Kunden em pfehlungen
Rezensionen von rewareni:
Freiheit
Die Gefängnisinsel von Thomas Sailer
Der Journalist Martin Eichendorf ist verzweifelt. Seit mehr als 2 Jahren befindet er sich unschuldig in Griechenlands Hochsicherheitsgefängnis Werra 1 . Aber er hat Glück, das schier unmögliche gelingt ihm durch einen Zufall. Er kann fliehen! Aber zu seiner großen Enttäuschung merkt er, dass er sich auf einer Insel befindet.
Doch er ist bereit zu kämpfen und seine neu gewonnene Freiheit vorerst einmal zu genießen. Sein Wille zu überleben ermöglicht es ihm viele Wochen unentdeckt auf der Insel zu leben. Die Entbehrungen sind zwar groß, aber spürt, dass sein Lebenswille erwacht ist und so setzt er alles daran, von der Insel zu fliehen. Was nun folgt zeigt ihm, dass man nie aufgeben soll und so schafft er es sogar spektakulär nach Hause zu gelangen. Doch auch hier ist seine Freiheit nur auf Zeit, denn wenn er es nicht schafft seine Unschuld zu beweisen, wird er immer auf der Flucht sein.
Der Roman ,, Die Gefängnisinsel´´ von Thomas Sailer beschreibt eine spannende und interessante Geschichte über das Thema Freiheit. Der Autor lässt seinen Protagonisten seine Geschichte oft in philosophischer Form selbst erzählen.
,, Freiheit: Das ist die Möglichkeit jene Dinge zu tun, die man tun will. Nichts, das dem Menschen von einem Gott gegeben ist; auch nichts, das in einem Gesetzestext, einer Konvention oder einer Verfassung geschrieben steht. Viel eher die Fähigkeit eines Individuums, die eigenen Träume zu leben; eine Art von Macht, gewissermaßen.´´
Da sich Martin immer wieder vorstellt wie er seine Freiheit genießen möchte, was er alles tun wird, wenn er endlich zu Hause ist, bleibt es nicht aus, dass seine Gedanken in der Möglichkeitsform wieder gegeben werden. Da bleibt es nicht aus, dass spezielle Wörter wie – hätte, wäre…- sehr oft vorkommen. Ich weiß, dass es schwer ist diese Wörter abwechslungsreicher einzusetzen, aber wenn auf einer Seite 15 Mal das Wort ,, würde´´ vorkommt, dann wird es mit der Zeit ein wenig ermüdend.
Sehr schön hat der Autor die verschiedenen Facetten des Begriffes Freiheit heraus gearbeitet. Obwohl Martin immer wieder einen Schritt in diese Richtung erlangt hat, war es trotzdem nicht erfüllend. Man merkt dabei, dass es immer eine Steigerung gibt und dass es nicht leicht ist, mit dem zufrieden zu sein, was man gerade besitzt. Thomas Sailer hat seinen Protagonisten immer wieder träumen lassen und dabei schöne Bilder heraufbeschworen und er hat dem Leser dadurch auch gezeigt, dass man sich sehr wohl auch an kleinen und oft im Alltag unscheinbaren Dingen erfreuen kann.
Der Roman ,, Die Gefängnisinsel´´ lässt sicher auch noch danach den Leser über sein eigenes Leben nach denken und vor allem, dass man bewusst die Momente zu schätzen weiß, die vielleicht nicht besonders erscheinen. Aber wenn man die Möglichkeit hat selbst über sein Leben zu bestimmen, dann sollte man jeden Augenblick genießen.
Rezensionen von Lesenichte:
Traurige Wahrheit
Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren von Ali Benjamin
Suzy verliert ihre Freundin bei einem tragischen Badeunfall. Man erhält viele Einblicke auf die Sichtweise einer Zwölfjährigen. Man erfährt viel über die Freundschaft zwischen Suzy und Franny und gewinnt beide sehr lieb. Auch lernt man bei diesem Buch Quallen kennen und lieben. Suzy lässt einem an ihrem Trauerprozess teilnehmen.
