Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von niki:

Ein unglaublich berührendes, unter die Haut gehendes Buch über das hohe Alter

Die späten Tage von Natascha Wodin

Natascha Wodin beschreibt ihr Leben als hochbetagte 80-jährige Frau. Mit Friedrich findet sie ihre späte Liebe, obwohl trotz des reifen Alters der beiden das Zusammenleben nicht immer einfach ist. Die Jahre haben Prägungen hinterlassen, die nicht mehr zu ändern sind.

Natascha Wodin beschreibt ihr hohes Alter, von außen betrachtet, wie man es sich wünschen würde: sie ist gesund, fit im Kopf, führt eine Partnerschaft, kann noch schreiben, Autofahren und sich selbst versorgen.

Welcher Kraftaufwand jedoch dahintersteckt, den Alltag zu bewältigen, wie viel Überwindung das Leben und welchen Stress es kostet, wenn abseits der täglichen Routinen Aufgaben zu bewältigen sind, wird hier sehr sensibel und berührend beschrieben: Der Schlaf ist nicht mehr tief, zum Spazierengehen benötigt man Stöcke (eventuell bald einen Rollator), die Angst vorm Sterben ist präsent, wie soll man da längerfristige Pläne schmieden. Immer steht die Frage im Raum, wird sie Friedrich heute zum letzten Mal umarmen, wird er oder sie morgen noch leben?

Der Tod begleitet ständig ihre Gedanken und es ist unerträglich für sie, dem Tod so nahe zu sein. Und trotzdem hofft sie, dass der Tod sie nicht heimsuchen wird, obwohl bis jetzt alle Menschen, die geboren wurde, auch gestorben sind. Sie schreibt vom großen Irrtum, dass man im Alter keine Angst mehr vom Tod hat oder dass man bereit und einverstanden wäre zu sterben.

Ein unglaublich berührendes, unter die Haut gehendes Buch über das hohe Alter. Natascha Wodin gelingt es zu zeigen, wie schwer es ist alt zu sein, trotz guter Gesundheit, Und was es heißt, sich mit der Endlichkeit auseinanderzusetzen.

Uneingeschränkte Empfehlung

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi

Unglaublich interessant und spannend

Mein Freund Kim Jong-un von Keum Suk Gendry-Kim

Die südkoreanische Comiczeichnerin Gendry-Kim berichtet in der vorliegenden Graphic Novel vom Leben im geteilten Korea und geht besonders auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un ein.

Das Leben von Kim Jong-un wird von seiner Kindheit bis in die Gegenwart erzählt. Es wird über die Familiengeschichte berichtet und über jene Familienmitglieder, die bei seiner Machtübernahme, nach dem Tod seines Vaters Kim Jong-Il, ermordet wurden.

Die Welt setzte große Hoffnung in Kim Jong-un, da er auf einer Schweizer Schule seine Ausbildung erhielt.

Um überhaupt Nordkorea und seine Menschen kennenzulernen, führte die Autorin Interviews mit Geflüchteten aus Nordkorea, einem Freund des Halbbruders von Kim Jong-un (der ermordet wurde) und dem ehemaligen Präsident Südkoreas Moon Jae-in, der Kim Jong-un öfter traf.

Die Autorin lebt in Sichtweite zur nordkoreanischen Grenze, nahezu täglich hört sie Militärübungen, die ihr Angst machen – immer auch in Gedanken, dass einmal eine Atombombe über die Grenze fliegt, und ob sie mit ihrem Mann nicht lieber auswandern sollte.

Am Ende bleibt zu hoffen, dass es zu keinem neuerlichen Krieg zwischen den beiden Koreas kommen wird, den auch Donald Trump konnte in seiner ersten Amtszeit nicht vermitteln.

Vieles habe ich bereits gewusst und trotzdem fand ich die Graphic Novel sehr spannend und interessant zu lesen und möchte sie jeder*jedem ans Herz legen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi

Ein verklärter Blick in unsere Gegenwart

Was wir wissen können von Ian McEwan

In diesem Roman blicken wir aus dem Jahr 2119 zurück in unsere Gegenwart.

Der erste Teil des Romans ist im Jahr 2119 angesiedelt. Die Welt hat alle Konsequenzen unserer ungeheuer laschen Klimapolitik zu tragen: ganze Erdteile sind aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels überschwemmt, es kam zu Nuklearkatastrophen und insgesamt hat sich die Weltbevölkerung auf vier Milliarden halbiert.

Wohlstand gibt es keinen mehr.

