Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Das Schicksal des Hauses liegt in den Händen von Frauen
Ein Haus fürs Herz von Henry Veronica
Wie bereits in "Liebe zwischen den Zeilen" ist auch "Ein Haus fürs Herz" in Peasebrook angesiedelt.
Ausserhalb dieser Ortschaft liegt das Anwesen der Familie Willoughby, das verkauft werden soll. Die jetzigen Besitzer Sally und Alex müssen aus gesundheitlichen Gründen umziehen.
Es fällt ihnen enorm schwer, das Haus loszulassen. Denn "Hunter's Moon" ist das Haus von Alex Familie. Hier ist er mit seinen beiden Schwestern Annie und Phoebe aufgewachsen und er hätte das Haus eigentlich gerne seinen Kindern vermacht.
Mit einer schönen, detaillierten Beschreibung von Hunter's Moon beginnt Veronica Henry ihren Roman in der Gegenwart.
Der zweite Erzählstrang spielt 1967, als Sally Haushälterin auf Hunter's Moon wird. Sie ist fasziniert von der Ungezwungenheit der Familie Willoughby und gibt dem chaotischen Haushalt und der Familie ein bisschen Struktur. Dafür wird sie von allen geliebt. Insbesondere von Alex.
Seine Mutter Margot ist eine berühmte Schriftstellerin und verdient das Geld in ihrer Familie. Sie ist extravagant, vergisst dabei aber ihren Mann Dai und verliert das reale Leben immer mehr aus den Augen.
50 Jahre später soll nun Belinda das erinnerungsträchtige Haus auf den Markt bringen. Belinda hat sich nach einer grossen Enttäuschung nicht unterkriegen lassen und ihr eigenes Maklerbüro in Peasebrook eröffnet. Belinda ist beliebt bei den Kunden und äusserlich stark, aber innerlich tief verletzt. Mit ihren zerplatzten Träumen kann sie deshalb Sally und Alex, aber auch deren Sohn Leo, besser verstehen, als diese ahnen.
"Ein Haus fürs Herz" schildert die Familiengeschichte der Willoughbys, und erzählt die Geschichten der drei Frauen eindrücklich. Mit Veronica Henrys spezieller liebevollen Art, ihre Figuren darzustellen, lernt man die Beteiligten schnell kennen und mögen. Wer ihre Bücher kennt, weiss, dass immer mehr hinter ihren Charakteren und dem Plot steckt, als auf den ersten Blick ersichtlich.
Veronica Henry ist nicht umsonst eine meiner Lieblingsautorinnen, sie begeisterte mich auch mit diesem Roman wieder.
Fazit: Eine wunderbare, emotionale Geschichte über ein Haus, dessen Schicksal in den Händen von Frauen liegt.
5 Punkte.
Rezensionen von Sago:
Ratlos
Dschungel von Friedemann Karig
Felix ist verschwunden. Was eigentlich ein Glück sein sollte. Denn, so erfahren wir in jeder Menge Kindheits- und Jugenderinnerungen des namenlosen Ich-Erzählers, Felix ist hochgradig manipulativ, umgarnt seinen Freund, um ihn dann immer wieder im Stich zu lassen, verbringt seine Zeit mit Klauen, obwohl er im Wohlstand lebt, nimmt Drogen, quält engagierte Lehrerinnen, beschimpft sinnlos Frauen und nutzt sie aus.
...
Die letzte Spur führt nach Kambodscha. Aus Gründen, die wohl nur der Protagonist und der Autor kennen, lässt sich der Erzähler von Felix' Mutter motivieren, Felix in Kambodscha zu suchen. Damit gefährdet er seinen Job und die Beziehung zur Freundin, was ihn kaum zu berühren scheint.
In Kambodscha angekommen, tritt die Suche dann lange auf der Stelle. Die eingestreuten Erinnerungen haben mich nicht gepackt, zum Teil hätte ich sie gern einfach überblättert. Die Fäkalsprache nervte und Kapitel mit einer Überschrift wie "Kotze" und entsprechendem Inhalt brauche ich persönlich nicht.
