Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:
Der Riss, der das Leben grundlegend verändert...
In diesem Fall ist der Riss ein Unfall, den Ogi gelähmt überlebt. Kommunikationn ist nur mit den Augen möglich. Als Pflegefall ist er von nun an völlig von seiner Schwiegermutter abhängig.
Zwei Protagonisten, ein Krankenzimmer, ein Garten und viele Erinnerungen - da sind die Elemente aus denen Hye-young Pyun eine grandios grauenhafte Geschichte gemacht hat.
Auf knapp 230 Seiten entwickelt die Autorin aus Südkorea ein verstörendes Psychogramm einer Beziehung, die von Schuld und Rache, Verzweiflung und Trauer geprägt ist. Emotionen und Stimmungen werden durch den klaren Schreibstil, der sich auf das Wesentliche konzentriert, ideal transportiert. Als Leser spürt man die beklemmende Atmosphäre, die sich nach und nach verändert. Aus einem Drama wird ein Psychothriller. Großartig!
Wirklich hervorheben möchte ich auch noch 2 Dinge, die oft untergehen, wenn ein Buch besprochen wird:
1) Die gelungene Übersetzung/Übertragung dieser Erzählung. Ich freue mich immer, fremde Literatur so kennenlernen zu dürfen.
2) Ein geniales Cover, das alleine schon zum Nachdenken anregt und sogar einen Zusammenhang zum Buch hat. Das ist ja wirklich nicht immer der Fall!
Fazit: Eine großartige Geschichte, die nachhallt und nachdenklich macht in einer tollen Verpackung. Unbedingt empfehlenswert!
Entbehrlich!
Großmutters Haus von Thomas Sautner
Der Grundgedanke hat mir richtig gut gefallen und mich natürlich schrecklich neugierig gemacht: eine unsichere Enkelin findet ihre totgeglaubte Großmutter. Die kümmert sich weder um Konventionen noch um die Meinung anderer. Sie lebt ihr Leben nach ihrem Geschmack und ihrer Laune. Klingt toll!
Aber leider – die Umsetzung verirrt sich irgendwie zwischen gekünstelt philosophischen Floskeln und zum Teil witzig absurden Situationen.
Die Dialoge sind auch nicht speziell tiefsinnig. Die Sprache des Buches ist klar, manchmal versucht poetisch aber keinesfalls überzeugend. Knapp 250 Seiten, aber leider ohne Esprit.
Alles in allem: entbehrlich! Man muss es nicht gelesen haben und ohne Leserunde hätte ich mitten drin abgebrochen. Vielleicht fehlte mir aber auch nur ein Sputnik beim Lesen;-)!
Die Macht der Worte
Der Stotterer von Charles Lewinsky
Johannes Hosea Stärckle ist Stotterer und trotzdem, oder eigentlich gerade deswegen, ein Meister des geschriebenen Wortes. Eine schriftstellerische Unsorgfältigkeit hat ihn dann allerdings ins Gefängnis gebracht („Ich befinde mich in Rätselhaft“ S 63) und hier schreibt er Briefe an den Padre, einen Verleger und einen Drogendealer.
Er beschreibt Ereignisse aus seiner Vergangenheit, die, wie Stärckle selber immer wieder betont, möglicherweise reine Fiktion sind – „Geschichtenerzähler müssen keine Bekenner sein, sondern gute Lügner“. Manchmal philosophisch, aber immer unterhaltsam sind die Gegenüberstellungen von Bibelsprüchen und Schopenhauerzitaten.
Lewinsky lässt Stärckle das geschriebene Wort einsetzen, um andere (und auch den Leser) zu bezaubern, eigentlich um zu manipulieren. Er schreibt sprachlich virtuos, originell, oft zynisch und bei aller beschriebenen Tragik auch immer wieder humorvoll. Bei so großartiger sprachlicher Kunst, können dem Autor ein paar Längen zwischendurch problemlos verziehen werden.
Ein Schelmenroman über das Erzählen, über Literatur und die Kunst zu lügen, aber auch über die Bereitschaft, belogen zu werden.
