Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Anno:
Nicht so meins…
Mein ziemlich seltsamer Freund Walter von Sibylle Berg
Ich weiß nicht so recht was ich von diesem Buch halten soll. Vielleicht hab ich mir von ihm zu viel versprochen und mir insgeheim, auch oder besonders weil es sich an Kinder richtet, etwas tiefsinnigeres gewünscht. Etwas, dass Kinder in ähnlichen Situationen wie Lisas vielleicht helfen könnte damit umzugehen.
Doch leider ist dem nicht so.
Walter kommt von einem anderen Planeten und obwohl die Menschen ihm völlig unbekannt sind, versteht er Lisas Probleme besser als sie selbst. Er nimmt sie bei der Hand und weist sie an. Doch all dies geschieht auf eine sehr simple und oberflächliche Art, wodurch ich die Geschichte leider nur wenig ernst nehmen konnte. Ob Walter oder Lisa, beide Figuren agierten und sprachen in meinen Augen nicht authentisch und mit beiden wurde ich enttäuschender Weise auch nicht warm. Wo ist den die Wärme, die dem fremden Planet und seinen Bewohnern innewohnt? Ich spüre sie kaum! Die Handlung wirkte seltsam zusammengestückelt, bruchstück- und sprunghaft. Probleme lösen sich zu rasch und einfach und der Prozess selbst wird dabei nur wenig beleuchtet. Selbst die Illustrationen hauten mich nicht gerade vom Hocker und ich frage mich, nun, da ich dieses Buch gelesen habe, was es denn wirklich bezwecken sollte und wollte.
Rezensionen von Gaby 2707:
Was für ein spannender und interessanter Fall
Erloschene Stimmen von Jessica Potthast
Als Maja Verstaad, 41, alleinerziehende Anwältin für Familienrecht, das Telefonat mit einem Mandanten beendet hat, bemerkt sie, dass ihre Tochter Luisa, 5, nicht mehr im Garten spielt. Alles Suchen bringt keinen Erfolg. Ihr kleines „Milchbäckchen“, wie sie ihre Tochter liebevoll nennt, ist und bleibt verschwunden.
Ein Anrufer, der sich als Entführer outet, fordert sie auf, innerhalb von 5 Tagen heraus zu finden, was vor genau einem Jahr mit dem 10-jährigen Nachbarsmädchen Joline passiert ist, auf die Maja damals aufpassen sollte und die damals auch spurlos verschwand.
Gemeinsam mit den Kommissaren KHK Carsten Mahrenholz und KOK Julia Meißner vom Polizeikommissariat Holzminden macht sich die gesamte Nachbarschaft auf die Suche nach der kleinen Luisa.
Was für ein Albtraum für jede Mutter bzw. Familie, wenn ein Kind spurlos verschwindet.
Jessica Potthast hat einen so einnehmenden, bildhaften und spannenden Erzählstil, der mich ab der ersten Seite nicht mehr losgelassen hat. Und sie zeichnet die Menschen und die verschiedenen Situationen so genau, dass der Film in meinem Kopf nie abgerissen ist. Schon mit dem sehr kurzen Prolog zieht sie mich in die Geschichte hinein und lässt mich bis zum Schluss nicht mehr los. Die kurzen Kapitel in denen die hier agierenden Personen jede selbst zu Wort kommt, machen die Geschichte zu einem absoluten Pageturner und unheimlich rasant. Ich wollte immer nur noch schnell ein und noch ein Kapitel lesen – und schon war das Ende und die Auflösung da. Und mir wurde klar, warum ich nicht auf den Entführer gekommen war. Bei den falschen Fährten auf die mich die Autorin führt und den Geheimnissen, die jede Familie mit sich herum schleppt, wäre ich nie von selbst auf diesen Ausgang bzw. dieses Szenario gekommen. Alle losen Fäden verknüpfen sich, meine Fragen lösen sich auf und die Aufklärung hat mich voll und ganz überzeugt. Besonders berührt haben mich die wenigen Kapitel, wo die kleine Luisa in ihrem Gefängnis zu Wort kommt. Gänsehaut pur.
