Kunden em pfehlungen
Rezensionen von niki:
Was für eine ehrliche Auseinandersetzung
Autobiografie meines Körpers von Lize Spit
In diesem persönlichen und berührenden Roman erzählt Lize Spit von der Krebserkrankung ihrer Mutter und ihrer eigenen chronischen Erkrankung als Typ 1 Diabetikerin. Besonders aber geht es um die Mutter-Tochter-Beziehung.
Als die Mutter per Mail ihren vier Kindern fast emotionslos mitteilte, dass bei ihr ein Speiseröhrenkrebs diagnostiziert wurde, war der Autorin bewusst, dass ihre Mutter schon lange etwas bemerkt haben musste, jedoch nichts sagte oder unternahm, weil sie ihr Leben lang für sich nie etwas beanspruchte.
Zu Beginn bestand noch die Hoffnung, dass die Mutter den Krebs besiegt, aber es stellte sich bald heraus, dass es sich um eine aggressive Variante handelte.
Der Roman erzählt von der Leidensgeschichte der Mutter, den Chemos, Bestrahlungen und den Krankenhausaufenthalten, von dem nicht mehr Essen und Trinken und am Ende nicht einmal mehr den eigenen Speichel schlucken können.
Die Tochter erinnert sich in Episoden zurück an ihre Kindheit. Es gab wenige Berührungen, Nähe oder in den Arm genommen werden. Auch wurde über viele Themen nicht gesprochen. Sie war jedoch eine Mutter, die sich sorgte und kümmerte, um Lize und ihre drei Geschwister. Die Mutter litt auch an einer Alkoholkrankheit, die vermutlich mitverantwortlich für den Speiseröhrenkrebs war.
Lize Spit berichtet über den Zusammenhalt der Geschwister, über die Trennung der Mutter vom Vater kurz vor der Diagnose, weil sie einen anderen Mann lieben lernte.
Mich hat das Buch fast dazu gezwungen, über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken. Wie würde ich mit so einer Diagnose, mit so einem Leidensweg und dem unmittelbar bevorstehenden Tod umgehen? Und wie schafft man so etwas intellektuell zu verarbeiten? Gleichzeitig zwang mich der Roman aber auch nachzudenken, wie es mir als Tochter gehen würde, wenn meine Mutter so krank wäre.
Ich weiß nicht, wem ich das Buch empfehlen soll - daher die Frage: Wer möchte sich mit diesem Tabuthema intensiv auseinandersetzen?
Ich bin jedenfalls schwer imponiert von diesem Roman und wünsche mir, dass ganz viele Leser*innen sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.
Drei starke Frauen ihrer Zeit
Vom Licht in die Dunkelheit von Kris Lauwerys
Was für ein Highlight habe ich mit diesem Werk noch aus dem alten Jahr mitgenommen!
Anhand der Biografien von drei Frauen – Emilie Flöge, Milena Jesenská und Veza Canetti – wird die Geschichte Wiens von ca 1900-1938 erzählt. Das Besondere der drei Frauen war: sie nicht den Konventionen ihrer Zeit entsprochen haben.
Den Beginn macht Emilie Flöge. Ihr Leben wird von ca 1900-1918, also bis zum Ende des 1. Weltkriegs beschrieben. So beeindruckend ihre Verbindung mit Gustav Klimt, die Eröffnung des Modesalons und die Verbindung mit der Wiener Werkstätte.
Anschließend haben die Jahre 1918-ca 1928 Milena Jesenskás Biografie zum Inhalt. So interessant zu lesen über ihren Weg von Prag nach Wien, wie sie zum Schreiben kam und ihre Beziehung zu Franz Kafka („Briefe an Milena“).
Die 1930er Jahre erzählen vom Leben der Veza Canetti und ihre Versuche als Schriftstellerin – und warum ihre Werke erst in den 1990er Jahren veröffentlicht wurden.
Sehr gut gelungen ist hier, dass neben den drei Biografien die Wiener Historie miterzählt wird: politisch und gesellschaftlich. In diesem Kontext wird auch immer wieder die Stellung der Frau miteingeflochten
Kris Lauwery ist ein wirklich rundes Werk gelungen, das sich spannend und interessant liest, mit vielen kleinen und großen Begebenheiten. Wichtige Persönlichkeiten ihrer Zeit werden näher vorgestellt wie bspw der Wiener Bürgermeister Lueger, um so auch die weiteren Entwicklungen besser verstehen zu können. Es beleuchtet die Reichen, die am Ring leben, und jene, die eher selten eine Bühne bekommen: die Arbeiter*innen und Bettgeher*innen, die in Wiens Vorstadt zu Hause sind und wahrlich zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben haben.
