Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Das Flussmädchen und das Traumbild der Liebe
Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton
Hauptfigur ist die 12-jährige Bo, die mit ihrem Bruder und ihrer Mutter im Jahr 1918 im historischen London lebt. Die Familie hat nicht viel Geld, aber Bo kann die Schule besuchen und muss keinen Hunger leiden. Trotzdem denkt Bo nicht daran die wertvolle Münze zu verkaufen, die sie im Schlamm der Themse gefunden hat.
Der Fluss sprach zu ihr und sie hatte eine Vision. Bo weiß, da steckt mehr dahinter. Gemeinsam mit ihrem neuen Freund Billy, der von einer zweiten Münze weiß, beginnt das Abenteuer um das Rätsel der magischen Münzen.
„Billy lachte sein wundervolles Lachen, das Bo von innen wärmte, und dazu der Geschmack der köstlichen Karamellbonbons. Hier unten am Fluss war das Leben schön.“ 119
Eine kindgerechte und langsam aufgebaute Geschichte, mit einer geradlinigen Handlung und vielen Rätseln, die nach und nach gelüftet werden. Erwachsene werden diese schneller durchschauen, aber für Kinder ist es eine berührende und mitreißende Story, die zum Wegträumen in eine andere Zeit einlädt, und sie überraschen wird. Durch die überschaubare Anzahl an Figuren und der einfachen Erzählweise, kann man der Handlung gut folgen. Besonders in Bo kann man sich gut einfühlen, ohne das es jedoch zu tiefgreifend wird. Die Kapitel haben eine angenehme Länge für geübte Lesende und ich würde das Buch ab 10 Jahren empfehlen.
Für alle, die eine poetische Geschichte suchen, die im alten London spielt, aber nicht bedrückend, sondern magisch, atmosphärisch und rätselhaft erzählt wird. Die tiefere Botschaft und das Ende hinterlassen als besonderes Abenteuer einen nachhaltigen Eindruck.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Lügen und große Gefühle - Hörbuch
Firewatch von Colin Hadler
„Ich muss demjenigen schmeicheln, den ich auf der ganzen Welt am meisten verabscheue. Nur so gelange ich an die Wahrheit.“
Die rückblickenden Kapitel mit Aaron, der später vermisst wird, haben mir besonders gut gefallen, weil ich die Vorstellung von einem Ferienjob als Fire-Observer in einem kalifornischen Nationalpark aufregend finde.
Man erfährt auch einiges über den Ablauf und seine Arbeit. Für den extrovertierten Aaron ist der Job aber vor allem eintönig und einsam. Deshalb muss er ständig an den attraktiven Kian denken, der dreißig Meilen entfernt auf seinem Turm ist, und mit dem er in Funkkontakt steht, aber ihn noch nie gesehen hat.
Zehn Monate später weiß Robin immer noch nicht, was mit seinem Freund Aaron passiert ist, aber er hat einen schwerwiegenden Verdacht und will Gerechtigkeit. Robin ist eigentlich schüchtern, einfühlsam und aufrichtig. Doch er ist so entschlossen, Kians Vertrauen zu gewinnen und herauszufinden, was mit Aaron passiert ist, dass er lügt, manipuliert und sich dabei zu verlieren droht. „Als die Tränen aufhören, fühle ich mich armselig. Es ist einfach über mich gekommen. So wird sich Kian nie in mich verlieben, und ich werde ihn nie ausliefern können. Aaron war anders. Stark. Nicht so verletzlich. Kian sucht jemanden wie ihn, nicht wie mich.“ Dazu kommt die Tatsache, dass er Kian mag und gleichzeitig hasst. „Dieser Zerrissenheit und seiner Erkenntnis ‚Das bin nicht ich‘ zu folgen, macht es psychologisch nervenaufreibend und spannend.“ Ich konnte mit ihm mitfiebern und sein Handeln nachvollziehen, obwohl es einen Moment gab, wo ich fassungslos war, wie er das tun konnte. Es ist eine Gratwanderung, sich mit einem Mann einzulassen, den man verdächtigt, einen Mord begangen zu haben. Die Atmosphäre ist dementsprechend bedrohlich und aufgeladen. Bei allen Charakteren wird klar, sie verbergen etwas. Ein falsches Spiel, das Autor Colin Hadler souverän beherrscht und eine ungewöhnliche Kombination aus Spicy Romance und Psychothriller, unvorhersehbar und einnehmend. Es gibt zwei spicy Szenen, die explizit beschrieben werden. Ich mag es lieber, wenn es bei Andeutungen bleibt, aber da sind die Geschmäcker ja verschieden.
