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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:

c'est trop pour moi

Die Wolkenfischerin von Claudia Winter

Claire, eine junge Französin in Berlin, erhält die Chance auf einen Posten als Chefredakteurin, als der Anruf ihrer Mutter für einige Turbulenzen in ihrem Leben sorgt. Durch einen Unfall ist die Mutter nämlich im Krankenhaus gelandet und niemand kümmert sich um die jüngere, aber auch schon erwachsene, Tochter.

Jetzt ist Claires tatkräftige Hilfe gefordert!

Was an sich nicht problematisch klingt, wird für Claire zu einem großen Problem, denn sie hat ihr aktuelles Leben auf zahlreichen, mehr oder minder dreisten Lügen aufgebaut. Das harmloseste Beispiel für ihre „Schummeleien“, wie es im Klappentext so beschönigend heißt, ist die Tatsache, dass sie keineswegs Pariserin ist, sondern aus Moguériec, einem kleinen bretonischen Fischereihafen, stammt. Dorthin begibt sie sich auch. Diese Reise in ihre Heimat wird zu einer Reise zu ihrer Familie, aber auch zu einer Konfrontation mit ihrer eigenen Vergangenheit, die sie immerhin 19 Jahre lang erfolgreich verdrängt hat.

Als dann ihr Chef in dem beschaulichen Fischerort auftaucht, tut sie alles, um ihre Lügengeschichten aufrecht zu erhalten – mit wahnwitzigen Methoden und wenig Erfolg.
Es soll eine nette kleine Geschichte sein und folglich kann man darauf vertrauen, dass das Happy-End nicht auf sich warten lässt.

Der Stil der Autorin ist angenehm zu lesen, weder übertrieben, noch theatralisch, auch immer wieder mal witzig, weil sie ihren Protagonisten nette Wortschöpfungen in den Mund legt. Wirklich positiv ist das Glossar am Ende des Buches, wo einige Besonderheiten der Bretagne erklärt werden und ein paar recht gute Rezepte finden sich auch!

Es hätte eine hübsche Geschichte über Familie und Liebe, Schein und Sein, über Wünsche und Sehnsüchte werden können. Vielleicht sollte man das Buch als modernes, zauberhaftes Märchen lesen – ohne jeden Realitätsanspruch.
Ich konnte es nicht. Für mich war es Frankreichroman, der nicht von Franzosen geschrieben wurde - voller Klischees, ohne Charme, fade und reichlich vorhersehbar. Wäre ich nicht in einer Leserunde, ich hätte es nach spätestens 100 Seiten weggelegt.
Wahrscheinlich hab ich aber einfach nur schon zu viele dieser Möchte-gern-Frankreich-Romane gelesen und ich bin erwiesenermaßen unromantisch – also äußerst ungeeignet für die Wolkenfischerin. ;-)

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Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint!

Galgenhügel von Tom Finnek

Ellen Gerwing, eine berühmte Schauspielerin, hat gerade einen Flugzeugabsturz überlebt, während ihr Mann dabei umgekommen ist. Was aber hat er ihr knapp vor dem seinem Tod gestanden? Ellen kehrt nämlich daraufhin in den kleinen Ort Ahlbeck zurück, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Es ist auch jener Ort, wo vor 16 Jahren ihre Zwillingschwester bei einem verhängnisvollen Unfall am Galgenhügel ums Leben gekommen ist.

Oder war das vielleicht gar kein Unfall? Ellen stellt viele Fragen über Zeit damals. Was konnte sie herausfinden? Als sie nach ein paar Tagen am historischen Galgen erhängt gefunden wird, wird ein tragischer Selbstmord angenommen.

Vieles spricht auch für diese Selbstmordtheorie, aber einige kleine Unstimmigkeiten machen Kommissar Tenbrink doch stutzig. Bald ist er davon überzeugt, dass es gut versteckter Mord war. Damit beginnen spannende Ermittlungen, die die Kommissare und damit auch die Leser auf falsche Spuren lenken, immer wieder verwirren um letztendlich dann doch eine vernünftige Klärung bringen. Es ist eine Geschichte in der eigentlich nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint!

