Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Nicole Koppandi:
Interessanter Plot
Stadt der Hunde von Leon de Winter
Jaap war einer der besten Neurochirurgen der Welt. Als seine Tochter plötzlich in Israel verschwand, war das eine große Zäsur in seinem Leben. Danach scheiterte seine Ehe und er wurde zu einem traurigen alten Mann: er verlor an Attraktivität, auch seine Haare am Kopf. Wenn er über sich selbst nachdachte, wusste er, dass er in gewisser Weise ein skrupelloser Mann war: sein Erfolg erlaubte es, dass Frauen mit ihm ins Bett gingen und danach mehr von ihm wollten, doch er wollte sie danach nicht mehr kennen.
Über zehn Jahre flog Jaap einmal im Jahr von Holland nach Israel in der Hoffnung seine Tochter Lea zu finden, denn er konnte einfach nicht glauben, dass sie tot sei. Was genau geschehen war, konnte nie rekonstruiert werden.
Bei einem dieser Aufenthalte erhielt er einen Anruf vom israelischen Ministerpräsidenten. Als Neurochirurg sollte er eine geradezu aussichtslose Operation bei einer der wichtigsten Personen der Weltgeschichte.
Bis dahin war die Geschichte realistisch, interessant und spannend. Als er jedoch auf Ibrahim trifft, kippt die Story etwas ins Absurde. Am Ende ist dieser Teil schon nachvollziehbar, jedoch meinen Geschmack hat es nicht getroffen.
Von meiner Seite kann ich das Buch einerseits empfehlen, andererseits auch wieder nicht. Lesende, die Absurditäten in einem Roman nicht stören, wird dieses Buch sicher gefallen – meines war es nur zum Teil.
Rezensionen von liesmal:
Ein Debüt, das die Seele berührt
Die Frauen von Cornwall von Daphne Du Maurier
Der Debütroman der bekannten und berühmt gewordenen Autorin Daphne du Maurier, „Die Frauen von Cornwall“, ist eine Familiensaga, erschienen als Deutsche Erstausgabe 2025 im Insel Verlag, in englischer Originalausgabe bereits im Jahr 1931 unter dem Titel „The Loving Spirit“.
Aufgeteilt in vier Bücher stehen vier Menschen im Mittelpunkt der dramatischen Familiengeschichte, die sich erstreckt über einen Zeitraum von hundert Jahren.
Sie beginnt im Jahr 1830 mit der jungen Janet Coombe, die eine brennende Sehnsucht nach dem Meer in sich spürt und nur den einen Wunsch hat, wie ein Mann um die Welt segeln zu können – bei der strengen Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern zu der damaligen Zeit undenkbar.
Mir gefällt der Schreibstil von Daphne du Maurier, weil ich mich ganz hineinfallen lassen kann in die Geschichte. Ich bin fasziniert und kann kaum glauben, dass sie bereits vor nahezu einhundert Jahren geschrieben wurde.
Janet wird Ehefrau, Hausfrau und Mutter mehrerer Kinder. Zu ihrem Sohn Joseph hat sie eine ganz spezielle Verbindung. Auch er denkt und fühlt wie sie. Von Joseph erzählt das zweite Buch.
Jedes der vier Bücher beginnt mit übersetzten Versen von Emily Bronte aus der Gedichtsammlung „Ums Haus der Sturm“. Diese Verse sind den einzelnen Büchern sehr passend zugeordnet. Gern habe ich sie auch am Ende eines jeden Buches noch einmal gelesen und mit der Geschichte verbunden.
Insgesamt habe ich das Buch gern langsam gelesen, dabei einige Stellen auch mehrmals, denn die Autorin hat mich mit ihrem ganz speziellen Schreibstil beeindruckt und tief berührt. Sehr gern gebe ich eine Leseempfehlung für diesen Literaturklassiker.
Rezensionen von jam:
Viel Nordseeflair, der nicht ganz über die Lücken in der Geschichte hinwegtrösten kann.
Wellenverliebt von Jo Berger
"Sagte ich schon, dass ich Zufälle hasse? Sie waren so ... zufällig. Nicht planbar, unvorhergesehen, und das passte mir nicht, passte niemals."
