Kunden em pfehlungen
Rezensionen von niki:
Sticht mitten ins Herz
Das Herzflorett von Marica Bodrozic
Pepsi, die als Kind zwischen Großvater und Tanten herumgeschoben wurde – damals, in der Herzegowina, als die Eltern im fernen Hessen zum Arbeiten waren. Sie wünschte sich nichts mehr als endlich bei den Eltern wohnen zu dürfen. Sie bekam keine Liebe und wenig zu essen von den Tanten. Die Eltern besuchten ihre Kinder, die meist aufgeteilt wurden zwischen den Verwandten, nur im Sommer und mussten jedes Mal sehr bald wieder in den Norden zum Arbeiten.
Als sie endlich schreiben konnte, schrieb sie den Eltern einen Brief, dass sie und ihre Geschwister abgeholt werden und zu ihnen in den Norden, nach Hessen, wollen. Damals war Pepsi acht Jahre alt. Darauf holen die Eltern ihre drei Kinder zu sich nach Hessen in Deutschland.
Das Leben in der Einzimmer-Wohnung in Deutschland, mit dem trinkenden Vater, der ständig rauchte und die Schnapsflasche streichelte, und der Mutter, die vom vielen Putzen rissige Hände hatte, war für Pepsi nahezu unerträglich. Die Eltern hatten keine Zeit für ihre Kinder, sie waren abgearbeitet, müde und lieblos. Pepsi stellte sich immer vor, dass sie bald von dort weggehen und nicht zurückkommen werde. Wenn Pepsi gegen die Mutter aufbegehrte, drohte ihr die Mutter, sie an dem Baum vorm Haus aufzuhängen, mit dem Kopf nach unten, und ein Feuer machen werde, damit ihr Kopf zuerst verbrennt – dieser schlaue Kopf, damit sie endlich merkt, wie gut sie es hat und nicht mehr aufbegehren soll. Und dann gab es die Strafen, schon für kleine oder harmlose Vergehen von Seiten des Vaters: sie mussten auf trockenem Reis knien. Unerträgliche physische und psychische Grausamkeiten von Seiten der Eltern mussten Pepsi und ihre Geschwister ertragen.
Pepsi fand Trost in Büchern, der Natur und zu den Vögeln und zu der für sie neuen Sprache. Pepsi muss vieles aushalten und geht ihren Weg. Alles was Pepsi wissen wollte, schlug sie in einem Lexikon nach. So verstand sie mit der Zeit die Welt und erlangte etwas Bildung. Das Abitur zu machen, verboten ihr die Eltern, sie solle arbeiten gehen.
Pepsi macht eine Ausbildung zur Buchhändlerin.
Die Grausamkeiten, insbesondere von ihrer Mutter, werden durch die poetische Sprache noch entsetzlicher, weil sich der Kontrast zur Welt, in die Pepsi gedanklich flieht, und die zur Realität, auf die sie trifft, noch mehr verdeutlicht.
Was für ein Buch – es sticht Mitten ins Herz! Eines der besten Bücher, die ich gelesen habe.
Was für ein intelligenter Roman
See der Schöpfung von Rachel Kushner
Die Ich-Erzählerin Sadie Smith, 34 Jahre alt, hat ihren letzten Agentenjob beim CIA anständig vermasselt. Nun ist sie Privatagentin. Ihr Name ist nicht ihr richtiger Name. Dieser ausgesuchte Name lässt sich nicht googlen, weil Sadie Smith kann jede sein, und das ist gut so, denn sie möchte nicht gefunden werden.
Ihr neuer Job führt sie nach Südfrankreich. Sie soll dort eine Kommune von Umweltaktivist*innen infiltrieren und die Mitglieder dazu zu bringen, in ihrem Aktivismus zu weit zu gehen, also gewaltätig zu werden, so dass ihr Handeln strafbar ist. Die Geschichte holt sehr weit aus – zu dem früherem Job von Sadie beim CIA, Gedanken zum Neandertaler und Homo sapiens, Höhlenmalerei, Sternenbilder, Wein und Bier.
Das ist ein Roman, der sehr unterschiedliche Genres und Themen in sich vereint: Krimi, Umweltthriller, Kommunenleben, Philosophie, Gesellschaf und menschliche Entstehungsgeschichte.
Ich mochte den Roman (dennoch?) sehr – warum? Er ist anspruchsvoll, klug aufgebaut, verwebt viele interessante Themen und die Protagonistin fand ich richtig cool.
