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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von niki:

Geht unter die Haut

Die Straße von Manu Larcenet

Schon der Roman von Cormac McCarthy, den ich bereits vor einigen Jahren gelesen habe, ist wohl eines der traurigsten Bücher, die ich je las. Nun ist die Graphik Novel, basierend auf dem Roman des Autors, erschienen.

Ein Vater geht mit seinem kleinen Sohn durch eine zerstörte Landschaft Richtung Süden, immer einer Straße entlang, um dem Winter zu entkommen – weil das ihre einzige Chance auf Überleben ist.

In einem Einkaufswagen schleppen sie ihr Hab und Gut mit. Was zuvor passiert ist, welches Unglück stattgefunden hat, wird nicht beschrieben,

Regen, Schnee, Kälte und abwechselnd Winde, die Asche vor sich hertreiben, erschweren zusätzlich den Kampf ums Überleben. Auf der Suche nach Nahrung und Wasser in verlassenen Häusern, nach trockenen, warmen Plätzen zum Schlafen, versucht der Vater seinen Sohn zu beschützen. Vorsichtig müssen sie sein, dürfen kaum Feuer machen, wegen der Überfälle anderer überlebender Menschen, die aufgrund des Nahrungsmangels Kanibal*innen geworden sind. Immer wieder hören sie Schreie und treffen auf Leichen. Sie verstecken sich daher vor entgegenkommenden Menschen. Beide leben sie in ständiger Angst.

Was der Roman mit wortgewaltiger Erzählung schafft, gelingt hier mit wenigen Worten, jedoch mit ausdrucksstarken Zeichnungen, die unter die Haut gehen. Die Atmosphäre von Düsternis und Einsamkeit, von Kälte und Entbehrungen, von Leichen am Straßenrand, und vor allem die Angst der beiden – all das wird so unglaublich gut dargestellt. Einzigartig!

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Facettenreich und eine großartige Geschichte

Ein anderes Land von James Baldwin

Diese Geschichte in Worte zu fassen ist nicht so einfach. Zu verstrickt und komplex sind die Protagonist*innen und deren Beziehungen untereinander. Immer geht es jedoch um Liebe, Hautfarbe, Sexualität und Anerkennung.

Der Roman wurde 1962 veröffentlicht. 14 Jahre hat Baldwin daran geschrieben. Es geht um den schwarzen Jazzmusiker Rufus, der sich aufgrund des Rassismus in Amerika, insbesondere in Harlem, wo der Roman angesiedelt ist, das Leben nimmt.

Seine Schwester Ida und seine Freunde bleiben zurück und versuchen zu verstehen, warum Rufus eine Selbsttötung begangen hat.

Baldwins Freund, Eugene Worth, hatte sich 1946 ebenfalls auf diese Art das Leben genommen und dürfte die Vorlage für die Romanfigur des Rufus sein.

Das Faszinierende an diesem Buch ist die Lebensrealität, wie sie sich Ende der 1950er Jahre in Amerika gezeigt hat: Rassismus, Homophobie und Ungerechtigkeiten in allen erdenklichen Lebensrealitäten.

Ein nahegehender Roman, der sehr lesenswert ist, aufgrund der vielen Themen, die in vielen Facetten seziert werden.

Aus dem Englischen: Miriam Mandelkow

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Nicht ganz die Geschichte, die ich erwartet hatte

Seinetwegen von Zora Del Buono

Nach dem Lesen des Klappentextes hatte ich eine ganz andere Geschichte erwartet als diese:

Eine Frau heute in den 60er Jahren hat, als sie acht Monate alt war, ihren Vater bei einem Autounfall verloren. An ihren Vater kann sich die Autorin natürlich nicht erinnern. In der Familie wurde auch weder über den Unfall noch über den Vater gesprochen – zu schmerzlich war das Erlebte für alle.

Die Autorin erhält also keine Antworten auf Fragen nach dem Vater, die sich ihr immer wieder stellen. Sie macht sich auf die Suche nach dem Verursacher des tödlichen Unfalls, um ihn zu befragen, wie er sein Leben mit dieser Schuld verbringen konnte.

Die Autorin lässt uns teilhaben an ihrer Suche und an Recherchen, die oft ins Leere laufen. Und hier liegt auch der Grund, warum ich als Leserin etwas anderes erhalten habe als ich erwartet hatte: ich ging nämlich davon aus, dass das Buch aufzeigen wird, wie jemand mit einer so schweren Schuld sein Leben verbringen kann – doch das wird gerade nicht geboten.

Trotzdem ein nicht uninteressantes Buch, obwohl ich mir, wie gesagt, eine ganz andere Geschichte erwartet hatte.

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Ein beeindruckendes Leben

James Baldwin von René Aguigah

Hierbei handelt es sich nicht um eine klassische Biografie, sondern um wichtige Kapitel und Themen, die James Baldwin sein Leben lang beschäftigten und in seinen Romanen und Essays verarbeitet wurden.

