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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Emmmbeee:

Ein Leben, bunt wie Cocktails

Der Barmann des Ritz von Philippe Collin

Mir sagte der Name vor dem Lesen zwar nichts (was nichts heißen soll), doch Frank Meier muss ein berühmter und beliebter Barmann gewesen sein. Über Amerika und nach den Schützengräben des Ersten Weltkrieges tritt er mit 37 Jahren das erste Mal über die Schwelle des Pariser Hotels Ritz.
Der Junge aus kleinsten osteuropäisch-jüdischen Verhältnissen hat die Angst längst kennengelernt, und sie begleitet ihn auch noch durch die Zeit des Zweiten Weltkrieges, als er immer noch die Seele der Ritz Bar ist.

Immer wieder muss Meier in seinem Leben neu anfangen, versuchen zu überleben, und gerade während der deutschen Besatzung in Paris vollführt er einen Drahtseilakt nach dem anderen. Er wird unfreiwillig Zeuge von Gesprächen, die nicht für seine Ohren bestimmt sind – und er ist Jude. Gleichzeitig kommt neben den NS-Granden viel interessante Prominenz an seine Bar.
Zahlreiche Fotos am Ende des Buches illustrieren das Erzählte. Philippe Collin vermischt in seinem Werk geschickt Fiktion mit Wahrheit, sobald authentisches Erzählen nicht möglich ist. So serviert er dem Leser immer wieder „Tagebuchausschnitte“ von Frank Meier, die viele Situationen erhellen und erklären und die durchaus der Wahrheit entsprechen könnten.
Das stimmt aber so nicht, denn das sind sie keineswegs. Ein Tagebuch ist ein fortlaufend ergänztes Journal. Diese Teile des Romans sind zwar in der Ich-Form gehalten, sie sind jedoch reine Rückblicke in Meiers Anfänge, in sein früheres Leben. Hier hätte ich mir mehr Sorgfalt gewünscht, aber vielleicht liegt es an der Übersetzung.
Mich jedenfalls hat fasziniert, was für ein vielseitiges Leben Philippe Collin aus den Buchseiten erstehen lässt. Der Roman ist von Beginn an sehr spannend, farbig und prickelnd, wie die Cocktails es wohl gewesen sein müssen, welche der berühmte Barmann kreiert hat.

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Rezensionen von ReiShimura:

Ich bin besseres von Marc-Uwe Kling gewöhnt

Neon und Bor von Marc-Uwe Kling; Jan Cronauer

An Marc-Uwe Kling kommt man nicht vorbei, oder nur schwer, vor allem wenn man Kinder hat. Denn Marc-Uwe Kling ist überall. Sowohl in den Bücherregalen für Kleinstkinder als auch bei den Kleinkindern, bei Kindern und natürlich auch bei den Erwachsenen. Er ist gut, keine Frage, er ist lustig, zumindest meistens und er ist überall.