Thomas Metcalfe ist Literaturprofessor, jedoch im Jahr 2119 sind Geisteswissenschaften nicht mehr gefragt. Der Professor hat seinen wissenschaftlichen Fokus auf Literatur von 1990-2030 eingegrenzt.
Metcalfe ist auf der Suche nach einem Liebesgedicht von dem damals berühmten Francis Blundy. Sämtliche Archive hat er bereits durchforstet, aber es gibt keinen Hinweis, wo das Gedicht geblieben sein könnte. Beim Lesen des archivierten Materials bekommt Metcalfe eine Ahnung, wie die Welt 2020 ausgesehen hat und die Menschen gelebt haben, welche Krisen sie meistern mussten und welche Kriege sie geführt haben. Er kann nicht begreifen, warum in dieser Zeit nicht mehr für die Umwelt und das Klima getan wurde. Er stellt sich die Jahre 1990-2030 sehr verklärt vor (im Gegensatz zu dem, wie wir sie derzeit selbst erleben).

Im zeiten Teil des Romans erzählt dann Vivien Blundy ihre Geschichte, denn für sie wurde das Gedicht „Ein Sonettenkranz für Vivien“ geschrieben und so löst sich auch das Rätsel rund um den Verbleib des Gedichtes. Dieser Teil des Romans ist großartig konzipiert und geschrieben.

Ich fand den ersten Teil etwas zu lang und fast ein wenig zäh zu lesen, wurde jedoch im zweiten Teil mehr als belohnt. Bei dem Roman handelt sich nicht nur um eine Umwelt- bzw Klimadystopie, weil der Roman so viele andere Themen verhandelt und sich auch nicht wie eine Dystopie liest. Liebe, Alzheimer und Ehebruch sind weitere zentrale Themen.

Insgesamt dann am Ende ein gelungener Roman.

Aus dem Englischen von Bernhard Robben

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi

Was für eine ehrliche Auseinandersetzung

Autobiografie meines Körpers von Lize Spit

In diesem persönlichen und berührenden Roman erzählt Lize Spit von der Krebserkrankung ihrer Mutter und ihrer eigenen chronischen Erkrankung als Typ 1 Diabetikerin. Besonders aber geht es um die Mutter-Tochter-Beziehung.

Als die Mutter per Mail ihren vier Kindern fast emotionslos mitteilte, dass bei ihr ein Speiseröhrenkrebs diagnostiziert wurde, war der Autorin bewusst, dass ihre Mutter schon lange etwas bemerkt haben musste, jedoch nichts sagte oder unternahm, weil sie ihr Leben lang für sich nie etwas beanspruchte.

Zu Beginn bestand noch die Hoffnung, dass die Mutter den Krebs besiegt, aber es stellte sich bald heraus, dass es sich um eine aggressive Variante handelte.

Der Roman erzählt von der Leidensgeschichte der Mutter, den Chemos, Bestrahlungen und den Krankenhausaufenthalten, von dem nicht mehr Essen und Trinken und am Ende nicht einmal mehr den eigenen Speichel schlucken können.

Die Tochter erinnert sich in Episoden zurück an ihre Kindheit. Es gab wenige Berührungen, Nähe oder in den Arm genommen werden. Auch wurde über viele Themen nicht gesprochen. Sie war jedoch eine Mutter, die sich sorgte und kümmerte, um Lize und ihre drei Geschwister. Die Mutter litt auch an einer Alkoholkrankheit, die vermutlich mitverantwortlich für den Speiseröhrenkrebs war.

Lize Spit berichtet über den Zusammenhalt der Geschwister, über die Trennung der Mutter vom Vater kurz vor der Diagnose, weil sie einen anderen Mann lieben lernte.

Mich hat das Buch fast dazu gezwungen, über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken. Wie würde ich mit so einer Diagnose, mit so einem Leidensweg und dem unmittelbar bevorstehenden Tod umgehen? Und wie schafft man so etwas intellektuell zu verarbeiten? Gleichzeitig zwang mich der Roman aber auch nachzudenken, wie es mir als Tochter gehen würde, wenn meine Mutter so krank wäre.

Ich weiß nicht, wem ich das Buch empfehlen soll - daher die Frage: Wer möchte sich mit diesem Tabuthema intensiv auseinandersetzen?

Ich bin jedenfalls schwer imponiert von diesem Roman und wünsche mir, dass ganz viele Leser*innen sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi

Drei starke Frauen ihrer Zeit

Vom Licht in die Dunkelheit von Kris Lauwerys

Was für ein Highlight habe ich mit diesem Werk noch aus dem alten Jahr mitgenommen!

