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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:

Meisterhafte Erzählungen

Regen von William Somerset Maugham

Vor tatsächlich fast 40 Jahren lernte ich die Bücher von W. S. Maugham kennen. Es war der Beginn einer langen Leseliebe, denn ich war sofort fasziniert von der eleganten Sprache, dem psychologisch klugen Aufbau der Geschichten und dem leisen Hang zur Unmoral, der seine Protagonisten immer wieder auszeichnet.

Er war wirklich ein großartiger Geschichtenerzähler, denn er verstand es Menschlichkeiten zu sehen, zu entlarven ohne sie jedoch selbstgerecht zu verurteilen.

Ich habe mittlerweile alles seine Bücher gelesen - kein einziges davon war Zeitverschwendung. Ganz im Gegenteil!

"Regen" gehört - meiner Meinung nach - zu seinen besten Sammlungen: unterhaltsam, klug, stilvoll und immer wieder überraschend.
Eindeutig ein Garant für ein außergewöhnlich gutes Lesevergnügen!

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Ohne Rubens kein Rambo oder Rocky. Oder: Kunst verändert unser Leben

Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist Kunst von Jakob Schwerdtfeger

Der Autor – Comedian und Kunsthistoriker – nimmt den Leser mit in seine ganz persönliche Ausstellung. In 10 Kapiteln erklärt er Epochen, stellt kurz und knapp Künstler und Stile vor und ganz nebenbei erfährt man zahlreiche Funfacts und Anekdoten aus der Kunstwelt oder aus dem Leben des Autors.

Eine Kombination, die kurzweiliges Lesevergnügen garantiert.

Was mir allerdings besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass er vieles in diesem seltsamen Kunstuniversum hinterfragt – oft sehr witzig, aber nie respektlos. Er liebt „Kunst“ und das merkt man auf jeder Seite. Er begeistert und möchte Welten eröffnen. Denn bei ihm ist Kunst nie abgehoben, langweilig oder gar elitär. Ganz im Gegenteil! Nach seinem Verständnis macht Kunst das Leben bunter, witziger und interessanter. Sie bietet große Abenteuer und ist ein Geschenk für Kopf , Herz und Seele!

Kurz: ein amüsantes Buch für Kunstbanausen, staunende Laien und all jene, die in dieser seltsamen Kunstwelt den vollen Durchblick haben!
Lesenswert!

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Alex Beer kann Krimi!

Die weiße Stunde von Alex Beer

ENDLICH!
Ich habe lange gewartet, aber endlich ermittlen August Emmerich und Ferdinand Winter wieder.
Wie immer (es ist ja immerhin mittlerweile der 6. Band dieser Reihe) erzählt Alex Beer einen spannenden und gut durchdachten Kriminalfall. Und - ebenso: wie immer - ist die Mordermittlung eingebettet in die Geschichte der Zeit.

1923 ist Österreich ein politisches Pulverfass: Hackenkreuzler treten offen auf, die junge Demokratie ist immer in Gefahr, das Elend der Menschen ist auch Jahre nach Ende des Großen Krieges spürbar und daneben gibt es Ausgrabungen in Ägypten (inklusive Fluch) und Reichtum der Krieggewinnler. Alles Fakten, die nebenher präsentiert werden und ein lebendiges Bild der Zeit zeichnen.

Auch dieser Fall wird logisch gelöst und auch diesmal birgt das respektable Privatleben der Protagonisten einige Überraschungen.
Das Zusammenspiel von Emmerich und Winter, die mir in ihrer Gegensätzlichkeit wirklich ans Herz gewachsen sind, funktioniert perfekt - mutige und unkonventionelle Ermittlungsmethoden sind bei diesen Ermittlern garantiert.

Und am Ende zweier schlafloser Lesenächte? Zwei wirklich ganz, ganz gemeine Cliffhanger (Liebe Alex Beer! Sie werden doch nicht...????)
Jetzt bleibt mir schon wieder nichts anderes übrig als zu warten, denn glücklicherweise ist die Geschichte noch nicht erledigt!

Absolut empfehlenswert!