Zum Schluss beginnen zwei neue Freundschaften.
Schon das Cover ist der Hammer. Die Qualle die über alles wacht und das kleine Mädchen, dass die Qualle bewundert. Als Coverkäuferin war schon schnell klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen möchte. Die Geschichte ist klar und deutlich geschrieben. Es bleibt von der ersten Seite ab auf dem gleichen Niveau und wird auf keiner Seite auch nur ein bisschen langweilig. Ich habe das Buch an einem Abend verschlungen. Für mich war es ein sehr lesenswertes Buch. Es ist schade. dass ein Kind schon trauern muss, doch bei dem Prozess der Bewältigung dabei zu sein, macht viel Spaß. Ich hoffe auf noch viele berührende Bücher von Ali Benjamin.
Rezensionen von liesmal:
Ein ganzes Leben
Das rote Adressbuch von Sofia Lundberg
Doris ist 96 Jahre alt. Zu ihrem 10. Geburtstag bekam sie von ihrem Vater ein rotes Adressbuch geschenkt, in dem sie alle Adressen der Menschen festhalten sollte, die eine Bedeutung in ihrem Leben haben. Dieses Buch hat sie ihr Leben lang gehütet und gepflegt. Jedes Mal, wenn sie erfahren hat, dass einer dieser Menschen verstorben war, hat Doris dessen Namen durchgestrichen und TOT daneben geschrieben.
Inzwischen gibt es nur noch wenige Namen, die nicht durchgestrichen sind. Zu ihnen gehört Jenny, Doris‘ Großnichte, die sie liebt wie ihr eigenes Kind.
Für Jenny schreibt Doris zu jeder Adresse die Geschichte. Dadurch reist auch sie selbst gedanklich noch einmal an die verschiedenen Orte ihrer Vergangenheit.
So bezaubernd wie das Cover sind auch die Geschichten, die Doris erzählt, auch wenn die Stationen ihres Lebens nicht einfach waren.
Ein warmherziger Schreibstil, der zwar das Lesen leicht macht, aber der es schwer macht, das Buch auch mal aus der Hand zu legen. Dazu tragen nicht zuletzt die kurzen Kapitel bei, in denen wechselweise aus Doris‘ Gegenwart und die Geschichten der Menschen aus dem Adressbuch und damit auch aus Doris‘ Vergangenheit sehr spannend erzählt werden, die aber auch Einblick geben in Jennys Leben und das ihrer Familie. Die Warmherzigkeit zwischen Doris und Jenny wird sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, selbst wenn sie örtlich weit voneinander entfernt wohnen und ein Kontakt nur durch Skypen aufrechterhalten wird.
Was ich nicht unerwähnt lassen möchte: Doris war auf häusliche Pflege angewiesen. Die Autorin scheint genau zu wissen, welche Unterschiede es gibt im Bereich der Altenpflege. Da gibt es Pflegerinnen wie Sara, die sich liebevoll um Doris kümmern, die ein Gespür für deren Wünsche haben und ohne großen Aufwand erreichen, dass Doris zufrieden ist. Doch es gibt leider auch Pflegerinnen, die dieses Gespür nicht haben. So habe ich mir – allein nach der Beschreibung, wie sie das Essen für Doris vorbereitet und serviert hat – gewünscht, Ulrika hätte doch besser einen anderen Beruf erlernt.
Ein wunderschönes Buch, mal anders als alle anderen!
Rezensionen von Biene2004:
Wenn die Wahrheit die Vergangenheit einholt...
Vier.Zwei.Eins. von Erin Kelly
Das Cover würde in der Buchhandlung ganz bestimmt meine Aufmerksamkeit erregen, da der Leser auf jeden Fall „einen zweiten Blick riskieren muss“, um die Einzelheiten erfassen zu können. Clever gemacht! Auch die kurze Inhaltsangabe trug auf jeden Fall dazu bei, dass mein Interesse geweckt wurde.