Kapitel 11
Doch momentan wird Jenna von Zufällen gebeutelt. Zufällig ist ihre Wohnung abgebrannt, ihr einziger Zufluchtsort: Ihre Freundin Anne, doch die lebt ausgerechnet auf Sylt.
Zufällig hat Jenna seit ihrer Kindheit panische Angst vor dem Wasser, da ist ein Leben auf einer Insel das letzte, was sie möchte.
Prompt gerät sie schon kurz nach ihrer Ankunft in eine Notsituation und wird von Rettungsschwimmer Finn gerettet. Zufällig kennt sie Finn, er war ihre erste große Liebe. Doch jetzt hat er eine 14jährige Tochter, da ist das Flattern in Jennas Magengrube gar nicht erwünscht.
Dies ist der zweite Teil der "Verliebt auf Sylt" Reihe, und ich habe den ersten Band gemocht. Die Protagonisten aus dem ersten Teil haben einen kurzen Gastauftritt, "Wellenverliebt" ist aber ein eigenständiger Roman, der unabhängig vom Vorgänger gelesen werden kann.
Wie im ersten Band wird die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt, Jennas und Noahs, was ein gutes Verständnis für die beiden schafft. Die Chemie zwischen den beiden stimmt von Anfang an und ist gut spürbar.
Jenna ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, einer schweren Vergangenheit und einer eigenen Art zu leben. Mit derben Boots und schwarzen Shirts mit Totenkopf drauf ist sie herrlich unangepasst - und will auch so gar nicht auf die Insel passen. Das hat mir gut gefallen.
Womit ich mir schwer tat, ist Jennas hartnäckiges Festhalten daran, dass es zu Noahs Tochter Emma eine Mutter geben muss, er somit verheiratet ist und ihn immer wieder vor den Kopf stößt - ohne einmal nach seinem Beziehungsstatus zu fragen. Dass sich dieses Missverständnis erst nach mehr als der Hälfte des Buches aufgeklärt hat, hat es etwas in die Länge gezogen.
Jennas Freundin Anne ist ein Plappermaul, ich fand sie manchmal ein wenig anstrengend und teenagerhaft.
Noah ist ein liebevoller und gewissenhafter Vater, der sich gut um seine Tochter Emma kümmert, aber gerne wieder eine Frau an seiner Seite hätte.
Gegen Ende wurde es dann noch ein wenig dramatisch, das war für mich nicht ganz stimmig und etwas zu viel. Auch dass Jenna durch die Liebe dann doch eine "normale" Frau in "normaler" Kleidung wird, hätte ich nicht gebraucht.
Der wirkliche Star ist Sylt, das Meer, die Dünen, das Auenland von Sylt, diese Beschreibungen haben mir sehr gut gefallen und für ein Extra-Sternchen gesorgt.
Fazit: Viel Nordseeflair, der nicht ganz über die Lücken in der Geschichte hinwegtrösten kann.
Rezensionen von Gavroche:
Bleibt hinter meinen Erwartungen zurück
Devil's Kitchen von Candice Fox
Dieses Buch ist insgesamt gesehen ein guter und spannender Thriller, aber Candice Fox kann es eindeutig besser und dieses Buch bleibt definitiv hinter ihren anderen Büchern zurück.
Ben ist bei der New Yorker Feuerwehr, er verdankt dem Chef der Einheit sehr viel, aber mit der Zeit merkt er immer mehr, dass er nicht mehr bei den krummen Geschichten mitmachen möchte.
Vor allem seitdem seine Freundin Luna und ihr Sohn Gabriel verschwunden sind. Gabriel war wie sein Sohn und es gab keinen Grund, weshalb die beiden nie bei Lunas Mutter ankamen. Im Verlauf der Geschichte erfährt man immer mehr über das Verschwinden der beiden, aber immer nur kleine Häppchen. Auch über Bens Vergangenheit.
Die zweite Perspektive ist die von Andy, einer freien Ermittlerin, die als Bens Kontaktperson fungiert, sich aber ganz neu erfindet und auch bei der Feuerwehr arbeitet. Über ihre Vergangenheit erfährt man so etwa ab der zweiten Hälfte mehr.