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Heimatlosigkeit

Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O’Mahony

Kennen Sie das? Man ist von einem Buch extrem gefesselt und kann einfach nicht aufhören zu lesen – egal wie früh es schon ist. Und die letzten Seiten liest man trotzdem extra langsam, damit es dann doch nicht so schnell vorbei ist...
„Sing, wilder Vogel, sing“ ist genau so ein Buch: eine spannende Geschichte mit vielen Bezügen zur Geschichte Irlands, den Auswanderern, aber auch den indigenen Völkern Amerikas.

Die Autorin verarbeitet historische Fakten und stellt Zusammenhänge dar, die mir vorher absolut nicht bewusst waren.

Aber vor allem erzählt sie die berührende Geschichte einer starken Frau, deren Leben von frühester Kindheit an geprägt ist von Ausgrenzung, Hunger, Gewalt, Verrat, Betrug und Flucht – in Irland ebenso wie in Amerika.
„...sie war von ihrer Heimat fortgegangen und würde nie aufhören, fortzugehen“ S334.
Diese Heimatlosigkeit bestimmt das Leben der jungen Honora, die nur mit viel Mut und starkem Willen überleben kann. Die innere Heimatlosigkeit, die in ihren Gedanken immer wieder zum Ausdruck kommt, kann sie aber auch mit viel Mut nicht bekämpfen.

Es ist selten, dass ich mir dringend ein Happy End für meine literarische Bekanntschaften wünsche – hier war das ganz eindeutig der Fall!
Ob die Autorin ihrer Protagonistin tatsächlich so ein gutes Ende vergönnt hat?
Lesen Sie selbst – es zahlt sich wirklich aus!

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Gegen die Gleichgültigkeit!

Der Wind kennt meinen Namen von Isabel Allende

Isabel Allende erzählt in ihren Romanen nicht nur spannende Geschichten, sie thematisiert immer wieder Anliegen, die ihr wichtig sind. So auch in diesem Roman. Es geht um Flucht, um Flüchtlinge.
Laut UNHCR waren 2023 mindestens 117,3 Millionen Menschen auf der ganzen Welt gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen.

Auch wenn Allende selbst nicht wirklich ein durchschnittliches Flüchtlingsschicksal erlitten hat, so hat sie doch das Gefühl des Verlassen-müssens, des Geduldet-werdens, der Entwurzelung durchaus kennengelernt. Erfahrungen, die prägend für sie waren.

In ihrem Roman erzählt sie von 3 Schicksalen, die exemplarisch für viele (zu viele) andere stehen: Samuel Adler, der 1938 in einem Kindertransport nach England gerettet wird. Leticia, die 1981 das Massaker von El Mozote nur durch Zufall überlebt, aber fast die gesamte Familie verliert und Selena, eine Aktivistin gegen die zero-tolerance-Politik von Trump (und Nachfolger), die sich um ein blindes Mädchen kümmert, das auf der Flucht von ihrer Mutter getrennt wurde.
Die Autorin zeigt auf, dass in erster Linie Kinder Opfer politischer Willkür wurden und noch immer werden. Sie erzählt schonungslos von Gewalt, elenden Lebensbedingungen, von Verlust und Traumata, die nicht verarbeitet werden können, mit denen die Opfer leben lernen müssen.

Dadurch dass sie drei individuelle Schicksale in den Mittelpunkt stellt, macht Isabel Allende deutlich, was diese amorphe und oft bedrohlich wirkende Masse „Flüchtlinge“ eigentlich ist: nämlich Menschen! Das wird ja zu oft einfach vergessen.
Insofern ist dieses Buch politisch brisant, wichtig und lesenswert!

Aber: es gelingt Allende zwar Spannung zu erzeugen, aber die Charaktere bleiben trotz unumstrittener Schreibkunst oberflächlich. Vielleicht weil viele Hintergrundinformationen auf 330 Seiten untergebracht werden müssen.
Außerdem – und das ist jetzt die Anmerkung einer hoffnungslos unromantischen Person – das Ende ist so zinnoberrotzuckerwattesüßklebrig... für mich war das wirklich zu viel! Erzwungene Happy Ends sind so gar nicht meine Sache! Glücklicherweise beschränkt sich das auf die letzten 40 Seiten. Wegen dieser Seiten nur 3 Sternchen. Frau Allende wird mir verzeihen.