Vielleicht liegt es an letzterem, dass ich mit diesem Buch nicht mehr ganz so zufrieden bin. Möglicherweise leide ich unter einer Überdosis MUK.
Denn im Großen und Ganzen ist das Buch eigentlich gar nicht schlecht, bzw. eigentlich müsste ich sagen, ist das Hörbuch, welches natürlich, *trommelwirbel* von Marc-Uwe Kling selbst gelesen wird, recht lustig. Aber auch ein wenig viel, also eigentlich eher ein wenig zu viel. Ein wenig zu viel von allem. Getestet wurde das Hörbuch sowohl an der Zielgruppe, also annähernd an der Zielgruppe, denn das Buch ist ab 6 Jahre und die Testhörerin ist knapp sechs, aber wer wird so hier schon so kleinlich sein und an einer Erwachsenen, die in der letzten Zeit, ganz viel MUK abbekommen hat. Beide haben sich phasenweise sehr über das Buch amüsiert, wohlgemerkt zumeist an unterschiedlichen Stellen. Aber ich denke, dies ist vom Autor auch so beabsichtigt.
Wie man es von dem Autor gewohnt ist, nimmt er weder das Leben noch sich selbst allzu ernst. Daher fand die Erwachsene vor allem die Referenzen zu seinen anderen Büchern, und von denen gab es einige, also sowohl Querverweise also auch Bücher, besonders amüsant. Die kindliche Hörerin hat sich über das Verhalten und die Ideen von Neon und Bor sehr amüsiert. Wobei man gemerkt hat, dass sie einige der Dinge nicht verstanden hat, obwohl es doch viele Erklärungen gibt und einige Lacher ein wenig verpufft sind auf Grund der viel Zahl an Dingen.
Die grundsätzliche Idee des Buches fand ich, die Erwachsene, eigentlich ganz gut. Dennoch habe ich das Gefühl, dass sich der Autor hier ein wenig verstrickt hat. Und zwar in der Idee ein Kinderbuch zu schreiben, dass die Erwachsenen genauso gut unterhält wie die Kinder. Gefühlsmäßig wollte er mit diesem Buch so etwas erreichen wie es Disney/Pixar mit ihren Filmen schafft. Also ein Medium, dass eigentlich an Kinder gerichtet ist, bei dem aber von Anfang an klar ist, dass die Erwachsenen mitmachen werden und diese auch sehr gut unterhalten werden sollen. Ein extrem schwieriger Spagat und leider muss ich sagen, dass er nur mäßig gelungen ist.
Denn meine persönliche Erfahrung zeigt, dass beide Seiten nicht komplett zufrieden gestellt wurden. Ironischerweise aus dem gleichen Grund: Es war alles ein wenig zu viel, zu abgehoben, zu überdreht.
Wobei ich mich hierbei wahrscheinlich selbst ein wenig maßregeln muss. Denn ich vermute, ich würde das Buch nicht so hart kritisieren, wenn es von einem anderen Autor wäre. Von Marc-Uwe Kling bin ich einfach besseres gewöhnt. Allerdings hat er das Hörbuch wie immer vortrefflich gelesen. Mir ist bewusst, dass viele die Entscheidung, dass ein Autor sein Buch selbst als Hörbuch vertont scharf verurteilen. Ich stehe dem Ganzen eher neutral gegenüber und muss sagen, dass ich da auch eher positive Erfahrungen gemacht habe.
Denn auch wenn ich mit dem Inhalt des Buches nicht komplett zufrieden bin, muss ich zugeben, dass ich es immer wieder charmant finde, wenn MUK seine Bücher selbst als Hörbuch einliest. Und ich hoffe sehr, dass sich auch daran in Zukunft nichts ändert. Denn ich werde auch sicher den zweiten Teil von Neon und Bor, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass es einen weiteren Teil geben wird, auch wieder hören.

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Rezensionen von DoraLupin:

Ich hatte etwas anderes erwartet

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit von Flix

Ich lese immer wieder gerne Kinderbücher, auch wenn ich nicht zur direkten Zielgruppe gehöre. Dieses Buch klang sehr spannend und der Klappentext konnte mich schon faszinieren. Ich wollte also unbedingt wissen was dahinter steckt und habe mit jeder Menge Spaß und fantastischen Ideen gerechnet.

Leider konnte mich die Geschichte aber nicht so abholen, wie ich mir das gewünscht hätte und war in Teilen etwas zäh zu lesen. Ausserdem haben mich die Themen teilweise nicht angesprochen.

