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Rezensionen von Manfred Fischer:

Hexenverfolgung – Lesenswerte Analyse

Hexen vor Gericht! von Kai Lehmann

Der Historiker und Museumsdirektor Kai Lehmann ist auf Alltagsgeschichte sowie auf Zeugnisse und Kirchenbücher der einfachen Bevölkerung spezialisiert. In diesem Buch untersucht er die Ursachen der Hexenverfolgung im christlichen Europa vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Schätzungsweise 40.000 bis 60.

000 Menschen fielen ihr zum Opfer; rund 80 Prozent davon waren Frauen.
Anhand zahlreicher Einzelfälle, unter anderem aus Gerichtsakten, zeigt Lehmann, wie zunächst unerklärliche Krankheiten und Viehseuchen, aber auch Neid, Habgier, Hass, Missgunst und Rache zu Anschuldigungen wegen Hexerei führten.
Rückenschmerzen und Lähmungserscheinungen, die nach heutigem Wissen durch Bandscheibenvorfälle verursacht werden können, galten damals als unerklärlich und wurden Hexen zugeschrieben. Noch heute bezeichnet der Begriff „Hexenschuss“ solche plötzlich auftretenden Rückenschmerzen.
Die großen Wellen der Hexenverfolgung um 1570/80 wurden durch eine Klimaverschlechterung begünstigt. Die sogenannte „Kleine Eiszeit“ brachte niedrigere Temperaturen und schlechte Ernten mit sich, die wiederum Hungerkrisen auslösten. Auch dafür machte man Hexen und Zauberer verantwortlich.
Hinzu kam im 16. Jahrhundert die Erfindung der Druckerpresse: Flugschriften mit häufig zweifelhaften Informationen konnten nun massenhaft verbreitet werden. In diesem Zusammenhang lässt sich von medial inszenierten Massenhysterien sprechen.
Es ist faszinierend, der Argumentation des Autors durch die Jahrhunderte zu folgen. Ein lesenswertes Buch.

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Lesenswerter Überblick über Aufstieg und Fall der Niederländischen Ostindien-Companie (VOC)

Die Jagd nach der Muskatnuss von Christian Schüle

Das Buch von Christian Schülle erzählt vom Beginn des modernen Kapitalismus, der Erfindung der Aktie, vom Monopol auf den Handel mit dem Gewürz Muskatnuss und den Exzessen des Kolonialismus in Asien. Er zeigt welche Bedeutung der Asienhandel und die Gewürzinseln für die Niederlande hatten.
1602 schlug die Geburtsstunde der ersten Aktiengesellschaft der Welt.

In Amsterdam entstand die legendäre Vereinigte Ostindische Compagnie, kurz VOC, als Aktiengesellschaft und ein privat organisiertes Unternehmen. Dieses stieg im Auftrag der niederländischen Republik in den Gewürzhandel mit Asien ein, baute in Ostindien ein weitreichendes Handelsnetz auf und entwickelte sich zu einer Kolonialmacht.
Die VOC sicherte sich Handelsmonopole, siedelte Niederländer an, zwang die einheimische Bevölkerung zur Unterwerfung und richtete Massaker an. Die aus Asien eingeführten Waren wie Pfeffer, Muskat und Gewürznelken waren in Europa zeitweise kostbarer als Gold.
Dieses Regime lief von 1602 bis 1798 sehr gut. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts sorgten allerdings Korruption und Dekadenz, sowie die erstarkende Seemacht England für den Niedergang der VOC.

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Lesenswert: Das große Buch vom Kaffee

Das große Buch vom Kaffee von Deutscher Kaffeeverband; Britta Mattern; Holger Preibisch

„Der Tag beginnt nach dem ersten Kaffee“ ist mein Leitspruch. Davor sollte man mich nicht ansprechen *grins*. In Deutschland und Österreich konsumieren Menschen im Schnitt rund 2,75 Tassen Kaffee täglich. Hochgerechnet bedeutet das über 1000 Tassen pro Jahr und Person.
Für alle, die verstehen wollen, was die Kaffeebranche in Deutschland heute prägt und welche Entwicklungen sie morgen bestimmen werden, ist das Buch des Deutschen Kaffeeverbandes sehr zu empfehlen.

