man es sich wünschen würde. Ob das Ende wirklich ein Happy End ist, muss letztlich jeder selbst entscheiden. Ich für meinen Teil bin etwas unzufrieden, da auch einige Fragen offen geblieben sind.
Rezensionen von ingri:
Ein bisschen wie Ocean's Eleven nur mit Jugendlichen
Masterminds, Band 1 - Der Darknet-Köder von Chris Morton
Der siebzehnjährige, hochbegabte Justus erwacht nach einem Autounfall ohne Erinnerung im Krankenhaus. Seine Eltern kamen bei diesem Unfall um Leben und Justus ist nun Erbe der Pharmafirma seiner Eltern. Doch sein Vormund Randolf scheint ihn nicht wirklich unterstützen zu möchten, der Ruf der Firma steht auf dem Spiel.
Justus engagiert ein Team aus jungen Talenten – Hacker, Fassadenkletterer, Meisterdiebe. Das Ziel ist ein Einbruch in die Firma und den Vormund aufzuhalten.
Fünf Jugendliche, mit Decknamen, die erstaunlich unterschiedlich sind, aber auch mit außergewöhnlichen Talenten gesegnet sind. Doch sie funktionieren und ergänzen sich als Team noch viel besser und haben ein gemeinsames Ziel – Gerechtigkeit. Besonders mochte ich hier Justus, hochbegabt, etwas neurodivergent – also ungeschickt im sozialen Umgang.
Erzählt wird in zwei Zeitebenen – einmal vor dem Einbruch, also die Vorgeschichte von Justus und der Findung des Teams. Und zweitens während des Einbruches und all den Täuschungsmanövern.
Der Schreibstil ist leicht, rasant und modern. Schnell kommt man dadurch durch die ersten Kapitel, immer motiviert herauszufinden ob die Ablenkungsmanöver funktionieren. Humorvolle Szenen wechseln sich mit Spannung ab. So manche Wendung habe ich nicht kommen sehen.
Vollkommen realistisch sind die Talente und die Situation, in der sich die Jugendlichen wiederfinden natürlich nicht, aber darauf kommt es bei Actionromanen ja auch nicht immer an.
Also für mich ein gelungenes Jugendbuch, das aber nicht nur Jugendlichen gefallen wird.
Rezensionen von Sheilo:
Herbstliche Romance
Oakfell Autumn Nights von Mimi Heeger
Everlee und Cooper waren in ihrer Kindheit und Jugend unzertrennlich und vor allem die Festwoche im Herbst war ein besonderes Jahreshighlight für sie. Doch ihre Freundschaft zerbrach und die Risse in den Herzen der beiden sind nie wirklich geheilt. Und so kommen auch alle Gefühle wieder an die Oberfläche, als Cooper plötzlich in seiner Heimatstadt Oakfell auftaucht.
"Oakfell Autumn Nights: Pumpkin Pies & Promises" ist eine wunderschöne Romance mit dem Tropes "Friends to Lovers“ und "Second Chance“, die nicht nur aufgrund des tollen Covers richtige Herbststimmung verbreitet. Mimi Heeger nimmt uns im Buch mit in eine besinnliche Kleinstadt, die im Herbst ihr Gründerfest feiert, nur das Cooper und Everlee so ihre eigenen Traditionen pflegen. Der Schreibstil verleitet einen beim Lesen nur so dazu durch die Seiten des Buches zu fliegen und ich liebe die Emotionen und tiefgründigen Charakter sehr.
Everlee hat es schon als Kind geliebt, Tieren zu helfen und ist somit in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und selbst Tierärztin geworden. Dabei befindet sich die Praxis der Familie quasi in der eigenen Wohnung, wodurch der Alltag durch die Patienten sehr geprägt wird. Daher hat Everlee auch viel Ablenkung von den Gedanken an Cooper, bis dieser persönlich in der Kleinstadt auftaucht. Everlee ist ein richtiger Familienmensch und es ist schön zu sehen, wie ihre Familie zusammenhält.
