Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:
Emmerich und Winter ermitteln wieder!
Die rote Frau von Beer Alex
Wien, März 1920. Der Krieg ist zu Ende, die Monarchie Vergangenheit und Österreich ist eine junge, instabile Republik, in der verschiedenste politische Kräfte um die Macht kämpfen. Das Leben der Menschen ist gekennzeichnet von bitterer Armut, hoher Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, unzureichender medizinischer Versorgung und Hunger.
Der Krieg wurde überlebt – aber dieses Überleben war für viele Menschen nur Kampf, Demütigung und Sorge.
Vor diesem Hintergrund ermitteln Rayonsinspektor August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter. Die beiden könnten nicht gegensätzlicher sein: Emmerich wuchs in einem Waisenhaus auf, hat bereits von Kind an Elend und Not kennengelernt. Im Krieg schwer verwundet, bereitet ihm diese Verletzung nach wie vor immer wieder Schmerzen und auch sein Privatleben erscheint nach der Trennung von seiner Geliebten hoffnungslos. Er ist draufgängerisch, ehrlich und hat eine sehr differenzierte Ansicht von Recht und Gerechtigkeit.
Winter hingegen stammt aus einer adeligen Familie, die zwar verarmt ist, aber trotzdem noch gesicherte Verhältnisse bietet. Er lebt mit seiner Großmutter in einem Haus, während Emmerich in einem Männerlogierheim schläft. Winter ist klug, vorsichtig, zurückhaltend, wohlerzogen und seinem Vorgesetzten gegenüber unbedingt loyal. Aber gerade durch diese Gegensätzlichkeit ergänzen die beiden einander perfekt und bilden ein außergewöhnliches Ermittlerduo mit zahlreichen Ecken und Kanten.
Binnen kurzer Zeit ereignen sich in Wien zwei grausame Morde: der Stadtrat Fürst und Frau Abele werden ermordet – beides hochangesehene Bürger, allseits beliebte und geachtete Wohltäter. Die Polizei findet rasch einen Täter, der ist allerdings unschuldig. Emmerich und Winter kommen nur über Umwege zu diesen Ermittlungen. Sie sind in der Abteilung „Leib und Leben“ nicht gut angesehen und außerdem sind sie die einzigen, die von der Unschuld des Inhaftierten überzeugt sind. Folglich müssen ihre Untersuchungen im Geheimen stattfinden. Und diese Ermittlungen führen sie in Bordelle und Bäder, illegale Wettlokale, wo Kämpfe stattfinden (und Emmerich sicher den seltsamsten Kuss seines Lebens erlebt), in den Wiener Untergrund ebenso wie in höchste gesellschaftliche Kreise oder in die Welt der Filme und Stars.
Emmerich und Winter arbeiten bei ihrer Suche nach der Wahrheit konsequent, manchmal mit recht hohem persönlichen Einsatz, immer unkonventionell und oft genug am Rande der Legalität. Soviel darf hier verraten werden: sie lösen den Fall extrem einfallsreich, dramatsich und spektakulär – ganz großes Kino mit einem sehr realen Ende!
Alex Beer ist hier eine großartige Mischung gelungen. Einerseits gefällt mir die logisch konstruierte Kriminalgeschichte - extrem spannend und außerdem hat sie mich gleich mehrmals in die Irre geführt. Andererseits ist dieser Krimi auch sehr interessant, weil ich ganz nebenbei vieles über die damalige Zeit, die historisch wichtigen Ereignisse, ebenso wie über die Lebensumstände der Menschen erfahren konnte. Die Atmosphäre der Stadt ,die irgendwie eine heimliche Hauptrolle spielt, wird lebendig vermittelt – auch weil die Autorin ihre Protagonisten immer wieder in gemäßigtem Dialekt sprechen lässt. Cornelius Obonya hat dies in der Hörbuchversion übrigens genial umgesetzt!
Egal ob Buch oder Hörbuch - es ist ein spannender Kriminalroman mit viel historisch interessanten Details und sympathischen Protagonisten, die hoffentlich bald wieder ermitteln werden!