Der Autor der Biografie erzählt anhand von Baldwins Werken sein Leben und vergleicht die Protagnost*innen und deren Handeln mit Baldwins selbst, eingebettet in den historischen Kontext.

Deutlich wird dargelegt, welche Themen für Baldwin wichtig waren: sein Aktivismus in der Bürger*innenrechtsbewegung, (Homo)Sexualität und das Schreiben. In der Auseinandersetzung mit diesen drei Themen werden sein literarisches Werk, sein Exilleben und seine Reden analysiert.

Baldwin wollte nie nur als Schriftsteller verstanden werden, sondern vor allem als Zeuge, als „Schwarzer Mensch in der Mitte des Jahrhunderts“.

Ein großartiges Buch einer wichtigen Stimme des vorigen Jahrhunderts, die am 2. August ihren 100. Geburtstag feiern würde.

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Geniale Adaption

Die Ursache, Graphic Novel von Thomas Bernhard

Thomas Bernhards autobiografische Schriften habe ich in meinen frühen 20er Jahren gelesen. Diese waren für mich der Grundstein, mich an die weiteren Werke von Thomas Bernhard zu wagen.

Nun hat der Residenz-Verlag die vier Autobiographien in Form von Graphic Novels herausgebracht. Genial wird in den Bänden die Stimmung eingefangen, die Zeichnungen sind so unglaublich passend zum geschriebenen Wort.

Ein Muss für alle Thomas Bernhard und Graphic Novel Fans.

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Man stelle sich das Mal bitte in echt vor

Und alle so still von Mareike Fallwickl

Man stelle sich vor, all das, was in diesem Roman erzählt wird, passiert wirklich: Frauen legen sich hin und machen weder ihre Care-Arbeit noch die unterbezahlten Jobs vor allem im Dienstleistungssektor. Auf einmal gibt es keine Reinigungskräfte mehr, die im Krankenhaus nach einer OP alles sauber machen, niemand mehr, der sich in der Schule um die Kinder kümmert, und auch die Frauen zu Hause tun einfach nichts mehr: weder kochen, noch einkaufen oder putzen.

Na, da wäre was los.

In dem Roman ist jedenfalls ordentlich was los, als die Frauen beginnen, sich auf die Straße zu legen und damit zugleich die Arbeit niederzulegen.

Die Idee an dem Roman hat mir wahnsinnig gut gefallen. Ich habe mir die erzählten Szenarien beim Lesen öfter real vorgestellt. An manchen Stellen schienen mir die Auswirkungen dann doch etwas überzogen – das hätte es im Roman meiner Meinung nach gar nicht gebraucht. Und doch denke und fühle ich: vielleicht braucht es manchmal gerade die Übertreibung, damit klar wird was passiert, wenn Frauen nicht mehr bereit sind, ihre großteils unsichtbare Arbeit so selbstverständlich und ohne entsprechenden Lohn zu verrichten.

Schon alleine wegen dieser Idee und Imagination eine Leseempfehlung. Ein Roman, über den sich herrlich diskutieren lässt.

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Das Lügen war kaum auszuhalten

Yellowface von R. F. Kuang

Der Inhalt des Romans ist oftmals beschrieben (siehe sogleich) und damit denke ich, hinlänglich bekannt..

Ich fand die Idee, dass geistiges Eigentum aufgrund des Todes einer erfolgreichen Autorin von einer nicht erfolgreichen Autorin geklaut wird, interessant. Schwer auszuhalten waren die Lügen der „Diebin“ und das Gefühl, dass sie entdeckt wird – dass sie sich nie mehr sicher sein kann, ob nicht doch jemand dahinterkommt.

All das hat für mich ein prickelndes, aufgeregtes und doch sehr unangenehmes Gefühl beim Lesen verursacht. Das ständige Gefühl, dass doch entdeckt wird, dass der Erfolg „der Diebin“ nicht zusteht und die Scham und ihr tiefer Fall sehr schlimm wäre, ist für mich schwer verdaulich gewesen – ich konnte mich beim Lesen richtig reinfühlen.

Dann hat mir auch sehr gut gefallen, dass viele Themen in diese Geschichte verwoben wurden, wie Rassismus, Neid, soziale Medien und kulturelle Aneignung.

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Großartiges Uni-Setting

Der Fall Miriam Behrmann von Lydia Lewitsch

Die aus Polen stammende Miriam Behrmann, Professorin an der Uni Wien, hat hart dafür gearbeitet, damit sie dort hinkommt, wo sie heute ist – zuerst Princeton und nun Wien. Sie hat richtig Karriere gemacht mit ihrem neuen Institut in Wien.

Ihre Doktorandin Selina Aksoy hat aus Miriams Sicht eine ganz andere Einstellung.

Mit den Aufgaben, die Selina von Miriam erhält, fühlt sie sich schnell überfordert und sogar psychisch missbraucht: sie kann nicht zeitgerecht abgeben und liefern – und beißt sich schon gar nicht richtig durch. Miriam möchte Selina fördern, diese fühlt sich jedoch überfordert und kann damit nichts anfangen.

