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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Katrin:

Der Traum vom Fliegen

Sie flogen einen Sommer lang von Penelope Farmer

Das Buch ist in Hardcover-Ausführung und der Stil der Illustrationen ist außen wie innen ganz anders als man es gewöhnt ist von Kinderbüchern. Der Zeichenstil ist detailliert, verspielt und kindgerecht.

Zusammenfassung:
Charlotte und Emma treffen auf ihren Schulweg einen sehr ungewöhnlich aussehenden Jungen der mit einem Zweig gegen die Hecke schlägt.

Er spricht kaum, seine Nase ähnelt einem Schnabel, seine Beine und sein Körper sind eher lang und schlaksig. Im Gesicht hat er Sommersprossen und zwei sehr dunkle Augen.
Die beiden Mädchen überreden ihn mit in die Schule zu kommen. Am Schultor angekommen ist bereits sehr spät, dennoch spielen die Kinder vergnügt miteinander. Der Junge folgt den beiden ins Klassenzimmer. Die Lehrerin beachtet ihn nicht, oder kann ihn womöglich nicht einmal sehen.
Der Junge überredet Charlotte mit ihm raus zu gehen. Sie verlassen die Schule und auf einer Wiese bringt er ihr bei, wie man fliegt. Nach Startschwierigkeiten hat sie den dreh raus. Das ganze ist ein Geheimnis. Am nächsten Tag ist ihre Schwester an der Reihe und Charlotte ist eifersüchtig, denn Emma liegt das Fliegen noch viel mehr.
Kurze Zeit später haben alle Schulkollegen fliegen gelernt und verabreden sich zu einem gemeinsamen "Ausflug".

Fazit:
Die Geschichte beginnt wirklich toll, denn immerhin träumen wir doch alle davon fliegen zu können. Leider habe ich zwischendrin etwas den Faden verloren und obwohl viel passiert, war es eher zäh. Vom Ende war ich aber total überrascht und auch die verschiedensten Tierbezeichnungen - vor allem Vogelarten gefiel mir sehr gut. Daher gibt es von mir 4 Sterne und doch auch eine Leseempfehlung, allerdings sollten die Kids schon etwas älter als 9 Jahre (oder sehr geübte Leser) sein um den ganzen folgen zu können.

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Rezensionen von Lilli33:

Eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen

Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami

Eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen

Rafik Schami, geboren in Damaskus, Syrien, lebt seit 1971 in Deutschland, schreibt auf Deutsch und brennt offensichtlich immer noch im Herzen für die Heimat seiner Kindheit und Jugend. Wer könnte also besser eine Brücke zwischen den Kulturen bauen? Schami selbst hat vieles erlebt, was nun seine Figuren im Roman durchmachen.

Die Ankunft in einem fremden Land, dessen Sprache man nicht spricht, die Anfeindungen der Mitmenschen, unerträgliche politische Zustände usw. Dabei ist das Buch wie eine Matrjoschka aufgebaut: Rafik Schami erzählt von Said Mardini, der vor Jahrzehnten aus Syrien nach Heidelberg gekommen ist. Diesem wiederum erzählt der todkranke Nadim Suri seine Geschichte, wie er von Syrien nach Heidelberg gekommen ist und von all den Frauen, die sein Leben gestreift und bereichert haben. Gerade diese Parallelen fand ich dann doch etwas verwirrend. Der Hauptteil ist aber einfach Nadims Perspektive, womit ich dann auch keine Probleme hatte.

Jeder der Frauen, die Nadim Suri auf einem Teil seines Lebensweges begleitet haben, sei es über Jahre oder auch nur eine Nacht, ist ein Kapitel gewidmet - abgesehen von dem einen Kapitel, das sich sechs Frauen teilen müssen. Aus Nadims Erzählung spricht eine Hochachtung für die Frauen, wie man sie von Männern eher selten erlebt. Jede liebt er auf seine Weise und umgekehrt. Jede hinterlässt ein Mosaiksteinchen im Bild seines Lebens, wenn sie - auf welche Weise auch immer - aus seinem Leben verschwindet.

