Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:
Auswanderer im 19 Jh.
Der weiße Ahorn von Mina Baites
„Der weisse Ahorn“ ist der erste von zwei Teilen der Breitenbach-Saga.
Vorausschicken möchte ich, dass ich mich für dieses Buch nicht wegen der Inhaltsangabe, sondern wegen der Autorin entschieden habe. Ich wurde auch nicht enttäuscht, denn Mina Baites alias Iris Klockmann hat es geschafft, mich für ein Thema zu interessieren, das mir bislang eigentlich komplett gleichgültig war: die Auswanderer nach Amerika im 19.
Jh.
Die Lage der Auswanderer wurde gut recherchiert und in allen Facetten lebensnah geschildert. Man meint fast, mitten zwischen diesen Menschen auf dem Schiff zu sein, ihre Hoffnungen und Ängste zu teilen, ihren Mut und auch ihre Zweifel mitzuerleben.
Es ist die fiktive Familie Breitenbach, die der Leser in Berlin und auf der Reise nach Amerika bzw in Amerika begleiten darf. Mina Baites lässt die sympathischen Breitenbachs dabei aber unter anderem auch auf zahlreiche historisch belegte Persönlichkeiten treffen. Und rein um eine erstaunliche Dame wie Mary Fields kennenzulernen, zahlt es sich aus, dieses Buch zu lesen. In einem kurzen Nachwort erklärt die Autorin auch noch, welche Personen des Buches tatsächlich historisch belegt sind.
Während über weite Strecken die einzelnen Handlungselemente langsam aufgebaut werden, überschlagen sich im letzten Viertel die Ereignisse ein wenig zu sehr für meinen Geschmack. Die einzelnen Schicksale müssen zu einem Ende gebracht werden – manches davon erscheint mir etwas übereilt, vieles vorhersehbar. Leider, denn ich hätte noch locker 100 Seiten mehr lesen mögen und das ist doch eigentlich ein Kompliment für die Autorin.
Fazit: gute und informative Unterhaltung! Ich freue mich schon auf den zweiten Teil und damit auf eine Wiederlesen mit der Familie Breitenbach
Mörderische 60iger Jahre
Eine Melange für den Schah von Sabina Naber
Eine Melange für den Schah
Sabina Naber
Kommissar Fodor und seine Assistenten werden im Wien des Jahres 1965 mit mehreren Morden an Mitgliedern einer linken Studentengruppe konfrontiert. Ein politisches Motiv? Oder ist der Mörder doch im privaten Umfeld zu suchen? Und welche Rolle spielt der Besuch des Schahs in Österreich?
Es wurde eine sehr spannende und abwechslungsreiche Mörderjagd und ich gebe gerne zu, dass ich bis zum Schluss völlig ahnungslos war, was den Täter angeht.
Die Autorin versteht es, den Leser immer wieder auf falsche Spuren zu führen und zu verwirren. Die Ermittler selber sind keineswegs coole Superhelden, sie haben Ecken und Kanten und an vielen Aussagen merkt man deutlich, dass sie Kinder ihrer Zeit sind.
Der Stil ist sehr angenehm zu lesen. Mit typisch wienerischem Witz und Charme zeichnet Sabina Naber nämlich einüberaus interessantes Bild der 60iger Jahre: bunte Mode und lange Haare waren in Wiens Straßen keineswegs üblich, sondern eher ein Skandal. Geraucht wurde immer und überall, Handys gab es noch keine – beim Telefon musste man sich mit einem Viertelanschluss begnügen, im Radio hörte man Beatles oder Drafi Deutscher und Fernsehprogramm gab es noch lange nicht rund um die Uhr. Nationalistisches Gedankengut war allerdings noch immer weit verbreitet und im Alltag durchaus toleriert, die Gleichberechtigung der Frau noch weit, weit entfernt. Es ist nicht immer ein angenehmes Bild, das die Autorin uns präsentiert – die 60iger Jahre sind in vielen Bereichen ein unbekanntes Jahrzehnt! Also Zeitgeschichte in einen spannenden Krimi verpackt.
Fazit: ein lesenswerter Krimi mit Tiefgang und viel historischen Informationen und ich hoffe, bald wieder von diesem Ermittlerteam zu lesen!
Zwischen zwei Kulturen...