Gut erzählt, aber so recht hat es mich nicht mitgerissen, da ich einfach besseres von Candice Fox gewohnt bin. Vielleicht waren hier meine Erwartungen auch zu hoch angesetzt.
Die Sprecherin Kaja Sesterhenn kenne ich bereits von anderen Hörbüchern und man kann ihr gut zuhören.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Johann Strauss - abseits der Walzerseligkeit
Der Walzermacher von Michael Dangl
Wie schon die Farbgestaltung des Covers andeutet, ist Strauss‘ Stimmung ziemlich depressiv. Er ist zwar nun unbestritten der Walzerkönig, der sowohl den übermächtigen Vater hinter sich gelassen hat als auch den Fängen der Mutter entkommen ist, sich aber fest in den Klauen seinen eigenen Dämonen befindet.
Trotz aller Erfolge und Auftritte ist er menschenscheu, hasst den Rummel um seine Person, kann aber gleichzeitig nicht ohne leben.
So sinniert er:
„Selbst meine Musik war, wie das oft bei schöpferischen Menschen zu sein pflegt, kein Wegweiser zu meinem verschlungenen Eigenen. Kein verschlüsselter Ausdruck meines sprachlosen Ichs. Ich komponierte Walzer, weil das mein Handwerk war, und aus ihnen etwas aus meinem Seelenleben herauszuhören, hätte ähnlicher Phantasie bedurft, wie aus meinem Stehpult die tiefsten Empfindungen des Tischlers herauszulesen.“
Seine sozialen Kontakte sind eingeschränkt, so hat er zu seinen Brüdern Josef und Eduard keine Beziehung. So nennt er sie „Aushilfsmöbel“, gerade gut genug, um ihn, den Walzerkönig zu vertreten.
Dass Johann Strauss Sohn, neben seinen Ehefrauen noch Geliebte gehabt haben soll, verwundert nun nicht wirklich, gilt er doch als Womanizer seiner Zeit. Nicht immer ist ganz klar, was an den Zuschreibungen echt ist oder nur platonische Anhimmelei.
Diesem Essay, der als innerer Monolog angelegt ist, liegt die Entdeckung von rund 100 Liebesbriefen des Walzermachers an die russische Komponistin Olga Smirnitzkaja, die selbst eine Komponistin war, zu Grunde. Ob sie eine Geliebte im herkömmlichen Sinne ist, kann man in Thomas Aigners Buch „Olga Smirnitzkaja - Die Adressatin von 100 Liebesbriefen von Johann Strauss“ lesen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem interessanten Essay, der Johann Strauss, als einem unglücklichen und depressiven Menschen zeigt, 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine Leseempfehlung!
Jagd unter Palmen von Thilo Scheurer
Nachdem die deutsche KHK Sofia Bitter nach eine Schusswechsel mit einem Kriminellen angeschossen und schwer verletzt überlebt hat, zieht sie sich auf die Insel Gran Canaria, in das Haus ihrer verstorbenen Großeltern zurück, um einen Neustart zu versuchen.
Doch wie das Leben (und Autor Thilo Scheurer) so spielt, wird daraus nichts, denn einmal Bulle, immer Bulle, stolpert sie in einen Kriminalfall ungeahnten Ausmaßes: Sie belauscht im örtlichen Baumarkt ein Gespräch, in dem es um die Entsorgung einer, wie sie sofort kombiniert, Leiche geht.
Natürlich kann sie es nicht lassen, den beiden, die sie Travolta und Scarface nennt, nach zu spionieren und kreuzt damit abermals die Wege des Kriminalbeamten Jefe Garcia, der natürlich keine rechte Freude mit den Tipps seiner Kollegin aus Deutschland hat. Denn eigentlich haben Garcia und sein Team mit einem Raubüberfall auf ein Lager der Fluglinie Iberia am Flughafen von Gran Canaria alle Hände voll zu tun.
Meine Meinung:
Dieser Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe von Thilo Scheurer hat mir gut gefallen. Wie der Autor im Nachwort schreibt, hat er Anleihe an einem wahren Kriminalfall genommen, bei dem sich Ähnliches abgespielt hat.