Die Geschichte dreht sich um den des 12 5/6 Jahre alten Mika, der in den scheinbar ödesten Sommerferien aller Zeiten über sich hinauswachsen muss. Dass er dafür mit dem Auto durch die dunkle Nacht rast, um seine Oma zu retten – Kleinigkeit. Und mit einem Luftschiff in die fremde Stadt fährt? Geschenkt! Aber warum geht dort plötzlich alles in Erfüllung, was er sich wünscht? Wieso erledigen Affen das, worauf er keine Lust hat? Und weshalb findet er sogar im Club der großen Geister mit Leichtigkeit Freunde? Irgendetwas stimmt nicht, und Mika dämmert es langsam: Dies ist keine gewöhnliche Reise, sondern eine Frage von Leben und Tod! Eine rasante Geschichte voller unerwarteter Wendungen, die zeigt, was für ein großes, wildes Abenteuer es ist, erwachsen zu werden.

In die Geschichte habe ich gut hineingefunden. Der Schreibstil ist sehr bildlich und leicht und locker zu lesen, deshalb sind auch die ersten Seiten nur so dahingeflogen und bis Mika mit seiner Oma Immerland erreicht fand ich die Geschichte auch richtig spannend und mitreißend. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Zustand aber leider verflüchtigt. Zunächst wird Immerland noch wirklich sehr chaotisch und fantasievoll beschrieben und der Autor hat auf jeden Fall eine Menge Ideen im Kopf, die mir teils gefallen haben, teils weniger, aber es wurde mir dann mit der Zeit etwas "Zu viel" von allem und die Handlung hat sich im Mittelteil der gezogen in meinen Augen. Auch die Themen waren mir ein wenig zu technisch, ich dachte das Buch wird märchenhafter und geht in Richtung "Alice im Wunderland", das war aber nicht so. Stattdessen drückte Mika immer wieder die Grundstimmung. Der Junge war mir nicht unsympathisch aber wirklich warm bin ich mit ihm leider nicht geworden. Er hat in der Vergangenheit viele Probeme in der Schule und zu Hause, die immer wieder kurz angesprochen werden aber mir war das nicht tiefgründig genug erzählt. Gegen Ende wurde die Handlung wieder spannender und ich konnte sogar eine Zeit lang mitfiebern, aber dann kam eine Szene, die ich total brutal geschrieben gefunden habe und die ich in einem Kinderbuch keinesfalls gutheißen kann! SPOILER: da wird ein Wesen bis zum Tod gequält und das hat in einem Kinderbuch nichts verloren, in meinen Augen! SPOILER ENDE. Das Ende der Geschichte habe ich so ähnlich erwartet, auch wenn es für mich dann doch zu philosophisch wurde. Die Geschichte blieb zwar unterhaltsam, aber es gab auch leider langatmige Passagen – und mir hat mehr Spannung auch irgendwo gefehlt. Die Geschichte endet mit einem Cliffhanger, der aber nicht so überraschend und stark ist, das ich den Folgeband lesen muss. Somit werde ich den zweiten Teil wohl nicht mehr lesen und vergebe für das Auftaktbuch 3 von 5 Sternen.

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Rezensionen von DoraLupin:

Starker Anfang, der leider nachlässt

Der Schlaf der Anderen von Tamar Noort

Bei diesem Buch hat mich schon der Klappentext sehr neugierig darauf gemacht. Deshalb wollte ich die Geschichte auch unbedingt abhören. Ausserdem arbeite ich selbst im medizinischen Bereich und fand das Thema deshalb spannend. Doch leider wurde ich von der Handlung schlussendlich nicht so mitgerissen, wie ich mir das gewünscht hätte.

Den Anfang der Geschichte fand ich noch richtig stark, aber leider hat die Handlung dann, in meinen Augen, nachgelassen.

