Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:
Ein Märchen für Erwachsene...
Herzensräuber von Rygiert Beate
Hauptperson dieses Romans ist Zola. Er erzählt uns seine Geschichte. Und Zola ist ein Hund. Davon sollte sich jedoch niemand abschrecken lassen! Es lohnt sich wirklich, die Abenteuer und auch die Gedanken von Zola zu erfahren! Er fristet sein Leben nämlich als verlassener Straßenhund in Spanien, bis er Tobias trifft und von ihm mit nach Deutschland genommen wird.
Tobias hat ein Antiquariat, das nur sehr schlecht läuft. Außerdem hat ihn seine ehemalige Freundin nicht nur verlassen, sondern auch finanziell an den Rand des Ruins gebracht. Tobias ist halt kein Menschenkenner! Aber dafür hat er ja jetzt Zola! Und Zola hat im wahrsten Sinne des Wortes die richtige Nase für seine Umwelt!
Eine Erbschaft, ein Haus, löst zwar Tobias finanzielle Probleme, aber in diesem Haus leben ein paar Untermieter: Maggi, eine kampferprobte 68igerin, Alice, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann flieht und Emma, ihre Tochter, deren Probleme in der Erwachsenenwelt solange untergehen, bis es fast schon zu spät ist. Aber Zola hilft tatkräftig mit, alle Probleme (und das sind nicht wenige) zu lösen, damit am Schluss alle zusammen glücklich sein können!
Als ?Herzensräuber? bezeichnet Zola übrigens die Bücher, die die Menschen verführen und in andere Welten eintauchen lassen (wir alle wissen, wie passend dieser hübsche Ausdruck ist!)
Beate Rygiert hat uns hier eine Geschichte geschenkt, die neben durchaus realistischen Elementen auch sehr viel Märchenhaftes enthält. Die Protagonisten sind durchwegs sympathisch und immer wieder mal für Überraschungen gut. Natürlich gibt es auch eine böse Hexe, über die man sich hervorragend aufregen kann! Aber wie schon gesagt: Hauptperson ist eindeutig Zola, der lebensklug, großherzig und manchmal wirklich philosophisch die menschlichen ?Schwachstellen? entlarvt? und seine Menschen trotzdem uneingeschränkt liebt und unterstützt!
Es ist einfach eine entzückende Geschichte, die zu Herzen geht. Ich hab sie als Märchen gelesen, mich von ihr verzaubern lassen und nicht so sehr auf Realismus geachtet! Und wenn man sich so auf Zola und seine Freunde einlassen mag, dann ist es von der ersten bis zur letzten Seite ein Wohlfühlbuch, ein Buch, das die Seele streichelt und gut tut. Folglich landet es in meinem ?Apothekenregal? ? denn manchmal sind Bücher tatsächlich die beste Medizin!
Berlin ist eben nicht Mordsacker
Herzensräuber von Rygiert Beate
Im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes landen Klara Himmel, ihr Mann Paul und die Tochter Sophie in einem sehr idyllischen Dorf irgendwo in Mecklenburg. Ihr Leben hat sich radikal verändert ? Klara ist nicht mehr Schauspielerin sondern Hausfrau, Sophie wird Landärztin anstatt Chirurgin und Paul, der ehemalige Hauptkommissar, ist jetzt ein einfacher Dorfpolizist.
Aber ausgerechnet als der Bauer Schlönkamp tot in der Güllegrube gefunden wird, ist Paul krankheitsbedingt außer Gefecht und Klara wittert ihre Chance, zu ermitteln. Schräg, unkonventionell, manchmal dreist, meistens liebenswert und sehr humorvoll überwindet sie alle möglichen Hürden, agiert immer wieder am Rande der Legalität um diesen Mord, der offiziell noch für einen Unfall gehalten wird, aufzuklären. Tatkräftige Hilfe kommt von ihrer Tochter Sophie und unter anderem auch der Bestattungsunternehmer Grube.
Mit viel Witz werden alle möglichen Klischees bedient, Vorurteile immer wieder aktualisiert und Klara hat wirklich ein einzigartiges Talent, in jedes erdenkliche Fettnäpfchen zu treten. Immer wieder muss sie sich aus den unmöglichsten Situationen herausmanövrieren ? das gelingt nur mit viel Phantasie und einem sehr entspannten Verhältnis zu alternativen Wahrheiten! Aber trotz aller Probleme (egal ob Integration ins dörfliche Leben oder kranker Ehemann) Klara unternimmt alles, um die Ermittlungen voranzutreiben. Die Lösung des Falles? Für mich überraschend und leider logisch!
