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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:

Mehr als ein kurioses Fotomotiv

Ich bleibe hier von Marco Balzano

Mitten aus dem Reschensee ragt ein Kirchturm – heute ein Wahrzeichen und vor allem ein kurioses Fotomotiv.

Marco Balzano erzählt die Geschichte die dahinter steckt, indem er die Geschichte von Trina und ihrer Familie erzählt: sie erleben erst den italienischen Faschismus und dann anschließend sofort den Nationalsozialismus.

Auch in Südtirol dunkle Zeiten, die Widerstand erfordern.

Später dann will ein Energiekonzern mit der Anlage eines Stausees die Ortschaften Graun und Reschen überfluten und wieder müssen sie sich die Menschen im Vinschgau wehren. Trotz aller Gegenwehr wird das Staudammprojekt realisiert und damit verlieren viele Familien ihre Heimat.

Balzano versteht es hervorragend, die Emotionen und Gedanken seiner Protagonisten zu beschreiben und die zahlreichen Tragödien aus der Perspektive einzelner Menschen darzustellen, ihren Überlebenskampf zwischen gnadenlosen politischen und wirtschaftlichen Interessen.
Er erzählt eine berührende Geschichte über Heimatgefühl und Entwurzelung, über Leid, Verlust, aber auch über Mut, Kampf und Widerstandsgeist.

Ein wunderbares Buch, das den Blick auf den Kirchturm im Reschensee auf immer verändert.

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Ein spannender Ausflug in eine längst vergangene Zeit

Die Kinder von Nebra von Ulf Schiewe

In seinem neuesten Roman entführt Ulf Schiewe den Leser in die Bronzezeit, genauer gesagt in die Zeit der Aunjetitzer-Kultur (ung 2000 v.Chr).

Ich muss zugeben, dass ich nur sehr lückenhafte Erinnerungen an den Schulunterricht diesbezüglich habe und ein völlig falsches Bild der Epoche hatte. (Und ich bin sicher, dass es nicht nur mir so geht!)
So wusste ich nicht, dass es damals in Mitteldeutschland einen organisierten Staat gab, ausgedehnte Handelsbeziehungen, organisierte Armeen mit kunstvoll gefertigten Kupfer- und Bronzewaffen.

Ebenso wurden bereits große Kultstätten und monumentale Fürstengräber errichtet. Unglücklicherweise gibt es aber keine schriftlichen Aufzeichnungen aus der Bronzezeit.

Die Erkenntnisse über die Menschen und ihre Kultur verdanken wir der detektivischen Arbeit von Archäologen. Der Autor erklärt all dies noch genauer in einem überaus spannenden und informativen Nachwort.

Im Mittelpunkt des Romans steht die Himmelsscheibe von Nebra, die als einer der bedeutendsten Funde aus dieser Zeit gilt. Um ihre mögliche Entstehung und Bedeutung herum, hat Ulf Schiewe einen Roman entwickelt, in dem wissenschaftlich fundierte Daten mit fiktiven Personen und Ereignissen kombiniert werden. Neben den detailreichen Schilderungen des alltäglichen Lebens, erzählt er die spannende Geschichte von Rana und ihrer Familie. Es geht um Gewaltherrschaft und Aufstand, um Unterdrückung, Kampf für Gerechtigkeit, um Neid, Gier und natürlich auch um Liebe und Menschlichkeit.

All diese Elemente und natürlich der bekannt fesselnde Stil des Autors garantieren spannende und informative Lesestunden!

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Ein Heimatroman der besonderen Art

Vom Land von Dominik Barta

Dominik Barta schildert das Leben einer Familie in dem kleinen oberösterreichischen Ort Pielitz. Wenn man jedoch eine ländliche Idylle erwartet, wird man enttäuscht: auf knapp 164 Seiten erzählt von Sprachlosigkeit und Ausweglosigkeit, von zerbrechenden Ehen, prügelnden Männern, betrügenden Frauen und Männern, rechtspopulistischer Hetze, aufgestochenen Reifen, von Angst und Entfremdung, aber glücklicherweise gibt es auch ein paar Hoffnungsschimmer in Form von Freundschaft und Mut.