Mit zunehmender Zeit in Kamboscha scheint die Persönlichkeit des Erzählers immer mehr zu dissoziieren. Er redet permanent mit sich selbst und mit Fantasiefiguren. Manchmal habe ich mich schon gefragt, ob Felix überhaupt existiert oder er und der Erzähler eine gemeinsame, aber gespaltene Persönlichlkeit sind. Das ist raffiniert gemacht, zerrte aber auch gewaltig an den Nerven. Das große Geheimnis, dass Felix' Charaktermängel rechtfertigen soll, ist zwar traurig, aber in seiner Häufigkeit in Literatur und Film mittlerweile klischeehaft geworden.
Als das Buch zu Ende war, war ich leider wirklich froh, den drogenvernebelten Gedanken der unsympathischen Protagonisten nicht mehr folgen zu müssen. Warum das Buch als eine Hymne auf das Jungsein gehandelt wird, ist mir schleierhaft. Wessen Jugend so aussieht, der kann einem nur leidtun.
Rezensionen von rewareni:
Eine Reise in die Vergangenheit
Sich erinnern und vergessen von Manfred Breitinger
Eigentlich geht es dem 78 jährigen Michael Beutler in der Seniorenresidenz recht gut. Er hat seinen geregelten Tagesablauf, er trifft sich immer wieder mit gleichgesinnten zu ihrer sogenannten ,, Frohen Runde´´, aber so ganz glücklich kann er dann doch nicht sein. Seine beginnende Demenz lässt ihn immer wieder vieles vergessen und vergangenen Erinnerungen kommen oft nur schemenhaft ans Tageslicht.
Da trifft er unverhofft auf seine Jugendliebe Karin. Die mittlerweile 74 jährige, die nach einem Autounfall von ihrer Physiothearpeutin Jutta begleitet wird, macht Michi einen besonderen Vorschlag. Eine Flusskreuzfahrt zu dritt soll für alle eine beondere Reise werden. Auch wenn Michi zu Beginn der Reise skeptisch ist, da er sich unsicher fühlt, immer wieder unter altersbedingter Beeinträchtigungen leidet, merkt er dass diese Reise mit Karin etwas besonderes ist. Beide schwelgen in verloren geglaubten Erinnerungen und sowohl Karin als auch Michi erleben die unbeschwerten Tage auf dem Schiff mit einer Intensität, die sie glücklich macht. Am Ende der Reise hat jeder zu sich gefunden und Michi weiß, trotz seiner Krankheit, wie er glücklich weiter leben kann.
In dem Roman ,, Sich erinnern und vergessen´´ nimmt sich der Autor Manfred Breitinger den Themen Demenz und Alzheimer Erkrankung an. Jedes Kapitel wird mit einem Zitat, das sich mit Erinnerungen, dem Vergessen... beginnt, eingeleitet. Man begleitet den Protagonisten Michael auf einer Reise, die sowohl auf dem Schiff stattfindet, als auch in seinen Gedanken. Leider hat sich hierbei der Autor in unwichtigen Szenen sehr oft aufgehalten, die für den Leser nicht wirklich interessant waren. So hat man die Flusskreuzfahrt mit seinen Ausflügen, Sehenswürdigkeiten eher als Reiseführer erlebt und welche Zutaten in einen Cocktail kommen, sind dabei auch immer wieder aufgeführt worden. Der Autor hat zwar immer wieder wunderschöne emotionale Gedanken von Michi eingefügt, die aber immer wieder untergegangen sind, weil er von einer Szene in die andere gewechselt ist.
Seite 44: Das mit dem Vergessen und Nichtvergessen ist schwieriger. Mit dem Aufschreiben und Nichtaufschreiben auch. Aufschreiben, um nicht zu vergessen? Vergessen aufzuschreiben?
Seite 164: Es ist das Heute. Traurig sein über Vergangenes, sich Sorgen zu machen über das Morgen, oder undankbar über das Heute zu sein, ist verschenkte Zeit. Und verschenkte Zeit kommt nie zurück. Das Leben im Heute aber haben sie. Sicher.
