Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bibliomarie:
Vertrauen und Freundschaft
Alte Sorten von Ewald Arenz
Sally rebelliert gegen eine Umgebung, die sie krank macht. Sie lehnt sich ihrer Eltern auf, die nur das Beste für sie wollen, aber eher das Beste für sich meinen, gegen Psychologen, die ihr sagen, wie sie ihr Leben in Griff bekommt, ihre Essstörung und ihre Selbstverletzungen. Deshalb haut sie aus der Klinik ab.
Zufällig begegnet sie Liss, eine Frau in mittleren Jahren, die allein auf einem Bauernhof lebt.
Liss nimmt Sally auf, ohne viel zu fragen. Zum ersten Mal begegnet das junge Mädchen einem Menschen, der sie annimmt, wie sie ist ohne ihr zu sagen, wie sie sein sollte. Ganz allmählich und ohne große Worte knüpfen die zwei Frauen ein Band, öffnen sich allmählich und fassen Vertrauen zueinander.
Wenn auch auf den ersten Blick die Beiden grundverschieden scheinen, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten. Liss erkennt sich in der rebellischen Sally wieder und erinnert sich schmerzhaft an ihre Kindheit und Jugend voller Enttäuschungen und Zwang.
In einer zarten, einfühlsamen Sprache entwickelt der Autor die Geschichte der beiden Frauen. Wie sie sich in der alltäglichen und harten Arbeit auf dem Hof sich langsam näher kommen, wie Sally plötzlich Verantwortung für sich übernehmen kann und über den Geschmack von reifen Birnen oder einfachen Kartoffeln auch wieder essen lernt, hat mich tief beeindruckt. Farbig und bildhaft beschreibt der Autor die Landschaft oder die Erntearbeit, ich hatte das Aroma der Früchte auf der Zunge und fühlte Wind und Sonne. Es ist eine Leichtigkeit in der Geschichte, trotz des ernsten Hintergrunds von Verlust und Schuld. Eine harte Schale umgibt die Seelen von Liss und Sally, aber sie bricht langsam auf und es ist die schriftstellerische Kunst des Autors den Leser daran teilhaben zu lassen.
Das Buch von Ewald Arenz besticht nicht nur durch die wunderschöne Sprache, sondern auch durch die äußere Gestaltung. Ein zartes Titelbild und ein schöner Einband mit Lesebändchen haben mich sofort eingenommen.
Der Roman gehört zu den Büchern, die mich lange beschäftigen und begleiten werden und den ich nur wärmstens empfehlen kann.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Ideenreich und frech
Alte Sorten von Ewald Arenz
Antoine Laurain ist bekannt für seine besonders ideenreichen Geschichten. Der vorliegende Roman beweist es einmal mehr.
Fabrice Valantine sitzt im Gefängnis und erzählt den Lesern, wieso er wegen einer Zigarette zum Mörder geworden ist. Seine Geschichte beginnt eigentlich mit seiner ersten Zigarette, doch das Rauchen wird erst zum Problem, als ein blondes Model, das grauhaarige Anzugsträger nicht mag, das Rauchverbot in der Firma umsetzt.
Valantine ist ein Headhunter. Er und zwei Arbeitskollegen sind dem höchsten Boss der Firma unterstellt. Ihnen allen ist das allgemeine Rauchverbot total egal, sie rauchen in ihren Büros und in der Kantine. Als das Verbot auch bei ihnen in Kraft tritt, schickt seine Frau Sidonie ihn zum Hypnotiseur und siehe da - er raucht nicht mehr. Dies bringt neue Probleme mit sich, die ihn mit der Zeit zum Morden bewegen.
Man darf kein Krimi erwarten, Spannung kommt kaum auf. Da die Handlung bereits bekannt ist, werden nur die fehlenden Details erzählt. Und die haben es in sich. Teilweise bitterböse, aber immer mit einem satirischen Unterton. Die Geschichte mutet makaber an, dennoch finde ich die Idee originell. Den Autor mag man eh für seine besonderen Plots, die immer wieder überraschen.
Die Erzählung ist stellenweise aber ein wenig langatmig geworden, besonders wenn Forschungen zum Thema Rauchen herbei gezogen werden oder Valantine sich an Erinnerungen an die erste Zigarette ergeht. Hierbei merkt man, dass es eins der ersten Bücher des Autors ist, welches aber erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde.