Am Beispiel des Affen von Kumar Amitava
Amitava Kumar erzählt die Geschichte von Kailash, einem jungen Inder, der in die USA auswandert, um zu studieren – Literatur, das Leben und vor allem Frauen.
Es ist kein chronologisch erzählter Roman, sondern eine bunte Mischung aus Texten, Bildern, Erinnerungen, Zeitungsausschnitten, Tagebucheintragungen und Anekdoten.
Außerdem neigt der Autor dazu, sehr ausschweifend zu erzählen, er kommt wirklich vom Hundertsten ins Tausendste – so erfährt man einiges über Indiens Geschichte, Politik oder Literatur und natürlich auch über die verschiedenen Lieben von Kailash.
Aber was als Plauderei bei einem Glas Wein amüsant und informativ wäre, ist in einem Buch manchmal recht langatmig. Zahlreiche Fußnoten und Nebenbemerkungen mögen ja durchaus aufschlussreich sein, stören den Lesefluss aber ungemein und ich gestehe, dass die Erzählung mich nicht wirklich fesseln konnte, folglich waren manche Passagen für mich recht mühsam. Und das obwohl der Stil angenehm nüchtern, intelligent und teilweise amüsant-ironisch ist.
Beeindruckend hingegen fand ich die subtile Darstellung der inneren Heimatlosigkeit – Kailash ist nicht mehr in Indien zu Hause und in den USA auch noch nicht. Im Epilog wird auch deutlich, dass der Autor dieses Gefühl selbst nach Jahrzehnten noch so erlebt. Der Originaltitel lautet nicht umsonst „Immigrant, Montana“.
Ein geschichtlis heikles Thema wird mit einer fiktiven Liebesgeschichte vermischt - darf man das?
Stella von Würger Takis
Die Geschichte wird in einer Art Rückblende aus der Sicht des zeitweise unglaublich naiven Protagonisten Friedrich erzählt: aufgewachsen in der Schweiz in finanziell wohlhabenden Verhältnissen wird er von der Mutter emotional völlig vernachlässigt, eigentlich sogar misshandelt, weil er nicht in der Lage ist, ihre Träume zu erfüllen.
Dieser schüchterne junge Mann hat ausgerechnet im Jahre 1942 die Idee, Berlin zu besuchen. Dort begegnet er der faszinierenden Kristin, die ihm später gesteht, eigentlich Stella zu heißen und Jüdin zu sein. Soweit wäre es eine Liebesgeschichte in einer grausamen Zeit. Aber Takis Würger hat nicht irgendeine Stella zur Protagonistin seines Romans gemacht: es ist Stella Goldschlag, die tatsächlich gelebt hat und als „Greiferin“ und Nazi-Kollaborateurin traurige Berühmtheit erlangte.
Nach einer Art Einführung, die die Kindheit Friedrichs beschreibt, ist das Buch in 12 Kapitel, die den 12 Monaten des Jahres 1942 entsprechen, eingeteilt. Jedes Kapitel beginnt mit Ereignissen, die damals in der Welt bzw in Deutschland passierten – egal ob Fußballspiele oder Goebbels Gebote, die Gründung der „Weißen Rose“ oder die Geburt von Paul McCartney. Sie bilden einen zeitgeschichtlichen Rahmen. Dann folgt die Geschichte von Friedrich und Kristin/Stella. Als Abschluss jedes Kapitels liest man Auszüge aus Gerichtsakten, die den Fall Stella Goldschlag behandeln. Es ist eine seltsame Ordnung in den Kapiteln.
Takis Würgers Stil ist stark reduziert, einfach und klar. Er beschreibt ohne Pathos, fast schon emotionslos das Leben von Friedrich und Stella. Vielleicht war das der Grund, dass ich selber keineswegs so distanziert bleiben konnte. Wollte der Autor eine menschliche Seite von Stella zeigen? Eine junge Frau, die lebenshungrig und unpolitisch, nur ihren Traum, Sängerin zu sein, leben will? Kann man in Gut-Böse einteilen? Aber auch das wird relativiert, denn es ist nie wirklich klar, was Fiktion und was nun Realität ist. Dem Leser bleibt viel Raum zur Interpretation (für mich vielleicht ein wenig zu viel!). Der Autor deutet vieles nur in Nebensätzen an und auch am Schluss bleibt noch einiges offen.
