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Rezensionen von niki:

Macht nachdenklich über das Alter

Neben Fremden von Eva Schmidt

Der Roman erzählt die Geschichte von Rosa - einer pensionierten Altenpflegerin.

Rosa führt ein tristes Leben: ihr Lebensgefährte Fred ist vor ein paar Wochen unerwartet verstorben. Ihren Hund Don musste sie einschläfern, ihre Mutter kränkelt und fordert immer mehr Aufmerksamkeit. Sie möchte, dass Rose sich um sie kümmert und dann sind da noch die Nachbarn von unten.

Das ist Mele, die einen Freund hat, der ihr nicht guttut, es ihr jedoch schwerfällt, sich von ihm zu trennen - sie hat Angst vor der Einsamkeit. Meles Teenager-Tochter Paz besucht Rosa immer wieder und erzählt von ihrem Leid: dass sie sich mit ihrer Mutter Mele nicht mehr versteht, seit sie diesen Freund hat.

Und dann gibt es noch Tom, Rosas Sohn, zu dem sie seit sieben Jahren den Kontakt verloren hat. Weder weiß sie, wo er lebt, noch was aus ihm geworden ist.

Es geht um das einsame Leben einer älteren Frau. Jene sozialen Kontakte, die sie hat, versucht sie mit Ausreden möglichst kurz zu halten oder ihnen aus dem Weg zu gehen, wie zum Beispiel mit ihrer ehemaligen Arbeitskollegin Margreth. Gespräche, die sie früher mit ihrem Lebensgefährten Fred hatte, vermisst sie sehr.

Was bleibt von einem Leben, wenn man in Pension geht, sein Leben lang geschuftet hatte, keine Freunde hat und alle jene, die für einen wichtig waren, nun tot sind.

Ein Roman, der mich schon sehr nachdenklich gemacht hat, was aus dem eigenen Leben wird, wenn die Arbeit vorbei ist, wichtige Menschen verstorben sind, die Kinder sich nicht mehr melden und man trotzdem vom Leben noch etwas wünscht: gute Gespräche, Ziele oder schöne Reisen.

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Coole Protagonistin, historische Perle (Korea)

Die acht Leben der Frau Mook von Mirinae Lee

Auf der Demenzstation des „Golden Sunset“ entschließt sich eine Mitarbeiterin der Verwaltung, die Bewohner*innen zu befragen, wie sie ihre Beisetzung wünschen. Um den Einstieg ins Gespräch zu erleichtern, sollen die befragten Personen drei wichtige Dinge aus ihrer Lebensgeschichte erzählen.

Für die fast 100-jährige Frau Mook sind drei zu wenige Punkte, denn eigentlich hat sie acht Leben geführt – als Sklavin, Ehefrau, Mutter, Spionin, Fluchtkünstlerin, Mörderin, Terroristin und Geliebte.

In nicht chronologischer Reihenfolge erzählt sie die einzelnen Stationen ihres Lebens. Einzig, um sich selbst zu retten, nahm sie diese verschiedenen Rollen an. Frau Mook beherrscht mehrere Sprachen, kann ohne Pathos neue Identitäten annehmen, sie kann sich den jeweiligen Lebenssituationen anpassen und auch morden, sogar ihren eigenen Vater.

Der Roman erfasst die Zeit des 2. Weltkrieges und auch den Koreakrieg Anfang der 1950er Jahre, somit unterschiedliche Gesellschaften und politische Systeme, wobei ich die Nordkorea betreffenden Teile besonders interessant fand. Ich hatte hier das Gefühl, dass es nicht weit von der Realität entfernt ist.

Ein Roman, an den man denkt, während man ihn weglegt, und zu dem man unbedingt möglichst schnell wieder greifen möchte, um die Geschichte weiterzuverfolgen. Der Aufbau der Kapitel in nicht zeitlicher Abfolge ist klug. Man möchte rasch wieder ein Mossaiksteinchen hinzugefügt haben, um zu erfahren wie es weitergeht.

Ein in jeder Hinsicht empfehlenswerter Roman: ein smarte, schillernde Hauptprotagonist*in, toller Plot, sprachlich gelungen und insgesamt historisch sehr interessant.

Aus dem Englischen von Karen Gerwig #namethetranslator

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Absolute Empfehlung zu relevanten Thema

Geliebte Mutter - Canim Annem von Çigdem Akyol

Aynur ist 19 Jahre alt, als sie in der Türkei mit Alvin gegen ihren Willen verheiratet wird. Es handelt sich um keine Zwangsheirat, aber sie muss dem Druck ihres Bruders nachgeben, der sie loswerden möchte.

