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Rezensionen von niki:

Eine gelungene Fortsetzung

Ein sicherer Ort von Johanna Grillmayer

Der Roman ist die Fortsetzung von „That’s life in Dystopia“ und ich meine, dass man den ersten Teil unbedingt davor gelesen haben sollte.

Mittlerweile sind zehn Jahre seit „dem Ereignis“ vergangen, wo fast alle Menschen verschwunden sind, nur ein paar konnten aus unerklärlichen Gründen überleben.

Jola und ihre Gruppe sind aus dem Sonnenhof ausgezogen und in die Nähe anderer Überlebender gezogen. Es hat sich eine Art Dorfgemeinschaft gebildet. Einzelne Mitglieder der Dorfgemeinschaft konzentrieren sich auf Spezialisierungen, die allen zugutekommt. Es findet auch regelmäßig Unterricht für die Kinder und Teenager statt. Der Kampf ums tägliche Überleben ist in den Hintergrund gerückt – es hat sich eine Art Routine eingestellt, um täglich ausreichend Essen auf dem Tisch zu haben. Es werden die Felder bestellt, Tiere im Wald gejagt und nach wie vor gibt es Geschäfte, die in der weiteren Umgebung geplündert werden können.

Zu Beginn des Romans begeben sich einige Mitglieder der Community nach Wien, um zu sehen, ob es dort noch Überlebende des Ereignisses und ob es noch Brauchbares in den Geschäften gibt. Die Beschreibungen des ausgestorbenen Wiens sind großartig zu lesen.

Probleme ergeben sich allerdings im Zusammenleben als große Gemeinschaft mit teilweise fremden Menschen. Männern, die ein Fehlverhalten an den Tag legen, die übergriffig, aggressiv und auch gewalttätig sind. Die Gemeinschaft stellt sich nun die Frage, wie mit ihnen umzugehen ist. Es wird ein Gericht eingesetzt, Strafen verhängt und sogar ein Gefängnis wird eingerichtet.

Im Laufe der Geschichte wachsen die Kinder zu Teenagern heran, mit allen Allüren, die dieses Alter mit sich bringt.

Auch der zweite Teil dieser Dystopie liest sich spannend, der Erzählstrang ist klug konstruiert. In dieser postapokalyptischen Welt muss vieles von dem, was es bereits vor dem Ereignis gab, neu verhandelt werden – wie Gerechtigkeit und Konsequenzen für Delinquent*innen in der Gemeinschaft. Das Besondere und Spannende an den Romanen von Johanna Grillmayer ist die nahezu realistische Welt, die sie beschreibt; mit allen Konflikten im Zusammenleben, die eben nicht überzogen oder typisch „dystopisch“ sind.

Ein dritter Teil soll bald folgen…

Absolute Empfehlung

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Großartige Biografie

Helene Schweitzer Bresslau von Verena Mühlstein

Helene Bresslau, geboren am 25. Jänner 1879 in Berlin, wächst in einer jüdischen bildungsbürgerlichen Familie in äußerst harmonischen Verhältnissen auf. Der Vater wird, als Helene sieben Jahre alt ist, als Professor für Geschichte nach Straßburg berufen. Dort gibt es keinen Antisemitismus, deutsche Jüd*innen werden als Deutsche gesehen.

Helenes Vater ist das besonders wichtig. Er lässt auch seine drei Kinder taufen, womit diese dem Protestantischen Glauben angehören.

Helene genießt eine vorzügliche Bildung, soweit die in ihrer Zeit möglich ist, und erhält eine Ausbildung in einem typischen Frauenberuf – als Lehrerin.