Diese 219 Seiten sind zwar rasch gelesen, wirken indessen lange nach und geben viel Stoff zum Nachdenken, werden ja auch aktuell kontrovers diskutiert.
Aber auch wenn mich diese Geschichte ein wenig ratlos zurücklässt, so finde ich sie trotzdem lesenswert!
Totgeschwiegene Zeitgeschichte
Grenzgänger von Borrmann Mechtild
Mechtild Borrmann, Bestsellerautorin und bekannt durch Bücher wie „Trümmerkinder“ oder „Der Geiger“, greift in „Grenzgänger“ ein lange verdrängtes Kapitel Zeitgeschichte auf: die Zustände in kirchlichen Kinderheimen in der Nachkriegszeit.
Sie erzählt uns die Geschichte von Henni und ihren Geschwistern.
Henni muss jung Verantwortung für ihre Familie übernehmen: ihre Mutter verstarb früh, der Vater, durch den Krieg traumatisiert, war völlig unfähig, seine Kinder zu versorgen. Durch Kaffeeschmuggel an der deutsch-belgischen Grenze verdient sie ihren Lebensunterhalt und ermöglicht es, dass die Geschwister zu Hause bleiben dürfen. Als dann allerdings ein Unglück passiert, landet Henni in einer Besserungsanstalt und ihre jüngeren Geschwister werden in einem kirchlichen Kinderheim untergebracht. Damit beginnt ihr unfassbarer Leidensweg, denn anstatt Liebe und Fürsorge erfahren die Kinder Gewalt, systematische Misshandlungen und Erniedrigungen.
Mechtild Borrmann erzählt ihre Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen. So werden die einzelnen Kapitel zu Puzzleteilchen, die erst am Schluss ein ganzes und erschütterndes Bild ergeben.
Die Sprache ist klar und präzise, hat enorme Sogwirkung, denn der Leser ist sofort mitten in der Geschichte und leidet mit den Protagonisten mit. Die Formulierungen bleiben fast minimalistisch, ohne Übertreibungen, ohne überflüssige Wertungen beschränkt sich die Autorin auf das Erzählen der Schicksale. Übertreibungen sind bei diesen Geschichten auch keinesfalls notwendig, sie lassen niemanden unberührt.
Selten habe ich so mitgelitten und selten habe ich mir so sehr ein Happy End gewünscht, wie bei der Lektüre dieses Buches. Vielleicht auch deshalb, weil mir von Anfang an klar war, dass zwar die einzelnen Figuren fiktiv sind, die geschilderten Erlebnisse jedoch nicht. Mechtild Borrmann hat in zahlreichen Gesprächen mit ehemaligen Heimkindern die Zustände genau recherchiert. Sie hat mit jenen Menschen gesprochen, die zum Teil auch heute noch unter diesen Erlebnissen leiden und auch unter einer Umwelt leiden, die dieses grausame Kapitel Sozialgeschichte jahrzehntelang bewusst ignoriert und totgeschwiegen hat.
Mit diesem Buch haben sie endlich eine Stimme bekommen.
Interessante und amüsante Krimiunterhaltung
Alles ist lebend tot von Natalie Mesensky
Alles ist lebend tot – ein intelligenter und amüsanter Krimi
Barbara Aubert, die Protagonistin des dritten Krimis von Natalie Mesensky, erfüllt sich einen Kindheitstraum: nach dem Verkauf ihrer Firma in Wien, investiert sie in eine Gärtnerei und Blumenhandlung in der Kleinstadt Tulln.
Ein grausamer Raubmord und der Diebstahl eines Bildes von Egon Schiele verhindern jedoch, dass Barbaras Leben ruhig und beschaulich verläuft.
Außerdem findet sie in ihrer Villa Aufzeichnungen des ursprünglichen Besitzers, der von Kindheit an mit Egon Schiele befreundet war und dessen Leben mitverfolgt hat.
Mehr soll allerdings hier zum Inhalt nicht verraten werden! Was ich unbedingt noch positiv erwähnen möchte: das Cover des Buches ist Schieles „Sonnenbaum“. Abgesehen davon, dass es wunderschön ist, passt es perfekt zum Buch!
Dieser Krimi ist sehr klug inszeniert: einerseits versucht man die Geheimnisse um die Morde zu ergründen, andererseits bilden fiktive Tagebucheintragungen zu Egon Schiele, der Kindheit und Jugend in Tulln verbracht hat, eine interessante Erzählung für sich. Man muss kein großer Schiele-Kenner sein, um der Geschichte folgen zu können, ein wenig Internetrecherche zu seinen Bildern ist trotzdem lohnend und interessant.