Absolute Empfehlung!
Ein epochales Werk über das 20. Jahrhundert in Südamerika
Unten leben von Gustavo Faverón Patriau
Was war das für ein Leseerlebnis: Hier kann wirklich von einem das letzte Jahrhundert übergreifendem Epos gesprochen werden.
Gleich zu Beginn des Romans wird ein Mord begangen. Dies ist der Ausgangspunkt, um 25 Jahre zurückzuspulen, und um 600 Seiten später zu erfahren, was es mit diesem Mord auf sich hatte.
Wir Leser*innen tauchen ein in Südamerikas dunkle Geschichte des vorigen Jahrhunderts, mit ihren Diktatoren und Nazi-Flüchtlingen. Wir steigen in unterirdische Gefängnisse, wo gefoltert und vergewaltigt wurde. Wir treffen auf sonderbare Menschen in alten Villen und dunklen Kellern. Uns werden traurige Geschichte erzählt und wir begleiten Menschen bis in ihre schlimmsten Träume. Es werden Menschen gesucht und gefunden und andere gehen wieder verloren. Dabei bestehen die unglaublichsten Beziehungen zwischen den Menschen untereinander, die in diesem Roman auf die Bühne treten.
Den Inhalt wiederzugeben ist sehr schwierig, da unzählige Geschichten und Personen in dem Roman auftauchen und sich in weitere Geschichten verzweigen, die alle relevant sind für die gesamte Geschichte und, wenn auch über Ecken, miteinander in Verbindung stehen. Zentral ist George Bennett junior, jener Mann, der den Mord gleich zu Beginn der Geschichte begeht. Sein Vater, auch George Bennett genannt und eine relevante Person in dem gesamten Konstrukt (obwohl er wenig zur eigentlichen Geschichte beiträgt), war zuständig für den Bau der unterirdischen Gefängnisse und den Tod von Che Guevara.
Ich habe in einigen Rezensionen gelesen, dass die Geschichte nicht einfach und verwirrend zu lesen ist. So ging es mir aber gar nicht. Ich muss jedoch erwähnen, dass ich den Roman sehr zügig und in großen Happen täglich gelesen habe, mich dabei gut auf die Geschichte konzentrieren konnte und richtig arge Bilder im Kopf hatte.
Und dann das Ende – ein richtiger Paukenschlag.
Ich kann sehr empfehlen, sich auf den Roman einzulassen, man wird reichlich belohnt.
Absolute Empfehlung
Aus dem Spanischen von Manfred Gmeiner
Ein großartiges Debüt
Der Sohn und das Schneeflöckchen von Vernesa Berbo
Der Roman wird von der in Jugoslawien geborenen und 1993 nach Berlin geflüchteten Autorin Vernesa Berbo in einer Rückschau erzählt. Handlungsrahmen ist der Balkankrieg, der 1992 begonnen hatte und menschliche Gräuel verübt wurden, von denen hier erzählt wird.
Dada lebt seit 30 Jahren in Deutschland, weil sie vor dem Krieg aus Sarajevo geflohen ist.
Sie arbeitet am Gericht als Übersetzerin.
Die Rollen der beiden Schwestern der in Sarajevo lebenden Familie sind klar verteilt: Dijana ist die ältere, sie ist mutig, stark, unerschrocken – der Vater nennt sie Sohn. Dada, die jüngere, ist das genaue Gegenteil. Als der Jugoslawienkrieg ausbricht, macht Dijana es sich zur Aufgabe, die Familie und insbesondere ihre jüngere Schwester zu beschützen. Der Vater kann diese Aufgabe nicht übernehmen, da er zu Kriegsbeginn einen Herzinfarkt erleidet und im Krankhaus liegt und ist auch später nicht dazu in der Lage. Die beiden Schwestern sind damals 15 und 18 Jahre alt.
Nach einem Streit mit ihrer Schwester ist Dada verschwunden. Die Familie weiß auch Jahre danach nicht, ob sie noch am Leben ist.
Vernesa Berbo gelingt es sehr gut, die sich intensivierenden Kriegsgräuel zu erzählen: einerseits aus der Perspektive von Dijana, die sich als Soldatin für den Kriegseinsatz meldet und die Verteidigung für die Familie übernimmt, und andererseits aus dem Blickwinkel von Dada, die stellvertretend für die Zivilbevölkerung steht. Bei jedem Alarm müssen sie schützende Keller aufsuchen, das Essen wird knapp und das Leben wird insgesamt sehr gefährlich. Jeder Weg nach draußen kann tödlich sein. Es kommt zu Überfällen, die Bevölkerung leidet an Hunger, Vergewaltigungen stehen an der Tagesordnung.