Der Schreibstil ist locker, unkompliziert und amüsant ? Wortspielereien und verrückte Situationen haben mich immer wieder schmunzeln lassen. Die einzelnen Protagonisten sind liebevoll und genau beschrieben, durchaus mit Ecken und Kanten und vielen menschlichen Anwandlungen. Vieles ist überzeichnet, allerdings nicht bösartig, sondern eher mit einem Augenzwinkern!
Eine perfekte Mischung aus Regionalkrimi und Komödie!
Gefährliche Recherche
Die Mädchen von der Englandfähre von Lone Theils
Im Sommer 1985 verschwinden die dänischen Teenager Lulu und Lisbeth auf der Überfahrt nach England spurlos. Alle Suchaktionen bleiben erfolglos.
Jahrzehnte später findet Nora Sand, eine Journalistin die in London für die dänische Zeitung ?Goblet? arbeitet, zufällig zahlreiche Fotos von jungen Mädchen.
Lulu und Lisbeth sind dabei. Der Koffer, in dem diese Fotos lagen, gehörte einem englischen Frauenmörder, der bereits gefasst wurde. Gehören Lulu und Lisbeth auch zu seinen Opfern?
Diese Geschichte lässt Nora nicht mehr los und sie begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit.
Lone Theils, die Autorin, war selbst jahrelang London-Korrespondentin für eine dänische Tageszeitung und arbeitete außerdem für Rundfunk und Fernsehen. Die Idee zu diesem Krimidebüt beruht auf einer wahren Begebenheit. ?Die Mädchen von der Englandfähre? ist der Debütroman der Autorin. Sie beweist allerdings eindrucksvoll, dass sie ihr Handwerk versteht!
Die Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite wirklich spannend. Überraschende Wendungen und viele unvorhersehbare Verstrickungen bestimmen die Recherchen der Journalistin. Eine Liebesgeschichte lockert das an sich recht düstere Bild ein wenig auf. Das Finale ist ? für meinen Geschmack ? etwas zu spektakulär, zu gewalttätig. Kurz: etwas übertrieben, aber spannend, weil nicht vorhersehbar.
Ein paar Schwächen hat das Buch natürlich auch: manche Handlungsstränge verlaufen im Nichts, manches ist nicht ganz logisch, manche Fragen bleiben unbeantwortet und das Verhalten von Nora ist vor allem in der Liebesgeschichte zum Teil unerträglich pubertär. Aber warum sollen nicht auch literarische Personen mit der Zeit reifen können?!
Trotzdem finde ich, dass Lone Theils mit diesem Buch ein beachtliches Debüt gelungen ist.
Ich bin mir allerding nicht ganz sicher, ob ich auch die zukünftigen Recherchen der Nora Sand begleiten werde. Zu viele Albträume nach diesem Buch? aber irgendwie ist das ja auch ein Qualitätskriterium für einen Krimi, oder?
Der Gärtner war's nicht... und der Butler auch nicht
Der Gärtner war's nicht! - Die K&K-Schwestern ermitteln (Die Schnüffelschwestern 1) von Tatjana Kruse
Der Gärtner war?s nicht
Tatjana Kruse
Inhalt:
Konny und Kriemhild führen eine Pension in der Provinz ? leider nicht sehr erfolgreich! Als dann aber auch noch ein Mord geschieht erweisen sich die ungleichen Zwillingschwestern als wahre Meisterdetektivinnen. Unkonventionell, mit viel Herz und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen ermitteln sie, um zu beweisen, dass der Gärtner diesmal nicht der Täter ist (und der Butler auch nicht!)
Fazit:
Tatjana Kruse hat hier ein neues Ermittlerduo vorgestellt, die weit entfernt sind von Coolness und High-Tech: sie sind verschroben, schräg, selbstbewusst, lebenslustig, mit beiden Beinen am Boden, außergewöhnlich, lebensklug, charmant und einfallsreich ? kurz: sie sind Frauen über 60! Unterstützt werden sie einerseits von Hr.
Hirsch, dem Gärtner, der nach einem Schlaganfall unter Aphasie leidet und andererseits höchst tatkräftig von Amenhotep, einem Sphynx-Kater.
