Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daggy:
Worte finden und anwenden
Der Wortschatz von Rebecca Gugger
Oskar wühlt in seiner Schatztruhe und wirft jede Menge Wörter hinter sich. Auf dem rosa Einbandpapier stehen schon viele nicht alltägliche Wörter. Und dann marschiert Oskar mit seinem Spaten pfeifend los.
Beim Buddelt findet er eine prächtige Holztruhe und er überlegt sich, was da alles drin sein könnte, aber erst benötigt er Werkzeug, um sie zu öffnen.
Er ist dann wohl auch ein wenig enttäuscht, als der die vielen Buchstaben in der Truhe entdeckt. Da nimmt er einfach ein Bündel und wirft es hinter sich. „Quietschgelb“ hieß das Wort und der Igel, dem es auf den Kopf gefallen ist, nahm diese Farbe an. Oskar macht einige Experimente mit anderen Worten und die Ergebnisse sind schon erstaunlich. Doch irgendwann ist die Kiste leer und Oskar steht wortlos davor. Jetzt ist es an Oskar sie wieder zu füllen.
Die Geschichte ist voller Fantasie und wunderschöner Worte, die man kennt oder die man hier zu ersten Mal hört. Die Bilder sind sanft in Erdfarben gehalten und punkten ganz besonders in der Verwandlung durch Worte.
Man bekommt Lust selbst Worte zu finden, die man Oskar in der Kiste packen würde und sich dann zu überlegen, wer sich durch die Worte wie verändern würde. Das weckt das Spiel mit der Sprache und die Fantasie.
Rezensionen von SalMar:
Tolle grafische Umsetzung, aber inhaltlich zu knapp
Stolz und Vorurteil von Jane Austen; Claudia Kühn
Ganz klar ist mir die berühmte Geschichte um Mr. Darcy nicht unbekannt: Im Original, verfilmt, in verschiedenen Adaptionen - und fast immer finde ich erneut Gefallen an der Geschichte von Jane Austen. Aus diesem Grund war ich definitiv gespannt auf die Umsetzung als Graphic Novel.
Was mir auf Anhieb gefallen hat, war die grafische Umsetzung.
Die Illustrationen fangen in Schlüsselszenen die Atmosphäre richtig gut ein. Aber auch die einzelnen Charaktere werden in ihren verschiedenen Gemütsverfassungen toll dargestellt.
Allerdings geht mir inhaltlich doch zu viel verloren, wodurch die Geschichte, die sich ja eigentlich sehr langsam entwickelt, merkwürdig holprig und sprunghaft wirkt. Dadurch verliert die wunderbare Geschichte doch einiges von ihrem Zauber.
Insgesamt würde ich sage, dass die Graphic Novel einen guten ersten Einstieg und kurzweilige Unterhaltung bietet, man aber bedenken sollte, dass die Geschichte sehr stark gekürzt wurde.
Rezensionen von Chris:
Das Buch hat mich gefesselt
Und dahinter das Meer von Laura Spence-Ash
Wow, was für ein Lesegenuss. Ich konnte das Buch fast nicht weglegen und die Geschichte hat mich einfach gefesselt. Die Autorin Laura Spence-Ash schreibt in einer wundervollen Art, sehr fließend und berührend. Es handelt von Bea, die während des 2. Weltkrieges von ihren Eltern aus London zu einer Gastfamilie in Boston geschickt wird.
Auch wenn es in einer ganz anderen Zeit spielt, kenne ich das Gefühl des "nicht dazugehören" und ich konnte mich daher gut in Bea reinversetzen die sich nach fünf Jahren weg von "zu Hause" nicht mehr in England heimisch fühlt. Bea hadert viele Jahre damit und kann erst sehr spät dieses Gefühl akzeptieren und verstehen.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten erzählt und es entsteht dadurch ein toller Blick auf alle Personen in dem Buch.
Ein absoluter Lesegenuss!
Rezensionen von SalMar:
Kein neues Konzept, aber packende Umsetzung
Death. Life. Repeat. von Louise Finch
Spencer versucht sich nach einem Schicksalsschlag eher abzulenken, als sich mit den ernsten Dingen des Lebens zu beschäftigen. Aber dann stirbt ein Mädchen auf einer Party, und als der schreckliche Tag sich am nächsten Morgen zu wiederholen beginnt, bleibt Spencer nichts anderes übrig, als sich damit auseinanderzusetzen.