Der Deutsche Kaffeeverband ist seit 1969 das Netzwerk der Kaffeebranche. Heute vereint der Verband rund 380 große und kleine Kaffeeunternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von Nachhaltigkeit über Handel und Röstung/Verarbeitung bis hin zu Technik, Logistik und Analytik.
Das Buch zeichnet die Reise des Kaffees nach: von seinen Ursprüngen und dem traditionellen Handwerk in Äthiopien bis hin zu seinem heutigen Status als alltäglicher Begleiter auf der ganzen Welt. Wie entsteht Qualität? Welche Prozesse durchläuft die Bohne? Was bedeutet Verantwortung in der Welt des Kaffees? All diese Fragen werden eingehend behandelt.
Fazit: Das Buch ist eine empfehlenswerte, fundierte Einführung für alle, die die Kaffeebranche in Deutschland und ihre zentralen Themen besser verstehen wollen. Eine Schwäche bleibt der Abschnitt zur europäischen Verbreitung: Hinweise auf Wien nach der Zweiten Türkenbelagerung 1683 und auf Triest als wichtigen Transporthafen für den Kaffeeimport nach Italien und Zentraleuropa würden die historische Einordnung deutlich abrunden.

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Empfehlung: Buch zur Sonnenfinsternis, inklusive Sonnenfinsternis-Brille

Sonnenfinsternis über Europa von Werner E. Celnik

Am 12. August ist nach langer Pause in Europa wieder eine Sonnenfinsternis zu bestaunen. Wer die Finsternis als Totale erleben möchte, muss nach Spanien reisen. Die Totalitätszone zieht sich quer über die Iberische Halbinsel. Bei uns – Ostermiething, Oberösterreich - wird zu ihrem Höhepunkt um 20h15m 90% der Sonnenscheiben vom Mond verdeckt werden.

Passend dazu empfehle ich Ihnen das Buch „Sonnenfinsternis über Europa“ von Werner E. Celnik, das im Kosmos Verlag erschienen ist. Es enthält alle wichtigen Informationen zur Sonnenfinsternis mit übersichtlichen Karten über den Verlauf und den Bedeckungsgrad in verschiedenen europäischen Regionen. Fototipps zum Festhalten des Ereignisses finden sich in dem Büchlein ebenfalls. Weiters ist eine Sonnenfinsternis-Brille zur gefahrlosen Beobachtung der Sonne enthalten.
Die wichtigsten Daten zur Mondfinsternis am Morgen des 28. August finden sich im Buch ebenfalls.
Daher: sehr empfehlenswert!

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Tiefer Einblick in Innviertler Geschichte

Das südliche Innviertel (Historischer Atlas von Bayern, Altbayern/Innviertel) von Roger Michael Allmannsberger-Nietsche; Stephan Hubinger; Gerhard Schwentner

Die zwei Bände „Südliches Innviertel“ des Historischen Atlas von Bayern geben auf 2500 Seiten eine detaillierte Darstellung des Werdens des jüngsten oberösterreichischen Viertels von der Vor- und Frühgeschichte bis in die unmittelbare Gegenwart. Herausgegeben wurden sie vom Oberösterreichischen Landesarchiv.

Sie sollten in keiner historischen Bibliothek zum Innviertel fehlen.
Die beiden Bände sind das Ergebnis einer langjährigen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Kommission für bayerische Landesgeschichte und dem Oberösterreichischen Landesarchiv zur Erforschung der gemeinsamen Vergangenheit.
Die historische Erschließung der Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen des alten Innbayerns (so wurde das Innviertel vor 1779 genannt) ist nicht nur für die heimatkundliche, sondern auch für die landesgeschichtliche Forschung eine unverzichtbare Grundlage. Viele heute noch gültige Strukturen wie Bezirks- und Gemeindegrenzen gehen in ihren Ursprüngen auf diese historischen Gegebenheiten zurück.

