Kunden em pfehlungen
Rezensionen von BarbaraM:
Für fußballverrückte Jungs und Mädels sehr zu empfehlen!
Iassine Shaka von Stefan Zackariat
„Iassine Shaka – König von Paris“ von Stefan Zackariat ist 2018 im Verlag Books on Demand erschienen und umfasst 356 Seiten.
Der Autor nimmt den Leser mit auf die Reise des Fußballers Iassine Shakas und diese beginnt, als er noch ganz klein ist. Schon in jungen Jahren hat sich Iassines Fußballtalent herauskristallisiert und unterstützt von seinem Vater arbeitete er sich sportlich auf der Karriereleiter immer weiter nach oben.
So gingen seine Stationen von einem kleinen, unbekannten Verein, über die Fußballakademie in Abidjan bis zum Profiverein in Belgien und letztendlich nach Paris.
Stefan Zackariat gelingt es sehr anschaulich und detailliert zu schreiben und man fühlt sich sehr oft so, als würde man selbst in der Haut des Iassine Shakas stecken und Fußballspiele analysieren, über neue Verträge nachzudenken oder auch Trainigs- und Spieleinheiten zu areflektieren. Man merkt beim Lesen des Buches welch große Schreib- und Fußballleidenschaft im Autor selbst steckt.
Fazit: Die Geschichte war für mich als erwachsene Leserin teilweise spannend und auch sehr interessant zu lesen, manchmal aber auch vor allem in den Taktikbeschreibungen und Vertragsverhandlungen etwas langatmig. Ich hätte mir gewunschen etwas mehr über das Umfeld des Iassine Shakas zu erfahren.
Mein Sohn allerdings sieht das ganz anders. Die Geschichte um Iassine Shaka hat ihm ohne Einschränkung supergut gefallen und er hat es sofort seinen Freunden weiterempfohlen. Und das heißt bei ihm sehr viel. Besonders begeistert war er von den realitätsnahen Schilderungen in Bezug auf die Vertragsverhandlungen und die Spielanalysen.
Wir würden das Buch aus den oben genannten Gründen fußballverrückten Jungs und Mädels ab 12 Jahren empfehlen (und dafür ist es ja auch gedacht).
Insgesamt vergeben wir 4 von 5 Sternen.
Rezensionen von Gaby 2707:
Emotional und berührend
Alles Glück eines Lebens von Lauren Grodstein
Karen Neulander, 43, weiß, dass sie sterben wird. Den diagnostizierten Eierstockkrebs kann man zwar aufhalten, heilen kann man ihn nicht. Also schreibt sie ihre Geschichte für ihren sechsjährigen Sohn Jacob auf. Sie schildert offen ihre Gefühle, erzählt ihm aus ihrem Leben und beschreibt, warum er seinen Vater nicht kennenlernen konnte.
Dies aber ist der größte Wunsch des kleinen Jacob. Kann und wird sich Karen überwinden und mit Dave Kontakt aufnehmen, damit er seinen Sohn und vor allem, damit Jacob seinen Vater kennenlernen kann?
Wow, was für ein Buch. Da Karen ihre Geschichte in der Ich-Form erzählt und aufschreibt, bin ich noch näher an ihren Gefühlen und Emotionen dran. Sie zieht mich förmlich in ihr Leben hinein und ich verstehe ihren Zorn, ihre Wut, ihre Trauer und ihre Verzweiflung. Aber über allem steht ihre unendliche Liebe zu ihrem Sohn, dem sie keinen Wunsch abschlagen kann. Und obwohl sie immer schwächer wird, gibt er ihr die Kraft weiterzumachen. Mich hat diese überaus starke Frau sehr berührt.
Lauren Godstein schreibt so gefühlvoll, so emotional, so ehrlich, voller Wärme, ohne ins kitschige abzugleiten. Ich bin selbst Mutter und ein paar Mal ein paar Mal hatte ich Gänsehaut und ich musste meinen Taschentuchvorrat aufstocken. Die Autorin versteht es gekonnt mich einzufangen. Sie lässt mich aber auch nachdenklich zurück.
