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Rezensionen von rewareni:

Mord oder Unfall

Tote Bosse singen nicht von Vera Nentwich

Sabine Hagen, genannt Biene, wird immer noch nicht von allen ernst genommen, wenn es um ihre Arbeit in der Detektei geht. Umso begeisterter nimmt sie den Auftrag des Geschäftsmannes Herrn Gerhard an. Als bei einem Geschäftstreffen ein gewisser Herr Lehmann seltsame Andeutungen macht, dass der Tod ihrer Eltern doch kein Unfall war, ist bei Biene ihr detektivischer Spürsinn erwacht.

Noch dazu, als der plötzliche Selbstmord von Herrn Lehmann viele Fragen aufkommen lässt. Aber auch privat gibt es einiges zu klären. Ihre Oma weigert sich standhaft mit ihrer
,, Bettgeschichte´´ Karl eine Kreuzfahrt zu machen, mit ihrem Freund Jochen gibt es auch immer wieder Streit, weil er mit ihrer Arbeit nicht klar kommt und sich ständig vor seinen Kollegen rechtfertigen muss und Jagos Schwester Isabella möchte ihn nach Argentinien mitnehmen, da ihr Vater im Sterben liegt. Aber wer Biene kennt weiß, dass sie immer mit dem Kopf durch die Wand möchte und selbst Einbrüche, Unfälle und sogar ein weiterer Mord schrecken sie nicht ab weiter zu ermitteln. Dass sie und Jochen dabei selbst Zielscheibe eines Mordversuches werden, zeigt ihr, dass sie auf der richtigen Spur ist.
Die Autorin Vera Nentwich hat mit dem 4. Band ,, Tote Bosse singen nicht´´ eine spannende und humorvolle Geschichte rund um Sabine ,, Biene´´ Hagen und ihrer Oma und liebgewordenen Freunden geschrieben. Auch wenn man die Vorgänger Bände nicht kennt, kann man problemlos den Roman lesen, obwohl es natürlich interessant ist, wenn man die Entwicklung und Beziehungen der Personen untereinander kennt.
Man darf Biene wieder in ihrer unverkennbaren Art begleiten. Sie lässt sich von niemanden aufhalten, wenn sie einen interessanten Fall wittert. Dass sie dabei sehr oft von einer komischen oder gefährlichen Situation in die andere gerät, ist man als Leser schon gewohnt. Die Autorin beschreibt dabei die Szenen so bildhaft und lebendig, dass man beim Lesen einfach schmunzeln muss, weil man Biene und ihre Kamikaze Aktionen wie einen Kinofilm vor sich sieht. Ebenso werden für mich etwas zu viel, in jedem Kapitel Essenssituationen beschrieben und dass sich die Protagonisten immer wieder gegenseitig die Zunge zeigen, ermüdet auch ein wenig.
Ein flotter und spritziger Schreibstil lässt einem die spannende Geschichte angenehm lesen. Schön ist auch, dass nicht immer alles sofort klappt und es durchaus auch ernste Gespräche gibt, wo die Protagonisten mit ihren Alltagsproblemen oder mit schwierigen Beziehungen zu kämpfen haben.
Ein humorvoller Roman wo man sicher weiß, dass man von Biene und ihren detektivischen Geschichten sicher noch einiges zu lesen bekommt.

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Rezensionen von yellowdog:

Marie und Melih

Für immer sein Mond von Marie Enters

Für immer sein Mond von Marie Enters erzählt eine eindringliche Liebesgeschichte zwischen Melih und Marie. Er ein Flüchtling aus Syrien und sie 53jährigen Frau, die ehrenamtlich mit Deutschkursen Flüchtlingen helfen will.
Es ist eine heimliche Liebe, die sie leben, denn Marie ist gebunden an Jan und hat mit ihm ein Kind.

Es ist ein Roman in zwei Teilen, der erste zeugt den Beginn der Affäre und wie sie sich entwickelt, der zweite Teil erzählt davon, wie sie sich langsam von sich lösen. Man sieht als Leser so einen gesamten Prozess einer Liebesbeziehung.

