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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von niki:

Dieses Debüt ist eine Sensation

Die Schlafenden von Anthony Passeron

Der heroinsüchtige Onkel des Autors Désiré zählt zu den ersten AIDS infizierten Frankreichs in den 1980er Jahren. Er lebt in einem kleinen französischen Dorf, wo jede*r jede*n kennt und die Familie aufgrund der Metzgerei, die sie betreiben, einigermaßen angesehen ist.

Für die Familie, insbesondere für die Mutter stellte diese Krankheit eine Katastrophe dar, weil AIDS-erkrankte stigmatisiert waren – als schwul und/oder drogenabhängig.

Dass ihr Sohn Désiré drogenabhängig sei, wollte sie nicht wahrhaben. Zur großen Tragödie ist die familiäre Geschichte auch deswegen ausgewachsen, weil nicht nur der Onkel infiziert war, sondern auch seine Frau und die gemeinsame Tochter.

In einem zweiten Erzählstrang wird der wissenschaftliche Part zu AIDS erzählt – von den ersten Entdeckungen des Virus bis zum Versuch, ein geeignetes Medikament zu erforschen.

„Danke.“ Die junge Wissenschaftlerin ist verblüfft: „Aber wofür? Es ist uns nicht gelungen, Sie zu retten.“ Mit halb geschlossenen Augen, an der Schwelle zwischen zwei Welten, findet der Sterbende noch die Kraft zu antworten: „Nicht für mich. Für die anderen.“ (s. S. 151)

Wir können uns heute glücklich schätzen – Wissenschaft und Forschung haben längst Medikamente entwickelt, die AIDS-Infizierte ein nahezu „normales“ Leben und auch eine vergleichbare Lebenserwartung ermöglichen, wie nicht infizierten Personen.

Ein tief berührendes, autobiografisches Buch über Krankheit und familiäre Scham, das einen nachdenklich zurücklässt. Großartiges Debüt!

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Informativ, schrill und bunt

Blow Up! von Robert Shore

Mit größtem Vergnügen habe ich Blow Up! gelesen, die explosive Geschichte der Modernen Kunst als Graphic Novel.

Es beginnt mit Marcel Duchamp und seinen Ready-mades – hier im Buch das Urinal – und geht der Frage nach, wann Gegenstände als Kunst gelten und wer der Urheber der Kunst ist, denn das Urinal, wurde ja nicht von Duchamp hergestellt.

Kunst muss ja nicht vom Künstler selbst hergestellt werden, es reicht vielmehr, wenn der Künstler sie als solche bezeichnet.

So ziemlich alle wichtigen Protagonist*innen der Modernen Kunst der ca letzten hundert Jahre werden im Buch mit ihren zentralen Werken vorgestellt: Andy Warhol, Marina Abramovic, Demian Hirst, Jean-Michel Basquiat, Joseph Beuys und viele andere.

Bunt, schrill, informativ und süffig zu lesen ist die Graphic Novel in der Übersetzung aus dem Englischen von Christa Prummer-Lehmair und Rita Seuss. Es gibt einen guten Überblick der Künstler*innen der Moderne und bietet vor allem Einsteiger*innen Anregungen, mit welcher*m Künstler*in man sich als nächstes beschäftigen möchte.

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Karl - Mythos und Ikone

Karl Lagerfeld von Alfons Kaiser

Was für ein Buch – genau richtig für den Strand im Urlaub. Ich schließe mit großer Hochachtung vor diesem Mann meine Lektüre.

Zu Beginn geht es um die Geschichte seiner sehr reichen Eltern, damit auch seiner Herkunft – das ist vielleicht ein bisschen lang erzählt, eventuell so wahrgenommen, weil ich unbedingt ganz schnell über ihn als Modeschöpfer lesen und erfahren wollte.

Karl Otto Lagerfeld war bereits als Kind und Jugendlicher anders, hatte damals schon gelesen und gezeichnet und sich extravagant gekleidet, weder gespielt, noch sich mit anderen Kinder abgegeben.

