Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Nele33:

ungewöhnlich

Das Signal von Ursula Poznanski

Mit "Das Signal" hat Ursula Poznanski endlich wieder einen Stand Alone Thriller geschrieben.

Viola, lebt seit einiger Zeit mit ihrem Mann nach einer Zeit im Großstadtdschungel in der Einöde auf dem Land. Sie haben sich ihren Traum vom Eigenheim verwirklicht. Um diesen Traum perfekt zu machen, fehlt nur noch der Umbau des alten Kellers zu einem exklusiven Weinkeller.

Doch gerade da passiert es, Viola stürzt und ist ab dem Zeitpunkt auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen.
Dieser überschüttet sie teils mit Fürsorge, hindert sie allerdings auch daran Fortschritte zurück in die Selbstständigkeit zu machen. Da kommen ihr Zweifel an seiner Liebe und sie beginnt ihn zu verfolgen. Die Technik macht es möglich und da es so gut funktioniert, spioniert sie immer weitere Menschen aus ihrem Umfeld aus. Schon bald ahnt sie, dass ihr Leben nicht mehr sicher ist.....

"Das Signal" punktet durch den spannenden Schreibstil der Autorin, auch wenn es zwischenzeitlich zu viel der sich drehenden Gedanken von Viola wird, schaffte es Ursula Poznanski mich am Lesen zu halten.

Die Auflösung war für mich schlüssig und ich empfehle das Buch gerne weiter.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nele33

Rezensionen von Anndlich:

Stent by me!

Wir Freitagsmänner von Hans-Gerd Raeth

Henri muss sich eingestehen, dass er aktuell nicht ganz so glücklich ist. Seine Ehe mit Jenny ist Geschichte, seine Affäre Sue hat ihn auch verlassen und mit seiner Angebetenen Emily hatte er einen äußerst unglücklichen Start. Und wäre das alles noch nicht genug, hat er nun auch noch ein Loch in seinem Bart.

Henris Arzt diagnostiziert ‚die Wechseljahre‘ und damit steht für Henri fest, dass er dringend einen Plan für sein Wochenende benötigt.

Wir Freitagsmänner von Hans-Gerd Raeth ist ein Roman über das Älterwerden, Innehalten und sich selbst nicht zu ernst nehmen. Wir nehmen die Perspektive von Henri Albers einen, einem Anfang 50-jährigen, der durch seine Affäre mit Sue seine Ehe an die Wand gefahren hat und jetzt doch wieder alleine ist. Henri Albers nimmt sich selbst nicht zu ernst, weswegen es super lustig ist, den Beginn seiner ‚Wechseljahre‘ mitzuerleben. Schlagfertig, nachdenklich, aber eben auch humorvoll werden wir durch die Geschichte getragen. Das Buch lässt sich aufgrund des lockeren Schreibstils kaum aus der Hand legen und neben vielen Lachern gibt es auch immer wieder Erkenntnisse Henris, die auch den Leser:innen etwas zum Nachdenken mitgeben können, ohne zu schwer zu wirken.

Der Autor schafft es ein Gleichgewicht zwischen stereotypischen Handlungen und dynamischen Figuren herzustellen, sodass die Geschichte smart und humorvoll anstatt platt wirkt. Henris schlagfertige Antworten sorgen immer wieder für kleiner und größere Lacher und auch sein ‚nicht aufgeben‘ wirkt nicht penetrant.

Einzige Kritik ist für mich Cindy, die mir im Laufe der Geschichte doch zu überspitzt dargestellt wurde und mir irgendwann eher auf die Nerven ging. Trotzdem ist Wir Freitagsmänner ein empfehlenswerter Roman für diejenigen, die etwas zum Lachen brauchen und wie Henri nicht alles zu ernst nehmen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Anndlich

Rezensionen von Vicky:

Was vergangen ist, ist vergangen

Darkest Reign – Im Schatten des Jägers von Laura Labas

'Darkest Reign - Im Schatten des Jägers' ist ein Fantasy Roman der Autorin Laura Labas. Außerdem bildets das Buch den zweiten Teil der Darkest Reign Reihe.
Das Cover ist mir sofort ins Auge gesprungen und ich konnte es direkt der Reihe zuordnen.

Die Geschichte schließt direkt an die Ereignise aus Band eins an.

Die Kentnisse aus dem ersten Band sind unbedingt notwendig, ansonsten versteht man nicht, was hier passiert. Für alle die ihn noch nicht kennen, ist hier zu sagen: besorgt ihn euch, und lest vorher Teil eins.