Auffälligstes Merkmal ist der Erzählstil von Marie, der sehr persönlich ist und ihre Emotionen wie Leidenschaft, aber auch Zweifel deutlich zeigen.
Es ist außerdem ein Bild von Deutschland in einer schwierigen Zeit, die von gewissenlosen Parteien wie AFD und ihren jämmerlichen Wählern sowie den Medien aufgeladen ist. Marie erzählt aber auch Melihs Sicht auf die Situation, die realistisch und trotz allen positiv ist.
Mir gefallen beide Figuren sehr, auch wenn Marie sich nicht aus ihren Zweifeln lösen kann und ihre große Liebe nicht öffentlich leben kann. Doch mich beeindruckt ihr Engagement.

Sprachlich dominiert ein poetische Ton, der von Melancholie durchzogen ist. Ein lesenswertes Buch.

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Rezensionen von liesmal:

Furchtbare Prophezeiung

Der Schatten von Melanie Raabe

Die Journalistin Norah ist von Berlin nach Wien gezogen. Sie freut sich auf ihren neuen Arbeitsplatz, auf die neue Umgebung, ihre Wohnung und darauf, ihr altes Leben hinter sich lassen zu können. Doch noch bevor sie sich einleben kann, wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Eine Bettlerin auf der Straße prophezeit ihr, dass sie am 11.

Februar aus freien Stücken einen Mord begehen wird an Arthur Grimm - einem Mann, den sie gar nicht kennt.
Der 11. Februar – der bisher schrecklichste Tag in Norahs Leben – den sie doch hinter sich lassen wollte. Jetzt ist die Vergangenheit wieder ganz nah!
Das Buch ist unterteilt in kurze Kapitel und ist in jedem einzelnen Kapitel dort, wo auch Norah ist. Ganz schnell steckt der Leser mitten in der Geschichte und fühlt mit Norah. Dabei „plätschern“ etwa die ersten 100 Seiten so dahin, es geschieht immer mal ein bisschen, aber es ist noch nichts Dramatisches. Trotzdem liest sich die Geschichte gut und man wartet förmlich darauf, was wohl als nächstes passiert.
Ein Zitat fast am Ende des Buches fasst genau meine Empfindungen zusammen: „…Es begann ja ganz harmlos, erst dann wurde es immer krasser, und…“
Als wäre Norah gefangen wie eine Fliege in einem Spinnennetz – rettungslos verloren. Und immer wieder nehmen Albträume Norah mit in die Vergangenheit.
Die Spannung baut sich ganz langsam auf und steigert sich ins Unfassbare. Es ist kaum zu begreifen, dass es eine Erklärung geben kann, dennoch ist die Geschichte bis in jedes Detail gut durchdacht.
An einigen Stellen sind Abschnitte eingearbeitet, die – jeweils mit einer Überschrift versehen – in einer anderen Schriftart und in Ich-Form geschrieben sind.
Wer ist Schreiber oder Schreiberin dieser Kommentare? Diese Frage hat mich fast bis zum Schluss beschäftigt.

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Rezensionen von LEXI:

EMMA – Einer Muss Mal Anfangen

Das Emma*-Prinzip von Susanne Mockler; Marcus Mockler

Susanne und Marcus Mockler sind als Referenten, Vortragsredner, Buchautoren und Berater tätig. In der vorliegenden Neuerscheinung „Das Emma-Prinzip“ geben sie fundierte und praxistaugliche Anregungen, an der Ehe zu arbeiten und um sie zu kämpfen. Sie schöpfen hierbei aus den ganz persönlichen Erfahrungen ihrer mehr als drei Jahrzehnte währenden Ehe und geben auch Erfahrungen und Erkenntnisse von Psychologen, Therapeuten und Berater weiter.

Das Autorenehepaar sieht im „Emma-Prinzip“ eine hervorragende Möglichkeit, verfahrene Situationen zu retten, vielmehr jedoch, bereits vorab Krisen zu verhindern. Susanne und Marcus Mockler plädieren dafür, in die eigene Beziehung zu investieren und präsentieren hierfür verschiedene Strategien.