Man muss sich vorurteilsfrei einlassen auf Valantines Geschichte. Valantine selbst ist eine Figur, der man nicht böse sein kann, die man irgendwie versteht und die einem am Ende fast leid tut, obwohl Valantine nicht auf Mitleid aus ist.
Fazit: Eine freche, zynische Erzählung - grau vor Rauch und schwarz vor Humor.
4 Punkte.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Petra Hesse:
Gute Unterhaltung ohne belastenden Tiefgang
Großmutters Haus von Thomas Sautner
Was ist eigentlich aus den kiffenden, antiautoritären und – mit Bedauern sagt dies eine Frau – machistischen 68ern geworden? Sicher nichts, was dem Stereotyp „Großmutter“ entspricht – man wähnt die Jungen von damals noch immer auf dem Gang durch die Institutionen oder im Ruhestand in der Toskana.
Die Lücke, die zwischen derartigen Klischees und der Lebenswirklichkeit ihrer lange vermissten Großmutter klafft, schließt die junge Ich-Erzählerin auf einer Reise in den deutschen Wald und zu sich selbst: Sie entdeckt eine lustvolle Lebensweise mit (von der Großmutter!) selbstangebauten und verarbeiteten Drogen, sexueller Freizügigkeit und dem ebenso freundlichen wie unbedingten Beharren auf individueller Freiheit und Selbstverwirklichung. Das soziale Biotop, das der Roman für einen solchen Lebensentwurf bereitstellt, basiert nicht zuletzt auf der (Drogen-)Abhängigkeit einflussreicher Mitglieder einer gegenwärtigen Gesellschaft – wiederum ein Stereotyp, das aber durch die Komik mancher Episoden vergnüglich bleibt. Der Zusammenprall unterschiedlicher Erwartungshaltungen war schon immer ein lohnender Gegenstand des Erzählens, und wer selbst zur Generation der 68er gehört, wird das eine oder andere amüsiert wiedererkennen. Gute Unterhaltung ohne belastenden Tiefgang!
Rezensionen von buchina:
Gute Idee, Umsetzung schwierig
Die Geschichte der schweigenden Frauen von Bina Shah
Dieses Buch hat mich schon vom rein äußerlichen angesprochen. Ich mag den Mix aus Hardcover und Broschur. Es liest sich gut und die Haptik ist schön. Auch das Cover macht neugierig, denn erwartet habe ich einen historischen Roman und keine moderne Dystopie. Auch der Plot hat mich gefesselt.
Eine moderne Welt, die sich nach kriegerischen Auseinandersetzungen neu aufgestellt hat.
Es wäre alles gut, würden nicht die Frauen an einem Virus sterben. Das hat die Gesellschaft umgekrempelt und Frauen zu einem wertvollen Gut gemacht. Aber statt das die Frauen die Macht haben, werden sie fremdbestimmt. Sie werden als Gebährmaschinen gesehen, die die Bevölkerung wieder stabilisieren sollen. Sie müssen regelmäßig gesundheitlich überwachen lassen, mehrere verordnete Ehemänner nehmen. Liebe und Selbstbestimmung ist nicht vorgesehen. Ein paar wenige Frauen rebellieren dagegen, rebellieren ist eigentlich das falsche Wort, denn eigentlich verstecken sie sich. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie, in dem sie einsamen Männern Nähe schenken, ohne sexuelle Handlungen. Soweit der Plot.
Leider plätschert dann die Handlung vor sich hin. Auch vermutete ich, dass sich diese Frauen und vor allem die Protagonistin Sabine sich gegen das System wehren, aber ganz im Gegenteil, sie bleiben Abhängige der Männer. Sie üben eine Art Prostitution ohne Sex aus. Sie leben im Verborgenen und haben eigentlich keine Ziele. Dann plötzlich geschieht etwas, was alles in Frage stellt. Die Handlung gewinnt an Spannung. Aber die Protagonisten treffen Entscheidungen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.