Mit Anfang 20 lernt sie Albert Schweitzer kennen, der zu diesem Zeitpunkt längst beschlossen hat, weder zu heiraten noch eigene Kinder zu haben – er möchte sein Leben vielmehr Waisenkindern widmen. Ganz offen bespricht Albert Schweitzer seine Lebenspläne mit Helene, die sich darauf einstellt. Auch sie möchte nicht heiraten, sondern ein Leben als selbstständige berufstätige Frau führen. Zu Beginn ihrer Freundschaft liegt Albert Schweitzer viel daran, sie davon zu überzeugen, dass sie einen anderen Mann heiraten soll, denn die Konventionen der Zeit sehen alleinstehende, unverheiratete Frauen als „altes Fräulein“.

Zehn Jahre nach ihrem ersten Kennenlernen heiraten Helene und Albert. Dies ist kurz vor ihrer ersten Reise nach Afrika, wo sie das Krankhaus in Lambarene aufbauen.

Viel wird über die Gesellschaft der Jahrhundertwende in Deutschland berichtet, insbesondere über Frauenbildung, aber auch über den Antisemitismus im bildungsbürgerlichen Deutschland.

Helene Schweitzer-Bresslau unterstützt ihren Mann ihr gesamtes Leben lang und muss dafür einige Abstriche für sich selbst machen. Oftmals befindet sich Albert Schweitzer in Afrika, sie kann ihn aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht begleiten und leidet unter den Trennungen sehr. Befindet sich Albert Schweitzer in Europa, arbeitet er an seinen Büchern, oder er ist als Organist auf Konzertreise bzw. hält Vorträge. Zwar ist Helene für Albert die wichtigste Person in seinem Leben. Auch ist sie jene Person, die ihm jedes Kapitel seiner Bücher korrigiert, seine Korrespondenz führt und ihm wichtigste Gesprächspartnerin ist. Er kann und möchte jedoch nicht auf seine „Verpflichtungen“ verzichten, trotzdem er weiß wie sehr er damit Helene kränkt.

Für mich ein hochinteressantes Buch über Helene und Albert Schweitzer, die ich beide bis dato zu wenig kannte. Nicht nur über Helene erfährt die Leser*in ihren gesamten Werdegang, sondern auch das Leben von Albert Schweitzer habe ich en passant viel erfahren – über sein Leben als Arzt, Organist, Pastor und Philosoph. Helene Schweitzers war eine selbstbewusste Frau, die zumindest in ihren jungen Jahren ihr eigenes Fortkommen, ihre Freiheit und ein selbstständiges Leben, oft gegen die Konventionen, führte.

Eine Biografie, die wirklich sehr gern gelesen habe - absolute Empfehlung!

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Hinter den Kulissen der 24-Stunden-Pflege

Halbe Leben von Susanne Gregor

Klara trifft die Entscheidung, dass ihre Mutter Irene, die seit dem Schlaganfall bei ihr eingezogen ist, eine Pflegerin zu Hause benötigt. Paulina bekommt sie über die Agentur vermittelt: es handelt sich um eine Krankenschwester aus der Slowakei, die dringend Geld benötigt, da sie als Alleinerziehende für ihre beiden Söhne aufkommen muss.

Die beiden Söhne, zehn und vierzehn Jahre alt, geben sich unabhängig und selbstständig. So denkt Paulina, dass das schon gut gehen wird, da die Ex-Schwiegermutter während ihrer Abwesenheit die beiden Buben versorgt. Es sind immer nur vierzehn Tage in Österreich, dann ist sie ebenso lange wieder daheim.

Paulina kümmert sich perfekt um Irene und ist eine Perle für die ganze Familie. Sie sorgt sich nicht nur um die Mutter, sondern bereitet das Essen für alle vor, putzt und versorgt auch den Hund Charlie.

Zunehmend werden immer mehr Aufgaben an Paulina übertragen – alle immer nur ausnahmsweise, zB wird sie ersucht, länger als die vierzehn Tage zu bleiben – sie bekommt ihre Sonderaufgaben zwar entsprechend monetär abgegolten. Paulina ist jedoch abhängig von diesem Job, sie kann nicht nein sagen und gleichzeitig merkt sie, dass ihre eigenen Kinder sie sehr brauchen. Immer mehr steigt der Groll gegen die Familie, schleichend und sehr subtil. Die ständigen Grenzüberschreitungen und der Umgang damit werden großartig beschrieben, sowohl das Innenleben und die Motivation von Klara, als auch das, was sich Paulina dazu denkt und wie sie für sich Konsequenzen daraus zieht. Es geht um Macht und Abhängigkeit – auf beiden Seiten.