Die beiden Hauptfiguren Sofia und Jefe wirken bodenständig und haben so ihre Ecken und Kanten. Jefe ist verwitwet und Sofia nach dem Schusswechsel traumatisiert, zumal der Schütze nicht ausgeforscht werden konnte und nach wie vor eine Bedrohung für sie darstellt, schickt er ihr doch Whatsapp-Nachrichten. Das klingt einmal nach eine Aufhänger für eine Fortsetzung und hat bei mir gleich das Kopfkino in Gang gesetzt. Woher weiß der Sofias Telefonnummer? Warum hat sie die nicht geändert? Gibt es in der deutschen Dienststelle einen Maulwurf? Das werden wir hoffentlich in einem neuen Band erfahren.
Wer Thilo Scheurers Krimis kennt, weiß, dass der Spannungsbogen hoch gehalten wird, zahlreiche Wendungen uns Leser sowie die Ermittler auf falsche Fährten führen und nach temporeichen Ermittlungen eine schlüssige Auflösung wartet.
Thilo Scheurer setzt das Lokalkolorit von Gran Canaria wohldosiert ein. Wir können mit den diversen Protagonisten die engen Kurven auf den staubigen Straßen der Insel nehmen und den einen oder anderen schlitzohrigen Bewohner kennenlernen.
Die beschriebene Polizeiarbeit liest sich authentisch und fesselnd.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimi, der auf Gran Canaria spielt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Fesselnd bis zur letzten Seite
Glück im Weinland von Christine Grän; Hannelore Mezei
Nachdem Chefinspektor Martin Glück auf dem Weg zu seiner Hochzeit mit der russischen Millionärswitwe Rosie ein Hund in das Auto gelaufen ist, und er, weil er Hund und Besitzerin ins Tierspital bringt, die Zeremonie verpasst hat, flieht er Hals über Kopf aus Wien, weil ihn seine rachsüchtige Beinahe-Ehefrau droht.
Er findet sich auf Einladung der Hundebesitzerin Katharina Fuchs in einem ehemaligen zum Feriendomizil umgebauten Kellerstöckl im südsteirischen Weinland wieder. Blöderweise sitzt bei seiner Ankunft eine Leiche am Jogl-Tisch. Es ist, wie die herbeigerufene Polizistin Melanie Löss, sofort weiß, der Immobilienmakler Willi Hammer. Ein Mann, der mehr Feinde als Anzüge im Schrank hat, weshalb ihm niemand eine Träne nachweint. Doch zunächst ist gar nicht klar, ob der Mann ermordet worden ist. Erst als man in seinem Körper Rückstände von Ecstasy findet, starten die Ermittlungen.
Nur wer ist der Täter oder die Täterin? Die Liste der Verdächtigen ist lang und umfasst neben der aktuellen Ehefrau, die Tochter aus erster Ehe, obwohl die in den USA lebt, sowie die Bewohner der halben Gegend rund um Glanz, denen er gemeinsam mit dem Direktor der örtlichen Bank, zunächst günstige Kredite verschafft und wenig später die Grundstücke (vor allem Weingärten), die zur Besicherung dienten, zu einem Spottpreis abgepresst hat, nachdem die Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr bedienen konnten.
Ein Klassiker also, oder doch nicht?
Zunächst ist Martin Glück mit seiner Unterkunft recht zufrieden, denn Kathi Fuchs ist eine exzellente Köchin. Allerdings übertreibt sie es ein wenig mit der Menge der Speisen, die Martin essen soll. Und dann tauchen die Tochter des Toten und Kathis Sohn Florian, ein professioneller Pokerspieler auf, eine Maus stirbt im Keller und im Kellerstöckl wird Feuer gelegt ....
Meine Meinung:
Ich verfolge Chefinspektor Martin Glück seit dem ersten Band, in dem er, nachdem er seinen Ex-Chef mit seiner Ex-Frau in der Ex-Wohnung in flagranti ertappt hat, ein wenig ausgerastet ist. Das Disziplinarverfahren hat er halbwegs überstanden und ist seitdem nicht immer ganz freiwillig als Springer in ganz Österreich unterwegs, um Verbrechen gegen Leib und Leben aufzuklären. Manchmal kommt er - wie eben jetzt - als Privatperson zu einer Leiche, darf aber wegen des Personalmangels und seiner Kompetenz (also nicht unbedingt bei Social Skills) ermitteln.
