Kunden em pfehlungen
Rezensionen von brauneye29:
Spannend erzählt
Seven Ways to Tell a Lie von Colin Hadler
Zum Inhalt:
Ein Video erschüttert die Highschool: ein Schulbus stürzt in eine Schlucht, geht in Flammen auf und niemand überlebt. Jonah traut seinen Augen nicht, denn er ist auch im Video zu sehen zusammen mit seinem besten Freund, heißt diesen Unfall hat es nie gegeben. Es muss sich um einen Deepfake handeln und scheinbar ist jemand hinter dunkelsten Geheimnisssen her.
Meine Meinung:
Diese Vorstellung, dass solche Deepfake-Videos immer mehr werden können, hat schon etwas beängstigendes, aber leider wird das wohl irgendwann erschreckende Realität werden. Das Buch wird aus Sicht von Jonah erzählt, der wirklich authentisch dargestellt wurde und sympathisch wirkte. Hier wird auch der Fall der verschwundenen Enya, über deren Verschwinden Jonahs Clique zerbrach zum Thema, doch jetzt ist es wichtig, dass die Clique wieder zusammen findet, um zu klären, was mit den Videos bezweckt werden soll. Es gibt immer wieder Wendungen, die alles in ein anderes Licht rücken. Das Buch ist spannend und gut geschrieben.
Fazit:
Spannend geschrieben
Rezensionen von Sina:
Subtiles Kammerspiel
Drei Wochen im August von Nina Bußmann
In ihrem Roman »Drei Wochen im August« stellt Autorin Nina Bussmann ihr feinsinniges Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen unter Beweis.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Elena und ihrem Kindermädchen Eve. Nachdem Elena das Angebot, drei Wochen im Haus einer alten Freundin an der französischen Atlantikküste zu verbringen bekommt, beschließt sie anzunehmen.
Ihr Mann, immer mit Arbeit beschäftigt und wenig an sozialen Interaktionen interessiert, bleibt zunächst allein daheim. Zusammen mit Elenas Kindern und einer Freundin der Tochter machen sich die zwei Frauen auf die Reise.
Doch dort angekommen, schließen sich bald ein paar ungebetene Gäste der kleinen Runde an.
Die Handlung ist in diesem psychologisch stark aufbereiteten Roman nur zurückhaltende Nebensache. Im Vordergrund stehen allem voran die komplexen Beziehungsgeflechte der Figuren, deren inneren Konflikte und die zum Ende hin immer stärker bröckelnde und mühsam aufrecht erhaltene Fassade der Frauen.
Man kann deutlich das Machtgefälle zwischen ihnen spüren, die Eifersucht um die Gunst um Elenas Kinder oder die der Männer.
Ungefähr ab der Mitte des Buches nimmt das Geschehen eine subtil düstere bis fast schon bedrohliche Atmosphäre an, die Kapitel wirken zeitweise abstrakt und erinnern an einen Fiebertraum.
Die klare, schnörkellose Sprache bringt das Geschehen ohne große Umschweife direkt auf den Punkt und lässt die Leser*innen dennoch nicht selten fragend zurück, was hier eigentlich vor sich geht.
Mich konnte der Roman durch seine tiefgreifende psychologische Darstellung der Beziehungsdynamiken überzeugen.
Wer Freude an eher ungewöhnlicher Literatur hat und nicht auf alle Fragen eine Antworte braucht, wird mit diesem Buch auf jeden Fall einige bereichernde Lesestunden haben.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Lesenswerter Einblick in die Gedankenwelt und das Leben von Phil Dick
Ich lebe und ihr seid tot von Emmanuel Carrère
Wer war Phil Dick?
Philip K. Dick, der oft auch unter Psydonymen veröffentlichte, war ein bekannte US-amerikanischer Science Fiction Autor, der immense viele Romane und Erzählungen veröffentlicht hat.
Du bist mit seinem Werk bestimmt auch schon in Berührung gekommen, zumindest wenn du die Filme „Blade Runner“ oder „Total Recall“ kennst, die auf Geschichten von ihm basieren.
Auch der Mega Blockbuster „Matrix“ und seine Prequels basiert auf seinen Ideen.
Phil Dick kann als einer der großen Ideengeber für futuristische und philosophische Film-und Fernsehproduktionen gesehen werden.