Die 44 Kapitel sind abwechselnd aus Sicht von Sophia und Benson geschrieben. Das finde ich sehr gut. Denn so bekommt man die Geschichte nicht nur von verschiedenen Leute erzählt, sonder man bekommt auch die unterschiedlichen Sichtweisen der Hunter und Strega besser vermittelt. Jedes Kapitel hat außerdem einen Titel, das finde ich super, denn so wird direkt mein Kopfkino angeregt und ich überlege, was passieren könnte.

Fazit: Eine phantastische Fortsetzung der Darkest Reign Reihe. Der Schreibstil ist äußerst angenehm und die Seiten fliegen nur so dahin. Ich hoffe es gibt noch weitere Bände der Reihe. Die Autorin behalte ich auf jeden Fall im Auge.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Vicky

Rezensionen von Nele33:

beeindruckend

Ausreden von Florian Klenk

Der Journalist und Publizist Florian Klenk hat mit seinem Buch "Ausreden" den Versuch gewagt das Leben der Serienmörderin Elfriede Martha Blauensteiner anhand von Protokollen zusammenzufassen.

Elfriede Blauensteiner, in Österreich auch als "Schwarze Witwe" bekannt, suchte sich ihre Opfer per Kontaktanzeigen, um nach ihrem Tod an ihr Vermögen zu gelangen.

Sie war im höchsten Maße spielsüchtig und verspielte ihre "Beute" anschließend in den Casinos.
Florian Klenks Schreibstil war im ersten Moment für mich gewöhnungsbedürftig, aber war absolut stimmig zum Text. Die zugrundeliegenden Protokolle der Gerichtspsychiaterin lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Sätze ohne Gefühl oder gar Reue gehen tief und ließen mich öfter den Kopf schütteln.

Das Aufwachsen von Blauensteiner war ein hartes und entbehrliches Stück Kindheit, geprägt von Kälte und Gewalt. Doch dies war in der damaligen Zeit leider üblich und dennoch wurden nicht alle Kinder als Erwachsene zu Serienmördern. Ein Gedankenspiel, welches bis heute Gültigkeit hat, wann entscheidet es sich, welche Mensch durch seine Kindheit zum Mörder wird und welcher nicht.

Besonders Lesenswert fand ich die Passage, in dem Klenk aus der Sicht der Tochter Blauensteiner berichten kann, mit der er persönliche Gespräche führen konnte. Ein völlig konträres Bild zu den Einlassungen der Mutter, die sich immer als Versorgende, pflegende und liebende Person darstellte, die nie morden, sondern nur helfen wollte.

Florian Klenk hat mit "Ausreden" ein beeindruckendes Bild einer Serienmörderin geschaffen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nele33

Rezensionen von LesenIstLeben:

Gedankenwelt

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve

„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein anspruchsvoller, autobiografischer Roman über das Leben und die Ehe mit all seinen Facetten.

Christien Brinkgreve ist eine niederländische emeritierte Professorin für Soziologie. Neben der Forschung publizierte sie u.a. zu den Beziehungen zwischen Männern und Frauen.

Besonders die Themen Soziologie der Frau, ihre Stellung in der Gesellschaft sowie die Zusammenhänge in Beziehungen finden sich in dem Roman wieder.

Nach dem Tod ihres Mannes räumt Christien Brinkgreve ihr Leben und im wahrsten Sinne des Wortes „ihr Haus voller gemeinsamer Erinnerungen“ aus. In diesem Prozess des Auf- und Ausräumens begleiten wir die Autorin in ihre Vergangenheit und werfen einen Blick das Hier und Jetzt.

Auf der einen Seite gefällt mir die gewählte Ich-Perfektive gut. Auch die beschriebenen Emotionen und Gedankengänge, die wissenschaftlichen Zusammenhänge und Gesellschaftlichen Zwänge werden klar formuliert und sprechen mich an. Auf der anderen Seite fällt es mir schwer durch die Anonymität der Personen und die immer wiederkehrenden Gedankenschleifen, einen guten Zugang zu dem Buch zu finden. Die Personen in ihrem Leben bleiben mir fern, eine Identifikation kann ich so leider nicht erleben.

Das Buchcover ist mir gleich aufgefallen. Die verschieden farbigen und auch in Form unterschiedlichen Blumen sind sehr ansprechend gestaltet. Auch die Gestaltung der Innenseiten ist sehr gelungen.