Sie lässt die Protagonisten so menschlich erscheinen, so real, dass ich sowohl Karen als auch ihre Schwester Allison sofort als Freundin annehmen würde.
Dies ist eine Geschichte, bei der ich von vorne herein wusste, dass es kein Happy End geben würde. Die mich so berührt hat und ans Herz geht. Ich habe sie sehr gerne gelesen und kann dieses Buch absolut weiterempfehlen.
Rezensionen von kkarin:
Katzen-fit im Handumdrehen - ein kindgerechter wertvoller Ratgeber
Ein Katzenkind kommt ins Haus von Vorbrich Susanne
Wir hatten schon länger überlegt, uns ein Haustier zuzulegen, doch welches? Im Frühjahr veranstalte der Cadmos Verlag ein Gewinnspiel, bei welchem man aus seinem Buchbestand das Lieblingsbuch aussuchen und begründen sollte, weshalb man genau dieses Buch gewinnen möchte. Im Mai erhielten wir die „frohe Botschaft“, glückliche Gewinner des Werkes zu sein und kamen – wie das (Schul-)Leben so spielt – erst in den Sommerferien dazu, es zu lesen.
Obwohl der Familien-Zuwachs für Mitte September geplant war, fühlten wir uns dank der vielen Tipps und Anregungen der Autorin Susanne Vorbrich schon zur „Buch-Halbzeit“ „Katzen-fit“ genug, um dem Tierheim einen Kennenlernbesuch (Tipp Seite 30) abzustatten.
Der Tier- und Menschenkenntnis der Tierpflegerin ist es zuzuschreiben, dass wir bereits beim Erstbesuch ein Matching/unseren Kater gefunden hatten. Leider war er noch krank, was uns – ausgestattet mit Susanne Vorbrichs Liste - Zeit gab, alle erforderlichen Anschaffungen vorzunehmen.
Mittlerweilen hält uns unser „Pauli“ ganz schön auf Trab, aber zum Glück haben wir ja das Buch als wertvolles Nachschlagwerk und Unterstützung!
Susanne Vorbrich spricht ihre LeserInnen zwar „per Sie“ an, man gewinnt aber schnell den Eindruck, einer wohlgesonnenen guten Freundin zu folgen, die auf all die Sorgen und Fragen von Kind & Katz sowohl menschlich als auch tierisch einzugehen vermag.
Besonders erfreulich: die Absätze sind kurz, prägnant und einfach geschrieben, sodass auch der Sohnemann nachschlagen/vorlesen kann und dabei seinen Spaß hat.
Beispiel: als er mit unserem Katzenkind ins Freie wollte, bat ich ihn, nachzuschauen, wann/wie dies lt. Frau Vorbrich erfolgen soll: „Legen sie die ersten kurzen Ausflüge möglichst auf regnerische Tage. Nicht nur Sie selbst, auch Ihr Katzenkind findet Regen doof, und es ist eher bereit, wieder ins Haus zu kommen.“ (Originalzitat von Seite 88)
Und wer sich bis dahin noch nicht entschieden hat, den mögen vielleicht die vielen niedlichen Katzen(kind)abbildungen oder die Katzenpfotenabdrücke überzeugen, mit denen wichtige Zusatz-Tipps gekennzeichnet sind.
Fazit:
Katzen-fit im Handumdrehen! Kindgerechter wertvoller Ratgeber für Eltern von (Klein-)Kindern, die überlegen, eine Katze aufzunehmen! Laut 8jährigem Sohn: „Das beste Buch, das du jemals gewonnen hast!“
Rezensionen von kkarin:
Fulminanter Start der Triologie, aber harter Tobak!
Drei Sekunden von Anders Roslund; Börge Hellström
Anders Roslund und Börge Hellström fordern mit ihren "Drei Sekunden" ihre Leserschaft von der ersten bis zur 461. Seite! Ein hammerstarker, spannender, zugleich düsterer und zum Nachdenken anregender Thriller.