Wer aber war Phil Dick wirklich? Woher bezog er seine Ideen, wie hat er gelebt und wie sah seine Glaubenswelt aus?
Der französische Journalist und Schriftsteller Emmanuel Carrère, den ich seit seiner Gerichtsreportage „V13 - Die Terroranschläge von Paris“ sehr bewundere, hat über diesen Menschen und sein Umfeld ein Buch geschrieben, das er selbst als Romanbiografie definiert. Ich persönlich finde, das Buch hat mehr einen Sachbuchcharakter, auch wenn Carrère einzelne Passagen aus Dicks Leben und Werken mit fiktionaler Freiheit erzählt.
Das Krasse ist, dass das Buch in Frankreich bereits 1993 erschien und jetzt nach 32 Jahren (!!!) ins Deutsche übersetzt wurde. Das spricht für eine ungebrochen Faszination und einem Interessse an Phil Dick und seinen Fantasiewelten. Aber auch für die Kunst und das Talent von Carrère, denn beim Lesen dieser zeitlosen Biografie macht das Erscheinungsjahr keinen Unterschied.
Carrère erzählt Dicks Leben chronologisch und beginnt mit seinem ersten einschneidenden und prägenden Ereignis nach seiner Geburt. Und das ist der Tod seiner nur wenige Monate alten Zwillingsschwester Jane unter tragischen Umständen. Dick wird Zeit seines Lebens von einer Art Parallelexistenz besessen sein, vom Glauben an eine Art gespiegelten Leben, das in den Erzählungen vom Tod seiner Schwester seinen Anfang nahm.
Dick wächst in Berkeley, damals die rote Hauptstadt der USA und in einem von marxistischem Dialekt geprägten Umfeld, obwohl er als junger Erwachsener als Reaktionär gilt. 1952 veröffentlicht er seine erste Erzählung.
Anfang der 60er entdeckt er die Pforten der Wahrnehmung.
Es ist die Zeit der Bewusstseinserweiterung, die Ära von Huxley, LSD und Meskalin.
„Lovecraft hatte gewarnt: Wenn wir alles wüssten, würden wir vor Entsetzen wahnsinnig werden.“
In den Werken von Phil Dick, der manchmal als Drogen-Autor beschrieben wurde, geht es viel um das Erkennen der „echten“ Wirklichkeit, sie sind demaskierend und desillusionierend und in der Handlungsführung mit komplexen und spannenden Aufbau.
Dick wurde viel von den spirituellen Strömungen seiner Zeit geprägt, so befragte er zeitweise regelmäßig das I Ging, nicht nur für sein eigenes Leben sondern auch für die Weiterführung der Handlung in seinen Romanen.
Oft habe ich mich beim Lesen gefragt, wie wohl die Entwicklungen unserer heutigen Zeit gerade im Bereich Künstliches Bewusstsein und Intelligenz auf Phil Dick gewirkt hätten. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass die Übersetzerin Claudia Hamm in einer Anmerkung von 2025 kurz darauf eingeht.
Sie erwähnt auch, dass in Übereinstimmung mit Carrère einige Kürzungen vorgenommen wurden, was ich sehr begrüße, denn ich kann ich nicht leugnen, dass das immer noch 360 Seiten umfassende Buch für mich einige Längen aufwies und das Lesen einige Zeit in Anspruch nahm.
Dennoch war „Ich lebe und ihr seid tot“ für mich eine sehr bereichernde und informative Lektüre war, die mir gut gefallen hat. Carrère gibt mit Phil Dicks Biografie nicht nur Einblicke in eine spannende Zeit in den USA, als vieles im Umbruch war, sondern auch in eine Gedankenwelt, die sowohl visionär als auch verwirrt war.
Oder um es mit Phil Dicks Worten zu sagen:
„Es ist manchmal eine angemessene Reaktion auf die Realität, verrückt zu werden.“
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Das Portrait einer Beziehung am breaking point - einfühlsam und lesenswert
Zehn Bilder einer Liebe von Hannes Köhler
Es gibt Bücher, da finde ich das Cover so ansprechend, dass ich sie unbedingt lesen will. Das Cover von „Zehn Bilder einer Liebe“ ist so eines. Es zeigt zwei verschlungene Menschen und es ist nicht klar erkennbar, ob sie gerade kämpfen oder sich umarmen. In Verbindung mit dem Titel ist das für mich eine vielversprechende Kombination.