Es gibt nicht wirklich einen roten Faden, der sich durch das Buch zieht. Man weiß als Leser nicht, ob die wirren und auch sprachlich manchmal etwas ungeschickten Ausdrücke gewollt sind, um den Gemütszustand des Protagonisten wiederzuspiegeln, oder ob es einfach die etwas holprige Ausdrucksweise des Autors ist. Es gibt einige gute Ansätze, wo die Krankheit in ihren verschiedenen Facetten beschrieben wird. Wo man die Verzweiflung, die Verwirrtheit, aber auch die kleinen Freuden des Lebens und auch den Humor, den sich Michi versucht zu erhalten, spüren kann.
Der Klappentext lässt für den Leser kaum noch eine Überraschung über, da er im Grunde bereits den gesamten Inhalt wieder gibt. Das Cover ist passend gewählt und drückt die Stimmung aus, die Michi und Karin immer wieder begleitet, wenn sie im Gedanken versunken an Früher denken.
Ich kann den Roman weder mit negativ noch mit positiv bewerten, da er einfach dazwischen liegt.
Rezensionen von KimVi:
Wundervoller Hunderoman, der mitten ins Herz trifft
Sich erinnern und vergessen von Manfred Breitinger
Bisher hat die junge Mischlingshündin Phoebe in ihrem Leben nicht viel Glück gehabt. Als Welpe wurde sie gemeinsam mit ihren Geschwistern ausgesetzt, hat dabei nur knapp überlebt und landete schließlich in einem Tierheim. Ihr Schicksal wendet sich, als Uwe Krauser sein Herz an Phoebe verliert und ihr, gemeinsam mit seinem Partner, ein liebevolles Zuhause gibt.
Nun lebt Phoebe in Bayern, arbeitet als Hotelhund, lernt unglaubliche Dinge und erlebt dabei einiges....
Bereits der Blick auf das niedliche Cover, auf dem die Hündin Phoebe zu sehen ist, stimmt auf die wunderbare Geschichte ein, die sich zwischen den Buchdeckeln verbirgt. Vom ersten Moment an ist man hautnah dabei, denn Phoebe erzählt ihre Erlebnisse selbst. Das macht sie auf lockere, aber manchmal auch auf ernsthafte Art und Weise, sodass man sie sofort ins Herz schließt und mitten im Geschehen ist.
Phoebes Sicht auf die Dinge ist einfach wunderbar. Man lernt dabei ihre neuen menschlichen und tierischen Freunde kennen und verfolgt, wie sie sich in ihrem neuen Zuhause einlebt. Auch wenn ihre Herrchen zunächst andere Auffassungen von Schlafplätzen, die für Hunde geeignet sein sollen, haben, versteht es Phoebe hervorragend, sie um den kleinen Finger zu wickeln. Dabei bekommt sie auch Unterstützung von ihrem neuen Freund Hector. Der Mops lässt sie gerne an seinen Kenntnissen, wie man Menschen beeinflussen kann, teilhaben. Denn nicht umsonst ist er als der ungekrönte König der Menschenerziehung bekannt. Es gibt in diesem Buch viele Szenen, bei denen man schmunzeln oder sogar herzhaft lachen muss. Doch Phoebe hat auch von Erlebnissen zu berichten, die traurig sind. Diese werden von ihr so einfühlsam erzählt, dass sie tief berühren und mitten ins Herz gehen. Phoebe hat ein wunderbares Talent, ihre Geschichte so zu erzählen, dass man das Gefühl hat, selbst dabei zu sein und sie zu beobachten. Deshalb fliegen die Seiten nur so dahin, sodass man viel zu schnell am Ende angekommen ist und sich dann nur ungern von ihr trennen mag.
Ich habe mit diesem Buch wunderbare Lesestunden verbracht, denn ich konnte mich ganz auf Phoebes Geschichte einlassen. Dabei musste ich oft schmunzeln, habe herzhaft gelacht, aber auch ein paar Tränchen verdrücken müssen. Am Ende war ich wirklich traurig, dass ich Phoebe verlassen musste. Ein Lichtblick ist für mich allerdings, dass es diese wunderbare Hündin tatsächlich gibt und dass man ihr sogar auf Instagram folgen kann. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt Phoebes Geschichte die volle Punktzahl und eine ganz klare Leseempfehlung.