So viele Themen für so wenige Seiten!

Der Autor zeichnet ein beklemmendes Bild einer Gesellschaft, in der starre Strukturen das Leben des einzelnen bestimmen und wo soziale Kontrolle allgegenwärtig ist, so dass Ausbruch oder Flucht fast unmöglich scheint. Eine sehr spannende Geschichte, auch wenn die Charakterisierungen der einzelnen Personen manchmal zweidimensional bleiben. Der minimalistische, aber klare und präzise Schreibstil macht die düstere Atmosphäre der unaufhaltsamen Auflösung greifbar.

Ein kleines Buch, das ich schnell gelesen habe, das aber lange nachwirkt. Eine aufwühlende Geschichte toll erzählt – wirklich empfehlenswert!

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Für die Wahrheit und das Recht auf Gedenken

Rote Kreuze von Sasha Filipenko

Sasha Filipenko erzählt die Geschichten von zwei Menschen, die sehr unterschiedlich sind und deren Kontakt nur zufällig entsteht, weil sie Nachbarn sind. Alexander ist nach einem grausamen Schicksalsschlag, mit seiner kleinen Tochter nach Minsk gezogen und trifft auf Tatjana, die 90ig jährige Nachbarin, die an Alzheimer erkrankt ist.

„Weil Gott Angst hat vor mir. Zu viele unbequeme Fragen kommen da auf ihn zu“ (Seite 11)

Tatjanas Lebensgeschichte ist ein Stück russische Zeitgeschichte. Sie hat den 2. Weltkrieg und die unglaublichen Schrecken des Stalinregimes überlebt. Diese Zeit und ihre Folgen haben ihr ganzes Leben geprägt. Tatjana steht stellvertretend für zahlreiche Menschen. So werden historische Daten zu berührenden Schicksalen, die noch lange zum Nachdenken anregen.

In einem Interview, das auf den letzten Seiten des Buches abgedruckt ist, erklärt Filipenko, dass „der Staat alles tut, damit die Menschen die Grausamkeiten des Sowjetregimes vergessen, und unsere Aufgabe ist es, das nicht zuzulassen“.

Es ist eine spannende und erschütternde Geschichte - großartig geschrieben bzw übertragen. So wird Literatur zu einem wichtigen Plädoyer gegen das Vergessen.
Absolut lesenswert.

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Pseudointellektuelles Geschwurbel

Rate, wer zum Essen bleibt von Philipp Tingler

Ein Roman, der von der Kritik als umwerfend rasant und komisch hochgelobt wird.

Natürlich hat mich das neugierig gemacht. Umso größer war dann allerdings die Enttäuschung.

Im Endeffekt war es nur pseudointellektuelles Geschwurbel, das auf 50 Seiten amüsant sein kann, nach 100 Seiten fade wird und spätestens ab 150 Seiten nur mehr mühsam ist.

Es sind allerdings 207 unendlich lange und ermüdende Seiten. Was als Kurzgeschichte oder Theaterstück witzig sein kann, muss nicht zwingend als Roman funktionieren.

Es mag zwar doppelbödig sein und eventuell auch entlarvend, vielleicht steckt tatsächlich irgendein tieferer Sinn darin, aber der hat sich mir nicht erschlossen, weil ich ab der Hälfte schon genervt war von dem hohlen Geschwätz.

Fazit: „ Betonschicht drüber und was essen“ (S 201)

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Sarajevo, Juni 1914

Der Attentäter von Schiewe Ulf

Ein Thriller, der das Attentat von Sarajevo zum Thema hat? Jeder weiß doch, was damals geschah! Kann man aus einem derart bekannten Stoff überhaupt einen Thriller schreiben?

Ulf Schiewe hat es geschafft.

Er erzählt die Geschichte der letzten Tage vor dem Attentat in einer Art Countdown bis zum tragischen Höhepunkt.

