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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:

"Brave Künstler kopieren - das Genie klaut" (Picasso)

Kunst in Sicht von Otto Waalkes

Wenn Otto Waalkes Kunst bzw Leonardo da Vincis „Traktat über die Malerei“ erklärt… dann ist das witzig, respektvoll und äußerst informativ. Malerei ist eine Lebensliebe des bekannten Komikers. Er hat einige Semester Malerei und Kunstpädagogik studiert und beweist auch in diesem Buch, dass er ein sehr talentierter Maler ist.

Für dieses Buch hat er wieder bekannte Werke neu gemalt und dabei ein klein wenig parodiert – Ottifanten bereichern jedes seiner Bilder. Schließlich ist für Otto Waalkes die Parodie die aufrichtigste Form der Verehrung. Und diese liebevolle, aber komplett ehrfurchtslose Verehrung spürt man tatsächlich in jedem einzelnen Bild.
Ergänzt werden sie durch fiktive Interviews und Gedichte, die die Maler und ihre Epochen erklären. Texte, voll schrägen Humors und viel Wissenswertem, denn der Autor beweist, dass Kunst und Komik perfekt zusammenpassen.

Unbedingt lesen – es macht wirklich Spaß!

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Bruchstellen der eigenen Moral

Ungebetene Gäste von Ayelet Gundar-Goshen

Ayelet Gundar-Goshen ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin und in erster Linie Psychologin, die sich vor allem mit der Behandlung von traumatisierten Menschen beschäftigt.
In einem Interview erklärte sie, dass es vor allem die dunklen Seiten des Menschen sind, die sie interessieren. Jene verborgenen Gefühle also, über die niemand gerne spricht, weil sie das eigene Selbstbild permanent in Frage stellen.

Angst, Vorurteile, Alltagsrassismus, Scham, ungeliebte Erinnerungen, Schweigen, Lügen, Schuld, Gewalt, Rache… - all diese Gefühle sind die ungebetenen Gäste, die die Leben der Protagonisten dieses Romans grundlegend verändern.

Aber die Autorin wertet oder urteilt nicht – sie beobachtet genau und erzählt eine komplexe Geschichte, die keine einfache Einteilung in gut/böse erlaubt. Damit überlässt sie aber die Leserin diesem seltsamen Gefühlsdurcheinander, wo im Wechsel von Mitgefühl bis hin zu völligem Unverständnis alles möglich ist. Also ungefähr jene Gefühle, die ich bei den aktuellen Nachrichten aus dem Nahen Osten habe – Ratlosigkeit, Hilflosigkeit, Mitgefühl und Unverständnis gegenüber allen Beteiligten.
Lesenswert!

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Everyone is a moon, and has a dark side which he never shows to anybody. (Mark Twain)

Die dunkle Seite des Mondes von Martin Suter

Vor knapp 24 Jahren war „Die dunkle Seite des Mondes“ das erste Buch von Martin Suter, das ich gelesen habe – ich war begeistert! Jetzt habe ich es wiedergelesen und bin wieder begeistert. Manche Bücher können tatsächlich öfter gelesen werden!

Der Autor lässt seinen Protagonisten einen psychedelischen Pilztrip erleben, der völlig ausartet und zu verstörenden Veränderungen der Persönlichkeit führt.

Die dünne Schicht der Zivilisation und jede Kontrolle von Wut oder Aggression gehen rasch verloren. Gesellschaftliche Konstrukte verliert an Bedeutung.

Suter stellt gekonnt den gesellschaftlich akzeptierten „Raubtierkapitalismus“ des Wirtschaftsanwaltes Urs Blank dem Menschen Urs Blank gegenüber, der sich immer mehr in ein aggressives, mordendes Raubtier verwandelt. Der Wirtschaftsanwalt wird zum Outlaw, der gnadenlos seine Ziele und Bedürfnisse durchsetzt und dabei zahlreiche Opfer fordert.

Spannend-kluge Unterhaltung, psychologisch durchdacht und mit einem gelungenen Ende – ein sensationelles Buch!

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Freundschaft

Himmel ohne Ende von Julia Engelmann

Coming-of-age ist nicht gerade mein bevorzugtes Genre. Aber dieses Romandebüt von Julia Engelmann (Sängerin, Schauspielerin und Poetry-Slammerin) habe ich aber richtig gerne gelesen.
Sie lässt die 15-jährige Charlie von ihrem Alltag, ihren Gedanken, ihren Wünschen und Sorgen erzählen. Dies konsequente Ich-Erzählung ermöglicht einen tiefen Einblick in das Seelenleben der Jugendlichen und wird so doch auch zu einer kleinen Erinnerung an die eigene Teenagerzeit.