Rezensionen von begine:
Interessant
Meine Zeit mit Eleanor von Bloom Amy
Amy Bloom lässt in ihrem Roman „Meine Zeit mit Eleanor“ die Reporterin Lorena Hickok ihre Geschichte erzählen.
Der Roman wird vom Hoffmann & Campe verlegt und er wurde von Kathrin Razum übersetzt.
Eleanor Roosewelt war mit dem amerikanischen Präsidenten Franklin Roosewelt, der von 1933 bis 1945 das Amt inne hatte, verheiratet.
Lenorre Hickok, genannt Hick, kommt 1932 als Wahlhelferin nach Washington.
Die Autorin schreibt über das Liebesverhältnis zwischen Eleanor und Hick, das Jahrzehnte lang ging. Die Dialoge zwischen den Frauen und dem Präsidenten sind interessant.
Bei Wikipedia ist diese Liaison belegt. Im übrigen ist die Geschichte fiktiv. Der Roman liest sich gut.
Es ist ein Roman für Leser, die sich für das Leben bekannter Personen interessiert.
Rezensionen von rewareni:
Gruselige Geschichten
Zwielicht 12 von Achim Hildebrand
Der bereits 12 Band der Zwielicht Reihe beschert dem Leser 17 Geschichten aus dem Bereich des Horrors, des Übersinnlichen und 2 spannende und interessante Artikel über die Entstehung des Pulp Fiction Magazines Amazing Stories, sowie für mich teilweise unbekannte Autoren und ihre Werke.
Sehr gelungen ist dabei auch das Cover von Björn Ian Craig, das den blanken Horror genial wiedergibt.
Wie immer gibt es verschiedene Geschichten die sich mit sanften Horror oder sogar mit blutiger Brutalität beschäftigen. Es ist eine bunte Mischung der Genre, die den Charme der Zwielicht Reihe ausmacht.
Schön finde ich es auch, wenn man sanften Grusel in Form von humorvollen Geschichten präsentiert bekommt, wie von Wolfgang Rauh ,, Die Alptraum- Beule´´, wo man als Leser den verzweifelten Versuch des Protagonisten miterleben kann, wie er sein ,,unerwünschtes Ding´´ wieder loswerden möchte.
Aber auch die Geschichte von Algernon Blackwood ,,Smiths Untergang´´ hat gezeigt, dass man sehr wohl alte Erzählungen aus der Versenkung holen kann, wo man als Leser auch heute noch vom Schreibstil des längst verstorbenen Autors begeistert sein wird.
Auch in diesem Band gibt es Geschichten, die mir sehr gut gefallen haben und andere, die mich nicht ganz angesprochen haben, trotzdem ist es wieder eine Ausgabe, wo es einige ,,Schmankerln´´ gibt und wo man sich als Leser immer auf originelle, humorvolle, traurige, blutige, unheimliche und auch gruselige Geschichten freuen darf.
Rezensionen von LEXI:
Eine verlorene Heimat, eine verlorene Vergangenheit, eine verlorene Familie.
Zwielicht 12 von Achim Hildebrand
Die Halbfranzösin Franziska Berger muss nach einer liebevollen und behüteten Kindheit ihre Heimat Cöln verlassen. Nach dem Tod ihres Vaters in der Schlacht von Belle-Alliance am 18. Juni 1815 kann Luise Berger ihre Kinder nicht mehr alleine versorgen und übergibt die beiden in die Obhut ihres in Coblenz lebenden Bruders Hubert Kannegießer.
