Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gavroche:
Highlight
Am Himmel die Flüsse von Elif Shafak
Dieses Buch ist einfach wunderbar. Elif Shafak verknüpft sehr geschickt unterschiedliche Zeitebenen und Biographien und es gibt immer wieder verbindende Elemente wie das antike Mesopotamien und das Reich der Assyrer und die Tontafeln in Keilschrift, aber über allem steht natürlich das Thema Wasser.
Deswegen fand ich das Zitat auf Seite 148 auch so bezeichnend: "Die Klimakrise ist im Grunde eine Wasserkrise". Darum begleitet uns durch das Buch auch immer wieder ein Tropfen Wasser, der alle Protagonisten "trifft".
Ich fand die Verbindung von London im 19. Jahrhundert zur Zeit der Hochindustrialisierung und der großen Verarmung sowie der immensen Umweltverschmutzung mit dem heutigen London und die Geschichte am Ufer des Tigris mit dem drohenden Dammbau sehr geschickt gemacht und ich mochte auch die immer wieder eingestreuten Zusatzinformationen sehr.
Ich habe jede einzelne Zeile dieses Buches genossen.
Rezensionen von _Le4_:
Highlight
Starling House von Alix E. Harrow
Im Buch geht es um Opal, die immer wieder von Starling House träumt. Aber in Eden, der Kleinstadt, in der sie wohnt, gibt es Gerüchte, die besagen, dass es im Haus nicht mit rechten Dingen zugeht. Sie sollte sich also davon fernhalten und doch steht sie eines Tages davor und trifft dort auf Arthur Starling, den Hüter des Hauses.
Und darin geht es tatsächlich nicht mit rechten Dingen zu. Doch anders als die Bewohner Edens denken, hat es weniger mit Satanismus und viel mehr mit der waschechten Underworld zu tun.
Ich fand dieses Buch ganz ausgezeichnet. Es hat eine fantastische Stimmung, die herrlich hervorkommt durch den Nebel über Eden, die gruseligen Gestalten, die in den Minen hausen und das Haus, das eine ganz eigene Persönlichkeit hat. Vor allem letzteres mochte ich sehr gerne. Das Haus wurde so fabelhaft anthropomorphisiert, dass ich es fast als einen meiner Lieblingscharaktere aufzählen würde. Aber auch Opal und Arthur finde ich ganz wundervoll. Ich liebe es, wenn Hauptcharaktere nicht als wunderschöne, perfekte Menschen beschrieben werden und das konnte dieses Buch definitiv bieten. Es wirkt so einfach viel echter und weniger oberflächlich, wenn sie sich verlieben und sich ihre Einstellung zueinander darauf basierend ändert. Die Liebesgeschichte im Buch mochte ich wirklich gerne, da sie sich langsamer entwickelt hat und die beiden sich trotz aller Widrigkeiten ineinander verliebt haben. Weder Opal noch Arthur sind besonders freundliche Charaktere, aber sie wirken in ihrer Erklärung, wie das zustande gekommen ist und in ihren inneren Gefühlen so liebenswert, dass ich sie trotzdem beide ins Herz geschlossen habe.
Das hervorgehobene Gefühl, eine Heimat zu finden, war einfach wunderschön.
Das Mysterium war unfassbar spannend und das Buch konnte mich total packen und die Gegenspieler wirkten mit ihren skrupellosen und realistischen Einschüchterungsmethoden so herrlich beunruhigend.
Dieses Buch war ein Highlight für mich und ich persönlich kann es definitiv weiterempfehlen.
Rezensionen von Pusteblümchen:
Giulia, Christi und Mattia
Das Schweigen meiner Freundin von Giulia Baldelli
In dem Roman wird das Leben von Giulia, Christi und Mattia geschildert.
Guilia ist zehn, als sie zunächst Christi und dann Mattia kennenlernt. Christi ist zunächst still und zurückhaltend, übt aber eine gewisse Faszination auf Guilia aus. Sie sieht sie nur in den Sommermonaten, wenn sie bei ihrer Großmutter ist, aber auch später kommt und verschwindet Christi immer wieder.
Hier wird über Jahrzehnte das Leben und die Entwicklung der Protagonisten geschildert, wie sie sich im Laufe des Lebens verändern und wie sich die Dynamik zwischen ihnen verändert.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und neben Giulia, Christi und Mattia gibt es weitere, die sie durchgehend begleiten. Da die Geschichte von Guilia erzählt wird, ist sie die stärkste Person, die für mich am besten zu greifen da.