Nachdem die Pension noch nicht wirklich Profit abwirft, schreibt Konny als Kummerkastentante für eine lokale Zeitschrift ? ihre Kolumnen sind überaus lesenswert. Zitat daraus: ?Wenn wir älter werden, sollten wir nicht jünger aussehen, sondern glücklich!? (S 25)
Ich habe das Buch wirklich genossen! Der Krimi selbst gerät ein wenig in den Hintergrund: es wird zwar gemordet und der Täter wird auch überführt, aber eigentlich war das der unwichtigste Teil des ganzen Buches! Viel lustiger und interessanter sind die witzigen und skurrilen Erlebnisse der Schwestern. Durch Wortwitz und Situationskomik wird der Krimi damit eher zu einer Komödie und ich konnte schmunzeln, kichern und manchmal von Herzen lachen! Perfekt-lustige Lesestunden!
Es war mein erstes Buch von Tatjana Kruse, es wird sicher nicht mein letztes sein!
Kein Thriller....
A Simple Favor - Nur ein Gefallen von Darcey Bell
Das Cover ist ansprechend, der Klappentext vielversprechend.
Es handelt sich hier um den Debutroman von Darcey Bell. Das Grundgerüst der Geschichte ist zwar nicht mehr ganz neu, aber eigentlich eine solide und sichere Voraussetzung für spannende Lesestunden.
Leider konnte dieses Buch die Erwartungen nicht erfüllen.
Die Geschichte dümpelt erst vor sich hin, gewinnt zwischenzeitlich gut an Spannung um dann am Schluss wieder seicht dahin zu plätschern.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus drei verschiedenen Standpunkten. Stephanie, Emily und Sean kommen abwechselnd zu Wort. Dieser stilistische Trick hat mir sehr gut gefallen, hat es auch aufgelockert (weil Stephanie schrecklich nervig war) und so hätte man auch die einzelnen Personen, ihre Persönlichkeit, ihre Motivation besser kennen lernen. Könnte man ? wenn diese Personen irgendetwas davon hätten! Haben sie aber leider nicht: sie bleiben eindimensional, schablonenhaft, auf ihr Minimum reduziert. Stephanie ist naiv und nervig, sie stolpert dumm plappernd durch die Geschichte, Emily ist psychisch krank und gewaltbereit, immer auf der Suche nach ?Lebensintensität? und Sean ist farblos und fade. Alle drei sind wirklich unsympathisch.
Dazu kommt noch, dass die Geschichte zeitweise wirklich ins Unglaubwürdige abrutscht und alles in allem viel zu wenig überraschende Wendungen nimmt. Und ein guter Thriller, überhaupt eine gute Geschichte sollte den Leser doch auch überraschen können, oder?
Alles ist Illusion...
Hexensaat von Atwood Margaret
M Atwoods brillanter Roman ist eine einzige Verneigung vor dem großen Bühnenmagier Shakespeare. Mit der Figur des Theaterdirektors Felix hat die Grande Dame der kanadischen Literatur ein würdiges Pendant zu Shakespeares Prospero aus Der Sturm geschaffen, jenes Zauberers, der als Selbstporträt des alternden Barden aus Stratford-upon-Avon gilt.
Soweit der Umschlagtext.
Felix, ein begnadeter Theaterdirektor, möchte bei dem Festival in Makeshiweg Shakespeares "Sturm" inszenieren mit sich selbst in der Rolle des Prospero. Dazu kommt es aber nicht mehr: eine Intrige seines engsten Mitarbeiters Tony führt dazu, dass Felix seine Arbeit verliert und sich völlig zurückzieht.
Er verbringt lange Jahre vereinsamt in einer abgelegenen, schäbigen Hütte, sinnt auf Rache, verfolgt die Erfolge seiner Widersacher (Genial der Begriff: Schnüffelkobold Google!), lebt in einer Phantasiewelt mit seiner Tochter Miranda, die bereits im Alter von 3 Jahren verstorben ist.
12 Jahre später bekommt er die Möglichkeit Shakespeares Sturm zu inszenieren und zwar im Rahmen eines Bildungsprogrammes in einem Gefängnis. Dort nennt er sich dann übrigens logischerweise Mr. Duke. Und durch Zufall bekommt er auch die Möglichkeit zur Rache. Und darum geht es doch in Shakespeares Sturm: um Rache. Aber eben auch um Vergebung. Und seine Rache ist eines Theatermenschen würdig.