Ein wahnsinnig toller Roman über zwei Frauen aus unterschiedlichen Lebenswelten, die hier aufeinandertreffen.

Absolute Empfehlung!

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Die Geschichte von Davos

Der Zauberberg, die ganze Geschichte von Norman Ohler

Norman Ohler fährt 2023 mit seiner 14-jährigen Tochter Suki und Freunden zum Schifahren nach Davos. Anstatt sich dem Schifahren zu widmen, geht er der Historie des weltberühmten Ortes nach.

Zu Beginn des Romans wird der Frage nachgegangen, wie Davos im 19. Jahrhundert zu einem Luftkurort wurde.

Wie es dazu kam, dass reiche Menschen sich dort über Monate hinbegaben, um sich von der Tuberkulose, damals auch als Schwindsucht bezeichnet, Heilung erhofften. Norman Ohler erzählt, wie Hotels und Sanatorien sich auf ihr Klientel einstellten und die Fachärzte in Davos „regierten“. In der Nacht wurden die Toten heimlich abtransportiert – mit einem Schlitten ins Tal verbracht.

Ein ausführlicher Teil des Buches widmet sich dann dem Zauberberg von Thomas Mann und dem Aufenthalt von Katia Mann in Davos.

Er berichtet, dass Hans Christian Anderson, der Schriftsteller Klabund und Robert Louis Stevenson dort waren, und Sir Arthur Conan Doyle hier das Schifahren erlernte. Interessant fand ich, wie aus dem kleinen Bergdorf eine Destination der Reichen wurde – aufgrund der Sanatorien, die dort um viel Geld Heilung von der damals tödlichen Tuberkulose versprachen.

Auch von den Nazis blieb Davos nicht verschont. Es wurde dort das erste Attentat auf einen Nazi verübt, dass weitere Konsequenzen für die Schweiz nach sich zog und die Schweiz so nazifrei blieb.

Viel Neues habe ich erfahren, so zB dass eine Forschungseirichtung zu Lungenerkrankungen dort eingerichtet wurde, um wissenschaftlich zu beweisen, dass der Luftkurort wirklich half (leider gelang dieser Beweis nicht). Es wurden auch jährliche Konferenzen veranstaltet, zu denen unter anderem Einstein und Heidegger eingeladen waren.

Erst Jahre später fanden die Weltwirtschaftskonferenzen dort statt, die Davos den elitären Anstrich verliehen, der heute als bekannt gelten kann.

Nicht zuletzt setzt sich der Roman auch mit der Frage auseinander, wie sich Schifahren und Klimaschutz zueinander verhalten.

Ich fand dieses Buch großartig, kurzweilig, informativ und interessant.

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Ein intensiver Plot

Wackelkontakt von Wolf Haas

Franz Escher wartet auf den Elektriker. Um sich die Zeit zu vertreiben, liest er ein Buch. Das Buch handelt von dem Mafioso Elio Ruso, der im Gefängnis sitzt und auf seine Entlassung wartet. Während des Wartens liest auch er ein Buch, über Escher, der auf den Elektriker wartet…

Mehr über den Inhalt preiszugeben, würde die Spannung, das Überraschende und Besondere, das diesen Roman ausmacht, nehmen.

Der Plot entwickelt sich zu einem wahren Pageturner, weil sich die beiden Geschichten genial verstricken, so dass man nicht mehr aufhören kann weiter zu lesen. Die Idee ist so gekonnt umgesetzt. Die Geschichte wird vorangetrieben durch die Lektüre über das Lesen der Protagonist*innen in ihren Büchern und dem damit verbundenen Perspektivenwechsel.