Mir gefiel die Atmosphäre des Dorfes, die der 1990er Jahre und wie sie sich im Laufe der Zeit wandelt. Da ich in etwas in der gleichen Zeit, wenn auch an einem anderen Ort, aufgewachsen bin, konnte ich die Stimmung gut nachempfinden.
Rezensionen von yellowdog:
Ein politisches Coming-of-Age
Egal war gestern von Jörg Isermeyer
Finn ist Schüler, sein Vater Lehrer. An der Schule entsteht immer mehr eine rechte Stimmung, die sich in Schikanen gegen Menschen mit Migrationshintergrund und andersdenkende entwickelt.
Finns Vater fängt an, öffentlich dagegen zu protestieren. Dadurch wird er für manche zum Nestbeschmutzer. Auch Finn bekommt das zu spüren.
Das Jugendbuch beschreibt den Prozess, wie sich die Situation allmählich verschlimmert. Aus anfänglichen Pöbeleien werden massive Drohungen.
Damit eingehend wird auch Finns Entwicklung beschrieben. Er nimmt deutlicher wahr, wie sich die politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge ergeben.
Jörg Isermeyer zeigt das anhand verschiedenster Einflüsse und damit erreicht er ein Gesamtbild. Am wichtigsten ist vielleicht, dass deutlich gemacht wird, das Widerstand und Zivilcourage zeigen auch einen Preis einfordert. Für die Familie wird die andauernde Bedrohungslage schließlich zu viel, aber Finn hat gelernt, dass er für das einstehen muss, an das er glaubt.
Großartig, dass ein Roman das so in einer Gesamtheit deutlich machen kann.
Rezensionen von Gerda:
Eine Undercover Detektivin
Agency for Scandal von Laura Wood
„Izzy Stanhope hat viele Geheimnisse: etwa, dass sie Hals über Kopf in einen Duke verliebt ist, der nicht einmal weiß, dass sie existiert.“
Dieser Satz aus dem Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht. Die Leseprobe gab dann den Ausschlag. Die Geschichte spielt Anfang des 20. Jahrhunderts.
Es ist die Zeit der großen Bälle in England. Hier werden die Ehepartner gesucht. Nun haben wir hier Izzy Stanhope, die aus einer alten Familie abstammt. Sie ist immer noch in Trauer und trägt nur dunkle Kleidung. Auf den Bällen und Veranstaltungen ist sie das totale Mauerblümchen. Doch was steckt dahinter.
Ihr Vater ist verstorben, ihre Mutter schottet sich von der Außenwelt ab. Izzy muss sich nun um ihre Familie kümmern, aber wie? Ihr Vater hat das Familienvermögen verloren. Doch Izzy braucht Geld für die Schule ihres jüngeren Bruders und ihre Mutter. Zum Glück und einem Zufall findet sich eine Lösung. Sie wird angeworben bei einer weiblichen Detektei mitzuarbeiten.
Je mehr ich von Izzy erfuhr, desto sympathischer wurde sie mir. Im Prinzip sind sie, sowie ihre Freundinnen, ganz moderne Frauen. Sie wehrt sich auch, mit einer Heirat, ihre Selbstständigkeit zu verlieren. Die Geschichte ist ein bisschen spannend, die Liebe spielt eine Rolle und ein Duke hat auch seine Geheimnisse. Und es wird auch sehr dramatisch.
Ein netter Roman ohne Längen. Mir gefiel der Roman sehr gut. Wie schön das es eine Fortsetzung geben wird.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Von der Hoffnung auf neue Liebe um die 40
Zwei in einem Leben von David Nicholls
"Zwei in einem Leben" ist schon mein drittes Buch von David Nicholls, davor habe ich "Zwei an einem Tag" und "Drei auf Reisen" von ihm gelesen. Ich schätze an diesem Autor die humorvolle Betrachtung des Lebens, seine liebenswerten Charaktere und die Tiefgründigkeit und Lebensweisheiten, die immer wieder durchblitzen.
So gesehen ist auch "Zwei in einem Leben" ein typisches David-Nicholls-Buch, denn all diese Merkmale weist es auch auf. Wir begleiten Marnie und Michael - sowie etappenweise auch manche andere Personen aus ihrem Freundeskreis - auf einer Wanderung, zuerst im gemeinsamen Freundeskreis und bald zu zweit, von der Westküste zur Ostküste Großbritanniens.