Und Hannes Köhler lässt in seinem vierten Roman sein Liebespaar David und Luisa eine massive Krise durchlaufen, so dass beide nicht mehr wissen, ob sie sich noch lieben, oder schon gegeneinander kämpfen. Oder beides.
David und Luisa werden ein Liebespaar, als beide schon Beziehungen hinter sich haben und die etwas ältere Luisa hat bereits eine Tochter.
In 10 Bildern oder Kapiteln erzählt Köhler die Geschichte der beiden, beginnend von ihrer allerersten Begegnung und ihrer Vergangenheit und kommt dabei immer wieder auf ihren aktuellen großen Tiefpunkt zurück.
Der stellt sich ein, als in David der Wunsch nach einem eigenen gemeinsamen Kind mit Luisa aufkommt. Er hat Angst sich mit ihrer Tochter Ronya zu sehr zu verbinden und sie nach einer möglichen Trennung komplett zu verlieren. Im Laufe des Romans merkt er allerdings, dass diese Distanz zu Ronya im täglichen Zusammenleben nicht aufrecht zu erhalten ist.
Auch Luisa ist bereit für ein gemeinsames Kind mit David, wenn auch vielleicht nicht genauso begeistert. Doch der Kinderwunsch der beiden erfüllt sich nicht ohne Weiteres.
Die missglückten Versuche in der Kinderwunschklinik und der unerfüllte Kinderwunsch stürzen David in eine schwere Krise und erschüttern sein Selbstverständnis und die Beziehung.
Mir gefällt es sehr gut, wie sensibel Köhler mit diesem emotionalen Thema umgeht und den Kinderwunsch nicht zum alleinigen Grund für die Probleme von David und Luisa macht.
Denn hinter dem Kinderwunsch stecken eine ganze Reihe von komplexen und zum Teil nicht eingestandener Wünsche und tief verankerte Glaubenssätze über Familie. Köhler legt diese Verbindungen offen und hat mit Davids und Luisa zwei wunderbare vielschichtige Protagonist*innen geschaffen, deren Liebe und Persönlichkeit authentisch und nahbar ist.
Durch den Kinderwunsch des Paares materialisieren sich auch ihre alte Rollenbilder, die oft immer noch in auch in die moderne Beziehungen von David und Luisa einwirken.
“All diese Modernis, dachte sie, die sich Feministen nannten, von Equal Pay und gleichberechtigter Partnerschaft quatschten, zeigten ihr wahres Gesicht, wenn die Kinder mit unerbittlicher Härte das Dasein forderten, einen Körper, auf den sie rotzen, kotzen und scheißen konnten.”
Ebenfalls sehr gelungen finde ich wie „Zehn Bilder einer Liebe“ hinterfragt, was Familie jenseits von Trauschein heute eigentlich bedeuten kann und verhandelt ihren eigentlichen Wesenskern.
“Sie hasste das Wort Familie. Familie war Zwang, war Blut und Genetik, war Schweigen, schlecht versteckte Abneigung. Aber das, dieser Mischmasch aus ihnen dreien, das war etwas, für das ihr ein besseres Wort fehlte, etwas, auf das sie das alte, verfluchte Wort vorsichtig setzen konnte, ohne dass es sich nach Ersticken anfühlte. Einzeln sein und doch etwas Gemeinsames.
Aber weil man es wollte, nicht weil man musste.”
Hannes Köhler schreibt sowohl aus Davids als auch aus Luisas Perspektive und ich finde beide Gedankenwelten gleichermaßen gelungen und nachvollziehbar. Er zeigt in den zehn Bildern nur einen Ausschnitt ihrer gemeinsamen Geschichte und ich hätte die Geschichte des Paares gerne noch ein bißchen weiter in die Zukunft verfolgt.
Aber der Schlusspunkt ist gleichzeitig auch perfekt gesetzt, weil er so meiner eigenen Phantasie überlässt, wie es mit den beiden weitergeht. Und das warme Gefühl mit dem ich den Roman nach dem Beenden weglege, lässt in mir keinen Zweifel an meiner persönlichen Zukunftsversion für die beiden.
Das Cover versprach einen wunderbaren Roman und hat mich nicht getäuscht. Zehn Bilder einer Liebe hat mir sehr gut gefallen und sorgt dafür, dass ich den Schriftsteller Hannes Köhler auf meiner Watchlist behalten werde.