Wackelkontakt ist ein sprachlich großartiger Roman – mit originellen Wortspielen, unglaublich spannenden Cliffhanger-artigen Szenen. Einfach beste Unterhaltung, gespickt mit der genau der richtigen Prise Humor.

Uneingeschränkte Empfehlung.

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Österreich im Kontext der Beatles

Als die Beatles Österreich auf den Kopf stellten von Lorenz Birklbauer; Wolfgang Planker

Ein Buch, das mir größtes Vergnügen bereitet hatte und ich in nur zwei Tagen gelesen habe.

Ausgangspunkt des Buches ist der Film „Help!“, der mit den Beatles 1965 in dem damals noch verschlafenen Obertauern gedreht wurde. Eigentlich hat das damals in Österreich kaum jemanden interessiert - 150 Fans standen bei der Ankunft der Beatles am Salzburger Flughafen, gerechnet wurde mit deutlich mehr.

1965 sind die Beatles also noch nicht so richtig in Österreich angekommen – die Hitparaden werden zu dieser Zeit noch von Freddy Quinn, Conny Froboess und anderen Schlagersternchen dominiert. „Du siehst aus wie ein ,Beatles‘“, war damals ein Schimpfwort, wenn die Haare über die Ohren wuchsen. Nie ist es gelungen, ein Konzert der Beatles in Österreich zu organisieren – erst viel später gab Paul McCartney, nach der Trennung der Fab Fours, ein Konzert in der Wiener Stadthalle.

Viele österreichische Künstler*innen und Intellektuelle, wie Konrad Paul Liessmann, Michael Köhlmeier, Andre Heller, Valie Export, der Nino aus Wien und viele andere mehr, kommen in dem Buch zu Wort und erzählen von ihrer Beziehung und der Bedeutung der Beatles in ihrem Leben.

Die Autoren haben skurrile Geschichten aus dem Hut gezaubert, wie das „Bagism“ im Hotel Sacher, wo John Lennon und Yoko Ono unter einem Leintuch versteckt eine Pressekonferenz gaben und die Journalist*innen sich nicht sicher waren, ob wirklich John und Yoko unter dem Sacher-Leintuch steckten.

Ein großartiges Vergnügen und unbekannte Einblicke in die Republik Österreich im Kontext der Beatles.

Absolute Empfehlung

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Was für ein Debüt!

That's life in Dystopia von Johanna Grillmayer

Zehn Jahre nach dem „Ereignis“ leben die jungen Erwachsenen in einer Art Kommune im Sonnenhof, einem ehemaligen Hotel – die beiden Frauen haben Sex mit wechselnden Partnern, die Kinder haben unterschiedliche Väter oder sind miteinander gar nicht blutsverwandt. Alle tun alles, um zu überleben und dem Alltag einigermaßen Normalität abzugewinnen.

Normalität meint in diesem Roman, so zu leben wie vor dem „Ereignis“. Plötzlich verschwanden damals alle Menschen, nur einige sind übergeblieben – warum gerade sie und was eigentlich passiert ist, wissen sie nicht. Unter den Überlebenden ist Jola, aus deren Sicht hauptsächlich erzählt wird, wie die Arbeitsteilung und die Kinderbetreuung inkl Schule erfolgt, wie Essen beschaffen und gekocht wird, wie Garten und Felder bearbeitet werden und wie sie in umliegende Häuser und Geschäfte einbrechen, um sich Dinge zu beschaffen, die selbst nicht hergestellt werden können. Auch Zusammenhalten, sich abstimmen und vieles bereden ist ein wichtiger Aspekt dieser Gemeinschaft.