Großartiges Lesevergnügen!
Moderner Sklavenhandel
Dunkelkinder von Nora Luttmer
Laut der britischen Tageszeitung The Guardian leben in Großbritannien schätzungsweise dreitausend (!) vietnamesische Kinder und Jugendliche unter sklavenähnlichen Bedingungen. Sie arbeiten unbezahlt, werden eingesperrt, misshandelt und von der Außenwelt isoliert, sie leben hilf- und hoffnungslos.
Die Hamburger Journalistin und Autorin Nora Luttmer nahm diesen Artikel zum Anlass, sich intensiver mit den Themen Menschenhandel und Geisterkinder aus Vietnam zu beschäftigen. Der Thriller „Dunkelkinder“ ist nun ein Resultat dieser Recherchen.
Schauplatz der Handlung ist Hamburg, denn die Vermutung liegt nahe, dass diese moderne Art der Sklaverei in ganz Europa existiert.
Die Kommissarin Mia Paulsen ermittelt in einem Fall von toten vietnamesischen Kind, dessen Identität zwei Jahre lang ungeklärt blieb. Eher zufällig findet sie noch zwei Ermordete und beginnt mit Ermittlungen ohne zu ahnen, welch machtvoller Gegner sie damit bekommt.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus immer wieder wechselnden Perspektiven. Die einzelnen Protagonisten kommen zu Wort, wodurch die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite spannend bleibt und der Leser die Möglichkeit hat, ein klein wenig hinter die einzelnen Fassaden zu blicken. Denn nicht nur die Sicht der Opfer oder der Kommissare wird geschildert, auch die Täter kommen zu Wort. Außerdem erfährt der Leser auch Einzelheiten über Mias Privatleben, ihre konfliktgeladene Beziehung zu ihrem aktuellen Vorgesetzten und über einige dubiose Vorkommnisse in dessen Vergangenheit.
Alles zusammen ergibt einen temporeichen Thriller mit einem realistischen Ende: es werden nicht alle Fragen geklärt, manche Handlungsstränge bleiben offen.
Folglich: ich freue mich auf eine Fortsetzung!
Vatertage
Dunkelkinder von Nora Luttmer
Wie reagiert man auf eine Aufforderung des Sozialamtes, knapp 700 Euro monatlich für die Pflege eines Vaters zu bezahlen, den man nur drei Mal kurz gesehen hat, mit dem man nie gesprochen hat und der einem eigentlich auch nicht gefehlt hat? Moralisch oder menschlich gesehen ist so eine Aufforderung hart und unfair, juristisch allerdings völlig korrekt.
Auf alle Fälle bringt diese Mittelung das ursprünglich recht beschauliche Leben von Simon Havlicek gründlich durcheinander. Neben der enormen finanziellen Belastung ist auch die emotionale Herausforderung nicht zu unterschätzen: wie soll man mit einem komatösen Vater umgehen? Macht es Sinn, „Kontakt“ oder „Beziehung“ zu suchen? Und wie soll man mit Geschwistern umgehen, von deren Existenz man bis jetzt überhaupt keine Ahnung hatte?
Das ist auch für einen ruhigen und überlegten Menschen wie Simon schon ein bisschen viel auf einmal. Dazu kommt noch seine tatkräftige Mutter, die ihre Meinung dazu in wenigen Worten klar zusammenfasst: „Ich bringe ihn um!“
Simon meistert diese Schwierigkeiten mit Hilfe von seiner großartigen Frau Anke, seiner Mutter Jarmila und deren Lebensgefährten Janko. Aber auch sein Freund Hotte, der schon in „Dicke Freunde“ an seiner Seite war, unterstützt ihn nach Kräften. Die beiden bilden übrigens ein so charmantes, liebenswertes und chaotisches Duo, dass ich diesen ersten Band unbedingt noch lesen muss!
In einem zweiten Erzählstrang wird die Geschichte von Simons Mutter, erzählt. Auch ihre Geschichte ist tragisch und spannend gleichzeitig.