Der herzlose und harte Mann lässt sowohl Franziska, als auch ihren Bruder Christian hart für Verpflegung und Unterkunft arbeiten, den nachdenklichen und sensiblen Jungen schickt er als Rekrut zur preußischen Armee. Für Christian beginnt die schlimmste Zeit seines Lebens – und schließlich wird er sogar als Landesverräter der Spionage bezichtigt und ins Militärarresthaus gebracht. Franziska ist außer sich und setzt sich leidenschaftlich dafür ein, Christians Leben zu retten. Sie versucht auf eigene Faust, die Wahrheit ans Licht zu bringen und kommt dabei immer wieder einem preußischen Offizier namens Rudolph Harten in die Quere, der sie schließlich der Mittäterschaft verdächtigt. Der zielstrebige und distanzierte Premierleutnant des preußischen Ingenieur-Corps ist zwar von seinem Mitwirken am Bau der Festung Ehrenbreitstein besessen, besitzt zugleich aber gute Menschenkenntnis und einen messerscharfen Verstand. Schon bald fallen auch ihm einige Ungereimtheiten bei den angeblichen Beweisen gegen Christian Berger auf. Und letztendlich beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit – denn die Gerichtsverhandlung und die drohende standesrechtliche Erschießung des Beschuldigten stehen kurz bevor.
Maria W. Peter thematisiert in diesem mehr als sechshundert Seiten umfassenden, hervorragend recherchierten Roman die Geschichte des Rheinlands und der Festung Ehrenbreitstein. Die Handlung wird in zwei Zeitebenen erzählt, beginnend mit einem kurzen Prolog während der Schlacht von Belle-Alliance im Jahre 1815, die heute als Schlacht bei Waterloo bekannt ist. Der zweite Erzählstrang startet in Coblenz im Jahr 1822 mit der Verhaftung des Bruders der Protagonistin.
In einem äußerst einnehmenden Schreibstil und mit bildhaften Beschreibungen des wunderschönen Rhein- und Moseltals richtet sich der Fokus immer wieder auf den Bau der preußischen Feste Ehrenbreitstein als Symbol dieser neuen Zeit. Die Autorin versteht es zudem vortrefflich, die Konflikte und die Unruhe in der Bevölkerung darzustellen, als die Preußen nach zwei Jahrzehnten der französischen Besatzung die Herrschaft im Rheinland übernahmen. Glaubenskonflikte und die Sehnsucht vieler Rheinländer nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf Grundlage der Parole der Französischen Revolution sorgen für zusätzliche Unstimmigkeiten. Der Spionagefall und die drohende Verurteilung von Christian Berger bringen einen großen Spannungsbogen ins Buch, der bis zur finalen Aufklärung konstant aufrecht bleibt.
Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren hat mir sehr gut gefallen. Sowohl Protagonisten, als auch Nebenfiguren werden vielschichtig dargestellt und punkten mit Authentizität. Franziska Berger weist für ein junges Mädchen gutbürgerlicher Herkunft erstaunliche Courage auf, die drohenden Konsequenzen einer Entdeckung halten sie jedoch nicht von ihrem oftmals wagemutigen Vorgehen ab. Im Armee-Ingenieur Rudolph Harten findet sie einen erbitterten Gegner, der ihrer Person und ihren Absichten zunächst tiefstes Misstrauen entgegenbringt. Die langsame Annäherung der beiden Protagonisten und die Beschreibung ihrer Gefühls- und Gedankenwelt ist Maria W. Peter vortrefflich gelungen. Man erlebt die persönliche Wandlung eines Offiziers, der seit jener Schicksalsschlacht im Jahr 1815 ein an Leib und Seele gebrochener Mann ist. Durch Franziska lernt Rudolph letztendlich, die Welt mit anderen Augen zu betrachten. Der hochrangige adelige Offizier Capitain von Rülow und seine Ehefrau Henriette sind ebenso wichtige Nebenfiguren wie der skrupellose Feldwebel Bäske und der schottische Künstler Alasdair McBaird. Während mir der warmherzige Maler mit dem rollenden Akzent auf Anhieb sympathisch war, fungierten der überhebliche und kaltblütige Bäske sowie Franziskas herzloser und cholerischer Onkel Hubert als Antagonisten. Und obgleich der französische Revolutionsoffizier und Franziskas Vater Lucien Berger bereits im Prolog sein Leben verwirkte, wuchs mir seine Person durch etliche Rückblenden noch nachträglich ans Herz. Einen nicht unerheblichen Beitrag für eine glaubwürdige Darstellung der handelnden Figuren bereitet auch die Einbindung der Dialekte –hervorheben möchte ich hierbei neben dem schottischen Maler Alasdair auch Onkel Hubert Kannegießer, sowie Rudolph Hartens frechen und direkten Burschen Fritz.