Spannender historischer Roman
Der Gesang der Bienen von Ralf H. Dorweiler
Ralf H. Dorweiler nimmt uns in seinem neuen Roman mit ins Jahr 1152. Der einfache Zeidler Seyfried hat nur 2 Wochen Zeit um das Leben seiner Frau zu retten. Damit beginnt für Seyfried und auch für den Leser eine abenteuerliche Reise, die zu Hildegard von Bingen und sogar auf den Hof des Königs Friedrich I.
führt.
Vorausschicken möchte ich, dass mir der Autor bis jetzt nicht bekannt war. Das Buch war aber für mich interessant, weil ich historische Romane, die nicht nur reine Fiktion sind, sehr schätze.
Der Autor zeichnet ein authentisches Bild einer Zeit mit strengen gesellschaftlichen Hierarchien, Normen und Gesetzen. Das mittelalterliche Leben wird anschaulich dargestellt. Auch die Beschreibungen der Zeidlerei (eine Form der Imkerei) sind informativ und niemals langweilig.
Alle Protagonisten werden facettenreich und vor allem sehr menschlich beschrieben: mit Sorgen, Ängsten, Wünschen und vor allem mit Geheimnissen, die einerseits die Spannung noch erhöhen und andererseits Hintergrundinformationen liefern, die das Verständnis der einzelnen Personen nur noch erhöhen.
Wirklich gelungen finde ich die Tatsache, dass hier das Schicksal von fiktiven Personen mit jenem historischer Persönlichkeiten zu einem überaus spannenden Roman verwoben wird. So erfährt der Leser ganz nebenher auch viel über das Leben von Hildegard von Bingen. Auch wenn sie vielleicht nicht die sympathischste Person war, so war sie doch zweifelsohne eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit.
Die Sprache ist flüssig, der Erzählstil fesselnd - Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Es stört auch nicht, dass der Zufall vor allem gegen Ende hin, eine große Rolle spielt.
Fazit: eine tolle Mischung aus Fiktion und historischen Fakten, spannend und informativ geschrieben – knapp 470 Seiten sind viel zu rasch gelesen! Leseempfehlung!
Auswanderer im 19 Jh.
Der weiße Ahorn von Mina Baites
„Der weisse Ahorn“ ist der erste von zwei Teilen der Breitenbach-Saga.
Vorausschicken möchte ich, dass ich mich für dieses Buch nicht wegen der Inhaltsangabe, sondern wegen der Autorin entschieden habe. Ich wurde auch nicht enttäuscht, denn Mina Baites alias Iris Klockmann hat es geschafft, mich für ein Thema zu interessieren, das mir bislang eigentlich komplett gleichgültig war: die Auswanderer nach Amerika im 19.
Jh.
Die Lage der Auswanderer wurde gut recherchiert und in allen Facetten lebensnah geschildert. Man meint fast, mitten zwischen diesen Menschen auf dem Schiff zu sein, ihre Hoffnungen und Ängste zu teilen, ihren Mut und auch ihre Zweifel mitzuerleben.
Es ist die fiktive Familie Breitenbach, die der Leser in Berlin und auf der Reise nach Amerika bzw in Amerika begleiten darf. Mina Baites lässt die sympathischen Breitenbachs dabei aber unter anderem auch auf zahlreiche historisch belegte Persönlichkeiten treffen. Und rein um eine erstaunliche Dame wie Mary Fields kennenzulernen, zahlt es sich aus, dieses Buch zu lesen. In einem kurzen Nachwort erklärt die Autorin auch noch, welche Personen des Buches tatsächlich historisch belegt sind.
Während über weite Strecken die einzelnen Handlungselemente langsam aufgebaut werden, überschlagen sich im letzten Viertel die Ereignisse ein wenig zu sehr für meinen Geschmack. Die einzelnen Schicksale müssen zu einem Ende gebracht werden – manches davon erscheint mir etwas übereilt, vieles vorhersehbar. Leider, denn ich hätte noch locker 100 Seiten mehr lesen mögen und das ist doch eigentlich ein Kompliment für die Autorin.