Eines muss man Frau Allende allerdings lassen: nur sie kann so viel Kitsch so stilvoll präsentieren!
Trotzdem lesenswert!

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Eine ganz besondere Freundschaft!

Malnata von Beatrice Salvioni

In ihrem Debütroman erzählt die Autorin die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft.
2 junge Mädchen, die sich im Italien des Jahres 1935 um ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen müssen. Nicht leicht in einer patriarchalen Gesellschaft, in der Religion, feste Traditionen ebenso sehr das Leben bestimmen wie Aberglaube und Scheinheiligkeit.

Dieses Buch konnte mich von der ersten Seite an fesseln – der Stil ist klar und ausdrucksstark, die Geschichte atmosphärisch eindringlich erzählt. Man spürt die Wut, die Machtlosigkeit der Mädchen... und manchmal auch ihren genussvollen Erfolg. Ich habe mitgelebt, mitgefiebert, mitgetrauert und mich manchmal auch mitgefreut!
Dass die einzelnen Charaktere ganz eindeutig in „gut“ und „böse“ aufgeteilt wurden, ohne Zwischentöne und Ambivalenzen ist zwar schade, tut dem Lesegenuss jedoch keinen Abbruch!

Für mich ist dies eindeutig eines der Lesehighlights dieses Jahres und freue mich schon auf weitere Bücher von Beatrice Salvioni!
Empfehlenswert!

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Mehr als ein kurioses Fotomotiv

Ich bleibe hier von Marco Balzano

Mitten aus dem Reschensee ragt ein Kirchturm – heute ein Wahrzeichen und vor allem ein kurioses Fotomotiv.

Marco Balzano erzählt die Geschichte die dahinter steckt, indem er die Geschichte von Trina und ihrer Familie erzählt: sie erleben erst den italienischen Faschismus und dann anschließend sofort den Nationalsozialismus.

Auch in Südtirol dunkle Zeiten, die Widerstand erfordern.

Später dann will ein Energiekonzern mit der Anlage eines Stausees die Ortschaften Graun und Reschen überfluten und wieder müssen sie sich die Menschen im Vinschgau wehren. Trotz aller Gegenwehr wird das Staudammprojekt realisiert und damit verlieren viele Familien ihre Heimat.

Balzano versteht es hervorragend, die Emotionen und Gedanken seiner Protagonisten zu beschreiben und die zahlreichen Tragödien aus der Perspektive einzelner Menschen darzustellen, ihren Überlebenskampf zwischen gnadenlosen politischen und wirtschaftlichen Interessen.
Er erzählt eine berührende Geschichte über Heimatgefühl und Entwurzelung, über Leid, Verlust, aber auch über Mut, Kampf und Widerstandsgeist.

Ein wunderbares Buch, das den Blick auf den Kirchturm im Reschensee auf immer verändert.

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Ein spannender Ausflug in eine längst vergangene Zeit

Die Kinder von Nebra von Ulf Schiewe

In seinem neuesten Roman entführt Ulf Schiewe den Leser in die Bronzezeit, genauer gesagt in die Zeit der Aunjetitzer-Kultur (ung 2000 v.Chr).

Ich muss zugeben, dass ich nur sehr lückenhafte Erinnerungen an den Schulunterricht diesbezüglich habe und ein völlig falsches Bild der Epoche hatte. (Und ich bin sicher, dass es nicht nur mir so geht!)
So wusste ich nicht, dass es damals in Mitteldeutschland einen organisierten Staat gab, ausgedehnte Handelsbeziehungen, organisierte Armeen mit kunstvoll gefertigten Kupfer- und Bronzewaffen.

Ebenso wurden bereits große Kultstätten und monumentale Fürstengräber errichtet. Unglücklicherweise gibt es aber keine schriftlichen Aufzeichnungen aus der Bronzezeit.