Cooper wurde als Kind aus seinem vertrauten Umfeld gerissen, als seine Eltern nach Oakfell gezogen sind. Everlee stand ihm in der neuen Heimat bei und sie wurden beste Freunde, bis sie sich voneinander entfernten. Cooper spürt nach seiner Rückkehr nach Oakfell sofort, dass ihm im Leben etwas gefehlt hat und das waren nicht seine Eltern.
Es ist einfach wunderschön dabei zu sein, wie Cooper und Everlee sich wieder näher kommen und die Risse der Vergangenheit kitten. Sie passen perfekt zusammen und ich liebe ihre Traditionen in der Herbstfestwoche sehr. Die Kapitelsprünge in die früheren Erlebnisse der beiden macht das Buch umso spannender und ich war natürlich die ganze Zeit sehr neugierig, was damals zum Bruch der Freundschaft geführt hat.
Wer herbstliche Romances mit wundervollen Charakteren liebt, der sollte selbst Oakfell besuchen und Cooper und Everlee kennenlernen. Die beiden und auch ihre Familien machen die Geschichte zu etwas ganz besonderem.
Rezensionen von jori1020:
Ein außergewöhnlicher Blick auf Inklusion
Ein ganz normales Wunder von Woody Brown
Woody Brown, Jahrgang 1997, ist der erste nichtsprechende autistische Absolvent der University of California und verleiht mit seinem Debütroman 'Ein ganz normales Wunder' jenen eine Stimme, die oft übersehen werden und am Rand der Gesellschaft stehen.
Der Roman schafft ein eindringliches Porträt einer Tagesstätte für autistische Menschen sowie ihrer Bewohner*innen und Mitarbeitenden.
Ihre Geschichten sind mal traurig, mal komisch, oft tragisch, vor allem aber berührend und menschlich. Sie gehen ans Herz, rütteln auf und eröffnen neue Perspektiven auf den Umgang mit Menschen im Autismus-Spektrum.
Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Inklusion, Teilhabe und ein offener Blick auf Menschen sind, die in unserer Gesellschaft noch immer zu selten wirklich gesehen werden. So entsteht ein Buch, das nicht nur bewegt, sondern auch die Augen öffnet. Es erzählt von Menschen, die auf den ersten Blick vielleicht anders wirken mögen – und macht zugleich deutlich, wie nah sie jedem von uns in ihren Hoffnungen, Sorgen und Gefühlen sind. Ein ganz besonderes Leseerlebnis!
Rezensionen von bookloving:
Stimmungsvolles Debüt
Das Jahr der Wale von Kelly Anderson
MEINE MEINUNG
Mit ihrem bewegenden Debüt „Das Jahr der Wale " hat die kanadische Autorin Kelly Anderson einen außergewöhnlichen Roman vorgelegt, der nicht nur eine faszinierende Mischung aus klassischer Familien- und Liebesgeschichte ist, sondern auch eine eindrucksvolle Liebeserklärung an die Natur, an ihre wilde Schönheit, ihre Zerbrechlichkeit und ihre unergründliche Kraft.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Annie MacLeod, die auf einem kleinen Segelboot im pazifischen Nordwesten aufwuchs. Bei ihren unkonventionellen Eltern genießt sie eine schöne Kindheit in Freiheit und im Einklang mit dem Ozean und seinen Urgewalten. Doch ein verheerender Tsunami hinterlässt an der Westküste Kanadas eine Spur der Verwüstung und reißt Annies heile Welt in Stücke. Annie verliert ihre Eltern und muss sich im kleinen Küstenort Hale's Landing, der Heimat ihres Vaters, mit einem ihr gänzlich fremden Leben an Land arrangieren. Als wichtige Menschen in ihrem Leben sind ihr nur noch ihre Großmutter und ihr Jugendfreund Evan geblieben.
