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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:

Oh wie trügerisch sind Menschenherzen...

Wut und Liebe von Martin Suter

Mit vielen literarischen Mojitos und noch mehr Champagner lotst Martin Suter die Leserin durch ein klug gesponnenes Netz aus Lügen und Intrigen.
Zentrales Thema ist der trügerische Schein in seinen unterschiedlichsten Variationen: Geldwäsche (Stichwort: Panama papers), Parallelleben, Betrug im Geschäft mit der Kunst, Heuchelei in der Liebe.

... etc.
Wer also - wie die Protagonisten (und ich auch:-)) ein gewisses Maß an moralischer Flexibilität mitbringt, wird dieser Geschichte mit großem Genuss folgen.

Über Suters Erzählstil muss man nicht mehr viel sagen: gewohnt eloquent, souverän und treffend erzählt er von menschlichen Abgründen und größeren und kleineren Irrtümern.
Es mag vielleicht nicht sein bester Roman sein, aber auch ein mittelguter Suter garantiert immer großes Lesevergnügen.

Fazit: süffig zu lesen, überaus unterhaltsam und zwischendurch auch ein wenig philosophisch!
Lesenswert!

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Liebe und Erwartungen

Halbinsel von Kristine Bilkau

Ein Buch mit gerade mal 221 Seiten, aber die sind besonders! Immerhin ist das eines der ausgezeichneten Bücher der Leipziger Buchmesse 2025.
Kristine Bilkau beleuchtet die verschiedenen Dimensionen einer Mutter-Tochter-Beziehung. Denn der Zusammenbruch der Tochter, zwingt die Mutter zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, Gegenwart und auch Zukunft.

Im Fokus steht tatsächlich das Erleben aus der Sicht der Mutter (auch der Literaturbetrieb hat erkannt, dass es Frauen um und über 50 gibt ;-)!)

Sensibel, aber durchaus kritisch werden essentielle Fragen verhandelt: wie wichtig ist das Funktionieren der Tochter für das Wohlbefinden der Mutter? Oder: wie sehr behindert die gut gemeinte Fürsorge der Mutter der Entwicklung des Kindes?

Der Roman beschränkt sich aber keineswegs auf diese rein privaten Themen, die Diskussionen der beiden Frauen klammern auch gesellschaftspolitisch Relevantes nicht aus: welche Zukunft bleibt, wenn Ressourcen gedankenlos verschwendet werden und „Klimagewissen“ zu einem Geschäftsmodell verkommt?

Kristine Bilkau wollte viel in dieses kleine Buch packen - vielleicht ein wenig zu viel. Aber auch die Art, wie sie es gemacht hat, ist bemerkenswert schön! Der Stil ist eindringlich, aber völlig unaufgeregt. Die Autorin kommt ohne literarische Kniffe und Schnörkel aus. Sie setzt Metaphern aus der Natur oder nordische Mythen gekonnt ein, um Stimmungen und Zwischenmenschliches zu verdeutlichen. Wirklich gelungen! Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und – weil diese Krise für die Protagonistinnen auch Chancen birgt – positive Stimmung erlaubt.
Lesenswert!

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Geheimnisse aus Vergangenheit und Gegenwart

Der Gott des Waldes von Liz Moore

Eine wohlhabende Familie, zwei vermisste Kinder, ein Feriencamp – das sind (zu vereinfacht gesagt) die Zutaten dieses Buches.

Krimi? Thriller? Komplexe Familiengeschichte? Sittengemälde?
Die Grenzen der einzelnen Genres verschwimmen und genau darin liegt für mich die Faszination dieses Buches, denn wenn man zu lesen beginnt, eröffnet sich einem eine ungewöhnlich spannende und vielschichtige Welt.

Dass sich dieses Buch so spannend liest, liegt aber auch am Stil der Autorin (und natürlich an der gelungenen Übersetzung von Cornelius Hartz): prägnant und psychologisch klug entwickelt sie Charaktere und Handlungen.
In wechselnden Perspektiven und Zeiten erzählt sie die Ereignisse von den 1950er Jahren bis 1975. Dies geschieht aber nicht verwirrend: eine Zeitleiste und die Kapitelüberschriften sorgen für Klarheit.

So puzzelt sich der Leser durch verschiedene Zeitebenen und Perspektiven, erhält immer wieder neue Informationen und Gewissheiten, die schon entstanden sind, werden nach 50 Seiten wieder in Frage gestellt oder gleich komplett verworfen. Erst mit der Zeit erkennt man die Zusammenhänge, die verschiedenen geheimen und offenen Verbindungen und entwirrt das Netz schmerzlich fataler Beziehungen.