Alvin kommt aus einer gläubigen, jedoch ungebildeten Familie und lebt als Gastarbeiter in Deutschland.

Es stellt sich bald heraus, dass Alvin eigentlich ein gewalttätiger Taugenichts ist. Bei ihrer Ankunft in Deutschland, nach der Hochzeit, wohnen die beiden mit Alvins Bruder und Vater in einer kleinen Wohnung, WC und Bad am Gang – und das alles in dem kleinen Dorf Here, das nichts zu bieten hat außer einer Konditorei und einen Kaufhof.

Später, als die beiden Kinder – Sohn Ada und Tochter Meryem – geboren sind, ziehen sie in eine eigene, größere Wohnung. Inzwischen arbeitet Aynur am Fließband bei Ford, um den Alltag finanziell zu schaffen, den Kindern zwischendurch eine Freude machen zu können und den Kredit für Möbel, Stereoanlage und Fernsehen bezahlen zu können, damit der versprochene Wohlstand in Deutschland Wirklichkeit wird. Von der eintönigen, harten Arbeit wird sie jedoch über die Jahre müde, überreizt und gewalttätig gegen die Kinder. Der Alltag der Familie ist geprägt von Misshandlungen, Schlägen, Strafen und Demütigungen beider Eltern gegenüber den Kindern. Alvin ist auch gewalttätig gegenüber seiner Frau. Die Situation spitzt sich zu, als Alvin seine Arbeit verliert, nur noch trinkt, tagsüber im Bett liegt, das Ersparte und den Schmuck seiner Frau verspielt und Spielschulden anhäuft - bei Freunden, Verwandten und der Bank.

Als die Kinder das Abitur machen, ziehen sie von zu Hause weg. Ada kann seinen Eltern nicht verzeihen, was ihnen angetan wurde, insbesondere der Mutter, die sie vor dem Vater beschützen hätte sollen und bricht jeden Kontakt zu den Eltern ab. Meryem sieht ihre Mutter als Opfer des Vaters, die nicht anders handeln konnte.

Der Roman wird zu einem Teil aus der Sicht der Tochter Meryem erzählt, die bedingungslose Liebe und Verständnis für die Situation der Mutter hat, was ihr Bruder nicht nachvollziehen kann.

Der Roman beschreibt ein Leben einer Frau, die frei sein wollte und in einem lebenslangen Martyrium landete, die ihre Kinder misshandelte, dies jedoch als Erziehung und Vorbereitung auf das Leben ansah, damit es ihnen einmal besser geht. Damit sie ein Leben wie sie es hat nicht ertragen müssen.

Ein bewegender, schmerzhafter, trauriger und emotionaler Roman, der unter die Haut geht und einem beim Lesen nicht mehr loslässt. Absolute Empfehlung

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Außergewöhlich und vielschichtig, großartig!

Mein Vater, der Gulag, die Krähe und ich von Kaska Bryla

Kaśka Bryla konzipiert und schreibt diesen Roman als ein Selbstgespräch, nachdem sie die Tonbandaufzeichnungen ihres bereits 2011 verstorbenen Vaters anhört. Sie hatte ihm ja versprochen, seine Geschichte niederzuschreiben. Erst zu Beginn der Pandemie 2020 löst sie dieses Versprechen ein.

Auch zu Beginn der Pandemie 2020 infiziert sie sich mit Corona, erleidet eine Herzmuskelentzündung und fühlt sich geschwächt.

Sie spürt die Erkrankung in der Lunge, hat zwischenzeitlich Atemprobleme und auch Angst daran zu sterben. Zu dieser Zeit lebt sie in Leipzig in einem LKW-Anhänger. Sie kränkelt und verbringt den Großteil der Zeit in einem Liegestuhl vor ihrem Wagen.

Der Vater erzählt in den Tonbandaufnahmen von seiner Zeit im polnischen Widerstand, im Untergrund gegen Hitler und Stalin, wie er den 2. Weltkrieg als Jugendlicher erlebt hatte und von den Deportationen in die Gulags. Ihm ging es um den Kampf für die Demokratie in Polen, um Flucht, Folter, Hunger, Gefangenschaft und Kälte zu ertragen.

Genau in dieser Zeit findet sie am Wagenplatz eine Baby-Krähe, die sie Karl nennt und die sie aufgepäppelt. Karl ist an einem Flügel verletzt und kann nicht fliegen. Es stellt sich die Frage, ob er jemals das Fliegen erlernen wird.