Die Geschichte der beiden Schwestern Dijana und Dada berührt, schockiert und geht sehr zu Herzen. Der Roman hat eine besondere Atmosphäre: die Leser*in kann sich gut in den Kriegsalltag hineinversetzen, mit all seiner Brutalität, dem Hunger, der Angst, den kalten Wintern und den ständigen Granaten, Sirenen und Fluchten in Schutzräume. Titel und Cover würden suggerieren, dass es sich hier um einen Wohlfühlroman handelt – genau das Gegenteil ist der Fall.
Ich kann den Roman von Vernesa Berbo sehr empfehlen und wünsche, dass viele Leser*innen zu dieser Lektüre greifen.
Ganz große Empfehlung - Thomas Mann und Family
Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies
Aus zahlreichen Briefen, Tagebucheintragungen, Fotografien und Aufzeichnungen hat Florian Ilies den Sommer 1933 der Familie Mann, also Thomas, Katja und ihre Kinder, auf äußerst amüsante und interessante Weise dargestellt.
Thomas Mann konnte im Februar 1933 nach einer Vortragsreise zum 50. Todestag von Richard Wagner nicht mehr nach Deutschland zurückkehren.
Er emigrierte zuerst mit seiner Frau Katja in die Schweiz und dann nach Sanary-sur-Mer an der Cote d’Azur.
Thomas Mann fand sich in der Fremde nur schwer zurecht, ist er ja ein Mensch, der weder Abweichungen von seinem Tagesablauf ertragen kann, noch hält er Geräusche aus, auch nicht die seiner Kinder. Besonders beunruhigte ihn, dass er seine Tagebücher in seiner Villa in München zurücklassen musste – da hier so manches Geheimnis niedergeschrieben ist, das nicht an Tagessicht kommen soll, um keinen Gesichtsverlust zu erleiden. Auch an seinem aktuellen Roman „Joseph und seine Brüder“ konnte Thomas Mann im Exil zunächst nicht weiterarbeiten, zu sehr war er davon getroffen, dass er, der Nobelpreisträger, nicht reuevoll nach Deutschland zurückgerufen wurde. Er selbst sah sich als deutsche Kulturinstitution. Thomas Mann hatte große Sehnsucht nach Deutschland.
In Sanary befanden sich noch weitere Migrant*innen ein, wie Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann (Bruder von Thomas Mann und seine nicht standesgemäße Geliebte Nelly), Arnold Zweig und Aldous Huxley, um nur ein paar zu nennen.
Das Buch fand ich insofern fantastisch, da hier jedes der sechs Kinder seinen*ihren Platz bekommt – einerseits mit ihren Besonderheiten und andererseits im Verhältnis zu ihrem „Über“Vater. Die beiden ältesten Geschwister, Erika und Klaus, sind bereits erwachsen und können nach Belieben Zeit mit den Eltern verbringen. Auch kann der Vater sie akzeptieren, trotzdem Klaus homosexuell und ganz offensichtlich drogensüchtig ist. Golo Mann kämpft zeitlebens um die Anerkennung seines Vaters. Michael wird vom Vater nicht geliebt, ja nicht mal akzeptiert, das schreibt Thomas Mann auch in sein Tagebuch.
Nach seinem Tod findet Michael dies in seinem Nachlass und bringt sich kurz darauf um. Für die Tochter Monika interessiert sich niemand in der Familie, weder der Vater, noch Katja, noch die Großeltern. Nur Elisabeth, die jüngste Tochter, wird vom Vater über alles geliebt, so sehr, dass er sich eine Büste von ihr in sein Arbeitszimmer im Exil bringen lässt.
Ich habe das neue Buch von Florian Ilies mit großem Genuss gelesen - dabei hatte ich Thomas Mann vor Augen, wie er mit seinem Schicksal hadert. Der Sommer 1933 wird von Ilies sehr interessant auf Papier festgemacht. Besonders gelungen fand ich, wie der Autor schrullige Eigenschaften von Thomas Mann dargestellt hat, aber auch die seiner Kinder.
Ganz große Empfehlung
Inspirierende Frauen und wohl eines der schönsten Bücher überhaupt
We are Austria von Nina Pavicsits
Das hier ist wohl eines der schönsten Bücher in diesem Jahr – innen wie außen.