Fazit: eine spannende und oft überraschende Geschichte, die fesselt – ich konnte und wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen! Wirklich empfehlenswert


PS. Warum es allerdings „Der Gott des Waldes“ heißt, ist mir auch nach der Lektüre von knapp 590 Seiten nicht wirklich klar.
Jeder hat halt so seine Schwächen ;-)

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Ein wundervollbesonderes Buch!

Meine Lieder von Erika Pluhar

Manche Bücher sind Geschenke und "Meine Lieder" ist ganz eindeutig so eines!
In diesem Sinne: herzlichen Dank, Frau Pluhar!

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Der Schein trügt!

Ein ungezähmtes Tier von Joël Dicker

Joel Dicker kann einfach Geschichten erzählen!
Sein Stil hat sich bewährt: auch in diesem Roman/Thriller/Krimi wird durch den gekonnten Wechsel zwischen verschiedenen Zeitebenen Spannung aufgebaut.
Interessante Charaktere, Geheimnisse aus der Vergangenheit, Intrigen, Betrug, kriminelle Machenschaften und Lügen, Lügen, Lügen.

.. so nach und nach kommt vieles ans Tageslicht. Jedes Mal, wenn die Leserin glaubt auf der richtigen Spur zu sein, kommt die nächste überraschende Wendung daher.
Und am Ende ist dann trotzdem alles wieder ganz anders...

Der Autor versteht es, gut zu unterhalten – und das ist, meiner Meinung nach, eine zu Unrecht völlig unterschätzte Kunst!

Lesenswert!

PS. So lesenswert, dass ich ihm mittlerweile sein unsägliches „Zimmer irgendwas“ verzeihen konnte ;-)

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Literatur als Möglichkeiten-Raum

Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne von Saša Stanišić

12 Geschichten – kein Roman, aber trotzdem sollten diese Geschichten der Reihe nach gelesen werden, denn sie sind subtil miteinander verbunden. Sei es durch die Figuren oder aber durch den zeitlichen Ablauf.

Die verschiedenen Episoden befassen sich unter anderem mit Themen wie Migration, Herkunft, Identität, Freundschaft, Zukunft aber auch Lebensvarianten.

Themen, die nicht nur auf den ersten Blick komplex sind.
Aber die Sprache in jeder einzelnen Geschichte ist unheimlich lässig, fast schon spielerisch. Mit viel Witz und durchaus literarischem Mut werden Seitenhiebe verteilt und Anspielungen versteckt – großartig!

Wirklich gut zu lesen – abwechslungsreich, spannend, zum Nachdenken anregend und dabei immer überaus menschlich!
Ein Buch, das mich begeistern und amüsieren konnte, so dass ich all jene, die es noch nicht kennen, ein klein wenig beneide!
Viel Spaß beim Lesen – es zahlt sich aus!

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"Ich war dort, wo man mich hingepflanzt hat, wie ein Ziergewächs in einem Topf. Jetzt bin ich hier und wuchere"

Wild wuchern von Katharina Köller

Ein Zitat, das das Buch sehr gut beschreibt!
Im Mittelpunkt stehen zwei grundsätzlich verschiedener Frauen. Maria, die immer allen alles recht machen will und Johanna, die in den Tiroler Bergen ein zurückgezogenes Einsiedlerleben führt.
Ihr Aufeinandertreffen entzieht sich allen gesellschaftlichen Normen und Höflichkeiten, ermöglicht aber Selbsterkenntnisse und Freiheiten.

Die Autorin erzählt sprachlich großartig und psychologisch interessant vom oft wortkargen und nicht immer friktionsfreien Einander-Wiederfinden der beiden. Denn in diesem erzwungenen Zusammenleben kommen Traumata aus der gemeinsamen Kinder- und Jugendzeit wieder an die Oberfläche. Die Konfrontation mit der anderen, wird zur Konfrontation mit sich selbst.
„Das hab ich auch nicht gewußt, dass es einfacher ist, sich jemanden in den Weg zu stellen, als selbst abzuhauen“
In diesem Zusammenhang finde ich die Fähigkeit der Autorin bemerkenswert, das Innenleben der Protagonistinnen durch bildhafte Natur- und Wetterbeschreibungen noch intensiver darzustellen. Poetisch, gesellschaftskritisch, außergewöhnliche Sprache – der Roman hat Sogwirkung.