Ihre Ausführungen sind in einem äußerst einnehmenden Schreibstil verfasst, der Inhalt in sieben Kapitel aufgeteilt. Gleich vorab wird das sogenannte „Emma-Prinzip“ vorgestellt. Thematisch konzentrieren sich die Autoren auf den Grund für den Kampf um die Beziehung, auf das Verstehen, Vertrauen, Vergeben, Verschenken, Verführen, Vertiefen und das Verlieben. In jedem einzelnen Kapitel werden zum theoretischen Inhalt und dem jeweiligen Thema, das von allen Seiten beleuchtet wird, auch praktische Beispiele in kursiver Schrift angeführt. Anschließend gehen Susanne und Marcus Mockler auf die Ursache bzw. die möglichen Hintergründe des Konflikts, die verbalen und gedanklichen/emotionalen Reaktionen der beiden Partner, sowie die Eskalation ein. Mit viel Einfühlungsvermögen werden Vorschläge zur Vermeidung der Entstehung eines Konflikts, aber auch mögliche Lösungsvorschläge angeboten, falls die Situation bereits festgefahren scheint. Was mir außerordentlich gut gefallen hat waren ganz speziell die stark praxisorientieren Ratschläge, die konkrete Situationen und Lösungen nennen. Hierbei möchte ich beispielhaft die 36 Fragen des Arthur Aron für mehr Nähe und gegenseitiges Verständnis sowie die 26 Vorschläge für ein Rendezvous mit dem eigenen Partner anführen. Am Ende eines Kapitels erfolgen eine Zusammenfassung sowie motivierende Vorschläge zur Umsetzung im Ehe-Alltag.

In diesem Buch wird unter anderem auch Gary Chapmans Bestseller „Die 5 Sprachen der Liebe“ thematisiert, wobei das Konzept der Liebessprachen inhaltlich kurz vorgestellt wird. Die Kenntnis der Unterschiede zwischen Mann und Frau – ihre Verschiedenheit im Denken, Fühlen und in ihren Reaktionen - sind wichtige Grundvoraussetzung für das gegenseitige Verständnis.

FAZIT: Ich empfand „Das Emma-Prinzip“ als äußerst anregende und hilfreiche Lektüre und kann sie als ausgezeichneten Ratgeber zum Thema Partnerschaft und Ehe uneingeschränkt weiterempfehlen. Das Emma-Prinzip ist ein Buch, das man als fundierten und wertvollen Ehebegleiter immer wieder selber gerne zur Hand nimmt, das aber auch ein sehr hilfreiches und willkommenes Geschenk für Ehepaare im Bekannten- und Freundeskreis sein könnte.

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Rezensionen von Tara:

Beste Unterhaltung - spannend und überraschend

A Stranger in the House von Lapena Shari

„A Stranger in the House“ ist nach „The Couple Next Door“ der zweite Thriller der Autorin Shari Lapena und ebenso spannend und überraschend wie ihr Debüt.

Tom und Karen Krupp sind glücklich verheiratet und leben in einem schönen großen Haus. Tom ist erfolgreicher Buchhalter und es geht ihnen gut.

Direkt gegenüber wohnt Brigid, deren Ehemann fast nie zu Hause ist und die sich mit Karen angefreundet hat.

Als Tom eines Abends von der Arbeit nach Hause kommt, findet er das Haus verlassen vor. Ganz untypisch für Karen scheint diese überstürzt hinausgeeilt zu sein. Die Tür ist unverschlossen, ihre Tasche hat sie vergessen und in der Küche hat sie das angefangene Abendessen einfach stehen lassen. Beunruhigt telefoniert Tom ihre Freunde und Bekannten ab, aber niemand weiß etwas. Schließlich erfährt Tom durch die Polizei, dass Karen einen Unfall hatte und im Krankenhaus liegt, da sie durch ihren rasanten Fahrstil in einem Stadtteil, den sie normalerweise niemals betreten würde einen Unfall gebaut hat. Durch eine Amnesie weiß Karen nicht mehr wohin sie wollte, was passiert ist und was sie vorhatte. Kurze Zeit später wird in einem Restaurant in der Nähe des Unfallortes eine Leiche entdeckt und die Polizei glaubt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Toten und Karen gibt….

Der Schreibstil der Autorin ist klar, knapp, schlicht, einfach und lässt sich flüssig lesen. Ohne Ausschweifende, unnötige Erklärungen oder nähere Details kommt sie schnell zum Punkt. Dadurch erreicht sie in ihrer Erzählung ein unglaublich hohes Tempo, alles geht Schlag auf Schlag und man fliegt nur so durch die Seiten, weil man unbedingt wissen möchte, wie es weiter geht.