Karl ist mit seiner Verletzung ein Außenseiter wie sie, die trotz eines negativen Corona-Tests gemieden wird, weil die Angst besteht, sich doch an ihr anzustecken. So ist Karl ihr Engel und der Einzige, den sie zwischen seine Flügeln streichelt – das Berührtwerden vermisst auch sie. Beide sind sie Fremde, die sich gegenseitig brauchen.

Kaska Bryla schreibt auch über ihren eigenen Kampf für eine bessere Welt: für die LGBTQ-Menschen und für die Umwelt.

Heute tut es ihr leid, wie sie manchmal zu ihrem Vater war, als sie die Kommunisten in Polen gewählt hatte, jene die ihn folterten und quälten, ihn hungern und frieren ließen. Er bleibt ihr gegenüber trotzdem ruhig und nett, tat immer so, als hätte sie ihm nicht böse Worte an den Kopf geschleudert.

Was für ein Buch, so emotional, persönlich und ergreifend auf ganz vielen Ebenen – eines der ganz besonderen Neuerscheinungen in diesem Jahr. Dieser Roman ist so einzigartig, dass meine Rezension dem nicht gerecht werden kann - schon gar nicht dem, was in dieser Geschichte alles steckt, daher ganz große Empfehlung.

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Eine Hommage an den Vater

Der Gärtner und der Tod von Georgi Gospodinov

Wenn der Autor seinen Roman über den Tod seines Vaters mit dem Satz „Mein Vater war Gärtner. Jetzt ist er ein Garten.“ beginnt, dann bin ich berührt.

Gospodinvo begleitet seinen Vater bis zu seinem letzten Atemzug, hält ihm die Hand, versucht ihm die Schmerzen zu nehmen und ihn abzulenken, ihn an seine Kindheit zu erinnern.

So würdevoll, mitfühlend und voll Zärtlichkeit erzählt er abwechselnd über das Leben, die Krankheit und das Sterben seines Vaters, über seine Liebe zu dem Garten und den Stolz auf seinen Sohn.

Der Vater leidet an Krebs und bei vollem Bewusstsein erlebt er den Abbau seines Körpers und die Abhängigkeit, gepflegt und versorgt zu werden. Die Ärzte haben den alten Mann mit dieser Diagnose aufgegeben. Sein Glück ist, dass dies alles zu Hause passiert – und nicht in einem Krankenhaus.

Gerne hätte er Weihnachten noch mit der Familie verbracht, doch er stirbt in den Morgenstunden des 20. Februar 2023. Auch seine Lieblingsblumen, die Schneeglöckchen, hatte er gehofft noch einmal zu sehen, das blieb ihm leider verwehrt.

Ein Buch über Trauer, Tod, Verlust, Kindheit und die Beziehung zu den Eltern, aber auch über Bulgarien im Kommunismus. Eine Geschichte, die so nahe geht, so würdevoll geschrieben ist und berührt. So persönlich habe ich noch nie über den Tod gelesen.

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Klug und empathisch, großartig

Botanik des Wahnsinns von Leon Engler

Ein persönlich geschriebener Roman, der den eigenen familiären Bezug zu psychiatrischen Erkrankungen adressiert und zugleich die eigene Sicht als Mitarbeiter in einer Psychiatrie facettenreich beschreibt – beides in absolut gelungener Weise erzählt.

Die Herkunftsfamilie des Autors litt an unterschiedlichen psychiatrischen Diagnosen: die Mutter war Alkoholikerin, der Vater depressiv.

Die Großmutter, bipolar, hatte mehr als zehn Suizidversuche hinter sich, und der Großvater war Patient am ‚Steinhof‘. Aufgrund dieser Familienanamnese befürchtet der Autor, selbst einmal an einer psychiatrischen Diagnose zu erkranken – statistisch gesehen hat er ohne Zweifel ein hohes Risiko.

Leon Engler erzählt sein eigenes prekäres Aufwachsen, das ärmliche Leben der Eltern und auch deren Krankheiten. Er zeigt, wie es sich auswirkte, wenn der Vater depressiv war und wie schwierig es für die alkoholkranke Mutter war, abstinent zu bleiben und nicht wieder rückfällig zu werden. Er beschreibt so gekonnt einerseits seinen professionellen Zugang zu den Erkrankungen, wie diese in der Wissenschaft und Literatur beschrieben werden – und wie es sich dann in der Realität auf der Psychiatrie individuell darstellt, bei jeder*m Patient*in ganz anders. Ich finde, das macht der Autor mit großem Respekt, ohne zu (ver-)urteilen.

Mir hat der Roman wahnsinnig gut gefallen. Er ist sehr einfühl- und unterhaltsam, manchmal ironisch, aber auch ernst. Er liest sich flüssig und interessant. Für mich ist das Konzept des Romans komplett aufgegangen, wie in jeweils kurzen Kapiteln unterschiedliche Facetten von Personen und Erkrankungen beschrieben wurden.

