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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:

Löwenherz

Die Menschheit hat den Verstand verloren von Astrid Lindgren

Astrid Lindgren ist bekannt als Autorin großartiger Kinderbücher. Pippi Langstrumpf begleitete meine Kindheit als Freundin, Heldin und Vorbild.

Ihre Tagebücher aus den Jahren 1939 – 1945 sind ein einzigartiges Dokument aus einer Zeit, in der die Menschheit die Menschlichkeit vergaß. Astrid Lindgren selbst erlebte diese Zeit im neutralen Schweden und blieb lange relativ unbehelligt von den Kriegshandlungen.

Eine Tatsache, die sie immer als großes Privileg sah. Sie war damals 32 Jahre alt, Mutter von 2 Kindern und besorgt über den Zustand der Welt.

Sie war auch immer eine politisch denkende Frau, verfolgte die Nachrichten genau und arbeitete ab 1940 für die Briefzensur des schwedischen Geheimdienstes – so erfuhr sie früh von zahlreichen Gräueltaten der Nazis. In ihren Tagebüchern nennt sie die Dinge beim Namen, spricht von Barbarei, Mordlust und Zerstörungswut. Klug, präzise und mutig beschrieb sie politische Entwicklungen, die ihr Angst machten. Diese Tagebücher halfen sicherlich den Krieg zu überstehen, auch wenn es ihr persönlich unmöglich war, ihn zu verstehen. Eigentlich logisch, dass sie zu dem Schluss kam, dass die Menschheit den Verstand verloren hat. Ist es erstaunlich, dass Pippi Langstrumpf in dieser Zeit entstehen musste? Nein... nicht wirklich!

Die 2016 auf Deutsch erschienen Tagebücher sind ein einzigartiges Zeitdokument, das bereits die schriftstellerischen Qualitäten der Autorin zeigt und neben politische Themen aber auch ganz private Einblicke in Familien- und Seelenleben einer menschlich denkenden Frau erlaubt.
Wirklich lesenswert!

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Geschichtsunterricht, wie er besser nicht sein könnte!

Maria Theresia von Unterreiner Katrin

Frau Mag Unterreiner kann es einfach!
Ihre Bücher sind immer ausgezeichnet recherchiert und extrem informativ. So auch dieses – man lernt die Stärken und Schwächen von Maria Theresia kennen, ihren politischen Stil und auch ihre privaten Vorlieben.

Die Autorin versteht es – wie immer – Informationen unterhaltsam und spannend zu transportieren.

Außergewöhnlicher Geschichtsunterricht und somit Pflichtlektüre für alle, die sich ein wenig für österreichische Geschichte interessieren!

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Honey von Victor Lodato

Die Protagonistin Ilaria, genannt Honey, gehört zu den literarisch vernachlässigten Randgruppen: sie ist eine alte Frau – sorry Honey!... ich meinte natürlich: eine ältere Dame! Denn sie ist immerhin 82 Jahre alt. Außerdem ist sie „kapriziös, überspannt und eitel bis ins Mark“.

Sie kehrt nach einer langen Karriere als Expertin in einem großen Auktionshauses wieder zurück an den Ort ihrer Kindheit und Jugend – und damit in ein Minenfeld an Erinnerungen.

Sie muss feststellen, dass man weder Heimat noch Familie abschütteln kann.

Aber ihre Erinnerungen – oft genug alkohol- oder/und valiuminduziert – verwandeln sich langsam in eine grundehrliche Auseinandersetzung mit ihrer Leben, ihrem persönlichen Narrativ davon. Eine radikale Konfrontation mit den Geistern ihrer Vergangenheit. Es geht im Endeffekt um Schein und Sein, um Familie und Freunde, um Bedauern und Freude, um Versöhnung und Vergebung, um das Leben im allgemeinen und Sterben im besonderen.