Charlie fühlt sich überall falsch und nirgendwo dazugehörig. Sie formuliert zwar ihre Gedanken durchaus präzise, aber in den Gesprächen mit ihrer Mutter oder in der Schule, kann sie diese nie laut aussprechen. Das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit ist übermächtig.
Aber die Autorin lässt Charlie nicht in diesem Zustand verharren. Durch eine besondere Freundschaft wird Entwicklung und Veränderung möglich. Eine bewegende Geschichte!
Besonders gut hat mir allerdings der Stil von Julia Engelmann gefallen, sie schreibt einfach hinreißend – man merkt deutlich die Poetry-Slammerin! Schnörkellos, aber voller Gefühl, mit feinen Bildern und trotzdem durchaus humorvoll erzählt sie Charlies Gefühlswelt. Ein warmherziges und kluges Buch!
Lesenswert!

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Erinnerungen

Die Geschichte des Klangs von Ben Shattuck

Zwei lose miteinander verbundene Geschichten über Musik und Neuengland, aber vor allem über verpasste Chancen und über verlorene Lieben, deren Bedeutung erst zu spät klar wurde. Manchmal merkt man ja tatsächlich erst im Nachhinein, wie prägend ein Verlust sein kann.

Der Stil des Autors ist poetisch und verdeutlicht nur die Tragik der einzelnen Protagonisten.

Man liest zwischen den Zeilen und spürt eine alles überdauernde Schwermut. Nicht die große Depression, aber eine konstante Melancholie, die alles ein wenig farbloser erscheinen lässt. Das Leben gelingt trotzdem, Beziehungen werden trotzdem gelebt. Aber die Erinnerung an Vergangenes wird zu einem kostbaren Schatz - gleichzeitig voller Freude und Trauer.
Großartig!

Knapp 100 Seiten sind schnell gelesen und wirken lange nach!

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Schließt sich ein Kreis?

Mein Name ist Emilia del Valle von Isabel Allende

Emanzipation war immer ein großes Thema bei Isabel Allende. Auch hier hat sie mit Emilia del Valle eine Figur geschaffen, die gegen Konventionen kämpfen muss und mit einer Mischung aus Charme, Frechheit und großer Beharrlichkeit, selbstbestimmt zu leben versucht.

Die Autorin lässt ihre Protagonistin als Reporterin in ein vom Bürgerkrieg (1891) zerrissenes Chile reisen, lässt sie zwischen alle Fronten geraten und schildert die Brutalität des Krieges und das völlige Wegbrechen aller moralischen Bedenken unglaublich drastisch.

Damit beweist sie wieder einmal ihr Können als sprachgewaltige Geschichtenerzählerin. Dieser Teil des Romans hat mir wirklich gut gefallen.

Dann verstolpert sie sich jedoch in einer Liebesgeschichte – anscheinend geht es bei Allende nicht ohne. Zwar ist sie recht vorhersehbar ausgefallen, aber trotzdem noch erträglich lesbar.

Das Ende des Buches hat mich dann aber verwirrt. Zu abrupt und unmotiviert verbringt Emilia Zeit in der chilenischen Einöde. Selbstfindung? Es wird mysteriös-magisch … und kitschig.

Alles in allem: ein seltsames Leseerlebnis, denn für mich ist dieser Roman gleichzeitig außergewöhnlich und höchst mittelmäßig.

Aber…trotz all dieser Kritikpunkte, vergesse ich nicht, dass Isabel Allende eine raffinierte Romanautorin ist und immer wieder für Aha-Momente sorgen kann. Ich habe sie ja manchmal im Verdacht, dass sie die Erwartungen der Leserinnen und des Literaturbetriebes herzlich lachend ignoriert. Deshalb habe ich mich auch die ganze Zeit gefragt, wie Emilia del Valle mit Clara del Valle aus dem Geisterhaus verwandt ist. Und ist es jene Paulina del Valle, der ich schon in "Porträt in Sepia" begegnet bin?
Schließt sich hier ein Kreis? Ist es eine Art Vorgeschichte?
Sicher ist nur, dass die Namensgebung kein Zufall ist.
Aber darüber mögen sich klügere Geister die Köpfe zerbrechen!
Ich freue mich inzwischen auf das nächste Allende-Buch!

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Wirklich gute Tage!

Gute Tage von Roger Willemsen

Eine Sammlung von Interviews mit bekannten Persönlichkeiten? Noch dazu in Buchform?
Ist das im Zeitalter von social media nicht völlig veraltet, eigentlich sogar komplett aus der Zeit gefallen?
Kann so ein Buch überhaupt interessant sein?
Kann es!
Vor allem, wenn die Interviews von Roger Willemsen geführt wurden!

Ich schätze die Art, mit der R Willemsen Gespräche zu führen wusste: neugierig und gleichzeitig empathisch, souverän, klug und respektvoll, aber trotzdem immer ganz klar in den eigenen Aussagen und Einschätzungen.

Egal ob Jean Seberg, Arafat, Madonna (denkwürdig!), der Dalai Lama oder Issei Sagawa – Roger Willemsen konnte immer etwas Neues erfahren und schaffte damit eine geniale Mischung aus kluger Literatur und erstaunlicherweise ebenso klugem Tratsch.