Man erfährt detailreich über seinen Weg als Modedesigner und seine Erfolge. Wie er es schaffte sich selbst ein Image zu verpassen, einerseits als Ikone und andererseits als Mythos – bis zu seinem besonderen Logo. Er hatte hart gearbeitet und: kein Alkohol, kein Nikotin, keine Drogen und Sexexzesse, obwohl all dies in den 1970er in der Modeszene üblich normal war. Ein wenig Einblick bekommt man auch in sein Privatleben.

Es zeigt Lagerfeld von seiner menschlichen und großzügigen Seite, intelligent und selbstironisch, was mich das eine oder andere Mal zum Schmunzeln brachte. Aber auch jene Seite, die langjährige Beziehungen plötzlich abbrechen ließ. Absolute Empfehlung für alle, die sich nur ein bisschen für die Modewelt interessieren.

Ich fand das Buch großartig, die Geschichte seiner erfolgreichen Arbeit – er war ein Workaholic – und seiner Persönlichkeit, seiner Beziehungen und seines Alleinseins, das ihm kreative Inspirationen gab, obwohl er andererseits immer Menschen um sich hatte, ja brauchte.

Falsche Fakten, die Lagerfeld über sich streute, korrigiert der Autor und auch sonst wird Lagerfeld nicht immer im besten Licht gezeigt. Er förderte seine Begleiter*innen, was ihn unglaublich menschlich und großzügig wirken lässt, andererseits kündigte er Beziehungen, Freundschaften und Begleiter*innen ohne Kompromisse. Das macht diese Biografie sehr authentisch, lesenswert und nach meinem Empfinden auch sehr ausgewogen.

Einschränkungslose, sehr überzeugte Leseempfehlung

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Ein Nachdenken zu den in Auflösung befindlichen Werten

Auflösungen. von Marlene Streeruwitz

Im März 2024: Nina Wagner ist Lyrikerin, lebt in Wien und ist für eine Gastdozentur nach New York gereist, da sie in der Vergangenheit NY regelmäßig besuchte und Abstand zu ihrem Leben zu gewinnen suchte.

Zu Hause in Wien gibt es unterschiedliche Krisen, denen sie für eine Weile den Rücken kehren möchte.

Die erwachsene Tochter Franzi hat den trinkenden Vater Georg bei sich aufgenommen und kümmert sich um ihn – dies empfindet Nina als Loyalitätsbruch. Von Georg ist Nina, dem hohen Beamten aus dem Innenministerium, der Alkoholiker ist, mittlerweile geschieden.

In New York trifft sie Bekannte von früher, schlendert durch Straßen und erinnert sich an die Zeit vor der Pandemie, wo noch alles anders war. „Ihr New York. Das war vor der Pandemie gewesen. Davon war nicht sehr viel übrig“ (S. 225). Jetzt ist alles in Auflösung. New York hat sich verändert. Das New York wie sie es kannte, gibt es nicht mehr. Homeless People überall. Und Müll, damit einhergehend Ratten auf den Straßen – ein Krieg der kaum zu gewinnen ist.

An der Uni gibt es Vorschriften, was über Israel, Gaza und die Ukraine gesagt werden darf. Es muss alles politisch korrekt sein, am besten man schweigt zu diesen Themen.

In New York laufen die Prozesse gegen Donald Trump, die sie mit Spannung verfolgt. Kandidiert er doch wieder für das Amt des und Präsidenten? Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er wiedergewählt wird.

In ganz viele Facetten beobachtet Nina Wagner, wie sich New York verändert, auflöst.

Der Roman ist in zwei Teile gegliedert, wobei der erste Teil großartig ist. Da war ich der Meinung, es ist das Buch zur Stunde. Der zweite Teil konnte mich dann nicht mehr ganz so überzeugen: Nach einem Überfall, bei dem Nina sich Kopfverletzungen zuzieht, wird sie ins Krankenhaus gebracht. Sie flüchtet von dort, streunt durch die Straßen, trifft auf Menschen, mit denen sie auch nach Hause geht und von dort weiterzeiht. Immer wieder versucht sie vergeblich ihre Tochter Franzi zu erreichen, die ihren Vater sucht.