Am Strand begegnet sie einem jungen, stummen Fremden namens Walker, von dem ein eigentümliches Summen ausgeht, das nur Annie wahrnehmen kann und das eine unwiderstehliche Anziehungskraft entfaltet. In ihrer Trauer und Orientierungslosigkeit muss Annie sich entscheiden, wie sie weiterleben soll und wem ihr Herz gehört –ihrem Freund Evan, der letzten verlässlichen Instanz in ihrem Leben oder dem mysteriösen Walker, dem sie sich so unerklärlich nah fühlt.
In ihrem Roman erzählt die Autorin jedoch weniger eine vielschichtige Dreiecksgeschichte zwischen Annie, Evan und Walker, sondern vielmehr die fesselnde Schicksal einer jungen Frau, die zwischen zwei Welten zerrieben wird: der nüchternen, oft schmerzhaften Realität eines Lebens an Land oder der vertrauten Geborgenheit, die sie im engen Kontakt mit der unergründlichen Weite des Meeres findet. Zerrissen zwischen diesen beiden Polen begibt sie sich auf die Suche nach ihrer eigenen Bestimmung. Geschickt hat die Autorin ihren Roman nach dem ewig wiederkehrenden Zyklus der Gezeiten in die Abschnitte Tiefstand, Stauwasser, Flut, Höchststand und Ebbe gegliedert. Innerhalb dieses Rhythmus werden zudem mehrere Zeitebenen miteinander verwoben. So gewähren Rückblenden Einblicke in das Kennenlernen von Annies Eltern vierzig Jahre zuvor sowie in Annies eigene Kindheit, während ein Zeitsprung die Handlung sechs Jahre nach der Katastrophe in eine ganz andere Richtung lenkt und sich Annies Leben nach dem Verlassen von Hale‘s Landing widmet.
Hervorragend gelungen sind Anderson die eindrucksvollen sehr bildhaften Naturschilderungen. Ob nun das faszinierenden Ökosystem der Tiefsee, die Begegnungen mit den Buckelwalen oder das vielfältigen Leben in den Gezeitentümpeln - dank des atmosphärisch dichten Erzählstils wird das Meer selbst zu eigenständigen, fast lebendigen Figur mit geheimnisvoller Präsenz, die das aufwühlende Geschehen ebenso mitträgt wie die menschlichen Charaktere. Der Roman lebt vor allem von seiner mystischen Grundstimmung, die den besonderen Reiz der Geschichte ausmacht. Gerade die außergewöhnlich enge Verbindung der Figuren zum Meer sowie die zahlreichen rätselhaften, kaum erklärbaren Vorkommnisse verleihen dem Roman einen Hauch von Magischem Realismus, der eine eigentümliche, schwer greifbare Faszination ausübt. Doch als sich die Handlung von der Küste entfernt, verfliegt dieser Zauber abrupt. Nach dem Zeitsprung von sechs Jahren tritt die mystische Atmosphäre leider fast vollständig in den Hintergrund. Was bleibt, ist eine distanzierte, nüchterne Perspektive, die zwar Annies neue Lebensrealität anschaulich aufzeigt, aber stellenweise überladen wirkt. Hier hätte man sich deutlich mehr Einblicke in die Innenwelt und die inneren Dämonen der Charaktere gewünscht, um ihre Entwicklung besser nachvollziehen zu können.
Zu den meisten Figuren, insbesondere zur vielschichtig angelegten Protagonistin Annie, gelang es mir leider nicht, einen echten emotionalen Zugang zu finden. Auch wenn mich Annies sinnliche Verbindung zur Natur sehr faszinierte, konnte ich mich selten in Annies sehr ambivalenten Charakter hineinversetzen. Bisweilen wirkten ihre Handlungen und Beweggründe merkwürdig fremd und waren schwer nachvollziehbar, sodass ihr Schicksal mich letztlich seltsam unberührt ließ. Das recht offene Ende hinterlässt insgesamt ein Gefühl der Unabgeschlossenheit. So bleibt in diesem fesselnden Roman vieles im Ungewissen und zahlreiche offene Fragen zu den mystischen Geschehnissen müssen letztlich mit unserer Fantasie eingeordnet werden.