Meine Wahl für das Hörbuch habe ich nicht bereut. Sprecher Nicolás Artajo passt großartig. Ich konnte mir sowohl Aaron als auch Robin sehr gut mit der Stimme vorstellen, die kraftvoll und ein bisschen rau ist, in ihren Nuancen variiert, Emotionen klar rüberbringt und der ich stundenlang zuhören konnte. Einzig die Augenblicke, (leider auch zwei Kapitel) wo er flüstert, lagen mir gar nicht. Die lassen sich aber überspringen, ohne das man Wichtiges verpasst.
Manchmal zieht sich alles ein bisschen, aber die Auflösung ist heftig und erschütternd. Da wird so einiges losgetreten, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Also ein spannendes und ungewöhnliches Hörerlebnis mit teilweise waldigem Setting, großen Gefühlen der ersten Liebe und zahlreichen Geheimnissen. Für alle, die Lust auf queere Liebe und Nervenkitzel haben.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Kein Entkommen!
Happy Head von Josh Silver
«Happy Heat» ist ein packender Near-Future-Fiction-Thriller und Auftakt einer Reihe, in dem Autor Josh Silver die psychische Gesundheit junger Menschen in einer zunehmend zerstörerischen Welt mit einer queeren Liebesgeschichte vor dem Hintergrund eines experimentellen Mental-Health-Programms kombiniert.
Der siebzehnjährige Seb ist Hauptfigur und nimmt nur widerwillig am HappyHeat-Program teil. Keiner seiner Freunde und Mitschüler wurde ausgewählt, seine Mutter gibt ihm deshalb zu verstehen, wie einzigartig diese Chance ist, sein Leben wieder auf die Spur zu bringen. Obwohl man seine Familie nur auf der Hinfahrt kennenlernt, legen Sebs Erinnerung die Vermutungen nahe, dass seine gläubigen Eltern nicht glücklich über sein bisheriges Verhalten sind und er sie stolz machen möchte, um sich geliebt zu fühlen. Dort setzt das Programm an und ich hab mich gefragt sich, ob Seb sich treu bleiben oder die an ihn gerichteten Ansprüche erfüllen wird.
Mir hat besonders gefallen, dass sehr nah aus der Perspektive von Seb erzählt wird, der über ein bisschen Humor und viel Sympathie verfügt. Dazu gehört auch, dass man durch seine Bewusstlosigkeit blind wird und auf seinem Kenntnisstand bleibt. Das gibt einem das Gefühl, selbst am Programm teilzunehmen. Ich war durchweg gespannt, welche Aufgabe das Giftgrüne Team von Seb oder nur ihn allein als Nächstes erwartet. Davon gibt es einige und sie sind alle abwechslungsreich und spannend – auch was die Textgestaltung angeht. Die Mitarbeiter sind unheimlich gut gelaunt, die Regeln sind streng und für Gehorsamkeit und Erfolge winken Belohnungen. Der rätselhafte Finn, zu dem Seb sich hingezogen fühlt, und Seb verhalten sich ganz unterschiedlich. Finn rebelliert, während Seb Vertrauen aufbaut und die Anerkennung genießt. Jedoch bringt die Zuneigung zu Finn ihn dazu, sein Verhalten zu hinterfragen. Der Traum vom Ende des Unglücklichseins, der in London tragisch seinen Anfang nahm, regt zum Nachdenken an. Autor Josh Silver bringt seine beruflichen Erfahrungen ein und trifft den richtigen Ton, der vermittelt, aber den Spaß nicht vermissen lässt. „Einem Ort, an dem sie dazu ermutigt würden, auch mal ein Blick über den Tellerrand zu werfen und sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Dazu, zu verstehen, was Gemeinschaft wirklich bedeutet. Dazu, sich einmal zu fragen, was Erfolg eigentlich ist und welchen Wert er für diese Gesellschaft – und für sie ganz persönlich – hat.“
Von jemandem der Teilnehmer fällt früh der Vergleich mit ‹Squid Game›, einer südkoreanische Netflix-Serie, bei der es um tödliche Überlebensspiele geht, der auch vom Verlag aufgegriffen wird. In meinen Augen weckt der Vergleich falsche Erwartungen oder schreckt wohlmöglich ab, denn «Happy Head» ist unproblematischer. Obwohl einige sensible Themen vorkommen (die ausführlich aufgelistet sind), wird auf unnötige oder reißerische Darstellungen verzichtet, und ich hatte den Eindruck, dass diese sprachlich verantwortungsvoll und altersgerecht behandelt wird. Man bleibt größtenteils im Unklaren, wofür die Aufgaben sind und welche Schlüsse daraus für die Teilnehmenden gezogen werden, was es spannender macht. Ich hätte am liebsten jede freie Minute weitergelesen. Es ist nicht wild konstruiert, was mir gut gefallen hat, allerdings auch weniger wendungsreich, als ich gedacht hätte.