Es gelingt ihnen, mit ihre schonungslose Sprache - zB werden Menschen als „Mulis“ oder „menschliche Container“ bezeichnet - und ihren detaillierten Ausführungen - geschickt verpackt in das Leben der Protagonisten - über Drogen-/Amphetaminhandel der Oststaaten-Mafia, deren Lieferwege/-methoden nach Schweden, Polizeiermittlungs- und Infiltrationsverfahren sowie Abläufe und Leben in schwedischen Gefängnissen, dass man als Leser nicht mehr zwischen Realität (Ist dies tatsächlich in einem Rechtsstaat möglich?) und Fiktion (Was für ein genialer Plot ist den beiden hiermit gelungen!) unterscheiden kann.
Die Charaktere werden glaubwürdig dargestellt, allen voran der strukturiert agierende Infiltrator Piet Koslow Hoffmann mit seinen akribischen Vorbereitungen auf den Einsatz im Hochsicherheitsgefängnis, der gleichzeitig versucht, seiner Rolle als Vater zweier Buben und Ehemann gerecht zu werden.
Daneben der 35 (?) Dienstjahre auf dem Buckel habende verhaltensoriginelle Kommissar Ewert Grens, der bloss seine Arbeit zu haben scheint, jeder Ungereimtheit verbissen nachgeht und dessen Privatleben erst nach und nach preisgegeben wird.
Äußerst spannend gestaltet sich auch das Zusammenspiel der übrigen Akteure aus Staatssekretariat, Justiz, Polizei, Gefängnisbehörde und Militär samt des Ermessensspielraums jedes Einzelnen. Als Leser ist man an vielen Stellen des Buches gefordert, Stellung zu beziehen: Wie würde ich entscheiden? Wie hätte ich mich verhalten?
Gewöhnungsbedüftig ist der Schreibstil, da Handlungen verschiedener Personen an unterschiedlichen Orten absatzlos aneinandergereiht werden, was der gesamten Geschichte jedoch zusätzliche Dynamik verleiht und die Gleichzeitigkeit bei derart vielen Akteuren unterstreicht.
Fazit:
Roslund & Hellström zeigen auf geniale Weise auf, welche Stärken/Schwächen, Chancen/Risiken und Konsequenzen es für den Einzelnen aber auch die Gesellschaft haben kann, wenn (Verfolgungs-)Behörden sich der Dienste Krimineller bedienen, um andere Kriminelle zur Strecke zu bringen.
Absolut empfehlenswert, insbesondere für kritische BürgerInnen, die an Menschenrechten, Gewaltentrennung, Behördenglaubwürdigkeit, Strafverfolgung und Datenschutz interessiert sind! Freu mich jetzt schon auf den demnächst erscheinenden zweiten Teil („Drei Minuten“)!
Rezensionen von kkarin:
Kids ermitteln im Hotel
Detektivbüro LasseMaja - Das Hotelgeheimnis (Detektivbüro LasseMaja, Bd. 19) von Martin Widmark
Zum Inhalt:
Lasse und Maja gehen in dieselbe Klasse und betreiben zusammen das Detektivbüro LasseMaja in Valleby, einer schwedischen Stadt, wo fast jeder jeden kennt.
In ihren Weihnachtsferien helfen sie im Stadthotel aus, wo sich die vornehme Familie Gala angesagt hat. Die gesamte Hotel-Crew will natürlich perfekten Service bieten, doch plötzlich verschwindet der wertvolle Hund der Familie Gala!
Zum Glück sind Lasse und Maja schon vor Ort, um sich des Falles anzunehmen!
Unsere Meinung:
Die Geschichte ist spannend und lädt regelrecht zum Mitermitteln ein! Besonders zum Kichern brachte meinen Sohn Ribstons (Name des Hundes der Familie Gala) eigentümliche Angewohnheit, wenn er nach 18 Uhr etwas zu essen bekommt.
Ein Detail, woran bestens ersichtlich ist, wie gut der Autor Martin Widmark seine kindliche Leserschaft kennt! Kein Wunder, war er doch viele Jahre lang Lehrer.
Auch die witzigen Schwarz-Weiß-Illustrationen von Helena Willis, die beinahe auf jeder Seite verstreut und bestens auf den Text abgestimmt sind, unterhalten zusätzlich mit köstlichen Details.