Dabei vermischt er Fakten mit fiktiven Elementen, denn einige wenige der Hauptfiguren sind erfunden, aber sie passen perfekt ins Bild, das von jenen Tagen gezeichnet wird. Dabei verfälschen sie die Geschichte keineswegs, denn ansonsten hält sich der Autor akribisch genau an die geschichtlichen Vorgaben. So lernt der Leser einen Thronfolger kennen, der einerseits arrogant und herrisch auftritt, andererseits aber ein liebevoller Familienmensch ist. Und es wird klar, dass der Thronfolger keineswegs begeistert war von der Idee eines Krieges, dass er die Kriegstreiberei jener Tage strikt ablehnte. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet sein Tod dann zu so einem grausamen Krieg führte.

Aber auch die Attentäter werden überaus menschlich dargestellt: sie sind nicht nur verblendete Fanatiker, die sich als Helden des serbischen Unabhängigkeitskampfes sehen, sondern auch verwirrte, lebenshungrige, junge Männer, die aber schwer krank sind und sich deshalb für die serbische Freiheit opfern wollen. Es ist diese sehr differenziert menschliche Darstellung der Personen, die den Leser auch emotional fesselt.

Wichtig für die durchgehend hohe Spannung sind die Geschichten rund um die fiktiven Personen Markovic und Simon. Sie gehören dem Geheimdienst an und sind die einzigen, die die Warnungen vor einem Attentat ernst nehmen und sich auf die Suche nach den Tätern machen. In Wirklichkeit hat damals niemand die wenigen Warnungen tatsächlich ernst genommen. Die Sicherheitsvorkehrungen blieben nachlässig und chaotisch, so dass das Attentat fast passieren musste.

Der Stil des Autors ist sehr angenehm zu lesen: rasche Szenenwechsel, verschiedene Perspektiven und sehr detailgetreue Beschreibungen haben mich von der ersten Seite an begeistert. Die Erzählweise ist distanziert und objektiv, der Leser kann sich selbst ein Urteil über die einzelnen Personen bilden.
Der Autor erzählt eine bekannte Geschichte atmosphärisch dicht, psychologisch schlüssig, sehr spannend und gleichzeitig auch informativ – besser geht es eigentlich nicht!

Dieser historische Thriller gehört zu meinen Highlights des Jahres!

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Kinderlandverschleppung

Der Kinderzug von Küpper Michaela


Am 27.09.1940 wurde auf Führerbefehl Hitlers hin die KLV, die sog. Kinderlandverschickung angeordnet. Was Baldur von Schirach als „Revolution der Erziehung“ nannte und von der NSDAP als humanitäre Großtat gelobt wurde, hatte nicht nur zum Ziel, die Kinder vor Luftangriffen zu schützen, sondern vor allem, sie völlig unter den Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie zu stellen.

In den Jahren 1940 bis 1945 wurden so mehr als 2 Millionen Mädchen und Jungen von ihren Familien getrennt in verschiedenste KLV-Lager geschickt. Die Leitung dieser Lager wurde meist einer Lehrkraft aus der Heimat übertragen. Diese waren dann oft für Wochen, Monate und manchmal Jahre für das Wohl der Kinder verantwortlich.

Das ist der geschichtliche Hintergrund für Michaela Küppers neuen Roman. Wir begleiten die junge Lehrerin Barbara und ihre Gruppe von Mädchen auf ihrer 819 Tage dauernden Odyssee quer durch das Deutsche Reich. War das erste Lager noch sehr angenehm, so verschlechtern sich die Zustände mit Fortdauer des Krieges drastisch. Hunger, Not, Kälte und niemand, der sich für diese Gruppe zuständig fühlt. Sie werden völlig alleine gelassen. Der Krieg rückt spürbar näher, sie erleben Zerstörung, Bomben und Flucht.