Große Themen, aber der Autor versteht es mit Wortwitz und Ironie (Honey ist oft großartig selbstironisch) die Schwere abzumildern. Ein Roman, der sich leicht lesen lässt, schnell (zu schnell) fertig gelesen ist... und dann lange nachhallt.

Unbedingt lesenswert!

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Die "gute alte Zeit"...

Dorf ohne Franz von Verena Dolovai

Die Ich-Erzählerin Maria wächst in den patriarchalen Strukturen eines kleinen Dorfes im Salzkammergut auf. In den 1960iger Jahren. Es wird einem sofort klar, dass dies kein gejodelter Heimatroman ist, der die gute alte Zeit beschwört. Ganz im Gegenteil!
Marias Leben ist gekennzeichnet von Chancenlosigkeit, Perspektivlosigkeit und vor allem Lieblosigkeit.

Sie mag sich zwar manchmal ein klein wenig nach Flucht sehnen, aber diese Flucht erlaubt sie sich nicht. Sie findet sich mit ihrem Schicksal ab – fast.

Es ist eine trostlose Welt, die hier beschrieben wird. Verena Dolovai hat auch die genau richtige Sprache dafür gefunden: nüchtern, klar, fast karg, schnörkellos und absolut geradlinig. Wundervoll! Sie beschönigt nichts und sie lässt Maria genau beobachten und gnadenlos ehrlich erzählen. Alles zusammen sehr beklemmend und vermutlich ebenso authentisch.

Dass das Ende dieser großartigen Geschichte dann in ein märchenhaft-esoterisches Wasauchimmer abdriftet, entspricht überhaupt nicht meinem Geschmack (daher nur 4 Sterne).
Vielleicht habe ich es aber auch einfach nur nicht verstanden!

Denn abgesehen von den letzten paar Seiten ist es eine wirklich lesenswerte Geschichte und als Debütroman völlig zurecht für den Österreichischen Buchpreis 2024 nominiert!

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Meisterhafte Erzählungen

Regen von William Somerset Maugham

Vor tatsächlich fast 40 Jahren lernte ich die Bücher von W. S. Maugham kennen. Es war der Beginn einer langen Leseliebe, denn ich war sofort fasziniert von der eleganten Sprache, dem psychologisch klugen Aufbau der Geschichten und dem leisen Hang zur Unmoral, der seine Protagonisten immer wieder auszeichnet.

Er war wirklich ein großartiger Geschichtenerzähler, denn er verstand es Menschlichkeiten zu sehen, zu entlarven ohne sie jedoch selbstgerecht zu verurteilen.

Ich habe mittlerweile alles seine Bücher gelesen - kein einziges davon war Zeitverschwendung. Ganz im Gegenteil!

"Regen" gehört - meiner Meinung nach - zu seinen besten Sammlungen: unterhaltsam, klug, stilvoll und immer wieder überraschend.
Eindeutig ein Garant für ein außergewöhnlich gutes Lesevergnügen!

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Ohne Rubens kein Rambo oder Rocky. Oder: Kunst verändert unser Leben

Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist Kunst von Jakob Schwerdtfeger

Der Autor – Comedian und Kunsthistoriker – nimmt den Leser mit in seine ganz persönliche Ausstellung. In 10 Kapiteln erklärt er Epochen, stellt kurz und knapp Künstler und Stile vor und ganz nebenbei erfährt man zahlreiche Funfacts und Anekdoten aus der Kunstwelt oder aus dem Leben des Autors.

Eine Kombination, die kurzweiliges Lesevergnügen garantiert.

Was mir allerdings besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass er vieles in diesem seltsamen Kunstuniversum hinterfragt – oft sehr witzig, aber nie respektlos. Er liebt „Kunst“ und das merkt man auf jeder Seite. Er begeistert und möchte Welten eröffnen. Denn bei ihm ist Kunst nie abgehoben, langweilig oder gar elitär. Ganz im Gegenteil! Nach seinem Verständnis macht Kunst das Leben bunter, witziger und interessanter. Sie bietet große Abenteuer und ist ein Geschenk für Kopf , Herz und Seele!