Der Roman, der aus vielen einzelnen Lebensabschnitten besteht, hat mich sehr berührt. Er ist keine schnelle Lektüre für zwischendurch, sondern man sollte sich unbedingt Zeit für ihn nehmen, sich die einzelnen darin enthaltenen Weisheiten bewusst machen und auf der Zunge zergehen lassen.

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Rezensionen von leopol:

skurrile Charaktere und britischer Humor - garniert mit Spannung

Mord in der Pension Möwennest von Jess Kidd

Man schreibt das Jahr 1954. Nora Breen kehrt nach dreißig Jahren als Nonne ihrem Kloster den Rücken und zieht in ein Zimmer der Pension Möwennest in einem pittoresken Küstenstädtchen Gore-on-Sea gelegen. Hier war Frieda ehemalige Novizin des Klosters vor ihr untergebracht, doch sie ist spurlos verschwunden.

Schließlich wird auch noch einer der Gäste tot aufgefunden – der Inspector geht von einem Suizid aus, doch Nora zweifelt daran und startet selbst Ermittlungen.

Dieser Krimi, der mich an Miss Marple erinnert hat, vermittelt rasch britisches Feeling: die Liebe zum Tee, eine Küstenstadt mit etwas skurrilem Namen und auch sehr skurrile Charaktere mit dem man vielleicht so manches Klischee füttert. Auch der Tatsache, dass der Roman knappe zehn Jahre nach dem Ende des Weltkrieges spielt und die ehemals glamourösen Küstenorte nicht mehr so populär sind, wird kunstvoll eingearbeitet. Welches bessere Setting als ein in die Jahre gekommene und eigentlich schon etwas schmuddelige Pension mit einer herrischen Pensionsangestellten und eben skurrilen Gästen. Jeder Gast scheint sein eigenes Geheimnis zu haben, so wie auch Nora.

Die Charaktere und das Setting sind gut ausgearbeitet und man schafft es rasch eine Verbindung zu Nora aufzubauen. Man kann nachvollziehen, wie schwer es ist nach dreißig Jahren nicht mehr die gewohnte Umgebung, um sich zu haben und ist gleichzeitig auch überrascht über ihren Witz und Unerschrockenheit ja sogar Forschheit – wer hätte das von einer ehemaligen Nonne erwartet.

Auch ich brauchte etwas, um mich an den doch sehr detaillierten Schreibstil der Autorin zu gewöhnen. Jedoch war ich nach einigen Seiten umso begeisterter davon, da ich wirklich in das Buch abtauchen konnte. Wäre der Schreibstil anders wäre ich nicht so sehr in diese skurrile Situation abgetaucht und hätte wahrscheinlich weniger Gelegenheit gehabt viel vom britischen Humor mitzunehmen.

Die Mischung des Romans war perfekt – Humor, Exzentrik aber auch ernste Stellen und eine detaillierte und glaubwürdige Auflösung des Falles. Ich freue mich schon auf den nächsten Band.

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Rezensionen von Anndlich:

Wie man sich (und anderen) das Leben schwer macht.

The Night We Met von Abby Jimenez

Larissa wird von ihrem Freund immer wieder im Stich gelassen und schickt ausgerechnet seinen besten Freund Chris vor, um ihm und ihr aus der Patsche zu helfen. Larissa und Chris verstehen sich unheimlich gut, entdecken immer mehr Gemeinsamkeiten und Larissa verteufelt ihre Entscheidung, dass sie sich damals von Mike vom Festival fahren ließ.

Nun sind ihre Gefühle gefangen in der Zwickmühle, die nicht nur eine Freundschaft zu entzweien droht.