Die Geschichte dreht sich um Janis, die als Nachtwache im Schlaflabor Fremde ins Bett bringt und ihnen beim Schlafen zuschaut. Der Tag-Nacht-Rhythmus, der anderen Menschen eine natürliche Struktur gibt, gilt für sie nicht. Janis arbeitet, wenn andere ruhen, sie lebt allein und hat sich mit sich selbst gut eingerichtet. Erst als Sina bei ihr auftaucht, erwacht in Janis wieder der Wunsch nach einem anderen Leben. Sina ist Lehrerin und hat einen geregelten Alltag. Doch allmählich entgleitet ihr die Kontrolle: über ihre Familie, ihre Arbeit, ihr ganzes Leben. Als sie Janis kennenlernt, lässt sie einmal die Krisen los, die zu Hause auf sie warten. Woher kommt die starke Verbindung, die beide Frauen spüren Langsam befreien sich Janis und Sina von dem Takt, den der Alltag ihnen vorgibt. Sie begeben sich auf eine Reise durch die Nacht, in der auf einmal alles auf dem Spiel steht – und nichts mehr bleibt, wie es war.

In die Handlung habe ich ohne Probleme hineingefunden. Der Schreibstil ist sehr bildlich, locker und leicht, sodass ich mich ganz auf die Handlung konzentrieren konnte. Der Anfang war auch wirklich mitreißend und faszinierend geschrieben, sodass die Minuten regelrecht dahinfliegen und es hat sich ein schöner Fluss des Hörens ergeben.

Die Geschichte wird im Wechsel aus der Sicht von Janis und Sina erzählt, was ich gut finde, denn so kann man Beide besser kennenlernen, ihre Gedanken- und Gefühlswelt besser nachvollziehen und es sorgt für Abwechslung in der Geschichte. Doch leider hatte ich das Problem, dass mir beiden Protagonistinnen nicht richtig nahe gekommen sind und im Laufe der Lauf konnte ich ihre Handlungen auch nicht mehr ganz nachvollziehen. Je weiter die Geschichte dem Ende entgegen geht desto mehr hat die Handlung mich leider losgelassen und ich konnte nach dem wirklich starken Anfang nichts mehr mit dem Hörbuch anfangen.

Die Sprecherin hat die Geschichte aber wirklich schön gelesen und hatte eine sehr angenehme Stimme. Ich habe ihr gerne zugehört.

Fazit: Zusammengefasst war das Hörbuch nicht ganz mein Fall, auch wenn ich trotz allem recht gut unterhalten wurde. Ich kann aber leider nur 3 von 5 Sternen dafür vergeben.

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Rezensionen von M:

Guter, spannender Thriller

Dunkle Sühne von Karin Slaughter

Ich war sehr gespannt auf den Auftakt der neuen Trillerreihe North Falls von Karin Slaughter und ich das Buch Dunkle Sühne gefällt mir ausgesprochen gut. Die Ermittlerin Emmy, ihr Vater als ihr Chief und ihr Sohn, ebenfalls als Polizist im späteren Teil, haben mich absolut überzeugt. Die Charaktere sind gut dargestellt und vorzustellen und man fühlt auch nach 15 Jahren mit Emmy mit.

Der Fall um die beiden verschwundenen Mädchen ist absolut interessant geschrieben und hat mich von der ersten Seite an gepackt. Auch die Nebenhandlungen, wie zum Beispiel die Freundschaft mit Hannah und die Krankheit von Emmys Mutter sind auch auf emotionaler Ebene sehr gut geschrieben. Nachdem der Fall mit den beiden Mädchen gelöst war, dachte ich das Buch wäre zu Ende, es hat dann aber noch einmal Fahrt aufgenommen und auch das Ende war nicht vorhersehbar.

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Rezensionen von clematis:

Frei und unbeschwert

Die Farben der Provence von Regine Kölpin

Eine überstandene schwere Krankheit und ein zermürbender Job veranlassen Kat dazu, sich eine Auszeit in Le Lavandou an der Côte d’Azur zu nehmen. Nicht nur, dass sie ihren Arbeitsplatz kündigt, nein, auch ihr langjähriger Lebensgefährte Tobi soll daheim bleiben, sodass Kat sich tatsächlich frei und unbeschwert fühlen und sich ganz auf sich selbst besinnen kann.