Dass sich der Protagonist in einer Zeitschleife wiederfindet und einen furchtbaren Tag immer und immer wieder neu erleben muss, ist kein neues Konzept, aber es ist eines, dass ich trotzdem immer wieder spannend finde. Gleich vorneweg: Die Umsetzung in diesem Buch ist so packend, dass man es kaum beiseitelegen kann. Ich habe es an einem Tag durchgesuchtet.
Spencer macht definitiv Fehler, aber trotz alledem bleibt er eine sympathische Hauptfigur, deren Verhalten nachvollziehbar ist. Überraschenderweise gibt es trotz der Wiederholungen viele Entwicklungen, auch bei den anderen Figuren, weil man an Spencers Seite immer wieder neue Perspektiven und Details erfährt.
Entsprechend der Zielgruppe und dem Highschool-Setting gibt es viele typische Elemente, wie die Dynamik zwischen den beliebten Sportlern und den anderen Gruppen der Schule, aber es werden etliche andere wichtige ernste Themen eingeflochten und angemessen thematisiert.
Insgesamt konnte mich dieses Jugendbuch wirklich sehr packen und meine Erwartungen erfüllen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!
Rezensionen von Bücherfreundin:
Geistreiche Unterhaltung mit viel Witz und Tiefgang
Pi mal Daumen von Alina Bronsky
In "Pi mal Daumen", dem neuen Roman von Alina Bronsky, geht es um die beiden Mathematik-Studenten Oscar und Moni, die sich zum ersten Mal in einem Hörsaal begegnen. Oscar ist 16 Jahre alt, ein etwas weltfremder Überflieger mit autistischen Zügen und Adelstitel. Moni dagegen ist schon 53 und hat neben ihrer Tochter Püppi drei Enkel, um die sie sich regelmäßig kümmern muss.
Sie hat drei Jobs, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, während sich Oscar dank des Reichtums seiner Eltern nicht ums Geldverdienen kümmern muss. Trotz aller Unterschiedlichkeit und der Herablassung und Ablehnung, mit der Oscar Moni anfangs begegnet, werden die beiden zu Freunden.
Die Geschichte ist, wie ich es von der Autorin bereits kenne, in schöner Sprache mit viel Wärme und noch mehr Humor erzählt, sie liest sich sehr flüssig. Wir lernen zwei Menschen kennen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Der Ich-Erzähler Oscar tritt sein Studium mit sehr viel Selbstvertrauen an und ist wenig erfreut, als sich die etwas schrill gekleidete Moni im Hörsaal neben ihn setzt. Sie verwickelt ihn in ein Gespräch, und er erkennt sehr schnell, dass ihr die wichtigen Grundlagen der Mathematik fehlen. Moni indes entwickelt mütterliche Gefühle für den jungen Mann, der sich nicht nur schlecht ernährt, sondern soziale Defizite und sehr spezielle Verhaltensweisen aufweist. Regelmäßig versorgt sie ihn mit Nahrung, während Oscar ihr bei der Lösung komplizierter Aufgabenstellungen hilft.
Ich fand es sehr spannend, Oscar und Moni nicht nur durch die Semester mit all ihren Herausforderungen zu begleiten, sondern auch Einblick in ihr privates Umfeld zu erhalten. Wir lernen Oscars Familie kennen, die mit seinen Eigenarten lebt, auf ihn eingeht und ihn unterstützt, während Monis Familie, die nichts von ihrem Studium weiß, ihre Hilfsbereitschaft und Warmherzigkeit über die Maßen ausnutzt.
Meine Lieblingsfigur war Moni, die eine außergewöhnliche Frau mit mathematischer Begabung ist, leidenschaftliche Mutter und Großmutter mit einem großen Herzen für ihre Mitmenschen. Ich mochte auch Oscar, der sich dank der Freundschaft mit Moni in seinem Sozialverhalten erfreulich weiterentwickelt hat.
In "Pi mal Daumen" geht es nicht nur um zwei liebenswerte Außenseiter und die Freundschaft, die sie verbindet, sondern auch um Liebe, Selbstvertrauen, die Erfüllung eines Traums - und natürlich um Mathematik. Ich habe das kurzweilige Buch, eine Komödie mit Tiefgang, sehr gern gelesen und mich bestens unterhalten gefühlt.