Die optische Aufmachung dieses Buches macht es zu einem richtigen Blickfang. Vor dem malerischen Panorama der beeindruckenden Feste Ehrenbreitstein steht eine elegant gekleidete junge Frau, deren Gesicht nur teilweise zu erkennen ist. Die farbliche Gestaltung und der elegante Schriftzug mit dem Buchtitel ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters automatisch auf die junge Protagonistin und diesen historischen Schauplatz. Eine Karte von Coblenz aus den 1820er Jahren mit den wichtigsten Schauplätzen der Handlung, das aus meiner Sicht unerlässliche Glossar sowie die beiden Personenregister (Figuren der Handlung und historische Persönlichkeiten) vervollständigen den herausragenden Gesamteindruck.
„Die Festung am Rhein“ ist eine Lektüre, die aus meiner Sicht keine Wünsche offenlässt. Akribisch recherchierte historische Fakten, überzeugende und vielschichtige Charaktere mit einer spannungsgeladenen Handlung sorgten für ein grandioses Abenteuer im Kopf. Dieses Buch hat mir ausgezeichnet gefallen und ich kann es jedem ans Herz legen, der tief in die Vergangenheit des Rheinlandes eintauchen und Geschichte hautnah erleben möchte.
Rezensionen von KimVi:
Spannender Pageturner!
Auris von Vincent Kliesch
Der Forensiker Matthias Hegel ist ein angesehener Experte im Bereich der forensischen Phonetik. Kleinste Abweichungen in Stimme oder Tonlage reichen ihm, um daraus Rückschlüsse zu ziehen. Als er den Mord an einer Obdachlosen gesteht und ohne ernsthafte Verteidigung seinerseits, verurteilt und inhaftiert wird, ist das Interesse der True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge geweckt.
Sie ist fest davon überzeugt, dass an diesem Fall irgendetwas nicht stimmt. Obwohl Hegel ihr entschieden davon abrät, beginnt sie auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Ihr Interesse weckt den Argwohn eines Unbekannten. Schon bald wird Jula bedroht und gerät in große Gefahr....
Der Einstieg in diesen Thriller, den Vincent Kliesch nach einer Idee von Sebastian Fitzek geschrieben hat, gelingt mühelos. Man kann sich sofort ein Bild von den herausragenden Fähigkeiten des forensischen Phonetikers Matthias Hegel machen. Er wirkt dabei sehr sympathisch und seine Rückschlüsse sorgen dafür, dass man seinen Einsatz fasziniert beobachtet. Deshalb ist man überrascht, dass dieser fähige Mann plötzlich einen Mord gesteht. Das Interesse an der Handlung ist dadurch sofort geweckt. Denn man mag nicht glauben, dass das stimmt. Die Einführung der zweiten Hauptprotagonistin, True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge, ist ebenfalls interessant. Man erfährt von einem schweren Schicksalsschlag in ihrer Vergangenheit und kann gut nachvollziehen, warum sie sich darauf spezialisiert hat, unschuldig Verurteilten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Man kann sich Handlungsorte und Protagonisten mühelos vorstellen und deshalb ganz in die Handlung eintauchen. Da Haupt- und Nebencharaktere äußerst lebendig wirken und man von Anfang an Zweifel an Hegels Schuld hat, gerät man früh in den Sog der Ereignisse. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und ist in relativ kurze Abschnitte unterteilt, die häufig an entscheidenden Stellen stoppen. Dadurch fliegt man förmlich durch das Buch und mag es kaum aus der Hand legen. Nach und nach führen Julas Nachforschungen zu ersten kleinen Erfolgen. Obwohl sie bedroht wird, setzt sie alles daran, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dadurch kann die bereits früh aufgebaute Spannung nicht nur durchgehend gehalten werden, sondern steigert sich stetig. Vincent Kliesch versteht es hervorragend, Spuren auszulegen, denen man bei den eigenen Ermittlungen nur allzu bereitwillig folgt. Es kommt allerdings zu überraschenden Wendungen, die dafür sorgen, dass man seine Überlegungen überdenken und neu ansetzen muss. Dadurch tappt man bis zum Schluss im Dunklen und atmet aus, als die Hintergründe enttarnt werden. Doch diese Atempause ist nur kurz, denn das Ende hält noch eine unverhoffte Überraschung bereit. Außerdem gibt es Cliffhanger, die dafür sorgen, dass man unbedingt wissen möchte, wie es mit Jula Ansorge und Matthias Hegel weitergeht.
