Kunden em pfehlungen
Rezensionen von niki:
Dieser Roman ist das reinste Lesevergnügen
Man spricht über Jacqueline von Katrin Holland
Ach du meine Güte, war das ein Vergnügen diese Geschichte zu lesen – bei aller Tragik am Ende.
Hier treffen Charaktere mit unterschiedlichen Moralvorstellungen aufeinander, die sich lieben, die zusammenleben und heiraten möchten. Um Michael Thomas heiraten zu können, verbiegt sich Jack, die Protagonistin in dieser herrlichen Geschichte.
Muss ihre Vergangenheit des letzten Jahres ungeschehen machen? Denn Michael Thomas will kein „leichtes“ Mädchen, sondern eine unberührte Frau. Jack, die lockere sexuelle Beziehungen zu Männern hält, unverbindlich und flatterhaft ist, hat einen gewissen Ruf – der muss nun aus der Welt geschaffen werden, um ihre wirkliche Liebe heiraten zu können.
Wie im Nachwort des Romans beschrieben, ist der Roman angelegt wie eine Verwechslungskomödie – aber dann doch nicht.
Der Roman spielt in den 1920er Jahren in den Metropolen Europas: London, Paris und Berlin. Die Gesellschaft der Reichen und Schönen lebt für Vergnügen und Ausschweifungen, aber in dieser Gesellschaft gibt es noch altmodische Vorstellungen vom Leben.
Eine grandiose Wiederentdeckung – absolute Empfehlung.
eine süffig zu lesende Geschichte
Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O'Mahony
Voriges Wochenende hab ich dieses Buch gelesen. Der Roman hat alles, was es braucht, um zwei Tage darin zu versinken. Die Geschichte liest sich süffig, hat einen realen Hintergrund, ausreichend Drama und Spannung und natürlich darf die Liebe nicht fehlen.
Der Roman ist nicht hochliterarisch, jedoch war er für mich genau richtig an dem Wochenende, um darin abzutauchen.
Es geht um die Hungersnot in Irland um 1850 und wie die Hauptprotagonistin Honora, eine alleinstehende junge Frau, deshalb nach Amerika emigriert, um zu überleben. Aber auch dort meint es das Leben nicht gut mit ihr. Bereits als Kind war Honora eine Außenseiterin und wird es ihr Leben lang bleiben. Alles was sie möchte ist Freiheit und nie mehr hungern zu müssen.
Ich war richtig gefesselt von dieser kämpferischen, starken Frau, die trotz vieler Härten und Ungerechtigkeiten nicht aufgibt. Die reale historische Verknüpfung mit der Hungersnot in Irland und der fiktiven Honora finde ich sehr gelungen.
Autobiographisch - großartig
Kein Name bleibt ihm weit und breit von James Baldwin
In diesem Buch aus dem Jahr 1972 reflektiert James Baldwin sein Leben und das seiner Freunde autobiografisch. Es ist ein sehr politisches Buch, in dem es vor allen um den Alltagsrassismus der 1960er und 70er in Amerika geht. James Baldwin ist richtig wütend aufgrund der Diskriminierungen, die sich in Amerika ganz anders darstellten als in Europa.
Für Baldwin stellt sich der Umgang mit der schwarzen Bevölkerung im eigenen Land vergleichbar so dar, wie im Holocaust in Deutschland mit Jüd*innen umgegangen wurde. Baldwin benennt Amerika in diesem Sinne auch als 4. Reich.
Er erzählt von unterschiedlichen Begebenheiten, bei denen es einen gravierenden Unterschied macht, ob jemand weiß ist oder schwarz, etwa vor Gericht, bei der Polizei oder wenn man einfach in ein Hotel geht. Er berichtet von der Ermordung von Malcolm X und seinem Anzug, den er bei der Trauerfeier von Martin Luther King getragen hatte – den er danach verschenkte, weil dieser symbolisch vom Blut sämtlicher Verbrechen in seinem Land getränkt war, und der ihn immer an Martin Luther King erinnerte.
Aber James Baldwin erzählt auch viel Persönliches. Von seiner Zeit in Frankreich, London und Hamburg. Von dem Versuch, ein Drehbuch über das Leben von Malcolm X in Hollywood zu schreiben, und er erzählt von zu Unrecht im Gefängnis sitzenden Freunden.