Ihre Charaktere beschreibt sie authentisch, so dass sie einem teils sympathisch und teils weniger sympathisch erscheinen. Man leidet mit ihnen und hofft, dass sich alles aufklärt.

Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, die nicht vorherzusehen waren. Die aufgebaute Spannung wird durchgängig gehalten und ich fand es im Nachhinein überraschend mit wie wenig Charakteren und Schauplätzen dieses Buch ausgekommen ist ohne das man jemals das Gefühl hatt, dass etwas fehlt.

Ich habe mich großartig unterhalten gefühlt und freue mich schon jetzt auf weitere Bücher der Autorin.

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Rezensionen von Gudrun7:

ein Jugendbuch mit Witz, das sehr gut aufzeigt, was in der Pubertät so alles in den Köpfen vor sich geht

Mein Leben im Hotel Royal - Warum mein Dackel mehr Follower hat als ich von Birchall Katy

Auf den ersten Blick kann man beim Cover schon erkennen, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt, denn die Farben und die Abbildungen weisen gekonnt darauf hin. Auch die Abbildung der drei Mädels und deren Beschäftigung ist auf dem Lauf der Zeit. Insofern ist das Cover super stimmig für die Zielgruppe, wobei ich anmerken möchte, dass der Titel nur am Rande zum eigentlichen Inhalt passt.

Das Thema des Titels hat zwar eine gewisse Präsenz, jedoch ist der Augenmerk auf andere Dinge gerichtet. Insofern sollte man sich hier als Leser nicht festfahren.



Der Schreibstil ist locker-lässig und dabei ist das gewollt coole, dass viele Pubertäre in dieser Zeit innehaben, gekonnt rübergekommen. Ich muss sagen, ich habe die Handlungsweisen voll und ganz in die heutige Jugend hineininterpretieren können. Es wird klar, dass diese Phase eine schwierige ist, in der sich der Mensch erst finden muss. Auch wenn es beim Lesen das ein oder andere Mal ganz schön anstrengend und sogar nervig war, habe ich dies auf diese Lebensumstände zurückgeführt und deshalb sehr authentisch empfunden. Die Auflockerung durch abgedruckte Chats hat dazu beigetragen, "in die Köpfe" der Mitwirkenden zu gucken und die Reaktionen zu verstehen.



Die Darstellung der Örtlichkeiten fand ich interessant und auch die Vorkommnisse darin waren gut und einleuchtend.



Mein Fazit: ein Jugendbuch mit Witz, das sehr gut aufzeigt, was in der Pubertät so alles in den Köpfen vor sich geht

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Rezensionen von Gudrun7:

wundervoll atmosphärisches Bild von Land und Leuten, das mit Tiefgang, Emotionen und Spannung aufbereitet ist

Helle Tage, helle Nächte von Hiltrud Baier

Das schlicht gehaltene Cover ist in seiner Farb- und Kontrastgebung wunderschön und spiegelt gelungen die Atmosphäre wider, die sich auch im Buch selbst erleben lässt. Außerdem wird einem beim Lesen klar, dass es vom Titel und der Abbildung her, nicht passender gewählt hätte werden können.



Der Schreibstil ist super eingängig und lässt sich flüssig lesen.

Gleich zu Beginn und bis zum Ende hin wird man von den Szenerien und den Charakteren eingenommen.

Die Darstellungen der Vorkommnisse sind authentisch und man hat als Leser das Gefühl, sich an Ort und Stelle zu befinden.

Ebenso verhält es sich mit den Charakteren. Diese wirken so lebendig und real, dass man sich auf Du-und-Du mittendrin fühlt. Ich hatte immer das Gefühl, ich wäre direkt vor Ort und würde alles miterleben. Die Emotionen, die ein breites Spektrum abdecken, lassen keine Fragen offen und sind ohne Kitsch oder dergleichen. Der Tiefgang, der sich ebenfalls mit den vielfältigsten Themen beschäftigt, lässt einen teilweise innehalten und reflektieren. Es regt zum Nach- und Umdenken an, was denn im Leben wirklich wichtig ist und welche Dinge man getrost beiseitschieben kann.