Die Menschen mit denen ich es hier zu tun bekomme, außer den Kriminalbeamten eigentlich nur drei Familien, die in direkter Nachbarschaft leben, finde ich alle sehr überzeugend und menschlich vorstellbar gezeichnet. Besonders Maja kann ich mir in ihrer Verzweiflung und ihrem Kummer um ihre Kleine sehr gut vorstellen. Was hier für sie, die ja mit dem Entführer telefoniert, erschwerend hinzu kommt: Sie leidet unter einer sehr seltenen Krankheit, die Stimmen nicht erkennen kann. Kann nicht mal hören, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Auch zu Ellen Maaßen habe ich während des Lesens eine enge Bindung aufgebaut und wollte sie einfach nur schütteln. Warum? Das werdet ihr beim Lesen des Buches schnell selbst heraus finden, denke ich.
Bei den beiden Kommissaren, von denen ich auch einiges Privates erfahre, habe ich mich am Anfang etwas schwer getan. Aber auch mit ihnen bin ich im Laufe der Ermittlungen und nachdem ich sie näher kennengelernt habe, warm geworden.
Der Kriminalfall bzw. die beiden Fälle, wenn ich das Verschwinden von Joline mit dazu rechne, stellen für mich persönlich gar nicht mal den Mittelpunkt der Geschichte dar. Viel interessanter finde ich die Menschen, mit denen ich es hier zu tun bekomme. Hinter ihre Stirn schauen und ihre Gedanken lesen zu können, hat mich fast noch mehr fasziniert.
Ein absolut spannender und sehr interessanter Fall für die Kommissare Mahrenholz und Meißner, mit denen ich sehr gerne auf weitere Ermittlungstouren gehen würde.
Rezensionen von PMelittaM:
Interessant und nicht vorhersehbar
Der Twyford-Code von Janice Hallett
Steven Smith findet 1983 als Jugendlicher ein Buch von Edith Twyford, das er an seine Lehrerin Miss Trout, die ihn und vier andere Kinder, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, zusätzlich unterrichtet, weitergibt. Miss Trout macht mit der Gruppe eine Reise zu Twyfords ehemaligem Wohnhaus, danach verschwindet sie.
Steven gerät auf die schiefe Bahn, landet mehrmals im Gefängnis. 2019 wird er nach einem längeren Gefängnisaufenthalt entlassen, und möchte nun endlich das Geheimnis um Miss Trout lösen, die offenbar einen Code in Twyfords Romanen entdeckt hat. Ist sie womöglich deshalb verschwunden?
Steven nimmt seine Erkenntnisse als Audiodokumente mit dem Handy auf, deren Transkription den größten Teil des Romans ausmachen. Die Transkription wurde mit einer KI gemacht, die manche Worte nicht richtig erkennt, so wird z. B. aus Miss Trout „misstraut“, aus „so ne“ „Sonne“ usw. Das kann die Übersetzung aus dem Englischen nicht einfach gemacht haben, Chapeau an Stefanie Kremer, die den Roman übersetzt hat!
Das Lesen hat es mir allerdings nicht wesentlich erschwert. Zu Beginn wird mit ein paar Beispielen darauf hingewiesen, so dass man schon vorgewarnt ist. Ich hatte das richtige Lesen dieser Wort schnell im Griff, so dass mein Lesefluss nicht gestört wurde. Ein bisschen schwieriger ist Stevens nicht lineare Erzählweise, immer wieder schweift er in die Vergangenheit ab, aber auch daran gewöhnte ich mich schnell. Schnell habe ich auch begonnen mitzurätseln. Und auch Edith Twyford kam mir direkt irgendwie bekannt vor, was sich in der Danksagung der Autorin bestätigt hat. Diese sollte man daher übrigens lesen.
Das Miträtseln hat Spaß gemacht, und ich hatte auch die ein oder andere richtige Erkenntnis, die tatsächliche Auflösung allerdings ist ein große Überraschung, und ich wage zu behaupten, dass man darauf nicht hätte kommen können. Trotzdem ist sie nachvollziehbar.
Auch wenn ich den Roman gerne gelesen habe, hat er mich nicht ganz so gepackt, wie ich erhofft hatte, dafür ist er nicht spannend genug, auch wenn es den ein oder anderen Cliffhanger gibt.