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Graphic Novels – neuer Zugang zur Wissensvermittlung?

Quantix von Laurent Schafer

Graphic Novels sind eine Kombination aus Bildern und Text, die komplexe Inhalte auf visuell ansprechende Weise vermitteln wollen. In „Quantix. Einstein, Hawking und der ganze Rest“ versucht Laurent Schafer dies wissenschaftlich fundiert mit Inhalten zur modernen Physik von der Relativitätstheorie bis zur Quantenphysik.

Von Albert Einstein bis Stephen Hawking stellt er die revolutionären Theorien vor und versucht den physikalischen Phänomenen wie Schwarzen Löchern, rätselhaften Quanteneffekten oder der Relativitätstheorie auf den Grund zu gehen.
Ich fand es spannend das Buch zu lesen. Zu Beginn war ich der Ansicht, dass Graphic Novels kein Konzept der effektiven Wissensvermittlung für mich sind. Diese Ansicht hat sich mit dem Lesen etwas verändert, wenn gleich nicht alle meine Vorbehalte zerstreut wurden.
Meine Empfehlung daher: Bilden sie sich selbst eine Meinung und riskieren sie den Kauf des Buches.

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Interessantes Buch zum immer wieder Hineinschmökern

Atlas der 60er Jahre von COLUMBUS Verlag GmbH & Co. KG

Die Umbrüche der 60er Jahre anhand von mehr als 200 (Land-)Karten und visuellen Darstellungen zu erzählen, finde ich außergewöhnlich. Sie ist mit diesem Atlas sehr gut gelungen.
Wo man beim Lesen langer Texte längst ausgestiegen wäre, laden die Karten zum Wiedereinstieg ein. Etwa wenn es ab S.

38 um die Mondlandungen der Apollo-Missionen geht. Gerade hatte ich die Nachrichten zur aktuellen Artemis-Mission der NASA verfolgt, da lud mich dieser Abschnitt ein auf die Mondlandungen vor mehr als 40 Jahren zurückzusehen.
Durch die Karten und bildliche Darstellungen lassen sich Entwicklungen, Zusammenhänge und globale Trends schnell erfassen und einordnen. Die Kartografie wird dabei selbst zum Analyseinstrument.
Im Abschnitt „Krieg und Konflikte“ werden etwa die zahlreichen Auseinandersetzungen im Zuge des Kalten Krieges anschaulich dargestellt. Man sieht gleich was sich wo ereignet hat.
Der 60er-Jahre-Atlas ist kein Buch zum von vorne bis hinten durchlesen, sondern eines zum immer wieder Hineinschmökern.

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Cosmic Latte ist die Farbe des Universums - interessant!

Auf einen Kaffee im All von Eva Freistetter; Jana Steuer; Elka Xharo

Das Buch "Auf einen Kaffee im All" von Eva Freistetter, Jana Steuer und Elka Xharo enthält auf 251 Seiten interessantes Wissen über das Weltall und ist leicht lesbar. Neu war mir beispielsweise, dass das Universum eine eigene spezielle Farbe hat – Cosmic Latte heißt diese und ist ein helles Beige.

Wie es zu dieser Zuschreibung kam, liest mann/frau auf Seite 11.
Besonders aufschlussreich finde ich auch den Abschnitt "Horoskope, Mondmythen und andere Märchen", der den Unterschied zwischen AstroNOMIE und AstroLOGIE gut verständlich und leicht nachvollziehbar argumentiert.
Ein Teil ist „Frauen, die nach den Sternen greifen“ gewidmet. Er hebt Frauen hervor, die für die Astronomie große Bedeutung hatten, deren Namen aber in der Astronomie-Geschichte unter den Tisch fallen. Etwa der von Vera Rubin, die sich Verdienste bei der Jagd nach der Dunklen Materie erwarb (S. 65ff).
Weitere Kapitel behandeln die Exoplanetenforschung, seltsame Objekt im Weltall, die Planetare Verteidigung vor Asterioden und anderes mehr.
Das Buch verschriftlicht die Beiträge des Podcast "Cosmic Latte" (https://cosmiclatte.podigee.io/episodes) von Eva Freistetter, Jana Steurer und Elka Xharo.