Das Autorinnen-Duo hat wieder einen flotten und fesselnden Kriminalroman mit viel Lokalkolorit geschrieben. Ich kenne die Gegend rund um Gamlitz ganz gut. Deshalb ist dieser Krimi wie heimkommen. Geschickt flechten die beiden Autorinnen die Geschichte des südsteirischen Grenzlandes ein. Nach dem Erste Weltkrieg wurden durch den Vertrag von Saint-Germain zahlreiche Orte, Familienbetriebe, Familien und einzelne Gebäude auseinandergerissen, weil man große Teile der Steiermark an das Königreich Jugoslawien (heute Slowenien) abtreten musste. Hier am Schauplatz Glanz läuft die österreichisch-slowenische Staatsgrenze mitten durch den Ort. Solche Ereignisse prägen die Menschen, auch wenn sie schon mehr als 100 Jahre her sind.
Der Krimi enthält zahlreiche Verdächtige und lockt Leser wie Ermittler auf zahlreiche Fährten, die sich mitunter als Sackgassen entpuppen. Auch die verlassene Braut taucht plötzlich auf, um Martin Glück mit einer brisanten Neuigkeit zu überraschen. Ob die in einem 9. Fall eine Rolle spielen wird? Oder eröffnet sich für Martin Glück eine ganz neue Perspektive?
Fazit:
Gerne gebe ich diesem fesselnden Fall für Martin Glück 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat noch Luft nach oben
Dünenkutter von Joost Jensen
Just in den malerischen und streng geschützten Dünen der Insel will der bekannte Schönheitschirurg Dr. Alexander Gerber eine Schönheitsklinik mit angeschlossener Wellnessoase errichten. Nicht nur, dass hier Teile des Naturschutzgebietes dem schnöden Mammon geopfert werden, verlöre die Journalistin Fenna Kruskopp, die auf einem gestrandeten Kutter, den sie Villa Kunterbunt nennt, lebt, ihr Zuhause, wogegen sie gemeinsam mit einigen Inselbewohnern heftig demonstriert.
Nicht nur der Bürgermeister, der diesen Deal abgesegnet hat, sondern auch Fennas Schwester Emiilia, die ein kleines Restaurant betreibt, versprechen sich sprudelnde Einnahmen für Borkum.
Als dann während der Party zur Unterzeichnung des Immobiliendeals, die am öffentlichen Strand statfindet, der Schönheitschirurg tot umfällt, ist klar: Fenna war’s. Sie hat nämlich blöderweise vor der versammelten Prominenz, der auch der Polizeipräsident angehört, Morddrohungen gegen Gerber ausgestoßen ....
Der Polizeipräsident will einen schnellen Erfolg, weshalb er dem Inselpolizisten Jonas, dem Bruder von Fenna und Emilia, der gegensätzlichen Schwestern, einen jungen ehrgeizigen Schnösel als leitenden Ermittler vor die Nase setzt, der sich ausschließlich auf Fenna als Täterin einschießt und keine andere Möglichkeit zulässt. Nun muss die ganze Familie Kruskopp, zu der noch Jonas‘ Frau Stine sowie Vater und Großvater gehören, eigene Ermittlungen anstellen, zumal die Witwe des Mordopfers eine Million Euro für die Ergreifung des Täters ausgesetzt hat.
Was dann folgt, ist ein wenig im Bereich des Slapstick angesiedelt.
Meine Meinung:
Dieser Krimi, der auf der Insel Borkum spielt, beschäftigt sich mit einem brisanten Thema: Vernichtung von Naturschutzgebieten durch Verbauung. Die Idee hat mir recht gut gefallen, zeigt es doch deutlich, dass bei Immobilienverkäufen und Neubauten der Naturschutz unter die Räder bzw. unter die Betonmischer kommt, was auch immer wieder mit der Macht von möglicherweise korrupten Bürgermeistern zu tun hat.