The Night We Met von Abby Jimenez ist mein erstes Buch der Autorin und leider keines, dass mir mehr von ihr besonders schmackhaft gemacht hat. Der Schreibstil ist einfach, sodass ich sehr gut durch die Seiten kam, allerdings empfand ich ihn an manchen stellen etwas ‚abgehakt‘ und wenig authentisch. Die Geschichte erleben wir aus den Perspektiven von Larissa und Chris, doch keiner der beiden konnte mir wirklich sympathisch werden, generell war das Buch gespickt mit mir unsympathischen Charakteren.

Larissa hat natürlich keinen einfachen Stand in ihrem Leben und struggelt verständlicherweise extrem. Doch wie sie selbst ihre eigenen Gedanken scheinbar gar nicht wahrnimmt und sich ständig entgegen ihrer eigenen Ratschläge verhält. Ihr Verhalten hätte nicht nur sie, sondern alle um sie herum unglücklich gemacht und dennoch kriegt sie es nicht hin, darüber zu sprechen oder Mike gegenüber zu sagen, was sie stört.

Dann Chris, hilfsbereite ist das eine, übervorsorglich das andere. Auch Frauen können ihr Auto freischaufeln und Larissas Nussallergie… zu viel! Immerhin konnte sich hier einiges aufklären und er hat sein Verhalten reflektiert, aber es hat mich dennoch Nerven gekostet.

Und dann noch die drei toxischen Figuren Mike, Donna und Nancy, die alle unglaublich schrecklich handeln und einen immer wieder zum Kopfschütteln bringen.

Auch die Beziehung zwischen Mike und Larissa konnte ich zu keiner Zeit nachvollziehen, sie lief einfach nebenher ab und war doch irgendwie nie wirklich existent. Monate vergingen und gefühlt haben die beide sich kein bisschen besser kennengelernt. Da fällt es auch schwer, Larissas Problem an einer Trennung nachzuvollziehen, denn gefühlt war da gar keine Beziehung.

Generell hat mir auch der Zeitraum der Geschichte Probleme gemacht. Einzelne Szenen/Tage werden sehr detailliert dargestellt, dann verrinnen wieder Wochen oder Monate und nichts ist in der Zwischenzeit passiert.

Mich hat lediglich das Interesse an der Auflösung dieses Chaos interessiert, weswegen ich die Geschichte zu Ende gelesen habe und das wiederum ist auch der einzige positive Aspekt, den ich hervorheben kann. Ich mochte die Entwicklung, das Reflektieren und die Worte, die zwischen und für eine Freundschaft fielen.

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Rezensionen von Katyleh:

Kleinstlebewesen mit Großwirkung

Bakterien - die heimlichen Helden von Peter Wohlleben



Ich geb’s zu: Vor dem Buch dachte ich bei Bakterien an „eklig“ und „Hände waschen“. Nach 200 Seiten denk ich: „Okay, ohne die läuft hier gar nichts.“ Peter Wohlleben schafft es wieder, ein Thema das eigentlich unsichtbar ist, lebendig und greifbar zu machen.

Worum’s geht:
Wohlleben zeigt, wie sehr unser Leben von Bakterien abhängt.

Nicht nur beim Joghurt oder Sauerkraut, sondern direkt in uns. In jeder Körperzelle, auf der Haut, im Darm. Die kleinen Kerle produzieren Hormone, beeinflussen unsere Stimmung, motivieren uns sogar zum Sport. Und draußen in der Natur steuern sie das Wetter mit und könnten sogar bei der Klimakrise helfen. Seine These: Wir bestehen zu großen Teilen aus Bakterien und sollten endlich aufhören, gegen sie Krieg zu führen. Besser kooperieren.

Was mir gefallen hat:
Sympathischer Ton: Wohlleben schreibt nicht wie ein Laborbericht, sondern wie jemand, der dir beim Spaziergang begeistert erzählt, was er gerade entdeckt hat. Man merkt, dass er selbst fasziniert ist.
Anschauliche Geschichten: Er bindet viel eigene Erfahrung und Beispiele aus dem Alltag ein. Plötzlich macht es Sinn, warum Sauerkraut gut für den Bauch ist oder warum ein Spaziergang im Wald guttut.
Aha-Momente: Ich wusste nicht, dass Bakterien kommunizieren und gemeinsame Aktionen planen können. Das Buch ist wie ein Mikroskop – man sieht plötzlich eine ganze Welt, die vorher unsichtbar war.