Kurz: ein amüsantes Buch für Kunstbanausen, staunende Laien und all jene, die in dieser seltsamen Kunstwelt den vollen Durchblick haben!
Lesenswert!

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Alex Beer kann Krimi!

Die weiße Stunde von Alex Beer

ENDLICH!
Ich habe lange gewartet, aber endlich ermittlen August Emmerich und Ferdinand Winter wieder.
Wie immer (es ist ja immerhin mittlerweile der 6. Band dieser Reihe) erzählt Alex Beer einen spannenden und gut durchdachten Kriminalfall. Und - ebenso: wie immer - ist die Mordermittlung eingebettet in die Geschichte der Zeit.

1923 ist Österreich ein politisches Pulverfass: Hackenkreuzler treten offen auf, die junge Demokratie ist immer in Gefahr, das Elend der Menschen ist auch Jahre nach Ende des Großen Krieges spürbar und daneben gibt es Ausgrabungen in Ägypten (inklusive Fluch) und Reichtum der Krieggewinnler. Alles Fakten, die nebenher präsentiert werden und ein lebendiges Bild der Zeit zeichnen.

Auch dieser Fall wird logisch gelöst und auch diesmal birgt das respektable Privatleben der Protagonisten einige Überraschungen.
Das Zusammenspiel von Emmerich und Winter, die mir in ihrer Gegensätzlichkeit wirklich ans Herz gewachsen sind, funktioniert perfekt - mutige und unkonventionelle Ermittlungsmethoden sind bei diesen Ermittlern garantiert.

Und am Ende zweier schlafloser Lesenächte? Zwei wirklich ganz, ganz gemeine Cliffhanger (Liebe Alex Beer! Sie werden doch nicht...????)
Jetzt bleibt mir schon wieder nichts anderes übrig als zu warten, denn glücklicherweise ist die Geschichte noch nicht erledigt!

Absolut empfehlenswert!

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Heimatlosigkeit

Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O'Mahony

Kennen Sie das? Man ist von einem Buch extrem gefesselt und kann einfach nicht aufhören zu lesen – egal wie früh es schon ist. Und die letzten Seiten liest man trotzdem extra langsam, damit es dann doch nicht so schnell vorbei ist...
„Sing, wilder Vogel, sing“ ist genau so ein Buch: eine spannende Geschichte mit vielen Bezügen zur Geschichte Irlands, den Auswanderern, aber auch den indigenen Völkern Amerikas.

Die Autorin verarbeitet historische Fakten und stellt Zusammenhänge dar, die mir vorher absolut nicht bewusst waren.

Aber vor allem erzählt sie die berührende Geschichte einer starken Frau, deren Leben von frühester Kindheit an geprägt ist von Ausgrenzung, Hunger, Gewalt, Verrat, Betrug und Flucht – in Irland ebenso wie in Amerika.
„...sie war von ihrer Heimat fortgegangen und würde nie aufhören, fortzugehen“ S334.
Diese Heimatlosigkeit bestimmt das Leben der jungen Honora, die nur mit viel Mut und starkem Willen überleben kann. Die innere Heimatlosigkeit, die in ihren Gedanken immer wieder zum Ausdruck kommt, kann sie aber auch mit viel Mut nicht bekämpfen.

Es ist selten, dass ich mir dringend ein Happy End für meine literarische Bekanntschaften wünsche – hier war das ganz eindeutig der Fall!
Ob die Autorin ihrer Protagonistin tatsächlich so ein gutes Ende vergönnt hat?
Lesen Sie selbst – es zahlt sich wirklich aus!

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Gegen die Gleichgültigkeit!