Steven mochte ich sehr schnell, man merkt trotz seines kriminellen Hintergrundes, dass er Empathie und Mitgefühl besitzt. Er ist ganz klar der Hauptcharakter, nicht nur, weil er selbst in Ich-Form erzählt, sondern auch, weil alle anderen Charaktere tatsächlich nur Nebenrollen spielen, auch, wenn sie das eine oder andere wichtige beisteuern.
Janice Hallets Roman punktet mit seinem besonderen Erzählstil, einem interessanten Protagonisten, und einer Geschichte, die am Ende nicht vorhersehbar ist. Mir hat aber ein bisschen die Spannung gefehlt. Wer einmal etwas anderes lesen möchte, ist hier richtig.
Rezensionen von spozal89:
Rockstar-Romance
Everything I Hate About You von Sarah Saxx
"Everything i hate about you" war das erste Buch, welches ich von der Autorin gelesen habe. Ich mag ihren locker und leichten Schreibstil und die Geschichte hat mich im Großen und Ganzen gut unterhalten. Allerdings hat mir das gewisse Etwas gefehlt, damit es perfekt für mich gewesen wäre.
Eine Zusammenfassung des Inhaltes, möchte ich in meiner Bewertung nicht geben, da der Klappentext hier schon alles verrät, was man wissen muss.
Gut hat mir die ganze Atmosphäre gefallen, die das Leben im Tourbus so mit sich bringt. Ich mochte auch dieses prickeln, das man als Leser fühlt, immer dann, wenn Lex und Tessa aufeinander treffen. Zwar spürt man das knistern zwischen den beiden, aber richtige Emotionen und warum die zwei sich so extrem anziehend finden, haben mir ein wenig gefehlt. Was mir auch noch gefehlt hat, waren mehr Infos zur Vergangenheit von Lex. Zwar wurde auf die Geschichte mit seinem Bruder kurz eingegangen, aber auch hier haben mir die Emotionen gefehlt. Da war die Vergangenheit von Tessa ausführlicher erklärt. Dennoch war das Buch unterhaltsam und lies sich locker weglesen. Ideal also auch mal für zwischendurch, wenn man nichts anspruchsvolles sucht.
Rezensionen von Leserin:
Neuanfang im Schwarzwald
Der Ferienhof im Schwarzwald - Der Neubeginn von Sandra Poppe
Elli und ihr Bruder Florian erben den Hof ihres Onkels im Schwarzwald. Während für sie feststeht, dass er verkauft wird, hat er ganz andere Pläne.
So kommt es, dass Elli mit ihren beiden Kindern, der "Oma" und ihrem Bruder an diesen bezaubernden Ort zieht und sich ihren Traum vom Ferienhof erfüllen.
Es ist eine Geschichte, die ohne große Dramatik und Spannung auskommt und trotzdem sehr unterhaltsam ist.
Sie lebt von ihren liebenswerten Charakteren, dem Schauplatz und den Ideen die diesen Neuanfang ausmachen.
Die Figuren sind (fast) alle sympathisch, damit es aber nicht langweilig wird gibt es auch welche, die etwas widerborstig sind.
Im Großen und Ganzen ein Roman der sehr positiv angelegt ist, große Probleme gibt es keine und wenn etwas nicht passt, wird es schnell gelöst.
Ein richtiger Wohlfühl-, Genießer-Roman für einige unterhaltsame Lesestunden.
Es muss nicht immer das große Drama sein, damit eine Geschichte passt. Das beweist die Autorin mit ihrem ersten Band dieser schönen Schwarzwaldreihe!
Rezensionen von PMelittaM:
Berührt
James von Percival Everett
Wer kennt nicht die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn? Ich fand Toms Abenteuer immer etwas spannender, Hucks dagegen langweiliger. Einem war dabei aber sicher nicht langweilig, denn Huck hatte über weite Strecken einen Begleiter, den entflohenen Sklaven Jim.
Percival Everett erzählt nun die Geschichte neu, dieses Mal aber aus Jims Perspektive in Ich-Form.