Etwas herausfordernd für meinen Sohn waren der Textumfang (wie erwähnt, hab ich ihn abgelöst) sowie die korrekte Aussprache einiger Namen (zB der Franzose Pierre Chaloppes), wobei Martin Widmark eine Lautschrift anbietet, die mein 8jähriger aber nach einigen Seiten wieder vergessen hatte :-).
Nach zwei abendlichen Lesesessions hatten wir das 73seitige Buch durch.
Eine Übersicht hinten im Buch zeigt noch weitere 18 LasseMaja-Titel, weshalb mein mein Sohn sofort den Wunschzettel für das Christkind ausfüllte. Ratet, wieviele Bände auf dem Zettel landeten ...
(Ich löse: „Diese zehn UNBEDINGT und die übrigen acht bitte, bitte, bitte auch!“). Dass es mittlerweilen bereits Band 22 gibt, habe ich ihm verschwiegen ...
Fazit:
Das Buch war ein riesen Lese-Spaß für meinen 8jährigen und hat in ihm einen Lese-Hunger ausgelöst.
Das freut das Mutter-Herz hinsichtlich Lese-Förderung, zumal mir Lasse und Maja mit ihrem Detektivbüro selbst sehr gut gefallen (hätte ich als Kind sicherlich auch verschlungen).
Rezensionen von kkarin:
Spiel, Satz und Sieg, Aichner! Auch mit BÖSLAND in gewohnter Top-Form!
Bösland von Bernhard Aichner
Bernhard Aichner – von dem ich bereits die Reihe um Totengräber Max Broll und die Triologie um Bestatterin Brunhilde Blum verschlungen habe – hat sich mit diesen Vorgängerwerken die Latte selbst extrem hoch gelegt.
Dementsprechend gespannt war ich, ob er mich auch mit „Bösland“ wieder in den Bann ziehen wird können … und wie er es konnte!!! Ich konnte das Buch nicht mehr aus den Händen legen und hatte es in wenigen Stunden durch!
Der Plot, dass jemand nach einem Mord sein Gedächtnis verliert/die Geschehnisse verdrängt und verstummt, sich Jahrzehnte später doch noch damit auseinandersetzt und plötzlich ein weiterer Mord nach demselben Modus Operandi wie vor 30 Jahre geschieht, ist schon brillant.
Wirklich genial wird „Bösland“ mit dem sich sukzessiv steigernden Psychoterror zwischen den Jugendfreunden Ben und Kux, der mit schockierenden Wendungen Zug um Zug grausamer und abartiger wird und mit einem unvorhergesehenen Ende aufwartet.
Der Erzählstil ist gewohnt rasant. Es wechseln sich Kapitel aus der Ich-Erzähler-Perspektive Bens mit Kapiteln in Dialogform ab, wobei – ein Markenzeichen Aichners – diese Dialoge bloß durch Aufzählungszeichen (-) erkennen lassen, dass ein Sprecherwechsel erfolgt, da auf jedwede Einleitung, Nachsatz oder Anführungsstriche verzichtet wird, was die Spannung und Rasanz zusätzlich erhöht.
Zudem fallen die Dialoge zumeist knapp und prägnant aus und man denkt, einem Kammerspiel beizuwohnen, in welchem die Sätze wie Ping-Pong-Bälle in einem Tischtennis-Einzel zwischen Ben und seiner Therapeutin (Terese Vanek) oder seinem Freund (Kux) oder dessen thailändischer Gattin (Soy) nur so hin- und herschießen. Packend bis zum Ende!
Fazit:
Nomen est Omen: Bernhard Aichner hält, was er mit seinem Titel „Bösland“ verspricht: Einen Pageturner, der einen schaurig-schonungslosen Blick in die menschlichen Abgründe gewährt. Absolut empfehlenswert!
Rezensionen von kkarin:
Mission accomplished
Slow Horses von Mick Herron
Inhalt:
River Cartwright, ein aufstrebender MI5-Agent, wird nach einem folgenschweren Fehler bei der Vereitelung eines Bombenangriffs im Londoner U-Bahn-Netz von der Zentrale des Secret Services zu den „Slow Horses“ in die Nebenstelle „Slough House“ unter der Führung von Jackson Lamb strafversetzt, ein Sammelbecken ausgemusterter Agents, die mit stumpfsinnigen Arbeiten zur Selbstkündigung getrieben werden sollen.