Der Roman stand übrigens auch auf der Shortlist für den Booker-Preis und den National Book Award 2024.
Pflichtlektüre!
Schweigen von Birgit Weyhe
Es beginnt mit der an uns Leser*innen gestellten Frage: was bedeutet Schweigen, im Sinne von gut oder schlecht? Schweigen kann beides sein: gut oder aber auch schlecht! Wenn etwa darüber geschwiegen wurde, dass der Nachbar im Nationalsozialismus Jüd*innen versteckte oder wenn geschwiegen wurde, wenn Nazis Menschen deportierten – so wie damals die große Mehrheit geschwiegen hat.
Nach dem Krieg schwiegen alle – Opfer und Täter; die einen konnten darüber nicht sprechen, die anderen schützten sich damit. Schweigen hängt also wesentlich vom Kontext ab.
Da gibt es einerseits Ellen Marx. Sie flieht als 17-jährige Jüdin vor den Nazis nach Argentinien. In den 1970er verschwindet ihre Tochter Nora, die sich gegen die argentinische Militärdiktatur politisch engagiert hatte. Dann – andererseits – die Geschichte von Elisabeth Käsemann, die als Jugendliche Ende der 1960er Jahre bei Demonstrationen in Deutschland teilnimmt und anschließend nach Argentinien geht, weil sie dort mehr beitragen zu können glaubt als in Deutschland, wo nach einer Demonstration gegen den Besuch des persischen Schahs ein Student von der Polizei erschossen wird.
Alle Ereignisse, die die beiden Protagonist*innen erleben, werden in einem historischen Kontext erzählt – in Nazi-Deutschland, in Argentinien unter Peron und der Militärdiktatur, und auch in Deutschland während der 68er Bewegung, um derart die Einzelschicksale richtig einordnen zu können.
Es geht vor allem um die Verstrickungen zwischen Argentinien und Deutschland seit der Nazi-Zeit bis heute: wie zuerst Jüd*innen nach Argentinien emigrieren mussten und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die bösartigsten Nazi-Verbrecher auch dorthin fliehen konnten, bis zu der Zeit der argentinischen Militärdiktatur, in der Menschen von den Militärjuntas verschleppt und ermordet wurden. Unter den Opfern auch Deutsche, wie Elisabeth Käsemann. Die deutsche Regierung, die um Hilfe ersucht wurde, hatte aufgrund der wirtschaftlichen Beziehungen nichts unternommen. Wichtige Firmen, wie Mercedes, Siemens oder Thyssen hatten dort ihren Sitz und profitierten immens von der Ausbeutung der argentinischen Arbeitskräfte – diesen Profit wollten die Regierungsverantwortlichen nicht stören, im Gegensatz zu anderen Regierungen, wie Frankreich oder Holland, die sich für ihre verschwundenen Staatsangehörigen einsetzten und auch bei der Fußball WM 1978 mit Boykotten drohten. Deutschland hingegen trug in dieser schwierigen Phase sogar ein Freundschaftsspiel (!) gegen Argentinien aus.
Ich habe selten so ein grandioses Buch gelesen, wo am Einzelschicksal dargestellt das Vorgehen der Nazis bis heute nachhallt, weil über ihre Verbrechen geschwiegen wurde und sich das ausbreiten konnte, bis unter anderem nach Argentinien.
Von der ersten Seite weg ein unglaublich tolles Buch, jeder einzelne Satz wäre zum Unterstreichen und Merken. Bitte lest alle dieses Buch, es ist so großartig, klug, lehrreich – hier wird klar, warum wir nie vergessen sollten.
Der Avant-Verlag hat dieses Jahr unzählige wichtige Graphic Novels herausgegeben, jede sehr lesenswert – ganz im Sinne von „Nie wieder“.
Tolle Doppelfrauenbiografie - Paris 18. Jahrhundert
Wachs von Christine Wunnicke
Paris 1733-1795
Die hochinteressante Biografie zweier Frauen, die im 18. Jahrhundert eine lesbische Beziehung hatten: Marie Biheron und Madeleine Basseport.
Marie Biheron war die Tochter eines Apothekers, der starb als sie noch jung war. Sie wollte Anatom werden. Das war als Frau in jener Zeit nicht möglich.
In der ersten Szene des Romans geht die 15-jährige Marie in eine Militärkaserne und fragt dort um eine Leiche an, da sie davon ausgeht, dass diese dort gelagert würden. Bereits in diesem Alter begann sie also schon Leichen zu sezieren.