Die Erkenntnisse über die Menschen und ihre Kultur verdanken wir der detektivischen Arbeit von Archäologen. Der Autor erklärt all dies noch genauer in einem überaus spannenden und informativen Nachwort.

Im Mittelpunkt des Romans steht die Himmelsscheibe von Nebra, die als einer der bedeutendsten Funde aus dieser Zeit gilt. Um ihre mögliche Entstehung und Bedeutung herum, hat Ulf Schiewe einen Roman entwickelt, in dem wissenschaftlich fundierte Daten mit fiktiven Personen und Ereignissen kombiniert werden. Neben den detailreichen Schilderungen des alltäglichen Lebens, erzählt er die spannende Geschichte von Rana und ihrer Familie. Es geht um Gewaltherrschaft und Aufstand, um Unterdrückung, Kampf für Gerechtigkeit, um Neid, Gier und natürlich auch um Liebe und Menschlichkeit.

All diese Elemente und natürlich der bekannt fesselnde Stil des Autors garantieren spannende und informative Lesestunden!

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Ein Heimatroman der besonderen Art

Vom Land von Dominik Barta

Dominik Barta schildert das Leben einer Familie in dem kleinen oberösterreichischen Ort Pielitz. Wenn man jedoch eine ländliche Idylle erwartet, wird man enttäuscht: auf knapp 164 Seiten erzählt von Sprachlosigkeit und Ausweglosigkeit, von zerbrechenden Ehen, prügelnden Männern, betrügenden Frauen und Männern, rechtspopulistischer Hetze, aufgestochenen Reifen, von Angst und Entfremdung, aber glücklicherweise gibt es auch ein paar Hoffnungsschimmer in Form von Freundschaft und Mut.

So viele Themen für so wenige Seiten!

Der Autor zeichnet ein beklemmendes Bild einer Gesellschaft, in der starre Strukturen das Leben des einzelnen bestimmen und wo soziale Kontrolle allgegenwärtig ist, so dass Ausbruch oder Flucht fast unmöglich scheint. Eine sehr spannende Geschichte, auch wenn die Charakterisierungen der einzelnen Personen manchmal zweidimensional bleiben. Der minimalistische, aber klare und präzise Schreibstil macht die düstere Atmosphäre der unaufhaltsamen Auflösung greifbar.

Ein kleines Buch, das ich schnell gelesen habe, das aber lange nachwirkt. Eine aufwühlende Geschichte toll erzählt – wirklich empfehlenswert!

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Für die Wahrheit und das Recht auf Gedenken

Rote Kreuze von Sasha Filipenko

Sasha Filipenko erzählt die Geschichten von zwei Menschen, die sehr unterschiedlich sind und deren Kontakt nur zufällig entsteht, weil sie Nachbarn sind. Alexander ist nach einem grausamen Schicksalsschlag, mit seiner kleinen Tochter nach Minsk gezogen und trifft auf Tatjana, die 90ig jährige Nachbarin, die an Alzheimer erkrankt ist.

„Weil Gott Angst hat vor mir. Zu viele unbequeme Fragen kommen da auf ihn zu“ (Seite 11)

Tatjanas Lebensgeschichte ist ein Stück russische Zeitgeschichte. Sie hat den 2. Weltkrieg und die unglaublichen Schrecken des Stalinregimes überlebt. Diese Zeit und ihre Folgen haben ihr ganzes Leben geprägt. Tatjana steht stellvertretend für zahlreiche Menschen. So werden historische Daten zu berührenden Schicksalen, die noch lange zum Nachdenken anregen.

In einem Interview, das auf den letzten Seiten des Buches abgedruckt ist, erklärt Filipenko, dass „der Staat alles tut, damit die Menschen die Grausamkeiten des Sowjetregimes vergessen, und unsere Aufgabe ist es, das nicht zuzulassen“.

Es ist eine spannende und erschütternde Geschichte - großartig geschrieben bzw übertragen. So wird Literatur zu einem wichtigen Plädoyer gegen das Vergessen.
Absolut lesenswert.

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