Alles in allem ein sehr lesenswerter Roman. Der Ductus der Gedanken wird im Satzbau sehr gut nachgebildet. Über die politische unzuverlässige Lage wird großartig nachgedacht.

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Alles scheint zusammenzubrechen

Die Unbehausten von Barbara Kingsolver

Im Zentrum des Romans steht ein Haus in Vineland, New Jersey, das baufällig ist und einzustürzen droht.

Im 19. Jahrhundert wohnen in diesem Haus der Lehrer Thatcher Greenwood und seine Frau Rose mit deren Schwester und Mutter. Im Nachbarhaus wohnt Mary Treat, eine Naturforscherin und Anhängerin des neu aufkommenden Darwinismus, die mit Darwin und weiteren aufstrebenden Naturwissenschaftlern jener Zeit korrespondiert.

Thatcher unterrichtet an der hiesigen Schule in Vineland und ist von der Evolutionstheorie Darwins überzeugt. Mit seiner Nachbarin tauscht er sich aus, geht mit ihr in die Natur. Der Direktor der Schule überwacht Thatcher, damit die Theorien von Darwin nicht an die Schüler*innen vermittelt werden. Der Direktor glaubt nämlich an die Bibel und nur diese Entstehungsgeschichte der Welt soll in der Schule vermittelt werden. Der Kampf zwischen Thatcher und dem Direktor eskaliert bei einer Podiumsveranstaltung. Neben der Sorge, den Job in der Schule zu verlieren, droht das Haus einzustürzen, jedoch sind die finanziellen Mittel für eine Renovierung kaum gegeben. Insgesamt weiß Thatcher, dass er weder das Haus noch seine Frau mit seinem Lehrergehalt halten kann.

Die Erzählung wechselt immer wieder in die Gegenwart. In dieses Haus ist gerade die arbeitslose Journalistin Willa und ihre Familie eingezogen. Ihre Tochter Tig kommt gerade unerwartet aus Kuba retour, wohin sie abgehauen ist. Ihr Sohn Zeke ist gerade Vater geworden; die Mutter des Kindes ist nach der Geburt verstorben, so dass auch das Baby in dem Haus unterkommt, da Zeke nicht in der Lage ist für den Kleinen zu sorgen – da ist einerseits Trauer, anderseits das Bemühen, Geld für die gesamte Familie zu verdienen.

Nach dem Einzug von Willas Familie droht das Haus in sich zusammenzubrechen: das Dach ist undicht, der Verputz bröckelt von den Wänden, die Stiegen sind morsch und sollten daher erneuert oder nicht mehr benützt werden. Es ist ein vererbtes Haus, bei dem jedoch kein Geld für die Renovierung vorhanden ist. Obamas Amtsende steht gerade bevor und es sieht danach aus, dass Donald Trump der neue Präsident der USA wird.

Am Beispiel der beiden Familien, zeitversetzt im selben Haus, zeigt die Autorin, welche hitzigen Diskussionen zur aktuellen Politik und Gesellschaft, zu medizinischer Versorgung und Armut, zu Wissenschaft, Darwinismus, Klimakrise und Umwelt heute und vor 150 Jahren geführt wurden. Die beiden Erzählstränge wechseln sich kapitelweise ab und sind genial miteinander verknüpft.

Was für eine großartige Geschichte zweier Familien und einem Haus in unterschiedlichen Zeiten. Es geht um die Umstände der jeweiligen Zeit und deren aktuellen Themen und diese sind wunderbar sowie einprägend aufs Papier gebracht.

Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren

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Ein Strauß an Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugendzeit

Claudines Elternhaus von Colette

Zu ganz unterschiedlichen Themen denkt Colette an ihre eigene Kindheit und Jugendzeit zurück: da geht es um die Haare ihrer Schwester, den Vater, der im Krieg ein Bein verlor, die kluge Mutter Sido, mit der sie ein enges Verhältnis bis zu deren Tod hatte. Sie denkt aber auch an den Garten, den ich mir als Paradies vorstellte, und die Katzen und Hunde, die dort mit der Familie lebten und eine wichtige Rolle im Leben von Claudine spielten.