FAZIT
Ein ambitioniertes Debüt, das einen trotz einiger Schwächen vor allem durch seine mystische Atmosphäre, poetische Naturbeschreibungen und die eindrucksvolle Darstellung des maritimen Ökosystems in den Bann zieht.
Allerdings trüben eine schwer fassbare Protagonistin und ein allzu offenes Ende etwas den Lesesog.
Ein beeindruckender Roman wie das Meer selbst- an der Oberfläche von betörender Schönheit, in der Tiefe jedoch stellenweise unergründlich und schwer zu fassen.
Rezensionen von Immenhof:
Lustige Idee
Play+ Mein lustiges Spielbuch Wut im Bauch - ab 2 Jahre von Maria Höck
„Mein lustiges Spielbuch – Wut im Bauch“ ist Teil einer neuen Ravensburger Reihe für Kleinkinder und wird ab 2 Jahren empfohlen. Diese Altersangabe finde ich passend, da die Inhalte einfach, verständlich und sehr spielerisch vermittelt werden.
Im Mittelpunkt stehen die Gefühle Angst, Ekel, Freude, Trauer und Wut.
Im Buch treten verschiedene Tiere als handelnde Figuren auf und erleben passende Situationen aus dem Alltag, anhand derer die einzelnen Gefühle aufgegriffen werden. Besonders gut gefallen haben mir die Emotionskärtchen, da sie dabei helfen, Gefühle sichtbar und dadurch auch greifbarer zu machen. Eine schöne und lustige Idee ist es außerdem, die jeweils passende Emotion in den Bauch zu legen.
Das Buch bietet damit einen ersten spielerischen Zugang zum Thema Emotionen und lädt dazu ein, gemeinsam über Gefühle zu sprechen. Gleichzeitig gibt es für die Kinder einiges zu entdecken und auszuprobieren. Für mich ein gelungenes Mitmachbuch für die angegebene Altersgruppe.
Rezensionen von Immenhof:
Wohlfühlkrimi
Mordsbohei in der kleinen Frittenbude am Strand von Kirstin Hesse; Marion Hahn
Ich lese sehr gerne Bücher passend zu den jeweiligen Jahreszeiten. Bisher waren dies allerdings überwiegend Liebesromane, weshalb „Mordsbohei in der kleinen Frittenbude am Strand“ mein erster Krimi dieser Art war. Meine Erwartungen an einen Herbstroman wurden absolut erfüllt. Die Landschaft, das Wetter und die Atmosphäre werden schön beschrieben und sorgen für eine gemütliche Herbststimmung.
Der Kriminalfall fügt sich gut in die Handlung ein und macht neugierig auf den weiteren Verlauf. Allerdings handelt es sich für mich eher um einen Wohlfühlkrimi. Wer viel Detektivarbeit oder extreme Spannung erwartet, wird vermutlich etwas enttäuscht sein. Trotzdem bleibt die Geschichte unterhaltsam und hat mir gerade durch die Mischung aus Krimi und Herbstroman gut gefallen. Für mich ein gelungener Einstieg in herbstliche Krimis.
Rezensionen von jori1020:
Zwei Jungs, die man nicht so schnell vergisst
Glasgow Boys von Margaret McDonald
Prekäre Verhältnisse, Jugendliche am Rand der Gesellschaft und Glasgow als raues Setting. Da muss man unweigerlich an Douglas Stuart denken. Ganz leicht ist es sicher nicht, an einen solchen Autor anzuknüpfen, Margaret McDonald gelingt mit Glasgow Boys aber ein durchaus eigenständiger und vor allem sehr berührender Coming-of-Age-Roman, der eine eher jüngere Zielgruppe anspricht.