Der Schreibstil der mir bis dato unbekannten Autorin Erin Kelly ist locker und leicht verständlich, jedoch teilweise auch ziemlich „langatmig“, sodass ich persönlich Schwierigkeiten hatte, mich von der Geschichte rund um Laura und Kit mitreißen zu lassen. Die teilweise doch sehr ausführlichen Vorträge zum Thema Sonnenfinsternis waren mir zu öde und auch zu weitläufig. Hinzu kommt, dass die Geschichte in den ersten Kapiteln meistens mehr oder weniger leicht und seicht vor sich hinplätschert, denn erstmal passiert nicht wirklich viel. Hier musste ich mich wirklich so manches Mal zum Weiterlesen überreden. Ich glaube, wenn ich das Buch nicht im Rahmen einer Leserunde hätte lesen dürfen, hätte ich ganz bestimmt irgendwo in der ersten Hälfte abgebrochen…
Die Hauptprotagonisten Laura, Kit und Beth werden insgesamt nicht so beschrieben, dass ich mit einer von ihnen von Anfang an sympathisiere, irgendwie werde ich bis kurz vor dem Ende mit keinem Charakter so richtig „warm“. Und zum Schluss fiebert man wahrscheinlich ganz automatisch mit, weil alleine die Spannung was anderes schon gar nicht wirklich zulässt.
Das Ende wiederum hält dann einige Überraschungen bereit, mit denen ich nicht gerechnet hätte! Hier ist es der Autorin Kelly wirklich total gut gelungen, die ganze Geschichte komplett anders aussehen zu lassen als es anfangs scheint. Auch die Spannung ist hier in den letzten Kapiteln zum Greifen nah, sowas hätte ich mir für dieses Buch schon viel viel eher gewünscht. Auch die einzelnen Charaktere bekommen hier endlich mehr „Farbe“, als es wirklich darauf ankommt, wer die Wahrheit spricht und wer nicht.
Ich habe selten so lange überlegt, wie viele Sterne ich vergeben möchte. Doch die Tatsache, dass ich dieses Buch sicherlich nicht zu Ende gelesen hätte, wenn ich es nicht im Rahmen einer Leserunde bekommen hätte, hat mich zu meinem diesem Ergebnis kommen lassen, dass ich trotz der wirklich spannenden und guten letzten Kapitel nicht mehr als drei Sternchen vergeben kann. Schade um so viel verschenktes Potenzial!
Rezensionen von Gaby 2707:
Nicht ganz so meins
Dreckiger Schnee von Joseph Knox
Detective Constable Aidan Waits bekommt vom Abgeordneten David Rossiter MP den Auftrag dessen 17-jährige Tochter Isabelle ausfindig zu machen und nachhause zu bringen. Auf seiner Suche stößt Waits auf einen Sumpf aus Drogen, Sex und Gewalt.
Obwohl mir die Leseprobe zum Buch sehr gut gefallen hat, bin ich in die Geschichte nur sehr schwer reingekommen.
Gerade den Anfang finde ich sehr zäh und langatmig. Aber auch die Geschichte hat für mich, bis kurz vor Schluss, keinen Reiz entwickelt und mich nicht einfangen können. Die Spannung, die sich langsam aufgebaut hatte, fiel immer wieder zusammen.
Vielleicht bin ich mit Mitte 60 einfach nicht das richtige Klientel für eine solche Art von Thriller. Ich fühle mich zwischen all den Drogen konsumierenden, durchgeknallten, saufenden, prügelnden jungen Menschen in den Discos und den Bars der Organisation oder den Burnsiders einfach nicht wohl.
Ich habe bis hierher auch selten ein Buch gelesen, wo es fast nur Personen gibt, die mir zutiefst unsympathisch sind. Egal ob Aidan Waits, bei dem hier und da auch mal sympatische Seiten hervorblitzen, sein Vorgesetzter Superintendent Parrs, Drogenboss Zain Carver, die „Sirenen“, die mir nicht mal leid tun, Glen Smithson, oder David Rossiter – alle hinterlassen bei mir einen abstoßenden, sehr negativen Eindruck. Sogar die Stadt Manchester vermittelt mir ein hässliches, unwohnliches Bild von sich.