Als ein pakistanischer Jugendlicher entführt und gedroht wird, ihn live zu köpfen, wittert River die Chance, sich aus „Slough House“ wieder hochzuarbeiten. Doch wer steckt hinter der Entführung? Wer zieht einen Nutzen daraus? Welche Ziele verfolgen Diana Taverner („Lady Di“), die Vizechefin des Secret Service, und sein Chef Jackson Lamb?
Meine Meinung:
Mick Herron gelingt es in seinem Serienstart um River Cartwright und Jackson Lamb hervorragend, die Stimmungslage aufgrund der Terrorangriffe in Großbritannien (und der restlichen Welt) und die damit einhergehenden (sicherheits-)politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen aufzugreifen und sie mit einer spannenden Geheimdienstgeschichte rivalisierender Secret Service-Teams zu vernetzen.
Mit britisch-trockenem schwarzen Humor werden Sichtweisen zu situationselastischen Regelauslegungen, der Instrumentalisierung von Einzelpersonen und/oder Gruppen, internationale Konflikte und nationalistische Tendenzen sowie das Spannungsfeld zwischen fake news und Wahrheit sowie Freund und Feind behandelt.
Dabei sind es - ähnlich dem „Sonderdezernat Q um Carl Mørck“ (von Jussi Adler-Olsen) - auch bei Mike Herron die vermeintlichen underdogs/lahmen Gaule/alten Klepper, die aus ihrem „Drecksloch“ heraus mit eingeschränkten Ressourcen agieren und auch vor „friendly fire“ nicht gefeit sind, um wahre Größe beweisen können.
Die Spannung fällt zwischendurch zwar kurzfristig ein wenig ab, wird jedoch – im Sinne der Nachfolgebände – gut genützt, um die Hauptcharaktere zusehends detaillierter zu skizzieren.
Fazit:
Ein spannender Start dieser neuen britischen Spionage-Reihe! Vielversprechend dürfte sich die Rivalität zwischen Taverner und Lamb entwickeln, aber auch River und sein Großvater (eine bereits pensionierte MI5-Legende) sowie Rivers KollegInnen - allen voran Catherine Standish (die „Miss Moneypenny“ von Slough House) und hoffentlich auch wieder Sid Baker - sind es Wert, an dieser Reihe weiter dran zu bleiben!
Rezensionen von kkarin:
Virtuoser Start der Huber-Reihe
Walter muss weg von Thomas Raab
Der österreichische Sprachakrobat Thomas Raab, vielen sicherlich wegen seiner (teilweise bereits verfilmten) Adrian-Metzger-Fälle - bekannt, zelebriert mit seiner neuen silver-/gold-ager-Protagonistin Hannelore Huber (oder kurz "Hanni" oder "Huberin" genannt) in "Walter muss weg" aufs Neue, wie sich das "große Kino" an Politik, Sex und Crime auch in einer kleinen 300-Seelen-Ortschaft wie Glaubenthal abspielen kann.
Wie gewohnt stellen bei Raab der Kriminalfall/Tote/Leichen bloss die Rahmenhandlung dar (zumindest interpretiere ich seine Krimis so).
Hauptteil sind seine gesellschaftlichen, weltpolitischen, wirtschaftlichen und philosophischen Betrachtungen, die von genauer Beobachtungsgabe zeugen und deren Analyse mit spitzer Feder kredenzt werden.
Besonders gut haben mir seine Beispiele gelebter Integration am Lande oder sein Hinschauen auf das Thema Altersarmut - insbesondere bei Frauen bzw. zu welchen "Stilblüten" sich deshalb jemand genötigt fühlt - gefallen.
Es ist eine Freude, Raabs Einsatz und Spiel mit der deutschen Sprache zu verfolgen! So wird zB von Hanni das Wort "Gemahl" nach dem Ableben ihres bedingt geschätzten Gatten zu einem "GEH MAL".