Leider hat mich die Umsetzung des Ganzen nicht ganz überzeugt, was zum Großteil an der Überzeichnung der Charaktere liegt.
Kein Polizist der Welt hat es verdient, ständig als Trottel bezeichnet und so dämlich dargestellt zu werden. Hier wird, auch wenn es sich um einen Cosy-Krimi handelt, eine ganze Berufsgruppe vom Inselpolizisten Jonas aufwärts bis zum Polizeipräsidenten diffamiert. Das gefällt mir nicht so ganz.
Auch die Leidenschaft von Jonas‘ Frau Stine, die als Psychologin im Reha-Zentrum arbeitet, für gesunde Kost und psychologische Analysen, die leider nicht immer ganz zutreffen sowie der Umgang mit ihrem Ehemann, behagen mit nicht. Jonas, der sich gegen Ehefrau, seine Töchter und seine beiden Schwestern kaum durchsetzen kann, muss einem richtig leid tun.
Auch die anderen Mitglieder der Familie Kruskopp wirken auf mich wie eine Karikatur. Mehrmals wird erwähnt, dass Emilia adoptiert worden ist. Wieso? Weshalb? Warum? Hier habe ich auf eine Information dazu erhofft. Soll das ein Trigger sein, um den nächsten Band zu kaufen?
Irgendwie ist mir der Cosy-Anteil sowie die Beschreibung des tollpatschigen Polizisten Jonas in diesem Krimi ein wenig zu hoch. Ich mag solide Polizeiarbeit lieber, auch wenn sie hin und wieder langweilig wirkt.
Mal sehen, ob ich einen anderen Krimi des Autors finde, der nicht ganz so überzeichnet geschrieben ist.
Fazit:
Idee hat mir gut gefallen, die Umsetzung leider nicht. Daher gibt es für diesen Krimi, der so scheint es, Auftakt zu einer Reihe sein soll, nur 3 Sterne.
Rezensionen von jam:
Ein unterhaltsamer aber auch nachdenklicher Roman über neue Liebe im hohen Alter und neues Glück.
Jünger geht immer! von Ellen Berg
"Manchmal wünschte ich, jemand würde mir auf die Schulter klopfen und sagen: April, April, das ist gar nicht dein Leben."
Kapitel 5
Gerade jetzt ist so ein Moment. Akribisch hat Anne die Feier zur goldenen Hochzeit ihrer Eltern organisiert, dekoriert, geplant. Und jetzt verkündet ihre Mutter - statt liebevoller Worte - die Trennung von ihrem Vater! Als wäre das nicht genug, lernt Anne kurz darauf Johannes, den neuen Lebensgefährten ihrer Mutter, kennen.
Und der ist 15 Jahre jünger. Gemeinsam mit ihrer Walking-Gruppe sagt Anne dieser Beziehung den Kampf an. Denn dass der Neue der Liebe wegen bei ihrer Mutter bleiben wird, können sie sich nicht vorstellen. Um auf Nummer sicher zu gehen, möchte Anne auch noch Tom, Johannes Sohn, mit ins Boot holen.
Doch der hat vollstes Verständnis für seinen Vater und Annes Mutter, und irgendwie will er Anne nicht mehr aus dem Kopf. Sie beginnt, ihre lieblos gewordene Ehe zu hinterfragen ...
Auch wenn das Cover eher humorvoll ist, so sind Ellen Bergs Bücher immer ein wenig ernster als erwartet. Gibt es ein "zu spät" für eine neue Liebe, für ein neu ausgerichtetes Leben? Anne ist es gewohnt, zu funktionieren. Ob im Büro als Angestellte ihres Mannes oder Tochter oder Mutter ihren Kindern gegenüber. Sie wagt neu Outfits, eine neue Frisur - und das Interesse der Männer lässt nicht lange auf sich warten. Doch will sie das überhaupt? Natürlich schmeichelt es, wenn ein jüngerer Mann einem Komplimente macht. Aber gilt das, was sie ihrer Mutter über Beziehungen zu einem deutlich jüngeren Mann sagt, nicht auch für sie selbst?