Trotzdem habe ich tapfer durchgehalten und es nicht bereut. Auf den letzten ca. 150 Seiten nimmt die Geschichte an Fahrt auf, baut mit jeder Seite etwas mehr Spannung auf und ich verstehe mich langsam besser mit Aidan Waits.
Ein Thriller mit einigen Überraschungen, zum Teil sehr ungewöhnlichen Protagonisten und einer Geschichte, die bis kurz vor Schluss brauchte um mich zu fesseln.
Hierfür vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.
Rezensionen von BarbaraM:
Ein wunderschön gestaltetes Tagebuch für jeden Gartenliebhaber
Das Arche Noah Gartenjahr von Andrea Heistinger
„Das Arche Noah Gartenjahr“ von Andrea Heistinger ist 2018 im Löwenzahn-Verlag erschienen und stellt einen immerwährenden Kalender dar.
Jeder Tag hat eine extra Seite, auf der man seine eigenen Beobachtungen, Erinnerungen, individuellen Gartenmomente eintragen und später wieder darauf zurückgreifen kann.
Außerdem regt die Autorin auf jeder Seite mit einer Frage zum Nachdenken und Innehalten an und gibt zusätzlich einen Gedankenimpuls in Form eines Tipps, einer sachlichen Information, etwas zum Schmunzeln etc.
Jedem Monatsanfang ist zusätzlich eine Überblicksseite gewidmet, auf der anstehende Arbeiten im Garten zu finden sind, aber auch kleine Rezeptideen und persönliche Notizen der Autorin wie „Die Taglilien beginnen zu blühen: Ich streue die süß-pfeffrigen Blüten über den Blattsalat.“
Besonders hervorzuheben sind auch die wunderschönen, natürlich gehaltenen, bunten Zeichnungen der Illustratorin Monika Klars. Sie unterstreichen die Schönheiten dieses Buchschatzes. Genauso wie auch das haptisch schöne Leinencover und die nützlichen beiden Lesebändchen.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Gartenjahrbuch eine wunderbare Geschenkidee für jeden Gartenliebhaber darstellt oder vielleicht auch für jemanden, der sein Wissen an die nächste Generation weitergeben möchte.
Aber auch selbst schlägt man sicherlich immer wieder gerne in diesem Tagebuch nach, wenn die bekannten Fragen auftauchen, die wohl jeder Hobbygärtner kennt, wie „Wie habe ich das denn im letzten Jahr gemacht?“, „Wann habe ich dies und jenes gesät, gesetzt, gepflanzt?“ oder „Wann war denn nun der letzte Frosttag genau?“, etc.
Für mich ist es jedenfalls jetzt schon ein wahrer Schatz und die ersten Eintragungen habe ich bereits gemacht.
Rezensionen von Caroline :
Spannend, actionreich und auch romantisch - Venedig kurz vor Ende des 2. Weltkriegs
Im Schatten von San Marco von Cruz Smith Martin
Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs entdeckt der Fischer Cenzo Vianello im Meer vor Venedig den Körper einer jungen Frau. Zuerst glaubt er, dass sie tot im Wasser treibt, doch Guilia erweist sich als sehr zäh. Sie kann gut schwimmen und ist am Ende ihrer Kräfte. Er rettet sie aus den Fluten und versteckt sie, während sein Fischerboot von einem Patrouilleschiff durchsucht wird.
Anschließend müssen sie sich verstecken und da begeht Cenzo einen folgenschweren Fehler.
Guilia ist Jüdin. Gemeinsam mit ihren Eltern versteckte sie sich in einem Krankenhaus. Doch das Versteck wird verraten und alle außer Guilia werden deportiert.