Was mir gefehlt hat:
Manchmal wird’s ein bisschen zu erzählerisch. Wer knallharte Fakten und Studien will, muss sich durchhangeln. Und an ein paar Stellen wiederholt sich die Botschaft „Wir müssen netter zu Bakterien sein“. Verstanden hab ich’s nach dem zweiten Mal auch.

Fazit:
Ein Buch für Neugierige, die verstehen wollen, was im Hintergrund unseres Körpers und der Natur abläuft. Kein Fachbuch, sondern Alltagsbiologie zum Mitnehmen. Man legt es weg und guckt danach mit anderen Augen auf den Joghurt im Kühlschrank und auf den eigenen Darm.

4 Sterne für sympathisches Storytelling und viel neues Wissen. Den 5. Stern gibt’s nicht, weil’s mir stellenweise zu wenig Struktur und zu viel „Wohlleben erzählt“-Vibe war. Aber gelernt hab ich auf jeden Fall was.

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Rezensionen von carola1475:

Spannend, beklemmend und realitätsnah

Nummer 138 von Gavin Bell

Ein behördeninternes Analyseprogramm findet schnell heraus, was einige Morde, die in verschiedenen US-Bundesstaaten verübt werden, gemeinsam haben: es ist die Adresse 138 Main Street. Davon gibt es über 7000 im ganzen Land, was einen großen, komplexen Fall mit ungeheurem Medieninteresse erwarten lässt.

FBI-Agent Ben Walker stellt eine Taskforce zusammen, zu der auch der Analytiker Matt Brodie und Officer Zoe Hill gehören, die Walker an einem der Tatorte durch ihre Aufmerksamkeit und Kombinationsstärke aufgefallen ist.
Es gibt keinerlei Spuren vom Täter, die Ermittler stehen unter Zeitdruck und untersuchen in alle Richtungen, können weitere Morde nicht verhindern und erst ein an die Presse gesandtes Manuskript offenbart die Gedankenwelt des Täters, der wie ein Terrorist die Menschen in Angst und Schrecken versetzt.

Gavin Bell schreibt klar, lebendig und bildhaft, beschreibt auch die vielfältigen verschiedenen Main Streets, die zu Tatorten werden und zeigt so die Beliebigkeit der Mordopfer. Ich bekomme Einblicke in das Leben verschiedener Bewohner von 138 Main Streets, die auf die potentielle Bedrohung mehr oder weniger gelassen oder zunehmend ängstlich und panisch reagieren und nehme Teil an den fast schon verzweifelten Ermittlungen, denen der Täter stets einen Schritt voraus ist.
Der Autor erhöht die Spannung auch durch multiperspektivisches Erzählen, was mich immer neugierig auf den nächsten Perspektivwechsel hat warten lassen, um zu erfahren, wie es dort weitergeht.
Die Figurenzeichnung ist gelungen und lässt mich mitfiebern und bei den Protagonisten hoffen, dass sie den Fall überleben.

'Nummer 138' ist klug konzipiert und fesselnd geschrieben, beängstigend sind die Aktualität und die Realitätsnähe der von Anfang bis Ende spannenden Geschichte. Mir hat der temporeiche Thriller mit dem düsteren Cover sehr gut gefallen und ich hoffe auf weitere Bücher von Gavin Bell.

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Rezensionen von yellowdog:

Regime Change in Europa

Wer sind wir? von Joschka Fischer

Der politisch nicht mehr aktive Joschka Fischer ist doch noch sehr präsent. Erst letztes Jahr hat er mit einem eindrucksvollen und komplexen Werk überzeugt.
Jetzt ein Buch über deutsche Identität. Doch diesmal enttäuscht er, denn eigentlich erzählt er hauptsächlich die Geschichte Deutschlands, z.