Thriller sind ja meine absoluten Favoriten. Ich bereits einige Exemplare von Vincent Kliesch und Sebastian Fitzek gelesen. Deshalb war ich auf das Ergebnis der Zusammenarbeit der beiden Autoren sehr gespannt und wurde nicht enttäuscht. Plot und Umsetzung konnten mich begeistern. Durch die rechten kurzen Kapitel geriet ich bereits früh in den Sog der Handlung und habe das Buch deshalb innerhalb weniger Stunden verschlungen. Ich bin sehr gespannt wie es weitergehen wird und hoffe auf eine baldige Fortsetzung der Reihe.
Rezensionen von Caroline :
Ein wundervoller Roman über Liebe, Freunde und Familie
Beziehungswaise von Birbæk Michel
Als Tess ein Jobangebot nach China erhält, ist es für Lasse an der Zeit über ihre sieben jährige Beziehung und seine eigene Karriere nachzudenken. Er fühlt sich als Tess Partner unheimlich wohl, aber dass sie seit über zwei Jahren keinen Sex hatten, verunsichert ihn sehr.
Seine Leidenschaft als Comedian bringt auch nicht mehr so viel ein, wie einige Jahre zuvor.
Sechs Monate im Jahr für Senioren auf einem Kreuzfahrtschiff sein Geld zu verdienen, stellt ihn auch nicht zufrieden. Eine Einladung zu einem Casting für eine TV Show kommt da gerade recht, auch wenn Lasse nicht wirklich von seinen Qualitäten überzeugt ist.
Könnte dieser Scheideweg aber auch als Chance für einen Neuanfang stehen? Als ihn ein dringender Anruf seiner Schwester erreicht, lässt er seine Sorgen in Köln zurück, um sich voll und ganz auf seine Familie in Dänemark zu konzentrieren. Dabei schüttelt Lasse seine Probleme nicht ab, sondern muss sich ihnen Schritt für Schritt nähern, um sie zu lösen.
Wie hat es mir gefallen?
Michel Birbaek, das muss ich zugeben, war mir bis letztes Jahr überhaupt kein Begriff. Näher mit ihm beschäftigt habe ich mich kurz vor der Lit.Love in München. Damals veröffentlichte er sein Buch "Das schönste Mädchen der Welt". Als einziger Mann in dem Kreis der Liebesromanautor/innen zog er natürlich die Aufmerksamkeit auf sich. Den Klappentext bei "Beziehungswaise" fand ich sofort spannend. Ich lese jeden Monat mit einer Freundin gemeinsam ein Buch und im Mai fiel unsere Entscheidung auf dieses.
Die Geschichte beginnt mit einer Hochzeit. Ein Paar, das sich nur ein paar Monate kennt, schließt den Bund fürs Leben. Tess und Lasse sind unter den Gästen und alle stellen ihnen die Frage, wann denn sie endlich vor den Traualtar treten. Nach sieben Jahren wäre es doch an der Zeit.
Nun könnte der Leser/die Leserin glauben, dass es sich in diesem Buch nur um Lasse und Tess Beziehung drehen wird. Falsch gedacht, denn der Autor verflicht Familie, Freund, lebenswertes Leben und Sterben. Viele kleine Momente füllen die Geschichte, mit besonderem Augenmerk auf die Entwicklungen die Lasse macht. Er erzählt aus seiner Sicht und gewinnt wundervolle Einsichten in sein eigenes Leben als Mann, als Partner, als Freund und vor allem als Sohn.