In einem Zeichenmalkurs begegnet sie der fast um 20 Jahre älteren, wunderschönen Madeleine Basseport, ihres Zeichens Blumen - und Pflanzenmalerin. Sie gibt Unterricht für Mädchen, um ihnen das Blumenmalen zu lehren und wird die Lebenspartnerin von Marie Biheron.
Marie entwickelt eine Technik, aus gehärteten Wachs originalgetreue anatomische Modelle herzustellen, und verkauft diese auch – an die Königin und an Wissenschaftler, um sich so ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Der Roman verfolgt zwei Zeitstränge: einmal das Leben der beiden jungen Frauen und dann im zweiten Strang die alte Marie Biheron, nachdem Madeleine Basseport bereits verstorben ist.
Christine Wunnicke hat eine Doppelbiografie zweier Frauen vorgelegt, über die wenig bekannt ist. Sie hat die Geschichte der beiden Frauen wunderbar und interessant aufs Papier gebracht. Mit witzigen Details der damaligen Zeit anschaulich geschmückt, ist dies ein großartiger Roman, der gerne mehr Seiten umfassen hätte können.
Ein Einblick in die Biografie der Autorin
Ein halber Löffel Reis von Dacia Maraini
Die Kindheitserinnerungen von Dacia Maraini in einem japanischen Internierungslager gehen unglaublich nahe.
Der Vater, Fosco Maraini, war als Anthropologe und Ethnologe während des Zweiten Weltkriegs in Japan. Er galt als „unzuverlässiger“ Italiener – er wollte 1943 dem faschistischen Italien nicht die Treue schwören.
Als Konsequenz wurde die gesamte Familie – seine Frau, die drei Töchter und er – in ein japanisches Internierungslager gesperrt.
In dem autobiografischen Roman wird beschrieben, welch grausamen und sadistischen Handlungen von Seiten der japanischen Bewacher die Familie und weitere Gefangene ausgesetzt waren. Hunger und dadurch entstandene Mangelkrankheiten, wie Beriberi und Skorbut, waren die Folge. Die Kinder im Lager erhielten keine eigene Ration zum Essen – alle Erwachsenen mussten einen Teil von ihrem wenigen Reis an die Kinder abgeben. Die für sie vorgehsehnen Nahrungsmittel nehmen sich die Bewacher – um selbst davon zu leben oder sie am Schwarzmarkt zu verkaufen. Die kleine Dacia ernährt sich von ein paar Körnern Reis und Ameisen oder verdorbenen Lebensmitteln, die sie irgendwo findet oder von den Bewachern erhalten. Die Bewacher wussten, dass die ausgehungerten Gefangenen sich auch auf Verdorbenes stürzen würden, egal wie faulig das Fleisch stinkt.
Zu Beginn der Inhaftierung wurde noch demokratisch geteilt, entschieden und diskutiert. Je lebensbedrohlicher die Situation in der Gefangenschaft war, desto egoistischer, ums eigene Überleben zu sichern, wurden die Inhaftierten untereinander und die Stimmung kippte. Der Vater hatte sich bei einem Aufstand im Internierungslager den kleinen Finger abgehackt, die jüngste Schwester ist nach der Befreiung an den Folgen der Inhaftierung gestorben.
Maraini vergleicht die japanischen Internierungslager mit den europäischen Konzentrationslagern der Nazis und geht auch der Frage nach, wie diese unbemerkt von der Bevölkerung existieren konnten.
Ein Text, der sehr berührt und zum Nachdenken anregt, obwohl er nicht auf grausame Details eingeht. Es ist unverstellbar, was hier Menschen aushalten mussten, und wie sie auch überlebten.
Aus dem Italienischen übersetzt von Ingrid Ickler #namethetranslator
Was für eine geniale Graphic Novel
Ratten von Karla Paloma
Die dänische Comic-Zeichnerin Karla kann in Berlin nur prekär von ihrer Kunst leben. In ihren Storys vermischt sie ihre Autobiografie mit Erfundenem. Daraus entstehen für uns Leser*innen unterhaltsame und kurzweilige Lesestunden. Schon die erste Geschichte hat mich sehr zum Staunen und Schmunzeln gebracht, dass ich mir dachte: „aber nicht wirklich“, unglaublich und großartig.