Der Wind kennt meinen Namen von Isabel Allende

Isabel Allende erzählt in ihren Romanen nicht nur spannende Geschichten, sie thematisiert immer wieder Anliegen, die ihr wichtig sind. So auch in diesem Roman. Es geht um Flucht, um Flüchtlinge.
Laut UNHCR waren 2023 mindestens 117,3 Millionen Menschen auf der ganzen Welt gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen.

Auch wenn Allende selbst nicht wirklich ein durchschnittliches Flüchtlingsschicksal erlitten hat, so hat sie doch das Gefühl des Verlassen-müssens, des Geduldet-werdens, der Entwurzelung durchaus kennengelernt. Erfahrungen, die prägend für sie waren.

In ihrem Roman erzählt sie von 3 Schicksalen, die exemplarisch für viele (zu viele) andere stehen: Samuel Adler, der 1938 in einem Kindertransport nach England gerettet wird. Leticia, die 1981 das Massaker von El Mozote nur durch Zufall überlebt, aber fast die gesamte Familie verliert und Selena, eine Aktivistin gegen die zero-tolerance-Politik von Trump (und Nachfolger), die sich um ein blindes Mädchen kümmert, das auf der Flucht von ihrer Mutter getrennt wurde.
Die Autorin zeigt auf, dass in erster Linie Kinder Opfer politischer Willkür wurden und noch immer werden. Sie erzählt schonungslos von Gewalt, elenden Lebensbedingungen, von Verlust und Traumata, die nicht verarbeitet werden können, mit denen die Opfer leben lernen müssen.

Dadurch dass sie drei individuelle Schicksale in den Mittelpunkt stellt, macht Isabel Allende deutlich, was diese amorphe und oft bedrohlich wirkende Masse „Flüchtlinge“ eigentlich ist: nämlich Menschen! Das wird ja zu oft einfach vergessen.
Insofern ist dieses Buch politisch brisant, wichtig und lesenswert!

Aber: es gelingt Allende zwar Spannung zu erzeugen, aber die Charaktere bleiben trotz unumstrittener Schreibkunst oberflächlich. Vielleicht weil viele Hintergrundinformationen auf 330 Seiten untergebracht werden müssen.
Außerdem – und das ist jetzt die Anmerkung einer hoffnungslos unromantischen Person – das Ende ist so zinnoberrotzuckerwattesüßklebrig... für mich war das wirklich zu viel! Erzwungene Happy Ends sind so gar nicht meine Sache! Glücklicherweise beschränkt sich das auf die letzten 40 Seiten. Wegen dieser Seiten nur 3 Sternchen. Frau Allende wird mir verzeihen.

Eines muss man Frau Allende allerdings lassen: nur sie kann so viel Kitsch so stilvoll präsentieren!
Trotzdem lesenswert!

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Eine ganz besondere Freundschaft!

Malnata von Beatrice Salvioni

In ihrem Debütroman erzählt die Autorin die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft.
2 junge Mädchen, die sich im Italien des Jahres 1935 um ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen müssen. Nicht leicht in einer patriarchalen Gesellschaft, in der Religion, feste Traditionen ebenso sehr das Leben bestimmen wie Aberglaube und Scheinheiligkeit.

Dieses Buch konnte mich von der ersten Seite an fesseln – der Stil ist klar und ausdrucksstark, die Geschichte atmosphärisch eindringlich erzählt. Man spürt die Wut, die Machtlosigkeit der Mädchen... und manchmal auch ihren genussvollen Erfolg. Ich habe mitgelebt, mitgefiebert, mitgetrauert und mich manchmal auch mitgefreut!
Dass die einzelnen Charaktere ganz eindeutig in „gut“ und „böse“ aufgeteilt wurden, ohne Zwischentöne und Ambivalenzen ist zwar schade, tut dem Lesegenuss jedoch keinen Abbruch!

Für mich ist dies eindeutig eines der Lesehighlights dieses Jahres und freue mich schon auf weitere Bücher von Beatrice Salvioni!
Empfehlenswert!

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