Ich fand diese Erinnerungen, die viele Einblicke in sein Leben geben, großartig. Mich hat seine Wut fasziniert, seine Art die Geschehnisse zu erzählen, die oft unzusammenhängend sind (aber auf keinen Fall verwirrend), aber dafür oft überrascht haben. Und so wollte ich immer weiterlesen, weil ich wissen wollte, was kommt da noch Unglaubliches daher.
Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow
Ein hochinteressanter Text
Kissinger & Unseld von Willi Winkler
Das Buch erzählt die fast lebenslange Freundschaft zwischen Henry Kissinger und Siegfried Unseld.
Unseld, ehemaliger deutscher Wehrmachtssoldat, und Kissinger, aus Deutschland vertriebener Jude, könnten unterschiedlicher nicht sein.
Heinz Kissinger flieht mit seinen Eltern 1938 vor den Nazis nach Amerika.
Sein Leben lang wird er sich für die deutsche Kunst und Kultur, insbesondere Literatur interessieren. Besonders für Ingeborg Bachmann und Max Frisch konnte Kissinger sich begeistern, ebenso für Martin Walser und Uwe Johnson.
1955 besucht Siegfried Unseld aufgrund eines Empfehlungsschreibens von Hermann Hesse die von Professor Henry Kissinger ins Leben gerufene International Summer School in Harvard. Vielversprechende, aufstrebende Persönlichkeiten werden dorthin eingeladen. Dies gleicht einer Auszeichnung und ist auch der Auftakt für eine Freundschaft über Jahrzehnte.
Das Buch beschreibt anhand der beiden Biografien das Weltgeschehen der 1950, 60er und 70er Jahre. Bei Kissinger, der nach seinem Studium zum Experten für Atomwaffen avanciert, werden noch Jahre ins Land ziehen bis er echte politische Macht im Weißen Haus erlangt hat. Unseld übernimmt demgegenüber Ende der 1950er Jahre den Suhrkamp Verlag. Der Verlag steht anfangs noch für die bürgerliche Mitte in Deutschland, rückt aber aufgrund der Weltgeschehnisse nach links. Unseld wird zum mächtigsten deutschen Verleger.
Während Amerika sich in der Zeit des Kalten Krieges für einen Atomkrieg rüstet, den Kissinger immer wieder prophezeit, kämpft Deutschland gegen den Eisernen Vorhang. Durch den Vietnam-Krieg ändert sich das Ansehen von Kissinger bei den Suhrkamp-Autoren. Sie verurteilen den Krieg aufs Schärfste, wissen jedoch nie genau, welche Rolle Kissinger dabei spielt.
Unselds Wunsch, dass Kissinger ein Suhrkamp Autor wird, sollte sich trotz seiner literarischen Publikationen leider nie erfüllen.
Interessant fand ich schließlich auch, wie die deutsche Nachkriegszeit bis Anfang der 1970er Jahre aus diesen beiden Blickwinkeln dargestellt wird. Ein unglaublich interessantes Buch, in vielerlei Hinsicht: die beiden Protagonisten zu sehen, ja zu spüren, eingebettet in den historischen Kontext und gänzlich unterschiedlich politischen Zugängen und Zwängen ausgesetzt.
Eine unglaublich berührende Geschichte
Die Arbeiter von Martin Becker
Diesen autofiktionalen Roman habe ich tieftraurig empfunden. Die Eltern des Autors zählten noch zu jener Gruppe von Menschen, die es heute so eher nur mehr selten gibt: richtige Arbeiter*innen.
Sie üben körperlich anstrengende Berufe aus, und das für eine geringe Bezahlung. Trotzdem gönnen sie sich ein paar Tage Urlaub an der Nordsee.
Fahren dorthin mit ihrem alten, gebrauchten Auto. Natürlich wohnen sie nicht direkt am Strand – zu teuer, einen Fußmarsch müssen sie zurücklegen, um ans Meer zu kommen. „Schön haben wirs“, versichern sich die Eltern selbst, nicht nur nach dem Urlaub, immer wieder empfinden sie das wenige hart Erarbeitete als kleines Glück. Ein Reihenhaus haben sich die Eltern gekauft, weil sie was Eigenes besitzen wollten – noch nach ihrem Tod war der Kredit aber nicht abbezahlt.