Marnie ist Ende 30 und Lektorin, Michael ist Anfang 40 und Lehrer, beide sind kinderlos und haben gescheiterte Beziehungen hinter sich, kämpfen mit ihren Wunden und Verletzungen aus der Vergangenheit, hoffen auf einen Neubeginn und tun sich doch schwer, sich wirklich dafür zu öffnen. Die Annäherung zwischen den beiden geschieht also sehr langsam.
Insgesamt ist es ein angenehm und leicht zu lesendes Buch. Besonders Fans von Liebesgeschichten kommen auf ihre Kosten, genauso wie Menschen, die die Natur lieben. Denn die einzelnen Etappen der Wanderung werden mit schönen Naturbeschreibungen geschildert und es gibt auch eine Übersichtskarte und viele kleine Abschnittskarten der Wanderungen, mit denen diese sich gedanklich nachvollziehen und bei Gefallen eine ähnliche Tour planen lässt (und darauf macht das Buch definitiv Lust, trotz des geschilderten meist sehr englischen, regnerischen Wetters).
Michael ist mir als Charakter sehr sympathisch, Marnie nur teilweise. Auch wenn sie ihre liebenswerten Seiten hat, versucht sie aus Unsicherheit ständig, krampfhaft humorvoll zu sein auf eine Art, die ich persönlich nicht lustig finde (vielleicht ist das aber auch ein eigener britischer Humor, den ich nicht kenne/teile oder der in der deutschen Übersetzung nicht so gelungen rüberkommt). Damit hat mir das Buch zwar gefallen, aber insgesamt bei mir einen etwas weniger starken Eindruck hinterlassen als die bisherigen Bücher des Autors.
Rezensionen von MarcoL:
Ein literarischer Grenzgang. Was macht den Faschismus so stark? Lesenswert!
Im Land der Wölfe von Elsa Koester
Die Autorin setzt uns hier ein mannigfaltiges Menü an Inhalten, garniert mit aufwallenden Emotionen, vor. Der Teller ist reichhaltig gedeckt mit politischen, sozialen und gesellschaftskritischen Themen, und manchmal fragt man sich beim Lesen dann schon: ne, oder? Zum Glück siegt dann immer das „ne“, aber zeitweise spielt Elsa Koester mit uns, lässt uns viel Spielraum für unsere eigene Meinung vom Text.
Besonders die Handlungsweisen und Affinitäten ihrer Hauptprotagonistin Nana erzeugen immer wieder mal ein Kopfschütteln und vor allem die Frage, für welche Partei ihr Pendel ausschlagen wird. Geht es hier um eine klare Anprangerung, Abgrenzung vom Rechtsextremismus in Deutschland oder um den subtilen Versuch, diesen verständlich zu machen.
Aus diesem Gesichtspunkt alleine ist der Roman von einem besonderen Spannungsbogen durchzogen. Und so hoffte ich doch sehr, den Inhalt richtig interpretiert zu haben um meine Begeisterung hier kund zu tun (aber ein Prozent Restunsicherheit bleibt, und wenn das von der Autorin so gewollt ist, dann lüfte ich ganz tief meinen imaginären Hut, was ich eigentlich auch so tue). Kurzum: Koester beleuchtet in einer sehr flüssig zu lesenden Geschichte, wie es heutzutage zu einem solchen Erstarken des Faschismus‘ kommt. Es zieht einen wirklich mit hinein, man bleibt immer auf Abwehrhaltung und der Ekelpegel gegenüber den Nazis steigt kontinuierlich.
Besonders bei Szenen, in welchen Nana eine gewisse Nähe zu Falk Schloßer, der sich ganz rechts außen befindet, entwickelt, bricht das oben schon erwähnte „ne, oder?“ heftig durch.
Die Rahmenhandlung spielt in einer Stadt am äußersten Osten von Sachsen. Der Wahlkampf ist entbrannt. Nana möchte als Coach die Zukunftsgrünen mit deren Kandidatin Katja stärken. Diese hatte es binnen weniger Jahre auf Umfragewerte von knappen dreißig Prozent geschafft, und hat klare Ziele vor Augen. Einen rechter Bürgermeister, der eine sehr stark zunehmende Gefolgschaft aufweisen kann, gilt es zu verhindern.