Insgesamt gesehen, habe ich von dem Roman mehr erwartet. Die dystopische Welt, die die Autorin erschafft bleibt für mich wenig vorstellbar. Sie erklärt wenig dazu, ich kann mir die Gesellschaft und selbst die Stadt nicht richtig vorstellen, da fehlen mir einfach wichtige Details. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sich die Protagonisten aus deren Blickwinkeln die Geschichte erzählt wird, wenig Gedanken um das Gesamtbild der Gesellschaft machen. Sie leben alle in ihrer kleinen beschränkten Welt. Enttäuscht war ich, dass keiner versucht hat irgendetwas an der Gesellschaft zu ändern.
Ein großer Pluspunkt ist der Schreibstil, die Autorin schreibt sehr poetisch, manche Sätze wirken nach. Das macht leider die Kritikpunkte bei der Handlung und im Spannungsbogen nicht weg. Dennoch werde ich die Autorin im Auge behalten, denn Plot und Sprache sind gelungen.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Irmgard Mandl-Mair:
Die Macht der Worte!
Der Stotterer von Charles Lewinsky
Ein grandioses Buch, spannend vom Anfang bis zum Ende. Ein Paradebeispiel, wie das schreibende Wort manipulativ eingesetzt werden kann, zynisch, unterhaltsam, lehrreich und bitte lesen!
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Irmgard Mandl-MairRezensionen von HEYN Leserunde, Irmgard Mandl-Mair:
etwas ratlos
Großmutters Haus von Thomas Sautner
Obwohl das Thema sehr spannend klingt weist das Buch einige Inkonsistenzen auf. Zwischendurch ist es unterhaltsam zu lesen, es lässt mich allerdings etwas ratlos zurück…..
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Irmgard Mandl-MairRezensionen von dorli:
Die Tote vom Titlis
Die Tote vom Titlis von Monika Mansour
In ihrem Kriminalroman „Die Tote vom Titlis“ nimmt Monika Mansour den Leser mit in die faszinierende Gletscherwelt der Schweizer Alpen. Es geht hoch hinauf auf die Bergstation des Titlis. Eigentlich ein atemberaubendes Erlebnis - doch weder die zwanzig Gäste einer in der Gletschergrotte stattfindenden Hochzeit noch der Luzerner Ermittler Cem Cengiz und die Staatsanwältin Eva Roos, die ihr Flitter-Wochenende in Engelberg mit einem Besuch auf dem Gipfel des Titlis abrunden wollen, können das Alpenidyll mit den schneebedeckten Bergen genießen, denn ein Schuss setzt der Beschaulichkeit ein jähes Ende.
Die Braut wurde während der Zeremonie in der Grotte ermordet! Damit nicht genug, ein gewaltiger Schneesturm macht die Anwesenden - unter ihnen natürlich auch der Mörder - zu Gefangenen auf dem Berggipfel. Ein von der Autorin großartig ausgeklügeltes Verwirrspiel beginnt, das die Ermittler in höchstem Maße fordert und den Leser zum Miträtseln einlädt.
Monika Mansour hat einen sehr fesselnden Schreibstil. Schon nach wenigen Seiten entwickelt die Handlung einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Es ist spannend und sehr unterhaltsam, das Miteinander und Gegeneinander der illustren Hochzeitsgäste in dieser für sie extremen Situation zu beobachten. Nicht nur, dass jeder Einzelne seine Eigenheiten und Macken hat, auch die Beziehungen und Verwicklungen zwischen den Familienangehörigen, Trauzeugen sowie Freunden und Bekannten des Brautpaares sind mehr als explosiv und geben dem Verwirrspiel rund um den Mord immer wieder neuen Zündstoff. Der Täter nutzt dies raffiniert aus und scheint Cem und Eva bis zur überraschenden Auflösung immer einen Schritt voraus zu sein.
„Die Tote vom Titlis“ hat mir sehr gut gefallen – ein Krimi, der mit seinen zahlreichen Überraschungen und Wendungen zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lässt. Ein absolut spannendes Leseerlebnis.
Rezensionen von Gucci-Beerin:
Mein Jahreshighlight!
Bell und Harry von Jane Gardam
"Bell und Harry" wurde 1981 in Großbritannien veröffentlicht. Da war ich gerade mal neun Jahre alt und wusste über die Autorin ebenso wenig wie über das Leben Bescheid. Theoretisch könnte Jane Gardam meine Grandma, Tante oder wer auch immer sein. Ich hatte nie dergleichen. Heute bin ich 46 Jahre alt.