Der Vater trinkt gern seine Bierchen und Schnäpse, vom Charakter ist er ein eher wortkarger, wütender Mensch. Die Mutter, sitzt daheim hinter der Nähmaschine, sie macht für den Quelle-Versand die Änderungsschneidereien.
Aber es wird auch von einer Liebe in der Familie geschrieben, die beim Lesen zu Herzen geht. Hier wird nicht umarmt oder geküsst. Liebe drückt sich in der Familie anders aus. Martin Becker erzählt vom Qualm der Zigaretten im Auto, wie der Vater dennoch der Mutter die Zigaretten anzündet und sie ihr hinhält. Vom Vater, der sich um seine Frau selbst kümmern möchte, und sie nicht den Ärzten und Krankenschwestern überlassen will. Und dann doch total überfordert ist.
Die Mutter wird ohne alt geworden zu sein krank und erholt sich nie mehr, auch der Vater verstirbt viel zu früh – aber beide passen genau in den Referenzbereich der Statistik, der angibt, das Arbeiter*innen so mit 65 Jahren sterben.
Martin Becker hat zum Teil gelitten unter seiner Herkunft, unter dem oft wütenden Vater und unter seiner Adoptivschwester, die im Rollstuhl sitzt. Geniert hat er sich für sie und wollte, wenn er mit der Mutter durch die Straßen der Kleinstadt ging, so tun als gehöre sie nicht dazu. Martin Becker wollte der Tristesse einfach entkommen.
Ich habe den Roman deswegen so traurig gefunden, weil der Vater hart arbeitet, um seiner Familie ein bisschen was zu bieten, ein paar Tage Urlaub, einen Fernseher, ein eigenes Haus, obwohl nie genug Geld da war. Und am Ende sterben die Eltern viel zu früh und konnten nicht mal ordentlich die Pension genießen. Der Roman vermittelt eine eigene Stimmung, wie ich sie selbst kenne aus meiner Zeit des Aufwachsens in den 1980er Jahren. Ich konnte so viele Parallelen zu jener Zeit identifizieren, vermutlich ist das der Grund, warum ich von diesem Roman so begeistert bin.
Auseinandersetzung mit den anderen
Im Land der Wölfe von Elsa Koester
Nana fährt schwer begeistert von Berlin in den Osten, nach Grenzlitz, am letzten Rande von Sachsen, um die Spitzenkandidatin der Zukunftsgrünen für die Oberbürgermeisterwahl zu coachen. Katja Stötzels Chancen stehen gut, dass sie Erste wird – nur ein paar Prozentpunkte fehlen. Dem kleinen fiktiven Ort an der Grenze zu Polen droht, dass dieser künftig von den Rechten regiert wird.
Es ist ein Wahlkampf zwischen den Zukunftsgrünen, den Konservativen und den weit rechtsstehenden Blauen - und die Blauen sind im Vormarsch. Die Blauen, mit ihrem Blick in die Vergangenheit – alles was einmal gut war und nicht mehr gut ist. Die Zukunftsgrünen, mit Blick in die Zukunft – mit allem, was den Ort für alle und die Umwelt besser machen kann.
Nana ist zunächst fasziniert von Katja, wird dann aber innerhalb der Partei außen vorgelassen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als mit den Bewohner*innen von Grenzlitz ihre Zeit zu verbringen und mit ihnen zu sprechen, sich ihre (politischen Meinungen) anzuhören: etwa die Kaffeehausbesitzerin oder Erik und Migrant*innen. Besonders angetan hat es ihr Falk Schloßer, einer aus der blauen Partei. In den Gesprächen mit ihm stellt sie fest, welche Sorgen ihn umtreiben und warum er daher für die Blauen einsteht.
Ein zweiter Erzählstrang, in E-Mailform, handelt davon, wie Nana aufgewachsen ist: die Rede ist von der alkoholkranken Mutter und dem Bruder Noah, der auf sie aufgepasst hat, weil die Mutter dazu teilweise nicht in der Lage war. Jetzt möchte der große Bruder nicht mehr stark und ein Held sein, er möchte überhaupt kein Mann mehr sein.