Colette verbrachte ihre Kindheit in einem idyllischen Haus mit Garten, in einem Dorf fern von Paris. Der Vater war nach dem Krieg Steuereintreiber, konnte aber mit Geld nicht umgehen, so dass das Haus später verkauft werden musste. Für die Mutter war es die zweite Ehe: zwei Kinder brachte sie aus einer ersten Ehe mit, zwei weitere Kinder entstammten der Ehe mit Claudines Vater.

Dieses Buch war herrlich zu lesen: im Original „La Maison de Claudine“ aus dem Jahr 1922, übersetzt aus dem Französischen von Elisabeth Edl #namethetranslater

Ein poetischer und zugleich melancholischer Roman, mit lebhaften Erinnerungen an die Kindheit und Jugendzeit der 1873 geborenen Autorin Sidonie-Gabrielle Claudine Colette, die als erste Frau Frankreichs ein Staatsbegräbnis erhielt. Zuvor galt sie als Skandalfigur und wurde erst später in ihrem Leben als Schriftstellerin anerkannt und entsprechend gewürdigt.

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Ganz große Kunst

Vernon Subutex 2 von Virginie Despentes

Hier nun der zweite Teil der Romanadaption von Virginie Despentes.

Wir verfolgen weiter die Geschichte des ehemaligen Plattenladenbesitzers Vernon Subutex. Er trägt knallrote Cowboystiefel, die er von seiner guten Freundin Olga geschenkt bekommen hat. Er lebt mittlerweile auf der Straße und alle seine Freund*innen und Begleiter*innen aus dem ersten Teil sind wieder mit von der Partie.

Im zweiten Teil geht es vor allem um Rache, gezeichnet in sehr bunten Bildern, die äußerste Konzentration erfordern, um an der Geschichte dranzubleiben. Aicha, die Muslimin, möchte den Tod ihrer Mutter rächen – gemeinsam mit Celeste, die Tätowiererin ist. Und natürlich wird das Thema aus dem ersten Teil, das letzte Interview von Alex Bleach, weiterverfolgt – zumindest gegen Ende. Detailreich werden einzelne Szenen dargestellt. Mit kleinen Geschichten der einzelnen Protagonist*innen ist die gesamte Story gespickt, so dass einem fast der schwindlig wird. Da gibt es Charles, der heimlich im Lotte gewonnen hat, oder der miese Doplat, der Frauen benützen für seine Filme möchte. Es wird gesoffen, gekokst, belogen und gemordet.

Beide Bände werden den Romanen von Virginie Despentes absolut gerecht, auch wenn Luz in seiner Darstellung manchmal andere Wege geht.

Ein buntes Kaleidoskop an Bildern, Sprechblasen, Geschichten und Weggefährten von Vernon Subutex – ganz große Kunst. Unbedingte Empfehlung.

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Politisch und nachdenklich, eine absolute Bereicherung

Beau Rivage: eine Rückkehr von Lydia Mischkulnig

Nach einem Afghanistan-Einsatz beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) kehrt Karl Ofracek nach Europa zurück. Seine letzte Mission blieb unentdeckt – die Rettung eines 15-jährigen Mädchens, der er die Flucht nach Europa ermöglicht, vor einer Zwangsehe.

Mit seiner Frau Kunigunde war vereinbart, dass sie ihn am Flughafen Zürich abholt und sie sich im berühmt-historischen Hotel Beau Rivage am Genfer See einquartieren.

Doch Kunigunde kommt nicht. Zuerst ist sie nicht erreichbar, dann schiebt sie als Ausrede vor, dass es der gemeinsamen Tochter Almuth nicht gut gehe und sie in Wien bleiben muss.

Das Hotel Beau Rivage ist jenes Hotel, in dem Kaiserin Sisi von Österreich 1898 nach einem Attentat verblutete und der deutsche CDU Politiker Uwe Barschel im Oktober 1987 mit Anzug und Krawatte in der Badewanne seines Hotelzimmers tot aufgefunden wurde. Karl ist der Meinung, dass er genau in jenem Zimmer untergebracht ist. Insgesamt fühlt sich der Kontrast zwischen Kabul und dem Schweizer Luxushotel für ihn eigenartig an.