Der Erzählstil begeistert mich: flüssig, unkompliziert zu lesen und immer wieder blitzt Humor durch. Dabei schafft es die Autorin, den Spannungsbogen durchgehend hoch zu halten. Immer, wenn ich dachte, den Täter identifiziert zu haben, gab es eine überraschende Wendung und ich war wieder ratlos. Dazu kommen amüsante Dialoge, teilweise in gemäßigtem Dialekt, die die Geschichte lebendig werden lassen.
Detailreich werden die verschiedenen, bisweilen reichlich seltsamen und verschrobenen Charaktere beschrieben, die Barbaras Wege kreuzen. Sie gehören allesamt zum Kreis der Tatverdächtigen, manchmal mehr, manchmal weniger. Hin und wieder wird auch auf Personen der vorangegangenen Bücher der Autorin Bezug genommen. Ich kenne dies Bücher leider noch nicht und so war es ein wenig verwirrend, allerdings für diesen Krimi völlig bedeutungslos.
Die Auflösung der Kriminalfälle ist logisch und war für mich trotzdem überraschend, weil ich mich durch alle falschen Spuren, die die Autorin gelegt hat, immer wieder in die Irre leiten ließ. Und auch wenn ich wieder einmal mein detektivisches Unvermögen bewiesen habe, so habe ich mich doch wirklich gut unterhalten gefühlt! Genau so soll es doch sein, oder?
Fazit: ein intelligenter Krimi, der vergnügliche Lesestunden garantiert! Empfehlenswert!
Spannende Geschichte, Liebesgeschichte und Informationen - eine gute Mischung
Das Geheimnis der Papiermacherin von Andrea Bottlinger
Nürnberg im Jahre 1621. Der Dreißigjährige Krieg hat der Bevölkerung nur Not und Armut gebracht. In diesen schweren Zeiten versucht Anna Pecht die Papiermühle ihres Vaters vor dem Ruin zu bewahren. Ihr Vater ist dabei keine rechte Hilfe - seine Trunk- und Spielsucht sind die Ursachen für die Schulden, die Anna dazu zwingen, nicht ganz legale Wege einzuschlagen.
Unterstützt wird sie dabei von ihren treuen Freunden. Unglücklicherweise kommt sie dabei aber Bartholomäus von Treist in die Quere, der nicht nur ein reicher und angesehener Kaufmann ist, sondern gleichzeitig auch die Unterwelt von Nürnberg lenkt und beherrscht. Dass der solche Einmischungen nicht dulden kann, ist klar. Welche Konsequenzen müssen Anna und ihre Freunde tragen? Und welche Rolle spielt Johann, der ehemalige Söldner? Welche Ziele verfolgt er? Und warum?
All das sind die wichtigsten Elemente, aus denen Andrea Bottlinger eine spannende und wirklich flüssig lesbare Geschichte gemacht hat. Was mir persönlich besonders gut gefällt, ist die differenzierte Darstellung der einzelnen Protagonisten. Sie haben alle wirklich gute Seiten wie Treue und Loyalität, aber gleichzeitig sind sie in ihrer Auslegung von Recht und Gesetz erstaunlich flexibel. Es ist die Not, die Menschen manchmal zu Taten verleitet, die sie ansonsten keinesfalls begehen würden!
Eine etwas vorhersehbare Liebesgeschichte lockert die düsteren Episoden angenehm auf und so kann man sich von Anfang an auf ein Happy End freuen.
Nebenbei erfährt man auch interessante Details über die Papierherstellung in jener Zeit, über die Macht des Rates, seine Verordnungen und Gesetze, seinen Einfluss auf die Handwerker, aber auch über die Sitten und Lebensumstände der Nürnberger Bevölkerung.
Fazit: Abgesehen von der Tatsache, dass der Titel nicht zum Inhalt des Buches passt, ist es ein spannender und stimmiger Historienroman, der unterhaltsame Lesestunden garantiert!
Berührend und informativ
Die Stimmlosen von Melanie Metzenthin
Hamburg 1945: der Krieg ist vorbei. Aber das Leben in der Nachkriegszeit ist schwer, es mangelt an allem: zu wenig Nahrung, zu wenig Kleidung, keine Medikamente, wenig Heizmaterial, wenig Wohnraum in der zerbombten Stadt.