Rezensionen von gabiliest:
Siehst Du nicht schon das Verderben....
Ginsterburg von Arno Frank
Mit seinem Roman “Ginsterburg” hat Arno Frank einen großartigen Roman über die Ereignisse der Zeit zwischen 1935 und 1945 geschrieben. Schon das eindrucksvolle Hardcover zeigt, dass sich der Krieg auch dieser deutschen Kleinstadtidylle nähern wird und dass es kein Entrinnen gibt.
Arno Frank erzählt durch seine Protagonisten von der Entmenschlichung dieser Jahre in Miniaturen, die sich jedoch in ihrer Gesamtheit zu einem Tableau des Schreckens vereinen.
Noch scheint der Krieg in weiter Ferne, doch die Indoktrinierung hat bereits begonnen. Lothar Sieber, der vom Fliegen träumt, tritt der Hitlerjugend bei, obwohl er ein nachdenklicher Junge ist, der gemobbt wurde. Denn die Uniform hat Macht verliehen, den brutalen Söhnen des Kreisleiters, dem Kreisleiter selbst, der nicht zögert, ein Jagdschloss zu requirieren, aus dem Juden vertrieben wurden. So war das, sie waren einfach fort. Und haben dabei noch gewinkt, was für eine Frechheit! Auch Eugen von Wieland, ein dem Regime anfangs kritisch gegenüber stehender Journalist des Ginsterburger Anzeigers, nimmt gerne die Karriere und die Privilegien an, als er Schriftleiter werden und für die Partei arbeiten kann. Manche, wie Eugens Frau und seine Tochter, sind sowieso schon von der neuen Ideologie begeistert und verblendet.
Otto Gürckel, im Zivilberuf Blumengroßhändler, nunmehr Kreisleiter, ist bestrebt, die Kleinstadt Ginsterburg kriegstauglich zu machen. Doch der Krieg ist noch weit weg, solange seine Söhne nicht an der Front stehen. Journalist Eugen, der auch an der Front noch das Schöne sucht, wird mit einem Kriegstrauma zurückkommen und auch im Privaten seinen Opportunismus nicht ablegen. Menschliche Tragödien stehen neben Pragmatismus und Herzlosigkeit. Ein behindertes Kind, das ist eine Ballastexistenz, also ab in eine Anstalt. Daneben röhren die Silberpfeile und im Lichtspieltheater kann man Heinz Rühmann bewundern.
Der Ablauf des Geschehens wird akribisch beschrieben, denn nur wenn es gelingt, das Böse in seiner Gesamtheit darzustellen, braucht man es nicht beim Namen zu nennen. So wird es oft wie nebensächlich hingeworfen. Stabsarzt Hansemann, der stolz einen drei Monate alten Fötus im Reagenzglas zeigt, der erste induzierte Abort, die schwachsinnige Mutter käme ihr Töchterchen manchmal besuchen. Später wird er Gefallen an furchtbaren Experimenten finden. Kraniche,- in vielen Kulturen Symbol des Friedens- die unter Feuer genommen werden, es ist langweilig, kein Feind in Sicht. Die Wahrsagerin Zola, die das Unheil kommen spürt, als sie die Hand des Kreisleiters hält. Zola, die dem Wahnsinn verfällt; zwar vor Hansemann gerettet, aber später als katatonische Wachsfigur in Paris ausgestellt. Der Irrsinn in all seinen Facetten, eingebettet in ein eigentlich beschauliches Leben in einer Kleinstadt- und doch, die Vorahnung verheißt Unheil, holt alles von den Dachböden, macht die Keller bombensicher!
“Ginsterburg” ist ein Roman, der es den Lesenden nicht leicht macht. Sehr viele Charaktere stehen symbolhaft für die jeweilige Art, wie das Regime Menschen verfolgt und wie es gelingt, von der neuen Ordnung zu profitieren. Hier wäre ein Namensverzeichnis hilfreich gewesen. Besonders fehlt ein Epilog, der verdeutlicht, was in diesem Roman historische Realität und was Fiktion ist. Die Stärke des Romans aber liegt in seinen gekonnten Umschreibungen des Unmenschlichen und so Unabwendbaren. Selbst Eugens Vater, ein Kriegsveteran, kennt den Sinn des Krieges nicht mehr, vor einiger Zeit habe er ihn doch noch gewusst. Und ist der Krieg die Hölle? Nein, er ist schlimmer, erkennt Lother Sieber, der für seine Tapferkeit ausgezeichnete Pilot, der viele feindliche Flugzeuge abgeschossen hat. Gewissensbisse? Eigentlich nicht, denn da gab es einen Punkt, an dem er aufhörte, die feindlichen Flieger als Menschen zu betrachten. So ist “Ginsterburg” ein Aufschrei gegen den Krieg, gegen Faschismus und Unmenschlichkeit.