Im Mittelpunkt stehen Banjo und Finlay, die sich aus einem Jugendwohnheim kennen und deren Leben drei Jahre später ganz unterschiedlich weitergeht. Banjo kommt in eine neue Pflegefamilie und hat vor allem seine Wut nicht wirklich unter Kontrolle, während Finlay zum Studium nach Edinburgh zieht und sich am liebsten von allen Menschen fernhält. Was die beiden verbindet, ist eine gemeinsame Vergangenheit, über die lange nur Andeutungen gemacht werden. In Rückblenden setzt sich nach und nach zusammen, was damals zwischen ihnen passiert ist.
Gerade diese beiden Figuren haben mich schnell für sich eingenommen. McDonald erzählt sehr empathisch von ihrer Wut, ihrer Einsamkeit und ihrem Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen und Nähe zuzulassen, ohne sie dabei auf ihre Vergangenheit zu reduzieren. Besonders interessant fand ich die Perspektive zweier Jugendlicher, die im Heim- und Pflegesystem aufgewachsen sind und deren Erfahrungen sie auch Jahre später noch begleiten. Dazu kommen Themen wie familiäre Konflikte, Gewalt, Krankheit und Queerness, die sich erstaunlich selbstverständlich in die Geschichte einfügen.
Sprachlich hat mir der Roman ebenfalls sehr gut gefallen. Die klare, direkte Sprache passt hervorragend zu den Figuren und dem Setting. Besonders Banjos Dialekt, der auch in der Übersetzung wunderbar funktioniert, verleiht ihm noch einmal eine ganz eigene Stimme. Überhaupt schafft es McDonald, die unterschiedlichen Charaktere sehr glaubwürdig zu zeichnen. Man versteht ihre Handlungen, selbst wenn man sie nicht immer gutheißen kann.
Lediglich gegen Ende wurde mir emotional etwas zu dick aufgetragen. Nach all dem, was Banjo und Finlay erlebt haben, gönnt man ihnen natürlich jedes bisschen Glück. Die Entwicklung war mir dann aber doch stellenweise zu glatt und zu versöhnlich. Ein bisschen weniger Kitsch und etwas mehr Ambivalenz hätten dem Roman meiner Meinung nach gutgetan.
Trotzdem bleibt vor allem eines: Ich habe Banjo und Finlay sehr gerne begleitet und ihre Geschichte hat mich wirklich berührt. Glasgow Boys erzählt davon, wie prägend fehlende Geborgenheit sein kann, aber auch davon, wie wichtig es ist, Menschen zu haben, die einen nicht auf das reduzieren, was einem widerfahren ist. Eine eindringliche und lesenswerte Coming-of-Age-Geschichte.
Rezensionen von Annabell95:
Suche nach Milo
Alles ihre Schuld von Andrea Mara
Marissa will ihren Sohn abends von einem Playdate abholen. Doch als sie an der genannten Adresse ankommt, läuft dort alles anders. Die Frau, die öffnet, kennt weder Milo noch die angebliche Gastgeberin. Von einem Playdate weiß sie nichts. Milo ist verschwunden, und für Marissa beginnt ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit.
Während die Suche immer dringlicher wird, breiten sich im scheinbar friedlichen Dubliner Vorort Gerüchte aus, und eine junge Frau gerät unter Verdacht. Hinter der Fassade des Alltags kommen dunkle Wahrheiten ans Licht, die lange verborgen waren.
Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Die Schilderung der Geschehnisse ist jeweils aus Sicht der jeweils handelnden Protagonisten. Das macht die Protgaonisten greifbar und gleichzeitig sorgt es dafür, dass man nie sicher ist, wem man glauben kann. Jeder verbirgt seine eigenen Geheimnisse und Schatten, dass man sich die Frage stellt: “wem kann man wirklich trauen?”.