In dieser Zeit kämpfen die Ärzte Richard und Paula, deren Familien sowie deren Freunde Fritz und Arthur um ihr Überleben.
Sie sind zwar in durchaus privilegierten Stellungen, haben Arbeit, Einkommen und Wohnung, aber einfach ist es für sie trotzdem nicht, ganz im Gegenteil! Auch sie sind manchmal gezwungen am Rande der Legalität zu agieren, um überleben zu können. Verständlich, denn Lebensmittelmarken, die den Bezug von 5gr (!) Fleisch erlauben, sind oft sinnlos, da es kein Fleisch gibt – der Schwarzmarkt blüht. Jeder muss irgendwie überleben.
Melanie Metzenthin beschreibt wirklich spannend und authentisch die Zustände, die die Menschen in den ersten Jahren der Nachkriegszeit meistern mussten. Darüber hinaus greift sie zahlreiche Themen der Zeit auf, wie zum Beispiel die Diskussion um die Euthanasie von Behinderten im Krieg, die Art wie die Prozesse diesbezüglich geführt wurden und die Tatsache, dass die Seilschaften aus der Nazi-Zeit auch in der Nachkriegszeit perfekt funktionierten. Viele der wichtigen Posten nach dem Krieg wurden von jenen besetzt, die im Krieg überzeugte Nazis waren und dann versicherten, dass sie sowieso immer im Widerstand waren. Außerdem wird die Beziehung zu den alliierten Besatzungsmächten immer wieder beschrieben, die Verbote, die Vorurteile, die auf allen Seiten herrschten und das Zusammenleben bestimmten.
Alle Themen zu nennen, würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Aber in diesem Zusammenhang möchte ich auf die Facebook- Autorenseite von Melanie Metzenthin verweisen. Dort findet man noch viele geschichtliche und private Hintergrundinformationen und Fotos!
Soviel sei verraten: die Protagonisten meistern diese schwere Zeit mit viel Lebensmut, Mitgefühl, einer guten Portion Humor und einer Freundschaft, die Rückhalt gibt und es ermöglicht, von einer besseren Zukunft zu träumen. Mehr noch: die es ermöglicht, alles zu tun, damit diese bessere Zukunft Wirklichkeit wird.
Die Autorin versteht es, die einzelnen Protagonisten in allen ihren Facetten lebensnah und glaubwürdig zu charakterisieren. Ihr Kampf ums Überleben, ohne dabei die eigenen Überzeugungen über Bord zu werfen, ist so detailreich und informativ beschrieben, dass die knapp 500 Seiten rasend schnell gelesen sind, ohne auch nur einen Moment der Langeweile.
Sie beschreibt emotional berührend und historisch fundiert, welch grausame Folgen Nationalsozialismus und der Krieg für alle Menschen hatte. Ein Buch, das zu denken gibt – nicht nur als Roman, der in der Vergangenheit spielt, sondern als wichtiges Buch in Zeiten wo Rechtsextremismus und Menschenverachtung wieder salonfähig gemacht werden!
Unbedingt lesenswert!
Tenbrink und Bertram ermitteln wieder. Endlich!
Totenbauer von Tom Finnek
Wie schon im ersten Fall, „Galgenhügel“, werden die eigenwilligen Kommissare mit einem komplizierten und verwirrenden Mordfall konfrontiert. Die letzte Worte des Opfers waren „toter Bauer“ oder zumindest so ähnlich. Können sie damit etwas anfangen? Und welche Rolle spielt ein längst vergangener Griechenlandurlaub in dem aktuellen Verbrechen? Und hat irgendwer bei dem Verkehrsunfall nachgeholfen? Wie schon gesagt: verwirrend!
Tenbrink ermitteln nur im Krankenstand und Bertram muss sich mit einem anderen Vorgesetzten herumschlagen, was einige witzige Situationen und Dialoge ergibt, aber keinesfalls konfliktfrei abläuft! Neben diesen wirklich komplexen Ermittlungsarbeiten kämpfen die Kommissare mit privaten Problemen: Tenbrink hat nach wie vor Gedächtnislücken, kommt der Ursache im Laufe des Buches nur langsam auf die Spur (übrigens eine Spur, von der ich noch immer hoffe, dass sie sich als falsch erweisen wird) und Bertram wird von seiner Vergangenheit eingeholt, was bei ihm natürlich auch mit Frauen zu tun hat und für schlagkräftige Argumente sorgt.