Nicht nur der Mordfall entwickelt sich interessant – zumindest ebenso spannend ist es, die beiden Ermittler kennenzulernen. Der Autor präsentiert uns hier ein sehr spezielles Duo: ein Kommissar, dessen Vergesslichkeit besorgniserregend wird, der aber trotzdem immer wieder seine großartige Spürnase beweist und sein Kollege Bertram, der zwischendurch gerne mal Kokain schnupft, nicht ganz freiwillig im Münsterland gelandet ist und bei Frauen immer wieder einen eher unglücklichen Geschmack beweist. Die beiden sind trotz (oder vielleicht gerade wegen) aller Eigenheiten sympathisch, oft sogar liebenswert und vor allem ergänzen sie einander recht gut. Aber nicht nur die Kommissare, auch alle anderen Protagonisten werden facettenreich und lebendig geschildert. Der Leser lernt sie und so nach und nach auch ihre Geheimnisse kennen – bis hin zum logischen Ende und einem großartig-bösartigen Cliffhanger!

Ich gebe zu: ich bin kein großer Fan von Regionalkrimis und war zu Beginn ein wenig skeptisch. Aber Tom Finnek hat gezeigt, wie so ein Krimi auch sein kann! Nämlich voller Atmosphäre, mit vielen sprachlichen Feinheiten und regionalen Besonderheiten, aber ohne Klamauk und Klischees. Ein wirklich gelungener Krimi: spannend von der ersten bis zur letzten Seite, kurzweilig mit einigen gut platzierten Überraschungen.
Perfekt für alle, die gerne mitermitteln oder miträtseln!

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Spannende und informative Unterhaltung

Grimms Morde von Kinkel Tanja


Tanja Kinkel entführt uns ins Kassel des Jahres 1821. Die französische Herrschaft ist erst seit kurzer Zeit Vergangenheit, aber noch lange nicht überwunden. Zensur und Überwachung sind alltägliche Hilfsmittel in den deutschen Fürstentümern. Der Adel genießt seine Privilegien. Frauen hatten sich unterzuordnen.

Es ist die Zeit, in der die Brüder Grimm, Jacob und Wilhelm, ihre Märchensammlungen veröffentlichten (1812 und 1815). Nicht als Märchensammlung für Kinder, sondern zur Wahrung von Volkskultur – schließlich waren sie in erster Linie Sprachwissenschaftler und Volkskundler. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei unter anderem auch von Jenny und Annette Droste-Hülshoff, die einige Geschichten zur Märchensammlung beitrugen. Vielleicht sogar ein wenig zu tagkräftig: denn eine Geschichte, nämlich „Die drei schwarzen Prinzessinnen“, wurde von ihnen sogar extra für diese Sammlung verfasst.
Als dann eine ehemalige Mätresse des Kurfürsten grausam ermordet wird und ein Zitat aus besagtem Märchen bei der Toten gefunden wird, gerät Jacob Grimm ins Visier der Ermittler. Die Schwestern Droste-Hülshoff reisen sofort nach Kassel um die Brüder Grimm zu entlasten. Natürlich in Begleitung eines männlichen Verwandten – um den gängigen gesellschaftlichen Normen zu entsprechen. Kurze Zeit später stirbt auch noch ein wenig hoffnungsvoller Dichter. Nach einigermaßen komplizierten und verwirrenden Ermittlungen decken die vier Protagonisten natürlich die Geheimnisse rund um diese beiden seltsamen Morde auf.
Und so interessant und verzwickt die Tätersuche auch sein mag, sie tritt in den Hintergrund, denn viel spannender und unterhaltsamer ist die Schilderung der Zeit, ihrer Sitten, Moralvorstellungen und Vorurteile. Ein Sittenbild, das dem Leser ein lebensnahes und vielschichtiges Bild jener Zeit präsentiert.
Die einzelnen Personen werden geschichtlich korrekt und liebevoll charakterisiert, so haben sie alle ihre Fehler und Schwächen. Vor allem eine prägende und traumatisierende Episode aus dem Leben von Annette steht im Mittelpunkt vieler Gespräche und Gedanken. Genau diesen klugen und manchmal scharfzüngigen Gesprächen zu folgen, war wirklich ein spezieller Genuss!
Die Sprache des Buches ist in vielen Teilen eine Annäherung an die Sprache der Zeit – anfangs nicht ganz einfach zu lesen, aber wunderschön und nach ein paar Seiten ist man fast schon süchtig danach!
Denn Tanja Kinkel versteht es, Fiktion und historische Fakten gekonnt zu einem spannenden, informativen und großartig lesenswerten Roman zu verweben. Es ist sicher kein Buch, das irgendwie nebenher gelesen werden kann, aber die kleine Anstrengung wird wirklich belohnt!
Es ist für mich sicher eines der besten Bücher des heurigen Jahres!