Karl streunt allein durch Genf, lässt sich im Hotelzimmer eine Badewanne ein und geht seinen Gedanken bei zwei Flaschen Wein nach: seine Ehe, die problematische Tochter, die Vergangenheit seines bereits verstorbenen Vaters, seine Motivation die Welt zum Guten zu verändern und er daher den Anwaltsberuf an den Nagel zu hängte, um für das IKRK tätig sein.

Beau Rivage ist ein großartiger, politischer Roman, der viele vergangene und aktuelle Themen in den Fokus nimmt und immer wieder der Frage nachgeht, was ist Recht und was ist Gerechtigkeit.

Uneingeschränkte Empfehlung

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Ein MUSS für alle

Zwei weibliche Halbakte von Luz

Was für eine Graphic Novel vom großartigen Luz, der 2015 als Redakteur der Satirezeitschrift Charlie Hebdo dem Pariser Terroranschlag entging. Der Autor erzählt aus der Perspektive des Gemäldes „Zwei weibliche Halbakte“ des expressionistischen Malers Otto Müller (1874-1930) über Nazi-Raubkunst und auch über die Geschichte das Gemäldes selbst.

Otto Müller malte in einem Wald Nahe Berlin 1919 das Gemälde – großartig, wie sich das Bild im Band Sichtbarkeit verschafft und so in der Bilder-Geschichte wahrnehmbar wird. Otto Müller verkaufte das Gemälde an den jüdischen Kunstsammler und Geschäftsanwalt Ismar Littmann.

Mit dem Aufkommen der Nazis wird dem Anwalt die Berufsausübung verboten, die Bank gibt ihm kein Geld mehr. Littmann vergiftet sich und stirbt an den Folgen des Selbstmordversuchs. Damit Littmanns erwachsene Kinder Deutschland verlassen können, wird das Gemälde schweren Herzens verkauft.

In den nächsten Kapiteln geht es um die Vorbereitung zur Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“, die 1937 mehr Besucher*innen verzeichnen konnte als die zeitgleich stattgefundene Ausstellung über arische Kunst. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelangt das Kunstwerk Zwei weibliche Halbakte wieder zurück an Ruth Littmann, der Tochter von Ismar Littmann.

Der Kniff, die Geschichte aus der Perspektive des Gemäldes zu erzählen, ist wahnsinnig gut gelungen. Bei den Zeichnungen wird wirklich an alles gedacht, so dass sehr deutlich wird, durch welche „Brille“ die Geschichte dargestellt wird. Es steckt so viel Wesentliches in diese Grafic Novel über den Umgang mit moderner Kunst in der Nazi-Zeit, dass dieses Buch dringend und uneingeschränkt empfohlen werden MUSS.

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Genialer Roadtrip

Eurotrash von Christian Kracht

Was für einen genialen Roadtrip durch die Schweiz, den der Protagonist Christian Kracht mit seiner tabletten- und alkoholsüchtigen sowie dementen achtzigjährigen Mutter hier zurücklegt. Die Taschen voller Geld, das die Familie aufgrund ihrer Nazi-Vergangenheit ansammeln konnte und genau aus diesem Grund ausgeben und verschenken möchte, weil es sich um schmutziges Geld handelt.

Es geht um Krachts Kindheit und seinem Missbrauch als Kind in einem Internat, es geht um den antisemitischen Großvater und es geht vor allem auch um seinen Vater sowie um Faserland, sein Debüt.

Kracht empfindet große Liebe für seine Mutter, sieht über ihre Eigenheiten hinweg und lässt seine Kindheit und einzelne Mitglieder der Familie Revue passieren. Auf diesem Trip kommen sich die beiden ein letztes Mal näher.

Mich hat der Text sehr gut unterhalten – der Humor trifft meinen Geschmack. Und ich habe mich ständig gefragt, was ist Realität und was ist Fiktion.

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