Abschließend lässt sich sagen:
„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein besonderes Buch für eine besondere Zeit im Leben. Für mich ist es nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von LesenIstLeben

Rezensionen von Anjulia :

Gladiatorenkämpfe und Intrigen im vampierischen Imperium

We Who Will Die von Stacia Stark

Um ihren jüngeren Bruder zu retten geht Arvelle einen gefährlichen Pakt ein. Sie soll den Imperator töten, einen mächtigen uralten Vampir. Um überhaupt in seine Nähe zu kommen, muss sie zunächst die Auslese bestehen. Mehrere Arenenkämpfe, in denen nur die besten Teilnehmer überleben. Bei ihrer Vorbereitung trifft sie ihre große Jugendliebe wieder, der Mann der sie ohne Begründung verlassen und ihr Herz gebrochen hat.

Das Cover passt gut und ist hochwertig verarbeitet. Man spürt praktisch den Sand, auf dem Arvelle kämpft.

We Who Will Die von Stacia Stark ist der Auftaktband der Empire of Blood Reihe. Romantasy mit Gladiatorenkämpfen, Vampiren, Magie und politischen Intrigen. Mir hat das Worldbuilding, welches an das alte Rom erinnert, sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist flüssig geschrieben, Spannung ist auf jeden Fall vorhanden. Stellenweise gibt es blutige und brutale Szenen. Tatsächlich hat mich die Geschichte direkt in ihren Bann gezogen. Ich konnte richtig mit Arvelles Bemühungen ihre Brüder zu retten, sich gefährlichen Kämpfen zu stellen und ihre Vergangenheit zu verarbeiten, mitfiebern. Sie hat Mut, muss aber mehr als einmal feststellen, dass sie durch eine Intrige getäuscht wird. Die Liebesgeschichte geht richtig Forbidden Love, steht allerdings nicht ganz im Vordergrund. Hier bin ich auf die Entwicklung in den weiteren Bänden gespannt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Anjulia

Rezensionen von youngreaders:

toller Jugendthriller

Happy Head von Josh Silver

Beginnen wir mit dem Cover - es ist einfach absolut gelungen mit dem Smiley hinter dem ein Totenkopf "versteckt" ist, mit bunte "glückliche" Farben auf schwarzem Hintergrund und dann noch einem Farbschnitt, der aussieht als würde eine schleimige zähflüssige Masse herauslaufen.

Selten habe ich ein Cover gesehen, welches den Inhalt des Buches so wiederspiegelt.
John Silver ist es gelungen ein wahnsinnig spannendes Szenario zu schaffen mit zwei tollen Protagonisten Seb (Sebastian) und Finn (Finneas) - es ist so geschrieben, dass es die jugendlichen Leser anspricht und die Beziehung, die sich zwischen den beiden entwickelt, wirkt auch nicht störend, sondern unterstützt die eigentliche Handlung nur noch ein wenig. Hauptfokus liegt wirklich auf dem Programm "Happy Head", in das die beiden und weitere 98 Jugendliche geraten sind. Was geht hier vor sich, es passieren immer mehr Dinge, die einfach nicht zum "nur Happysein" passen - hier wird sortiert bzw. aussortiert, hier werden Challenges abgehalten, die mehr als grenzwertig sind und alles unter dem Deckmantel, dass man starke, selbstbewusste und nicht depressive Teenager aus ihnen machen möchte, die für das "echte" Leben (Erwachsenenleben) gut vorbereitet werden und das in sehr kurzer Zeit.
Allerdings habe ich nun ein Problem - nachdem ich das Buch in nur 1 1/2 Tagen durchgelesen habe, bin ich zu einem sehr offenen Ende gekommen und muss nun bis Herbst warten bis Band 2 erscheint. Wem das Warten also genauso schwer fällt wie mir, sollte sich den ersten Band vielleicht erst im Spätsommer holen....nach diesem Buch will man einfach wissen, wie es mit Finn, Seb, Eleanor, Mark, Dr. Stone ,...weitergeht und was sich noch alles hinter "Happy Head" verbirgt!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von youngreaders

Rezensionen von Sternzauber:

Mütter und Töchter

Das gute Leben von Nadine Schneider

„Das gute Leben“ von Nadine Schneider wird von einem Cover geziert, das mir sehr gut gefällt. Wenn man die Geschichte gelesen hat, weiß man, warum, die Weinblätter wunderbar zum Buchinhalt passen und ich bin sehr fasziniert von der Verflechtung dieser mit den Buchstaben des Titels, die für mich ein wunderschönes Bild ergeben.