Wie immer fliegen die Seiten nur so dahin, trotz des manchmal auch traurigen Themas unterhaltsam und lustig, und mit ein paar romantischen Szenen! Anne verrennt sich völlig und will unbedingt einen Keil zwischen Johannes und ihre Mutter treiben. Denn wenn diese im hohen Alter eine neue Liebe wagen kann, warum sie selber nicht auch?
Mir hat "Jünger geht immer" gut gefallen und ich freue mich jetzt schon auf Ellen Bergs nächstes Buch!
Fazit: Ein unterhaltsamer aber auch nachdenklicher Roman über neue Liebe im hohen Alter und neues Glück.
Rezensionen von nessabo:
Ein ruhiger Generationsroman voller Tiefe und emotionaler Komplexität
Halbinsel von Kristine Bilkau
Kristine Bilkau ist so eine Meisterin darin, ruhige Texte voll menschlicher Tiefe und Nahbarkeit zu schreiben, dass es mich nach „Nebenan“ nun schon zum zweiten Mal von den Socken gehauen hat.
Dieser Roman ist eine Mutter-Tochter-Geschichte und so viel mehr. Er ist eine Erzählung über die Verantwortung älterer Generationen gegenüber den jüngeren und eine Ode an zwischenmenschlichen Respekt.
Annett ist, als ihre Tochter Linn nach einem Zusammenbruch ihren Job kündigt und wieder zu ihr zieht, nicht nur mit ihren Erwartungen an Linn konfrontiert, sondern reflektiert dadurch ausgelöst auch über ihre eigenen Lebenswünsche. Dabei ist sie ausgesprochen authentisch, ohne je ihrer Tochter gegenüber abwertend zu sein. Im Endeffekt ist Annett (und damit offenbar auch Bilkau selbst) für mich wie ältere Generationen sein sollten: reflektiert und emotional zugänglich.
Schon vor der Lektüre habe ich Bilkau in einem Interview so respektvoll über junge Menschen und deren Herausforderungen in der heutigen Zeit sprechen hören, dass ich sie direkt ins Herz geschlossen habe. Und „Halbinsel“ unterstreicht ihre Einstellung noch einmal ganz deutlich. Es sollte natürlich keiner Komplimente bedürfen, wenn Menschen mit mehr Lebensjahren nicht überheblich auf jüngere Generationen gucken und dann auch noch ihre Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft anerkennen. Und doch ist das einfach nicht oft der Fall. Ich habe selten eine Autorin gelesen, die nicht nur gut über ihre eigene Generation, sondern auch so menschlich und greifbar über eine jüngere schreiben kann. Dadurch konnte ich mit beiden Figuren gleichermaßen mitfühlen und hatte keine Chance, in eine einseitige Solidarität zu verfallen.
Bilkaus Sprache ist präzise, leise und zart, mit einem Hauch Melancholie, aber nie verträumt. Mich zieht es immer wieder hinein in diese norddeutschen Geschichten, weil sie mich mit ihrer Tiefe begeistern, ohne zu sehr aufzuregen. Das kann dazu führen, dass manche die Handlung zu plätschernd finden. Als eine Person, die sich bei banalen Geschichten schnell langweilt, kann ich das überhaupt nicht bestätigen. Was an Drama „fehlt“, wird durch emotionale Komplexität dreimal wieder rausgeholt.
Ich kann meiner Begeisterung für diese Autorin unmöglich angemessene Worte verleihen. Ihre Erzählungen sind von einer solchen Prägnanz und Aktualität, dass sie mich niemals kalt lassen. Lest ihre Bücher, wenn ihr zwischenmenschliche Geschichten sucht, die besonders bei jüngeren Menschen wie eine Umarmung wirken können, weil die Autorin sich über ihre Erzählerin auch mit jungem Widerstand solidarisiert.
.
.
„Wer kann mit Gewissheit sagen, dass die Älteren in der Überwindung von Krisen besser geschult sind als die Jüngeren? Wie krisenfest ist ein Erwachsener, der an einem beliebigen Morgen am Straßenrand steht und angesichts einer Gruppe von Menschen, die mit ihrem Protest andere Menschen am Weiterfahren hindern, einer jungen Frau gegen den Kopf tritt?“