Cenzo macht sich natürlich Gedanken, wie es mit der jungen Frau weitergehen soll. Nachdem er sich entschlossen hat, ihr zur Flucht zu verhelfen, überschlagen sich die Ereignisse. Cenzo gerät zwischen die Fronten, von Deutschen, Schwarzhemden und Partisanen.
Wie hat es mir gefallen?
Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag bekommen und möchte mich herzlich dafür bedanken. Dieses Mal habe ich sehr lange gebraucht, um mich der Geschichte zu widmen. Zwei Mal habe ich abgebrochen, weil ich mich einfach nicht auf das Buch konzentrieren konnte.
Nun endlich war die Zeit reif.
In diesem Buch begeben wir uns auf eine Zeitreise nach Venedig und an den Gardasee kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Welt liegt in Trümmern. Die deutschen Besatzer ziehen sich überall langsam zurück und dennoch verbreiten sie immer noch Terror. Die italienischen Faschisten halten verzweifelt an ihrer Macht fest. Dieses Durcheinander und das Machtvakuum sind höchst explosiv.
In dieser angespannten Situation findet Cenzo die junge Guilia. Eine Jüdin, die auf der Flucht ist. Die zwei könnten nicht unterschiedlicher sein. Cenzo ist Fischer aus vollstem Herzen. Er versteht sein Handwerk. Guilia dagegen ist akademisch hoch gebildet. Sie spricht drei Sprachen und zitiert Byron.
Mit der Rettung verbinden sich ihre Schicksale. In den Wirren der letzten Kriegstage werden sie in ein Netz auch Spionage, Verrat und Täuschung verwickelt, das an Action und Spannung kaum zu überbieten ist.
Es ist nicht möglich diesen Roman in die Schublade des Genres zu stecken. Neben den Spannungselementen, kommt auch die Romantik nicht zu kurz ohne jedoch ins Kitschige abzugleiten.
Mir war der Autor bisher nur bekannt durch „Gorki Park“ und einige andere Krimis. Sein Ausflug ins historisch, spannende Genre ist ihm gelungen.
www.mariessaldondulivre.at
Rezensionen von Pink Anemone:
Ein anspruchsvoller, komplexer, aber auch faszinierender Klassiker voller psychologischer Abründe
Was Maisie wusste von Henry James
Als Maisies Eltern sich scheiden lassen, gerät das Mädchen zwischen die Fronten. Doch Maisie erkennt, wozu sie benutzt werden soll und verfolgt bald ihre eigene Taktik....(Klappentext)
❋❋❋❋❋
"Es sollte das Schicksal dieses duldsamen kleinen Mädchens werden, mehr zu sehen, als es zunächst verstand,
aber auch, und dies von Anfang an,
viel mehr zu verstehen, als dies vielleicht je zuvor ein Mädchen vergleichbaren Alters,
wie duldsam auch immer, getan hatte.
"
(S. 13)
"Was Maisie wusste" ist ein komplexer und experimenteller Roman Henry James' und demonstriert einmal mehr James' Faszination für Figuren, die dazu verdammt sind zu beobachten anstatt teilzunehmen.
Das vorliegende Werk ist die Geschichte eines Kindes, dessen Eltern sich scheiden lassen und von denen keiner die Unannehmlichkeit auf sich nehmen will, sich wegen Maisie in seinem gesellschaftlichen Leben beeinträchtigen zu lassen. Der Roman ist eine Analyse von Maisies Eindrücken und Reaktionen auf die Dummheit und den Egoismus ihrer Eltern, deren Freunde und Liebhaber.
Es ist kein Roman mit viel Spannung und auch nur mit sehr wenig Handlung, was jedoch nicht bedeutet, dass hier nichts passiert.
Henry James ist ein Schriftsteller, der für seine Charakterstudien in seinen Romanen war und immer noch ist, wie z.B. auch in "Das Bildnis einer Dame" oder auch, wenn man es genau betrachtet, in "Die Drehung der Schraube". Auch in diesen Romanen passiert nur wenig und es stehen die Charaktere im Vordergrund. Diese sind manchmal alles andere als Sympathieträger. Egoismus, Eitelkeit, Manipulation sind häufige Themen in seinen Romanen und Charaktereigenschaften seiner Figuren.