Jim flieht, weil er verkauft werden soll, lässt aber seine Familie zurück, mit Glück kann er sie später vielleicht freikaufen. Huck und Jim treffen auf eine ganze Reihe Charaktere, nicht jeder davon ist gut für sie, immer wieder werden die beiden auch getrennt, immer wieder treffen sie erneut aufeinander. Das mag ein bisschen zufällig wirken, aber die Handlung spielt auf dem und entlang des Mississippi, vielleicht ist der Zufall doch nicht ganz so groß …
Jim ist ein kluger Mann, das darf er gegenüber Weißen aber nicht zeigen, da diese sich sonst womöglich bedroht fühlen würden. Das betrifft nicht nur Jim, denn es gibt deswegen eine besondere Sklavensprache, wie sie wahrscheinlich jede:r schon einmal in diversen Filmen gehört hat. Diese Sprache wird unter den Sklaven überliefert, auch Jim unterrichtet zum Beispiel Kinder darin. Diese Sprache ist auch ein wesentlicher Teil des Romans, die Übersetzung war sicher nicht einfach, der Übersetzer schreibt dazu auch etwas am Ende des Buches, ich finde, ihm ist sie gut gelungen.
Jim kann aber, im Gegensatz zu vielen anderen Sklaven, auch schreiben, und er träumt von Voltaire und John Locke, die ihre eigenen Überlegungen zu Gleichheit und -berechtigung angestellt haben. Vor allem wenn er von Huck getrennt ist, trifft er auf andere Sklaven, und hier wird auch immer wieder deutlich, wie schrecklich diese gedemütigt, missbraucht und misshandelt werden, auch Jim ist davor nicht gefeit. Es gibt aber auch Szenen mit einem gewissen Humor, auch wenn sie meist nicht nur zum lachen, sondern auch zum weinen sind. So wird Jim Mitglied einer Ministrel-Gruppe, was dazu führt, dass er so tun muss, als sei er ein Weißer, der sich schwarz angemalt hat. Hier trifft er auch auf Norman, der zwar so hellhäutig ist, dass er für weiß gehalten, aber doch immer Angst haben muss, dass sein Geheimnis entdeckt wird.
Jim verändert sich während seiner Reise. Und am Ende hat er seinen eigenen Namen gefunden: Er ist James.
Huckleberrys Abenteuer fand ich immer langweiliger als Toms, Jims Reise aber ist spannend, nicht nur, weil man so viel mit ihm leiden muss, sondern auch, weil man erkennt, wer er ist, und ihm die ganze Zeit die Daumen drückt. Ebenso drücke ich diesem Roman die Daumen und wünsche ihm viele Leser:innen.
Rezensionen von spozal89:
ein auf und ab
Trial of the Sun Queen von Nisha J. Tuli
Auf "Trial of the Sun Queen" wurde ich wegen des tollen Covers aufmerksam. Auch der Klappentext und die Leseprobe haben mich angeprochen, weshalb ich auf den weiteren Verlauf der Geschichte sehr gespannt war.
Eine Zusammenfassung der Story werde ich in meiner Bewertung nicht geben, da man diese überall findet und auch der Klappentext hier alles gut erklärt.
Der Schreibstil der Autorin ist locker und leicht und ich fand ihn sehr gut auch ausgearbeitet. Die Beschreibungen vom Gefängnis und auch vom Hof fand ich klasse und ich konnte mir alles gut vorstellen.
Ich lese sehr viel, weshalb ich mit diesen Buch hin und wieder so meine Schwierigkeiten hatte und daher das Lesevergnügen ein auf und ab war. Viele Geschehnisse kennt man schon aus anderen guten Büchern und man hat hier zeitweise das Gefühl, dass das Beste aus anderen Geschichte zusammen gefasst wurde. Dennoch hatte ich viel Spaß beim Lesen und die erste Hälfte des Buches habe ich weggesuchtet. Ab der zweiten Hälfte hat es sich in meinen Augen ein wenig gezogen und Lor ging mir tatsächlich ein wenig auf den Geist, da ich fand, dass sie immer naiver wurde, je länger sie am Hofe des Sonnenkönigs war. Meiner Meinung nach, hätte sie noch viel mehr hinterfragen müssen bzw. auch können. Sehr spannend fand ich hingegen Nadir - von ihm hätte ich gerne mehr gelesen. Der Epilog hat mich dann wieder gepackt, auch wenn mir eigentlich jetzt schon klar ist, wo die Reise hingeht und was das große Geheimnis um Lor ist, denn das war sehr offensichtlich. Daher bin ich auch noch zwiegespalten, ob ich auch die anderen Teile lesen möchte. Da das Buch nicht gänzlich schlecht war und mich wie gesagt zeitweise sehr gepackt hat, würde ich 3,5 Sterne vergeben und runde somit auf 4 auf!