Der Roman zeigt auf, wie die Auseinandersetzung mit den Rechten geführt werden kann. Der Roman findet keine Lösung, zeigt jedoch mögliche Formen der Auseinandersetzung auf. Zum Großteil habe ich den Roman genossen, passagenweise konnte er mich aber nicht einfangen, zum Teil weil die Protagonist*innen der einzelnen Parteien zu stereotyp dargestellt wurden. Trotzdem sollte man den Roman lesen, weil ich aktuell solche Auseinandersetzungen für essentiell halte.
Ein großartiger Text
Wie lange, sag mir, ist der Zug schon fort von James Baldwin
In diesem Roman verfolgen wir die Geschichte des Leo Proudhammer, einem schwarzen Schauspieler, der am Zenit seiner Karriere einen Herzinfarkt erleidet und im Krankenhaus landet. Da hat er Zeit über sein bisheriges Leben zu reflektieren – seine Kindheit in einer armen schwarzen Familie, seinen Bruder Caleb, seine Liebe zur weißen Schauspielerin Barbara und dem homosexuellen Christopher, seinen Erfolg als schwarzer Schauspieler.
Wie immer geht es bei Baldwin um Rassismus, Liebe, Homosexualität und den Vater, und all dies mit persönlichen Bezügen.
Beim Erscheinen des Romans im Jahr 1968 – es ist mittlerweile Baldwins vierter Roman – wird dieser jedoch nicht positiv aufgenommen, wie Elmar Krausshaar in seinem Nachwort schreibt. Zu viel wird über die Sexualität des schwarzen Protagonisten Leo Proudhammer geschrieben, noch dazu über Sex mit einer weißen Frau. Und später ist im Roman von einer homosexuellen Beziehung zu einem schwarzen Mann zu lesen – das wollte das Amerika der damaligen Zeit nicht, mangelnder Realitätssinn wurde der Erzählung nachgesagt.
Ganz ehrlich: zwischendurch hatte der Roman schon seine Längen, war zu ausführlich und sehr detailreich wurden manche Begegnungen beschrieben. Jedoch insgesamt gesehen ist es ein sehr lesenswerter Text.
Ich würde jedem und jeder empfehlen, Texte, Bücher oder Essays von James Baldwin zu lesen – unglaublich bereichernd.
Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell und Miriam Mandelkow
Obsessiv und großartig
Mein Mann von Maud Ventura
Die Protagonistin des Romans ist eine obsessive Frau, die ihren Mann nach 15 Jahren Ehe wie am ersten Tag liebt und ihr ganzes Leben nach ihm ausrichtet. Ständig sucht sie nach Beweisen seiner Liebe, die sie auch bestätigt bekommt. Die Liebesbeweise ihres Mann sind für sie aber nie ausreichend. Immer gibt es etwas zu kritisieren, ist es doch zu wenig, was er auch alles sagt und macht.
Ständig ist sie eifersüchtig, sieht in anderen Frauen eine bedrohliche Konkurrenz – weil sie bangt, dass ihr Mann sie verlassen wird. Hinter nahezu jeder Handlung ihres Mannes vermutet sie einen ehelichen Betrug, einen Entzug von Liebe oder gar Herabsetzung – alle potentiellen Verfehlungen oder auch nur Unaufmerksamkeiten bzw Nachlässigkeiten notiert sie sich in einem Notizbuch. Verhält er sich nicht nach ihren Wünschen und Erwartungen, gibt es Strafe oder Rache – nur ihr Mann bemerkt auch dies nicht
Die Kapitel der Aufzeichnungen sind in Wochentage eingeteilt, jeder Tag erhält eine bestimmte Farbe und Stimmung. Dargestellt wird beider Alltag, der geprägt ist von ihren mühevollen Inszenierungen um ihm gefallen zu wollen, um seine Anerkennung zu erhalten..
Ein großartiges Buch, zählt zu den besten, die ich dieses Jahr gelesen habe. Gegen Ende konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen, weil ich wusste, am Ende wird etwas passieren und so ist es dann auch – fulminant – völlig unerwartet.