77 Frauen werden mit Kurzporträts vorgestellt – junge, ältere, lebende und bereits verstorbene aus Politik, Sport, Wirtschaft, Kunst und Geschichte. Frauen, die für Österreich eine besondere Rolle spielten. Besonders gut gefallen hat mir, dass Frauen vorgestellt werden, die derzeit als absolute Role-Models gelten - alphabetisch gereiht nach Vornamen: Barbara Blaha, Ingrid Brodnig, Stefanie Reinsberger oder Stefanie Sargnagel und viele viele mehr.
Eigentlich hatte @nina nach einem Buch wie diesem für ihre Kinder gesucht, zum selbst Lesen und auch Vorlesen – sie hatte jedoch nichts in dieser Art gefunden. Kurzerhand beschloss die studierte Grafikerin, selbst so ein Buch zu schreiben und zu designen – das ist ihr wunderbar gelungen.
Das Buch ist lehrreich, vieles wird aufgefrischt, einige der Frauen habe ich aber nicht gekannt und deshalb freue mich sehr, dass sie hier vorgestellt werden.
Dieses Buch eignet sich für jede*n und gibt ein ganz großartiges Geschenk ab.
Der Abschluss einer fulminanten Trilogie
Ein guter Mann von Johanna Grillmayer
Das ist der abschließende Teil der Trilogie von Johanna Grillmayer rund um das ‚Ereignis‘ und ihrer Hauptprotagonistin Jola und ihrer Familie sowie ihren Freund*innen.
Seit dem Ereignis in Band 1 sind ca 26 Jahre vergangen. Alle haben sich einigermaßen auf das neue Leben eingestellt und eingelebt – Alltag ist eingekehrt.
Die Kinder sind inzwischen erwachsen, für sie ist dieses Leben Normalzustand – auch das für uns ungewöhnliche Familienleben.
Sozialstrukturen bildeten sich heraus: Gesetze wurden geschaffen, Wahlen wurden abgehalten und Tätigkeiten für die Allgemeinheit wurden auf alle verteilt. Es wurde versucht, andere Überlebende im Burgendland, in Slowenien und in Italien zu finden. Konflikte, Krankheiten und Schicksalsschläge forderten die einzelnen Dörfer heraus und andererseits sorgte dies auch für Zusammenhalt.
Es gibt inzwischen kaum noch Dinge aus der Zeit vor dem ‚Ereignis‘. Es fast alles neu erfunden bzw nachgebaut worden.
Unaufgeregt, nahezu realistisch, wird der Alltag in dieser Dystopie erzählt. Über Konfliktendie in Familien und Gemeinschaften dazugehören. Es wird hier nicht apokalyptisch erzählt, sondern versucht darzustellen, wie ein Leben nach einer Katastrophe funktionieren könnte. Ich habe diese Trilogie sehr genossen: Hut ab vor der Autorin, die sich diese funktionierende Welt ausgedacht hat.
Ein mehr als würdiger Abschluss einer ganz besonderen Trilogie, die ich sehr ans Herz legen möchte.
Irgendwie hat alles einen Sinn - auch Krankheit
Junge Frau mit Katze von Daniela Dröscher
Daniela Dröschers Vorgänger*inroman „Lügen über meine Mutter“ hat mich total begeistert. Nun geht’s um ihren neuesten Roman.
Hier erzählt sie von sich selbst, Anfang 30, und von ihren körperlichen Leiden und der Tortur, von einer*m Ärzt*in zum nächsten zu wechseln, denn keiner konnte so richtig rausfinden, was die Ursache ihrer Leiden war.
Begonnen hatte alles mit einer Kehlkopfentzündung. Sie erhielt einen Spray, dieser löste Herzrasen und Herzstolpern bei ihr aus. Sie konsultierte weitere Ärzt*innen und wurde mit neuen Diagnosen, Allergien und Medikamenten konfrontiert.
Zeitgleich stand sie wahnsinnig unter Stress, arbeitete an der Universität und stand kurz vor der Verteidigung ihrer Doktorarbeit – es wurde ihr, da gar keine Erklärung seitens der Ärzt*innen gefunden wurde, Ruhe und Stressvermeidung verordnet: in dieser Situation natürlich unmöglich. Sie muss die Prüfung exzellent schaffen, denn dann steht ein Uni-Job in Aussicht, den sie unbedingt möchte.