Leseempfehlung!
Rezensionen von SalMar:
Einstieg nicht einfach, aber es lohnt sich
Long Live Evil von Sarah Rees Brennan
Rae geht es alles andere als gut: Sie hat Krebs und keinerlei Kraft mehr. Aber dann erhält sie das unglaubliche Angebot, in die Welt eines bekannten Fantasybuchs überzutreten, um sich selbst mit der dortigen Magie das Leben zu retten.
Die Ausgangsidee, eine Person darf in ein Buch schlüpfen und die dortigen Figuren persönlich kennenlernen, fand ich richtig toll - vor allem in Kombination damit, dass Rae dort vorgeblich zu den Bösen gehört.
Allerdings muss ich gestehen, dass ich eine ganze Weile gebraucht habe, um in der Geschichte anzukommen. Raes Sprache und Verhalten passen so gar nicht zu der Buchwelt und ihr Vorwissen über den Handlungs¬verlauf, das man als Leser nicht hat, empfand ich eher als störend.
Aber ich finde, dranbleiben lohnt sich! Es gibt unglaublich viele interessante Entwicklungen, von denen nur die wenigsten vorhersehbar sind. Die Grenzen zwischen "Gut" und "Böse" sind ständig im Fluss – womit sich auch Rae gedanklich viel auseinandersetzt.
Insgesamt würde ich sagen, es ist keine einfache Lektüre, weil es doch sehr ungewöhnlich geschrie¬ben ist, aber wenn man sich darauf einlässt, wird man mit vielen interessanten Figuren (in sämtlichen Grauschattierungen) und erfrischend ungewöhnlichen Entwicklungen belohnt. Ich bin auf jeden Fall dabei, wenn die Autorin die Geschichte weitererzählt!
Rezensionen von Gaby 2707:
Hier werden Fantasien ausgelebt
Unstillbare Gelüste - Lust auf heiße Verlockungen | 9 geile erotische Geschichten von Rebecca Perkins
Für mich war es ein weiteres Buch, das ich von Rebecca Perkins gelesen habe. Und auch diese 9 erotischen Geschichten von ihr haben mich überzeugt und gut unterhalten.
Ich lerne Moderatorin Jessica und Tontechniker Felix kennen, bei denen Glückshormone sprießen. Beobachte, wie sich Bäcker Rufus mit Fußballfan Manuela vergnügt.
Sehe zu, was Hobbygärtnerin Sabine mit dem Gärtner Henning von gegenüber so anstellt. Bin dabei, wenn sich Rainer mit Ursula vergnügt und Constanze zuschaut. Und ich erlebe mit, wie die 19 Jungs einer Basketballmannschaft abgehen, als sie eine neue Trainerin bekommen. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Ich mag den sehr freizügigen, leidenschaftlichen und tabulosen Erzählstil der Autorin bei dem es schnell prickelt; der kleine und große Geheimnisse preis gibt; der manchmal auch etwas anstößig wirkt und mich nicht immer ganz so begeistert. Mit ihren Geschichten knipst sie sofort mein Kopfkino an und das läuft richtig heiß. Meinen Geschmack hat sie mit ihren erotischen und abwechslungsreichen Geschichten trotzdem gut getroffen.
Zum Abschluss bekomme ich als kleines Goodie noch einen Gutschein-Code, mit dem ich mir eine weitere heiße exklusive Geschichte der Autorin als E-Book aus dem Internet herunter laden kann.
Rezensionen von SalMar:
Eine außergewöhnliche Freundschaft
Pi mal Daumen von Alina Bronsky
Sie geben ein äußerst ungewöhnliches Gespann in den Mathevorlesungen ab: der hochbegabte 16 jährige Oscar und die heimlich Studierende Moni, die bereits dreifache Oma ist. Was zunächst als zweckmäßiges Arrangement beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einer außergewöhnlichen Freundschaft, in der beide voneinander lernen können.
Dass sie außergewöhnliche Charaktere gut schreiben kann, hat Alina Bronsky ja schon in ihren vorherigen Romanen bewiesen, aber Oscar und Moni sind nicht nur beide einzeln, sondern auch gemeinsam etwas Besonderes. Sie sind in vielerlei Hinsicht das komplette Gegenteil, aber beide Außenseiter, die es gewohnt sind, nicht verstanden zu werden.