Manche mögen diese Geschichte als etwas langatmig bezeichnen. Ich gewinne ihr witzige und berührende Momente ab, die ohne "Assiwitze" und lautem Gebrüll sondern mit feinfühligen Blicken auf alltägliche Situationen, die immense Bedeutung gewinnen. Einige Kapitel spielen bei Lasses Familie in Dänemark. Die Dänen scheinen gerne Käffchen zu trinken und ich habe mich ein wenig in Far verliebt, der seine eigene Sichtweise auf das Leben hat und seinen Kindern Lasse und Sune einiges weitergibt.
Besonders erwähnen möchte ich den gelungenen Titel. Beziehungswaise passt, wie die Faust aufs Auge.
Michel Birbaek werde ich mir auf jeden Fall für die Zukunft merken. Seine bereits erschienen Bücher sind selbstverständlich auf meiner Merkliste gelandet.
www.mariessalondulivre.at
Autor: Michel Birbæk
Rezensionen von Bibliomarie:
Sprach- und bildgewaltig
Bella Ciao von Romagnolo Raffaella
Unter ärmlichsten Verhältnissen leben die Kleinpächter und Fabrikarbeiter in Borgo di Dentro Ende des 19. Jahrhunderts. Schon als kleine Mädchen mussten Giulia und ihre Freundin Anita in den Seidenspinnereien hart arbeiten. Der Lebensweg scheint für beide vorgezeichnet zu sein. Doch dann muss Giulia erfahren, dass ihre beste Freundin und Vertraute und ihr Verlobter sich in einander verliebten und verletzt verlässt sie ihre Heimat Richtung New York.
Mittellos und schwanger landet sie dort in der Grosseria des Libero Manfredi, der sie großherzig aufnimmt, ihr und ihrem Kind Liebe und Heimstatt bietet.
Nach gut 50 Jahren kehrt Giulia, nun eine vermögende Amerikanerin mit ihrem Sohn Michael nach Borgo zurück. Wie wird ihr Zusammentreffen mit Anitia sein?
Der großartige Familienroman von Raffaella Romagnolo fächert ein breites Familienepos vor dem Hintergrund der turbulenten Zeitgeschichte auf. Über Borgo sind zwei Weltkriege hinweg gezogen, die viele Opfer in den Familien forderten. Auch Anita musste viel Blutzoll bezahlen. Es hat sich für die kleinen Leute nie etwas geändert, ob Republik oder Faschisten an der Macht waren. Während Giulia in Borgo ist, taucht sie immer wieder in Erinnerungen ein. Die ersten harte Jahre für Immigranten in New York, der allmähliche mühsam erarbeitete Wohlstand und immer wieder auch ihre Enttäuschung über Anita Leone und Pietro.
Ein zweiter, in die Handlung eingewobener Erzählstrang betrifft die Sippe der Leones, ihr Schicksal während der beiden Kriege und des Widerstands gegen die Faschisten.
Es ist die bildgewaltige Sprache, die mich fasziniert hat. Ein halbes Jahrhundert wird geschildert und die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge haben mir ausgesprochen gut gefallen. Ein interessantes Epos mit zwei starken Frauen im Mittelpunkt, zu denen sich im letzten Drittel noch eine weitere starke Frauenfigur mit der jungen Marchesina Adelaide gesellt.
Hatte ich, ein wenig durch den Klappentext ( …. sie hat noch eine Rechnung offen)in die Irre geführt, eine Rachegeschichte a lá „Besuch der alten Dame“ erwartet, stellt sich dieser Roman wesentlich vielschichtiger dar. Es ist ein farbiges, fesselndes Zeitbild eines sehr bewegten Jahrhunderts und wieder mal ein Beispiel dafür, dass der Diogenes Verlag ein Händchen für ganz besondere literarische Entdeckungen hat.