Eigentlich sind es ja sehr ernste Themen, die hier angesprochen werden: Krankheit und Lebensqualität, Sterbehilfe, Pflegeheime und Pflegekosten aber auch Bedeutung von Vaterschaft und Familie. Aber Stephan Bartels schreibt leicht und unterhaltsam, versteckt ganz nebenbei buchfremde Kriminalkommissare und hat somit eine Geschichte mit zahlreichen humorvollen und warmherzigen Charakteren geschaffen, die ich gleich ins Herz geschlossen habe. Wortwitz und Situationskomik lockern auf, ohne die Geschichte dabei zu verblödeln.
Wegen des Covers und der Art, wie das Buch beworben wurde, habe ich mit einer lustigen und – ich gebe es zu – seichten Geschichte gerechnet! Glücklicherweise habe ich es trotzdem gelesen, denn es ist gute Unterhaltung mit Herz und Hirn! Empfehlenswert!
Chance vertan
Die Geschichte des Wassers von Maja Lunde
Maja Lunde, die Autorin des Bestsellers „Die Geschichte der Bienen“ hat hier ihren zweiten Teil des geplanten literarischen Klima-Quartetts vorgelegt. Ich kenne den ersten Teil nicht und war deshalb extrem neugierig auf dieses Buch. Wasser/Umgang mit Ressourcen ist Thema unserer Zeit, mit unserem Verhalten diesbezüglich prägen unsere Zukunft und die der nachfolgenden Generationen.
Ein wichtiges Thema also.
„Die Geschichte des Wassers“ wird auf zwei Zeitebenen erzählt:
Einerseits lernen wir Signe im Jahr 2017 kennen. Sie ist eine mittlerweile 70jährige Umweltaktivistin, die gegen den dekadenten Verkauf von Gletschereis in reiche arabische Staaten kämpft. Mit recht unkonventionellen Mittel: sie befördert einige Kisten mit Gletschereis mit auf ihr Boot, um es dem Mann zu bringen, der mitverantwortlich für dieses irrsinnige Projekt ist. Die Fahrt ist lang und anstrengend und gedanklich eine Reise in ihre eigene Vergangenheit.
Andererseits wird die Geschichte von David und Lou erzählt. Klimaflüchtlinge des Jahres 2041. Ihr Leben auf der Flucht, ihr Leben im Lager, ihre Verluste. Sie finden das Boot, das einst Signe gehörte und planen, es wieder zu beleben. Das Ende ist offen, ein wenig versöhnlich, ohne jedoch wirklich optimistisch sein zu können.
Soweit zum Inhalt.
Die Sprache der Autorin bzw die Übersetzung ist sehr schön – ruhig und unaufgeregt, aber mit zum Teil grausamer Genauigkeit wird erzählt. Die einzelnen Protagonisten blieben mir jedoch fremd, viele ihrer Handlungen konnte ich nicht nachvollziehen.
Die Geschichte selbst regt zwar zwischendurch immer wieder zum Nachdenken an, aber die Umsetzung dieser Thematik finde ich nicht gelungen. Es mag schon sein, dass die Schilderung der persönlichen Schicksale die Problematik fassbarer macht, aber das völlige Fehlen von fachlicher Information oder kritischer Auseinandersetzung, reduziert das Buch auf Beziehungsgeschichten in einer gruseligen Umwelt. Eine Dystopie ohne viel Vorgeschichte.
Wer sich also (wie ich) fachliche Informationen im Rahmen eines spannenden Romans erhofft, der wird sicher enttäuscht sein. Literatur kann in vielen Fällen ein guter Mittler von wichtigen Themen sein. Ich fürchte, hier wurde diesbezüglich eine Chance vertan.