Generell ist Raabs Schreibstil virtuos, spielerisch, häufig humorvoll, ironisch und sarkastisch, aber er vermag sehr wohl auch "tiefe" (emotionale) Töne anzustimmen:
Beispielweise hat mich der Dialog der 6jährigen Amelie Glück mit ihrer Mutter über den Tod sehr berührt und an "Sofies Welt" von Jostein Gaardner erinnert. Amelie versteht aufgrund ihres Alters jedes Wort noch wortwörtlich und kann den Euphemismus der Erwachsenen/ihr Unvermögen über den Tod klar zu sprechen, noch nicht nachvollziehen.
Zusätzlich hinterläßt auch Raabs Musiker-Background seine Spuren im Werk, einerseits in der Sprachrhythmik, andererseits durch das Einstreuen eingängiger Lied(texte), deren Melodien beim (Weiter-)Lesen unweigerlich im Hirn nachhallen.
Fazit:
Frau Huber ist ein weiteres virtuoses Glanzstück von Thomas Raab! Das Cover mit dem Zusatz "Frau Hubers erster Fall" läßt auf eine Fortsetzung hoffen, bei der ich sicherlich wieder dabei bin!
Rezensionen von kkarin:
Mein neuer Stern am australischen Krimi-/Thriller-Himmel
Ins Dunkel von Jane Harper
Jane Harper entführt in ihrem zweiten Thriller "Ins Dunkel" ihre Leserschaft zu einem Teambuilding-Survival-Camp eines jeweils gegeneinander entretenden fünfköpfigen Frauen- und Männer-Teams der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bailey Tennants aus Melbourne in die Berge des Giralang-Massivs.
Am dritten Tag erreichen die Männer den vereinbarten Treffpunkt, doch von den Frauen fehlt jede Spur. Stunden später wanken vier von ihnen abgekämpft und teilweise verletzt aus dem Wald, aber wo ist Alice Russell?
Zwischenzeitlich hat Aaron Falk, Ermittler der australischen Finanzpolizei, seine Mobilbox abgehört, auf welcher sich eine Sprachnachricht von Alice befindet, auf welcher eine männliche (?) Stimme bloss mit einem "... ihr weh tun ..." zu vernehmen ist.
Seit Wochen arbeiten Aaron Falk und seine Kollegin Carmen Cooper mit Alice zusammen, um ihre Arbeitgeber - Jill und Daniel Bailey - der Geldwäsche zu überführen. Hat Alice Verschwinden etwa mit diesen Ermittlungen zu tun?
Umfangreiche Sucharbeiten nach Alice starten in den Bergen, die bereits vor vielen Jahren Schauplatz eines Serienmöders waren. Kann Alice gefunden werden?
Meine Meinung:
Hochspannung, die bereits in der Leseprobe versprochen wurde, kann bis zuletzt aufrecht erhalten werden!
Aufgrund des flüssigen Schreibstils ist man schnell mit den Hauptcharakteren - allen voran dem Ermittler Aaron Falk und dem Frauen-Team mit Alice, Lauren, Bree, Beth und Jill - vertraut.
Durch die Rückblenden im Zuge der "Vernehmungen" der Frauen werden die gemeinsamen Berg-Stunden jeweils aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, wodurch das komplexe und komplizierte emotionale Beziehungsgeflecht geschickt dargestellt wird.
Die zusätzlichen Ermittlungsergebnisse von Aaron Falk und Carmen Cooper fordern den Leser zusätzlich, immer wieder neue Hypothesen über den möglichen Verbleib von Alice Russel anzustellen.
Fazit:
Mit Jane Harper würde ich jederzeit sofort wieder in Down Under ermitteln, denn Spannung bis zum Ende zu halten, schaffen die Wenigsten ... und ganz besonders gern wieder mit dem Polizistenteam Aaron Falk und Carmen Cooper!
Rezensionen von kkarin:
Mein lieber Freund und Kupferstecher! Was für ein literarisches Denkmal!
Der Apfelbaum von Christian Berkel
Der Autor Christian Berkel sieht sich mit dem fortschreitenden Alter seiner Mutter und ihrer zunehmenden Demenz konfrontiert.