Ich mochte die Art und Weise, wie sich die Ge¬schichte entwickelt, wie nach und nach Verbindungen aufgedeckt werden, und wie einem immer wieder zwischendurch die Mathematik nahegebracht wird – das war eine tolle Kombination. Thematisch kommt so einiges auf den Tisch, aber für mich wirkte das zu keinem Zeitpunkt überladen.
Wer Lust auf interessante Figuren, eine besondere Freund¬schaft, eine ordentliche Portion Humor, gewürzt mit Mathematik hat, der ist hier goldrichtig. Von mir gibt es auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung.
Rezensionen von Gaby 2707:
Geschichten voller prickelnder Erotik
Hemmungslos versaut | 6 geile erotische Geschichten von Cassidy Phillips
Ich habe schon einige Bücher von Cassidy Phillips gelesen und auch mit diesen 6 neuen Kurzgeschichten hat sie meinen Geschmack voll getroffen.
Ich lerne Julié kennen, die von ihrem Exmann an ihrem Hochzeitstag überrascht wird und…
Dennis und Carl, die sich nicht nur über alleinerziehende Frauen unterhalten, sondern…
Loraline und Alec, die sich zufällig im Kaufhaus treffen und …
Mika und Englischlehrer Connor, bei denen der Elternabend etwas aus dem Ruder läuft.
Ich mag den leichten, lockeren, sehr freizügigen Erzählstil der Autorin, der mich ohne anstößig zu sein oder derb unter die Gürtellinie zu gehen, sehr gut unterhält. Mein Kopfkino springt an und ich bin sofort mittendrin in jeder einzelnen Geschichte, die fast genau so im richtigen Leben passiert sein könnten.
Zum Abschluss bekomme ich als kleines Goodie noch einen Gutschein-Code, mit dem ich mir eine weitere heiße exklusive Geschichte von Cassidy Phillips als E-Book aus dem Internet herunter laden kann. Und wie üblich ist auch hier ein Lesezeichen passend zum Buch mit dabei.
Rezensionen von Ruth:
Ein Weckruf
Das Lied des Propheten von Paul Lynch
Das Unheil kommt in Gestalt zweier Männer. Sie stehen eines Abends vor der Tür des Hauses der Familie Stark in Dublin. Die beiden sind Zivilbeamte der neu gegründeten Geheimpolizei und sie wollen Larry Stark sprechen. Der ist als stellvertretender Generalsekretär der Lehrergewerkschaft ins Visier der neuen Regierung geraten.
Doch Larry will sich nicht einschüchtern lassen und bereitet mit anderen Mitstreitern eine Großkundgebung gegen die neuesten Restriktionen der Regierung vor. Von dieser Demonstration wird Larry nie mehr heimkommen. Er wird wie Tausende mit ihm verhaftet und verschleppt. Sein weiteres Schicksal bleibt im Dunkeln.
Und Eilish, seine Frau, wird mit den vier Kindern, zwischen 16 und einem halben Jahr alt, alleine zurechtkommen müssen.
Wir sind in Irland, das sich innerhalb kürzester Zeit in eine Diktatur verwandelt hat. Eine nationalistische Partei, die National Alliance Party
( NAP) hat die Wahl gewonnen. Sie regiert mit Notverordnungen, verfolgt Andersdenkende und besetzt Schaltstellen der Macht mit ihren eigenen Leuten. Bürgerrechte werden außer Kraft gesetzt. Das bewährte Instrumentarium aller Diktaturen wird aufgefahren.
Wie es dazu kommen konnte, welche Ziele die neue Regierung verfolgt, wird nicht näher erläutert. Darum geht es dem Autor offensichtlich nicht.
Nein, er setzt in dieses Szenarium eine ganz gewöhnliche Frau, jemanden wie Du und ich, und zeigt ganz konkret, wie deren Leben unter den veränderten Bedingungen weitergeht.
Eilish mag anfangs nicht glauben, dass ihr Mann verhaftet wurde. Sie hält es für einen Irrtum, pocht auf ihre Rechte, bis sie begreift, dass das alte Recht nicht mehr gilt. Sie kämpft auf der einen Seite für die Freilassung ihres Mannes und versucht gleichzeitig die Familie zusammenzuhalten. Um die Kinder nicht zu beunruhigen, greift sie zu Lügen und Ausflüchten. Doch lange lässt sich der Schein der Normalität nicht aufrechterhalten. Die Lage spitzt sich dramatisch zu. Die Familie wird schikaniert und steht unter Beobachtung. Eilish verliert ihren Job. Die Schulen werden geschlossen, Lebensmittel werden rationiert. Der älteste Sohn Mark soll zur Armee eingezogen werden. Doch der geht in den Untergrund und schließt sich den Rebellen an.