Rasch schließt die Norddeutsche in Südfrankreich Freundschaften und denkt daran, für immer am Meer zu bleiben.
Eine virtuose Sprachmelodie begleitet unsere Reise von Jever nach Le Lavandou, zeigt uns in malerischen Farben leuchtend bunte Felder und azurblaues Wasser. Am Wochenmarkt duften feine Gewürze und erlesene Kräuter, das frische Baguette und delikates Olivenöl wecken Appetit, der liebliche Roséwein darf nicht fehlen, der Crémant perlt stilvoll im Glas. Alle Sinne werden geschickt verführt, sodass es kaum verwunderlich ist, wenn Kat sich hier von Anfang an wohlfühlt und immer weniger an eine Rückreise denkt. Aber ganz so einfach ist die Geschichte dann doch nicht, Tobi existiert ja auch noch, genauso wie die Freundinnen Biggi und Sanne in der Heimat. Geschickt lenkt Regine Kölpin die Handlung durch vielfältige und abwechslungsreiche Szenen, wobei tatsächlich verschiedene Varianten für das Ende möglich sind und man nicht sofort erahnen kann, wie sich Kat schließlich entscheiden wird. Sympathische Figuren, die sich merklich weiterentwickeln, stehen im Mittelpunkt dieses wunderschönen Romans, der einen beim Lesen immer wieder zu berühren vermag.
Die Farben der Provence, ein besonders gelungener Roman mit viel Gefühl und wunderbarer Atmosphäre. Ich spreche sehr gerne eine Leseempfehlung aus.

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Rezensionen von Kwinsu:

Etwas langatmiger Krimi auf einer kleinen Insel

Die Farben der Provence von Regine Kölpin

Nach einiger Zeit in Deutschland kehrt die ehemalige Kriminalpolizistin Christina in ihre Heimat Griechenland zurück: auf der kleinen Insel Paros nimmt sie ihre Polizeitätigkeit wieder auf. Während sie sich anfänglich einen gemütlichen Wiedereinstieg in ihre berufliche Tätigkeit als Polizistin erhofft, überschlagen sich die Ereignisse: eine Inselbewohnerin wird tot aufgefunden und ihr Ehemann gilt als wahrscheinlicher Täter.

Doch Christina ahnt von Beginn an, dass der Fall nicht so einfach gelagert ist, wie sich das ihre Kollegen vorstellen...

Hanna von Feilitzsch deckt in ihrem selbstpublizierten Krimidebut "Der letzte Ouzo" die engen Banden der Inselbewohner schonungslos auf. Die Antwort scheint schnell gefunden zu sein, doch die Ermittlerin Christina weiß, dass nichts so ist, wie es scheint. Sie verlässt sich auf ihre Intuition und Menschenkenntnis und ist überzeugt davon, dass der verdächtige Ehemann nicht der Täter sein kann. Sie ahnt, dass honore Menschen mehr zu verbergen haben, wie sie nach außen den Anschein wahren.

Die Erzählperspektive schwankt zwischen Christina und einer weiteren Person, von der wir einige Zeit nicht erfahren wer sie ist. Diese Person wirkt anfangs verdächtig, ist sie doch offensichtlich psychisch beeinträchtigt und weiß selbst nicht, was sie mit der Tat zu tun hat. Christina jedoch folgt unabweichlich ihrer Intuition und soll letztendlich auch recht behalten.