Anhand der Biografien von drei Frauen – Emilie Flöge, Milena Jesenská und Veza Canetti – wird die Geschichte Wiens von ca 1900-1938 erzählt. Das Besondere der drei Frauen war: sie nicht den Konventionen ihrer Zeit entsprochen haben.

Den Beginn macht Emilie Flöge. Ihr Leben wird von ca 1900-1918, also bis zum Ende des 1. Weltkriegs beschrieben. So beeindruckend ihre Verbindung mit Gustav Klimt, die Eröffnung des Modesalons und die Verbindung mit der Wiener Werkstätte.

Anschließend haben die Jahre 1918-ca 1928 Milena Jesenskás Biografie zum Inhalt. So interessant zu lesen über ihren Weg von Prag nach Wien, wie sie zum Schreiben kam und ihre Beziehung zu Franz Kafka („Briefe an Milena“).

Die 1930er Jahre erzählen vom Leben der Veza Canetti und ihre Versuche als Schriftstellerin – und warum ihre Werke erst in den 1990er Jahren veröffentlicht wurden.

Sehr gut gelungen ist hier, dass neben den drei Biografien die Wiener Historie miterzählt wird: politisch und gesellschaftlich. In diesem Kontext wird auch immer wieder die Stellung der Frau miteingeflochten

Kris Lauwery ist ein wirklich rundes Werk gelungen, das sich spannend und interessant liest, mit vielen kleinen und großen Begebenheiten. Wichtige Persönlichkeiten ihrer Zeit werden näher vorgestellt wie bspw der Wiener Bürgermeister Lueger, um so auch die weiteren Entwicklungen besser verstehen zu können. Es beleuchtet die Reichen, die am Ring leben, und jene, die eher selten eine Bühne bekommen: die Arbeiter*innen und Bettgeher*innen, die in Wiens Vorstadt zu Hause sind und wahrlich zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben haben.

Absolute Empfehlung!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi

Ein epochales Werk über das 20. Jahrhundert in Südamerika

Unten leben von Gustavo Faverón Patriau

Was war das für ein Leseerlebnis: Hier kann wirklich von einem das letzte Jahrhundert übergreifendem Epos gesprochen werden.

Gleich zu Beginn des Romans wird ein Mord begangen. Dies ist der Ausgangspunkt, um 25 Jahre zurückzuspulen, und um 600 Seiten später zu erfahren, was es mit diesem Mord auf sich hatte.

Wir Leser*innen tauchen ein in Südamerikas dunkle Geschichte des vorigen Jahrhunderts, mit ihren Diktatoren und Nazi-Flüchtlingen. Wir steigen in unterirdische Gefängnisse, wo gefoltert und vergewaltigt wurde. Wir treffen auf sonderbare Menschen in alten Villen und dunklen Kellern. Uns werden traurige Geschichte erzählt und wir begleiten Menschen bis in ihre schlimmsten Träume. Es werden Menschen gesucht und gefunden und andere gehen wieder verloren. Dabei bestehen die unglaublichsten Beziehungen zwischen den Menschen untereinander, die in diesem Roman auf die Bühne treten.

Den Inhalt wiederzugeben ist sehr schwierig, da unzählige Geschichten und Personen in dem Roman auftauchen und sich in weitere Geschichten verzweigen, die alle relevant sind für die gesamte Geschichte und, wenn auch über Ecken, miteinander in Verbindung stehen. Zentral ist George Bennett junior, jener Mann, der den Mord gleich zu Beginn der Geschichte begeht. Sein Vater, auch George Bennett genannt und eine relevante Person in dem gesamten Konstrukt (obwohl er wenig zur eigentlichen Geschichte beiträgt), war zuständig für den Bau der unterirdischen Gefängnisse und den Tod von Che Guevara.

Ich habe in einigen Rezensionen gelesen, dass die Geschichte nicht einfach und verwirrend zu lesen ist. So ging es mir aber gar nicht. Ich muss jedoch erwähnen, dass ich den Roman sehr zügig und in großen Happen täglich gelesen habe, mich dabei gut auf die Geschichte konzentrieren konnte und richtig arge Bilder im Kopf hatte.

Und dann das Ende – ein richtiger Paukenschlag.

Ich kann sehr empfehlen, sich auf den Roman einzulassen, man wird reichlich belohnt.

Absolute Empfehlung

Aus dem Spanischen von Manfred Gmeiner

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi

Ein großartiges Debüt

Der Sohn und das Schneeflöckchen von Vernesa Berbo

Der Roman wird von der in Jugoslawien geborenen und 1993 nach Berlin geflüchteten Autorin Vernesa Berbo in einer Rückschau erzählt. Handlungsrahmen ist der Balkankrieg, der 1992 begonnen hatte und menschliche Gräuel verübt wurden, von denen hier erzählt wird.