So auch in diesem Roman, welcher aufzeigt, was diese Attribute bei einem kleinen Mädchen anrichten können, wenn es in einer Umgebung mit Erwachsenen aufwächst, welche diese Eigenschaften besitzen. Hier steht die Entwicklung Maisies im Vordergrund, ihre Gedanken und Gefühle, während sie zwischen allen möglichen Fronten steht.
"Das Kind sollte ihrem Zorn dienen und ihre Rache besiegeln,
denn beide Ehepartner waren zu gleichen Teilen von der Schwere des Richterspruchs versehrt worden,
weil darin letztinstanzlich der von beiden Seiten aufgebracht vorgetragene Anspruch abgewiesen wurde, ALLES zu wollen."
(S. 9)
Masie ist ein intelligentes Mädchen, stellt sich jedoch gegenüber allen Außenstehenden und vor allem ihren Eltern gegenüber absichtlich dumm, um nicht noch mehr in die Streitereien ihrer Eltern hineingezogen zu werden und als Spielball und Informationsquelle zu fungieren. Dadurch wird Masie aber auch zu einer geübten Zuschauerin und Zuhörerin. An ihren Gedanken erkennt man, dass sie viel mehr von ihrer Umgebung wahr- und aufnimmt als alle denken. Durch Maisies Augen erhält der Leser Einblick in die Charaktere der Figuren, in Intrigen und Affären, welche sich rund um das Mädchen abspielen und dem sind ganz schön viele. Hier scheint jeder jeden zu betrügen und eines auswischen zu wollen.
Da Henry James nie eigene Kinder hatte, ist es umso erstaunlicher wie treffend und berührend die kindliche Sichtweise transportiert wird.
Zudem werden die Figuren nicht durch äußerliche Merkmale beschrieben. Im Grunde weiß man bis zum Ende nicht wie diese aussehen. Die Beschreibung der Figuren erfolgt alleine nur durch die Charakterbeschreibung. Das erfolgt jedoch sehr intensiv und geht somit auf sehr beeindruckende Weise in die Tiefe, welche trotzdem ein Bild vor Augen entstehen lässt.
Obwohl es durchaus und vor allem vom psychologischen Standpunkt aus interessant zu lesen ist und sich hier Abgründe auftun, hatte ich so meine Probleme mit diesem Roman. Das lag vor allem an den langen Schachtelsätzen. Diese sind zwar ein typisches Merkmal für Henry James' Schreibstil, aber hier tat ich mir besonders schwer. Manche Sätze scheinen kein Ende nehmen zu wollen und dadurch gestaltete sich das Lesen zeitweise als sehr anstrengend.
Hinzu kommen so manche Aus- und Abschweifungen. Manchmal konnte ich diesen durchaus etwas abgewinnen, denn an den richtigen Stellen tragen diese erst dazu bei in die Geschichte einzutauchen. Hin und wieder verlangsamen sie jedoch die Handlung und das Lesetempo, sodass man das Gefühl hat auf der Stelle zu treten oder sich in Slow Motion durch die Geschichte zu bewegen.
Die Dialoge hingegen konnte mich begeistern. Bei diesen wird vieles nur angedeutet und umschrieben, daher muss man zwischen den Zeilen lesen, um zu erkennen was für Abgründe sich hier wirklich auftun. Bei vielen Dialogen kommt aber auch der Humor und die Direktheit von Henry James zum Vorschein, welche einem dann schmunzeln lassen.
"Und in diesem Augenblick geschah es, dass ihr die von ihrem ekelhaften Papa gesprochenen Worte erneut in ihren kleinen verwirrten Ohren klangen,
von wo aus sie, auf das Begehr ihrer Mutter hin, schnurstracks zu ihren kleinen unschuldigen Lippen und in ihre klare, durchdringende Stimme wanderten.