So reihen sich auch die beiden weiteren Geschichten ein. Beim Lesen ist mir auch immer die Frage durch den Kopf gegangen, was stimmt denn davon wirklich in Bezug auf ihre Biografie.
Derart humorvolle und ehrliche Alltagsgeschichten habe ich noch nie gelesen. Die schwarz-weiß-Zeichnungen sind einfach und reduziert, daher sehr auf den Punkt gebracht.
Mit größtem Vergnügen kann ich daher diese Graphic Novel weiterempfehlen, für alle, die es ein bisschen übertrieben und auch unter der Gürtellinie mögen.
Interessanter Plot
Stadt der Hunde von Leon de Winter
Jaap war einer der besten Neurochirurgen der Welt. Als seine Tochter plötzlich in Israel verschwand, war das eine große Zäsur in seinem Leben. Danach scheiterte seine Ehe und er wurde zu einem traurigen alten Mann: er verlor an Attraktivität, auch seine Haare am Kopf. Wenn er über sich selbst nachdachte, wusste er, dass er in gewisser Weise ein skrupelloser Mann war: sein Erfolg erlaubte es, dass Frauen mit ihm ins Bett gingen und danach mehr von ihm wollten, doch er wollte sie danach nicht mehr kennen.
Über zehn Jahre flog Jaap einmal im Jahr von Holland nach Israel in der Hoffnung seine Tochter Lea zu finden, denn er konnte einfach nicht glauben, dass sie tot sei. Was genau geschehen war, konnte nie rekonstruiert werden.
Bei einem dieser Aufenthalte erhielt er einen Anruf vom israelischen Ministerpräsidenten. Als Neurochirurg sollte er eine geradezu aussichtslose Operation bei einer der wichtigsten Personen der Weltgeschichte.
Bis dahin war die Geschichte realistisch, interessant und spannend. Als er jedoch auf Ibrahim trifft, kippt die Story etwas ins Absurde. Am Ende ist dieser Teil schon nachvollziehbar, jedoch meinen Geschmack hat es nicht getroffen.
Von meiner Seite kann ich das Buch einerseits empfehlen, andererseits auch wieder nicht. Lesende, die Absurditäten in einem Roman nicht stören, wird dieses Buch sicher gefallen – meines war es nur zum Teil.
Ein Sachbuch, das ich nicht mehr aus den Händen legen konnte
Wie wir so schön wurden von Rabea Weihser
Dieses Sachbuch habe ich wahnsinnig gern gelesen. Ein Ritt durch die Jahrhunderte und ihre Moden das Gesicht betreffend.
Die Kapitel sind eingeteilt in die unterschiedlichen Teile, die unser Gesicht ausmachen: Nase, Haut, Augen, Augenbrauen, aber auch Alter, Schönheitsmakel und vieles mehr wird thematisiert und fokussieren die jeweiligen Darstellungen und Modeerscheinungen in vergangenen Zeiten, und auch die dahinter stehenden Ideen und Empfindungen.
Warum wurden Gesichter weiß geschminkt? Wann und warum kam der Trend der buschigen Augenbrauen auf? Welche Bedeutungen haben die jeweiligen Nasen eingebettet in ethnische Erklärungen? Es geht um asiatische, afrikanische und europäische Idealtypen und Modetrends, weit zurückreichend in die Geschichte der Menschheit. Bis zum Kaiserhof von China und auch nach Japan. In Brasilien und Südkorea werden jungen Mädchen Beauty-OPs zum Schulabschluss geschenkt, damit sie künftig zur Elite gehören.
Wie muss ein Gesicht überhaupt aussehen, um als schön zu gelten? Was lassen Menschen über sich ergehen, um dem jeweiligen Modetrend zu folgen? Und was bedeutet es überhaupt schön zu sein? Es geht um kulturelle Vorlieben und modische Trends der jeweiligen Gesichtsästhetik.
Ich bin bar erstaunt, wie über das Gesicht und seine Schönheit (oder das Gegenteil) zu schreiben möglich ist, und das aus unterschiedlichen Perspektiven: philosophisch, gesellschaftlich, aus kapitalistischer bzw konsumorientierter Sicht, im Kontext von Social Media, aus der Sicht von Modeerscheinungen und der Kunst. Es geht um Botox, Filler, ästhetische Chirurgie, Schminke, Hautpflege, Feminismus und Gender-Age-Gap.