Tom Finnek schafft es, eine Geschichte mit viel Lokalkolorit zu erzählen, ohne dabei ins Klischeehafte von Regionalkrimis abzurutschen. Der Krimi ist nicht blutrünstig, obwohl da schon die eine oder andere Leiche dazukommt. Eigentlich ist es eine Art Puzzle: nur nach und nach gibt der Autor die wichtigen Fakten über die Verdächtigen und die Geschehnisse preis, nur nach und nach werden Zusammenhänge und Entwicklungen klar sichtbar.
Beim Lesen wurde ich zum Detektiv, habe geraten und ermittelt, alle Informationen berücksichtigt um dann zu bemerken, dass Tom Finnek mich wieder und wieder auf den Holzweg geschickt hat! Beste Unterhaltung also! Alles in allem ist es ein temporeicher und spannender Krimi, mit einigen völlig unerwarteten Wendungen. Die Auflösung ist logisch, der Mordfall mit all seinen tragischen Nebengeschichten wird vollständig geklärt.
Trotzdem bleiben noch viele Fragen um die zwei kauzigen Kommissare offen – also wieder ein genial-bösartiger Cliffhanger! Der dritte Teil wird also mit Spannung erwartet!
Gelungene Mischung!
Lost Souls von Thomas Finn
Wir alle kennen die Geschichte vom Rattenfänger in Hameln, der die Stadt von den Ratten befreite, von den Bürgern dann um seinen Lohn betrogen wurde und mit den Kindern der Stadt davongezogen ist. Die Kinder wurden nie wieder gesehen. Das ist schon lange her und eigentlich ist es ja nicht mehr als eine Geschichte, ein Märchen.
Oder?
Die Archäologin Jessika und ihre Ziehtochter Leonie sind gerade erst nach Hameln gezogen, als es zu mehreren seltsamen Vorfällen kommt: eine unterirdische Gruft wird gefunden, ein Arbeiter wird dort von zahllosen Ratten getötet und das Verhalten der Ratten ist verstörend zielgerichtet.
Im Laufe der Geschichte muss Jessika erkennen, dass unheimliche Mächte walten und Ratten beeinflussen, dass das Ith-Gebirge ein verzauberter Ort voller düsterer Geheimnisse ist und dass die Geschichte des Rattenfängers und der verschwundenen Kinder auch heute noch auf gespenstische Weise allgegenwärtig ist. Nur ist es für Jessika kein Märchen der Gebrüder Grimm mehr, sondern ein schrecklicher Albtraum.
Ich gestehe, dass ich mit Horrorgeschichten eigentlich rein gar nix am Hut habe. Hier bin ich aber wegen der historischen Zusammenhänge neugierig geworden und ich wurde nicht enttäuscht! Thomas Finn hat zahlreiche historische Fakten mit seiner gruseligen Phantasie und Mystery-Elementen zu einer spannenden Geschichte verwoben, die mich von der ersten bis zur letzten Seite in Atem gehalten haben. Die einzelnen Personen sind detailreich gezeichnet, nichts und niemand in diesem Buch ist ein überflüssiger Seitenfüller – alles hat Sinn! Manchmal agieren die Protagonisten zwar nicht ganz logisch, aber auch das ist durchaus passend, denn… welcher Mensch ist schon immer und überall logisch?
Der Stil des Autors ist bis in die grausigen Details klar und ohne Schnörkel, er versteht es, mit Worten die Phantasie des Lesers anzuregen und das rasante Tempo der Geschichte hält die Spannung hoch bis zu einem überraschenden (zumindest für mich), aber durchaus logischen Ende.
In einem Nachwort erklärt der Autor noch genauer, was Fakt und was Fiktion ist – aber mir hat es wirklich Spaß gemacht, dies bereits zwischendurch zu recherchieren!
Fazit: Dieses Buch hat es immerhin auf die Phantastik-Bestenliste des Monats Juli geschafft. Gratulation! Wer also noch keine Rattenphobie hat, sollte es unbedingt lesen: spannende und informative Unterhaltung ist garantiert!