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Leicht lesbare gut zusammengefasste Darstellung

Die Steinzeit von Hermann Parzinger

Dem international renommierten Archäologen und Prähistoriker Hermann Parzinger ist mit diesem Buch eine leicht lesbare und übersichtliche Darstellung der Steinzeit gelungen – immerhin eine Zeitperiode von vor ca. 2,7 Millionen Jahren bis zum Ende des Neolithikums etwa 3000 vor unserer Zeitrechnung.

Der Untertitel lautet „Vom ersten Faustkeil bis zur Sesshaftwerdung“.
Der Autor teilt den langen Zeitraum in fünf Kapitel auf. Im ersten von 2,7 Millionen bis 45.000 Jahre vor heute beschreibt er die Entwicklung vom Homo habilis über den Homo erectus bis zum Homo sapiens und dessen Weg aus Afrika heraus. Er geht dabei auch auf den Neandertaler und die Denisoveraner ein.
Er verweist auf die durch die Genanalyse möglich gewordenen neuen Erkenntnisse. Etwa, dass nicht jede mit Waffen als Beigaben bestattete Person ein Mann gewesen ist. Dies zeigte, dass auch Frauen jagten und am Erlegen von Tieren beteiligt waren.
Parzinger nimmt weiters die Entwicklungen außerhalb Eurasiens in Augenschein und betrachtet die «neolithische Revolution» – also die Sesshaftwerdung und den Beginn des bäuerlichen Lebens – in einem globalen Zusammenhang. Interessant und lesenswert, finde ich.

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Unterhaltsames Buch zu Bibelzitaten

Mit Feuereifer und Engelszungen von Rainer Metzner

Ja, Sie lesen richtig … unterhaltsam und Bibelzitate. Mit „Feuereifer und Engelszungen“, das kürzlich im C.H. Beck Verlag erschien, ist Rainer Metzner ein lesenswertes, unterhaltsames Buch zu Bibelzitaten gelungen.
Der Theologe der Humboldt-Universität Berlin und evangelische Pfarrer greift in einer lexikalen Zusammenstellung 280 Wendungen und Wörter aus der deutschsprachigen Übersetzung der Bibel durch Luther auf, die in unseren allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden haben.

Er legt ihr Vorkommen in der Bibel, ihre Bedeutung in der Originalsprache und in der deutschen Übersetzung dar. Er zitiert die Bibelstellen und liefert Hintergrundwissen zu den Textstellen.
So etwa zum Begriff „Denkzettel“: „Das Wort Denkzettel steht seit dem 15. Jahrhundert für ‚schriftliche Nachricht, Vorladung, Urkunde‘, dann auch für ‚Merkzettel, Notizbuch‘. Die alte Lutherbibel (LÜ 1545) gebraucht den Ausdruck als Übersetzung für das himmlische ‚Gedenkbuch‘ (revidiert) der Gerechten (Mal 3,16, hebr. sefär sikkaron) und für die an Stirn und Arm getragenen ‚Gebetsriemen‘ (revidiert), die auf Pergamentstreifen verzeichnete Schriftworte als Merkzeichen’ (Dtn 6,8; 11,18) enthalten (Mt 23,5, griech. phylakteria).“
Die Redewendung „sich ein Feigenblatt umhängen“ beziehungsweise „etwas als Feigenblatt benutzen“ (also etwas verbergen) spielt auf Gen 3,7 an. Feigenblätter sind bekanntlich „die als Notbehelf gewählte Kleidung“, die sich Adam und Eva als Schurze über die Genitalien legen, nachdem sie sich ihrer Nacktheit bewusst wurden.

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