In seinem tiefgründigen und doch so viel Persönliches erzählenden Roman stellt Arno Frank den Lesenden die Frage, ob die Menschen das Unheil kommen sehen konnten, wie weit die eigene Verantwortlichkeit geht und wie Menschen scheinbar ohne Gewissen ihren Mitmenschen begegnen konnten. Dazu braucht er keine lauten Töne, es entstehen subtil realitätsnahe, oft erschreckende Menschenbilder. In einem Zeitungsbericht am Ende des Buches aus dem Jahr 2025 macht der Autor auch klar, wie wenig die Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet wurde. Wie ein Hohn erscheint es, dass ein Gymnasium nach Dr. Hansemann benannt ist.
Für mich ist “Ginsterburg” einer der besten Romane, die ich über diese Zeit gelesen habe. In einzelnen Szenen, die immer wieder bedingen, sich mit den Protagonisten , ihren Lebenswelten und ihren Schicksalen auseinander zu setzen, entsteht das Bild einer Epoche, die vielen Menschen keine Wahl ließ, über ihr Leben zu bestimmen, die die Frage aufwirft, ob es für sie Raum gab, menschlich zu bleiben. So wie sich der abstürzende britische Bomberschütze unaufhaltsam dem deutschen Boden nähert, nach jeder beschriebenen Zeitspanne etwas mehr, so hat der Sog dieser Zeit so viel Leid, Unglück und persönliches Versagen hervorgebracht. So viel verschwendetes Leben!
Soll man Bücher über diese Zeit heute überhaupt noch lesen? Solche Bücher muss man lesen! Wider das Vergessen und dankbar dafür, diese Schrecknisse nicht selbst erlebt zu haben. Von mir daher eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.
Rezensionen von Streiflicht:
Magisches Fantasybuch für Kinder
Flora Magica (Band 1) - Das Geheimnis der Nachtschatten von Vanessa Walder
Da ich schon einige Bücher von Vanessa Walder kenne, vor allem ihre Tierbücher, und sehr, sehr mag, war ich natürlich gespannt auf dieses Buch. Ein völlig anderes Genre, andere Idee, anderer Ansatz und doch ist eins gleich: auch dieses Buch hat mich wieder total begeistert, gefesselt und sehr berührt.
Ich habe gelächelt, mich gefreut, mitgelitten und auch ein paar Tränchen vergossen - man merkt, die Autorin hat es drauf, ihre Leser mit auf eine ganz besondere Reise zu nehmen, sie total in die Geschichte zu ziehen und sie für die Figuren zu begeistern.
Ich war so hin und weg vom Buch, dass ich es komplett an einem Abend gelesen habe. Dabei wollte ich nur mal kurz reinschauen, weil ich eigentlich schon total müde war ... das sagt auch alles, oder? Am liebsten hätte ich direkt weitergelesen und nicht nur diesen Reihenauftakt inhaliert.
Abgesehen von der Geschichte, die mir total gut gefallen hat, und den vier jungen Protagonisten haben mich auch die anderen Figuren gut unterhalten. Die Aufmachung des Buchs ist aber wirklich ebenfalls sehr besonders. Schon das Cover ist ein Hingucker mit den wunderbaren Pflanzen, die Kindern und der silberfarbenen Schrift. Im Buch bestechen wunderbare Zeichnungen in schwarzweiß. Da hat Illustratorin Marie Beschorner wirklich gezaubert und wirklich Magisches geschaffen. Das passt so super zum Text und der Geschichte, das ist echt toll. Eine tolle Idee fand ich im Cover innen die Ahnentafel der Familie Cunabula, die auf einen Blick einen Überblick schafft.
Fazit: Ein wirklich gelungenes Werk, das sofort in mein Regal einziehen darf und schon jetzt auf Gesellschaft der Folgebände wartet!