Es ist sehr undurchsichtig. Von Anfang an lässt es sich nicht erahnen, was hinter Milos Verschwinden steckt und wie es zu dieser Tragödie kam. Durch unerwartete Wendungen und falschen Fährten baut man sich immer wieder neue Theorien, sodass es bis zum Schluss spannend bleibt. Man liest weiter, weil man unbedingt wissen will, was mit Milo passiert ist und welche Geheimnisse die Nachbarschaft verschweigt. Einzig der Mittelteil hat ein paar kleine Längen durch Wiederholungen bzw. Gedanken und Gespräche, die sich ähneln. Am Ende fügt sich alles zu einer schlüssigen, stimmigen Auflösung zusammen.
Die emotionale Ebene zu den einzelnen Protagonisten ist stark gemacht. Marissas Panik, als ihr Sohn verschwindet, ist greifbar und authentisch. Man fühlt mit ihr, spürt ihre Verzweiflung, ihre Angst und die Hoffnung.
Das Setting mit dem wohlhabenen Vorort von Dublin ist gut gewählt. Es wirkt nach außen alles makellos, doch hinter der Fassade brodeln Neid, Gerüchte und Geheimnisse.
Mein Fazit:
Atmosphärisch, emotional und clever konstruiert. Ein Thriller, der mit Perspektivwechseln, falschen Fährten und starken Figuren überzeugt. Er zeigt, wie brüchig perfekte Fassaden sein können. Ich vergebe gerne eine klare Leseempfehlung.
Rezensionen von PMelittaM:
Zweiter Band, der die Geschichte gut voran bringt
Dinghai Fusheng Records. Buch 2 von Fei Tian Ye Xiang
China im vierten Jahrhundert nach Christus: Xiang Shu ist nicht nur Chen Xings auserkorener Schutzpatron sondern auch der Große Chanyu, der Anführer der Stämme, die im Norden jenseits der Mauer leben, daher machen sich die beiden zunächst auf den Weg in Xiang Shus Heimat, danach gilt es die Dinghai-Perle zu finden, die, so hofft Chen Xing, ihm helfen kann, die Magie wieder herzustellen, die vor Jahrhunderten verschwand.
Bald stehen sie wieder großer Gefahr gegenüber.
Der Roman führt die Geschichte des ersten Buches nahtlos weiter, sogar die Kapitelnummerierung wird fortgesetzt, so dass man hier mit Kaptitel 27 startet. Die Erzählung startet zunächst recht geruhsam, man lernt mit Chen Xing die Region Chi-Le-Chuan und die Menschen, denen Xiang Shu vorsteht, kennen. Es gibt entspannte Szenen, eine Schnellballschlacht, es wird gerodelt und gefeiert, und einiges ist sehr humorvoll, wie schon im letzten Band steht Chen Xian dabei meist im Mittelpunkt. Dramatische Szenen werden noch genug folgen.
Denn dann geht es sehr schnell, die Gefahr ist da, die Spannung zieht an und man ist mittendrin im nächsten Abenteuer der beiden, oder besser gesagt geht deren Abenteuer weiter, denn der Feind ist immer noch derselbe, man erhält nun neue Informationen über ihn und diejenigen, die ihm folgen. Gleichzeitig erfährt man auch mehr über die Geschichte und Mythologie Chinas, denn das Geschehen basiert auf der realen Geschichte des Landes. Auch über die Protagonisten, vor allem über Xiang Shu erfährt man in diesem Band mehr. Fand ich im letzten Band die Geschichte noch hin und wieder etwas verwirrend, war das dieses Mal nicht der Fall.
Auch in diesem Band gibt nicht nur eine Karte und vielfältiges zusätzliches Material im Anhang, sondern auch mehrere im selben Stil wie das Cover gezeichnete Illustrationen im Roman, die die Charaktere in Romanszenen zeigen.
Die Geschichte geht spannend weiter, es gibt neue Erkenntnisse und Charaktere. Ich bin gespannt auf Band 3.