Die Autorin hat sich gut überlegt, wie sie das Leben von Jola und ihren Freunden darstellt – es ist so nachvollziehbar durchdacht, wie man eine neue Gemeinschaft organisieren könnte, was es zum Überleben braucht, wie Kinder gemeinsam versorgt werden könnten und wie es ist, wenn man unerwartet auf neue Gemeinschaften trifft. Die Spannung in dem Buch entsteht nicht durch dystopische Überlebenskämpfe, sondern durch die Entwicklung von Beziehungen, die Gestaltung des gemeinsamen Lebens und das Mitschwingen von Atmosphäre bei diesen Entwicklungen. Die Gruppe will aber nicht nur überleben: sie richtet sich auf eine Zukunft aus, denn schließlich leben auch Kinder in der Gemeinschaft und es werden immer weitere geboren.

Der Roman zeigt zunächst einmal das Leben zehn Jahre nach dem „Ereignis“, in Rückbelenden wird jedoch über das „Ereignis“ und die ersten Jahre danach tiefgründig sinniert. Ich habe so oft Klischees erwartet, die nie gekommen sind – wirklich beeindruckend.

Ich fand den Roman großartig, auf eine gewisse Weise außergewöhnlich, weil die Geschichte spannend und interessant ist, ohne den üblichen Spannungselementen. Chapeau! Tolles Debüt.

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Ein meisterhaftes Epos

Theodoros von Mircea Cartarescu

Dieses Buch in Worte zu fassen und den Inhalt zu beschreiben ist fast unmöglich. Es ist die fiktive Lebensgeschichte des 1818 geborenen Theodoros, Sohn einer Griechin, der in der Walachei seine Kindheit verbrachte und sich als Tewodoros II. zum Kaiser von Äthiopien krönte. Ganz fiktiv ist die Geschichte um ihn nicht, den diesen Kaiser gab es tatsächlich und wichtige Passagen entsprechen zum Teil der wahren Historie.

Er bildet sozusagen die Konstante in diesem Roman.

Bis zur Besteigung des äthiopischen Throns erleben wir Leser*innen Geschichten aus sämtlichen Epochen und Quellen. Der Autor erzählt unter anderem aus dem Alten Testament, aus Märchen, Mythen und Legenden, religiös, phantastisch, philosophisch und manchmal auch Reales. Wir begleiten Alexander den Großen, der Theodoros‘ großes Vorbild ist, seit er als Kind zum ersten Mal von ihm hörte. Wir lesen von einem selbstgekrönten Kaiser in Amerika, der uneingeschränkt über Jahre regierte; und viele weitere zum Teil skurrile und phantastische Figuren und Begebenheiten kreuzen auf knapp 700 Seiten unseren Weg.

Der Roman erforderte zunächst meine volle Konzentration, bis ich mich einfach darauf gut einlassen konnte und eine phantastische Geschichte nach der anderen in mich sog. Manchmal verlor ich den Faden, in welchen Zusammenhang ein Abenteuer mit Theodoros stand – der Autor schafft es jedoch, immer wieder die Verbindungen herzustellen, wenn diese für den weiteren Verlauf relevant sind.

Und dann diese beeindruckende Sprache, die ich so selten gelesen habe – ein wahrer Virtuose.

Dieser Roman fordert in jeder Hinsicht. Am Ende wird man mit einer unglaublichen Geschichte belohnt, die großartig ist – ich habe noch nichts Vergleichbares gelesen.

Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner

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So etwas geniales habe ich überhaupt noch nicht gelesen

Umlaufbahnen von Samantha Harvey

So ein Buch habe ich noch nicht gelesen – ein Loblied auf die – unsere – Erde.

Sechs Austronaut*innen befinden sich in einer Raumstation im Weltall und umkreisen die Erde einmal in 90 Minuten, also sechszehnmal in 24 Stunden. Sie sehen die Sonne und den Mond aufgehen und betrachten die Erde aus dem Weltall.

Schon auf den ersten 50 Seiten werden Ereignisse auf der Erde beschrieben, die unvorstellbar schön sind, wenn man sich Bilder dazu (im Internet) ansieht. Die Erde bei Nacht, wenn Lichterketten die Kontinente begrenzen, oder wie ein Taifun vom Weltall aus betrachtet aussieht oder ein Wüstensandsturm.