Jeder, der diesen Prozess bereits erlebt hat, weiß, wie emotional fordernd dies ist und welche Fragen einem durch den Kopf gehen: zB Wer war meine Mutter? Was hat sie erlebt? Weshalb wurde sie die, die sie heute ist? Weshalb kenne ich nur Teile/Fragmente ihrer/meiner Familiengeschichte? Aus welcher Familie komme ich überhaupt? Was bleibt?
Berkel drückt dies in einem Vergleich aus (Seite 174 lt.
meiner epub-Version), dass er verhindern möchte, einem Buch gleich zu sein, aus welchem Kapitel herausgerissen wurden, unverständlich für andere und sich selbst und dass er diese leeren Seiten mit Hilfe seiner Mutter noch füllen möchte, denn zuerst stirbt der Mensch und dann die Erinnerung an ihn.
Und Berkel bedient sich – familientraditionsgemäß – der Literatur, Bücher und des schriftlichen Festhaltens der Familiengeschichte, um diesen - teilweise schmerzvollen - Prozess zu bewerkstelligen.
Es offenbart sich die Lebens- und Liebesgeschichte seiner Eltern Sala und Otto Berkel, die sich bereits 1932 in Berlin als 13-Jährige bzw. 17-Jähriger kennengelernt haben. Sie aus einer unkonventionellen jüdischen Intellektuellenfamilie, er aus der Arbeiterklasse (und auch bei diesem Kennenlernen spielte ein Buch eine gewichtige Rolle!).
Die bewegte Familiengeschichte führt einem über drei Generationen über den europäischen Kontinent (Deutschland, Frankreich, Spanien, Polen, Russland) bis nach Argentinien und wieder retour.
Der Roman lässt einem Eintauchen in die Welt der Kunst, Literatur, Mode, Psychotherapie; man begegnet vielen heute noch bekannten schillernden Berühmtheiten der damaligen Zeit, der Zeit des Aufbruchs, der zunehmenden individuellen Freiheit und Emanzipation, der jedoch die Gegenbewegung folgte: die Zeit des Umbruchs, der Diktaturen, des Widerstandes, der Gräuel der Nazis (aus religiösen Motiven oder aufgrund der sexuellen Orientierung), der Lager und der Kriegswirren.
Berkel erzählt große Teile der Familiengeschichte aus der Perspektive Salas, Ottos, der Großeltern oder anderer Familienmitglieder und nimmt selbst hauptsächlich die beobachtende, beschreibende, kaum wertende, manchmal philosophische Perspektive ein.
Seine Emotionen umschreibt er durch literarische Anspielungen, Vergleiche oder macht sie an Büchern fest, beispielsweise hat mir eine seiner „Rand“-Bemerkung zu Elementarteilchen (von Michel Houellebecq) das Wasser in die Augen getrieben.
Das Lesen ist zum Teil eine große Herausforderung: einerseits aufgrund der Vielzahl an Personen und Handlungsschauplätzen, andererseits aufgrund der Schwere der Themen (zB die Entmenschlichung/Verdinglichmachung durch die Nazis, die Lagerbeschreibungen, …).
Es kam mehrmals vor, dass ich das Buch weglegen musste, weil mich Passagen derart emotional beschäftigten!
Gleichzeitig gab es auch immer wieder erfreuliche Momente und Lichtblicke: Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens Menschen geblieben sind und geholfen haben.
Fazit:
Ich freue mich für Christian Berkel, dass er mit seiner Verschriftlichung eine immerwährende literarische Erinnerung an seine Vorfahren (und ihn) in Händen hält, an der er mich teilhaben ließ!
Ein gelungenes Beispiel, wie Buch- und Literaturliebhaber ihre Passion nützen können, um sich herausfordernden Situationen zu stellen. Nicht nur eine Familiengeschichte, sondern ein umfangreiches, bewegendes und einen nachdenklich zurücklassendes Zeitzeugnis der europäischen – insbesondere deutschen – Geschichte. Gehört gelesen!