Dada lebt seit 30 Jahren in Deutschland, weil sie vor dem Krieg aus Sarajevo geflohen ist.

Sie arbeitet am Gericht als Übersetzerin.

Die Rollen der beiden Schwestern der in Sarajevo lebenden Familie sind klar verteilt: Dijana ist die ältere, sie ist mutig, stark, unerschrocken – der Vater nennt sie Sohn. Dada, die jüngere, ist das genaue Gegenteil. Als der Jugoslawienkrieg ausbricht, macht Dijana es sich zur Aufgabe, die Familie und insbesondere ihre jüngere Schwester zu beschützen. Der Vater kann diese Aufgabe nicht übernehmen, da er zu Kriegsbeginn einen Herzinfarkt erleidet und im Krankhaus liegt und ist auch später nicht dazu in der Lage. Die beiden Schwestern sind damals 15 und 18 Jahre alt.

Nach einem Streit mit ihrer Schwester ist Dada verschwunden. Die Familie weiß auch Jahre danach nicht, ob sie noch am Leben ist.

Vernesa Berbo gelingt es sehr gut, die sich intensivierenden Kriegsgräuel zu erzählen: einerseits aus der Perspektive von Dijana, die sich als Soldatin für den Kriegseinsatz meldet und die Verteidigung für die Familie übernimmt, und andererseits aus dem Blickwinkel von Dada, die stellvertretend für die Zivilbevölkerung steht. Bei jedem Alarm müssen sie schützende Keller aufsuchen, das Essen wird knapp und das Leben wird insgesamt sehr gefährlich. Jeder Weg nach draußen kann tödlich sein. Es kommt zu Überfällen, die Bevölkerung leidet an Hunger, Vergewaltigungen stehen an der Tagesordnung.

Die Geschichte der beiden Schwestern Dijana und Dada berührt, schockiert und geht sehr zu Herzen. Der Roman hat eine besondere Atmosphäre: die Leser*in kann sich gut in den Kriegsalltag hineinversetzen, mit all seiner Brutalität, dem Hunger, der Angst, den kalten Wintern und den ständigen Granaten, Sirenen und Fluchten in Schutzräume. Titel und Cover würden suggerieren, dass es sich hier um einen Wohlfühlroman handelt – genau das Gegenteil ist der Fall.

Ich kann den Roman von Vernesa Berbo sehr empfehlen und wünsche, dass viele Leser*innen zu dieser Lektüre greifen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi

Ganz große Empfehlung - Thomas Mann und Family

Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies

Aus zahlreichen Briefen, Tagebucheintragungen, Fotografien und Aufzeichnungen hat Florian Ilies den Sommer 1933 der Familie Mann, also Thomas, Katja und ihre Kinder, auf äußerst amüsante und interessante Weise dargestellt.

Thomas Mann konnte im Februar 1933 nach einer Vortragsreise zum 50. Todestag von Richard Wagner nicht mehr nach Deutschland zurückkehren.

Er emigrierte zuerst mit seiner Frau Katja in die Schweiz und dann nach Sanary-sur-Mer an der Cote d’Azur.

Thomas Mann fand sich in der Fremde nur schwer zurecht, ist er ja ein Mensch, der weder Abweichungen von seinem Tagesablauf ertragen kann, noch hält er Geräusche aus, auch nicht die seiner Kinder. Besonders beunruhigte ihn, dass er seine Tagebücher in seiner Villa in München zurücklassen musste – da hier so manches Geheimnis niedergeschrieben ist, das nicht an Tagessicht kommen soll, um keinen Gesichtsverlust zu erleiden. Auch an seinem aktuellen Roman „Joseph und seine Brüder“ konnte Thomas Mann im Exil zunächst nicht weiterarbeiten, zu sehr war er davon getroffen, dass er, der Nobelpreisträger, nicht reuevoll nach Deutschland zurückgerufen wurde. Er selbst sah sich als deutsche Kulturinstitution. Thomas Mann hatte große Sehnsucht nach Deutschland.

In Sanary befanden sich noch weitere Migrant*innen ein, wie Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann (Bruder von Thomas Mann und seine nicht standesgemäße Geliebte Nelly), Arnold Zweig und Aldous Huxley, um nur ein paar zu nennen.