Fazit: gute und informative Unterhaltung! Ich freue mich schon auf den zweiten Teil und damit auf eine Wiederlesen mit der Familie Breitenbach
Mörderische 60iger Jahre
Eine Melange für den Schah von Sabina Naber
Eine Melange für den Schah
Sabina Naber
Kommissar Fodor und seine Assistenten werden im Wien des Jahres 1965 mit mehreren Morden an Mitgliedern einer linken Studentengruppe konfrontiert. Ein politisches Motiv? Oder ist der Mörder doch im privaten Umfeld zu suchen? Und welche Rolle spielt der Besuch des Schahs in Österreich?
Es wurde eine sehr spannende und abwechslungsreiche Mörderjagd und ich gebe gerne zu, dass ich bis zum Schluss völlig ahnungslos war, was den Täter angeht.
Die Autorin versteht es, den Leser immer wieder auf falsche Spuren zu führen und zu verwirren. Die Ermittler selber sind keineswegs coole Superhelden, sie haben Ecken und Kanten und an vielen Aussagen merkt man deutlich, dass sie Kinder ihrer Zeit sind.
Der Stil ist sehr angenehm zu lesen. Mit typisch wienerischem Witz und Charme zeichnet Sabina Naber nämlich einüberaus interessantes Bild der 60iger Jahre: bunte Mode und lange Haare waren in Wiens Straßen keineswegs üblich, sondern eher ein Skandal. Geraucht wurde immer und überall, Handys gab es noch keine – beim Telefon musste man sich mit einem Viertelanschluss begnügen, im Radio hörte man Beatles oder Drafi Deutscher und Fernsehprogramm gab es noch lange nicht rund um die Uhr. Nationalistisches Gedankengut war allerdings noch immer weit verbreitet und im Alltag durchaus toleriert, die Gleichberechtigung der Frau noch weit, weit entfernt. Es ist nicht immer ein angenehmes Bild, das die Autorin uns präsentiert – die 60iger Jahre sind in vielen Bereichen ein unbekanntes Jahrzehnt! Also Zeitgeschichte in einen spannenden Krimi verpackt.
Fazit: ein lesenswerter Krimi mit Tiefgang und viel historischen Informationen und ich hoffe, bald wieder von diesem Ermittlerteam zu lesen!
Zwischen zwei Kulturen...
Am Beispiel des Affen von Sabina Naber
Amitava Kumar erzählt die Geschichte von Kailash, einem jungen Inder, der in die USA auswandert, um zu studieren – Literatur, das Leben und vor allem Frauen.
Es ist kein chronologisch erzählter Roman, sondern eine bunte Mischung aus Texten, Bildern, Erinnerungen, Zeitungsausschnitten, Tagebucheintragungen und Anekdoten.
Außerdem neigt der Autor dazu, sehr ausschweifend zu erzählen, er kommt wirklich vom Hundertsten ins Tausendste – so erfährt man einiges über Indiens Geschichte, Politik oder Literatur und natürlich auch über die verschiedenen Lieben von Kailash.
Aber was als Plauderei bei einem Glas Wein amüsant und informativ wäre, ist in einem Buch manchmal recht langatmig. Zahlreiche Fußnoten und Nebenbemerkungen mögen ja durchaus aufschlussreich sein, stören den Lesefluss aber ungemein und ich gestehe, dass die Erzählung mich nicht wirklich fesseln konnte, folglich waren manche Passagen für mich recht mühsam. Und das obwohl der Stil angenehm nüchtern, intelligent und teilweise amüsant-ironisch ist.
Beeindruckend hingegen fand ich die subtile Darstellung der inneren Heimatlosigkeit – Kailash ist nicht mehr in Indien zu Hause und in den USA auch noch nicht. Im Epilog wird auch deutlich, dass der Autor dieses Gefühl selbst nach Jahrzehnten noch so erlebt. Der Originaltitel lautet nicht umsonst „Immigrant, Montana“.
Ein geschichtlis heikles Thema wird mit einer fiktiven Liebesgeschichte vermischt - darf man das?
Stella von Würger Takis
Die Geschichte wird in einer Art Rückblende aus der Sicht des zeitweise unglaublich naiven Protagonisten Friedrich erzählt: aufgewachsen in der Schweiz in finanziell wohlhabenden Verhältnissen wird er von der Mutter emotional völlig vernachlässigt, eigentlich sogar misshandelt, weil er nicht in der Lage ist, ihre Träume zu erfüllen.