Rezensionen von v_im_wunderland:
sehr interessant
Freunde lieben. Die Revolte in unseren engsten Beziehungen von Ole Liebl
Das Cover ist im ersten Moment nicht so aussagekräftig, aber es passt trotzdem in seiner Farbgebung und da es sich um ein Sachbuch handelt, sehr gut zu dem Inhalt. Denn in diesem Sachbuch geht es um Freundschaft +. Ich finde es erst einmal sehr interessant und spannend, dass dieses Buch ein Sachbuch zu dem Thema und kein Liebesroman ist, wie man es sich normalerweise vorstellen würde.
Der Autor beleuchtet von allen Seiten das Thema und geht auf die Begrifflichkeiten Freundschaft und Liebe ein und was daraus vorgehen kann. Auch wird ein historischer Blick auf das Thema geworfen. Die Sprache ist einem Sachbuch angemessen, aber nicht zu kompliziert gehalten, so dass ich flüssig das Buch durchlesen konnte. Ein interessantes Thema, welches von dem Autor gut beobachtet und thematisiert wurde und auf jeden Fall für den Leser unterhaltend ist.
Rezensionen von Arambol:
Anspruchsvoll
Lichtjahre im Dunkel von Friedrich Ani
"Eines Morgens wachst du auf und kapierst, wo du bist und was aus dir geworden ist."
Nach sechs Jahren Pause nimmt der Privatdetektiv Tabor Süden nun schon im 22. Band der Reihe erneut die Suche nach einer vermissten Person auf.
Als ehemaliger Kriminalpolizist schaut er dabei genau hin; hört aufmerksam zu und erkennt vor allem zwischen den gesprochenen Sätzen das existenziell Wichtige, das das Leben eines jeden seiner Gesprächspartner ausmacht.
Willkommen im "Blauen Eck". Beim Bier treffen wir auf viele skurille, vom Leben gezeichnete interessante Charaktere, wie den verrätselten Olaf, den vewirrten Buddhisten in spe Claus, auch auf den Rollkragengitarristen Heiner und den Gedankensprüngler Georg.
Viele alltäglich scheinbar unscheinbare Personen, die ihren Platz im Leben irgendwo am Rand der Gesellschaft gefunden haben.
Menschen, die vermutlich erst durch ihr Verschwinden deutlich sichtbar würden.
Der Autor Friedrich Ani nutzt eine sehr sprachgewaltige und gleichzeitig auch bildhafte Ausdrucksweise. Die mitunter langen und mehrfach verschachtelten Sätze erfordern Konzentration und volle Aufmerksamkeit beim Lesen.
Die Dialoge kommen dabei allerdings fast nie auf den Punkt, sind bisweilen ausufernd und können auf Dauer sogar ermüdend sein. Das erkennt dann auch die Hauptkommissarin Fariza Nasri durchaus selbstkritisch: "Das ist doch kein sinnvolles Gespräch, was wir hier führen." Die Inhalte der Gespräche wirken zudem zunehmend redundant.
Diverse, recht humorvolle Wort- und Satzkonstruktionen sorgen dann doch für eine irgendwie unterhaltsame und bisweilen kurzweilige Lektüre.
Wer bereits andere Titel von Friedrich Ani gelesen hat, weiß natürlich, dass er hier keinen klassischen Kriminalroman erwarten darf. Die Handlung des Romans "Lichtjahre im Dunkel" bleibt allzeit überschaubar, Spannung oder gar dramatische Wendungen sucht man vergebens. Die Erzählung zieht sich oft zäh mäandernd dahin, die eigentliche Geschichte kommt dabei kaum voran.
Das Buch selbst ist sehr übersichtlich strukturiert und gliedert sich in fünf Teile mit insgesamt 79 überschaubar kurzen Kapiteln auf.
Leseempfehlung für alle, die es mögen, sich tiefgründig psychologisch mit den Menschen an sich zu beschäftigen.