>>Er sagte, ich soll dir von ihm ausrichten<<, gab sie wortgetreu wieder, >>dass du eine hundsgemeine Drecksau bist.<<"
(S. 17)
Wie bei allen Romanen von Henry James, wird also auch hier beim Lesen Konzentration gefordert, wenn auch mit amüsanten und nachdenklichen Passagen. Auch von der Thematik her ist dieser Roman keineswegs leichte Kost. Vor allem da es sich hier um ein kleines Mädchen handelt, an dem sehr bildhaft herumgezerrt wird, ohne auf dessen Gefühle zu achten.
Wie vom dtv-Verlag nicht anders erwartet, hält man hier eine qualitativ hochwertige Ausgabe in den Händen.
Obwohl hier mit "Neuübersetzung" geworben wird, wurde das Original weder modernisiert, gekürzt, noch "verfälscht". Es wurde der Schreibstil, der für Henry James so typisch ist, beibehalten.
Die Fußnoten mit Anmerkungen sollten unbedingt beachtet werden, da diese zum besseren Verständnis beitragen und auch durchaus interessant zu lesen sind. Diesmal ist zwar keine biographische Zeittafel des Autors vorhanden, jedoch ein Nachwort von Angela Schader, welches einem Einblicke in die damalige Zeit gewährt, sowie in das Werk "Was Maisie wusste" selbst, das vieles verständlicher und nachvollziehbarer macht.
Fazit:
Dieser Klassiker hat mich zwar einiges an Kraft und Durchhaltevermögen gekostet, trotzdem kann ich diesem Werk von Henry James durchaus etwas abgewinnen. Es ist zwar anspruchsvoll, geht jedoch in die Tiefe und hat zudem keineswegs an Aktualität verloren.
Auch wenn ich mich bei jedem Buch von Henry James, mal mehr - mal weniger, durchkämpfen muss, finde ich seine Werke faszinierend und doch in gewisser Weise fesselnd. Ergo werde ich trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) immer wieder einen "Henry James" lesen.
© Pink Anemone (mit Bilder, Leseprobe, Autoren-Info)
Rezensionen von gelesengelauschtgemacht:
Guter Auftakt einer Social-Media-Jugendbuchreihe
Mein Leben im Hotel Royal - Warum mein Dackel mehr Follower hat als ich von Birchall Katy
„Mein Leben im Hotel Royal – Warum mein Dackel mehr Follower hat als ich“ ist der Auftaktband der Hotel Royal Reihe um Felicity „Flick“ Royal, die im von ihrer Mutter geführten Hotel aufwächst und das verzogene Möchtegern-It-Girl gibt.
Das Buch ist im Juli im Schneiderbuch Verlag als Klappbroschur erschienen, die Autorin Katy Birchall hat bereits die It-Girl-Reihe geschrieben.
Felicity Royal ist zu Beginn des Buches ein trotziger Teenager, der von den Abläufen im Hotel keine Ahnung und auch kein Interesse daran hat und ständig den Ablauf stört. Hund Fritz, ihr ganzer Stolz, hat ein erfolgreiches Socialmediaprofil und sein Frauchen veröffentlicht täglich ein Foto von ihm – teilweise auch mit Bekleidung. Flick freundet sich mit Popstar Skylar an – was zu weiteren Versuchungen und Grenzüberschreitungen führt- und zur Chance, persönlich zu wachsen, mit der Hilfe eines gleichaltrigen Freundes.
Das Buch hat mir anfangs gar nicht gefallen, so dass ich es nach 30 Seiten zur Seite gelegt und etwas anderes Zwischengelesen habe. Flick hat zusehends genervt und es passierte auch noch nichts. Die Handlung und Flicks Entwicklung nehmen jedoch schnell an Fahrt auf, so dass mich das Buch ab der Hälfte total in seinen Bann gezogen hatte. Was mir jedoch fehlt ist eine Identifikationsfigur in dem Buch. Am ehesten finde ich mich noch in Flicks Mutter, die jedoch im Buch nie da ist, weil sie ständig arbeitet und daher als Charakter flach bleibt.