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
Ich, Kleopatra, und die alten Ägypter - Live aus dem Land der Pyramiden von Frank Schwieger
Kennt ihr die Geschichte-Reihe rund um bekannte Persönlichkeiten, die in Steckbriefform witzig erzählt werden? Wir wurden erst vor kurzem auf die Reihe aufmerksam, auch weil der ältestese Zwerg ja gerade erst 10 wurde. Gespannt haben wir uns durch das alte Ägypten gelesen. Auch wenn der Titel Kleopatra in den Mittelpunkt rückt, geht es um ganz unterschiedliche Persönlichkeiten im alten Ägypten.
Zunächst gibt es bei jeder Person einen Tagebucheintrag, dann eine Geschichte. Diese entführten uns in die Pyramiden, in die Welt der Götter und mitten in machtpolitischen Streitigkeiten rund um Thronfolge und co. Vor allem die Einbindung der Göttersagen fanden wir richtig spannend. Sie sind echt toll geschrieben, und auch die Länge ist angenehm. Manche Geschichten hängen auch zusammen- deshalb einfach klassisch von vorne nach hinten lesen oder sich seine Lieblingsperson heraussuchen und bei Unklarheit zur anderen Person zurückblättern.
Als Erwachsener hat mir auch gut gefallen, wie historische Unklarheiten aufgenommen und gelöst werden. Auch die Bilder sind super! Lest einfach selbst hinein!
Rezensionen von brauneye29:
Absoluter Pageturner
Der Gott des Waldes von Liz Moore
Zum Inhalt:
Im Sommer 1975 beschwindet Barbara, Tochter einer reichen Familie, aus einem Camp. Eine groß angelegte Suche bringt keinen erfolg, Barbara bleibt verschwunden. Die Betreuerinnen machen sich große Vorwürfe. Was besonders merkwürdig ist, vierzehn Jahre zuvor ist ausgerechnet der Bruder von Barbara auch von dort verschwunden.
Zufall? Oder was steckt dahinter?
Meine Meinung:
Mal wieder ein ziemlicher Wälzer, aber einer der sich lohnt. Hier haben wir eine spannende Geschichte, die nicht nur die Polizeiermittlungen detailreich schildert sondern nebenher auch ein Gesellschaftsbild zeichnet. Ob ich das Buch unbedingt als Thriller bezeichnet hätte, weiß ich nicht, denn der typische Thrillerleser könnte sonst vielleicht enttäuscht sein und das wäre dem Buch nicht gerecht. Denn das Buch ist schon sehr spannend, es werden Spuren gelegt, die aber nichts vorweg nehmen, man rätselt bis zum Ende mit. Der Schreibstil ist mitreißend und trotz der Länge liest es sich flott weg.
Fazit:
Absoluter Pageturner
Rezensionen von Bücherfreundin:
Das Vermächtnis
Mickey und Arlo von Morgan Dick
In ihrem Debütroman "Mickey und Arlo" erzählt die kanadische Autorin Morgan Dick die Geschichte zweier Frauen, die sich begegnen und nicht ahnen, dass sie Halbschwestern sind.
Aus der Zeitung erfährt Mickey Morris, dass ihr Vater, Adam Kowalski, nach langer und schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren verstorben ist und seine Ehefrau Leonora und die Tochter Charlotte hinterlässt.
Die Nachricht trifft sie nicht besonders, da ihr Vater sie und ihre Mutter verlassen hat, als sie 7 Jahre alt war und ihnen hohe Schulden hinterließ. Das ist lange her, mittlerweile ist Mickey 33 Jahre alt, arbeitet seit 12 Jahren mit viel Freude und Hingabe als Lehrerin einer Vorschulklasse und hat ein ernstes Alkoholproblem. Sie fällt aus allen Wolken, als sie einen Anruf vom Anwalt ihres Vaters erhält, der ihr mitteilt, dass sie 5,5 Millionen Dollar erbt unter der Voraussetzung, dass sie innerhalb von drei Monaten sieben Psychotherapiesitzungen absolviert.
Auf einer zweiten Erzählebene begegnen wir Arlo, einer 25-jährigen geschiedenen Psychotherapeutin. Sie hat ihren alkoholkranken Vater bis zu dessen Tod gepflegt und kann nicht begreifen, dass sie in seinem Testament keine Erwähnung findet. Als Mickey zu ihrer ersten Therapiesitzung bei Arlo erscheint, ahnen die Frauen nicht, dass sie ihrer Halbschwester gegenübersitzen, von deren Existenz sie zwar wissen, sie aber nie kennengelernt haben ...