Und auch die Farbgestaltung ist für meinen Geschmack sehr gelungen.

Die Geschichte erzählt von Christina, die das Haus ihrer Großmutter erbt und so an den Ort zurück kommt, an dem sie aufgewachsen ist. Eigentlich möchte sie das Haus ausräumen, kann sich jedoch nicht dazu überwinden und taucht stattdessen in das Leben der Frauen ihrer Familie zwischen Rumänien und Deutschland ein.

Nadine Schneider schreibt diese Geschichte in gut lesbarer und flüssiger Sprache, ich muss jedoch leider gestehen, dass mich ihre Art der Erzählung zum Großteil nicht so wirklich berührt hat. Irgendwie bleibt die Handlung für mich in weiten Teilen auf Distanz und als Leserin war ich oft nur unbeteiligte Zuschauerin. Das ist wirklich schade, denn die Geschichte hat an sich viel Potenzial und auch wirklich gute Momente.

So richtig nah ist mir keine der vier Frauen während der Lektüre gekommen und doch haben mich die unterschiedlichen Leben - von der Urgroßmutter bis zur Enkelin – sehr interessiert. Nadine Schneider webt ein fein verknüpftes Bild der familiären und emotionalen Bindungen dieser Frauen und auch, wenn diese stark problembehaftet und wenig liebevoll sind, spürt man doch, wie sehr diese an den Protagonistinnen ziehen und zerren und wie sehr sich alle 4 nach Unterstützung, Verständnis, Zugehörigkeit und Liebe sehnen. In diesen Punkten hat es die Geschichte dann doch geschafft mich zeitweise zu erreichen.

Das Hauptthema ist sicherlich die Beziehung zwischen den verschiedenen Frauen einer Familie und dazu gehören hier auch Verlust (der eigenen Identität) und Zurücklassen, Trauer, Unzufriedenheit, fehlende Liebe und Zuneigung, Sprachlosigkeit, Orientierungslosigkeit, Sehnsucht und viele andere Gefühle. Die Geschichte ist sehr melancholisch und geprägt von der Verlorenheit der Figuren, was für mich im Rahmen der Handlung ein stimmiges Bild ergibt. Und ich mag es auch sehr, dass die Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen spielt, die wirklich gelungen miteinander verbunden sind.

Wie auch bei anderen Punkten, habe ich das Ende als ambivalent empfunden. Auf der einen Seite passt es gut zur Geschichte und endet mit einem passend gesetzten Punkt, auf der anderen Seite lässt es mich doch mit vielen Fragen zurück. Mein Empfinden zu diesem Buch ist für mich selber nicht leicht einzuordnen und irgendwie zwiespältig: Ich habe es einerseits gerne gelesen, würde es aber momentan nicht erneut zur Hand nehmen und fühle mich andererseits in einigen Punkten nicht so wirklich wohl damit… Daher vergebe ich 3,5 Sterne und wünsche euch viel Freude beim eigenen Entdecken!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Sternzauber

Rezensionen von Julchentim:

Ein Abschluss

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder

Ich habe die Geschichte von Evelyn und Silvia schon sehr gern gelesen. Deshalb war ich neugierig auf Hannah. Und ich war sofort wieder drin.

Der Roman springt zwischen 1945, 1989 und 2023. Das funktioniert erstaunlich gut. Ich mochte vor allem die Gegenwartsebene mit Hannah. Ihre Auseinandersetzung mit dem Vater hat für mich die größte Kraft.

Diese Mischung aus Wut, Neugier und alter Sehnsucht hat mich sehr beschäftigt. Ich konnte Hannah gut verstehen, auch wenn ich sie manchmal gern geschüttelt hätte.
Die Vergangenheit ist stark erzählt, hätte an manchen Stellen für meinen Geschmack noch mehr Tiefe vertragen. Die Szenen im Forsthaus mit der Malerin Wilma und der eigenwilligen Haushälterin haben mich besonders berührt. Das Leben in der frühen DDR, die Enge, die politischen Erwartungen, der Wunsch nach eigener Kunst, das alles wirkt erstaunlich greifbar.

Das verschwundene Bild, das sich durch alle drei Bücher zieht, spielt hier eine leisere Rolle, als ich erwartet hatte. Das fand ich dann doch etwas schade. Trotzdem hat mich die Geschichte gepackt. Ich habe viele Passagen einfach in einem Rutsch gelesen.