Viele Fotos habe ich mir zu diesen Ereignissen angesehen und war selbst ganz fasziniert.

Vom Weltall aus gesehen, gibt es auf der Erde weder Nationen noch Grenzen noch Kriege. Grenzen gibt es nur zwischen Wasser und Land, und dennoch führen Menschen Kriege wegen Grenzen.

Mutter Erde wird in diesem Roman so schön beschrieben, dass man nicht verstehen kann, dass sie doch nicht das Zentrum des Weltalls ist – man würde halt gerne wieder an das heliozentrische Weltbild glauben.

„Das, in Ermangelung besserer Alternativen, so unverkennbar zu ihrem Zuhause geworden ist. Ein grenzenloser Ort, ein schwebendes Juwel, schockierend hell.
Kann die Menschheit nicht in Frieden leben?“ (s. S. 120)

Die Menschen hören jedoch nicht auf, die Erde zu tyrannisieren, zu zerstören und zu plündern.

Wie gesagt: Vom Weltall aus betrachtet erscheint die Erde als einer der schönsten Planeten überhaupt.

Das Buch kann uneingeschränkt empfohlen werden und erhielt den Booker Prize 2024.

Aus dem Englischen von Julia Wolf

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Eine großartige Geschichte - zwischen Klerus und Wissenschaft

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg

Anna Voigt wird im Jahre 1681 in Sachsen beschuldigt ihr Neugeborenes ermordet zu haben. Laut damaligen Gesetzen wird für diese Tat die Todesstrafe verhängt. Sollte die junge Frau nicht gestehen, wird sie der Folter unterzogen, um so die Wahrheit zu erfahren, um dann ihr Urteil zu vollstrecken.

Es ist die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg und der Pest.

Es ist der frühe Beginn der Aufklärung, wo an renommierten Universitäten bereits von „Wissenschaft“ gesprochen und erste Experimente durchgeführt werden; und es gibt Zweifel am gottgebenen Schicksal und grausamen Strafen. In den Städten und Dörfern Deutschlands ist dies noch nicht angekommen. Es herrscht gerade dort der Klerus, dessen Macht nicht in Frage gestellt werden darf und die Zensur Hochkonjunktur hat.

Um zu beweisen, ob Anna Voigt ihr Kind nach der Geburt getötet hatte oder nicht, wird die Lunge des Neugeborenen von einem damals modernen Arzt, Dr. Schreyer, in Wasser gelegt. Schwimmt die Lunge im Wasser, enthält sie Luft, weil das Kind nach der Geburt geatmet hatte. Geht die Lunge unter, war das Kind schon tot geboren.

Der Jurist Christian Thomasius nimmt sich als Verteidiger der Sache Anna Voigt an, weil er überzeugt ist, dass eine Lungenschwimmprobe der Beweis für die Unschuld oder Schuld der jungen Frau ist. Der Klerus will weiterhin alle Mittel, insbesondere auch die Folter einsetzen, um zu beweisen, dass der Frau ihre gerechte Strafe gebührt.

Es handelt sich hier um einen wahren Fall mit realen Personen als Grundstein der Rechtsmedizin, die auf eine unglaublich spannende und niveauvolle Weise in diesem Roman niedergeschrieben wurden. Der Autor bringt sich manchmal selbst in die Geschichte ein, wenn ihm Recherchematerial ausging, und ein Teil der Geschichte von ihm in seiner Fantasie weitergesponnen wird. Es wird das damalige Justizsystem beschrieben und gerechtfertigt, aber es werden auch die Anfänge der Aufklärung, Wissenschaft und die Macht des Klerus beleuchtet.

Ein so grandioses historisches Buch habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Der Kampf für Wissenschaft und gegen Kirche und Klerus und für Aufklärung – großartig.

Und man beachte auch bitte das tolle Cover!

Übersetzt aus dem Norwegischen von Karoline Hippe und Ina Kronenberger

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