Auch Elas Mutter begegnen wir wieder im Roman. Mittlerweile hat sie sich von ihrem Ehemann getrennt (noch nicht geschieden) und lebt nun endlich ihr eigenes Leben.
Dieser Roman erzählt die Geschichte, wie die @danieladroescher zum Romanschreiben kam, aber zuerst einige Hürden in Angriff nehmen musste. Auf ihrem Lebensplan stand etwas ganz anderes. Dafür hat sie alles hintangestellt – ihr Körper hat jedoch dagegen gestreikt.
Ich habe den Roman gern gelesen und kann ihn absolut empfehlen.
Was für ein Buch!
Habsburg von Roman Sandgruber
ch bin weder interessiert an Schauspieler*innen noch sonst an irgendwelchen Berühmtheiten – ABER ich liebe Monarchien, Königshäuser und ihre Hauptdarsteller*innen (und die 1990er Jahre-Supermodels). Daher ist dieses Buch ein absolutes Muss für mich.
Die Habsburger sind eines der bedeutendsten Herrscherhäuser der Welt gewesen und das über Jahrhunderte.
Schon auf den ersten 15 Seiten lernte ich Erstaunliches: Die Habsburger haben keine*n „Große*n“, hervorgebracht, wie Peter der Große und Katharina die Große in Russland oder bei den Deutschen Friedrich der Große – das war mir bis dato gar nicht so bewusst, dass das in unserer alten Monarchie fehlte.
Das Buch stellt dar, was eine Dynastie, also eine geschlossene Familiengruppe als soziales Konstrukt ausmacht: eine mystische Abstammungsgeschichte, Gemeinschaft der Toten, Geld- und Erbschaftsregelungen, familiäre Gewohnheiten (Hausgesetze) und eine genealogische Erzählung, Nachfolgeregelungen und vieles mehr.
In 36 Kurzbiografien werden sämtliche wichtige Habsburger*innen (vor allem Männer!) präsentiert – sie reicht von Rudolf I., dem ersten Habsburger, bis zu Otto, dem Sohn des letzten Kaisers Österreichs.
Natürlich kommen Intrigen, strategische Hochzeiten oder einfach kuriose Typen (aufgrund des Inzests) nicht zu kurz.
Ich habe das Buch wahnsinnig gerne gelesen, nebenbei viel Neues gelernt und es sehr genossen.
Absolute Empfehlung
Um jeden Preis berühmt werden - großartiger Roman
Der Rache Glanz von Maud Ventura
Was für eine geniale Geschichte hat sich Maud Ventura hier wieder ausgedacht – großartig! Schon ihr Debüt „Mein Mann“ hat mich in Erstaunen versetzt, nun ist es ihr wieder gelungen.
Cléo Louvent ist schon als Kind überzeugt dafür geschaffen zu sein, berühmt und damit reich zu werden - als Popsängerin.
Sie gibt alles dafür und verfolgt diszipliniert ihr Ziel – sollte sie einmal undiszipliniert sein, bestraft sie sich.
Wir verfolgen Cléos Gedanken im Roman ganz unmittelbar. Alles was sie sich in jeder Situation denkt – sie lässt uns Leser*innen teilhaben. Zu Beginn ist Cléo fast sympathisch, will gefallen, ist zu allen nett – dies ändert sich aber im Laufe ihres Weges zu einer Berühmtheit. Sie wird arrogant, unsympathisch, quält ihre persönlichen Angestellten und entwickelt einen Größenwahn. Sie ist obsessiv in der Vorstellung gefangen, eine Berühmtheit zu sein und entsprechend behandelt zu werden.
Cléo komponiert, schreibt die Texte ihrer Lieder, singt und spielt Klavier sowie Gitarre. Sie kommt ursprünglich aus relativ normalen Verhältnissen – beide Eltern sind an der Uni beschäftigt, was sie sehr bereut, da sie sie nicht in ihrer Karriere unterstützen können. Sie bezahlt einen hohen Preis für das Berühmtsein.
Cléo ist keine sympathische Protagonistin. Sie ist egozentrisch, arrogant und räumt aus dem Weg, wer ihr nicht passt. Alles nachvollzielbar dargestellt in einem innerem Monolog.
Und das Ende des Romans war wieder einmal ebenso sensationell wie unerwartet und lässt die Leser*innen mit einem breiten Grinsen zurück – einfach nur großartig.
Wem „Mein Mann“ gefallen hat, wird hier nicht enttäuscht, und allen anderen empfehle ich Maud Ventura kennenzulernen.