Eilishs Schwester in Kanada dringt schon früh auf eine Ausreise. „ …die Geschichte ist eine stumme Liste derer, die nicht wussten, wann sie gehen müssen.“ Doch Eilish kann nicht einfach weggehen. Zu viele Verpflichtungen halten sie zurück. Die Kinder brauchen ihre gewohnte Umgebung, außerdem trägt sie die Verantwortung für ihren zusehends dementer werden Vater, den sie nicht allein lassen kann. Und dann ist ist da immer noch die Hoffnung auf die Rückkehr ihres Mannes.
Als Leser leidet man mit Eilish, aus deren Perspektive wir die Entwicklung verfolgen. Wir hadern mit ihrem Zögern und ihren Entscheidungen und fragen uns gleichzeitig, wie wir in einer vergleichbaren Situation handeln würden.
Es muss noch einiges passieren, bis Eilish sich durchringen kann, das Land zu verlassen. Doch auf legalem Weg ist das nicht mehr möglich, die Grenzen sind dicht. Der Roman endet am Meer, dort, wo aktuell so viele aufbrechen in eine bessere Zukunft.
Dass der Autor das Geschehen ganz konkret in Irland verortet, nicht in einem weit entfernten Land oder in einer fernen Zukunft, macht die Geschichte so beklemmend. Damit macht Lynch deutlich, dass so eine Entwicklung jederzeit und überall passieren kann. Und wie wichtig es ist, die Zeichen der Zeit frühzeitig zu erkennen und richtig zu deuten. Im Grunde beschreibt Lynch nichts Neues. Beispiele aus der Geschichte und der Gegenwart gibt es zu Genüge. Aber es ist notwendig, sich das immer wieder in Erinnerung zu rufen. Demokratie ist nicht selbstverständlich und für sie muss beständig eingetreten werden. Ein Weckruf an uns alle, damit wir uns nicht denselben Vorwurf machen müssen wie Eilish: „ Dein ganzes Leben lang hast du geschlafen, wir alle haben geschlafen, und jetzt beginnt das große Erwachen.“
Das Buch ist keine leichte Lektüre. Es erfordert die volle Konzentration und sein Stil und die verengte Perspektive erlauben keine Distanz. Lynch unterteilt es zwar in einzelne Kapitel, doch dazwischen gibt es keine Absätze. Die starke Rhythmisierung der Sätze und das durchgehende Präsens ergeben eine Dringlichkeit, der man sich als Leser nicht entziehen kann. Dialoge werden nicht durch Anführungszeichen kenntlich gemacht; wer spricht, oder ob es sich um Gedanken oder Gespräche handelt, wird oft nur durch den Kontext deutlich.
Was den Roman neben seiner Thematik aber so besonders macht, ist seine lyrische Sprache. Lynch findet ausdrucksstarke Bilder, die das Grauen fühlbar machen. Die Bedrohung rückt so dem Leser ganz nahe. Dabei arbeitet er mit Leitmotiven und einer starken Symbolik.
Gegen Ende lässt der Autor den titelgebenden biblischen Propheten zu Wort kommen: „ …und der Prophet singt nicht vom Ende der Welt, sondern davon,…, dass die Welt immer wieder aufs Neue an einem Ort endet, aber nicht an einem anderen, und dass das Ende der Welt immer ein lokales Ereignis ist, es kommt in dein Land und besucht deine Stadt und klopft an die Tür deines Hauses, und wird für andere nur eine ferne Warnung, ein kurzer Bericht in den Nachrichten, ein Echo von Ereignissen, das in die Folklore eingegangen ist,…“
Der irische Autor wurde 2023 für diesen Roman mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Völlig zu Recht, wie ich finde. „ Das Lied des Propheten“ ist ein schmerzhaftes Buch, aber ein wichtiges, ein notwendiges; ein Buch, das nicht nur thematisch überzeugt, sondern v.a. durch seine literarische Umsetzung.