Obwohl die queere Liebesgeschichte zwischen Seb und Finn nicht im Mittelpunkt steht, gibt es herzerwärmende Augenblicke, die Seb Kraft geben. Wenn ich an den unterhaltsamen Badezimmerpakt denke, ist Sebs Entwicklung greif- und nachvollziehbar, und nimmt ebenso zu, wie der Spannungsbogen, der auf den letzten Seiten zu explodieren scheint, während man in einem Cliffhanger zurückgelassen wird. Auf die Fortsetzung muss ich mich bis zum Herbst 2026 gedulden, aber ich kann es kaum erwarten, wieder in Sebs Rolle einzutauchen und zu erfahren, wie es weitergeht.
Rezensionen von gabiliest:
Plötzlich Spion
Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson
Der SPIEGEL- Bestseller Autor Kristof Magnusson entführt mit seinem neuesten Roman “Die Reise ans Ende der Geschichte” in die Zeit nach Ende des Kalten Krieges und in eine Welt veränderter geopolitischer Verhältnisse. Hier geht es, wie das witzige und gelungene Hardcover bereits andeutet, um den Tanz um den Abgrund, bei dem man leicht das Gleichgewicht verlieren kann.
Dieter Germeshausen ist Spion, im mittleren Alter, ungelenk sowohl körperlich wie im Umgang mit anderen Menschen. Seine Arbeit beim BND fühlt er nicht ausreichend gewürdigt. Daher wird er Doppelagent auch im Dienst des russischen FSB. Nunmehr liegt Dieters Welt in Trümmern, der Kalte Krieg vorbei, die Berliner Mauer ist gefallen. Dieter fürchtet seine Enttarnung, er will aussteigen, aber noch ein großes Geschäft machen. Hier kommt Jakob Dreiser ins Spiel.
Jakob Dreiser ist jung und als Dichter gemeinsam mit einer jungen Russin international bekannt geworden. Nunmehr gibt es Aussicht auf dauerhaften Frieden und Jakob ist glücklich, warum sollten die ehemaligen Feinde einander weiter hassen? Für ihn ist das das Ende der Geschichte, was sich alsbald als gewaltiger Irrtum herausstellen wird. Jakobs besonderes Talent, auf Menschen zuzugehen, auch schweigsame Gesprächspartner zum Reden zu bringen, Vertrauen zu erwecken ist genau das, was Germeshausen braucht. Daher reist Jakob mit Germeshausen nach Kasachstan ohne den Hintergrund der Reise zu kennen. Dennoch ist er es, dem es gelingt, die notwendigen Kontakte zu knüpfen. Jakob ist begeistert von seiner neuen Aufgabe und fühlt sich endlich lebendig. Mit auf der Reise ist auch Francesca, Sprachlehrerin an der Russischen Botschaft in Rom und natürlich auch Spionin des FSB. Denn Germeshausen muss am Leben bleiben, seine Kenntnisse sind für den FSB unverzichtbar.
Kristof Magnusson beschreibt eine Reise, die ganz anders verläuft als es sich der Befehlsstrukturen gewohnte Germeshausen vorstellt. Dreiser macht einfach sein eigenes Ding, rettet ihm sogar das Leben, doch Dankbarkeit gehört nicht zu Germeshausens hervorstechenden Eigenschaften. Noch einmal braucht er Jakob, diesmal ist das Geschäft im Stande, den Weltfrieden zu gefährden. Nun ist Jakob zum Handeln gezwungen…
“Die Reise ans Ende der Geschichte” ist ein angenehm lesbarer, spannender und fast fröhlicher Roman. Das liegt vor allem an der Figur des Jakob Dreiser, der freundlich auf Menschen zugeht, gut zuhört und imstande ist, jeden aus der Reserve zu locken. Obwohl er in dieser Geschichte eine tragende Rolle spielt, wirkt er immer wieder erstaunt, welche Möglichkeiten sich plötzlich auftun. Allerdings auch enttäuscht, als er seine Tätigkeit als Spion beendet glaubt. Das Buch verbreitet Leichtigkeit und ein angenehmes Gefühl, im Kreise von Spionen zu sein, jedoch nur als Beobachtende. Die Lesenden müssen allerdings alleine ans Ende der Geschichte reisen, denn der Autor lässt die weiteren Entwicklungen offen. So bleibt es der eigenen Phantasie überlassen, wie es Germeshausen und Dreiser letztlich in Russland ergeht.
Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass das Buch in den letzten Kapiteln Anleihen an Buch und Film “Jagd auf roter Oktober” nimmt. Wer diesen Film mag, wird auch “ Die Reise ans Ende der Geschichte” mögen.
Mein Fazit:
“Die Reise ans Ende der Geschichte” ist ein locker und leichthändig geschriebener Roman, was jedoch der Spannung keinen Abbruch tut. Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet und die Atmosphäre nach Ende des Kalten Krieges authentisch eingefangen. Das Buch bietet unvorhersehbare Wendungen und spiegelt eine sich verändernde gesellschaftliche Wirklichkeit, doch immer mit feinem Humor. Für mich hat Kristof Magnusson eine gelungene Reise beschrieben, die ich gerne allen reiselustigen Lesefreunden weiterempfehle.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Wunderschön illustriertes Bilderbuch über einen hektischen Hasen
Eilig, so unglaublich eilig! von Christian Merveille
Das französische Bilderbuch dreht sich um einen anthropomorpher Hasen, der zügig an sein Ziel kommen will. Er saust durch das kleine britisch angehauchte Städtchen, immer auf dem Sprung, um geschwind anzukommen, vorbei an Geschäften, Cafés und Häusern und nimmt nichts um sich herum wahr.
Auf dem Buchrücken steht, er wäre ein Bilderbuch zum Innehalten und Immer-wieder-Anschauen.
Das trifft es auf den Punkt. Ich werde es immer zur Hand nehmen, wenn ich in dieses Gefühl eintauchen möchte, das ich sofort hatte, als mich schon beim Aufschlagen das Vorsatzpapier einladend in diese Welt zog, und ich dachte, wow, ist das wunderschön. Der wenige Text und die Wiederholungen schaffen einen angenehmen Rhythmus, der das Vorlesen lebendig und spannend macht. Wo will der Hase nur so schnell hin? Die seitenfüllenden Illustration sind kunstvoll, atmosphärisch und strahlen eine Ruhe aus, die man spürt, und die einen sanften Kontrast zur Eile des Hasen bildet. Die lebhaften Grüntöne und die malerische Landschaft lassen vom Frühling träumen, sodass man sich ganz ins idyllische Gemeinschaftsgefühl des wimmelnden Treibens träumen darf. Hier gibt es viel zu entdecken. Besonders amüsant fand ich die spielerischen Wiederholungen der Charaktere, die einem das Gefühl geben, der Hase würde viel länger brauchen, obwohl er so schnell ist. Ich würde am liebsten in dieses kleine Städtchen ziehen und dort leben.
Das Bilderbuch erinnert daran, das Tempo runterzuschrauben und innezuhalten. Es ist eine Einladung zur Ruhe zu kommen und ein bisschen in dieser Idylle zu verweilen. Ich finde es besonders wertvoll für Kinder und Erwachsene, die sich ausschließlich auf das Ziel konzentrieren und vergessen, eine Verschnaufpause einzulegen, um die Aussicht zu genießen.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Großartig verrückt
Die Enthusiasten von Markus Orths
„Für dieses Buch würden sie töten! Sie alle drei!“
Dem vierundvierzigjährigen Vincent Bär fiel das Erzählen schon immer leichter als das Schreiben. Deswegen lässt er als Ich-Erzähler daran teilhaben, wie im März 2018 sein Leben zu kippen begann. Als großer Bewunderer des irischen Schriftstellers Laurence Sterne reist Vincent jedes Jahr nach Coxwold und trifft dort seine Kollegin Bianca und Ole.