Rezensionen von Kwinsu:
Über Freundschaft, Menschen und das Kindsein
Mein ziemlich seltsamer Freund Walter von Sibylle Berg
"Wie kann ich es höflich sagen? Das Wetter ist halt echt nicht toll, und außerdem haben alle ein wenig Angst vor diesen Menschen. Es heißt, dass sie Fremde nicht so mögen." "Fremde. Und Leute, die Bücher lesen. Und Dicke. Und Dünne. Und Schwarze und Rothaarige. Das ist korrekt. Aber ansonsten ist die Erde ganz in Ordnung.
[...]" (S. 64)
Lisa ist ein trauriges Mädchen. Ihre Eltern sind arbeitslos und deshalb lethargisch. Am Spielplatz wird sie tagtäglich von Jugendlichen gequält und von ihren Mitschüler:innen gemobbt. Nur ihr selbstgebauter Computer und der Blick ins All bereiten ihr Freude. Eines Nachts tauchen Außerirdische auf, die sofort wieder flüchten - doch zurück bleibt einer von ihnen: "Walter". Mit ihm lernt sie die schönen Seiten des Lebens kennen...
"Walter" ist ein Kinder-Comicroman von der Schriftstellerin Sibylle Berg und dem Illustrator Julius Thesing, der auch Erwachsenen eine kurzweilige Lesefreude bereitet. Der Schreibstil strotzt trotz einer depressiven Grundstimmung vor Humor und Leichtigkeit, was die großartigen Zeichnungen von Thesing in Schwarz-Weiß gekonnt in Szene setzen. Durch den Außerirdischen Walter lernt das Mädchen Lisa scheinbar erstmalig Freundschaft kennen und auch die Tatsache, dass es viele Vorteile bringen kann, wenn man sich situationsbedingt unterschiedlich verhält. So lernt Walter Lisa, wie sie sich verbal gegen die tyrannisierenden Jugendlichen wehren oder wie sie ihre Lehrerin für sich gewinnen kann. Allen voran aber zeigt er ihr, welche Stärken in ihr stecken. Das ist gar nicht so einfach, denn Walter scheint aus einer Welt zu stammen, in dem Geschlechter(rollen) nicht mehr existieren und das System Kapitalismus unbekannt ist. Irgendwie (wie genau, bleibt den Lesenden vorenthalten) schafft der Außerirdische es sogar, dass Lisas Eltern wieder zu ihrer Lebenslust zurückfinden.
Grundsätzlich sind viele "Moralen", die in "Walter" erzählt werden, treffsicher und können Kindern, die von Mobbing durch Kinder und Jugendliche und Abneigung/Ablehnung Erwachsener betroffen sind, helfen, mehr Selbstvertrauen zu geben. Die Geschichte ist scharfsinnig und kritisch und zeigt die Welt als einen Ort, an dem viel Ungerechtigkeit herrscht, die aber überwunden werden kann. Es kann Lesende dazu anregen, über die Welt und das System, in dem wir leben (allen voran dem Kapitalismus und seine gesellschaftliche Ausprägung) zu hinterfragen. Was mir persönlich aber ehrlich gesagt nicht so gut gefällt, ist, dass Lisas Eltern ob ihrer Arbeitslosigkeit vollkommener Lethargie ausgeliefert sind. Das bedient m.E. ein Klischee, das für viele arbeitslose Menschen nicht zutrifft - vor allem nicht, wenn sie, wie in dieser Geschichte, noch nicht allzu lange ohne Arbeit sind. Bei der Lehrerin sagt Walter, dass diese Lisa nicht mag, weil sie klug und stark ist und lernt ihr, sie zufriedenzustellen, indem sie ihr recht gibt. Ich würde dies meinem Kind nicht beibringen wollen, denn ich finde, es legitimiert das ungute Verhalten der Lehrperson. Deshalb gibt es für mich einen Stern Abzug.
Mein Fazit: Walter ist ein grandios gezeichneter Kinder-Comic, der einem gepeinigten Mädchen zeigt, wie sie sich selbst behaupten kann. Ob die Ratschläge an die Protagonistin für alle Eltern stimmig sind, sollte vorab geprüft werden. Wie auch immer - für Erwachsene ist es jedenfalls eine kurzweilige Lesefreude.