Der Stil der Autorin ist angenehm nüchtern - die Erlebnisse sind ja an sich schon dramatisch genug. Die gute Recherche der Autorin merkt man aber auch in vielen Kleinigkeiten, die den Alltag beschreiben - zum Beispiel bereits vorgedruckte Karten, die verschickt werden konnten oder auch wie allgegenwärtig der Führer war.
Michaela Küpper beschreibt die Ereignisse aus den verschiedensten Blickwinkeln – Barbara, Gisela, die kleine Edith und Karl kommen abwechselnd zu Wort. Auch bei den Kindern bzw Jugendlichen werden unterschiedlichen Standpunkte klar: während einige unter dem Heimweh leiden, eigentlich nur ihr normales Leben wiederhaben wollen, sind andere vom Drill der HJ geprägt, systemtreu und von der Ideologie begeistert. Es sind fiktive Figuren, aber sie stehen für zahlreiche Kinder, die tatsächlich unter schrecklichen Bedingungen und von ihren Familien getrennt aufwachsen mussten.
Fazit: eine berührende Geschichte über ein Thema, das nur selten zur Sprache kommt.
Empfehlenswert – nicht nur für Geschichtsinteressierte

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Ein literarisches Puzzle über Alltags- und Ausnahmesituationen

Der Sprung von Simone Lappert

Eine junge Frau steht auf einem Dach und weigert sich herunterzukommen. Sie springt. Damit habe ich jetzt keineswegs viel verraten, denn dieser Sprung wird bereits auf den ersten zwei Seiten in irritierend schöner Weise beschrieben.

Die Frau auf dem Dach nennt sich Manu. Einen Tag und eine Nacht lang hält sie ihre Umgebung in Atem.

Aber es wird nicht nur ihre Geschichte erzählt, sondern vor allem die Geschichten jener Menschen, die aus irgendeinem zufälligen Grund anwesend sind und somit Zeugen dieses Sprungs werden.

Die Autorin lässt die einzelnen Personen in kurzen Episoden ihre Schicksale erzählen. Ein Polizist, der schon lange alle Illusionen verloren hat, Maren, eine übergewichtige Schneiderin, deren Beziehung einst glücklich war, jetzt aber von Kälte und Fremdheit geprägt ist. Winnie, eine Schülerin, die gemobbt wird oder Finn, der schrecklich in Manu verliebt ist. Henry, der Obdachlose oder Theres, die mit ihrem Mann gegen die geschäftliche Pleite arbeitet. Ein arroganter Modedesigner, dessen Figur mir übrigens anfangs etwas konstruiert erschien ist auch mit dabei. Aber eigentlich: Typen, die nur sich selber wichtig nehmen können, gibt es doch überall. Eine abwechslungsreiche Mischung von Charakteren und Schicksalen!

Was zu Beginn willkürlich und unzusammenhängend erscheint, verdichtet sich im Laufe der Geschichte zu einer detailreichen Beschreibung der sehr alltäglichen Welt einer Kleinstadt. Die individuellen Abgründe werden erst nach und nach sichtbar und nur für einen kurzen Moment sieht der Leser die Seelen, nicht nur die Fassaden. Für kurze Zeit reißt Manu sie aus ihrem Alltag.

Das Buch hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen – ich wollte es nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm leicht und nüchtern, aber gleichzeitig auch fast poetisch. Die Geschichte selbst wird spannend erzählt, ist vielschichtig, manchmal überraschend. Sie regt zum Nachdenken an und das nicht nur, weil sie auch gesellschaftskritische Momente beinhaltet.

Die Geschichte hätte gerne noch etwas länger sein dürfen, denn es war auf alle Fälle ein Vergnügen, sie zu lesen!

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Historische Realität

Der Sprung von Simone Lappert

Rebecca Michéles neuester Roman hat ein grausames und gerne vergessenes Kapitel katholischer Kirchengeschichte in Irland zum Thema: Magdalenen-Wäschereien. Katholische Besserungsanstalten für „gefallene Frauen“. Die Realität? Harte Arbeit, Hunger, Schläge, grausame Strafen, physische und psychische Folter wie auch Vergewaltigung durch Priester waren an der Tagesordnung.