Für mich ein stimmiger Abschluss dieser Familiengeschichte, wenn auch nicht ganz so eindringlich wie der erste Band, aber nah dran.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Julchentim

Rezensionen von Eternal-Hope:

Tiefgründige philosophische Kurzgeschichten

Der Fluss der Zeit von Pascal Mercier

Der Schweizer Philosoph, Autor und langjährige Universitätsprofessor Peter Bieri hat unter dem Künstlernamen Pascal Mercier umfangreiche und tiefgründige Romane wie "Nachtzug nach Lissabon", "Perlmanns Schweigen" oder "Das Gewicht der Worte" veröffentlicht. Nach seinem Tod im Jahr 2023 wurden in seinem Nachlass noch einige unveröffentliche Kurzgeschichten gefunden, die der Hanser Verlag nun in diesem Sammelband herausgegeben hat.

Die Geschichten sind jeweils aus der Sicht verschiedener, nicht mehr ganz junger Männer, geschrieben und es geht um Themen wie Erinnerung, Vergänglichkeit, Rückschau auf das eigene Leben, Freundschaften auf Augenhöhe, Abschied nehmen und Wandel.

Sehr berührend wird zum Beispiel geschildert, wie ein Mann nach vielen Jahren von einem Haus, das ein Jahrhundert im Familienbesitz war, Abschied nehmen muss, als er es an ein jüngeres Paar verkauft hat, und wie das Paar genau spürt, wie schwer ihm das fällt:

"Er berührte jeden Schlüssel kurz mit dem Zeigefinger, dabei verrutschte einer, und er schob ihn sachte zurück. "Liebevoll", sagte Anna später darüber, "es lag seine ganze Liebe zu dem Haus in der Bewegung, ich musste schlucken". Prager sah unsere Blicke. "Es sind halt meine Schlüssel", sagte er. "Oder waren es". (S. 10)

In einer weiteren Geschichte geht es um ungleiche Freundschaften und darum, was es mit uns macht, wenn ein Freund dem anderen ein großes Geschenk macht - eine komplette Eigentumswohnung - für das sich der andere nicht in gleichem Ausmaß revanchieren kann. Hier sehen wir, wie an vielen weiteren Stellen, wie der Autor komplexe philosophische und psychologische Gedankengänge geschickt und allgemeinverständlich in seine Geschichten eingebaut hat:

"Er machte eine Pause und wir spürten, dass nun etwas kam, ein Gedanke, den er sich langsam und mühsam erobert hatte: "In der ersten Zeit dachte ich und wachte mit dem Gefühl auf: Das ist die Freiheit. Ich ging in der Wohnung herum und pfiff. Doch in den letzten Wochen habe ich verstanden: Es ist nicht die richtige Art von Freiheit. Ich lege es mir so zurecht: Es gibt die Freiheit von außen: Die Wohnung gehört mir, niemand kann mich verjagen. Und es gibt die Freiheit von innen: Ich muss niemandem dankbar sein. Ich will die eigene Freiheit zurück." (S. 32)

Dann gibt es in einer weiteren Erzählung einen älteren Mann, der auf den entscheidenden Befund wartet, der ihm mitteilen wird, ob er an einer schweren Krankheit leidet oder doch gesund ist. Einen weiteren Mann, der sehr lärmempfindlich ist, mit seinem Stiefsohn einen unerbitterlichen Machtkampf austrägt und es am Ende nicht mehr aushält. Und schließlich ein Mann, der nach 40 Jahre in die Gegend seiner Studentenzeit zurückkehrt und in Erinnerungen schwelgt.

Im Vordergrund stehen also ältere Männer und ihre Lebensthemen. Diese werden vom Autor psychologisch äußerst treffend und sensibel dargestellt, sodass man tief in die Seele der Charaktere hineinblicken kann, sich verbunden fühlt und selbst beginnt, über tiefsinnige Themen des eigenen Lebens nachzudenken.

Dramaturgisch sind die Erzählungen ebenfalls von hoher Qualität, ziehen die Leserinnen und Leser sofort in ihren Bann und sind spannend und berührend erzählt, ohne ein überzähliges Wort.

Dieser Erzählband beweist, dass es sich beim Autor um einen herausragenden Schriftsteller handelt. Ich empfehle ihn, neben allen bisherigen Fans seiner Bücher, auch allen, die noch nichts von diesem Autor gelesen haben: das kleine, kurze Büchlein ist ein sehr guter Einstieg in sein Werk, um beurteilen zu können, ob man mehr von ihm lesen möchte. Ich werde das jedenfalls tun.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Eternal-Hope