B. ab Stunde Null nach. Offenbar definiert Fischer Deutschlands Identität aus dem Wiederaufbau nach 45. Westdeutschland war in dem Sinne verwestlicht, im positiven Sinne.
Er spricht viel von Europa und der Abkehr der USA.
Wenn ich richtig interpretiere, liegt Deutschlands Identitätssuche ein gutes Stück weit bei dem Versuch einer deutschen Führung in Europa, sozusagen ein Regime Change in Europa.
Einige Passagen des Buches sind also schon gelungen, doch ob sich darin die Frage nach der Identität erschöpft, wage ich zu bezweifeln.
Folgen kann man der im Nachwort angebotenen Antwort, dass Europa sich jetzt selbst kümmern muss, da auf die USA nicht mehr gezählt werden kann. Jetzt oder nie!
Vielleicht gelingt Joschka Fischer die Debatte über das Thema, wenn er mit diesem Buch und seinem wichtigen Thema auf Lesereise geht.

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Rezensionen von Shilo:

Viel Gefühl, aber wenig Prada

Prada – Sie träumte von Mode und fand die Liebe von Susanne von Berg

Schon nach den ersten Kapiteln war spürbar, dass hier weniger die Geschichte eines bekannten Modehauses im Mittelpunkt steht, sondern vor allem eine sehr romantisch angelegte Liebesgeschichte. Die junge Sofia verlässt ihr Dorf, arbeitet bei den Brüdern Prada in Mailand und träumt davon, eigene Entwürfe zu schaffen.

Gerade dieser Einstieg machte zunächst neugierig, weil die Verbindung aus Mode, Italien und einer Frau mit großen Plänen viel Atmosphäre versprach. Auch das Cover und die Inhaltsangabe weckten Erwartungen an einen Roman, der stärker in die Welt von Prada eintaucht.
Leider konnte die Geschichte dieses Gefühl nur selten halten. Vieles wirkte recht oberflächlich und oft auch unnötig dramatisch. Die Liebesgeschichte zwischen Sofia und Mario nahm schnell sehr viel Raum ein, während die Entwicklung des Geschäfts eher im Hintergrund blieb. Dadurch entstand stellenweise das Gefühl, dass der Name Prada vor allem als Kulisse genutzt wird. Wer hofft, mehr über die Entstehung der Marke oder das damalige Italien zu erfahren, dürfte vermutlich etwas enttäuscht sein.
Auch die Figuren blieben eher blass. Sofia hatte zwar sympathische Momente, wirkte aber oft zu idealisiert. Mario wiederum blieb schwer greifbar und manche Entscheidungen erschienen wenig glaubwürdig. Einige Dialoge klangen zudem überraschend zeitgemäß und dem heutigen Sprachgebrauch angepasst, wodurch die Zeit um 1913 nicht immer lebendig wirkte. Gerade bei einem historischen Liebesroman fällt so etwas schnell auf.
Dabei liest sich das Buch durchaus flüssig und leicht. Die Seiten vergehen schnell und manche Szenen vermitteln ein angenehmes Bild vom alten Mailand, von Stoffen, kleinen Werkstätten und dem Wunsch nach einem besseren Leben. Trotzdem fehlte über weite Strecken die Tiefe. Gefühle wurden häufig sehr ausgeschmückt beschrieben, ohne wirklich zu berühren. Dadurch wirkte vieles etwas überladen und vorhersehbar.
Besonders schade war das nach den positiven Eindrücken anderer Bücher der Autorin. Vor allem die Kaufhaus-Reihe sowie die Alltagswunder-Saga konnten mit Atmosphäre, Figuren und Zeitgefühl deutlich mehr überzeugen. Umso größer war hier die Hoffnung auf einen Roman, der Modegeschichte und persönliche Schicksale glaubwürdig verbindet.
Wichtig ist aber auch, dass es sich um einen fiktiven Liebesroman handelt, der keine wirkliche Geschichte über Prada erzählt und die Realität keineswegs widerspiegelt. Wer eher eine leichte Liebesgeschichte mit etwas Glamour sucht, könnte trotzdem unterhalten werden. Die Erwartungen an einen tieferen Roman über die berühmte Marke sollten allerdings nicht zu hoch sein.
3 Sterne.