Warum schwanke ich dann zwischen 3 und 4 Sternen in meiner Bewertung?
So faszinierend die Sprache ist (und ich freue mich schon auf weitere Bücher dieser Autorin) und so interessant auch die psychologische Darstellung sein mag, inhaltlich verläuft sich der Roman in einem märchen- oder fiebertraumhaftem Nichts.
So hat mir das Lesen zwar sehr gut gefallen... aber es war im Endeffekt war es seltsamerweise nicht zufriedenstellend.

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Wenn die Gegenwart die Vergangenheit verändert....

Das Vorkommnis von Julia Schoch

Wir haben übrigens denselben Vater...
Ein kleiner Satz, der alles verändert. Denn er führt zu einer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die Ich-Erzählerin muss sich den „Geistern ihrer Vergangenheit“ stellen: Erinnerungen und Gewissheiten über familiäre Normalitäten, Geheimnisse, Traumata und Lügen.

Ein schmerzhafter Prozess!

Was bedeutet das Auftauchen einer Halbschwester für die Ich-Erzählerin, ihre Schwester, ihre Mutter, den Vater... dem Narrativ „Familie“? Im Endeffekt bleibt es offen, was tatsächlich Realität ist und was Fiktion, weil ja jede Erinnerung nicht mehr und nicht weniger ist, als die ganz persönliche Interpretation von "Wahrheit"

Eine außergewöhnliche Situation, die von der Autorin Julia Schoch psychologisch interessant und sprachlich bemerkenswert schön geschildert wird.
Dieser erste Teil einer Trilogie („Biographie einer Frau“) ist wirklich gelungen und ein Versprechen für die Folgenden!

Lesenswert!

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„Das Leben ist nur der kurze Sieg über das Unausweichliche.“ T.C. Boyle

I walk between the Raindrops. Storys von T. C. Boyle

13 Kurzgeschichten, die wieder einmal die literarische Meisterschaft von T.C. Boyle beweisen: im Leben von völlig gewöhnlichen Menschen passiert plötzlich Außergewöhnliches. Ob es jetzt der Amoklauf eines Studienkollegen ist , eine Massenpsychose oder eine Umweltkatastrophe – der Alltag implodiert und lässt den einzelnen Menschen (und die Leserin) machtlos staunend zurück.

In einem Interview meinte Boyle: „Das Hauptanliegen meiner gesamten Karriere ist immer unsere Beziehung zu unserem Planeten gewesen, der unsere Art erhält, während wir ihn langsam zerstören“.
Der Autor begnügt sich also nicht mit einfachem Erzählen, es ist immer ein schonungslos kritischer Blick auf die Entwicklungen der Gegenwart. Er erfasst dabei auch die menschlichen Widersprüchlichkeiten und Absurditäten – glücklicherweise ohne dabei den Moralapostel zu spielen. Aber er ist kein Großmeister der Samthandschuhe, er hält den Leserinnen einen Spiegel vor.

Seine Sprache ist gewohnt mitreißend, phantasievoll und klug. Übrigens brillant übertragen von Dirk van Gunsteren und Annette Grube.
T.C. Boyle bemüht sich auch nicht zu sehr um political correctness , erzählt pointiert und gelassen von den tragisch-komischen Aspekten des Alltäglichen. Er ist ein Autor, der die hohe Kunst des subtilen, schwarzen Humors wirklich beherrscht.

Wie immer: T.C. Boyles Bücher sind lesenswert!

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Wer morgen auf dem Seziertisch liegt, lebt heute noch....

Über Leben und Tod von Florian Klenk


Sachbuch? Biographie? Anekdoten? Ganz klar einordenbar ist dieses Buch nicht – von allem a bißl was. Glücklicherweise!

Denn so erfährt die Leserin viel über die Geschichte der Rechtsmedizin, über spektakuläre Fälle oder allgemein über Historisches (Angst vor Vampiren? Warum? Und wie war das noch mit Beethovens Schädel?).

Auch aktuelle Themen und Hintergrundinformationen aus der Gerichtsmedizin kommen nicht zu kurz.

Mit Florian Klenk und Christian Reiter haben sich zwei kongeniale Geschichtenerzähler gefunden,
die ihr breitgefächertes Wissen intelligent, manchmal sehr amüsant, aber immer pointiert vermitteln können. Das haben sie auch schon in ihrem Podcast – „Klenk + Reiter“ - eindrucksvoll bewiesen. Großartige Unterhaltung!

Schaurigschöne, humorvolle und vor allem informative Lesestunden sind garantiert!

Das Negative an diesem Buch?
Es ist viel zu kurz;-)

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