Die Erzählweise, dass die Protagonistinnen abwechselnd "zu Wort kommen", ist hervorragend umgesetzt und schafft ein vollkommenes Bild. Die gut gesetzten Cliffhanger bauen Spannung auf und lassen den Leser an den Fragen, die sich die Mitwirkenden stellen, teilhaben und miträtseln. So erlebt man die Spannung und die Emotionen hautnah mit.



Außerdem werden die örtlichen Begebenheiten so wundervoll erläutert, dass ich, obwohl ich die vorgestellten Örtlichkeiten nicht kenne, alles genau vor Augen habe und ein Urlaub in die Region geplant wird. Man verliebt sich in die raue Landschaft und man hat das Gefühl, dass es der Autorin mit ihrer Wahlheimat ebenso ergangen ist.



Mein Fazit: wundervoll atmosphärisches Bild von Land und Leuten, das mit Tiefgang, Emotionen und Spannung aufbereitet ist

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Rezensionen von heinoko:

Poesie der Weisheit

Der Duft des Lebens von Clara Maria Bagus

Es gibt Bücher zur Unterhaltung, zum Ängstigen, zur Wissensvermittlung, zum Ärgern – und es gibt ganz, ganz selten ein Buch wie dieses hier: Märchen, Weisheit, Poesie, Literatur, unausschöpflich, zum immer wieder Lesen, zum Schwelgen in schönen Worten, in tiefen Sätzen, in poetisch formulierten Feinheiten.

„Der Duft des Lebens“ ist ein Buch, so unglaublich schön, so unglaublich tief, dass ich es nicht einfach nur lesen konnte im Sinne von Konsumieren. Ich gönnte mir dieses Buch in ganz kleinen Teilen, wie wenn man etwas besonders Gutes zu essen auf dem Teller hat und es ganz klein schneidet, damit man es länger genießen kann.

Die Geschichte spielt in irgendeiner Vergangenheit, vielleicht auch in einer nahen Gegenwart oder in einer zeitlosen Zeit, wer weiß das schon bei Märchen. Sie geschehen einfach immer wieder und wieder, in der Hoffnung, dass sie verstanden werden.
Aviv, dessen Mutter Helene bei seiner Geburt gestorben war, wurde von der Hebamme Selma liebevoll aufgezogen. Aviv wird Glasbläser und erhält von Kaminski, einem Arzt mit schwarzer Seele, den Auftrag, 50 Glasfläschchen zu fertigen. Diese sollen einem perfiden Plan des Arztes dienlich sein, nämlich die gute Essenz von menschlichen Seelen einzufangen, damit er letztlich sich selbst einverleiben könne, was seiner eigenen Seele fehlt.

Das Buch zu lesen, erfordert es, ganz leise zu werden in unserem lauten Leben, und abzurücken von all dem ewigen Geplapper der Welt um uns herum. Und erst wenn es uns gelingt, ganz still in uns selbst zu werden, erst dann, so glaube ich, können wir all die Klänge, Farben und Düfte der Worte dieser Erzählung nachempfinden. Kein Wort im Buch steht zufällig da, keines ist zuviel. Und ich hatte das Gefühl, über den Zeilen zu schweben, ganz vorsichtig, um den Zauber nicht zu zerstören. Der Text ist wie ein Gedicht zu lesen, Zeile für Zeile, Bild für Bild, sorgsam, langsam, um die Schönheit der Sprache nicht zu zerstören.
Vielleicht ist das Buch eine Allegorie des Sich-Bemächtigens des eigenen Schicksals, oder vielleicht will es uns das Wissen um die Einzigartigkeit jedes Menschen vermitteln. Jeder mag seine eigene Botschaft im Buch finden. Auf jeden Fall bleibt mir: „… weil jeder ein kleines bisschen Verantwortung in sich trägt, das, was ihm vom Leben geschenkt wird, in die Welt zu tragen und zu einem Geschenk an alle zu machen.“ (S. 343)

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Rezensionen von StefanieFreigericht:

Braucht man das oder nicht?