Am Schluss ist alles anders
So bitter die Rache von Berg Eric
Ellen ist gerade 42 Jahre alt, frisch getrennt von ihrem Ehemann, einem Diplomaten und versucht in Vineta, einer ruhigen Siedlung in Heiligendamm für sich und ihren Sohn Tristan ein neues Leben aufzubauen. Eher zufällig erfährt sie, dass ausgerechnet in ihrem Haus vor 6 Jahren drei Menschen ermordet wurden.
Das schreckt sie nicht ab, denn sie möchte alles tun, damit dieses Haus für sie und ihren Sohn ein „Glückshaus“ wird. Als dann aber einige beunruhigende Dinge geschehen, kann sie nicht umhin, sich auch für die Vergangenheit zu interessieren.
Eric Berg erzählt zwei Zeitebenen der Ereignisse: Einerseits wird die Geschichte Ellens im Jahr 2016 erzählt, ihre Versuche hier heimisch zu werden und ihrem Sohn ein stabiles Heim und Sicherheit zu geben.
Andererseits erfährt der Leser von den Ereignissen aus dem Jahre 2010, vom Erbauer der Siedlung Vineta, der hier sein Ideal von „Großfamilie“ realisieren wollte und von den Schicksalen der einzelnen, gut ausgewählten Familien. Was als Idylle geplant war, gerät außer Kontrolle und verwandelt sich in ein Geflecht von Lügen und Falschheit, gipfelt schließlich in den drei Morden.
Intelligent und abwechslungsreich wird von den dramatischen Entwicklungen in der Siedlung erzählt, aber auch von den teilweise dramatischen Schicksalen der einzelnen Charaktere, die hier aufeinander treffen. Der Autor versteht es, die Protagonisten facettenreich und psychologisch stimmig darzustellen.
Seine ruhige Sprache lässt sie alle lebendig werden – mit Ecken, Kanten und allen erdenklichen Abgründen hinter ihren wohlgeordneten Fassaden. Die Bösen sind nicht nur böse, die Guten nicht nur gut. Sehr menschlich also!
Eric Berg wechselt rasch zwischen 2010 und 2016, so dass die Spannung von den ersten Seiten an aufgebaut wird und über immerhin 416 Seiten durchgehend auf hohem Niveau gehalten wird. Von Anfang an habe ich mitgeraten und gerätselt. Einige überraschende Wendungen haben meine eigenen Überlegungen zu Opfern und Täter mehrmals über den Haufen geworfen. Die Auflösung am Schluss war völlig unerwartet, aber glücklicherweise logisch und hat alle offenen Fragen beantwortet.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es war mein erstes Buch dieses Autors, aber sicher nicht das letzte!
Fazit: eine intelligent konstruierte Geschichte spannend erzählt! Wirklich lesenswert!
Über das Anhalten der Zeit
Herr Jakob träumt von A.S. Dowidat
Hr. Jakob ist ein Mann Mitte 50, von Beruf Bibliothekar ohne große Karriereambitionen, geschieden, mit seltenen, aber konfliktreichen Kontakten zu Exfrau und Töchtern. Er ist von der Schnelllebigkeit und dem Alltagsstress restlos überfordert und genervt. Folglich zieht er sich immer mehr zurück bis seine andauernde Müdigkeit zu einem Winterschlaf wird.
Die reale Welt und die Traumwelt des Hr. Jakob verschmelzen im Laufe der Geschichte immer mehr und sind manchmal nur schwer zu unterscheiden. Man muss sich auf diesen ständigen Wechsel einlassen können – auf philosophische Hühner, seltsame Privatdetektive und schrecklich schnelle Putzfrauen.
Die Autorin A.S. Dowidat versteht es, durch ihre ruhigen, unaufdringliche und leicht distanzierte Art, Hr. Jakobs Geschichte zu erzählen, eine tiefe Sehnsucht nach Langsamkeit und Achtsamkeit zu vermitteln. Kann sich nicht jeder in gewisser Weise mit Hr. Jakob identifizieren?