Tatsache ist, dass es solche Wäschereien von ung 1830 bis 1996 tatsächlich gab! Es waren allgemein anerkannte soziale Einrichtungen und die Vorgänge in den Heimen kamen nur selten ans Tageslicht. Die Rolle der katholischen Kirche durfte nicht in Frage gestellt werden.

Die Autorin erzählt die Geschichte von drei jungen Frauen, die sich in einer Magdalenen Wäscherei in Dublin kennenlernen, dort glücklicherweise fliehen können und sich dann noch am irischen Freiheitskampf beteiligen.

Es ist ein schonungsloser und oft wirklich schwer erträglicher Bericht über die Vorgänge in diesen Klöstern. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Autorin zwar die drei Frauen erfunden hat, aber keineswegs ihre Erlebnisse. Diese basieren auf gut recherchierten Tatsachen, die einen fassungslos zurücklassen. Eine Aufarbeitung dieses grausamen Kapitels katholischer Geschichte beginnt nur sehr zögerlich. Auch deshalb ist es positiv, dass durch dieses Buch, die Magdalen Laundries einer größeren Öffentlichkeit bekannt werden.

Rebecca Michéles Stil ist flüssig, gut lesbar, die einzelnen Charaktere lebendig und glaubwürdig gezeichnet. Ein Buch, das man nur schwer aus der Hand legt.

Warum also nicht die volle Punktzahl? Ungefähr 80% sind wirklich lesenswert. Das Ende passt allerdings meiner Ansicht nach überhaupt nicht zum Buch. Dies weiter auszuführen wäre ein ganz gemeiner Spoiler. Nur noch soviel: in der Leserunde war ich die einzige, die das so empfunden hat.

Jetzt – knapp eine Woche nach Beenden der Lektüre – hab ich das unpassende Ende bereits wieder verdrängt und übrig bleibt das Wissen um die Magdalen Laundries, um die „Maggies“, die es zweifelsohne verdienen, dass ihre Schicksale endlich bekannt werden!

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Spannender historischer Krimi

Der dunkle Bote von Beer Alex

Der dritte Fall für August Emmerich und seinen Assistenten Ferdinand Winter. Diesmal werden sie mit mehreren grotesk inszenierten Leichen konfrontiert. Es gilt einen Serientäter zu stellen. Außerdem müssen sie ihre Position innerhalb der Abteilung „Leib und Leben“ festigen und Emmerichs private Probleme warten auch noch auf eine Lösung, denn Luise und die Kinder sind nach wie vor in der Gewalt von Xaver Koch.

Die Suche nach ihnen ist beschwerlich, aber Emmerich gibt natürlich nicht auf.

Alex Beer hat wieder einen großartig spannenden Krimi geschaffen. Sogar mehr als das! Sie zeichnet ein authentisches Bild des Lebens im Jahre 1920, wo Armut, Hunger herrschten, Bandenkriminalität und Schwarzmärkte den Alltag prägten. Politische Strömungen der Zeit werden ebenso thematisiert wie der steigende Hass gegen Juden.

In diesem düsteren und hoffnungslosen Wien lässt die Autorin die beiden Kommissare bekannt einfallsreich, unkonventionell und respektlos ermitteln. Überraschende Wendungen halten den Spannungsbogen hoch. Immer wenn ich dachte, den Täter identifiziert zu haben, musste ich erkennen, dass ich mich nur wieder auf eine falsche Spur habe locken lassen. Der Schluss ist überraschend, logisch und passend gelöst!

Besonders gut gefallen hat mir natürlich wieder die Sprache. Genau das richtige Maß an Dialektausdrücken lässt die Atmosphäre noch lebendiger werden, zeigt auch immer wieder den Wiener Schmäh, der in diesen schrecklichen Zeiten überlebensnotwendig war.

Fazit: ein starker Krimi – für mich sicher einer der besten der letzten Jahre! Glücklicherweise lässt das Ende auf eine Fortsetzung hoffen! Wirklich empfehlenswert!

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