Die Autorin schafft es eindringlich, die Stimmung und Landschaft der kleinen griechischen Insel zu beschreiben und einzufangen: sofort fühlt man sich als Teil der Gemeinschaft und der Landschaft. Leider wird einiges für meinen Geschmack zu genau beschrieben, weshalb sich die Geschichte für mich enorm in die Länge zieht. Die Gedanken der Ermittlerin Christina werden umfangreich und detailliert beschrieben, was für meinen Geschmack die Spannung abflachen lässt: zu vieles wird aus erzählt, statt es nur anzuteasern. Im gesamten Roman werden immer wieder Floskeln wiederholt, wie beispielsweise: "Sie wusste es nicht" - was mir im Laufe des Lesens fast zu viel wurde. Das mag viele nicht stören und soll auch nicht davon abhalten, den atmosphärischen Krimi zu lesen. Mir persönlich war es aber zu wenig "show, don't tell", das heißt, für meinen Geschmack wurde zu viel aus erzählt. Hinzu kommt, dass die Aufklärung des Falles dann sehr rasch erfolgt. Die Protagonistin Christina spricht dann davon, dass sie den Fall aufgeklärt hat, ohne, dass für mich ersichtlich ist, weshalb sie das getan hat; sprich: sie sagt, den Fall aufgeklärt zu haben, aber die tatsächliche Aufklärung folgt in einer für mich langatmigen Handlung danach. Die Ermittlerin handelt meines Erachtens auch oft irrrational und unrealistisch. Sie will über weite Strecken keinem vertrauen und tut dies dann in einem vorhersehbaren Ausmaß, dass ihr leider viel Ärger und Schaden einbringt.

Zweifelsohne fühlt man sich beim Lesen gut in die kleine Welt der touristischen Insel versetzt, der Fall an sich wirkt für mich aber zu konstruiert und zu langatmig. Freundschaften sind plötzlich existent und die ehrenwerten Bürger sind vorhersehbar korrupt. Vertrauen wird scheinbar zufällig verteilt. Ich habe von der Autorin zuvor einen Familienroman gelesen, der mir ob der ausführlichen Erzählweise tief in Erinnerung geblieben ist, für einen Krimi ist mir diese aber leider zu langatmig.

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Rezensionen von Kwinsu:

Der Wahnsinn um des Wahnsinns Willen

Botanik des Wahnsinns von Leon Engler

Es gibt nichts, was es nicht gibt, heißt es so schön und das trifft auch auf den erzählenden Protagonisten zu: seine Familie ist voller Wahnsinn. Depression, Suizidversuche, bipolare Störung, Alkoholismus, nochmal Depression, Realitätsverweigerung, etc. pp. Kein Wunder also, dass er Angst vor dem Wahnsinn hat.

Schließlich landet er selbst in der Psychiatrie: als Psychologe. Seine Spurensuche in der eigenen Familie deckt allerhand psychisches Chaos auf, das aber nicht immer krankhaft sein muss. Es kann auch die Verzweiflung an der Gesellschaft sein.

Leon Engler legt mit seinem Debüt "Botanik des Wahnsinns" nicht nur ein grandioses Cover vor (wie großartig treffend kann ein Cover nur sein?!?!), sondern auch ein schwarzhumoriges, tiefgehendes und kurzweiliges Schreibwerk, das einen in rund zweihundert Seiten auf eine Reise durch eine notorisch psychisch vorbelastete Familiengeschichte und schließlich zu ihm selbst mit schippert. Vieles ist tragisch, manches befremdlich, doch irgendwie meistert der Protagonist trotz seiner Vorbelastung den Alltag ganz gut. Er versucht viel Neues, weiß nicht so recht, wo die Reise hinführt und landet schließlich im Naheliegenden: dem Beruf als Psychologen. Seine Vorgesetzte lässt ihn rotieren, er macht die unterschiedlichsten Erfahrungen, um am Ende doch festzustellen: das will ich nicht.

Der Autor strotzt nicht nur selbst mit einer philosophischen, humorigen und treffend klugen Sprache, sondern bedient sich auch an wichtigen Zitaten aus der Intellektuellengeschichte, schneidert dies aber größtenteils dem ikonischen Nachbarn des Protagonisten zu. Sätze wie "Ich gehe ins Bad, schaue in den Spiegel und werde alt." (S. 198), "Wie lächerlich klein wirkt doch die Erfindung der Glühbirne, der Fotografie oder des Quantencomputers verglichen mit der Erfindung eines liebenden Gottes" (S. 152) oder "Ich glaube, er mag die Menschen, doch verzweifelt an der Menschheit" (S. 81) sind genauso treffsicher wie kreativ und: einfach großartig! Ob der Thematik kippt einiges verständlicherweise ins Deprimierende, doch das weiß der Erzähler liebevoll, humorvoll und auch sehr schräg zu kaschieren, ohne dabei den Realitätssinn zu verlieren.