„Hr. Jakobs träumt“ ist eine märchenhafte Darstellung des Bedürfnisses nach dem „Anhalten“ einer viel zu schnellen und hektischen Welt. Das Lesen war ein bemerkenswertes Erlebnis für mich: ich vermute, dass ich noch nie ein Buch so langsam gelesen habe. Schon das Lesen wirkte entschleunigend und damit hat dieses kluge Buch einen fixen Platz in meiner Bücherapotheke bekommen! Also Vorsorge für stressigere Zeiten!
Tulpenfieber und Mörderjagd
Tulpengold von Völler Eva
Amsterdam, 1636: Das Tulpenfieber grassiert. Spekulationen führen dazu, dass der Wert von Tulpenzwiebeln ins Unermessliche steigt. Viele Menschen verschulden sich um von dieser Manie zu profitieren. Und dann platzt diese sonderbare Blase und lässt zahlreiche Menschen finanziell ruiniert zurück. Es ist keine Fiktion, es ist die erste gut dokumentierte Spekulationsblase der Geschichte und bildet den Hintergrund für Eva Völlers neuesten Roman.
In dieser Zeit lebt aber auch Rembrandt van Rijn (der selbst auch mit Tulpenzwiebeln spekuliert hat), malt fieberhaft an großen Werken, die die Jahrhunderte überdauerten sollten, führt gleichzeitig seine Werkstatt und bildet mit strenger Hand mehrere Lehrlinge aus.
Einer dieser Lehrlinge ist Pieter van Winkel, der extrem sympathische Protagonist dieser Geschichte. Er ist ein besonderer Mensch, heute würde man wahrscheinlich ein Asperger Syndrom diagnostizieren. Zu Rembrandts Zeiten war er nur ein sonderbarer Zeitgenosse mit zahlreichen Begabungen: neben einem phänomenalen Gedächtnis, zeichnet ihn ein besonderes Talent zur Malerei und die Liebe zur Mathematik aus. Seine Mitmenschen sind für ihn jedoch oft recht rätselhaft. Er erklärt sich seine Umwelt mittels mathematischer Logik.
Mehrere Morde, die in unmittelbarer Umgebung von Rembrandt geschehen, wecken sein Interesse und er begibt sich auf Mördersuche ganz so wie es seinem Naturell entspricht – mittels Logik und Wahrscheinlichkeitsrechungen.
Aber nicht nur Malerei und Mathematik bestimmen sein Leben. Anneke und Mareikje lassen ihn erkennen, dass nicht alles immer so einfach berechenbar ist.
Eva Völler ist hier eine großartige Mischung gelungen: ein historischer Roman, der gleichzeitig ein fesselnder Krimi ist. Somit ist die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite spannend und informativ. Dazu kommt noch die liebevolle Darstellung der einzelnen Personen, allen voran natürlich Pieter, die mir wirklich gut gefallen hat. Sie wachsen einem sofort ans Herz und man muss einfach weiterlesen.
Detailreiche Beschreibungen vermitteln ein gutes Bild der Zeit. Die Geschichte ist logisch aufgebaut und endet trotzdem mit einer Überraschung!
Wirklich gut hat mir aber auch gefallen, dass die Autorin in einem kurzen Nachwort noch über ihre persönlichen Gründe für dieses Buch geschrieben hat und besonders erwähnenswert ist auch die liebevolle Gestaltung des Covers.
Fazit: ein spannender, informativer und gleichzeitig unterhaltsamer Roman – empfehlenswerter Lesespaß!
Viele Geheimnisse...
One of Us Is Lying von Karen M. McManus
Ein Toter, viele Geheimnisse und viele Verdächtige
5 völlig unterschiedliche Schüler müssen einen Nachmittag gemeinsam mit Nachsitzen verbringen. Simon, der eine Gossip-App betreibt und immer wieder die Geheimnisse seiner Mitschüler bösartig an die Öffentlichkeit zerrt und sich dadurch sicher nicht Freunde macht, Bronwyn, eine ausgezeichnete Schülerin und perfekte Tochter, Addy, eine Schönheit ohne wirkliche Persönlichkeit, Nate, der Außenseiter, der bereits mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist und Cooper, der allseits beliebte Sportler.