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Eine sehr berührende Geschichte

Das Geschenk des Meeres von Julia R. Kelly

Eine Erzählung in zwei Zeitebenen: damals und jetzt.

Damals, im Jahr 1900, ist Dorothy als junge Lehrerin auf die schottische Insel Skerry direkt von Edinburgh gekommen. Von den Bewohner*innen und auch den Kindern in der Schule wird sie nicht akzeptiert. Schon ihre gesamte Kindheit kennt sie es, Außenseiterin zu sein.

Die Frauen des Dorfes beobachten sie und ziehen über sie her, hinter ihrem Rücken. Einzig Joseph hat sich sehr um sie bemüht, bis Dorothy von einem Tag auf den anderen unleidlich zu ihm wurde und ihm auch aus dem Weg ging – für ihn unerklärlich. Damals verliert Dorothy auch ihren Sohn Moses ans Meer. Joseph findet den Stiefel des Buben.

Jetzt – ca 20 Jahre später - wird ein gestrandeter Junge am Strand ausgerechnet von Joseph aufgefunden. Er hat nur einen Stiefel an, der dem Stiefel von Dorothys Sohn zum Verwechseln ähnlich aussieht, und auch der Junge im selben Alter ist wie Moses damals als er plötzlich verschwand. Zuerst kommt der gestrandete Junge beim Pfarrer im Dorf in Pflege, später wird Dorothy gebeten, den Jungen zu pflegen, da die Frau des Pfarrers selbst ein Kind zur Welt bringt.

Erinnerungen und alte Wunden werden aufgerissen, nicht nur bei Dorothy, auch bei den Dorfbewohner*innen, die das raue und karge Leben als Fischerdorf kennen, und Verluste zu beklagen haben, wenn Ehemänner, Brüder oder Söhne nicht vom Meer nach Hause kommen.

Der Autorin ist es großartig gelungen den Spannungsbogen aufrecht zu halten, denn im Jetzt weiß man ja zum Teil was damals passierte, aber immer nur angedeutet, nichts Genaues. Und auch das Damals ist bereits von Anfang an klar, aber die Spannung besteht darin zu erfahren, wie es zu all dem gekommen ist. Immer wieder gibt es einen kompletten Perspektivenwechsel, wie auch weitere Dorfbewohner*innen bestimmte Situationen erlebt haben, die meist noch mal anders sind.

Absolute Empfehlung

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Das beste Buch 2025

Europäische Erziehung von Romain Gary

Dieser Roman zählt wohl zu den besten, die ich dieses Jahr gelesen habe.

Der 12-jährige Janek Twardowski wird während der Nazi-Besatzung Polens im Winter 1942 im sicheren Wald von seinem Vater in einem Erdloch versteckt, um sicher zu sein. Nachdem sein Vater umgekommen ist und die Mutter verschleppt wurde, schließt sich Jannek im Wald einer Partisanengruppe an.

Die Gruppe verübt immer wieder Anschläge auf die in der Umgebung stationierten Nazisoldaten - im Gegenzug werden von den Nazis als Racheakt wahllos Menschen umgebracht.

Bald lernt Janek die fast gleichaltrige Zosia kennen, die sich den Nazi anbietet und dabei gelernt hat, nichts zu spüren und zu empfinden. Immer wieder stellen sich die beiden die Frage, ob es Gewalt und Hass nach diesem Krieg nie mehr geben wird, auch keinen Hunger und man nie mehr unter Kälte zu leiden haben wird. Sie hoffen, dass die Menschen, insbesondere Europäer*innen doch daraus lernen müssen, dass es nur dann Musik, Bücher und Liebe auf der Welt geben kann.

Musik spielt eine wichtige Rolle in dem Roman. Als Janik zum ersten Mal einen Auftrag in Vilnius durchführen muss, hört er an der Tür der Adresse, die ihm genannt wurde, Geigenmusik und ist richtig fasziniert.

Immer wieder trifft er auf Menschen, die entweder Geige oder Klavier spielen können, und er fühlt dadurch, dass die Menschen nach diesem Krieg anders sein werden, nie wieder denkt er sich, darf, ja wird das passieren.

Ein so poetischer Roman, der zugleich so viel Schreckliches berichtet und beschreibt. Mir ist die Geschichte sehr nahe gegangen, sie hat mich sehr berührt.

Bei diesem Roman stimmt einfach alles: die schöne Sprache, Protagonist*innen, die ans Herz wachsen, und ein Plot, der zu Diskussionen anregt – ein Roman als Glaubensbekenntnis an Europa und die Europäer*innen.