Eines ist gewiss: die Geschichte ist tragisch, aber vielleicht ist es der Umstand, dass der Autor längere Zeit in Wien residierte: es ist auch lustig; und schräg. So stellt der Protagonist über seine ehrgeizige Mutter, die trotz bildungsbefremdlicher Herkunft mitunter durchaus erfolgreich wurde, bis sie mit einer fast beispiellosen Ignoranz den Erfolg auch wieder erfolgreich zunichte macht, die Herkunft nicht in Frage: "Wenn meine Mutter einmal keine Eins geschrieben hatte, vergrub sie aus Furcht vor meiner Großmutter ihre Prüfungen. Auf dem Schulweg hatte sie einen Friedhof der Misserfolge eröffnet. Neben den S-Bahn-Gleisen verrotteten Ovid und Seneca zwei Jahrtausende später ein weiteres mal." (S. 25)

Zugegeben: oft musste ich das Buch weglegen, um nicht selbst zu verzweifeln, doch konnte ich nie lange von ihm ablassen. Der Autor trifft meine Vorliebe für schräges, tiefgründiges Drama gekonnt und lässt dieses kurzumfassende Buch zu einem Highlight des Jahres heranwachsen, das ich einerseits nicht so schnell vergessen werde und andererseits bestimmt des Öfteren noch einmal lesen muss. Es ist einfach wahnsinnig großartig!

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Rezensionen von Linelovesreading :

Toll

Glory of Broken Dreams (Devil's Dance 1) von Ruby Braun

Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, wie alle Bücher der Autorin.
Ich fand das Setting der Geschichte einfach nur bezaubernd und mal etwas ganz anderes als alles, was man sonst so liest. Auch das Cover gefällt mir sehr sehr gut und ich musste das Buch einfach haben, nachdem ich es gesehen habe.

Aber nicht nur Setting und Cover konnten mich überzeugen, sondern auch der Inhalt. Der Schreibstil von Ruby Braun ist gut zu lesen und macht sehr viel Spaß.
Die Entwicklung der Charaktere konnte mich überzeugen, da alle Entwicklungen realistisch und nachvollziehbar waren, was mir immer sehr wichtig ist. Die Handlung an sich hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, da sie ein angenehmes Tempo hat und wunderschön ist. Ich war richtig traurig, als das Buch zu Ende war, da ich mich gerne noch länger in dieser Geschichte verlieren wollte. Für mich ein absolutes Highlight.

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Rezensionen von Ruth:

Intensive Spurensuche

Rückkehr nach St. Malo von Hélène Gestern

Héléne Gestern, Jahrgang 1971, ist eine französische Schriftstellerin und Literaturdozentin. Nach „ Der Duft des Waldes“ ist dies ihr zweiter auf Deutsch erschienener Roman. Auch hier spielen wieder alte Photographien und Recherchen in Archiven eine wichtige Rolle.
Hauptfigur und Ich- Erzähler Yann de Kérambrun, ein knapp fünfzigjähriger Geschichtsprofessor, kehrt zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters in das Familienanwesen nach Saint-Malo zurück.