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Spannende Unterhaltung!

Grimms Morde von Kinkel Tanja

Ausgerechnet bei der Hochzeit von Jugendfreunden erfährt Max, dass seine Verlobte Sarah ihn schon lange mit seinem eigenen Bruder Tobias betrügt. Er zieht die Konsequenzen und setzt sie sofort vor die Tür. Gleichzeitig bricht er jeden Kontakt zu seinem Bruder ab.

2 Jahre später sind die beiden jedoch gezwungen mehrere Tage gemeinsam in ihrem Elternhaus zu verbringen.

Die Clique von früher trifft sich wieder und dabei stellt sich heraus, dass niemand genau weiß, wo Sarah die letzten beiden Jahre verbracht hat. Aber ihr Koffer wird im Wald gefunden und nun ist tatsächlich klar, dass sie vermisst wird. Anonyme Botschaften per SMS, Gerüchte und Vermutungen machen die Runde und als noch eine weitere junge Frau aus dieser Gruppe tot aufgefunden wird, geraten Max und sein Bruder rasch ins Visier der Ermittler.

Mit den beiden Kommissaren Jenny und Leo hat Petra Johann ein Duo geschaffen, das weder supercool, noch frei von Fehlern agiert, aber sympathisch, herzlich und engagiert die Ermittlungen vorantreibt. Und diese gestalten sich wirklich kompliziert – denn abgesehen von aktuellen Ereignissen, wird die Vergangenheit aufgearbeitet.

Es ist eine gut durchdachte Geschichte, in der zahlreiche komplexe Beziehungen aufgezeigt und von den Ermittlern entwirrt werden müssen. Dazu kommen Überraschungen und unerwartete Zeugen, die Jenny und Leo und damit auch den Leser dazu zwingen, alles mehrfach komplett neu zu überdenken.

Spannung von der ersten bis zur letzten Seite und eine logische Auflösung garantieren wirklich gute Krimiunterhaltung! Bitte mehr davon!

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Spannend, beängstigend und zum Nachdenken

Das Erwachen von Brandhorst Andreas


Stephen Hawking hat bereits 2014 gesagt: „Die Entwicklung echter Künstlicher Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten!“

Dieses Zitat hat Andreas Brandhorst seinem neuen Thriller „Das Erwachen“ vorangestellt. Und eigentlich beschreibt es den Kern dieses Buches perfekt: Axel Krohn setzt unabsichtlich ein Computervirus frei, das die leistungsfähigsten Computer auf der ganzen Welt (und nicht nur) miteinander vernetzt.

So wird aus Künstlicher Intelligenz eine umfassende Maschinenintelligenz, die sich ständig und unaufhaltbar weiterentwickelt und weiterlernt. Großes Ziel dieser MI ist die Selbsterhaltung.

Was aber passiert, wenn eine MI ihrer selbst bewusst wird und wenn ihr bewusst wird, dass sie den Menschen eindeutig überlegen ist? Und was passiert, wenn die MI alles kontrolliert? Welchen Platz hat dann der Mensch noch auf dieser Erde? Hat er, unlogisch und unvollkommen wie er nun einmal ist, überhaupt noch Bleiberecht auf diesem Planeten?

Andreas Brandhorst behandelt dieses aktuelle Thema mit viel Sachkenntnis, aber durchaus so, dass auch Laien (wie ich) diesem komplexen und aktuellen Thema folgen können. Er schafft es, die Geschichte vom Freisetzen des Infiltrators an bis hin zur Entscheidung (Ja! Die gibt es!) spannend zu halten und dabei auch immer wieder aktuelle Themen anzusprechen. Probleme, die heute vertagt werden, treten im Jahr 2031 massiv und unabwendbar auf.