Zusammen sind sie große Anhänger des meisterlichen Pioniers der modernen Literatur, denen ein ungeahntes Wunder begegnet: ein Mann namens Morton Minelli behauptet, ein unbezahlbares Manuskript des zehnten Buches zu besitzen, von dessen Existenz niemand wusste – es gab nur Gerüchte. Er will den Inhalt von ihnen auf Echtheit prüfen lassen. Vincent ist Feuer und Flamme. „Sie hatten nicht die geringste Ahnung, wozu ich fähig und was ich zu riskieren bereit wäre…“
In den Rückblicken erfährt man viel über Vincents Familie, die lese- und wortverrückte Kindheit der drei Geschwister und wie einschneidend es die Familie verändert hat, als die Mutter spurlos verschwand. So manche bezaubernde Erinnerung wird mir wohl immer im Gedächtnis bleiben. Der letzte Auftrag vor dem Ruhestand des ‚Wiederholungsphobikers‘ und ‚Herrn der Kommas‘ schenkte mir ein inneres Lächeln, ebenso wie die verrückte Europameisterschaftsgeschichte oder der erste Film von Vincents Bruder Marcellus. Jedes Familienmitglied bekommt seinen Moment, eingebetet in einfallsreiche Sprachgemälde für unvergleichliches Kopfkino. „Er nebelte wie ein Gespenst durch sein Leben. Die Traurigkeit legte sich wie ein klebriger Film auf sein Gemüt.“ Erfundenes trifft auf Wahres und offene Fragen treffen auf Dazu-später-mehr-Vertröstungen, die es spannend machen und ins Konzept passen. Gewoben wird ein spielerisches Kunstwerk um Laurence Sterne, das im Stil und der leicht ausschweifenden Erzählweise gewollte Verknüpfungen aufweist.
Insgesamt eine außergewöhnliche Geschichte, bei der ich mich auf vielen Ebenen abgeholt gefühlt habe - vor allem vom Ende. Mein Buch ist voller Markierungen. Ich könnte es irgendwo aufschlagen und garantiert einen Satz finden, der mir Freude macht. Nicht nur durch die unvorhersehbare Handlung und prägnante Botschaft, sondern auch wegen des ironischen Humors, der reflektierenden Ebene, der wunderbaren Bär-Familie, der Intertextualität und dem experimentellen Sprachcharakter, der dem Roman eine besondere Note verleiht.
Ein uferloses Vergnügen und ein spaßiges Ereignis, bei dem man nie so genau weiß, was man findet und wie irrsinnig es sein wird. Wer sich einmal auf den „frohlockenden Stil“ von Markus Orths eingelassen hat, wird mehr wollen. Dazu gehört sicher ein bisschen Begeisterung für den Sprachwahnsinn und eine Liebe zu unkonventionellen Geschichten, die Brücken zwischen Menschen bauen. Ich fand es großartig und kann es jedem empfehlen, der sich für literarische Vielfalt und ihre Kunst begeistert.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
«Möget Ihr tausend Jahre leben» - Ein gnadenloses Machtspiel
The Poet Empress von Shen Tao
Das schöne Cover und der passende Farbschnitt sehen fantastisch aus und verleihen der außergewöhnlichen Geschichte eine angemessene Erscheinung. Ich war von Beginn an fasziniert von der Bauerntochter Yin Wei und überrascht, wohin das alles führte, denn das hätte ich ihr nie zugetraut. Für mich war es ein frischer Ansatz und eine Abwechslung im Fantasy-Genre.