Dieser schüchterne junge Mann hat ausgerechnet im Jahre 1942 die Idee, Berlin zu besuchen. Dort begegnet er der faszinierenden Kristin, die ihm später gesteht, eigentlich Stella zu heißen und Jüdin zu sein. Soweit wäre es eine Liebesgeschichte in einer grausamen Zeit. Aber Takis Würger hat nicht irgendeine Stella zur Protagonistin seines Romans gemacht: es ist Stella Goldschlag, die tatsächlich gelebt hat und als „Greiferin“ und Nazi-Kollaborateurin traurige Berühmtheit erlangte.
Nach einer Art Einführung, die die Kindheit Friedrichs beschreibt, ist das Buch in 12 Kapitel, die den 12 Monaten des Jahres 1942 entsprechen, eingeteilt. Jedes Kapitel beginnt mit Ereignissen, die damals in der Welt bzw in Deutschland passierten – egal ob Fußballspiele oder Goebbels Gebote, die Gründung der „Weißen Rose“ oder die Geburt von Paul McCartney. Sie bilden einen zeitgeschichtlichen Rahmen. Dann folgt die Geschichte von Friedrich und Kristin/Stella. Als Abschluss jedes Kapitels liest man Auszüge aus Gerichtsakten, die den Fall Stella Goldschlag behandeln. Es ist eine seltsame Ordnung in den Kapiteln.
Takis Würgers Stil ist stark reduziert, einfach und klar. Er beschreibt ohne Pathos, fast schon emotionslos das Leben von Friedrich und Stella. Vielleicht war das der Grund, dass ich selber keineswegs so distanziert bleiben konnte. Wollte der Autor eine menschliche Seite von Stella zeigen? Eine junge Frau, die lebenshungrig und unpolitisch, nur ihren Traum, Sängerin zu sein, leben will? Kann man in Gut-Böse einteilen? Aber auch das wird relativiert, denn es ist nie wirklich klar, was Fiktion und was nun Realität ist. Dem Leser bleibt viel Raum zur Interpretation (für mich vielleicht ein wenig zu viel!). Der Autor deutet vieles nur in Nebensätzen an und auch am Schluss bleibt noch einiges offen.
Diese 219 Seiten sind zwar rasch gelesen, wirken indessen lange nach und geben viel Stoff zum Nachdenken, werden ja auch aktuell kontrovers diskutiert.
Aber auch wenn mich diese Geschichte ein wenig ratlos zurücklässt, so finde ich sie trotzdem lesenswert!
Totgeschwiegene Zeitgeschichte
Grenzgänger von Borrmann Mechtild
Mechtild Borrmann, Bestsellerautorin und bekannt durch Bücher wie „Trümmerkinder“ oder „Der Geiger“, greift in „Grenzgänger“ ein lange verdrängtes Kapitel Zeitgeschichte auf: die Zustände in kirchlichen Kinderheimen in der Nachkriegszeit.
Sie erzählt uns die Geschichte von Henni und ihren Geschwistern.
Henni muss jung Verantwortung für ihre Familie übernehmen: ihre Mutter verstarb früh, der Vater, durch den Krieg traumatisiert, war völlig unfähig, seine Kinder zu versorgen. Durch Kaffeeschmuggel an der deutsch-belgischen Grenze verdient sie ihren Lebensunterhalt und ermöglicht es, dass die Geschwister zu Hause bleiben dürfen. Als dann allerdings ein Unglück passiert, landet Henni in einer Besserungsanstalt und ihre jüngeren Geschwister werden in einem kirchlichen Kinderheim untergebracht. Damit beginnt ihr unfassbarer Leidensweg, denn anstatt Liebe und Fürsorge erfahren die Kinder Gewalt, systematische Misshandlungen und Erniedrigungen.
Mechtild Borrmann erzählt ihre Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen. So werden die einzelnen Kapitel zu Puzzleteilchen, die erst am Schluss ein ganzes und erschütterndes Bild ergeben.