Das Buch fand ich insofern fantastisch, da hier jedes der sechs Kinder seinen*ihren Platz bekommt – einerseits mit ihren Besonderheiten und andererseits im Verhältnis zu ihrem „Über“Vater. Die beiden ältesten Geschwister, Erika und Klaus, sind bereits erwachsen und können nach Belieben Zeit mit den Eltern verbringen. Auch kann der Vater sie akzeptieren, trotzdem Klaus homosexuell und ganz offensichtlich drogensüchtig ist. Golo Mann kämpft zeitlebens um die Anerkennung seines Vaters. Michael wird vom Vater nicht geliebt, ja nicht mal akzeptiert, das schreibt Thomas Mann auch in sein Tagebuch.

Nach seinem Tod findet Michael dies in seinem Nachlass und bringt sich kurz darauf um. Für die Tochter Monika interessiert sich niemand in der Familie, weder der Vater, noch Katja, noch die Großeltern. Nur Elisabeth, die jüngste Tochter, wird vom Vater über alles geliebt, so sehr, dass er sich eine Büste von ihr in sein Arbeitszimmer im Exil bringen lässt.

Ich habe das neue Buch von Florian Ilies mit großem Genuss gelesen - dabei hatte ich Thomas Mann vor Augen, wie er mit seinem Schicksal hadert. Der Sommer 1933 wird von Ilies sehr interessant auf Papier festgemacht. Besonders gelungen fand ich, wie der Autor schrullige Eigenschaften von Thomas Mann dargestellt hat, aber auch die seiner Kinder.

Ganz große Empfehlung

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi

Inspirierende Frauen und wohl eines der schönsten Bücher überhaupt

We are Austria von Nina Pavicsits

Das hier ist wohl eines der schönsten Bücher in diesem Jahr – innen wie außen.

77 Frauen werden mit Kurzporträts vorgestellt – junge, ältere, lebende und bereits verstorbene aus Politik, Sport, Wirtschaft, Kunst und Geschichte. Frauen, die für Österreich eine besondere Rolle spielten. Besonders gut gefallen hat mir, dass Frauen vorgestellt werden, die derzeit als absolute Role-Models gelten - alphabetisch gereiht nach Vornamen: Barbara Blaha, Ingrid Brodnig, Stefanie Reinsberger oder Stefanie Sargnagel und viele viele mehr.

Eigentlich hatte @nina nach einem Buch wie diesem für ihre Kinder gesucht, zum selbst Lesen und auch Vorlesen – sie hatte jedoch nichts in dieser Art gefunden. Kurzerhand beschloss die studierte Grafikerin, selbst so ein Buch zu schreiben und zu designen – das ist ihr wunderbar gelungen.

Das Buch ist lehrreich, vieles wird aufgefrischt, einige der Frauen habe ich aber nicht gekannt und deshalb freue mich sehr, dass sie hier vorgestellt werden.

Dieses Buch eignet sich für jede*n und gibt ein ganz großartiges Geschenk ab.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi

Der Abschluss einer fulminanten Trilogie

Ein guter Mann von Johanna Grillmayer

Das ist der abschließende Teil der Trilogie von Johanna Grillmayer rund um das ‚Ereignis‘ und ihrer Hauptprotagonistin Jola und ihrer Familie sowie ihren Freund*innen.

Seit dem Ereignis in Band 1 sind ca 26 Jahre vergangen. Alle haben sich einigermaßen auf das neue Leben eingestellt und eingelebt – Alltag ist eingekehrt.

Die Kinder sind inzwischen erwachsen, für sie ist dieses Leben Normalzustand – auch das für uns ungewöhnliche Familienleben.

Sozialstrukturen bildeten sich heraus: Gesetze wurden geschaffen, Wahlen wurden abgehalten und Tätigkeiten für die Allgemeinheit wurden auf alle verteilt. Es wurde versucht, andere Überlebende im Burgendland, in Slowenien und in Italien zu finden. Konflikte, Krankheiten und Schicksalsschläge forderten die einzelnen Dörfer heraus und andererseits sorgte dies auch für Zusammenhalt.

Es gibt inzwischen kaum noch Dinge aus der Zeit vor dem ‚Ereignis‘. Es fast alles neu erfunden bzw nachgebaut worden.

Unaufgeregt, nahezu realistisch, wird der Alltag in dieser Dystopie erzählt. Über Konfliktendie in Familien und Gemeinschaften dazugehören. Es wird hier nicht apokalyptisch erzählt, sondern versucht darzustellen, wie ein Leben nach einer Katastrophe funktionieren könnte. Ich habe diese Trilogie sehr genossen: Hut ab vor der Autorin, die sich diese funktionierende Welt ausgedacht hat.

Ein mehr als würdiger Abschluss einer ganz besonderen Trilogie, die ich sehr ans Herz legen möchte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Nicole Koppandi