Ein wunderbares Buch zum Staunen, Lernen, aber auch manchmal zum Kopfschütteln. Ein Buch, über das man während des Lesens reden und diskutieren möchte, weil Hintergründe zu bestimmten Modeerscheinungen erklärt werden oder ganz einfach, weil ich vieles nicht wusste und die Fakten so unglaublich sind. So viele interessante Themen sind in diesem Buch verpackt, großartig und sehr zu empfehlen.
Eine ungleiche Freundschaft
Knallkrebse von Christian Mitzenmacher
om, Physikdoktorand, übernimmt die Patenschaft für den 16jährigen afghanischen Flüchtling Farid. Zu Beginn sind die Treffen verkrampft und angespannt, dauern eineinhalb Stunden und Tom ist froh, wenn sie vorbei sind. Nach und nach entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden.
Toms Bruder Lukas belächelt die Patenschaft, für ihn ist sie so ähnlich wie zum Studieren ins Ausland gehen, wo man dann in Wahrheit nur am Strand liegt, aber der Lebenslauf ist poliert – so sieht er Toms Patenschaft.
Im Lauf der Zeit gesellt sich Toms Freundin Laura dazu, die eine besonderen Draht zu Farid hat.
Farid erzählt kaum etwas über seine Flucht, nur dass ein er ein Mädchen, Pari, im Iran kennenlernte, die er auf dem Weg nach Europa verloren hat und die er von Deutschland aus wieder finden möchte.
Die Geschichte handelt von Freundschaften, Beziehungen, Flucht, Belastungen, Verlust und Verantwortung.
Die Geschichte wirkt leicht, trotz des ernsten Themas. Gefallen hat mir, wie selbstbewusst Farid ist, wie er sich anstrengt und zu keinem Zeitpunkt in eine Opferrolle verfällt – großartig, das gefällt mir sehr.
Das Leben vier starker Frauen
Dream Count von Chimamanda Ngozi Adichie
Vier Frauen, alle aus Afrika stammend, begleiten wir während der Corona-Pandemie. Drei davon sind sehr reich, nur Kadiatou verdient sich ihr Leben in Amerika als Haushälterin und Zimmermädchen in einem Hotel. In diesem Hotel geschah auch der sexuelle Übergriff, der an den Strauss-Kahn Skandal erinnern soll.
Es handelt sich hier um Frauen, die jede für sich in ihrem Leben Erfüllung sucht und zum Teil auch erhält, dies jedoch ganz unterschiedlich.
Chiamaka ist Reiseschriftstellerin, ihre Eltern zählen zu den Reichen in Nigeria. Durch die Pandemie kann sie nicht reisen und so blickt sie zurück auf die Männer ihres Lebens. Heiraten und Kinder zählen nicht zu ihren Träumen. Sie wünscht sich einfach den richtigen Partner.
Ihre Cousine Omelogor hat in Nigeria als Bankerin Karriere mit illegalen Geldtransaktionen gemacht und trägt so zur Verschleierung der Korruption bei. Sie kam dadurch zu ungeheuerlich viel Geld. Sie will weder Mann noch Kinder, sondern Frauen monetär unterstützen.
Zikora ist als Anwältin in Washington DC sehr erfolgreich und wollte sich den Traum ihres Lebens erfüllen: unbedingt wollte sie eine Familie – also Mann und Kind. Als sie endlich schwanger ist, wird sie verlassen – zwar unterstützt sie ihre Mutter, jedoch war das Verhältnis der beiden bis dahin eher schlecht.
Die oben bereits erwähnte Kadiatou ist Chiamakas Haushälterin. Kommt aus armen Verhältnissen, wurde als junges Mädchen – ganz nach Tradition – beschnitten.
Es geht somit um vier starke Frauen, die viele Themen abdecken: Freundschaft, Traditionen, Erfolg, sexuelle Gewalt, Klasse, Rassismus, Herkunft und Selbstbestimmung sowie ganz allgemein Erwartungshaltungen gegenüber vor allem afrikanischen Frauen.
Jede Frau hat so ihre eigenen Träume und Vorstellungen von einem erfüllten, erfolgreichen und glücklichen Leben. Der Autorin Adichie gelingt es sehr gut diese unterschiedlichen Facetten und Aspekte zu zeigen, egal ob reich oder arm, egal ob in den USA oder in Afrika.
Dream Count lässt sich interpretieren als die Anzahl der erfüllten Träume, die jede*r für sich so im Leben hat.
Sehr zu empfehlen