Der warnende Hinweis ist angemessen, denn die Handlung ist düster und enthält brutale Szenen, die an einen Thriller erinnern: „Ich hatte nie zuvor solche Menschen getroffen. Menschen, die so grausam waren wie die Bösewichte in Geschichten.“
Yin Wei erzählt, abgesehen von ein paar Ausnahmen, nachvollziehbar aus ihrer Sicht. Ihr Dorf, ihre hungernde Familie und ganz besonders ihr kleiner Bruder Bao liegen ihr so am Herzen, dass sie, trotz des grausamen Rufes des Prinzen, alles riskiert, um seine Konkubine zu werden, obwohl die Chancen beinahe aussichtslos sind, da sie vom Dorf kommt. Ihr schlägt nur Verachtung entgegen, alles ist neu und fremd, und trotzdem gibt sie nicht auf: „…egal, wenn mich keiner mochte, denn ich war nicht für sie hier, sondern einzig und allein für Bao.“ Die Konkurrenz ist erbarmungslos, die Chance, Macht zu erlangen, verlockend. „Merk dir meine Worte, Dorftöle: Du wirst sterben. Und wenn du tot bist, dann werde ich deinen Platz einnehmen.“ Sie lernt nicht nur die Kunst der Verführung der Schlage, sondern verbotenerweise Literomantie, was es ihr ermöglicht, an ihrem Herzseelengedicht zu arbeiten. Es ist die einzige Möglichkeit den grausamen Thronfolger zu töten, der von einem mächtigen Schutzzauber geschützt wird, und so das Land vor einem tyrannischen Herrscher zu bewahren, der das Volk der Hungersnot überlässt. "Wie ungerecht es doch war, musste ich unwillkürlich denken, dass der Böseste unter uns zugleich der Unbesiegbarste war.“ Diese starke und kluge Heldin hat mich in vieler Hinsicht beeindruckt, wie sie klaglos leidet, was sie durchstehen muss, und wie sie ihre unerwünschte Rolle anerkennt, in der alle auf sie zählen. Die Bewunderung gilt nicht nur ihrem vorausschauendem Denken, sondern auch ihrer gesamten Entwicklung, die so bedacht und eindringlich geschildert wird, dass Shen Tao und den Übersetzerinnen Sybille Uplegger und Alicia Rein ein großes Lob gebührt.
Ich war gebannt, fand es sehr spannend und bin begeistert, weil diese Geschichte beweist, dass es nicht immer nach dem gleichen Schema ablaufen muss, es auch ohne großes Worldbuilding und schablonenhafte Charaktere funktioniert. Spicy wird es übrigens auch nicht. Das Ende ist grandios.
Ein Highlight voller Tragik, Schmerz, Leid, gnadenloser Machtspieler und einem Hauch Magie. Sehr empfehlenswert für alle, die Lust auf was anderes haben und die Brutalität nicht abschreckt.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Fokus Hochbeet – einfacher gehts kaum!
Hochbeet für Ahnungslose von Anja Klein; Véro (Veronika) Mischitz
Völlig ahnungslos, aber Lust auf eine leckere Ernte? Dann ist dieser Ratgeber der ideale Einstieg, weil er beweist, wie empfehlenswert und easy das Hochbeet für Anfänger ist. Hier geht es auch ausschließlich um das Hochbeet, keine überfordernden Auswahlmöglichkeiten und alles wichtige über das Bepflanzen, Pflegen und Ernten in einem Buch.
Viele Tipps und Infos, die man nicht mehr extra nachschlagen muss, und alles leicht verständlich in vielen bunten Illustrationen von Véro Mischitz, die nicht nur toll aussehen und den Spaß nicht zu kurz kommen lassen, sondern auch ein bisschen den Kopf entlasten, weil man nicht nur lesen muss und alles schnell erfassen kann. Das finde ich besonders motivierend und ansprechend.
Die vielen tolle DIY-Ideen, wie Erdmiete im Hochbeet oder eine selbstgebaute Rankhilfe, fand ich besonders interessant. Dabei wäre es perfekt gewesen, wenn eine Anleitung für den selbstgebauten Frühbeet-Aufsatz noch dabei gewesen wäre. Die detaillierte Einkaufsliste und DIY-Anleitung für das Holz-Hochbeet machen einen wunschlos glücklich. Damit kann man super planen, einkaufen und loslegen – ideal für alle, die es ganz genau brauchen. Einfacher gehts kaum! Anja Klein setzt dabei vor allem auf Holz, dabei fand ich die Stein-Variante auch interessant und hätte darüber gern noch mehr erfahren. Erste Inspirationen und konkrete Ideen bekommt man aber direkt und wird mit allem versorgt, was man wissen sollte.
Sehr empfehlenswert für Einsteiger, die sich eine kompetente und visuell ansprechende Beratung mit dem Fokus aufs Hochbeet wünschen, aber nicht mit Infos erschlagen werden wollen.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Warmherzige Bilderbuch-Geschichte über einen niedlichen Roboter
Was fehlt dir, kleiner Roboter? von Przemysław Wechterowicz
In diesem polnischen Bilderbuch geht es um einen kleinen Roboter, der traurig ist, weil er seine Lieblingsschraube verloren hat. Bär, Hase, Krokodil, Fruchtfliege, Eule und die Enten helfen ihm beim Suchen, spenden ihm aber keinen Trost. Erst der Biber kann ihm wirklich helfen.
Große sowie kleine bunte Illustrationen von Emilia Dziubak sorgen für Spannung beim Lesen.