Nana wird allerdings von Katja auf Distanz gehalten. Ihre Verzweiflung auf die Gesellschaft, und ihr Zerwürfnis mit ihrem Bruder, lassen sie Pirouetten drehen, in denen sie sich selber fremd vorkommt. Was möchte sie wirklich? – Symbolisch: was möchten die Menschen wirklich. Und warum? Hetze contra gesunden Menschenverstand. Ausländerfeindlichkeit versus Integration. Die großen Themen (und sehr bedrückenden Themen unserer Zeit) sind der Hauptgang in diesem Gericht, die menschliche Zerrissenheit die Beilage.
Lange habe ich über dieses Buch nachdenken müssen, und der Verlag behauptet im Klappentext selber: „Im Land der Wölfe“ ist ein literarischer Grenzgang. Dem kann ich nur zustimmen und gebe eine absolute Leseempfehlung für diesen aufwühlenden und nachdenklich machenden Roman!
Rezensionen von brauneye29:
Auch wieder gut
Im Land der Wölfe von Elsa Koester
Zum Inhalt:
Diesmal geht es um Autumn die eher schweigsam und ruhig ist. Auf der elterlichen Farm mit den Pferden fühlt sie sich am wohlsten und zeiht die Pferde auch den Menschen vor. Einzig der Pferdepfleger Max darf etwas näher kommen. Durch eine unbedachte Bemerkung erfährt sie von der Geschichte ihrer Mutter, die ihre Herkunft hartnäckig verschweigt.
Nun will Autumn mehr wissen.
Meine Meinung:
Der nunmehr dritte Teil um die Seasonsisters ist irgendwie schon so völlig anders als die vorherigen, was aber eher gut war, weil diese Rückblicke auf die Familie und was damals wirklich geschah, total interessant waren. Eigentlich fand ich sogar die Rückblicke sehr viel interessanter als die Gegenwart, aber auch die hatte etwas. Gerade auch, was den Besuch bei der Großmutter oder auch der Kampf mit der Mutter um die Vergangenheit und der Herkunft anging. Gelesen war das Hörbuch sehr gut.
Fazit:
Auch wieder gut
Rezensionen von Petra Sch.:
Politkrimi mit viel Bezug zur realen Vergangenheit
Freunderlwirtschaft von Hartlieb Petra
4,5 Sterne
Ein toter Minister - genau das, was Alma Oberkofler, die Polizistin geworden ist, weil ihre ältere Schwester verschwunden ist, als sie selbst 12 Jahre alt war, in ihrer ersten Arbeitswoche als Leiterin der Abteilung Leib und Leben am Wiener Landeskriminalamt nicht braucht.
War der Tod von Max Langwieser, dem jungen Bundesminister für Landwirtschaft, Generationen und Tourismus, der mit aufgeschlagenem Schädel (an seinem Designer-Glastisch) nun tot in seiner glamourösen Wiener Wohnung liegt, nur ein Unfall? Oder doch Mord?
Wo ist seine Verlobte Jessica Pollauer - und warum kann niemand sie erreichen?
Wo ist Max Langwiesers Arbeitslaptop, auf dem sensible Daten gespeichert sind?
Und warum bekommt Alma den Verfassungsschutz zur Seite gestellt, der aufpasst, dass eigentlich nicht ermittelt wird, weil es ja offensichtlich ein Unfall war? Was soll vertuscht werden?
Fragen über Fragen, die in einer - gerade für Österreicher/innen - sehr unterhaltsamen Geschichte nach und nach aufgedeckt werden.
Es wird das Portrait einer jungen Politik-Generation gezeichnet, die sich alle aus ihrer Jungend im Burgenland kennen, und die mit viel Elan euphorisch die starren Strukturen der österreichischen Politik verändern wollten. Doch wie so oft an Macht und Gier gescheitert sind.
Denn, wie es so ist ist in der (nicht nur österreichischen) Politik: wenn einer einen kennt, der wen kennt, kann man Geld machen. In einem einfachen Wort ausgedrückt: Freunderlwirtschaft. Das trifft es ganz genau, leider auch in der Realität, wie man immer wieder präsentiert bekommt und auch sehr gut aus der Vergangenheit kennt- wenn nämlich die schlauen Herren doch nicht so schlau waren und aufgeflogen sind. Diese sogenannten Saubermänner - allesamt mit Dreck am Stecken. Gut, ich hört schon wieder auf zu lästern, so genau will man da eigentlich eh nicht drüber nachdenken.