Die Geschichte mit den Schwerpunktthemen Alkoholabhängigkeit, Verlust und Trauer ist in einfacher Sprache abwechselnd aus der Sicht von Mickey und Arlo erzählt. Sie ist stellenweise humorvoll und liest sich sehr flüssig. Nach und nach lernen wir die Protagonistinnen kennen, die geprägt sind von sehr unterschiedlichen Erfahrungen mit ihrem Vater. Mickey ist die verlassene und bindungsunfähige Tochter, die in materiell eher ärmlichen Verhältnissen bei ihrer Mutter aufgewachsen ist. Die vom Vater an sie weitergegebene Alkoholsucht will sie nicht wahrhaben. Arlo hingegen lebte in materieller Sicherheit, wurde vom wohlhabenden Vater verwöhnt und tat alles, um ihm zu gefallen, bis hin zur Aufopferung während seiner letzten Lebensmonate.
Die Autorin beschreibt die Gefühls- und Gedankenwelt der Frauen sehr intensiv, wir erleben außer den Therapiestunden nicht nur, wie sie sich behutsam einander annähern, sondern auch ihre unterschiedlichen Erinnerungen an den Verstorbenen, ihre Trauer und Wut. Mickeys Alkoholabhängigkeit bleibt sowohl privat als auch im beruflichen Bereich nicht folgenlos, während Arlo der Selbstmord einer Patientin immer noch beschäftigt und belastet.
Ich habe den ungewöhnlichen Roman, in den die Autorin eigene Erfahrungen hat einfließen lassen, bis zum hoffnungsvollen Ende gern gelesen. Er hat mich gefesselt und berührt, jedoch war mir das ernste Thema Alkoholismus etwas zu leicht und oberflächlich abgehandelt. Die Nebenfiguren empfand ich - bis auf den kleinen Ian und Mickeys Nachbarin Daria - als wenig authentisch, einige Passagen des Buches, wie z.B. die Schilderung der Beerdigung, fand ich ziemlich überzogen und unrealistisch.
Trotz einiger Schwächen Leseempfehlung und 3 Sterne!
Rezensionen von Streiflicht:
Viel Lebensgefühl und Flair
Gefährliches Wasser von Daniel Izquierdo-Hänni
Schon seit längerem lese ich sehr gerne Regionalkrimis. Sie unterhalten gut und erzählen zugleich Wissenswertes und Interessantes aus den Regionen, in denen sie spielen. Ich mag es, wenn ich die Gegend schon kenne und mich dort quasi wiederfinde, aber ich finde es auch spannend, wenn ich so Neues kennenlernen und entdecken kann.
Valencia kenne ich leider noch nicht, aber es scheint mir eine wunderbare Region zu sein, die ich gerne mal bereisen würde. Umso mehr nach dieser Lektüre, die viel Lebensgefühl und Flair vermittelt.
Wer es richtig spannend und vor allem actionreich mag, wird hier etwas vermissen, aber wer es ein bisschen gemächlicher und dafür mit viel Lokalkolorit mag, ist hier genau richtig. Als Leser erfährt man nicht nur einiges über Land und Leute, sondern auch viel über Traditionen, Essen, Geschichte und Historie der Stadt und Region. Das hat mir wirklich gut gefallen - auch wenn es für mich ein bisschen mehr Krimi hätte sein dürfen. Das Thema Wasser wiederum fand ich wirklich gut und (leider) so aktuell. Ich mochte auch die Schlussfolgerungen und die Ermittlungen von Vicente Alapont.
Als Quereinsteigerin kannte ich ihn bisher nicht, aber ich hatte keinerlei Probleme beim Lesen. Wahrscheinlich, weil das Privatleben zwar schon eine Rolle spielt, aber auch erklärt wird, was warum und wie ist. Das hat mir gut gefallen und ich kann mir gut vorstellen, auch beim nächsten Fall wieder mit ihm auf Taxi-Ermittlungsfahrt zu gehen. Und bis dahin hab ich ja Zeit, die beiden Vorgängerbücher zu lesen.