Die Tatsache, dass es eine zeitnahe Dystopie ist, verleiht dem Buch noch zusätzlich Dramatik. Wie können sich die Probleme entwickeln? Und wie entwickelt sich der Alltag der Menschen? Und wieviel Zivilisation bleibt übrig, wenn die Menschen ein paar Tage oder Wochen ohne Strom auskommen müssen?

A. Brandhorst zeichnet ein düsteres Bild von einer Zukunft, die recht bald Gegenwart sein könnte, von der Abhängigkeit der Menschen von Strom, Technik und Internet und von der Unkontrollierbarkeit der von Menschen geschaffenen digitalen Welt. Aber inmitten dieses erschreckenden Szenarios finden auch philosophische Gespräche über Gott und die Welt (im wahrsten Sinne des Wortes) statt, wird freundschaftlich und menschlich gehandelt.

Fazit: Ein spannendes Buch, das unterhält, informiert und viel zum Nachdenken anregt. Auch wenn man weder Cyberspacefreak noch technisch wirklich versiert ist – es zahlt sich aus, dieses Buch zu lesen. No worries!

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Verpasste Chance...

Die Melodie meines Lebens von Antoine Laurain


Mit knapp 30 Jahren Verspätung bekommt Alain den Brief einer Plattenfirma, die ihm und seiner Band von damals einen Vertrag geboten hat. Damit beginnt für ihn die Suche nach den ehemaligen Bandkollegen, zu denen er den Kontakt völlig verloren hat. Er findet sie alle und wird Zeuge von zum Teil überraschenden Schicksalen.

Aber gleichzeitig fragt er sich immer wieder, was denn alles möglich gewesen wäre, wenn dieser Brief nur zur rechten Zeit angekommen wäre. Keine Sorge! Diese Frage wird klar und deutlich beantwortet – auch wenn das eigentlich unmöglich erscheint: Antoine Laurain schafft es!

Der Originaltitel dieses Buches lautet „Rhapsodie francaise“ und eine kluge Leserundenkollegin erklärte, dass die musikalischen Themen einer Rhapsodie nur lose miteinander verbunden sind. Sie können flüchtige und unzusammenhängende musikalische Gedanken zusammenfügen. Dieser Titel passt perfekt, die deutsche Übersetzung erscheint mir unglücklich gewählt: denn die einzelnen Lebensgeschichten werden in sehr lose miteinander verbundenen Kapiteln geschildert. Eben eine Rhapsodie!

Antoine Laurain Stil ist charmant und leicht, aber leider sind die einzelnen Geschichten viel zu oberflächlich und vor allem eindeutig zu wenig interessant, auch es zumindest zwei wirkliche Überraschungen gibt.
Sie sind zum Teil amüsant, zum Teil melancholisch, zum Teil traurig - Ausschnitte aus Lebensgeschichten halt. Nicht mehr, nicht weniger!

Somit ist das Buch also recht nett zu lesen. Aber wenn man es nicht liest, versäumt man auch nichts!

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Ein Frauenschicksal...

Die Mutter meiner Mutter von Sabine Rennefanz


Sabine Rennefanz erzählt die dramatische Geschichte ihrer Großmutter Anna. Sie wurde als Kind aus ihrer Heimat vertrieben, war monatelang auf der Flucht und landete schließlich in dem kleinen Ort Kosakenberg. Dort wird sie den größten Teil ihres Lebens verbringen: sie heiratet, eine Familie wird gegründet.

Der Großvater ist freundlich, lustig und für Sabine ein wirkliches Vorbild. Die Großmutter dagegen ist eher unnahbar und distanziert. Aber Sabine und ihre Mutter erfahren so nach und nach die wahre Geschichte ihrer Familie, die grausamen Geheimnisse, die hinter dem befremdlichen Verhalten der Großmutter stehen. Geheimnisse, die das bisherige Bild der eigenen Familie völlig auf den Kopf stellen.

Der Stil der Autorin ist klar und unkompliziert. Die einzelnen Situationen werden bildhaft und genau beschrieben und mehrfache Perspektivenwechsel erlauben es dem Leser, die Standpunkte von Sabine, ihrer Mutter und ihrer Großmutter besser zu verstehen.