Die Jahre der Leichtigkeit von Howard Elizabeth Jane

Die 576 Seiten des ersten Bandes der fünfbändigen Cazelet-„Chronik“ habe ich locker heruntergelesen, doch obwohl ich in Band zwei mindestens hineinlesen werde, bleibt das Gefühl, irgendjemand habe nach dem Erfolg der Serie „Downton Abbey“ nach einem, mit Verlaub, „Trittbrettfahrer“ gesucht.

Unfair? Downton Abbey erschien ab 2000 im TV, hingegen das Original „The Light Years“ erschien bereits 1990. Der deutschen (Neu-) Ausgabe vom 20. Juli 2018 ging eine Ausgabe aus den Neunzigern voran unter dem Titel Sommerjahre mit ähnlich süßlichem Cover, Übersetzerin der Reihe damals Regina Winter. Ach, und verfilmt hat man die Cazelets auch, 2001. Ich vermute mal, das sehen wir hier bald. Bei der Ferrante-„Saga“ fehlt mir immer noch Band 4, weil ich mich frage, ob es wirklich ALLER (und so vieler) Bände bedarf – für’s Verlags-Portemonnaie sicher... Saga? Chronik? Uff.

Worum geht’s? Um die Familie Cazelet und ihr (sehr eng gezogenes) Umfeld, hier in den Jahren 1937-38. Keine Adeligen wie bei Downton, keine Unterschicht wie bei Ferrante mit Bildungs-Ehrgeiz – gut situierte Holzhändler, bloß keine weiteren Ambitionen. Unmengen von Personal, ohne jedoch den Fokus auf diese Parallelwelt wie bei Downton, nur kurze Streiflichter. Wie bei Ferrante, sollte man die Liste der Handelnden neben die Lektüre legen (es gibt einen Stammbaum zu Beginn), sonst blättert man dauernd – es sind zu viele, gleich von Anfang an, später kommen noch die Schwestern der Großmutter hinzu, die Schwester einer der Ehefrauen samt Mann und Kindern, die Geliebten zweier Protagonisten samt Familie…mir war es früh wurscht, wer wohin gehörte. Der Fokus schien mir auf den Frauen zu liegen, mit einem Beigeschmack: Sex ist wie alles Körperliche für „anständige“ (Ehe-)Frauen tabu, freudlos, uninteressant, ebenso außerhalb der Reichweite wie Selbständigkeit, Berufstätigkeit, eine eigene Entscheidung oder Meinung und der Ansatz der Erfüllung eigener Interesssen. Die zwei zu Bildung und eigenem Denken anders angelegten Charaktere, die Lehrerin Millicent und die ledige Cazelet-Schwester Rachel, sind dann gleich auch keusch angelegt, die eine fast mittellos und häßlich, die anderere rückenleidend und verdammt zur ewigen Selbst-Aufopferung, beide eher völlig unerfüllt liebend. In DER Häufung etwas zu viel. Selbst die eine glückliche Ehe krankt daran, dass jeder stets mit Bedacht tut, was der andere vermeintlich will, aber beide tatsächlich gar nicht mögen.

Einzig die Kinder empfand ich als komplexer gezeichnet, da kann zum Beispiel der Junge Teddy gleichzeitig dümmlicher Hedonist sein, Unterdrücker der Jüngeren und geduldiger Retter der Katze von Polly. Dem wohl geschuldet, lagen mir die Kinder näher, die Mädchen Louise, Polly, Clery speziell, Töchter je eines der Cazelet-Söhne. Da schwingt einiges an Andeutung in den Zeichnungen der Mädchenfiguren mit; Clery mit ihrem schriftstellerischen Talent und der bösen Stiefmutter (natürlich jung, dümmlich, ichzentriert), Polly mit all ihren Ängsten (um die Mutter, einen möglichen Krieg) und Louise, etwas verwirrend bezüglich der erfahrenen sexuellen Belästigung, von der später nicht wieder die Rede ist, mit Schauspieler-Ambitionen. Die weitere Andeutung liegt natürlich in der Zeit: während 1937 die Kriegserfahrung der Söhne dargestellt wird, steht 1938 im Zeichen dessen, von dem dem Leser die ganze Zeit bewusst ist, das es kommen wird, während die Romanfiguren noch auf Chamberlains Appeasement-Politik vertrauen.