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Ich habs in einem Tag verschlungen

Ein Tanz für mich allein von Eva Ibbotson

England, 1912
Die 18-jährige Harriet Morton wächst in einem herzlosen, gefühlskalten Haushalt bei ihrem verwitweten Vater und dessen Schwester, die ihm den Haushalt führt, in Cambridge auf. Sie war eine sehr gute Schülerin, musste aber die Schule auf Wunsch des Vaters verlassen. Er ist zwar selbst Professor für Philologie, seiner Tochter erlaubt er jedoch aufgrund des Ansehens keine weitere Bildung.

Sie soll einen Mann heiraten, der ihr in keinster Weise zusagt, weshalb sie alles dafür geben würde, dieser Heirat zu entkommen. Einzig der Ballettunterricht ist ihr geblieben, um für ein paar Stunden dem tristen Haushalt zu entkommen.

Als ihr eines Tages angeboten wird, sich einem Ensemble von Balletttänzerinnen anzuschließen, um in Manaus, im Amazonasgebiet auf Tournee zu gehen, ist dies ein sehr willkommener Ausweg für sie. Allerdings erlaubt ihr der Vater die Teilnahme an der Tournee nicht – Harriet macht es trotzdem.

In diesem Gebiet sind Europäer mit dem Kautschukhandel zu Reichtum gekommen. Einer dieser Reichen ist der Brite Rom Verney, der nach einer enttäuschten Liebe nach Brasilien ging.

Mir hat diese Geschichte ausgesprochen gut gefallen – die Beschreibung der Ballettstücke und der Tanzproben, des Amazonsgebietes und die Freundschaft und Solidarität der Mädchen untereinander. Der Roman ist nicht hoch literarisch, meist bin ich dann schnell von einer leichten Liebesgeschichte gelangweilt – aber dieses Buch ist doch ganz anders und ich habe es so genossen, fand es unglaublich spannend, auch ein wenig kitschig (im positiven Sinn), romantisch und ja, absolut vorhersehbar und trotzdem war ich total gefesselt und habe es in einem Tag verschlungen.

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Aufstieg und Fall der Marie Antoinette

Das kurze und verschwenderische Glück der Königin Marie Antoinette von Henriette Campan

Um 1820 hat Henriette Campan ihre Aufzeichnungen über Marie Antoinette von deren Ankunft in Frankreich bis zur Französischen Revolution niedergeschrieben. Henriette Campan war die Kammerfrau von Marie Antoinette und daher immer ganz nah am Geschehen dran. Alles, was wir heute über Marie Antoinette wissen, ob in Filmen oder Literatur, geht auf ihre Memoiren zurück.

Henriette Campan erzählt, dass Marie Antoinette als Österreicherin und jüngste Tochter der österreichischen Erzherzogin Maria Theresia und künftige Ehefrau von Ludwig XVI. in Frankreich nicht willkommen war. Ihr Leben in Überfluss und Luxus, aber auch ihr Wirken als Wohltäterin sind (eher kaum bekannt).

Henriette Campan ist gegenüber Marie Antoinette natürlich loyal, sieht sie aber auch in manchen Situationen sehr kritisch. Sie fügt das Puzzle zusammen, wie aus wahren Begebenheiten in Versailles und Gerüchten, die in Paris kursierten, ein Bild der Königin entstand, das nicht mehr aus den Köpfen der Menschen zu bringen war. Zum Beispiel die Halsband-Affaire: diese schadete Marie Antoinette sehr, obwohl sie hier unschuldig in einen Betrug hineingezogen wurde, der in der Bevölkerung nicht geglaubt wurde.

Dem Autor gelingt es unglaublich gut, meist zu Beginn der Kapitel, erklärend die jeweiligen Situationen, eingebettet in ihre Zeit, zu beschreiben und zu erklären, dabei überlässt er Henriette Campan das Wort. Relevante Hinweise finden sich in den Fußnoten.

Ganz einfach war es nicht immer, die einzelnen Protagonist*innen und ihre Ämter sowie Stellungen innerhalb der Gesellschaft in Versailles auseinander zu halten. Das hat jedoch der Geschichte insgesamt keinen Abbruch getan.

Schritt für Schritt erleben wir als Leser*innen mit, wie die französische Monarchin auf ihr Unglück bzw die Guillotine zusteuert. Während des Lesens hofft man, trotz besseren Wissens, dass sich das noch anders ausgeht, so fesselnd beschrieben sind die gesamten Aufzeichnungen.

Ganz große Empfehlung!

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