Nie Mama gewesen, warum? Das weiß nur meine Mutti. Aber ich habe zwei liebe Brüder. Wie auch immer, die Lektüre habe ich in sechs Stunden verschlungen.
Neben all den herausragenden Rezensenten, die immer wieder die intensive Freundschaft zwischen den beiden jungen Burschen Bell und Harry betonen, habe ich etwas völlig anderes zwischen den Zeilen gelesen:
Hier geht es um Geborgenheit, um Heimat, um Fernweh (undefinierbare Sehnsucht) und um Natur(schutz) - was damals sowie heute und für alle Zeiten immer gültig sein wird: 1981 steht einerseits für Härte, für Vertrauen, Neugier und Liebe - aber auch für Angst und Schrecken - andererseits um einen politisch ängstlichen, dennoch gewissenvollen und zugleich engagierten Menschen, der auf sein Leben zurückblickt voller Flower-Power und Mondlandung. Ohne die Kelten, ohne die Wikinger, ohne "hasse 'nich gesehen ..." wären wir heute nicht das, was wir sind: Eine Gemeinschaft!
Grande Madame Jane Gardam spricht in ihrem Roman "Bell und Harry" das Thema Urvertrauen an. Und zwar sehr, sehr - sehr vorausschauend!
Diesen Roman empfehle ich ganz besonders jungen Menschen.
Bell und Harry stehen für Jugend, für "Mother Earth", für Sehnsucht und für das ABENTEUER LEBEN
Thank you very much - ich verneige mich vor Grande Madame Jane Gardam!
Rezensionen von manu63:
Zwei Theaterstücke
"Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten" und "Einladung zum Klassentreffen" von Martin Schörle
In seinem Buch Zwei Theaterstücke Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten und Einladung zum Klassentreffen vereint der Autor Martin Schörle zwei sehr unterschiedliche Aufführungen.
Im ersten Teil gibt es einen langen Monolog der kabaretteske Züge zeigt und mit dem ich nicht warm geworden bin.
Wahrscheinlich fehlt dabei das Umfeld der Bühne und auch die Mimik und die Stimme der Vortragenden. Kabarett lebt ja auch viel von Stimme, Mimik und Gestik. Obwohl die jeweilige Bühnensituation gut beschrieben wird kommt das eigentliche Gefühl, das erzeugt werden soll, bei mir nicht an. Der Text ist auf Dauer für mich schwierig lesbar und zu verfolgen weil es immer wieder Gedankensprünge gibt, welche wirr durcheinander zu sein scheinen. Auch das Gesagte ist teilweise derart überzogen das es mir nicht gefallen hat. Der Humor kam für mich nach dem ersten Drittel zum erliegen. Ein Stück das eher auf der Bühne gefallen könnte statt beim Lesen.
Meine Bewertung liegt daher im Mittelfeld
Der zweite Teil Einladung zum Klassentreffen hat dagegen voll meinen Geschmack getroffen. Ein humorvolles und tiefsinniges Gespräch in dem vieles zur Sprache kommt das einst nie gesagt wurde oder das vergessen wurde. Die kleinen Nebenrollen geben dem Ganzen genau die richtige Würze um gut zu unterhalten. Auch hier werden die Bühnenbilder erläutert und die Mimik und Gestik der Darsteller erklärt. Die Geschichte selber ist ruhiger und ich konnte ihr beim Lesen gut folgen, was bei der ersten Geschichte nicht der Fall war.
Hier würde ich die volle Wertung geben.
Für die Gesamtbewertung des Buches ergibt sich somit für mich eine Tendenz zu einer guten Bewertung, weil das zweite Stück sehr gut zu lesen war.
Rezensionen von Ewa Wiercinska Leserunde Heyn:
Bücher sind eine Chance
Großmutters Haus von Thomas Sautner
Herr Sautner, danke für die großartige Romanfigur „Kristyna-Oma“.
Eine Oma, die man wie ein Gleichnis liest. Nie moralisiert. Die Enkelin begegnet in der Großmutter sich selbst und entdeckt die eigene innere Lebendigkeit, die zurück zu sich selbst führt. In „Großmutters Haus“ erzählt Sautner davon wie man aus dem geschützten Raum der Literatur ausbricht und sich gestattet, zu erleben, wovon Literatur erzählt.
Beim Lesen hat man Lust selber zu fabulieren.