Die große Illustration füllt eine Seite aus, ist kunstvoll und detailreich, in einem animierten Stil wie das Cover, dem gegenüber steht eine kleine, schlichte, kindliche Variante, eine Art Was-wäre-wenn-Version, die verdeutlicht, das die Annahmen nicht stimmen. Die großen Illustrationen sind aussagekräftig, können auch für sich allein stehen und erzählen eine eigene kleine Geschichte. Sehr interessant fand ich auch die vielen durchschimmernden Kritzeleien, die zum Entdecken einladen. Auf dem Nachsatzpapier befindet sich ein Fingerlabyrinth, welches das Buchthemen noch einmal aufgreift – eine süße Spielidee zum Ende.
Die gleiche Satzstruktur fördert durch die kurzen Sätze und die verständlichen Wörter das Sprachgefühl. Der wenige Text und die Wiederholungen schaffen einen angenehmen Rhythmus, der das Vorlesen lebendig und spannend macht.
Eine sehr berührende Geschichte voller Emotionen, die mit ihrer tiefgründigen Botschaft direkt ins Herz trifft. Ich finde es großartig, wie kindgerecht und leicht verständlich das Thema präsentiert wird, und welche bereichernden Gespräche und Reaktionen sich daraus ergeben. Besonders wertvoll ist es für leise und sensible Kinder, die sich nicht gesehen fühlen. Es ist eine Einladung für Groß und Klein, aufmerksam nachzufragen, ernsthaftes Interesse zeigen, statt von sich auf andere zu schließen und wiederum seine Bedürfnisse offen zu äußern. Ein verständnisvoller Bilderbuchschatz mit einer stillen und gleichzeitig kraftvollen Geschichte zum Immer-wieder-Anschauen und Einfühlen.
Rezensionen von verhei:
eine Parodie auf Agententhriller, die jedoch den Zeitgeist gut einfängt
Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson
In den 90igern steht die Welt der Spione vor einem Umbruch – der Eiserne Vorhang ist gefallen, und die Situation und Zukunftsmöglichkeiten ändern sich für viele Leute. Was macht Dieter Germeshausen, ein bisheriger Doppelagent für den BND und Russland nun? Er muss sich Geld beschaffen und möchte sich damit zur Ruhe setzen.
Als Unterstützer dafür wirbt er Jacob Dreiser, einen jungen Dichter an. Denn dieser soll als junger, international gefeierter Dichter seine Tarnung sein.
Ein Buch, dass in der Zeit einer der größten Umbrüche spielt – der Eiserne Vorhang ist gefallen. Es bieten sich so viele Möglichkeiten und Chancen an, gleichzeitig fehlt aber auch der bisherige Halt und die Orientierungspunkte. Durch große Euphorie und gleichzeitige Unsicherheit ist die Zeit gekennzeichnet, was in diesem Werk gezeigt wird. Gut transportiert wird dies durch den jungen Dichter und den ehemaligen Doppelagenten. Ein junges Talent, dem nun alle Türen offen zu stehen scheinen, aber dennoch irgendwie durch die Situation stolpert ohne Halt zu verspüren. Und ein ehemalgier Doppelagent, der nunmehr keinen Beruf bzw. keine Rolle mehr hat, da sich die Situation verändert hat. Exemplarisch kann man beide für die jeweiligen Generationen bzw. Berufe in der realen Geschichte betrachten.
Durch einen lockeren Schreibstil in den Bann gezogen, folgt man nun vor allem dem jungen Dichter und weniger dem ehemaligen Doppelagenten in so manche abstruse Situation. Es wird Fiktion mit realer Zeitgeschichte verknüpft. Der klassische Agententhriller wird hierbei auf die Schaufel genommen, aber sehr intelligent und mit feiner sprachlicher Klinge. Man stolpert mit dem Dichter durch diverse Orte wie Rom, Kasachstan, St. Petersburg und handelt mit so ziemlich jedem militärischen Gerät. Manche Frage der Geschichte und das Ende bleibt doch eher offen, jedoch wünscht man dem doch sehr sympathischen Protagonisten, dass es für ihn ein gutes Ende nehmen möge.
Ein kurzweiliger Roman, der eher als Parodie auf klassische Agententhriller zu verstehen ist. Gleichzeitig schafft er es allerdings wunderbar das damalige Zeitgefühl einzufangen, indem er es den Leser durch die Figurenerfahren lässt.