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Rezensionen von Allesleser:

Leider ohne Wunder

Zeit der Freundinnen von Tanja Huthmacher

Wundertütentage. Man weiß nie, was der Tag noch bringen wird, welche Überraschungen er bereithält.

So geht es auch den drei Frauen Julia, Helene und Sophie. Alte Freundinnen, neue Freundinnen. Alle drei haben Kinder, die das Haus verlassen, um die Welt zu entdecken, ihre Träume zu verwirklichen und ihre eigene Zukunft aufzubauen.

Die alltäglichen Aufgaben und Ereignisse, die das mit sich bringt wechseln ab mit den persönlichen Problemen rund um Ehe, Freundschaft und eigene Träume.

Es ist eher eine ruhige Geschichte, bei der manches etwas aufgebauscht wird, was letztendlich schnell vergeht. Verlustängste, Eifersucht und Geheimnisse beschäftigen die Frauen. Julia, die im ersten Band die Hauptrolle spielt, sucht immer noch nach ihrem Vater, der vor langer Zeit die Familie verlassen hat. Durch einen Zufall hat sie endlich eine Spur zu ihm gefunden. Nette Idee, aber für mich nicht ganz nachvollziehbar.

Die Autorin hat hier viele Dinge aufgegriffen und in ihrer Geschichte untergebracht, immer auch darauf bedacht den Themen und Redewendungen der Zeit gerecht zu werden. Mir war es manchmal etwas zu viel und macht die Figuren, allen voran Julia, in meinen Augen nicht immer sympathisch.

Ich hätte gerne mehr erfahren über die Ausbildung des Sohnes, dafür weniger über die manchmal unreifen Handlungen von Julia.

Wundertüten sind Geschmackssache, genau wie Geschichten. Mir hat hier der Pep gefehlt, das Mitreißende, das was mich ans Buch fesselt. Eine nette Geschichte, die bestimmt ihre Leser finden wird.

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Rezensionen von Manfred Fischer, Journalist u. Historiker:

Interessantes Buch zum immer wieder Hineinschmökern

Atlas der 60er Jahre von COLUMBUS Verlag GmbH & Co. KG

Die Umbrüche der 60er Jahre anhand von mehr als 200 (Land-)Karten und visuellen Darstellungen zu erzählen, finde ich außergewöhnlich. Sie ist mit diesem Atlas sehr gut gelungen.
Wo man beim Lesen langer Texte längst ausgestiegen wäre, laden die Karten zum Wiedereinstieg ein. Etwa wenn es ab S.

38 um die Mondlandungen der Apollo-Missionen geht. Gerade hatte ich die Nachrichten zur aktuellen Artemis-Mission der NASA verfolgt, da lud mich dieser Abschnitt ein auf die Mondlandungen vor mehr als 40 Jahren zurückzusehen.
Durch die Karten und bildliche Darstellungen lassen sich Entwicklungen, Zusammenhänge und globale Trends schnell erfassen und einordnen. Die Kartografie wird dabei selbst zum Analyseinstrument.
Im Abschnitt „Krieg und Konflikte“ werden etwa die zahlreichen Auseinandersetzungen im Zuge des Kalten Krieges anschaulich dargestellt. Man sieht gleich was sich wo ereignet hat.
Der 60er-Jahre-Atlas ist kein Buch zum von vorne bis hinten durchlesen, sondern eines zum immer wieder Hineinschmökern.

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