Der Schreibstil passt, mit einfachen Sätzen und vielen direkten Reden, sehr gut zu einem Jugendbuch. Dass soziale Medien eine wichtige Rolle spielen gefällt mir, da diese Technologie tief in der heutigen Jugendkultur verwurzelt ist, und die „Jagd“ nach Followern für mich als Erwachsene teilweise sehr seltsame Züge annimmt, deren tiefer Sinn mir auch verschlossen bleibt.
Durch die Entwicklung der Protagonistin und das Kennenlernen des Hotels hat mir das Buch in Summe gut gefallen, so dass ich auch noch gerne weitere Bände der Reihe lesen möchte. Außerdem fand ich es schön zu sehen, dass die Stars auch nur Menschen mit alltäglichen Problemen sind.
Fazit: Guter Auftakt, auch wenn sich der Beginn etwas zieht.
Rezensionen von Caroline :
Eine tolle Liebesgeschichte mit aktuellen Themen
The Ivy Years - Was wir verbergen von Sarina Bowen
Das Chaos ihrer Familie hinter sich lassend, zieht Scarlet einen dicken, fetten Strich zu ihrer Vergangenheit. In Harkness möchte sie sich dem Studium widmen, um so wieder Ordnung ins Leben zu bringen. Um nicht doch erkannt zu werden, gibt sie sogar ihren geliebten Sport auf. Denn im Eishockey ist sie ein Ass.
Genauso ergeht es Bridger. Er lässt seine größte Leidenschaft hinter sich, um sie total aufs Studium und seine Arbeit zu konzentrieren. Er darf nicht auffallen, um sein größtes Geheimnis zu schützen. Seine Tage sind komplett durchgeplant. Für Ablenkungen bleibt ihm keine Zeit.
Scarlet und Bridger besuchen einen Kurs gemeinsam und merken recht bald, dass sie sich gut verstehen. In ihrer spärlichen Freizeit lernen sie zusammen und kommen einander immer näher.
Beiden ist allerdings auch klar, dass sie ihre Geheimnisse hüten müssen. Doch kann eine beginnende Liebe solch großen Widerständen standhalten?
Wie hat es mir gefallen?
Wie bereits bei Teil 1 „Bevor wir fallen“ nimmt sich die Autorin zweier recht sensibler und brandaktueller Themen an. Sie verknüpft diese mit einer Liebesgeschichte, die zwei unglaublich sympathische Figuren in den Mittelpunkt stellt, ohne zu sehr ins Detail zu gehen oder mit einem erhobenen Zeigefinger zu wedeln.
Mit Bridger hat Sarina Bowen einen wahren Glücksgriff getan. Er ist eine Seele von einem Menschen. Er stellt das Wohl anderer immer an erste Stelle. Seine Loyalität kennt keine Grenzen. Er gibt sein letztes Hemd, um zu retten, was zu retten ist. Keine Hürde ist ihm zu groß, um sie zu überwinden.
Bei Scarlet hatte ich anfangs recht gespaltene Gefühle. Sie war recht unnahbar, aber mit Fortgang der Geschichte konnte ich verstehen, warum sie solche dicken Mauern um sich gezogen hat. Ihre familiäre Situation hat sie geprägt und extrem vorsichtig gemacht.
Wenn Scarlet und Bridger zusammen sind, kann man als Leser erkennen, welche „richtigen“ Menschen hinter all der Abwehr stecken. Sie lassen für kurze Zeit die Masken fallen. Diese Momente bringen auch kleine Stücke der Wahrheit ans Licht.
Den einzigen Kritikpunkt vergebe ich für das Ende. Ohne zu spoilern, ist es nicht möglich genauer zu erklären, warum es mir nicht so gut gefallen hat.
Ganz zum Schluss noch ein Kompliment für den Titel, der sehr passend und gut gewählt ist.
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