Bis zu diesem Nachmittag haben sie wenig miteinander zu tun. Aber jetzt werden ihre Leben grundlegend verändert: während des Nachsitzens bricht Simon zusammen, verstirbt wenig später. Ein allergischer Schock war die Ursache – allerdings: wo war sein eigener EpiPen? Wo waren die Pens der Schule? Wie kommt überhaupt Erdnussöl in einen Wasserbecher?
Rasch geraten die vier ins Visier der Polizei, werden zu Tatverdächtigen und natürlich verändert sich auch das Verhalten der Mitschüler sofort.
Auf den ersten Blick scheinen Bronwyn, Addy, Nate und Cooper allen gängigen Klischees zu entsprechen. Aber im Laufe der Geschichte lernt man sie gut kennen (und lieben). Die Autorin lässt alle vier Protagonisten im Wechsel ihre persönliche Sicht der Ereignisse erzählen. Dadurch entwickeln sie sich zu vielschichtigen Charakteren, die weit mehr sind, als man vorerst annehmen möchte! Dieser ständige Perspektivenwechsel ist nur zu Beginn verwirrend. Mit der Zeit unterscheidet man sie schon an der Ausdrucksweise – wirklich großartig gemacht von der Autorin!
Durch diese genaue Charakterisierung tritt zwischendurch sogar die Mördersuche in den Hintergrund - zu interessant sind die persönlichen Geschichten. Und eines wird schnell klar: jeder von ihnen hat ein schwerwiegendes Geheimnis. Und alle diese Geheimnisse waren dem Mordopfer bekannt.
Ich liebe Geschichten, die nicht vorhersehbar sind, wo man also nicht sofort weiß, wer der Täter ist. Gerade deshalb hat mir dieser Thriller so besonders gut gefallen – weil ich bis zum Schluss ziemlich ahnungslos war.
Karen McManus Stil ist flüssig und locker zu lesen, sie zeichnet detailliert die Entwicklung nach, die die Tatverdächtigen mitmachen und am Schluss überrascht sie den Leser mit der logischen und dramatischen Auflösung eines komplizierten Falles.
Zwar ist es ein Thriller für Jugendliche bzw. junge Erwachsene, aber auch ich (und ich bin schon weit über dieses Alter hinaus) fand die Lektüre interessant und fesselnd. Außerdem hab noch einiges über die komplizierten Lebenswelten von Jugendlichen erfahren.
Ein bemerkenswerter Debütroman, ein tolles Buch – unbedingt lesenswert!
Männer sind auch nur Menschen
Die Herzen der Männer von Nickolas Butler
2013 hat Nickolas Butler mit seinem ersten Roman „Shotgun Lovesongs“ einen unerwarteten Bestseller gelandet. Nun folgt sein zweiter Roman, der von Dorothee Merkel ins Deutsche übersetzt wurde: „Die Herzen der Männer“
Zentraler Ort der Handlung ist das Pfadfindercamp Chippewa in Wisconsin.
Über 57 Jahre lang begleitet der Leser Nelson und seine Freunde.
Wir beginnen im Jahre 1962: Nelson ist gerade mal 13 Jahre alt, Außenseiter und Opfer zahlreicher Quälereien. Aber neben den Demütigungen erlebt er auch wahre Schönheit und sogar so etwas wie Freundschaft. Das Camp und die Ideale der Pfadfindergemeinschaft werden ihn ein Leben lang begleiten und prägen.
Dann der Sommer 1996 – Nelson hat bereits einen Krieg überlebt, ist mittlerweile Leiter des Camps Chippewa geworden. Für Trevor, Sohn seines Freundes Jonathan, ist er Vorbild und väterlicher Freund – und das sogar in einem Stripclub! Zahlreiche Rückblenden erlauben dem Leser ein besseres Verständnis für die Entwicklung die Nelson und seine Freunde erlebten.
Am Ende dann 2019: die nahe Zukunft. Thomas (Trevors Sohn) und seine Mutter Rachel sind im Camp und werden mit Sexismus, Machos und perfider Gewalt konfrontiert.