Bei den Erwachsenen ist alles dabei, der glücklose Künstler, der Ehebrecher mit dem Selbstbild der völligen Selbstverständlichkeit, die etwas schrulligen Alten, die resolute Köchin, der grummelige Gärtner. Archetypen, irgendwie weniger amüsant als bei Agatha Christie mit der ihr eigenen Bissigkeit, die man meist nicht gleich bemerkt. Unterhaltsam für nebenbei – ich fand irgendwie das Leben der Autorin deutlich spannender. Ihr Vater war Holzhändler (sic!), ihre Mutter wie Villy früher Tänzerin. Ich lese mal in die Autobiographie hinein. Ihr Stiefsohn Martin Amis schätze sie als interessanteste Schriftstellerin neben Iris Murdoch, ich mag ihm nicht ganz folgen. 3 ½ Sterne.

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Rezensionen von buchstabensuechtig:

Alle Wege führen nach Rom? von wegen.

Commissario Pavarotti kam nie nach Rom von Elisabeth Florin

Im beschaulichen Kurort Meran wird ein deutsch-österreichisches Ehepaar ermordet. Sie, Anna, war Schriftstellerin und recherchierte in Meran offenbar gerade für ihr neuestes Buch. ihr Mann, Lex Santer, arbeitete als Fondsmanager. Alles deutet auf das Werk eines Profis hin. Der offensichtlich mit privaten Problemen kämpfende Commissario Pavarotti tappt auf der Suche nach dem Motiv im Dunkeln.

Auf einer Reise nach Deutschland läuft er Lissie, seiner ehemaligen Partnerin, in die Arme. Auch Lissie hat Anna und Lex gekannt (wobei ihr nicht bewusst ist, dass Pavarotti darüber Bescheid weiß) und kehrt mit Pavarotti nach Meran zurück, offiziell, um die Arbeiten an Annas Buch fortzuführen, wozu sie von ihrem Verleger beauftragt wurde. Was aber weder Pavarotti noch sein Ispettore Emmenegger wissen: Lissie denkt gar nicht daran, die fremde Geschichte zu bearbeiten, sondern arbeitet an ihrem eigenen Buch, und sie und Anna hatten anscheinend einen heftigen Streit. In Meran überschlagen sich dann die Ereignisse, Lissie gerät selbst ins Visier des Mörders, und Pavarotti und Emmenegger haben alle Hände voll zu tun, um sie zu retten.

Besonders attraktiv fand ich die persönlichen Spannungen zwischen den Protagonisten - man konnte teilweise richtig die Funken sprühen sehen in den Seiten. Durch gekonnt gezielte Rückblicke, einerseits in das Meran der Nachkriegszeit, andererseits in die Jugend von Anna, gewinnt der Leser nach und nach ein Einblicke in die komplexe Story. Gewinnt man anfangs den Eindruck, die Verbrechen wurden aus profaner Profitgier begangen, wird einem nach und nach deutlich, dass es hier um viel mehr geht, um Schicksale, um Geschichten. Fast jeder der Befragten ist irgenwie involviert, jedes Haus, jede Pension hat seine Geschichte in der Nachkriegszeit. Als Viertelsüdtirolerin, die in Innsbruck aufgewachsen ist, kenne ich auch aus meiner unmittelbaren Umgebung viele solcher Geschichten. Elisabeth Florin lässt ihre Protagonisten durch kleine Details und liebevolle Schilderungen lebendig, nahbar und menschlich erscheinen, z. B. spürt man die Verzweiflung Pavarottis am Anfang bzw. kann das Gefühl genau nachvollziehen, das Pavarotti in dieser Milchbar hat, als sie schreibt: "Nur 10 cm trennten ihn von Rom, aber der Streifen aus hellblauem Resopal war so breit wie der Po, und er wusste, er würde Rom nie erreichen". Die grandiose, eigene Landschaft rund um Meran, das immer noch eine deutschsprachige Enklave im inzwischen stark italienisch durchsetzten Südtirol darstellt mit den einsamen Tälern rundum bildet den perfekten Rahmen für diesen herausragenden zeitgeschichtlichen Krimi mit Lokalkolorit. Einige Fragen sind mir geblieben, ich hoffe, diese mithilfe der früheren Pavarotti-Fälle, die ich schon bald lesen werde, lösen zu können. Und dann freue ich mich auf weitere Fälle mit Pavarotti und Co.

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