M. Atwood erzählt uns Shakespeares Sturm neu: in einem akutellen Umfeld, in moderner Sprache und trotzdem ist es Shakespeare. Denn sie schafft es, uns dieses Werk gleich mehrfach näher zu bringen: einerseits erlebt ja Felix das Schicksal des Prospero, nämlich Verrat und Verbannung. Andererseits inszeniert Felix dieses Stück mit den Gefangenen. Er erarbeitet das Werk mit den Häftlingen und der Leser lernt mit: Ariel, Prospero, Miranda und alle anderen werden lebendig dargestellt, in Frage gestellt und neu interpretiert. Man lernt sie neu und anders kennen und vor allem - wenn das nicht schon vorher der Fall war - schätzen. Giftiger Pesthauch! Shakespeare ist zwar schon 401 Jahre tot, aber immer noch wirklich aktuell!
Das Buch ist spannend, modern und auch informativ, eine wirklich gelungene Umsetzung im Rahmen des Hogarth Shakespeare Projekt. Man muss Shakespeares Sturm nicht unbedingt kennen, aber es erhöht den Genuss und die Spekulationslust! Eine 100%ig gelungene Hommage an Shakespeare und ein interessanter Lesegenuss!
Das große kleine Glück...
Madame Cléo und das große kleine Glück von Tanja Wekwerth
Madame Cléo und das große kleine Glück
Madame Cléo ist ein ehemals erfolgreiches Model aus Paris. Sogar für Coco Chanel ist sie gelaufen. Das ist allerdings schon ein paar Jahre her? Jetzt lebt sie etwas zurückgezogen in Berlin. Eine Mieterhöhung stellt sie vor große finanzielle Probleme ? Untermieter werden gesucht.
Adamo und seine Tochter Mimi sind aber wesentlich mehr als nur Untermieter: sie werden für Mme Cléo eine neue Familie.
Aber neben dieser neuen Familie spielen ein Rucksack voller Geld, Coco Chanel, Gute Feen, Vogelkäfige, untalentierte Französischschüler, Sternenstaub, freundliche Engel, ein muskulöser Engel, Chanel No 5, 13. Feen, die nicht siezen und vieles mehr eine Rolle!
Tanja Wekwerth beschreibt die einzelnen Charaktere und Situationen liebevoll und genau ? von der ersten Seite an lebt und fiebert man mit dieser Wohngemeinschaft mit. Die Freude, mit der sie diesen Roman geschrieben hat, ist zwischen die Zeilen gerutscht und der Leser wird sofort angesteckt!
Und alles zusammen ergibt ein zauberhaftes Großstadt-Märchen, das zu Herzen geht, unterhält und amüsiert, nachdenklich macht und vor allem verzaubert und charmant-liebevolle Lesestunden garantiert! Eine eindeutige Leseempfehlung!
Wem kann man vertrauen?
Black Memory von Janet Clark
"Black Memory"
Clare, eine junge Ärztin und die Hauptperson dieses Thrillers, leidet an Amnesie. So kann sie sich zwar an Fachliches erinnern, nicht jedoch an ihren Mann und ihre Tochter. Damit beginnt ihre Suche nach der Wahrheit. Wem kann sie vertrauen, wer belügt sie und welche Ziele verfolgen die einzelnen Personen in ihrer Umgebung? Welcher Mittel bedienen sie sich? Wo ist ihre Tochter? Was hat es mit der speziellen Begabung ihrer Tochter auf sich? Und nicht zuletzt: Wer ist sie selbst wirklich?
Der Roman ist aus der Sicht Clares in Ich-Form geschrieben ? der Leser ist also sofort mitten im Geschehen.
Mit Clare gemeinsam zweifelt und hinterfragt der Leser, vertraut und misstraut um dann die eigene Meinung doch wieder komplett zu revidieren. Und das gleich mehrmals im Laufe der 381 Seiten.
Die einzelnen Kapitel sind kurz und knapp, der Schreibstil flüssig und gut lesbar und von Anfang bis zum Ende wirklich spannend und nachvollziehbar!
Eine temporeiche Geschichte, die aber auch viel Stoff zum Nachdenken liefert, denn Janet Clark thematisiert hier auch Möglichkeiten der Technik und Wissenschaft, andere Menschen zu manipulieren, Erinnerungen zu verändern, mittels Gentechnik Menschen sogar neu zu gestalten, zu ?verbessern? - eine gelungene Mischung aus Thriller, Psychothriller und ein klein wenig Scifi (hoffe ich wenigstens).
Auch wenn man kein Verschwörungstheoretiker ist ? man kommt ins Grübeln: Was vor 100 Jahren noch utopisch erschien, ist für uns heute Alltag.
Gruselig, was so in einigen Jahren zum Alltag werden könnte!
Auf alle Fälle hoffe ich auf eine Fortsetzung!