Ich habe das Buch zwar bereits vor einigen Jahren gelesen, aber es hat seinen Platz in meinem Lieblingsbücherregal gefunden und kann locker mehrmals gelesen werden, so informativ und unterhaltsam ist es.
Es schenkt garantiert gute Lesestunden!

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Magic, my dear friend

Das Geschenk von Gaea Schoeters

Eine kurze Zeitungsnotiz war der Grund für diesen Roman:
ein geplantes Einfuhrverbot für Jagdtrophäen nach Europa bewegte den Präsidenten von Botswana zur Aussage, dass sein Land Deutschland gerne 20 000 Elefanten schenken könnte.

Gaea Schoeters hat den Gedanken konsequent weitergeführt.
Entstanden ist ein hinreißend absurder Roman, der durch klugen Witz und kritischer Gesellschaftssatire überzeugt.

Und ganz nebenbei stellt die Autorin die europäische Arroganz bloß, nach der hausgemachte Moralvorstellungen als allseits willkommenes Exportgut gesehen werden. Eine Art moderner Kolonialismus!
Alles in allem ist es ein humorvoller Roman mit Tiefgang, der mich buchverliebt und sehr nachdenklich zurücklässt.

Ganz großes Lesevergnügen!

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Loplop

Max von Markus Orths

Um es gleich vorweg zu sagen: dieses Buch konnte mich von der ersten Seite an fesseln und wirklich restlos begeistern!

Kunstgeschichte interessiert mich einfach, aber Markus Orths hat hier etwas Besonderes geschaffen: er hat gründlich recherchiert, zahlreiche Zeugnisse und Quellen aus dem privaten wie auch beruflichem Umfeld des Künstlers ausgewertet und sich damit eine gute Kenntnis der Person und des Künstlers Max Ernst erworben.

Diese gute Kenntnis erlaubte es ihm, Fakten durch erdachte Briefe und Dialoge zu erweitern – eine Möglichkeit, den Künstler, sein Leben und auch seine Zeit persönlicher darzustellen.
(Es gab aber natürlich auch das Fachlektorat des wissenschaftlichen Leiters des Max Ernst Museums in Brühl)

Entstanden ist eine Romanbiographie, die Max Ernsts Leben und seine revolutionäre Kunst anhand der Menschen, die ihn begleiteten und inspirierten, schildert.
Natürlich waren seine Lieben von Lou Straus bis Dorothea Tanning extrem wichtig für seine persönliche und künstlerische Entwicklung, aber auch seine Freunde wie André Breton, Paul Éluard, Varian Fry oder Hans Arp werden nicht vergessen. (Funfact am Rande: Hans Arp hatte einen Neffen, nämlich einen gewissen Herrn Jürgen Udo Bockelmann.)

Die Leserin vagabundiert mit Max Ernst durch sein turbulentes Leben: Dadaismus, Surrealismus, neue Maltechniken, Lieben und Freundschaften und auch zwei grausame Kriege, eine Welt, die aus den Fugen gerät, Flucht, Internierung, Deutschland, Frankreich, USA… ein abenteuerliches Leben mit vielen Höhen und Tiefen, aber immer durchdrungen von dem Wunsch nach Freiheit und Selbstverwirklichung in seiner Kunst.
Ein außergewöhnliches Leben - ein außergewöhnliches Buch!

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So ist das Leben....

Ja, nein, vielleicht von Doris Knecht

Bereits in ihrem letzten Roman „Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“ schrieb Doris Knecht autofiktional. Jetzt spinnt sie die Geschichte weiter. Eine Frau, Mitte 50, gesund, fit genug, schön genug und zufrieden mit sich selbst – genau so sieht sich die Protagonistin. Ihr Leben ist nicht besonders spektakulär, es läuft in geregelten Bahnen.

Wer sich also ein actiongeladenes Drama erwartet, wird enttäuscht sein – ein eher ruhiges Buch.

Es sind die gedanklichen Monologe, die den Charme dieses Buches ausmachen: sie bewegen sich zwischen Gegenwart, Vergangenheit und möglicher Zukunft. Manchmal gelassen, manchmal humorvoll, oft gesellschaftskritisch und immer selbstironisch. Zwar kontaminiert auch ein Mann für eine gewisse Zeit ihre Gedanken, aber eigentlich ist sie sich immer bewusst, dass sie ein sehr gutes Leben führt – als Single-Frau, die unabhängig lebt und eingebettet ist in einen stabilen Kreis aus Familie und Freunden.

„Ja, nein, vielleicht“ ist ganz locker lesbar, wird aber nicht so schnell wieder vergessen, weil der Autorin ein Roman gelungen ist, der humorvoll ist und gleichzeitig auch Tiefgang beweist.

Lesenswert (nicht nur für Frauen Mitte 50…)

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