Die Sprache ist klar und präzise, hat enorme Sogwirkung, denn der Leser ist sofort mitten in der Geschichte und leidet mit den Protagonisten mit. Die Formulierungen bleiben fast minimalistisch, ohne Übertreibungen, ohne überflüssige Wertungen beschränkt sich die Autorin auf das Erzählen der Schicksale. Übertreibungen sind bei diesen Geschichten auch keinesfalls notwendig, sie lassen niemanden unberührt.
Selten habe ich so mitgelitten und selten habe ich mir so sehr ein Happy End gewünscht, wie bei der Lektüre dieses Buches. Vielleicht auch deshalb, weil mir von Anfang an klar war, dass zwar die einzelnen Figuren fiktiv sind, die geschilderten Erlebnisse jedoch nicht. Mechtild Borrmann hat in zahlreichen Gesprächen mit ehemaligen Heimkindern die Zustände genau recherchiert. Sie hat mit jenen Menschen gesprochen, die zum Teil auch heute noch unter diesen Erlebnissen leiden und auch unter einer Umwelt leiden, die dieses grausame Kapitel Sozialgeschichte jahrzehntelang bewusst ignoriert und totgeschwiegen hat.
Mit diesem Buch haben sie endlich eine Stimme bekommen.
Interessante und amüsante Krimiunterhaltung
Alles ist lebend tot von Natalie Mesensky
Alles ist lebend tot – ein intelligenter und amüsanter Krimi
Barbara Aubert, die Protagonistin des dritten Krimis von Natalie Mesensky, erfüllt sich einen Kindheitstraum: nach dem Verkauf ihrer Firma in Wien, investiert sie in eine Gärtnerei und Blumenhandlung in der Kleinstadt Tulln.
Ein grausamer Raubmord und der Diebstahl eines Bildes von Egon Schiele verhindern jedoch, dass Barbaras Leben ruhig und beschaulich verläuft.
Außerdem findet sie in ihrer Villa Aufzeichnungen des ursprünglichen Besitzers, der von Kindheit an mit Egon Schiele befreundet war und dessen Leben mitverfolgt hat.
Mehr soll allerdings hier zum Inhalt nicht verraten werden! Was ich unbedingt noch positiv erwähnen möchte: das Cover des Buches ist Schieles „Sonnenbaum“. Abgesehen davon, dass es wunderschön ist, passt es perfekt zum Buch!
Dieser Krimi ist sehr klug inszeniert: einerseits versucht man die Geheimnisse um die Morde zu ergründen, andererseits bilden fiktive Tagebucheintragungen zu Egon Schiele, der Kindheit und Jugend in Tulln verbracht hat, eine interessante Erzählung für sich. Man muss kein großer Schiele-Kenner sein, um der Geschichte folgen zu können, ein wenig Internetrecherche zu seinen Bildern ist trotzdem lohnend und interessant.
Der Erzählstil begeistert mich: flüssig, unkompliziert zu lesen und immer wieder blitzt Humor durch. Dabei schafft es die Autorin, den Spannungsbogen durchgehend hoch zu halten. Immer, wenn ich dachte, den Täter identifiziert zu haben, gab es eine überraschende Wendung und ich war wieder ratlos. Dazu kommen amüsante Dialoge, teilweise in gemäßigtem Dialekt, die die Geschichte lebendig werden lassen.
Detailreich werden die verschiedenen, bisweilen reichlich seltsamen und verschrobenen Charaktere beschrieben, die Barbaras Wege kreuzen. Sie gehören allesamt zum Kreis der Tatverdächtigen, manchmal mehr, manchmal weniger. Hin und wieder wird auch auf Personen der vorangegangenen Bücher der Autorin Bezug genommen. Ich kenne dies Bücher leider noch nicht und so war es ein wenig verwirrend, allerdings für diesen Krimi völlig bedeutungslos.
Die Auflösung der Kriminalfälle ist logisch und war für mich trotzdem überraschend, weil ich mich durch alle falschen Spuren, die die Autorin gelegt hat, immer wieder in die Irre leiten ließ. Und auch wenn ich wieder einmal mein detektivisches Unvermögen bewiesen habe, so habe ich mich doch wirklich gut unterhalten gefühlt! Genau so soll es doch sein, oder?
Fazit: ein intelligenter Krimi, der vergnügliche Lesestunden garantiert! Empfehlenswert!