Und auch wenn die Autorin betont, dass die gesamte Geschichte von ihr frei erfunden ist, erkennt man doch sehr vieles aus dem echten Leben aus der Vergangenheit von Österreichs Politik wieder. ;)
Etwas unglaubwürdig fand ich Jessicas Flucht, wo sie gelandet ist, und dass sie genau dort auf eine Österreicherin trifft, die sie ganz selbstlos bei sich aufnimmt und ihr beim Ermitteln hilft.
Auch Almas Vorgeschichte hätte es eigentlich nicht gebraucht, denn aufgelöst wurde es nicht.
Und obwohl ich es normalerweise lieber mag, wenn alles aufgeklärt wird, bin ich mit dem (halb-)offenen Ende hier doch zufrieden, denn man kann sich selbst ausmalen, was passieren wird (oder eher nicht), denn es entspricht (leider) der Realität. Und ändern wird sich sowieso nix.
Fazit:
Ein unterhaltsamer, sehr realitätsgetreuer Politkrimi über den Tod eines Ministers, infolge dessen die skandalösen Vorgänge in Österreichs Politik aufgedeckt werden.
Gerne würde ich mehr von Alma Oberkofler lesen!
Rezensionen von heinoko:
Ein kleines Buch mit großer erzählerischer Kraft
Die Gräfin von Irma Nelles
Ein kleines Buch von großer erzählerischer Kraft
Das dünne Büchlein hat ein wunderschönes, ruhiges, den Blick in die Weite lenkendes Cover – allein dieses Äußere sagt sehr viel über den Inhalt aus. Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich mich eingefunden habe in die Art des Erzählens. Die Autorin, die erst im höheren Alter diesen Roman schrieb, hat eine besondere Fähigkeit, sehr viel zwischen den Zeilen zu vermitteln.
Aber es braucht innere Ruhe, um ihr zu folgen und den Reichtum im Ungesagten zu entdecken.
Es werden 6 Tage geschildert, kein Vorher, kein Nachher, nur 6 Tage im Leben der historisch verbrieften und von Geheimnissen und Mythen umgebenen Hallig-Gräfin Diana von Reventlow-Criminil. Wir haben das Jahr 1944. Die Angst vor den Nazis und gleichzeitig der beharrliche Stolz der Insulaner weht durch die Seiten. Es sind heiße Tage, die Hitze liegt auf dem Meer wie eine schwere Last. Ein englischer Pilot, ein Feind, stürzt mit seinem kleinen Flugzeug ins Watt. Der Hund der Gräfin wittert lange vor den Menschen dieses ungewöhnliche Ereignis. Die Gräfin und Maschmann, ihr getreuer Helfer, ziehen den bewusstlosen Piloten aus seiner Kanzel und bringen ihn auf die Warft. Meta, die seit vielen Jahren das zurückgezogene Leben der Gräfin teilt, pflegt mit Hingabe den Fremden. Diese kleine Gemeinschaft an Menschen erfährt durch die Anwesenheit des Fremden auf sehr individuelle Weise innere Unruhe…
Es passiert nicht allzu viel auf diesen 170 Seiten. Nicht viel, wenn man auf dramatische Ereignisse wartet. Und doch packte mich beim Lesen eine innere Spannung, denn im Grunde geschieht enorm viel, wenn man sich Zeit dafür nimmt zu erspüren, was die Autorin so geschickt zwischen den Zeilen versteckt. Das Kammerspiel am Meer in einer dunklen historischen Zeit zeichnet Menschen mit unaufgeregtem Mut. Es wird nichts totgeplappert, sondern nur das Nötigste geredet. Die Kostbarkeit der Wörter zeigt sich in der leidenschaftlich klassische Texte zitierenden Gräfin. Und es wird fein beobachtet. Und so findet man im Buch wunderbare Landschaftsschilderungen, Stimmungen am Meer und feinfühlig skizzierte Szenen. Der manchmal etwas spröde Sprachstil in seinem besonderen Charme passt genau zu den Menschen, ebenso die eingestreuten plattdeutschen Einwürfe, die spätestens beim laut Vorlesen gut verständlich werden.
Dieses kleine große Buch hat eine immense Kraft, weil es nach der Lektüre, gerade weil der Text irgendwie unvollständig wirkt, noch lange nachtönt und man geneigt ist, über die 6 Tage hinaus die Geschichte in der Fantasie weiter zu träumen.