Es ist eine wahre und sehr persönliche Geschichte, die uns die Autorin da erzählt. Eine Geschichte über Leiden, Gewalt und Scham, aber auch über die Kraft des Überlebens und die manchmal sehr versteckten Beweise für Liebe!
Lesenswert!

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Gottes rechte Hand

Gottes rechte Hand von Weiss Rhena

Michaela Baltzer ermittelt wieder! Und mit ihr alle Leserinnen und Leser!

Im Mittelpunkt stehen diesmal grausame und seltsame Mordfälle. Ein Mann wird durch Wespenstiche getötet, ein anderer verbrennt in einer Werkstatt. Erst genauere Nachforschungen über die Vergangenheit der Opfer bringen eine mögliche Spur: beide haben ihre Partnerinnen misshandelt.

Das ist die Gemeinsamkeit der Opfer und Michaela Baltzer steht nun vor der Aufgabe, einen Täter zu fassen, der Rache übt – mehr soll hier nicht über den Inhalt verraten werden.

Es ist dies bereits der 2. Fall von Michaela Baltzer – allerdings ist es nicht unbedingt notwendig, das erste Buch zu kennen, alle wichtigen Fakten werden erklärt, auch „Neuleser“ können der Geschichte problemlos folgen. Michaela, wie auch die anderen Protagonisten dieses Thrillers, werden lebensnah beschrieben - Ecken und Kanten, Ahnungen und Zweifel inbegriffen. Sie ist eine sympathische Ermittlerin, die mit vollem Einsatz ihrer Arbeit nachgeht. Die Ermittlungstätigkeiten werden interessant beschrieben und zwischendurch begleitet man auch die Ermittlerin durch private Turbulenzen.

Rhena Weiss schafft es, von Beginn an Spannung zu erzeugen und sie bis zum dramatischen Ende aufrecht zu erhalten.
Dazu tragen auch die regelmäßigen Perpektivenwechsel bei. Immer wieder lässt die Autorin auch „die rechte Hand Gottes“ zu Wort kommen und so wird der Leser mit der beklemmenden und psychologisch interessanten Gedankenwelt des Mörders konfrontiert.
Wie real die Hintergründe zu diesem Fall wirklich sind, erklärt Rhena Weiss im Nachwort noch deutlicher. Dort liefert sie nämlich schockierende Zahlen und Daten zum Thema häusliche Gewalt.

Fazit: Ein spannender Thriller, überzeugend erzählt und von grausamer Aktualität. Unbedingt lesenswert und ich freue mich schon auf den nächsten Fall dieses sympathischen Ermittlerteams!

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Ein außergewöhnliches Buch!

Drei Tage und ein Leben von Pierre Lemaître


Mit „Wir sehen uns dort oben“ konnte Pierre Lemaître den renommierten Prix Goncourt 2013 gewinnen. Eine Auszeichnung, die, zumindest in Frankreich, wesentlich wichtiger ist als beispielsweise der Nobelpreis. Jetzt hat er wieder ein Buch veröffentlicht und wer eine phantastische und großartige Geschichte wie die von Albert und Edouard erwartet, der wird möglicherweise enttäuscht sein.