Ein historischer Abriss
Nur nachts ist es hell von Judith W. Taschler
lisabeth Tichy, die nach dem 1. Weltkrieg Medizin studierte, erzählt von ihrem Leben, ihrer Familie und den Schicksalen, die die Familie während der beiden Weltkriege erleiden musste.
Der Roman ist als Erzählung an die Großnichte Christina konzipiert. Es werden die wichtigsten historischen Ereignisse und ihre Auswirkungen auf die Familie gut eingeflochten, also das Weltgeschehen auf Einzelschicksale heruntergebrochen.
Wie schwierig es für Frauen damals war, Medizin zu studieren und als Ärztin zu arbeiten, werden thematisiert und reflektiert. In dieser Weise kommen weiters zur Sprache der Traum nach Amerika auszuwandern und dort sein Glück zu versuchen, der Verlust von Familienmitgliedern und geliebten Menschen im Krieg sowie die heimgekehrten Veteranen, die unter den Kriegserfahrungen und -gefangenschaft leiden, weil ihnen Gliedmaßen fehlen oder sie traumatisiert sind.
Die einzelnen Kapitel sind süffig erzählt und die Geschichte rund um Elisabeth ist interessant und spannend zu lesen. Es hat mir jedoch ein Höhepunkt gefehlt oder ein Ziel, auf das die einzeln und teilweise isoliert erzählten Passagen hinauslaufen. Insgesamt dennoch eine gut zu lesende fiktiv-historische Geschichte, die für die Nachkommen dieser Familie in Romanform niedergeschrieben wurde.
Raus aus der Komfortzone
Von einem Sohn dieses Landes von James Baldwin
Dieses Werk ist kein Roman, sondern berichtet davon, was es bedeutete, wenn man Anfang der 1950er Jahre (vor der Bürger*innenrechtsbewegung) Schwarz in Amerika war – dies in unterschiedlichen Bereichen und zu verschiedenen Themen.
In den ersten drei Kapiteln stellt Baldwin Hautfarbe und Rassismus in der Literatur, Filmen und Zeitungsberichten dar.
Wie werden dort People of Colour (PoC) abgebildet? Wo gelingt es nicht, die Realität abzubilden, weil die Darstellungen zu kurz greifen oder überzeichnet sind.
Er denkt auch über die PoCs in Frankreich nach, die Algerier*innen, die wussten woher sie kommen und auch eher noch die Möglichkeit hatten zurückzugehen. Schwarze in den USA wissen nicht genau, woher ihre Vorfahr*innenen kommen. Auch beschreibt er, dass ihnen gemeinsame Rituale und eine gemeinsame Religion fehlen, wie das bei den Jüd*innen der Fall ist. Er schreibt auch über die Toleranten in der damaligen amerikanischen Gesellschaft, doch führt er auch an, dass bei aller Toleranz niemand von den Weißen einen Negro dann daheim als Schwiegersohn am Tisch sitzen haben wollte.
Für die Weißen waren damals Menschen mit dunkler Hautfarbe stereotyp: sexbessen, kriminell, sittenlos und unverlässlich.
In den weiteren Kapiteln berichtet Baldwin über sein Schwarz sein, sein Aufwachsen in Harlem, das Leben mit den Jüd*innen dort und wie die schwarze Bevölkerung oftmals fast wie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen lebten. Und ein Kapitel erzählt vom Sterben seines Adoptiv- bzw Stiefvaters, den er wirklich hasste, an seinem Geburtstag.
Das letzte Kapitel hat mich dann doch öfter Schmunzeln lassen. James Baldwin begab sich in die Schweiz, in ein kleines Dorf am Fuße eines Berges, wo die Einwohner*innen noch nie einen Schwarzen gesehen hatte, und er auch nicht so richtig wusste, wie damit umgehen – genial.
Ein großartiges Buch, das so viele Einblicke in eine Zeit und Gesellschaft gibt, die einerseits nicht vorstellbar ist, weil der Rassismus so offen ausgelebt wird. Andererseits hat sich seitdem nicht so viel geändert, wie man es sich wünschen und annehmen würde.
Absolute Empfehlung.