Plötzlich wird Miriam des psychischen Missbrauchs beschuldigt, der ihre Entlassung zur Folge haben soll.

Der Roman setzt dort ein, wo Miriam zu einem Gespräch mit der Universitätsleitung einbestellt wird. In Rückblenden wird Miriams Leben und Karriereweg erzählt. Es geht hier um ihre Kindheit in Polen, der Weg nach Princeton, ihre Ehe mit dem amerikanischen Professor und wie sie ein großartiges Projekt initiierte und sie so den Ruf nach Wien erhielt.

Ich finde, es wird auf eine sehr kluge Weise gezeigt, wie zwei unterschiedliche Generationen mit Arbeit und Leistung umgehen. Beim Lesen hat man das Gefühl, Miriam wäre nie auf die Idee gekommen, dass sie zu viel verlangt und dafür eventuell auch mit Konsequenzen rechnen muss. Viel eher stellt sich Miriam die Frage, ob Selina eine geeignete Doktorandin ist, wenn sie nicht in hohem Maße leistungsbereit ist.

Ein beeindruckender Roman, der vielschichtig unterschiedliche Sichtweisen aufzeigt und man als Leser*in das Gefühl hat, jede Position hat was für sich – großartig.

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Ein Strauß emotionaler Storys

Nachbarn von Diane Oliver

„Nachbarn“ ist eine Story-Sammlung der viel zu früh verstorbenen afroamerikanischen Autorin Diane Oliver aus den 1950er und 60er Jahren. Zu diesem Zeitpunkt nahm in den USA die Bürgerrechtsbewegung richtig Fahrt auf.

Hier geht es ums Alltägliche. Um Rechte, die sich die schwarze Bevölkerung gerade versucht zu erkämpfen – und doch ist der Alltag ganz und gar durchsetzt von Diskriminierung, trotz Aufhebung der Rassentrennung.

Allein die titelgebende Geschichte „Nachbarn“, beeindruckt und fasziniert: ein schwarzes Kind, das als eines der ersten auf eine Schule für Weiße gehen soll. Die Familie wurde deswegen bedroht, musste von der Polizei beschützt werden und am Ende machte die Familie einen Rückzieher – es stand nicht dafür, den kleinen Tommy dieser Situation auszusetzen.

Jede Geschichte hat quasi einen eigenen Schwerpunkt zum Thema Rassismus und hat auch ihren eigenen Sound. Die Erzählungen gehen zum Teil unter die Haut, weil sie richtig emotional, sensibel, intensiv und nachvollziehbar sind. Und sie erstrecken sich bis in die Gegenwart – einen Großteil des beschriebenen Rassismus gibt es – leider! – bis heute.

Eine Wiederentdeckung aus den 1960er Jahren mir einer bis heute anhaltenden Aktualität.

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Ein Roman, wie ein Fiebertraum

Vom Wahnsinn einer Frau von Astrid H. Roemer

Aufgrund seiner Gewalttätigkeit möchte Noenka nach nur neun Tagen Ehe die Scheidung von Louis - er lehnt ab. Noenka verlässt ihn trotzdem. Sie geht ihren eigenen Weg, der kein einfacher ist. In Suriname, ein kleiner Staat im Norden Südamerikas, ist familiäre Gewalt Privatsache, keine*r mischt sich ein, aber schon gar nicht verlässt man wegen Gewalt seinen Ehemann.

Auf der Suche nach einer Bleibe lernt sie Ramses kennen, aber diese Beziehung ist für sie nicht ernsthaft. Schon gar nicht will Noenka sich auf ihn einlassen und Kinder haben, schließlich ist sie ja noch verheiratet. Und dann kommt sie bei Gabrielle unter und die Leidenschaft zu dieser Frau fühlt sich richtig an, ist jedoch gegen die gesellschaftlichen Konventionen des religiösen Karibikstaates.

Der Roman ist nicht ganz einfach zu lesen. Ein Großteil des Romans wird mit Personalpronomen geschrieben und man weiß oft nicht wer mit „sie“ und „er“ gemeint ist. Erst viel später erschließt sich oftmals, um wen es sich handelt. Man trifft auf Begebenheiten, die in der Gegenwart beginnen und plötzlich in der Vergangenheit enden. Also alles sehr sprunghaft, manchmal klar, dann wieder verwirrend und es ist während des Lesens nicht immer auszumachen, ob eine erzählte Episode zurückgeblickt oder die aktuelle Geschichte weitererzählt wird. Irgendwo habe ich gelesen, der Roman liest sich wie ein Fiebertraum. Das kann ich bestätigen.

Ich fand das Lesen des Romans recht anstrengend, es hat aber einige interessante Aspekte: wie in dem karibischen Suriname mit Misogynie, Patriachat, Liebe, Rasse, Religion und Familienbeziehungen umgegangen wird.

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