Nach der Scheidung von seiner Frau braucht er eine Auszeit; die Ruhe hier an der bretonischen Küste soll ihm den nötigen Abstand geben. Das Haus ruft Erinnerungen an seine Kindheit hervor, an unbeschwerte Sommer am Meer, gemeinsam mit seinem mittlerweile verstorbenen Zwillingsbruder.
Im Büro seines Vaters stößt Yann auf die Archive des Familienunternehmens, auf alte Konten- und Notizbücher seines Urgroßvaters Octave. Dieser, ein visionärer Maschinenbauingenieur, war fasziniert von dem technischen Fortschritt und hatte den Ehrgeiz, sichere und schnelle Schiffe zu bauen. So legte er zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Grundstein für eine expandierende Reederei, die bis heute im Familienbesitz ist.
Yann selbst wollte als junger Mann nichts mit dem Familienbetrieb zu tun haben, was das Verhältnis zu seinem dominanten Vater zusätzlich belastete.
Je tiefer Yann in die familiäre Vergangenheit eintaucht, desto mehr Fragen stellen sich ihm. Und am Ende kommt er nicht nur einem Familiengeheimnis auf die Spur, sondern kann auch Frieden schließen mit seinem Vater.
Hélène Gestern lässt sich Zeit für ihre Geschichte. Bis ins Detail gehend lässt sie den Lesenden an Yanns Recherchearbeit teilhaben, die über das familieneigene Archiv hinausführt. Dabei bekommt man nicht nur einen intimen Einblick in familiäre Konflikte, sondern auch in betriebliche Abläufe.
Gleichzeitig erleben wir den Heilungsprozess eines Mannes in der Krise. War der Ich- Erzähler bei seiner Ankunft noch erschöpft und verzweifelt, wusste nicht, wie es weitergehen soll, so kann er nach diesem Jahr in St. Malo wieder offen nach vorne schauen. Dazu beigetragen hat sicher auch die Begegnung mit einer Frau.
Aber auch das Meer hat eine wesentliche Rolle für seine Gesundung gespielt. Es fordert ihn heraus, schenkt ihm Kraft und Ruhe. Wie die Autorin das Meer und die Küstenlandschaft beschreibt, ist Nature Writing vom Feinsten. Hier werden alle Sinne des Lesers angesprochen.
Der Originaltitel des Romans lautet „ Cézembre“, wie die kleine Insel im Ärmelkanal, nordwestlich von Saint-Malo, „ diesem Gesteinsbrocken, der je nachdem Paradies oder Hölle gewesen war, Schlachtfeld oder Heiligtum, Festung oder Friedhof.“
Beim Blick aus dem Fenster hat Yann dieses Eiland täglich vor Augen, und für seine Familie, aber auch für die Weltgeschichte, hat Cézembre eine wichtige Rolle gespielt. Lebten früher Einsiedler dort, später Mönche, so wurde im 19. Jahrhundert die Insel zur Festung ausgebaut. Diese Festung war im Zweiten Weltkrieg Teil des Atlantikwalls und auf Cézembre waren deutsche Soldaten stationiert. Nachdem Saint-Malo von den Alliierten eingenommen war, wurde die Insel Ziel intensiver Luftangriffe. Cézembre war eine der am stärksten bombardierten Orte im Zweiten Weltkrieg, weshalb sie danach jahrzehntelang für Besucher gesperrt war.
Kursiv gedruckte Passagen, immer wieder im Text verstreut, erzählen von Menschen, die einst auf der Insel lebten, von Mönchen, Sträflingen und Soldaten. Kursiv gedruckt kommen aber auch Familienmitglieder aus der Vergangenheit zu Wort.
So wechselt die Autorin gekonnt die Zeiten und die Perspektiven, was dem Roman zusätzliche Tiefe gibt.
Hèléne Gestern überzeugt mit literarischer Virtuosität, mit einer wunderschönen Sprache, die die Faszination dieser Region einfängt, mit glaubwürdigen Charakteren und mit einer fesselnden Familiengeschichte.
„ Rückkehr nach St. Malo“ ist allerdings ein Roman, für den man einen langen Atem braucht, nichts für ungeduldige Leser. Doch wer sich auf das ruhige Erzähltempo einlässt und sich von den vielen Details nicht abschrecken lässt, wird belohnt mit einer atmosphärisch dichten Geschichte, die einen immer stärkeren Sog entwickelt.

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