Butler erzählt uns nicht nur die Geschichte von einzelnen Männern – er erzählt von zahlreichen gesellschaftlichen Veränderungen, die im Laufe von Jahrzehnten Traditionen und Normen in Frage stellen, das gesellschaftliche Miteinander verändern und somit für jeden einzelnen zur Herausforderung werden. Er erzählt von Männern und Machos, von Loyalität und Idealen, Vorbildern und Freundschaft aber auch von Kriegen, Wünschen, Illusionen und zerstörten Träumen, von gebrochenen Herzen eben. Er beschränkt sich nicht auf Stereotypien oder Klischees, sondern zeichnet ein vielschichtiges, feinfühliges Bild von Männern. Manchmal zum Lachen, manchmal fürchterlich traurig! Männer sind halt auch nur Menschen!
Sein Schreibstil zeichnet sich durch ruhige Lebendigkeit und Klarheit aus. Er schafft es, mit wenigen Worten den Leser zu fesseln und in sein Universum zu ziehen. Die Hauptpersonen werden liebevoll und trotzdem komplex charakterisiert. Vielleicht ist es gerade die psychologisch sensible Schilderung der menschlichen Ambivalenz, die diese Geschichte so berührend werden lässt.
Fazit: Große Erzählkunst, mit vielen philosophischen Denkanstößen! Lesenswert!
Spannende und informative Unterhaltung
Die Herzen der Männer von Nickolas Butler
„Die Fallstricke des Teufels“ ist der bemerkenswerte Debütroman von Heike Stöhr. Sie zeigt dem Leser die Stadt Pirna im Jahre 1541.
Sophia, die Tochter des Weinhändlers Weyner, ist die sympathische Hauptperson dieses Romans. Im Kontor ihres Vaters findet sie ein rätselhaftes, in Geheimschrift verfasstes Buch.
Vorbild dafür war das Voynich-Manuskript, das bis heute nicht entschlüsselt werden konnte. Dieses Buch wird sie über Jahre begleiten und immer wieder Gegenstand ihres Interesses sein. Sie will es unbedingt enträtseln, weil sie sich ein Rezept gegen die Pest erhofft. Genau dieses Buch ist allerdings auch für den Stadtschreiber Wolf Schumann, Sophias bösartigen Gegenspieler, von Interesse – er setzt Himmel und Hölle in Bewegung um es in die Hände zu bekommen.
In dieser Zeit passieren mehrere mysteriöse Todesfälle, die von offizieller Seite als Selbstmorde eingestuft werden. Sophia, ihre außergewöhnlichen Hausgenossen und der besonnene und intelligente Bader glauben nicht an so eine zufällige Anhäufung von Selbstmorden und recherchieren auf eigene Faust.Ihre Persönlichkeiten und Schicksale werden anschaulich und lebensnah geschildert. Der Leser nimmt Anteil, lebt und fiebert mit!
Neben diesem Kriminalroman wird natürlich auch eine dramatische Liebesgeschichte erzählt. Aber wirklich erstaunlich sind die zahlreichen historisch belegten Details, die den Roman zu einem besonderen Lesegenuss machen! Ein Glossar, eine schöne Stadtkarte vervollständigen das Buch und Heike Stöhr, selber Historikerin und Germanistin, widmet noch zum Abschluss ein Kapitel der Geschichte hinter der Geschichte, wo noch einmal historische Details angeführt werden.
Dieser erste Teil einer Trilogie ist ein gelungener Mix aus genau recherchierten historischen Fakten und toll erzählter Fiktion – Geschichte mit Geschichten eben!
Fazit:
Mich hat das Buch völlig überzeugt: es bietet großartige, überaus informative und spannende Unterhaltung!
Jeder der historische Romane mag, sollte „Die Fallstricke des Teufels“ unbedingt lesen und ich freue mich schon auf den zweiten Teil – „Die Handschrift des Teufels“