„Drei Tage und ein Leben“ ist ganz anders!
Im Zentrum dieses Dramas steht Antoine, der gerade mal 12 Jahre alt ist und in einem Anfall von Jähzorn den 6jährigen Rémi erschlägt. Völlig panisch versteckt er dann den kleinen Leichnam. Ein Jahrhundertsturm verhindert die Entdeckung Rémis und somit entkommt Antoine dem Gefängnis. Aber er entkommt nicht seinem Gewissen, seinem inneren Gefängnis.
Der Leser begleitet Antoine in drei verschiedenen Phasen seines Lebens: erst 1999 (Zeitpunkt der Tat), später noch 2011 und 2015. Wir erleben seine Verzweiflung, seine Verwirrung, seine Ängste und auch seine Versuche, den Mord und die folgenden Handlungen vor sich selber zu rechtfertigen. Er lebt fortan in einer Grauzone zwischen Schuld und Unschuld, individueller und kollektiver Verantwortung, denn natürlich beeinflusst ihn auch seine Umwelt. Eine Umwelt, die nur zu leicht und zu gerne den Außenseiter als Schuldigen sehen möchte, die alles unternimmt um den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen.
Sensibel und psychologisch zumindest meistens schlüssig (psychologisch bedeutet ja nicht zwingend logisch) beschreibt der Autor Antoines Leben, seine Einsamkeit und Hilflosigkeit inmitten dieser dörflichen Gesellschaft. Seine Fluchtversuche scheitern kläglich – wer kann schon vor sich selber flüchten? Er erlebt über Jahre hinweg ein Gefühlschaos, das durchaus auf den Leser übertragen wird. Ist Antoine ein Mörder? Oder doch unschuldig? Aber Rémi ist tot – unwiderruflich. Und was ist schlimmer? Die Tat oder die Angst vor der Entdeckung und der daraus resultierenden Bloßstellung? Antoine ist ja erst 12. Schuldig? Unschuldig? Oder…?
Lemaître verurteilt nicht, er urteilt nicht einmal, er beschreibt einfach. Sein Stil ist gewohnt eloquent, klar und ein wenig distanziert, manchmal entlarvend, immer treffsicher und vor allem fesselnd. Der Leser wird zum Beobachter, Begleiter Antoines in allen drei Abschnitten. Der Leser wird zum Zeugen, ein Urteil bleibt ihm überlassen. Der Autor entlässt uns dann auch ohne wirklichen Abschluss, aber mit einer Überraschung, die alles noch einmal auf den Kopf stellt oder stellen könnte.
Fazit: Wie schon zu Beginn erwähnt: es ist keine phantastische Geschichte, vor allem ist es kein gefälliges Buch, aber es ist ein berührendes und verstörendes Drama, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Ein ungewöhnliches Buch, das nachhallt - man sollte sich darauf einlassen!
Leseempfehlung!

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Eine dramatische Familiengeschichte

Zeit der Schwalben von Scott Nikola


Nikola Scott erzählt in diesem Roman eine ebenso erstaunliche wie dramatische Familiengeschichte: Addie, eine der Protagonistinnen, ist knapp 40 Jahre alt, als völlig unerwartet eine fremde Frau vor der Tür steht, die behauptet ihre Zwillingsschwester zu sein. Natürlich ist Addie erst einmal geschockt und völlig durcheinander.

Aber viele Indizien sprechen dafür, dass diese Frau Recht hat. An ihre Mutter kann sie sich nicht mehr wenden – sie ist vor einem Jahr verstorben. Ihr Vater, von dem sie die Wahrheit erfragen will, erleidet einen Herzinfarkt.

Addie und ihre neue Schwester Phoebe begeben sich also auf die Suche nach der geheimnisvollen Vergangenheit ihrer Mutter Elizabeth und damit auch auf die Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, was die Spannung deutlich erhöht! Einerseits begleitet der Leser Addies und Phoebes Suche nach der Wahrheit in der Gegenwart und andererseits sind es die Tagebucheintragungen Elizabeths, die die tragischen Ereignisse ihrer Jugend in den späten 1950iger Jahren nach und nach enthüllen. Sie, die in einer relativ heilen Welt aufgewachsen ist, erfährt am eigenen Leib, wie Doppelmoral, Scheinheiligkeit und gnadenlose gesellschaftliche Normen, das Leben einer Frau rasch in einen Albtraum verwandeln konnten.

Im Laufe der Ereignisse wachsen einem die Protagonistinnen wirklich ans Herz: sie sind liebevoll und genau gezeichnet. Außerdem gelingt es der Autorin, ein berührendes Thema mitfühlend zu behandeln, ohne dabei ins Pathetische abzurutschen.

So wird eine spannende Familiengeschichte auch zu einem Bild der Zeit. Einer Zeit, in der Frauen, die unverheiratet ein Kind erwarteten, zu Abtreibung oder Adoption gezwungen wurden oder, wenn sie sich widersetzten auch durchaus in einer Nervenheilanstalt oder im Zuchthaus landen konnten. Ein Thema das totgeschwiegen wurde!

Es war das Bedürfnis der Autorin – sie stellt es auch im Nachwort klar – diese Vergangenheit zu thematisieren, um alle jene Frauen, die schreckliche Schicksale erleiden mussten, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Es ist ihr zweifellos gelungen!

Fazit: ein wirklich gelungener Debütroman, der bewegt und betroffen macht! Empfehlenswert!

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